Reger und Deutschland

FranzS. @, Dienstag, 12. April 2011, 20:36 (vor 5625 Tagen) @ Karsten
bearbeitet von FranzS., Dienstag, 12. April 2011, 20:53

Hallo!

Ja, viele Werke Regers sind leider unterrepräsentiert und es sind tolel Sachen dabei. Nur sind die meistens wirklich nicht bekannt. Vielleicht helfen ja die laufenden Gesamteinspielungen (ich denke da vor allem an NAXOS), unbekanntes Terrain zu erschließen. Die bisher einzig vollständige Einspielung von Rosalide Haas ist ja aus bekannten Gründen etwas verpöhnt...

Hallo,

bei Rosalinde Haas bin ich auch etwas reserviert, aber immerhin hat sie die erste (?) Gesamteinspielung vorgelegt. Bei NAXOS sind auch viele schöne Einspielungen dabei. Am meisten hat mich Vol 6 überzeugt, besonders die fis-moll-Variationen. Hoffentlich bringen die das zu Ende.


Leider zeigen sich die üblichen Probelem des Reger-Spiels auch bzw. gerade bei "kleineren" Werken. Neben den spieltechnischen Schwierigkeiten eben auch die spielpraktischen (Registrierung etc.) und vor allem Musikalischen. Stehen diese beereits bei den großen Orgelwerken Regers häufig außerhalb einer "vernünftigen" Aufwand-Nutzen-Relation, so erst Recht bei den "kleinen" Werken.

Empfinde ich eigentlich nicht mehr so. Man muss eben langsam an die Sachen ran, Fingersätze ausarbeiten usw; sich einfach mit dem Werk beschäftigen und dann klappt das alles und vieles liegt, wie ich finde, dann gut in den Fingern. Und was am wichtigsten ist, es lohnt sich zum üben, weils einfach gute Musik ist. Bei der Registrierung ist es manchmal nur auf den ersten Blick schwierig. Viele der "Crescendos" kommen durch den Satz an sich schon. Beispielsweise bei op. 69 "Präludium" ab Takt 25, wo es da heißt "sempre ff e crescendo", da wirds von ganz allein stärker, weils im Diskant immer höher wird, im Pedal die mächtigen Oktavsprünge hinzukommen, und der Satz fünfstimmig wird, das "sempre poco ritardando" tut sein übriges.


Aber ich glaube/befürchte, dass mittlerweile Reger auch von der HIP-Welle erfasst wurde, und man sich häufig gar nicht erst traut, ihn auf "modernen" Orgel aufzuführen. "Ja, da braucht man eigentlich eine Walcker- oder Sauer-Orgel..." Nunka, stimmt eigentlich, aber die Musik ist eigentlich zu gut um nicht gespielt zu werden, und gerade in der gelungenen Realisierung auf Nicht-Reger-Orgeln zeig sich doich die wahre Größe des Interpreten :)

Wenns danach ginge, dürfte ich auf meiner Orgel gar nichts spielen. Was die HIP-Mafia angeht, wenn ich mir die Märchen vom "Straube-code" anhöre, kommen mir schon Zweifel, ob das nicht sämtlich Ignoranten sind. Metronomangabe: Wenn Reger wirklich alles doppelt so langsam gemeint hat, dann würde das ja auf die Metronomangabe seiner Klavierwerke auch zutreffen, oder nicht? Dann wird das ganze aber schon sehr langsam und Unpianistisch. Das Walcker- oder Sauer- Argument berücksichtigt eigentlich nicht die Frage, wie Reger seine Orgelsachen selbst im Kopf gehört hat. Wer sagt denn, dass er da symphonische Klänge im Kopf hatte? Man höre sich mal die Streichquartette an, oder die Kammermusik (gibts sehr, sehr viel), denn dann ist der Klang einer kleineren "modernen" Orgel viel näher dran, als der eines 100-Register-Instruments. Im Übrigen finden sich in den Streichquartetten auch crescendi und pppp und ffff , obwohl dort der dynamische Spielraum ja eher klein und alles andere als symphonisch ist. Am wichtigsten ist aber, dass Reger und Bach Pflichtprogramm und täglich Brot für jeden Organisten sein sollte, weil man solche Musik sonst nicht findet und man fürchterlich viel versäumt, wenn man diese Musik nicht spielt und hört (aus welchen Gründen auch immer).


Grüße Franz


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