Theo Brandmüller verstorben - Nachruf

Tastenhalter @, Donnerstag, 29. November 2012, 15:30 (vor 5085 Tagen) @ untersatz32

Lieber Andreas,

vielen Dank für diese tolle Aufnahme von Theo's Elegie:
EINE WUNDERBARE - UND IN DIESEM ZUSAMMENHANG SEHR BERUEHRENDE - HOMMAGE!

Viele Grüsse

Thomas

Hier der Nachruf den die "Saarbrücker Zeitung" heute Theo Brandmüller gewidmet hat:

„Wirklichkeitssinn und Möglichkeitssinn“
Zum Tode des saarländischen Komponisten und Organisten Theo Brandmüller

Er war ein viel geehrter und ausgezeichneter Komponist, ein international gefragter Organist und ein hoch geschätzter Hochschullehrer: Am Dienstag ist Theo Brandmüller im Alter von 64 Jahren gestorben.
Saarbrücken. Dass der Tod jemand mitten aus dem Leben reißt: Man liest es oft, sagt es,floskelhaft, weil einem die Worte fehlen, wenn der Tod scheinbar plötzlich nach jemandem greift. Aber bei Theo Brandmüller war es nun genau so. So viele Konzerttermine für den weltreisenden Organisten standen bereits fest, so viel hatte er noch zu komponieren. Und auch wenn fürs kommende Jahr sich das Ende seiner Lehrtätigkeit an der Hochschule für Musik Saar abzeichnete (seit 1979 war er hier Professor für Komposition und Orgelimprovisation), als
Organist an der Ludwigskirche wollte er vor wenigen Wochen noch nichts wissen vom Ruhestand. „Ich würde schon gerne noch ein paar Jahre machen“, sagte er. Diensteifrig – selbst nach 30 Jahren an der Beckerath-Orgel, die er fast jeden Sonntag spielte. Ohne Allüren. Weil er frei nach Robert Musil immer die Balance fand zwischen dem „Möglichkeitssinn“ des Künstlers und dem „Wirklichkeitssinn“, den man für das normale Leben braucht. Viel-
leicht war es für ihn auch deshalb so selbstverständlich, als Katholik Titularorganist an der evangelischen Hauptkirche des Landes zu sein. Kollegen und Freunde machten zum Jubiläum jedenfalls fast zwei Nächte an der Orgel konzertierend durch. Um ihn zu ehren, den hoch angesehenen Künstler und geschätzten Menschen. Kaum verwunderlich, dass der gebürtige Mainzer viel für sein Instrument, die Orgel, geschrieben hat. Doch seine über 70 Werke, mit denen er zu den bedeutenden zeitgenössischen Komponisten in Deutschland zählt, beweisen eine bemerkenswerte Vielfalt. Kirchenmusik wie den „Sonnengesang des
heiligen Franziskus“, die „U(h)rTöne“ für Orchester, aber auch für die kleine, kammermusikalische Besetzung schrieb er. Und wäre es nach einem seiner Lehrer gegangen, dem Detmolder Opernkomponisten Giselher Klebe, hätte wohl auch ein Musiktheatermann aus ihm werden können. Sinn für Theatralik, ja, das ist seinen Werken durchaus eigen, wie in „Ach, trauriger Mond“, einer Klage um den 1936 ermordeten spanischen Dichter Federico Garcia Lorca. Ganze „Lorca-Kathedralen“ aus Musik errichtete Brandmüller. Bei aller Kunstfertigkeit aber vermochte er es auch, ein größeres Konzertpublikum zu erreichen. Nicht
selbstverständlich heutzutage. Etwas Mystisches spüren viele in seinen Werken. Oder vielleicht sollte man es so formulieren: Verstand wie Herz spricht sie an. Da war er seinem wichtigsten Lehrer sehr nah, Olivier Messiaen. 1977/1978 studierte Brandmüller bei ihm in Paris.
Den Weg zur Musik fand Brandmüller schon früh. Seinen Eltern fiel auf, wie der 1948 geborene Knabe einfach so ohne Unterricht auf dem Klavier nachspielte, was er zuvor gehört hatte: eine Begabung. Im Mainzer Domchor wurde diese in erste Bahnen gelenkt. Das Studium der Schul- und Kirchenmusik bot ihm dann eine Basis. Doch schnell wurde deutlich, dass Theo Brandmüller nicht nur Interpret, sondern Schöpfer sein wollte. Viel Anerkennung brachte ihm sein kompositorisches Werk ein: Das Saarland (1986) und Rheinland-Pfalz (1998) zeichneten ihn mit ihren Kunstpreisen aus. Und schon 1979 bekam er den Rom-
Preis der Villa Massimo. Sein Diktum, auch ein Komponist solle zumindest ein Instrument „mehr als passabel spielen können“, war in seinem Falle eine charmante Untertreibung. Tatsächlich war er ein glänzender Organist – international gerühmt.
Dass Brandmüller obendrein die Gabe besaß, von seinem Können als Lehrender etwas an folgende Generationen weiterzugeben, jungen Komponisten viel zu vermitteln, ohne sie zu verformen, komplettiert dieses Bild einer außergewöhnlichen Persönlichkeit. Nicht nur an der Musikhochschule hat man die Nachricht von Theo Brandmüllers Tod am Dienstag mit großer Bestürzung vernommen. Die HfM will sich nun mit einer Trauerfeier von ihm verabschieden.

Von SZ-Redakteur
Oliver Schwambach

Gruß an alle, besonders diejenigen, die Theo persönlich gekannt und geschätzt haben.

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