Hallo,
über Orgeldesign lässt es sich ja bekanntlich ganz vorzüglich streiten, daher möchte ich an dieser Stelle zu einer neuen Runde einladen.
Freiburger Orgelbau Späth plant in diesem Jahr Renovierung/Reorganisation der Schuke-Orgel (1970) in der Marktkirche Goslar. Dabei sollte u. a. die Rosette, die bisher von der Orgel verdeckt wurde, freigelegt werden. Dazu müssen die einzelnen Teilwerke neu angeordnet werden und das Ganze wird hinter eine neue Prospektfront gestellt. Diese ist in Zusammenarbeit mit einem Architektenbüro entstanden. Nun frage ich, ob ihr dem neuen Design was abgewinnen könnt oder meint ihr, dass die ursprüngliche Lösung vielleicht doch besser aussieht. Oder kann man das gar nicht vergleichen?
ALT
![[image]](http://www.freiburgerorgelbau.de/images/goslar-0.jpg)
oder NEU (Modell des neuen Entwurfs)?
![[image]](http://www.freiburgerorgelbau.de/images/goslar-3.jpg)
M
Goslar - neuer Prospekt
schnitgers.anderer.erbe, Mittwoch, 13. April 2011, 20:03 (vor 5620 Tagen) @ SlowOrg
Ist doch wenigstens schön konsequent gemacht: Es wird Pest durch Cholera ersetzt...
Goslar - neuer Prospekt
perotin
, Rhein-Neckar-Raum, Mittwoch, 13. April 2011, 23:15 (vor 5620 Tagen) @ schnitgers.anderer.erbe
Ist doch wenigstens schön konsequent gemacht: Es wird Pest durch Cholera ersetzt...
Ja...
Lothar, eile uns zu helfen!
;-)
perotin
Goslar - neuer Prospekt
Clemens Schäfer
, Düsseldorf, Mittwoch, 13. April 2011, 20:25 (vor 5620 Tagen) @ SlowOrg
Oh weh, hallo,
das sieht ja aus, als stünden hinter den stummen/krummen Zierratspfeifen die Lautsprecherbatterien! Ein schlimmer Kasten. Der alte Prospekt war eindeutig besser, auch wenn er das Fenster verdeckte.
Gruß Clemens Schäfer
--
Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)
Goslar - neuer Prospekt
untersatz32
, Amriswil, Donnerstag, 14. April 2011, 07:54 (vor 5620 Tagen) @ SlowOrg
bearbeitet von untersatz32, Donnerstag, 14. April 2011, 10:33
OK, stimmt:
Hier wird meines Erachtens "klotzig" oder "klobig" durch "scheusslich" ersetzt (aber das ist nur meine persönliche bescheidene Meinung dazu):
Auch eine Art, Geld zu "investieren"...
Vielleicht hätte man besser mit diesem Geld besser noch eine "Glaswand für eine Winterkirche" finanziert :-)
Grüsse
Thomas
--
Thomas Haubrich
Goslar - neuer Prospekt
jrbecker
, Donnerstag, 14. April 2011, 11:56 (vor 5620 Tagen) @ SlowOrg
(Anmerkung am Rande: Nach meinen Informationen stammt die Goslarer Orgel aus dem Jahr 1962, daher beziehe ich mich mal auf dieses Baujahr.)
Nun ja, mit einem Kasten eine Rosette freilassen, das konnten die Schukes bereits im Jahr 1962 mehr oder weniger schlecht als recht... (Ich bin mir gerade selbst nicht einig, ob die Lösung von damals oder die Lösung von heute weniger scheußlich ist, vielleicht kann mir jemand helfen?!?) Hier kann man das Beipiel sehen.
Es gibt genügend gute Beispiele, wie man eine Rosette freilassen kann, so muss es eindeutig nicht sein!
J.R.
Goslar - neuer Prospekt
doppelfloete_h
, Hannover, Donnerstag, 14. April 2011, 12:17 (vor 5620 Tagen) @ SlowOrg
ohje. weihnachten war ich noch vor ort, da sah alles ganz anders aus - und man freute sich nach dem anblick des dunklen schuke-kastens auf etwas mehr licht und helligkeit:
![[image]](images/uploaded/201104141213154da6e4db4f8bd.jpg)
hoffentlich sieht der neue entwurf im endzustand besser aus als das modell, man ahnt aber doch nix gutes...
*seufz*
Goslar - neuer Prospekt
Friedrich
, Donnerstag, 14. April 2011, 13:05 (vor 5620 Tagen) @ SlowOrg
Liebe Forenser,
den Tadel am Entwurf für das neue Gehäuse brauche ich nicht zu wiederholen. Was mich allerdings wundert, ist, dass dieser Entwurf offenbar angenommen wurde (oder ist es noch ein Vorschlag?), obwohl das Ziel, die Fensterrose freizulegen, verfehlt wurde. Sollte der Gehäusekasten tatsächlich so knapp unter der Fensterrose enden, dann wird sie -- bei dieser Bauhöhe! -- immer optisch angeschnitten sein von dieser ungegliederten Kastenmasse. Nur ein Engel könnte sie in voller Rundung sehen, und auch das nur, wenn er mit dem Kinn auf Gehäusedachhöhe oder höher schwebt. Die tiefen Seitentürme verhindern auch einen Seiteneinblick.
Der Schuke-Prospekt ist zwar nicht gerade elegant, aber er hat einen starken vertikalen Zug, der ein Gegengewicht zur Breite des Gehäusesockels bietet. Der neue Entwurf lässt stattdessen ein doch eher bräsiges Gesimsband unrhythmisiert von links nach rechts laufen. Keine Mittelzäsur, nix. Das ist wirklich schwer zu verstehen, eine derartige Nicht-Gestaltung.
Gruß,
Friedrich
Goslar - neuer Prospekt
Karl-Bernhardin Kropf, Donnerstag, 14. April 2011, 13:13 (vor 5620 Tagen) @ Friedrich
Goslar - neuer Prospekt
Friedrich
, Donnerstag, 14. April 2011, 13:53 (vor 5620 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
Wenn ich dieses Bild so sehe ...
![[image]](http://www.marktkirche-goslar.de/Orgelmodell.jpg)
... dann möchte ich schon fast zurückrudern.
Dieses allerdings, das schon SlowOrg zitiert hatte ...
![[image]](http://www.freiburgerorgelbau.de/images/goslar-3.jpg)
... zeigt, was ich meine.
Auf der Seite der Gemeinde zum Orgelprojekt -- danke, KBK -- kann man im Krebsgang die verschiedenen Planungsstadien zurückverfolgen. Da ist einmal folgender Satz zu lesen:
"Daneben wird darüber nachgedacht, die Renovierung als Gelegenheit zu nutzen, um die Orgel auch optisch ein wenig zu verändern."
Da hat sich wohl eine gewisse Eigendynamik ergeben. Ich möchte wetten, dass ein Satz gleichen Inhalts in dreißig Jahren wieder an entsprechender Stelle zu lesen sein wird.
Jeden, der in sein Gehirn schon ein paar Furchen orgeldenkmalpflegerischen Denkens gezogen hat, dürfte es bei diesem Satz aus derselben Quelle schaudern: "Die Orgel soll sowohl technisch als auch klanglich für die nächsten Jahrzehnte bzw. die nächste Organistengeneration 'fit' gemacht werden." Im nächsten Satz ist zwar davon die Rede, dass die Qualität der Schuke-Orgel "gehalten werden" soll. Dass das aber eine besondere Qualität sein könnte, für die auch neue Organistengenerationen sich gefälligst fit machen dürfen, das scheint nicht so recht durchzudringen.
Nichts gegen Schimmelpilzbehandlung und Beseitigung der Ursachen. Nichts auch gegen die Erweiterung um ein koppelbares Schwellwerk oder gegen eine tüchtige badische Orgelbauwerkstatt. Aber so ganz weiß ich nicht, ob die Verantwortlichen sich darüber klar sind, dass sie der Gemeinde und den Kirchenbesuchern diese architektonisch komplett ratlose Hässlichkeit auf Jahrzehnte hinaus aufbürden.
Gruß,
Friedrich
Goslar - neuer Prospekt
jrbecker
, Donnerstag, 14. April 2011, 14:07 (vor 5620 Tagen) @ Friedrich
... Was mich allerdings wundert, ist, dass dieser Entwurf offenbar angenommen wurde (oder ist es noch ein Vorschlag?), obwohl das Ziel, die Fensterrose freizulegen, verfehlt wurde. ...
Hallo Friedrich,
so etwas ist doch nichts Neues, ich berichtete erst kürzlich davon, dass in einer anderen großen Kirche in der Ausschreibung des Orgelneubaus noch davon die Rede war, dass ein hinter der Orgel angebrachtes Fenster besser sichtbar gemacht werden sollte (obwohl die "alte" Orgel es schon nicht vollständig verdeckte). Gewonnen hat letztendlich ein Prospekt, der das Fenster deutlich weniger freilässt als die alte Orgel, und die Anforderung, den Blick auf das Fenster freier zu machen, ist in den Katakomben des Zwischennetzes unauffindbar versunken...
(Klar, der Unterschied zu Goslar ist, dass in dem anderen Fall ein Super-Prospekt herausgekommen ist. Der macht aber das Fenster auch nicht freier...)
LG
Jörg
Goslar - neuer Prospekt
orgelfreund, Donnerstag, 14. April 2011, 15:23 (vor 5619 Tagen) @ jrbecker
also,ich fand den alten prospekt viel ansprechender. aber wenn ich an den prospekt der göckel-orgel in hechingen denke, oder der geplante in st.johannis niederlahnstein, ist der neue noch gold!
Goslar - neuer Prospekt
LDZ, Hannover, Donnerstag, 14. April 2011, 15:40 (vor 5619 Tagen) @ orgelfreund
bearbeitet von D. Hausmann, Samstag, 16. März 2013, 17:23
[Beitrag auf Wunsch des Forenmitgliedes entfernt]
Goslar - neuer Prospekt
orgelfreund, Donnerstag, 14. April 2011, 17:22 (vor 5619 Tagen) @ LDZ
hallo lothar, klicke auf st.barbara lahnstein, dann kirchen: st.johannis - förderkreis
dann den flyer lg orgelfreund
Niederlahnstein
Orlos, Donnerstag, 14. April 2011, 20:41 (vor 5619 Tagen) @ orgelfreund
Hallo,
hier der direkte Link: http://lambertin.com/johanniskirche/wp-content/uploads/2010/02/FlyerProjektOrgelFin.pdf
Meines Wissens ist dieser Entwurf noch nicht genehmigt, es gibt wohl Vorbehalte auf Seiten der Bistumsleitung. Da gibt es neuerdings ein Kremium mit Generalvikar, welches sich bei der (Um-)Gestaltung von Kirchenräumen als letzte Instanz versteht.
Gruß
ORLOS
Niederlahnstein
SlowOrg
, Maribor, Donnerstag, 14. April 2011, 21:15 (vor 5619 Tagen) @ Orlos
Ist denn schon bekannt, wer die Orgel bauen soll? Unter "Projekt Orgel" ist zu lesen, dass "die Veröffentlichung des Orgelbauers, der den Zuschlag erhält, für den 07.03.2010 geplant" sei, allerdings war nirgends zu finden, wer das sein soll.
Irgendwie hat mich das...
![[image]](images/uploaded/201104142111544da7631adf767.jpg)
ein wenig an diesen...
![[image]](http://www.orgelbau-klais.com/_klais/bilder/konzert/Madison.jpg)
...Prospekt erinnert (Klais, Madison). Ist aber vermutlich nur ein Zufall (?).
M
Niederlahnstein
tombecher
, Saarbrücken, Donnerstag, 14. April 2011, 21:34 (vor 5619 Tagen) @ SlowOrg
bearbeitet von tombecher, Donnerstag, 14. April 2011, 21:38
Den Auftrag für Niederlahnstein, St. Johannis hat m.W. die Firma Claudius Winterhalter erhalten. Die geplante Disposition ist z.Zt. eine 1:1 Kopie der Winterhalter-Orgel in Bonn, St. Winfried. (Evtl. ohne Transmissionen ?)
Viele Grüße, Thomas
Niederlahnstein
SlowOrg
, Maribor, Donnerstag, 14. April 2011, 21:57 (vor 5619 Tagen) @ tombecher
Vielen Dank für die Info. Darauf wäre ich jetzt nicht unbedingt gekommen, so ohne Spuren einer Motorsäge und ohne schräg stehende Pfeifen... OK, das war jetzt unfair. Winterhalter hat ja eine Reihe von ausgesprochen schönen Orgeln, bei denen die genannten Merkmale (noch) nicht vorhanden sind. Ich bin da ziemlich zuversichtlich, dass letztendlich ein ansprechendes Instrument entsteht - sowohl klanglich als auch optisch.
M
Niederlahnstein==> C.W. Kettensägenmassaker?
orgelquaeler, Südwestdeutschland, Freitag, 15. April 2011, 06:49 (vor 5619 Tagen) @ SlowOrg
Morgen Forum!
De guschdibus lässt sich trefflich streiten, wie man bei verschiedenen Themen hier im Forum schön erkennen kann.
So habe ich auch meine Vorbehalte gegenüber des Gebäudes, das die Kirche in meinem Freiburger Stadtteil darstellen soll. Andere finden den Bau modern und zeitgemäß.
Kirche FR-Rieselfeld
Die Chororgel Herbolzheim zählt mit zu den klanglich schönsten, die ich bis jetzt gespielt habe. Auch optisch fügt sie sich besser in die Kirche ein, als die Bilder vermuten lassen.
Im alten Forum wurde auch der Neubau in der Jesuitenkirche in HD diskutiert. Auch dort hatte ich kurz die Möglichkeit, die Orgel näher zu betrachten. Den Hasendraht nimmt man so gar nicht war und das dunkle schwere Gehäuse fügt sich wirklich toll in die ansonsten helle und große Kirche ein. Der Klang ist wie gute dunkle Schokolade. Einfach herrlich. So etwas ist mir lieber als neu-barocke Silbermann-Nachbauten.
Bin gespannt, ob ich es noch erlebe, dass z.B. in Villingen Hand an die "Silbermann"-Orgel gelegt wird ;-)
Sonnig Grüße aus dem Süden
OQ
Niederlahnstein==> C.W. Kettensägenmassaker?
Fabian Brackhane
, Worms, Montag, 18. April 2011, 11:19 (vor 5616 Tagen) @ orgelquaeler
Bin gespannt, ob ich es noch erlebe, dass z.B. in Villingen Hand an die "Silbermann"-Orgel gelegt wird ;-)
Das wäre, mit Verlaub gesagt, schwer vonnöten! Nichts gegen Kern und seine unbestrittenen Qualitäten, aber ich kann nicht glauben, dass solch ein "dröhnend Erz" tatsächlich im Sinne Silbermanns sein soll.
Fabian
Goslar - neuer Prospekt
SlowOrg
, Maribor, Samstag, 04. Februar 2012, 21:25 (vor 5323 Tagen) @ SlowOrg
Goslar - neuer Prospekt
Orlos, Sonntag, 05. Februar 2012, 12:59 (vor 5323 Tagen) @ SlowOrg
Vielen Dank für den Hinweis. Als ich die Photos sah, dachte ich erst, es seien Bilder der alten Orgel, die abgebaut wird. Wellen aus Metall, flexible Rohre, blauer Filz, angemaltes Holz in Lamellenbauweise - irgendwie erzeugte das bei mir einen "gestrigen" Eindruck...
Goslar - neuer Prospekt
SlowOrg
, Maribor, Sonntag, 05. Februar 2012, 13:59 (vor 5322 Tagen) @ Orlos
Vielen Dank für den Hinweis. Als ich die Photos sah, dachte ich erst, es seien Bilder der alten Orgel, die abgebaut wird. Wellen aus Metall, flexible Rohre, blauer Filz, angemaltes Holz in Lamellenbauweise - irgendwie erzeugte das bei mir einen "gestrigen" Eindruck...
Offensichtlich wird das Innenleben der Schuke-Orgel von 1970 nahezu vollständig erhalten, so dass eigentlich nur das Gehäuse, Auxiliarwerk (+ einige andere Register) und die Registerstaffelei neu sind. Es mag zwar "gestrig" aussehen, aber - wenn's tadellos funktioniert - warum austauschen? Gleiche Materialien werden ja auch noch heute bei etlichen Orgelneubauten verwendet.
M