Neue Orgel im Wiener Musikverein

Florian-L, Sonntag, 27. März 2011, 14:46 (vor 5637 Tagen) @ Karsten

Hallo!

Nun, wer hat das Einweihungskonzert im Musikvereinssaal im (Internet-)Radio anhören können? Wie sind die ersten Eindrücke?

Hallo!

Na, dann fange ich einmal an:
Das erste Spiel auf der Orgel bestritt Peter Planyavsky mit einer Improvisation am mechanischen Spieltisch, laut Angabe über Themen aus dem „Buch mit Sieben Siegeln“, die die Grundstimmen hören ließ, aber auch einige Soli beinhaltete, z.B. mit Klarinette 8’ und Kornett- und Aliquotmischungen. Auch Flöten und Streicher wurden bei dieser Gelegenheit vorgestellt. Ein groß angelegtes Crescendo mündete schließlich ins Tutti. Darauf folgte ein Decrescendo, und die Improvisation endete mit 8’-Grundstimmen.
Schon bei diesem Programmpunkt wurde mir klar, dass man die Orgel wohl vor Ort hören muss, um einen angemessenen Raumeindruck zu bekommen; die Radioübertragung stieß an ihre Grenzen.

Dass sich Orgelwerke von Johann Sebastian Bach gut darstellen lassen, bewies Ludger Lohmann mit „Toccata, Adagio und Fuge“ BWV 564, ebenfalls am mechanischen Spieltisch. Die Toccata begann im 16’-Plenum und Posaune 16’ im Pedal, alles gut durchhörbar registriert und exzellent gespielt.
Für das Adagio wählte Lohmann eine solistische Streicherstimme für die rechte Hand, begleitet mit einer Flöte (vermutlich Gedeckt 8’). Im Pedal kam ein Streicher in 16’-Lage zum Einsatz.
Die abschließende, lebhaft gespielte Fuge wurde mit einem 8’-Plenum, unterstützt von Trompete 8’, und im Pedal mit Mixtur, einer Zunge zu 16’ und vermutlich auch zu 8’ vorgetragen.

Während der Pause wurde ein Gespräch mit Wendelin Eberle über die neue Orgel gesendet.

Dann nahm Martin Haselböck an seinem Ferrari Platz (so wurde es wirklich angekündigt), und tatsächlich stieg er sehr forsch aufs Gas am elektrischen Spieltisch. „Präludium und Fuge über B-A-C-H“ von Franz Liszt bewältigte er in nur etwa 10 Minuten, teilweise mit akuter Schleudergefahr! Da blieben leider viele Details am Straßenrand. In den Forte-Stellen bekam man ziemlich griffige Mixturen zu hören.

Nach der Pause betrat die „Grande“ Dame Gillian Weir das Podium. Sie spielte „Alleluias sereins d’une ame qui désire le ciel“ aus „L’Ascension“ und „Dieu Parmi Nous“ aus „La Nativité“, was die farbige Seite der Orgel in den Vordergrund stellte.

Der letzte Organist des Abends war Olivier Latry (souverän wie gewohnt) mit „Fantasie und Fuge in B“, op. 18 von Alexandre-Pierre-François Boëly und dem 1. Satz aus der 5. Orgelsymphonie von Charles-Marie Widor, was beim Publikum besonders gut ankam. Fast selbstverständlich, spielte Latry als Zugabe die Toccata, ebenfalls aus Widors 5. Symphonie – das Publikum war hingerissen.

Ich werde mir die Orgel sicher einmal live anhören; mein Eindruck der Übertragung war der einer recht vielseitigen Orgel. Wendelin Eberle betonte in seiner Ansprache, die Orgel sei besonders für das Zusammenspiel mit Orchester konzipiert, leider konnte man diese Konstellation an diesem Abend noch nicht hören, aber in den nächsten Monaten gibt es Gelegenheit dazu. Bleibt zu hoffen, dass dieses Instrument nicht ganz so stiefmütterlich behandelt werden wird wie viele andere Konzertsaalorgeln.

Gruß, Florian

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"Nicht alles, was tönt, ist auch Musik."
-Joseph Marx-


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