Der Ton macht bekanntermaßen die Musik: Ankündigung eines Pastors zum Sonntag an den Organisten "Ich lege Dir den Liedzettel heute oder morgen ins Fach. Bitte stell für Sonntag das Piano hin, ich möchte diese Lieder vom Piano haben, nicht von der Orgel."
(das E-Piano steht in der Nachbargemeinde und ist samt Case und Ständer nicht gerade leicht und klein) Was sagt der gemeine Organist zu einer solchen schriftlichen Info, die vom beabsichtigten Informationswert ja OK ist... Oder ist man da zu empfindlich? fragt sich gerade
Unda Maris
Habe wolle...
Orlos, Donnerstag, 08. November 2012, 13:34 (vor 5111 Tagen) @ Unda Maris
Hmm.
Ich habe immer vermieden, mit dem Pfarrer/Pastor per Du zu sein, obwohl ich zum Teil über zehn Jahre mit den gleichen zusammengearbeitet habe. Mir war immer die dienstliche Hierarchie bewusst. In einer Nachbargemeinde gab es gerade großen Ärger zwischen Kirchenmusiker und Pfarrer, dort kehrte man dann wieder zum "Sie" zurück.
Bei einer klaren Zuordnung der Hierarchien würde ich einen solchen Zettel dann auch als Dienstanweisung verstehen, die mit Mehraufwand verbunden ist. Dann würde ich anrufen und sagen, was dieser Mehraufwand kostet und ob sie dann immer noch das E-Piano brauchen.
(Ganz nebenbei, wie schon oft vermerkt, gehen auch moderne Lieder sehr gut auf einer Pfeifenorgel, wenn man sie schön rhythmisch spielt. Die Gemeinde singt nach meiner Erfahrung eher besser mit der Orgel mit als mit dem E-Piano.)
Habe wolle...
Posaune, Donnerstag, 08. November 2012, 13:53 (vor 5111 Tagen) @ Orlos
Man kann sich auch dumm stellen bzw durch geschickte Ausreden und Rückfragen dem Pastor klar machen, dass das alles nicht so einfach ist. Zum Beispiel:
a) kein Auto gefunden, mit dem man das E-Piano transportieren konnte; oder Auto brauchte der Ehepartner am Wochenende, etwaige Helfer nicht da oder krank etc.
b) E-Piano kaputt, wahrscheinlich interne Sicherung durchgebrannt
c) E-Piano beim letzten Transport so stark beschädigt, dass es nicht mehr transportiert werden kann...
Phantasie zeigen!
Und überhaupt: Mit der Orgel kann man auch sehr NGL bzw rhythmische Lieder spielen; man kann ja das nun bei dieser Gelegenheit dem Pastor beweisen!
Habe wolle...
jrbecker
, Donnerstag, 08. November 2012, 15:33 (vor 5111 Tagen) @ Posaune
Ich versteh's grad net: Wo steht im Ausgangspost bitteschön, dass es sich um "moderne Lieder" (Orlos) bzw. "NGL bzw rhythmische Lieder" (Posaune) handelt? Die Lieder sind doch noch gar nicht bekannt/genannt. Immer wenn hier einer das Wort "Klavier" hinschreibt zucken alle zusammen und lesen statt dessen "NGL"...
Also zurück zur Ausgangsfrage: Ich bin Organist, ich kann auch Klavier spielen, wenn eins da ist. Ist keins da, kann ich auch keins spielen. In meinem Dienstvertrag steht kein Passus drin, der da heißt:"Der Organist ist für die Beschleppung des jeweils benötigten Instrumentariums verantwortlich/zuständig." Also brauche ich das auch nicht zu tun.
In meiner Gemeinde ist die Situation offensichtlich eine andere, obwohl ich dort nun seit mehr als zehn Jahren spiele und mittlerweile auch mit der Pfarrerin (es muss sich also um Evangelens handeln...) per du bin. Grundsätzlich geht man davon aus, dass Lieder mit der Orgel begleitet werden. Egal welche. Wenn ich mich melde und sage: Das geht aber auf dem Klavier besser oder das sollte vielleicht jemand mit Gitarre klampfen, dann kümmert man sich darum, das Klavier in Position zu bringen oder jemanden zu organisieren, der es klampft (das kann ich nämlich nicht).
Gehen diese beiden Möglichkeiten nicht (Klavier steht in der falschen Kirche, Klampfenist/in ist nicht greifbar), überlegen wir gemeinsam, wie das Problem gelöst werden kann. In 40% der Fälle wird das Lied dann doch mit der Orgel begleitet, in 60% der Fälle wird das Lied durch ein orgelbares ersetzt.
Eine Situation wie hier beschrieben ("Sieh zu, dass das Klavier beikommt!") kenne ich aus über 25 Jahren Dienstzeit nicht.
LG
Jörg
Habe wolle...
chamade, Donnerstag, 08. November 2012, 16:09 (vor 5111 Tagen) @ jrbecker
Das sehe ich genauso.
Auch wenn das vielleicht kleinlich wirkt:
Der Dienstvorgesetzte kann nicht vom Organisten verlangen (es sei denn, es wurde vertraglich anders vereinbart), dass er für die Beschaffung/den Transport eines E-Pianos zuständig ist. Wenn zufälliger Weise ein solches Instrument bereits in der Kirche aufgestellt ist, sehe ich allerdings kein Problem darin, von der Orgel auf E-Piano umzuschwenken. Das würde für mich persönlich aber auch nicht heißen, dass ich dann die ganze Messe hindurch nur das Piano benutze. Man kann ja durchaus dann, falls es räumlich möglich ist, auch die Orgel benützen.
Habe wolle...
P.Kampf, Donnerstag, 08. November 2012, 17:14 (vor 5111 Tagen) @ Unda Maris
Der Ton macht bekanntermaßen die Musik: Ankündigung eines Pastors zum Sonntag an den Organisten "Ich lege Dir den Liedzettel heute oder morgen ins Fach. Bitte stell für Sonntag das Piano hin, ich möchte diese Lieder vom Piano haben, nicht von der Orgel."
(das E-Piano steht in der Nachbargemeinde und ist samt Case und Ständer nicht gerade leicht und klein) Was sagt der gemeine Organist zu einer solchen schriftlichen Info, die vom beabsichtigten Informationswert ja OK ist... Oder ist man da zu empfindlich? fragt sich gerade
Unda Maris
Also man soll ja bei Kritik immer mit dem Positiven anfangen:
Er sagt ausdrücklich "Bitte", das ist bei vielen Geistlichen nicht selbstverständlich (obwohl es das nach guter Kinderstube eigentlich sein müsste)
Er spricht es in angemessener Zeit vorher an und nicht 10 Minuten vor der Messe
Er macht sich Gedanken über die musikalische Gestaltung, es ist ihm offenbar nicht egal
Um den Zwischenmenschlichen Tonfall bewerten zu können, müsste man wissen, wie die beiden sonst miteinander umgehen und ob die beiden evtl. auch privat befreundet sind.
Ich könnte jetzt daran rummäkeln, dass der Pfarrer scheinbar die Lieder aussucht, das ist aber bei Protestanten scheinbar generell so üblich.
Das alles berücksichtigend kann ich da jetzt nichts eindeutig negatives reininterpretieren.
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3rd_astronaut, Donnerstag, 08. November 2012, 17:45 (vor 5111 Tagen) @ Unda Maris
bearbeitet von 3rd_astronaut, Donnerstag, 08. November 2012, 19:10
ich bin nebenamtler, d.h. ich werde nach anzahl der bespielten gottesdienste bezahlt. also würde ich, selbst wenn ich die idee gut fände, nicht sdg zum umzugsunternehmer werden. da ich kein guter pianist bin wegen fehlender praxis, fände ich die idee aber eh nicht gut. ausreden erfinden müsste ich da nicht (wozu?), sondern würde ansagen, dass ich lieber orgel spiele. es gibt allerdings fälle, wo ich nicht angefragt werde (da die pfarrer meine meinung kennen), sondern "klavierspieler" übernehmen. soll mir recht sein...
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Tabernakelwanze
, Niederrhein, Donnerstag, 08. November 2012, 18:01 (vor 5111 Tagen) @ 3rd_astronaut
Ich finde den Wunsch schon ziemlich abstrus. Die Entscheidung über die Eignung von Instrumenten sollte dem Musiker und nicht dem Pfarrer überlassen sein. Außerdem: Wenn ich als Organist angestellt bin, warum sollte ich als Pianist tätig werden?
--
Gruß vom Niederrhein
Habe wolle...
untersatz32
, Amriswil, Donnerstag, 08. November 2012, 22:04 (vor 5111 Tagen) @ Unda Maris
Sag' ihm das doch ganz einfach ganz nett und freundlich und frag' ihm, wie ihr das am besten gemeinsam regelt, und wer die Zeit zahlt, bzw ob ein evtl hauptamtlicher Mesmer/Küster/Hausmeister das Teil transportiert, oder ob dir die Kirchengemeinde dann einfach den zusätzlichen Aufwand bezahlt. Manchmal hilft ja miteinander reden....
Grüsse Thomas
--
Thomas Haubrich
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Tabernakelwanze
, Niederrhein, Freitag, 09. November 2012, 07:28 (vor 5111 Tagen) @ untersatz32
Ich durfte in diesem Sommer in unserer Nachbargemeinde "Sommervertretungen" machen. Die Kirche ist wg. Renovierung geschlossen, die Gottesdienste fanden im Gemeindesaal statt - mit Klavierbegleitung. Ich habe die Choräle choralmäßig begleitet - also keine Alberti-Bässe, und das funktionierte ohne Probleme. Es waren immer so um die 40 Personen anwesend. In diesem Punkt teile ich die Erfahrungen also nicht, dennoch war es keine Freude, weil ich doch wirklich ordentlich in die Tasten hauen musste.
--
Gruß vom Niederrhein
Habe wolle...
untersatz32
, Amriswil, Freitag, 09. November 2012, 08:16 (vor 5111 Tagen) @ Tabernakelwanze
Wir haben einen Flügel in der Kirche, der trägt natürlich besser als ein Klavier oder e-piano. Für NGLs, die ich aber auch teilweise mit der grossen Orgel begleite, ist es ok, aber weder besser noch schlechter als die Orgel - einfach "anders".
Vierstimmige Choräle gehen zur Not auch mal, wenn ich den Bass links verdopple und unten gut "reinhaue".
Grüsse
Thomas
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Thomas Haubrich
Habe wolle...
bluenote, Sonntag, 11. November 2012, 13:29 (vor 5108 Tagen) @ untersatz32
Das entspricht auch meiner Erfahrung:
in meiner Kirche steht neben einer guten Orgel auch ein halbwegs anständiger Flügel, und ich enpfinde es nicht besser oder schlechter, vom Flügel zu begleiten, sondern einfach anders.
Zum Eingangsposting: ich bin froh, dass bei mir grundsätzlich nicht in meine Arbeit reingeredet wird, sondern ich einfach machen kann und auch darf - und es wird auch zudem von mir erwartet, dass ich eigenständige musikalische Konzepte umsetze. Ich bin stolz auf meine Gemeinde. So eine eingangs erwähnte Bitte würde bei mir nicht auftauchen.