Reinhard Kluth mit Willscher in St. Andreas, 17.04.2011
Hallo Forum,
Palmarum. Die Sonntagsorgel in St. Andreas widmete sich demgemäß der Passion: Andreas
Willschers ”Die sieben letzten Worte Christi am Kreuz” mit verbindenden Texten standen auf dem Programm. Konzert ja; aber zugleich auch Andacht und Gottesdienst. Organist war Reinhard Kluth.
Sive casu sive auxilio deorum war ich im Besitz des Vorworts zur Notenausgabe, hatte also die beiden Hauptmotive und den mehrfach verwendeten Modus vor mir liegen. Das half ungemein, kommen doch diese Motive immer wieder vor und klammern so das ganz Werk. Das ruhigere der beiden in gleichmäßigen Werten: Es F D - Es Fis D - As C A, wobei es meist in Dreiergruppen akzentuiert wird (meine Bindestriche).
Anders als etwa Haydn handelt es sich hier nicht um sieben ausschließlich ruhige, betrachtende Sätze. Es gibt Dramatik mit ff-Ausbrüchen, Dissonanzen und scharfen Akzenten. Aber auch lyrische Stellen von berückender Schönheit. In der Passionsgeschichte von Schönheit zu sprechen, mag gewagt sein. Aber z.B. die erste Einflechtung von “O Haupt voll Blut und Wunden” im Eingangssatz ist in ihrer schmerzlich-süßen Harmonisierung schlicht hinreißend. Ähnliche Stellen gibt es immer wieder: Genannt sei noch die gläsern schwebende Unterlage für ein herrliches Krummhorn-Solo (das Krummhorn wird mehrfach eingesetzt - selbiges in St. Andreas klingt fabelhaft) im “Mich dürstet - sitio”. Am Ende eine Passacaglia über “O Haupt...”, die (von Willscher ad libitum gestellt) in ein tröstliches “Vexilla Regis” mündet.
Stille in der Kirche. Es hätte eines Beifalls nicht bedurft. Aber als ein älterer Pater leise in die Hände klatschte, gab es einen selten zu hörenden, dankbaren Applaus im Mezzopiano. Verdient war der Beifall freilich allemal. Reinhard Kluth hatte die einzelnen Sätze klug abgestimmt, Wiederkehrende Registraturen sorgten beim Hörer für Sicherheit. Willscher schreibt halt für den Organisten, für die Orgel und auch für den Hörer: Da wirkt nichts sperrig, was nicht auch sperrig sein müßte. Und das konsequente Vermeiden von Konsonanzen gehört nicht zu Willschers Modernität. Mit anderen Worten: Dieses Stück möchte ich gerne wieder hören.
Gruß Clemens Schäfer
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Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)