Studio Acusticum - Einweihung der Woehl-Orgel - Spieltisch

Reinhold Schafroth, Montag, 22. Oktober 2012, 12:35 (vor 5073 Tagen) @ JSBach

... mag mir jemand in ein paar kurzen Sätzen erzählen, was das besondere, wegweisende an dieser Orgel ist?

„Wegweisend“ finde ich diese Orgel nicht. Schon wegen der Größe und des Preises.
Bei dieser Registerzahl gibt es bei einer Disposition kaum noch nennenswerte Alternativen.

Und höhere Aliquoten sind doch seit über 20 Jahren verpönt???
Eine solche Disposition habe ich schon (als rein theoretisch) vor über 40 Jahren in jugendlichem neobarockem Taumel erstellt.

Die Idee mit mehreren Auszügen (bei elektrischer Traktur) aus einer Reihe (4/11‘-8/11‘-16/11‘-32/11…)stammt auch schon aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts (Schulze, Kühn, Smets). Kam aber bei praktizierenden Organisten kaum an.

Die Idee, Klänge synthetisch durch Addition und Verschmelzung von Quasi-Sinus-Obertönen (nur Nachthorn-Pfeifen) zu erstellen, klingt zwar bestechend, hielt in der Praxis aber nicht das, was sie versprach (Siehe Hammond-Orgel, wenngleich hier Quinten und Terzen aus der temperierten Skala entnommen wurden).

Dafür hätte (bei einer Pfeifen-Orgel) jeder Chor in einem gesonderten Schweller stehen müssen. Und selbst dann hätten nicht-harmonische Chöre und (oktavierte) Untertöne gefehlt, um Naturgeräusche und z.B. Glockenklang synthetisch herzustellen. Zudem klingen die vom Grundton weit entfernten Obertöne, je weiter entfernt desto ähnlicher, und erzeugen bei Mischungen nicht die erwartete Klangfarbenvielfalt. Es klingt nur alles sehr hell und irgenwie "falsch". Und je höher der Ton, desto weniger Klangfarbenunterschiede sind hörbar. Und die Lautstärke des Klanges ändert sich auch nur noch logarithmisch.

Rein technisch hätte es dazu einer Zugriegel-Registratur (wie bei der Hammond-Orgel) bedurft. Zwar machbar, aber Orgelpfeifen erzeugen nicht nur einen Grundton, sondern ihrerseits Obertöne, die Klangsynthese wäre daher nicht rein.

Auch bei elektronischen Synthesizern geht man nicht mehr den Weg, einzelne Frequenzen zu addieren, sondern aus einem Klangrauschen Bereiche herauszufiltern (und gegebenenfalls danach zu verstärken). Damit kommt man (ohne Zusatzeffekte) auf vielleicht 100 unterscheidbare Klangfarben. Weniger als in einer normalen mittleren Pfeifenorgel.


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