Orgelkonzerte in der Provinz

Frank Berger @, Wassenberg, Freitag, 08. April 2011, 20:10 (vor 5628 Tagen)
bearbeitet von Frank Berger, Freitag, 08. April 2011, 20:33

Hallo Forum,
auch in der Provinz gibt es Orgelkonzerte. Von zweien im Raum Heinsberg ist zu berichten.
Das eine fand bereits im Februar statt in der ev. Kirche in Heinsberg- Randerath.
Diese ist eine ehemals reformierte Kirche aus dem 17. Jahrhundert (wie die Neanderkirche in Düsseldorf, die Hofkirchen in Wassenberg und Erkelenz-Lövenich), mit ca. 70 Sitzplätzen.
Anders als die genannten liegt sie heute direkt an einer Straße und nicht in einem Innenhof, wenn auch an einer Nebenstraße.
Die Orgel der Kirche stammt wohl aus dem frühen 19. Jahrhundert, mit einigen noch älteren Pfeifen, und wurde nach mehreren Umbauten (u.a. Korfmacher 1824, Dautzenberg Ende 19. Jh. , Peter etwa 1970) 2004 restauriert, dabei wurden alte Bestände nach Möglichkeit erhalten und ggfs. ergänzt .
Die Orgel hat heute 10 Manualregister (davon 4 geteilt) und 1 Pedalregister
(16‘, Pedalumfang C – g0).
Das Konzert umfasste Werke für Orgel allein und für Orgel und hohe Trompete , gespielt von Ulrike Scheytt aus Görlitz, Orgel, und Joachim Schäfer aus Dresden, Trompete -
Für Trompete und Orgel: Tomaso Albinoni, Johann Baptist Georg Neruda, Jean Baptiste Loillet, Henry Purcell,
Für Orgel allein: Georg Muffat, Giuseppe Gherardeschi, Girolamo Fescobaldi, Johann Pachelbel

Leider waren nur 20 Zuhörer da, aber immerhin war kleine Kirche damit zu knapp einem Drittel gefüllt. Das Konzert fand danach noch in gleicher Form in der ev. Kirche in Roetgen (südlich von Aachen) und in St. Michael, Aachen-Burtscheid statt.


Das zweite Konzert fand vergangenen Sonntag in der Propsteikirche St. Georg in Wassenberg statt. Den musikalischen Hausherrn Heinz-Peter Küppers verbindet eine Freundschaft mit 3 seiner Studienkollegen:
Klaus-Peter Jamin, St. Clemens, Krefeld-Fischeln,
Benedikt Schwär, St. Gudula, Rhede
Johannes Herrig, St. Laurentius, Grefrath

Sie gestalteten zusammen ein „Konzert mit Orgelmusik und Gregorianik zur Fastenzeit“ und betätigten sich dabei sowohl einzeln als Organisten als auch jeweils zu zweit oder zu dritt als Schola.
Das Programm :
Introitus zum 4. Fastensonntag „Laetare Jerusalem“ (Schola)
Antiphon „Asperges me“
Jean Langlais, Prelude aus der Suite mediévale über „Asperges me“ (Johannes Herrig)
Zu Sätzen aus der Messe propre pour les couvents von Francois Couperin (gespielt von H.-P-Küppers) wurden von den 3 anderen Herren die entsprechenden Teile aus dem gregorianischen Proprium gesungen.
Johann Sebastian Bach, Choralvorspiel „O Mensch bewein dein Sünde groß“ BW 622 (Benedikt Schwär)
Hymnus : Adoro te devote
Petr Eben, Versetti über „Adoro te, devote (Johannes Herrig)
Flor Peeters, Choralvorspiele „O du Lamm Gottes unschuldig“, „Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen“ (Benedikt Schwär).

Die Klaisine von 1957 (elektropneumatische Kegellade) schlug sich tapfer, auch wenn bei 19 Registern auf 2 Manualen und Pedal, ohne Schwellwerk, ohne Zunge in II, doch so manches fehlte.
Dank der Registrierkunst der 3 Organisten konnten z. B. nicht vorhandene Register wie das Cromorne , das bei Couperin eigentlich nötig ist, simuliert werden.

Die eigentlich noch geplante Sonate für Orgel zu 4 Händen und 4 Füßen von Gustav Merkel (geplant mit „fliegendem Organistenwechsel“), musste leider ausfallen, da Klaus-Peter Jamin wegen einer Handverletzung nicht spielen konnte.
Stattdessen spielten H.P. Küppers und Johannes Herrig nach einem Umzug ins Pfarrheim
auf 2 Probenklavieren 2 Sätze aus einem Konzert für 2 Cembali von J.S.Bach (kurzfristig geprobt).

Die Idee des themenbezogen Wechsels zwischen Orgelmusik und gregorianischem Choral fand ich sehr gut. Ca. 90 Zuhörer bedankten sich mit freundlichem Applaus.

Gruß
Frank (Berger)

Kommenden Sonntag in St. Gangolf, Heinsberg: Dupré, Kreuzweg. Orgel: KMD Viktor Scholz


[image]
Heinsberg-Randerath


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