Carl Heinrich Zöllner
willscher, Donnerstag, 21. April 2011, 06:30 (vor 5614 Tagen)
Alle Welt führt jetzt Liszt auf. Wegen des 200. Geburtstages. Warum nicht....Jedenfalls ist er auch ohne das Jubiläum gut im Geschäft. Aber keiner führt Carl Heinrich Zöllner auf. Dessen 175. Todestag ist am 2.7. zu begehen.
Am 5.5.1792 wurde er in Oels bei Breslau geboren. Zu Lebzeiten war er ein hoch angesehener Organist und Komponist, der ganz Deutschland und auch die angrenzenden Länder bereiste. Immerhin gibt es zwei CDs, auf denen er verewigt ist. Michael Eckerle hat eines seiner großen Postludien eingespielt, Markus Eichenlaub die Variationen über God save the King. In St. Joseph, Hamburg-Wandsbek, ist er allerdings seit Jahren gut vertreten, was daran liegt, daß er die letzten Lebensjahre eben in Wandsbek verbrachte. AlbisMusic hat das Nachspiel a-Moll im "Hamburger Orgelbuch" neu aufgelegt. Dort sind auch die Variationen erhältlich. Wer Interesse an anderen Orgelstücken hat, darf sich gerne bei mir melden.
Viele Grüße
Andreas
Carl Heinrich Zöllner
orgelfreund, Dienstag, 03. Mai 2011, 16:17 (vor 5602 Tagen) @ willscher
lieber andreas, welche cd´s mit eckerle und eichenlaub sind die mit zöllners werken? wäre da interessiert. gibts von HH-wandsbek eine festschrift? danke im voraus und lg aus mainz vom mario
Carl Heinrich Zöllner
willscher, Mittwoch, 04. Mai 2011, 10:04 (vor 5601 Tagen) @ orgelfreund
lieber andreas, welche cd´s mit eckerle und eichenlaub sind die mit zöllners werken? wäre da interessiert. gibts von HH-wandsbek eine festschrift? danke im voraus und lg aus mainz vom mario
Hallo Mario,
Festschrift ist nicht geplant, weil 1. Hamburg keine Kultur hat und 2. das was kosten würde.
Ich stelle gerade fest, daß es sogar 3 CD's gibt:
a) Tastenreigen. Heitere Orgelmusik aus Barock und Rokkoko. Michael Eckerle an der Joseph Martin-Orgel Neuhausen Track 22 ist das Nachspiel in a op. 36/9 von Zöllner.
LC 05095 bei MOTETTE
b) Imperial March. Orgelmusik aus dem Westwälder Dom. Markus Eichenlaub an der Göckel-Orgel von St. Bonifatius in Wirges. Track 5 ist "Variations sur God save the King". Erschienen bei unda maris (www.aeolus-music.com).
c) Märsche für Orgel. Julian Bewig an der Cavaillé-Coll Orgel von Saint-Pierre, Dreux. Track 9 ist Marcia (aus der Sonate amusante op. 10). LC 09121 bei Classicophon. Der Marsch (im Sammelband "Märsche in der Orgelmusik" beim Musikverlag Dr. J. Butz) ist übrigens eine Bearbeitung von mir (Original für Klavier zu 4 Händen), aber das steht weder im Notenband noch im booklet.
HG
Andreas
Carl Heinrich Zöllner
willscher, Mittwoch, 04. Mai 2011, 10:21 (vor 5601 Tagen) @ orgelfreund
Noch ein Nachtrag:
Bewig spielt Paraire, Lemmens, Powell, Raffy, Gounod, Paladilhe, Lasceux, Claussmann, Zöllner, Bird, Reuter, Faulkes, Elgar, Jones, Salomé, Lefebure, Stainer.
Eckerle spielt Druckenmüller, Schneider, Knecht, Haydn, Moßmayr, Anonymus (Ochsenhausener Orgelbuch), Mozart, Zöllner, Beethoven, Rellstab.
Eichenlaub spielt Elgar, Salomé, Strimer, Ropartz, Zöllner, Reveyron sowie die Symphonie op. 47 von Holloway. Schon wegen Holloway ein Muß. Aber auch die anderen Produktionen bringen Seltenes. Höchster Repertoirewert. Das wird diejenigen, die ihre CD's mit Bach, Buxtehude, Liszt oder Bach, Mendelssohn, Alain oder Buxtehude, Reger, Franck oder Franck, Vierne, Widor gestalten, allerdings nicht davon abhalten, weiter auf ausgetretenen Pfaden zu wandeln ;-))
Carl Heinrich Zöllner
aristidecc, Donnerstag, 05. Mai 2011, 05:09 (vor 5600 Tagen) @ willscher
Richtig, ausgetretene Pfade sind in, aber ich will nicht die 101. Aufnahme von Komponist xy, sondern auch neue Wege beschreiten.
Aber wer kennt schon J.G.E Stehle, Wilhelm Rudnick, Guy Ropartz, Erb, Neukomm, Malling, R. Vièrne, um nur ein paar Namen zu nennen (die Liste ließe sich noch erheblich verlängern), die heute leider nicht mehr in das Schema der wenigen eingleisigen Plattenlabels und der vielgehörten und eben auf das Massenpublikum (wenn man im Bereich Orgel überhaupt davon sprechen kann) ausgerichteten Orgelspieler passen.
Carl Heinrich Zöllner
orgelfreund, Samstag, 07. Mai 2011, 10:43 (vor 5598 Tagen) @ aristidecc
schade,schade, dafür spielt alle welt das gesamtwerk von bach,buxtehude,widor,alain,liszt und vierne ein zb. statt sich mal der unbekannteren komponisten anzunehmen....
....wer kennt schon.....?
willscher, Samstag, 07. Mai 2011, 11:00 (vor 5598 Tagen) @ aristidecc
Aber wer kennt schon J.G.E Stehle, Wilhelm Rudnick, Guy Ropartz, Erb, Neukomm, Malling, R. Vièrne, um nur ein paar Namen zu nennen (die Liste ließe sich noch erheblich verlängern), die heute leider nicht mehr in das Schema der wenigen eingleisigen Plattenlabels und der vielgehörten und eben auf das Massenpublikum (wenn man im Bereich Orgel überhaupt davon sprechen kann) ausgerichteten Orgelspieler passen.
Ich kenne die ;-))
und ich habe die alle gespielt. René Vierne ist aber im Kommen. Der erste Teil der
Noten-Gesamtausgabe ist ja schon erschienen. Auch auf CD's ist es erfreulicherweise ganz gut vertreten. Man erkennt wohl inzwischen, daß er auch nicht schlechter als sein berühmter Bruder komponiert hat. Nur brauchte er weniger Noten. Wundervolle Orgelmusik. Wie wäre das gewesen, wenn er nicht so früh im Krieg gefallen wäre......
Ropartz....da hat Markus Eichenlaub doch vor einiger Zeit eine Einspielung der gesamten Orgelwerke gemacht (nicht die Harmonium-Sachen) - in 2007.
Ich bekam einen Anruf aus Spanien: "Mir fehlen zwei Orgelstücke....". 30 min. später hatte er sie dann dank www und pdf. Internet ist schon eine tolle Sache!
J.M. Erb.....da werden auch sämtliche Orgelwerke bei Delatour (Herausgeber Yannick Merlin) veröffentlicht. Wobei Yannick viele Sachen von mir hat, von deren Existenz er nichts wußte. Malling: Den spielt doch u.a. Reinhard Kluth. Wertvolle Musik. Trotzdem natürlich auf dem CD-Markt hoffnungslos unterrepräsentiert.
Gruß
Andreas
J. G. Ropartz
FranzS.
, Samstag, 07. Mai 2011, 13:44 (vor 5598 Tagen) @ aristidecc
bearbeitet von FranzS., Samstag, 07. Mai 2011, 13:50
Richtig, ausgetretene Pfade sind in, aber ich will nicht die 101. Aufnahme von Komponist xy, sondern auch neue Wege beschreiten.
Aber wer kennt schon J.G.E Stehle, Wilhelm Rudnick, Guy Ropartz, Erb, Neukomm, Malling, R. Vièrne, um nur ein paar Namen zu nennen (die Liste ließe sich noch erheblich verlängern), die heute leider nicht mehr in das Schema der wenigen eingleisigen Plattenlabels und der vielgehörten und eben auf das Massenpublikum (wenn man im Bereich Orgel überhaupt davon sprechen kann) ausgerichteten Orgelspieler passen.
Hallo,
kennt man eigentlich nur vom Namen her. Einige muss man sicher nicht unbedingt kennen, außer Ropartz. Dessen mächtige 3. Sinfonie gibts in CD-Qualität auf youtube. Unbedingt anhören! Sehr unfranzösisch wie ich finde, eher trés germanique vor allem das Finale.
Grüße
Franz
Sollte man schon!
willscher, Sonntag, 08. Mai 2011, 15:01 (vor 5597 Tagen) @ FranzS.
Aber wer kennt schon J.G.E Stehle, Wilhelm Rudnick, Guy Ropartz, Erb, Neukomm, Malling, R. Vièrne.....
Hallo,
kennt man eigentlich nur vom Namen her. Einige muss man sicher nicht unbedingt kennen, außer Ropartz. Dessen mächtige 3. Sinfonie gibts in CD-Qualität auf youtube. Unbedingt anhören! Sehr unfranzösisch wie ich finde, eher trés germanique vor allem das Finale.
Grüße
Franz
Hallo Franz,
muß man nicht, sollte man aber schon. Und um das mal ganz klar und deutlich zu sagen: Wenn einer bei uns ein Konzert spielen möchte, und nur Bach, Franck und Mendelssohn anbietet........der braucht gar nicht erst anzureisen. Bei den heutigen Möglichkeiten hat man doch Material ohne Ende. So ist die gesamte Joubert-Sammlung "Les Maitres..." in Rochester abrufbar mit den wunderbarsten Orgelstücken, die man sich denken kann, so Ulysse Mattheys Toccata-Carillon, Werke von Destenay, den Reuchsels u.v.m. Der gesamte Tournemire-Zyklus "L'Orgue mystique" liegt bei IMSLP zum Download bereit, und so weiter und so weiter................
Nein, wer Anderes, Neues will, kann auch fündig werden, ohne (außer Toner und Papier) einen Cent zu zahlen.
Andreas
Sollte man schon!
FranzS.
, Sonntag, 08. Mai 2011, 17:05 (vor 5597 Tagen) @ willscher
Hallo Franz,
muß man nicht, sollte man aber schon. Und um das mal ganz klar und deutlich zu sagen: Wenn einer bei uns ein Konzert spielen möchte, und nur Bach, Franck und Mendelssohn anbietet........der braucht gar nicht erst anzureisen. Bei den heutigen Möglichkeiten hat man doch Material ohne Ende. So ist die gesamte Joubert-Sammlung "Les Maitres..." in Rochester abrufbar mit den wunderbarsten Orgelstücken, die man sich denken kann, so Ulysse Mattheys Toccata-Carillon, Werke von Destenay, den Reuchsels u.v.m. Der gesamte Tournemire-Zyklus "L'Orgue mystique" liegt bei IMSLP zum Download bereit, und so weiter und so weiter................
Nein, wer Anderes, Neues will, kann auch fündig werden, ohne (außer Toner und Papier) einen Cent zu zahlen.Andreas
Hallo Andreas,
ich glaube, ich habe das halbe Rochester-Archiv auf der Festplatte und da gibt es viel, dass man nicht kennen muss. Natürlich ist aber auch einiges dabei, was bei uns leider unbeannt ist. Den Ansatz, Gastorganisten quasi zu verpflichten Unbekanntes zu spielen, kann ich nur begrüßen; nichts gegen Mendelsohns 6. Sonate, aber ich kanns nicht mehr hören. Viele dieser Sachen scheitern bei mir leider an der Orgelgröße, denn da braucht man meist schon was Großes. Einige Sachen spiele ich trotzdem, wie das Postlude in b flat von E. West, da kam dann schon mal der Komentar eines Chormitglieds "mei des is aber schee".
Noch zum Urheberrecht; Viele der bei Rochester vertretenen Komponisten, sind ja noch keine 70 Jahre tot, weshalb man sie ja eigentlich bei uns nicht runterladen darf. Gilt das eigentlich auch, wenn der Amerikanische Verlag durch das dortige Gesetzt schon alle Rechte am Werk verloren hat, oder wenns den Verlag gar nicht mehr gibt?
Juristische Grüße vom Franz, dem noch immer graust von "Grundzüge des Privatrechts für Wirtschaftswissenschaftler"
Nachtrag: ein Komponist, den man nicht kennen muss ist Brosig, furchtbar schlecht, richtiger Zwirn.
Moritz Brosig
AndreasM
, Völklingen, Sonntag, 08. Mai 2011, 20:11 (vor 5597 Tagen) @ FranzS.
Nachtrag: ein Komponist, den man nicht kennen muss ist Brosig, furchtbar schlecht, richtiger Zwirn.
Hallo,
da muss ich aber widersprechen. Das mag vielleicht auf die Orgelwerke zutreffen, insbesondere die kleineren, mit denen ich mich, ehrlich gesagt, noch nicht näher befasst habe. Ich habe mit meinem Chor aber schon mehrmals eine Messe in f-Moll von Brosig aufgeführt, das ist wunderbare Musik, die den Vergleich mit namhaften Komponisten nicht zu scheuen braucht. Sehr empfehlenswert.
Viele Grüße
Andreas
Moritz Brosig
R.Kluth
, Düsseldorf, Sonntag, 08. Mai 2011, 23:03 (vor 5596 Tagen) @ AndreasM
Ich möchte mich dem anschließen. Und die Orgelwerke haben es ebenfalls in sich. Natürlich findet man kleine Stücke welche keinen hohen Anspruch erheben, aber die Präludien und Fugen, insbesondere auch die grooßen Fantasien sind hervorragende Konzertstücke, die technisch nicht von schlechten Eltern sind. Hinzu kommt eine wunderbar romantische Harmonik und eine einfallsreiche Melodik. (Besonders auch bei den schönen Choralvorspielen) Wem das nicht gefällt....?
Na, dann weiß ich auch nicht,
Reinhard Kluth
Moritz Brosig
FranzS.
, Montag, 09. Mai 2011, 08:14 (vor 5596 Tagen) @ R.Kluth
bearbeitet von FranzS., Montag, 09. Mai 2011, 08:22
Ich möchte mich dem anschließen. Und die Orgelwerke haben es ebenfalls in sich. Natürlich findet man kleine Stücke welche keinen hohen Anspruch erheben, aber die Präludien und Fugen, insbesondere auch die grooßen Fantasien sind hervorragende Konzertstücke, die technisch nicht von schlechten Eltern sind. Hinzu kommt eine wunderbar romantische Harmonik und eine einfallsreiche Melodik. (Besonders auch bei den schönen Choralvorspielen) Wem das nicht gefällt....?
Na, dann weiß ich auch nicht,
Reinhard Kluth
Lieber Herr Kluth,
bei allem Respekt (zumal sie u. a. auch das Gesamtwerk von J. Baur eingespielt haben), aber die Fantasien von Brosig sind doch wirres Zeug. Man nehme mal die f-moll welche ja quasi wie ein Trauermarsch beginnt, doch schon nach wenigen Takten hat er sein erstes Pulver schon verschossen und kadenziert nach C-dur ab (welch Überraschung, das hab ich ja noch nie gehört). Ganz zufrieden scheint Brosig aber dann doch noch nicht zu sein, denn greift die Marschfigur dann doch wieder auf, diesmal beginnend mit F dur, doch schon wieder nach wenigen Takten, Kadenz nach f moll. Dann denkt er sich, dass Triolen doch auch mal was schönes sind; denn es kommt fast genau das selbe harmonische Schema, bloß mit wechselnden Triolen unterlegt und diese spinnen sich einigermaßen Sinnlos bis zum Schluss des ersten Teils. Der zweite Teil ist ganz nett zur Gabenbereitung oder zu ähnlichem zu gebrauchen, aber auch musikalisch nicht besonders gehaltvoll. Zum Schluss kommt noch eine Fuge, die auch nicht all zu lang dauert, obwohl das Thema sehr viel mehr hergeben kann. Das seltsamste ist für mich der Schluss, denn alles ist bisher sehr düster, doch wie aus heiterem Himmel eine Lefebure-artige Schlusskadenz, die überhaupt gar nicht passt. Vieleicht ist das Stück was für Konzertorganisten, die das vom Blatt spielen können. Ich muss aber üben und Brosig lohnt sich nicht zu üben, da stecke ich die Übezeit lieber in was besseres. Wers nicht glaubt, kann sich ja selbst kostenlos davon überzeugen, gibts alles auf Rochester.
Grüße und nichts für Ungut
Franz
Moritz Brosig
aristidecc, Montag, 09. Mai 2011, 05:01 (vor 5596 Tagen) @ AndreasM
... für diejenigen, die neue Wege, abseits der 99.999 Gesamteinspielung und deren x.ten Wiederveröffentlichung des Orgelwerks von Bach, beschreiten wollen, hier noch ein Link auf Werke eines Komponisten, der wirklich komplett vergessen ist: Wilhelm Rudnick
http://www.digitale-sammlungen.de/index.html?suchbegriff=rudnick&c=suchen
Geboren in Hinterpommern, über Berlin dann als königlicher Musikdirektor in Liegnitz wirkend, heute fast niemandem mehr bekannt.
Auch mit Johann Gustav Eduard Stehle sollte man sich etwas näher beschäftigen. Als Cäcilianist hat er trotzdem große Werke für Orgel geschrieben z.B. Seine Fantasie über den "Schweizer Psalm" und die Sonate "Saul".
Hier noch was für die Chorleute unter den Forums-Lesern:
http://www.digitale-sammlungen.de/index.html?suchbegriff=stehle&c=suchen
Die Liste der zu erforschenden Komponisten für Orgel ließe sich sicher noch weiter fortsetzen Gulbins, Barié, Yon ... was ja auch spannend ist und Freude macht.
Moritz Brosig
R.Kluth
, Düsseldorf, Montag, 09. Mai 2011, 07:57 (vor 5596 Tagen) @ aristidecc
Das trifft sich gut: auch hierzu möchte ich nicht unerwähnt lassen, daß die Orgelwerke von Rudnick derzeit nach und nach alle wieder neu im Druck aufgelegt werden. Die Musik ist einfach toll.
Mit musikalischen Grüßen, Reinhard Kluth