Konstantin - Neue Informationen

Martin78 @, Dienstag, 05. April 2011, 10:04 (vor 5683 Tagen) @ Martin78
bearbeitet von Martin78, Dienstag, 05. April 2011, 12:05

Ah, wenn man den Text rauskopiert, funktioniert's:


Realisierung einer Vision

Wohl kaum ein anderes Instrument hat so vielfältigen stilistischen Ansprüchen zu genügen wie die Orgel. Seit ihrer ersten Hochblüte im 17. / 18. Jahrhundert hat sich die „Königin der Instrumente“ stetig weiterentwickelt: Neue technische Möglichkeiten, die Ausweitung der Klangfarbenpalette sowie die Kompositions-technik gingen dabei Hand in Hand.

Seit nunmehr 51 Jahren verfügt die Basilika über ein zwar sehr klangschönes Instrument, aber sowohl von der technischen Ausstattung als auch der klanglichen Bandbreite her lediglich über eine Chororgel. Ein Großteil der Orgelliteratur ab dem frühen 19. Jahrhundert ist in Gottesdienst oder Konzert gegenwärtig entweder gar nicht oder nur mit höchst unseriösen künstlerischen Kompromissen darstellbar. Bis zu den Zerstörungen im 2. Weltkrieg existierte allerdings auf der ganzen Breite der Südwand eine große symphonische Hauptorgel.

Die Idee, die seit dem Krieg verlorene Hauptorgel für eine der größten evangelischen Kirchen der EKiR wiederzugewinnen, reichte schon in die 1950er Jahre zurück. Nachdem aber 1962 die kleine Lösung in Gestalt der Schuke-Chororgel umgesetzt wurde, war jahrzehntelang der Gedanke an eine neue Hauptorgel außer Reichweite.

Erst 2001 wurde ein neuer Vorstoß gewagt, der im Jahre 2006 – pünktlich zum Doppeljubiläum der Konstantin-Basilika (150 Jahre Ev. Kirche – 50 Jahre Wiederaufbau) erstmals ein offizielles Gesicht bekam: Staatsministerin Malu Dreyer verkündete öffentlich im Rahmen einer Festveranstaltung, dass das Land den Bau einer neuen Hauptorgel für die Basilika anstrebe. In einem frühen Stadium war klar, dass neben der Auswahl der Erbauerfirma in einem zweiten Schritt die äußere Gestaltung der Orgel Gegenstand eines Architektur-wettbewerbs sein sollte. Beide Auswahlverfahren fanden in enger Abstimmung zahlreicher Gremien statt: Neben dem Finanzministerium waren das Kulturministerium, die Staatliche und Städtische Denkmalpflege, die Archäologische Trier-Kommission, eine Orgelkommission, Vertreter der Ev. Kirche im Rheinland, Mitglieder des Presbyteriums der Ev. Kirchengemeinde Trier sowie – federführend in der organisatorischen Durchführung des Vorhabens – der LBB Trier (Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung) beteiligt. Als letzte Instanz auf dem Weg der Beauftragung fungierte die UNESCO, da es um ein Bauvorhaben in einer Weltkulturerbestätte ging.

Das Ergebnis dieses Auswahlprozesses kann sich im Jahr 2014 sehen und hören lassen: Mit dem Bau der Orgel wird die renommierte Firma Hermann Eule Orgelbau (Bautzen) beauftragt werden, die äußere Gestaltung wurde entwickelt vom Architekturbüro Auer & Weber (München / Stuttgart).

Von dem mit einem finanziellen Gesamtvolumen von 3,1 Millionen EURO bezifferten Projekt übernimmt das Land Rheinland-Pfalz 2,8 Mio., die Ev. Kirchengemeinde Trier steuert - ausschließlich durch eingeworbene Spenden - 300.000 EURO bei.


Die neue Eule-Orgel der Basilika - Eine Annäherung

Die neue Eule-Orgel der Basilika wird technisch in jeder Hinsicht ein Instrument des 21. Jahrhunderts sein und klanglich umfassende Möglichkeiten bieten zur Darstellung jeglicher Orgelmusik ab dem 18. Jahrhundert bis heute.

Beauftragt wird eine Orgel mit 87 Registern (Klangfarben) auf vier Manualen (Tastenreihen) und Pedal (Tastenreihe für die Füße). Jedem der insgesamt fünf Klaviaturen ist ein bestimmtes Werk zugeordnet: Das erste Manual spielt das Hauptwerk an, das zweite Manual das Schwellwerk, das dritte Manual das sogenannte Récit und das vierte Manual nennt sich Orchestral / Solo. Hinzu kommt die Pedalklaviatur. Die Werke des zweiten, dritten und vierten Manuals stehen in einem Schwellkasten, dessen frontseitig angebrachte Holzjalousien sich vom Spieler mittels eines Balanciertritts öffnen und schließen lassen. So wird eine stufenlose Steigerung und Zurücknahme der Klangstärke ermöglicht – eine wesentliche Erfordernis für die Orgelmusik der Romantik und Moderne.

Schon in der Benennung der einzelnen Werke wird deutlich, dass hier länderspezifische Klangcharakteristika eine besondere Rolle spielen. Das Hauptwerk ist dabei dem deutschen hoch- und spätbarocken Registerfundus verpflichtet (z.B. J.S. Bach), das Schwellwerk ist deutsch-romantisch disponiert (z.B. für Werke von Max Reger, Franz Liszt etc.), das Récit orientiert sich an der französisch-romantischen Klanglichkeit (z.B. für Musik von César Franck, Charles-Marie Widor oder Marcel Dupré) und im vierten Manual finden sich Klangfarben der englischen Romantik (z.B. ein voll ausgebauter Streicherchor) sowie besondere Hochdruck-Register wie die Tuba imperialis. Weitere anglo-amerikanische Farbtupfer sind über die ganze Orgel verteilt.

Wie ein Maler Farbmischungen für seine Bilder oder ein Koch bestimmte Zutaten zum Gelingen eines besonderen Gerichtes gezielt einsetzt, wird es in Zukunft möglich sein, mit genau den Klangfarben zu arbeiten, die den Komponisten ab dem frühen 19. Jahrhundert für ihre Orgelwerke vorschwebten - von den geradezu unerschöpflichen Möglichkeiten für improvisierte Musik ganz zu schweigen. Geplant ist – neben dem Hauptspieltisch direkt am Orgelgehäuse auf der Südwand – ein fahrbarer Zweitspieltisch zu ebener Erde, der einen nahtlosen Wechsel zwischen Orgelspiel und Chordirigat sowie das Zusammenspiel mit jeder denkbaren Instrumental- oder Vokalbesetzung ermöglichen wird.

Nach der Auftragsvergabe wird die Orgel zunächst in der Bautzener Werkstatt der Firma Eule Stück für Stück entstehen und dort erstmals zu einem funktionierenden Ganzen zusammengefügt. Anschließend wird sie wieder in ihre Einzelteile zerlegt, nach Trier gebracht und in der Basilika erneut montiert – diesmal dann dauerhaft. Die drei miteinander verbundenen Orgelkörper werden statisch allein von der Südwand getragen werden, was mit Hilfe von drei stählernen Körben als Bestandteil des Tragwerks der Orgel möglich wird.
Die Phase des Aufbaus in der Kirche ist für den Zeitraum März bis Mai 2014 geplant, während dem der hintere Bereich der Kirche als Bauabschnitt abgeteilt werden wird. Von Juni bis Dezember 2014 wird dann der wichtigste Abschnitt des gesamten Bauvorhabens erfolgen: die Intonation. Hierbei wird jede einzelne der insgesamt 6.000 Pfeifen in ihrem Klangcharakter auf den Raum hin optimiert. Nach dem heutigen Stand der Planung dürfte die neue Hauptorgel zu Weihnachten 2014 das erste Mal erklingen.

LG,
Martin


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