Reinhard Kluth mit Willscher in St. Andreas, 17.04.2011

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Montag, 18. April 2011, 09:33 (vor 5616 Tagen)

Hallo Forum,

Palmarum. Die Sonntagsorgel in St. Andreas widmete sich demgemäß der Passion: Andreas
Willschers ”Die sieben letzten Worte Christi am Kreuz” mit verbindenden Texten standen auf dem Programm. Konzert ja; aber zugleich auch Andacht und Gottesdienst. Organist war Reinhard Kluth.

Sive casu sive auxilio deorum war ich im Besitz des Vorworts zur Notenausgabe, hatte also die beiden Hauptmotive und den mehrfach verwendeten Modus vor mir liegen. Das half ungemein, kommen doch diese Motive immer wieder vor und klammern so das ganz Werk. Das ruhigere der beiden in gleichmäßigen Werten: Es F D - Es Fis D - As C A, wobei es meist in Dreiergruppen akzentuiert wird (meine Bindestriche).

Anders als etwa Haydn handelt es sich hier nicht um sieben ausschließlich ruhige, betrachtende Sätze. Es gibt Dramatik mit ff-Ausbrüchen, Dissonanzen und scharfen Akzenten. Aber auch lyrische Stellen von berückender Schönheit. In der Passionsgeschichte von Schönheit zu sprechen, mag gewagt sein. Aber z.B. die erste Einflechtung von “O Haupt voll Blut und Wunden” im Eingangssatz ist in ihrer schmerzlich-süßen Harmonisierung schlicht hinreißend. Ähnliche Stellen gibt es immer wieder: Genannt sei noch die gläsern schwebende Unterlage für ein herrliches Krummhorn-Solo (das Krummhorn wird mehrfach eingesetzt - selbiges in St. Andreas klingt fabelhaft) im “Mich dürstet - sitio”. Am Ende eine Passacaglia über “O Haupt...”, die (von Willscher ad libitum gestellt) in ein tröstliches “Vexilla Regis” mündet.

Stille in der Kirche. Es hätte eines Beifalls nicht bedurft. Aber als ein älterer Pater leise in die Hände klatschte, gab es einen selten zu hörenden, dankbaren Applaus im Mezzopiano. Verdient war der Beifall freilich allemal. Reinhard Kluth hatte die einzelnen Sätze klug abgestimmt, Wiederkehrende Registraturen sorgten beim Hörer für Sicherheit. Willscher schreibt halt für den Organisten, für die Orgel und auch für den Hörer: Da wirkt nichts sperrig, was nicht auch sperrig sein müßte. Und das konsequente Vermeiden von Konsonanzen gehört nicht zu Willschers Modernität. Mit anderen Worten: Dieses Stück möchte ich gerne wieder hören.

Gruß Clemens Schäfer

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Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)

Reinhard Kluth mit Willscher in St. Andreas, 17.04.2011

Andreas Scotty Böttcher ⌂ @, Dresden, Montag, 18. April 2011, 18:48 (vor 5615 Tagen) @ Clemens Schäfer

Sowas liest man doch gern. Gratulation für Reinhard und Andi!!!

@ Reinhard
Düsseldorf ist leider für mich zu weit. Sehr gern würde ich das ja mal in Dresden hören. Meine Empfehlungen und die Telefonnummern, die ich Dir mal durchgesagt hatte, haben bisher wohl nichts gebracht?? Es ist eben immer schwierig, da ich selber keine Stelle habe, wo ich Dich und Andi mal spielen lassen kann.

Herzlich grüßt
Scotty.

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"Tradition ist Bewahrung des Feuers und nicht Anbetung der Asche." (Gustav Mahler)

Reinhard Kluth mit Willscher in St. Andreas, 17.04.2011

Andreas Scotty Böttcher ⌂ @, Dresden, Freitag, 22. April 2011, 16:21 (vor 5612 Tagen) @ Clemens Schäfer

"Willscher schreibt halt für den Organisten, für die Orgel und auch für den Hörer: Da wirkt nichts sperrig, was nicht auch sperrig sein müßte. Und das konsequente Vermeiden von Konsonanzen gehört nicht zu Willschers Modernität. Mit anderen Worten: Dieses Stück möchte ich gerne wieder hören."

Und er schreibt auch für das Fender-Rhodes-Piano, für die Hammond-Orgel und für den Synthesizer!!

Auf meine eindringliche Bitte schickte Andi mir mal eine gebrannte CD mit seinen Stücken, die er auch selber eingespielt hat. Alle genannten Instrumente gehören ganz selbstverständlich zum Emporenbestand in St. Joseph zu Hamburg-Wandsbek. Und so hört man auch auf den Aufnahmen, dass diese Klänge für Andi kein Neuland sondern vertrautes Terrain sind. Seine Kompositionen sind baladesk, auch melancholisch im schönsten und besten Sinne und harmonisch hochinteressant - kurz: hervorragende Musik!!

Es ist mir darum ein echtes Bedürfnis, auch endlich mal so richtig schön aus vollster Überzeugung Lorbeeren zu verteilen.

Herzliche Grüße an alle von
Scotty

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"Tradition ist Bewahrung des Feuers und nicht Anbetung der Asche." (Gustav Mahler)

Reinhard Kluth mit Willscher in St. Andreas, 17.04.2011

R.Kluth @, Düsseldorf, Samstag, 23. April 2011, 07:38 (vor 5611 Tagen) @ Andreas Scotty Böttcher

Hallo Scotty,
dem möchte ich mich uneingeschränkt anschließen. Wir hatten ja vor kurzem hier auch eine Diskussion über Andreas Kreuzweg. Den spielte ich mittlerweile jetzt im dritten Jahr, und zwar auf Anfrage meiner Geistlichkeit im Rahmen der Kreuzwegstationen.
Als nächstes kommen seine biblischen Tänze bei mir dran.
Übrigens: im August bin ich wieder in Bautzen; da werden wir uns sehen.
Herzlichen Gruß von Reinhard

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