Guten abend,
Meine Lehrerin fordert mich immer wieder dazu auf
virtuosere Passagen von Orgelstücken (z.B. Läufe) auf dem Klavier zu
üben, weil diese dann gleichmäßiger klingen.
Ist dies sinnvoll? Gibt es zwischen Orgel- und Klavierspielen
bei der Körper oder Fingerhaltung etc grundlegende Unterschiede?
Spielt ihr Orgel und Klavier, oder seht ihr das Klavier nur als
Übungsersatz wenn nix andres da ist?
Meiner Erfahrung nach klingt es immer sehr grauenhaft, wenn
Organisten Klavier spielen, weil diese das Anschlaggefühl verlernt haben
und oft viel zu brutal in die Tasten hämmern.
Gruß, Martin
Orgel üben am Klavier
Friedrich
, Samstag, 10. November 2012, 19:36 (vor 5105 Tagen) @ orgelsolo
Meine Lehrerin fordert mich immer wieder dazu auf virtuosere Passagen von Orgelstücken (z.B. Läufe) auf dem Klavier zu üben, weil diese dann gleichmäßiger klingen.
Ist dies sinnvoll? Gibt es zwischen Orgel- und Klavierspielen bei der Körper oder Fingerhaltung etc grundlegende Unterschiede?
Ja. Und von Orgel zu Orgel auch.
Aber das perkussive Feedback beim Klavierspielen erleichtert das Rhythmushören. Es ist einfach leichter zu hören, ob eine Passage perlt oder holpert. Wenn’s auf dem Klavier perlt – wenn also a) die Sensomotorik und b) die Rückkoppelung übers Ohr gut trainiert sind –, ist die Chance größer, dass es auf der Orgel auch hinhaut. Schaden tut es auf keinen Fall.
Meiner Erfahrung nach klingt es immer sehr grauenhaft, wenn Organisten Klavier spielen, weil diese das Anschlaggefühl verlernt haben und oft viel zu brutal in die Tasten hämmern.
Das stimmt, üben muss man beides nach den jeweiligen Anforderungen. Bei Organisten, die sich nicht ausschließlich der Kunst verschreiben, sondern auch der Gemeindearbeit, der Familie und anderen Sachen, dürfte das irgendwann ein Zeitproblem werden, denn Klavierüben braucht einfach seine Zeit, besonders wenn es einem um feine Anschlagsgestaltung geht.
Gruß,
Friedrich
Orgel üben am Klavier
Orlos, Samstag, 10. November 2012, 19:44 (vor 5105 Tagen) @ Friedrich
Solche Stellen übe ich am liebsten am Cembalo, das ist noch viel "ehrlicher" und man hört rhythmische Unebenheiten viel klarer als am Klavier.
Ich glaube auch nicht, dass Organisten per se schlechter Klavier spielen. Am letzten Sonntag musste vertretungshalber in einer Gemeinde spielen, wo die Orgel gerade nicht funktioniert. Ich habe mich gefreut, am Klavier Chopin (Polonaise zum Einzug), Mozart (A-Dur-Sonate zur Kommunion) und Beethoven (Schluss-Satz der Pathetique) zum Auszug spielen zu dürfen. Das macht doch auch mal Spaß. Ich dachte mir: Wenn schon Klavier, dann richtig. Der Gemeinde hat's gefallen.
Orgel üben am Klavier
orgelsolo
, Voitsberg, Samstag, 10. November 2012, 20:14 (vor 5105 Tagen) @ Orlos
Solche Stellen übe ich am liebsten am Cembalo, das ist noch viel "ehrlicher" und man hört rhythmische Unebenheiten viel klarer als am Klavier.
Ich glaube auch nicht, dass Organisten per se schlechter Klavier spielen. Am letzten Sonntag musste vertretungshalber in einer Gemeinde spielen, wo die Orgel gerade nicht funktioniert. Ich habe mich gefreut, am Klavier Chopin (Polonaise zum Einzug), Mozart (A-Dur-Sonate zur Kommunion) und Beethoven (Schluss-Satz der Pathetique) zum Auszug spielen zu dürfen. Das macht doch auch mal Spaß. Ich dachte mir: Wenn schon Klavier, dann richtig. Der Gemeinde hat's gefallen.
... bei dem hochwertigen Programm glaube ich, dass es der Gemeinde gefällt.
Das beutelt nicht leicht ein Hobbypianist/Organist aus dem Ärmel.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich meine Trillerblockade beim üben auf einer pneumatischen Orgel löst, weil das Gespielte und Gehörte nicht ganz übereinstimmt und es auch keinen Druckpunkt gibt.
Der der Triller funktioniert danach auch auf einer mechanischen Orgel besser.
Insgesamt habe nich nach vielen Übejahren begriffen, dass viele Technikmängel
bei mir nicht an den Fingern sondern an Blockaden im "Kopf" liegen.
Wenn ich ganz entspannt bin, spiele ich viel runder, nicht holprig.
Orgel üben am Klavier
daggies
, Sonntag, 11. November 2012, 11:51 (vor 5104 Tagen) @ orgelsolo
Bei einem Meisterkurs vor einigen Jahren meinte David Briggs, dass er fast alles am Klavier übt (ca. 80% der gesamten Übezeit), erst die letzten 20 % verbringt er dann an der Orgel! Er hat uns Studenten mut gemacht, doch viel mehr Zeit am Klavier zu verbringen...
Na dann!
Orgel üben am Klavier
SlowOrg
, Maribor, Sonntag, 11. November 2012, 18:12 (vor 5104 Tagen) @ daggies
Bei einem Meisterkurs vor einigen Jahren meinte David Briggs, dass er fast alles am Klavier übt (ca. 80% der gesamten Übezeit), erst die letzten 20 % verbringt er dann an der Orgel! Er hat uns Studenten mut gemacht, doch viel mehr Zeit am Klavier zu verbringen...
Na dann!
Etwas Ähnliches hat mir vor Jahren auch mein Orgelprofessor über Nicholas Kynaston, den ehemaligen Organisten der Westminster Cathedral, erzählt (er hat einige Zeit beim K. studiert). Angeblich soll er zunächst alles auf seinem alten Flügel einstudiert und erst zum Schluss an der Orgel den Pedalpart dazugelernt haben.
M
Orgel üben am Klavier
Florian-L, Montag, 12. November 2012, 08:42 (vor 5103 Tagen) @ daggies
Bei einem Meisterkurs vor einigen Jahren meinte David Briggs, dass er fast alles am Klavier übt (ca. 80% der gesamten Übezeit), erst die letzten 20 % verbringt er dann an der Orgel! Er hat uns Studenten mut gemacht, doch viel mehr Zeit am Klavier zu verbringen...
Ich denke, es kommt auch auf die Literatur an.
Bei einem Kurs, bei dem der "Apparatus Musico Organisticus" von Georg Muffat auf dem Programm stand, wurde mir geraten, auch auf einem Cembalo zu üben.
Diese filigranen Verzierungen lassen sich am Klavier mit relativ tiefem Tastengang kaum zufriedenstellend ausführen.
Gruß, Florian
--
"Nicht alles, was tönt, ist auch Musik."
-Joseph Marx-
Orgel üben am Klavier
P.Kampf, Sonntag, 11. November 2012, 18:57 (vor 5104 Tagen) @ Friedrich
Meine Lehrerin fordert mich immer wieder dazu auf virtuosere Passagen von Orgelstücken (z.B. Läufe) auf dem Klavier zu üben, weil diese dann gleichmäßiger klingen.
Ist dies sinnvoll? Gibt es zwischen Orgel- und Klavierspielen bei der Körper oder Fingerhaltung etc grundlegende Unterschiede?
Ja. Und von Orgel zu Orgel auch.Aber das perkussive Feedback beim Klavierspielen erleichtert das Rhythmushören. Es ist einfach leichter zu hören, ob eine Passage perlt oder holpert. Wenn’s auf dem Klavier perlt – wenn also a) die Sensomotorik und b) die Rückkoppelung übers Ohr gut trainiert sind –, ist die Chance größer, dass es auf der Orgel auch hinhaut. Schaden tut es auf keinen Fall.
Würde ich nicht so für alle Fälle unterschreiben, denn das kontrollierte Schließen des Ventils kann am Klavier nicht so gut geübt werden, aber gerade für barocke oder noch frühere Musik ist das ja gar nicht so unwichtig. Und mit alten Fingersätzen funktioniert das (zumindest bei mir) auf dem Klavier fast nie...
Orgel üben am Klavier
orgelsolo
, Voitsberg, Sonntag, 11. November 2012, 21:11 (vor 5104 Tagen) @ P.Kampf
Mir hat eine Organistin erzählt, dass sie jetzt zusätzlich
Klavierstunden nimmt um ihre Fingertechnik zu verbessern.
Bei einem Wettbewerb wurde ihr dies von der Jury geraten.
Bezüglich der Diskussion E-Piano oder Flügel
bevorzuge ich das "analoge" Klavier.
Ein E-Piano ist ein praktisches Arbeitsgerät, verstimmt sich nicht
und klingt gar nicht schlecht.
Das "Anschlaggefühl" kann man aber bei einem "richtigen Klavier" aber
besser trainieren.
Würdet ihr sagen dass es bei der Orgelunterschiedliche Spielweisen gibt?
Ich denke da an mechanische und pneumatische/elektrische Trakturen
Kegelladen und Schleifladen
gewichtete oder gefederte Tasten (bei elektrischen/pneumatischen Spieltischen )
Spielt man Orgel mehr aus den Fingern oder aus der ganzen Hand?
... man denke an leichtgängige und schwergängige Trakturen
Meine Lehrerin hat mir das so vermittelt, dass ein Organist eher "ruhig" am Spieltisch sitzt. Beim Pedalspiel sollen die Oberschenkel beieinander bleiben weil so die "Trefferquote" höher ist. Auch die Ellbogen und Handgelenke sollen möglichst "ruhig" bleiben und die Finger "rund" gemacht werden.
Orgel üben am Klavier
Oliver Horlitz
, Sonntag, 11. November 2012, 21:41 (vor 5104 Tagen) @ orgelsolo
Würdet ihr sagen dass es bei der Orgelunterschiedliche Spielweisen gibt?
Ich denke da an mechanische und pneumatische/elektrische Trakturen
Kegelladen und Schleifladen
gewichtete oder gefederte Tasten (bei elektrischen/pneumatischen Spieltischen )
Nicht nur zwischen den Ladenarten ergeben sich Unterschiede in der Spielweise, selbst bei gleicher Ladenart und mechanischer Traktur, machen die verschiedenen Konstruktionen derselben unterschiedliche Spielweisen möglich und nötig:
Z.B. bei Schleifladen mit mechanischer hängender Traktur habe ich in der Regel etwas Leergang, bevor der Druckpunkt, der sich aus der Ventilöffnung ergibt, erreicht ist. Bei einer Schleiflade mit Stechertraktur liegt in der Regel die Taste direkt auf dem Stecher, d.h. es gibt null Tastenfall vor dem Druckpunkt. Das Spielgefühl und auch die Möglichkeiten sind hier ganz andere als im ersten Fall.
Interessant wird es, wenn in einem Instrument beides vorkommt. An der Hochschule in Regensburg gab (und gibt?) es ein Instrument im italienischen Stil, das obere Manual mit hängender Traktur (wenn auch sehr direkt und gut beeinflussbar), das untere mit Stechertraktur. Wer damit klarkommt, wird an kaum einer historischen mechanischen Traktur scheitern...
erinnert sich, fröhlich grüßend,
Oliver
Orgel üben am Klavier
P.Kampf, Montag, 12. November 2012, 05:13 (vor 5103 Tagen) @ orgelsolo
Spielt man Orgel mehr aus den Fingern oder aus der ganzen Hand?
... man denke an leichtgängige und schwergängige TrakturenMeine Lehrerin hat mir das so vermittelt, dass ein Organist eher "ruhig" am Spieltisch sitzt. Beim Pedalspiel sollen die Oberschenkel beieinander bleiben weil so die "Trefferquote" höher ist. Auch die Ellbogen und Handgelenke sollen möglichst "ruhig" bleiben und die Finger "rund" gemacht werden.
Mit ner zu ruhigen-starren Handgelenkshaltung hat man mich früher auch unterrichtet (mit einem Radiergummi auf dem Handrücken liegend spielen, es durfte sich nicht bewegen).
Mein neuer Dozent hat mir gezeigt, dass es auch anders geht: Mit einer natürlichen leichten Hebe- und Senkbewegung im Handgelenk kann man gut schwere und leichte Zeiten hörbar machen (beim Klavier funktioniert das übrigens auch wunderbar).