Diskothek für Orgelfans, war: "must haves" - Buchstabe T

Cor de Basset, Freitag, 23. November 2012, 17:04 (vor 5091 Tagen) @ Karsten
bearbeitet von Cor de Basset, Freitag, 23. November 2012, 17:25

Hallo!

Es freut mich, dass die edtierbare Orgelliste so gut ankommt.
Mittlerweile sind zahlreiche Einträge vorhanden. Selbstverständlch sind diese Empfehlungen immer Geschmackssache, aber hier und da erlaube ich mir doch, die eine oder andere Empfehlung zu hinterfragen.

Ins Stutzen kam ich teilweise bei der Empfehlung

L’orgue mystique (Auszüge)
Marie-Bernadette Dufourcet
Sacré-Coeur, Paris
Priory, DDD, 1990 (2 CDs)

Diese Aufnahem hat auf amazon.de eine fundiert begründete und nach Reinhören durchaus nachvollzierhbare schlechte Bewertung erhalten. Aus den unter anderen in der Kritik genannten Gründen würde ich diese Aufnahme nicht für den Aufbau einer BASIS-Diskothek bzw. für Einsteiger empfehlen und auf die Liste setzen. Es gibt da mitterweile durchaus überzeugendere Alternativen.
Was meint ihr dazu?

Gruß
Karsten

Die Kriterien bei der Auswahl der Einträge in der "Orgelliste" sollten etwas genauer hinterfragt werden. Soll es eine Enzyklopädie für Experten sein, mit etwas entlegeneren Komponistennamen, oder eher eine konzise Zusammenfassung der besten Einspielungen vom Standardrepertoire für Orgel für "Kenner und Liebhaber"? Dann dürfte die Liste erheblich zusammenschrumpfen.

Vom selben Rezensenten auf Amazon, der die obige Tournemire-Einspielung bewertete (und der auch einige andere wohlfundierte Klassik- und Orgel-CD-Besprechungen auf Amazon verfasst hatte), wurde auch die Messiaen-Gesamteinspielung von Tanke wohlkalkuliert in der Luft zerrissen (sie ist in der Orgelliste enthalten, ich selbst kenne sie nicht und lege auch keinen Wert darauf), ebenso wie die Goldberg-Variationen von Bach in einer Einspielung mit Martin Schmeding (auch diese CD kenne ich nicht).

Auf der anderen Seite sollte man freie und anonyme Rezensionen auf Amazon, jpc und anderen Webseiten nicht überbewerten, da man nie genau wissen kann, um wen es sich tatsächlich beim Rezensenten handeln könnte und welche fachliche Kompetenz dahinter steckt. Da verlasse ich mich lieber auf Besprechungen in Fachzeitschriften wie z. B. FonoForum, Ars Organi, Diapason oder TAO. Also lieber selber die Aufnahmen hören, nicht nur ausschnittsweise, sondern komplett, um dann zur Meinungsbildung zu finden.

Was Verstimmungen bei Orgeleinspielungen betrifft, ist für mich Pierre Pincemailles IFO-CD mit Messiaens "Nativité" ein Alptraum. Den Ort und das Instrument der Aufnahme habe ich inzwischen erfolgreich in meiner Erinnerung verdrängt.

Ebenso dürfte es sich bei Cochereaus Einspielung der sechs Vierne-Symphonien um eine seiner schlechtesten Aufnahmen handeln, die an vielen Stellen sehr schlampig editiert wurde; am wenigsten hat mich die fünfte Symphonie überzeugt, bei der sich Cochereau vor allem im Final auf den letzten sechs Seiten leider nur annähernd an den Notentext hält. Nicht zuletzt die Sechzehntel-Passagen der linken Hand ersetzt er bei seinem reichlich überzogenen Tempo durch irgendwelche Akkorde.

Sehr bedauerlich ist auch ein großer Editier-Schnitzer auf einer CD mit den Symphonien 3 und 7 von Widor, die Daniel Roth für Motette in St. Sernin in Toulouse eingespielt hatte. Es handelt sich zwar um eine überwältigende Interpretation, aber auf der letzten Seite des Finals aus der "Siebten" war der Tonmeister beim Editieren offensichtlich unaufmerksam, denn die restlichen Takte des Finals bis zum Ende erklingen einen Halbton niedriger, also in As-Dur statt in A-Dur...


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