Chororgel St. Antonius, D-Oberkassel, geweiht

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Sonntag, 25. November 2012, 19:34 (vor 5090 Tagen)
bearbeitet von Clemens Schäfer, Sonntag, 25. November 2012, 19:39

Hallo Forum!

Kein brüllendes Ungeheuer.

Jetzt habe man auch in seiner Kirche so ein brüllendes Ungeheuer aufgestellt, beklagte sich ein mittelalterlicher Bischof. Msgr. Terboven, Subsidiar an St. Antonius, Düsseldorf-Oberkassel, predigte zur Orgelweihe . Der hatte schon vor 25 Jahren als Pfarrer mit dem Bau der Rieger Orgel in Düsseldorf-Gerresheim zu tun gehabt. Damals mußte er sich mit Bedenkenträgern plagen, die nur die menschliche Stimme zum Lobe Gottes geeignet hielten. Nein, der Geist, der (Joh. 1.1) an allem Anfang stehe, stecke auch in einem solchen Instrument, in jeder Komposition, im Organisten und Kantor.

Ganz einfach hatten es die Offiziellen nicht: Einerseits galt es, die neue Mühleisen-Orgel zu feiern, den Erbauern, den Organisatoren und Gremien und nicht zuletzt den Spendern zu danken. Auch mußte man die ehemaligen Mitglieder der profanisierten Kirche Christus-König trösten. Deren erst 1999 erworbene (gebrauchte) Orgel wurde jetzt unter dem Namen Christ-König-Orgel am Christ-Königs Tag in umgebauter Form als Chororgel geweiht. Schließlich durfte man aber nicht zu euphorisch über diese Chororgel sprechen, will man doch das Interesse und die Spendenbereitschaft an der Reorganisation der Hauptorgel (Seifert 1955, Peter 1985) wachhalten. Die neue Chororgel soll erst der erste Schritt einer neuen Gesamtanlage sein, zu der letztlich auch noch ein Fernwerk in der gewaltigen Vierungskuppel gehören soll.

Im Hochamt um 11:30h hatte das “Königliche Schauspielhaus”* seinem Namen mal wieder alle Ehre gemacht: Fünf Geistliche, zwei Kommunionhelfer und zahlreiche Ministranten zogen feierlich ein. Dechant Dederichs weihte die Orgel nach dem Evangelium. Dann ließ Kantor Markus Hinz das Instrument zum ersten Mal erklingen. Er wählte dazu jenes Stück Literatur, das uns im Gravement für kurze Zeit schon auf Erden einen Einblick in die Ewigkeit gewährt oder -theologischer formuliert- das uns schon jetzt plausibel macht, wie der der ewige Lobpreis Gottes geht: BWV 572. Nicht zu rasch im Anfang, majestätisch schreitend im Gravement und recht lebhaft im Lentement. Das ließ aufhorchen. Trotz sehr gut besetzter Kirche kam die Orgel voll zur Geltung.

Von nun an übernahm die Chororgel die Begleitung des Gottesdienstes, wobei klar wurde, daß sie bei gut gefüllter Kirche den Gemeindegesang nicht immer zu tragen imstande ist. Aber dafür ist sie ja auch nicht gedacht oder gebaut. Und so bleibt auch das Argument der Notwendigkeit des Umbaus auf der Orgelempore gültig. Ihre eigentliche Aufgabe ist die Begleitung des Chores, soweit er in der Vierung oder am Altar plaziert ist. Ferner soll sie bei kleiner, im vorderen Teil der großen Kirche versammelter Gemeinde dienen, weiters bei Hochzeiten, Taufen und ähnlichen Anlässen.
Da sie aber in den kommenden Jahren des Umbaus der Hauptorgel “Vertretungsdienste” leisten muß, war interessant zu erfahren, wie sie sich z. B. als Konzertinstrument schlägt. Darüber sollte das Konzert am Nachmittag Aufschluß geben. Zuvor aber stellten Konrad Mühleisen und Reiner Schuhenn (Orgelsachverständiger der Diozöse) nach dem Gottesdienst die Registergruppen vor. Gut die Hälfte der Gottesdienstbesucher blieb interessiert sitzen. Schuhenn improvisierte leichthändig und wußte die Register ins rechte Licht zu rücken. Eine gelungene Vorstellung.

Auch um 16h war die Kirche wieder gut gefüllt. Markus Hinz begann mit BWV 552, P+F Es-Dur. Das war einerseits tadellos gespielt, andererseits aber auch eine leichte Überforderung des Instruments. Es fehlte ein wenig an Fundament (nur 2 eigene Pedalregister) und auch oben herum hätte es runder klingen können. Aber die Orgel präsentierte danach durchaus auch ihre Stärken. Schon im BWV 650 “Kommst du nun, Jesu, vom Himmel herunter” überzeugte die Registrierung: Die linke Hand spielte Basson 16’ aus dem SW: Kein Zweifel, das klang sehr überzeugend! Und “lobe den Herren, den mächtigen König” von Karg-Elert kam klanglich kongenial.. Sehr durchsichtig das Trio-Andante aus Regers erster Suite op. 16. Filigran die nicht endenden Ketten in Duprés Praeludium und Fuge g-moll op. 7 Nr. 3.

Mit “Mozart Changes” von Zolt Gárdony wurde es etwas populärer. Hinz brachte die Umschwünge von Klassik zu Jazz und umgekehrt nahtlos, ja fast unmerklich. In der Uraufführung einer eigenen Komposition “November 25”, die er spontan seiner Namenstag feiernden Frau widmete, spielte Hinz mit minimalistischen Elementen. Interessant zu beobachten, wie sich die musikalische Entwicklung unter der Oberfläche vollzog. Den Abschluß machte dann eine volkstümliche Komposition “Sonata Finale - Allegro festale” von Vincenzo Antonio Petrali (1832-1889).

Der Beifall war sofort da, anhaltend und dankbar. Hinz bedankte sich mit einem “Irish Traditional” von Gárdony, wobei eine spezielle Klangmischung (Waldflöte +...) eine Klarinette hören ließ. Bei der Ansage der Zugabe vergaß Hinz nicht, seinen Hörern zuzurufen: “Nächsten Sonntag 16h wiederkommen! Es spielt Prof. Johannes Geffert!”

Blumen, zahllose Gratulanten, Gespräche - nur langsam löste sich der Kreis der Interessierten auf. Der Beginn ist gemacht. Hoffen wir, daß es nun zügig weitergeht in St. Antonius. Dechant Dederichs hat es im Hochamt versprochen.

Gruß Clemens Schäfer


* In den fünfziger Jahren hieß der Dechant König. Und schon der hatte ein Gespür für theatralische Wirkungen in der Liturgie. Damals, als Gründgens und danach Stroux das Düsseldorfer Schauspiehaus leiteten, kam für St. Antonius der Name "Königliches Schauspielhaus" auf.

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Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)

Chororgel St. Antonius, D-Oberkassel, zwei Bilder

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Montag, 26. November 2012, 11:13 (vor 5089 Tagen) @ Clemens Schäfer

Hallo Forum,

hier noch zwei Bilder. Zuerst der Interimsspieltisch; nichts anderes als ein altes Eletronium - per MIDI mit der neuen Orgel verbunden. Es soll noch neue Registerwippen mit aktuellen Aufschriften bekommen. 48 Setzerpositionen sind vorhanden.
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Und hier ein blick auf die Orgelselbst:
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Gruß Clemens Schäfer

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Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)

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