Udo Flaskamp mit Pasifal in der Johanneskirche

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Samstag, 26. März 2011, 15:46 (vor 5639 Tagen)

Hallo Forum,

“Wagner ist immer so laut” war die Rede meiner seligen Großmutter. Sie wäre gestern gründlich widerlegt worden. Obwohl Udo Flaskamp kein geringeres Instrument als die (1954 mit ausreichender Kraft versorgte) von Beckerath-Orgel in der Johanneskirche zu Gebote stand, gab es einen ungemein ausgewogenen, dynamisch fein dosierten, insgesamt unendlich ruhigen und beseelten Wagner. Es ging nicht um Auftrumpfen sondern um genaues Nachzeichnen. Die Auszüge aus dem Schluß des ersten Aktes (immerhin über 30 Minuten Musik) entwickelten sich erzählend. Es schien ein ungemein logischer Ablauf - ewige Melodie halt. Man atmte mit, verfolgte, staunte. Grandios die Klangregie. Die Wechsel der Manuale (Videoübertragung mit feststehender Kamera) bewirkten oft nur Nuancen. So kongenial war die Registerwahl, so ruckfrei die Klangverschiebungen. Nirgends mußte gedrückt werden. Nichts wurde mit Kraft erzwungen. Alles natürlich. Eine großartige Bearbeitung, eine wunderbare Darbietung. Zwischenbeifall.

Begonnen hatte Flaskamp (im Hauptberuf in der Tonhalle Düsseldorf für Marketing und Kommunikation zuständig) mit Vierne. Die Toccata b-moll kam frisch und klar. Die Hymne au Soleil glänzte - eine Sonne von Kraft. Duftig und fein das Prélude.

Nach dem Wagner Sur le Rhin. Weniger Rheinidylle, vielmehr Darstellung der Urgewalt des Stromes. Nicht verfehlte auch das Carillon de Westminster seine Wirkung. Ein rundes Programm, ein gutes Konzert. Anhaltender Beifall. Zugabe Bach, manualiter.

Hoffentlich bleibt es nicht bei dieser einmaligen Aufführung. Vielleicht bietet das ido eine Wiederholung - oder St. Lambertus, St. Peter etc. laden ein? Ich jedenfalls würde den Wagner gerne noch einmal hören.

Gruß Clemens Schäfer

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Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)

Udo Flaskamp mit Pasifal in der Johanneskirche

Karsten, Samstag, 26. März 2011, 17:33 (vor 5639 Tagen) @ Clemens Schäfer

Hallo!

Herzlichen dank für diesen Bericht. Schön, dass der Wagner so gut funktioniert hat :)

“Wagner ist immer so laut” war die Rede meiner seligen Großmutter. Sie wäre gestern gründlich widerlegt worden.

Die Meinung wäre bzw. würde ebenfalls (öfters) widerlegt werden, würden die ganzen Dirigenten mal einen genaueren Blick in die Partitur werfen und die Orchester dazu anleiten so zu spelen, wie es da steht... Da taucht ein p und pp häufiger auf, als man üblicherweise hört. Und ein f, bzw. ff ist auf Streichinstrumenten mit Darmsaiten was ganz anderes als mit modernen Stahlsaiten...

Gruß
Karsten

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