Thierry Escaich und Ars Cantandi in der Lambertuskirche

Contrebasson 32' @, Donnerstag, 08. November 2012, 15:57 (vor 5107 Tagen) @ Clemens Schäfer

Nun sollte Escaich über ein gegebenes Thema Praeludieren und Fugieren. Ober hatte das Thema in seiner Begrüßung schon angesagt: “Nun danket Alle Gott.”. Anläßlich der Zugabe (Karg-Elert “Nun danket alle Gott”) beim Konzert von International Brass am gleichen Ort vor wenigen Wochen hatte ich über dieses Lied raisonniert: Es war durch die politischen Umstände zur preußisch-protestantischen Zweithymne geworden. Das wirkte bis in die Nachkriegszeit: Kein Bericht über die Rückkehr der letzten Kriegsgefangenen aus Rußland ohne die ausgemergelten Gestalten, die in Friedland dieses Lied anstimmten. Wie also würde Escaich damit umgehen?

Entweder er kennt die historische Belastung nicht oder aber er wischt sie souverän vom Tisch: Bei ihm ist das Lied (das ja viel älter ist als der historische Umstand, dem es seine Vereinnahmung dankt) ein fröhliches Danklied. Das wird schon in der Temponahme deutlich. Nicht staatstragend behäbig sondern quirlig laufend wie eine klassische Klaviersonate. Wie schön, daß die Zeitläufte der Geschichte doch so manchen Irrweg zu korrigieren imstande sind. Escaich steigerte dynamisch und ließ es dann in ein ruhiges Adagio umkippen, aus dem die Fuge (das Thema wieder in kurzen Notenwerten) entsprang. Erst am Schluß zeigte sich der Choral sozusagen per augmentationem in der gewohnten Langsamkeit. Das war alles sehr sympathisch.


Die Improvisation ist nun auch auf youtube zu sehen und zu hören...

Mit besten Grüßen
Contrebasson 32'


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