Orgel im Lichthof der Münchner Universität

Cor de Basset, Samstag, 04. August 2012, 09:08 (vor 5138 Tagen)

Auf der Homepage der Ludwig-Maximilians-Universität in München wird in Wort und Bild über die Steinmeyer-Orgel von 1960 im Lichthof der LMU berichtet, die inzwischen abgebaut ist und durch den Orgelbauer Markus Harder-Völkmann restauriert werden wird. Vorgesehen ist laut Beitrag auch eine "zeitgemäße Erweiterung um zusätzliche, spezifische Klangmöglichkeiten, die die Orgel zu einem echten Unikat machen." Erstaunlich, dass für alle anvisierten Renovierungsarbeiten "nur" 50.000 Euro veranschlagt sind, oder nicht?

Orgel im Lichthof der Münchner Universität

Cor de Basset, Samstag, 04. August 2012, 20:19 (vor 5137 Tagen) @ Cor de Basset
bearbeitet von Cor de Basset, Samstag, 04. August 2012, 20:25

Auf der Homepage der Ludwig-Maximilians-Universität in München wird in Wort und Bild über die Steinmeyer-Orgel von 1960 im Lichthof der LMU berichtet, die inzwischen abgebaut ist und durch den Orgelbauer Markus Harder-Völkmann restauriert werden wird. Vorgesehen ist laut Beitrag auch eine "zeitgemäße Erweiterung um zusätzliche, spezifische Klangmöglichkeiten, die die Orgel zu einem echten Unikat machen." Erstaunlich, dass für alle anvisierten Renovierungsarbeiten "nur" 50.000 Euro veranschlagt sind, oder nicht?

Mein Hinterfragen der Gesamtkosten in Höhe von 50.000 Euro für Demontage, Renovierung, Reinigung, technische Erweiterungen, Wiederaufbau und Neuintonation ist vielleicht verständlicher, wenn man sich bewusst macht, dass es sich um eine Orgel mit 29 Registern/1692 Pfeifen (2 Manuale & Pedal, fahrbarer Spieltisch) von 1960 von Georg Friedrich Steinmeyer handelt.

Im Artikel auf der LMU-Homepage wird seltsamerweise nirgendwo der Erbauer der Orgel erwähnt oder genauere Angaben zum Instrument gemacht. Die Süddeutsche Zeitung war in ihrer gestrigen Printausgabe etwas informativer und lieferte diese Details. Dort ist auch zu lesen, dass die Orgel derzeit in das Magazin der Universitätsbibliothek der LMU ausgelagert worden ist und frühestens ab April kommenden Jahres wieder im Lichthof aufgestellt wird, wenn die Renovierungsarbeiten im Hauptgebäude der LMU abgeschlossen sind. Bei der Besetzung der LMU durch Studierende 2009 verschafften sich übrigens einige Leute gewaltsam Zugang zum Orgelraum und beschädigten Teile des Instruments und stahlen mehrere Pfeifen. Seit der Einweihung der Orgel 1961 sind offensichtlich rund 30 Pfeifen entwendet worden.

Aufgehorcht hatte ich bei der Kombination des Orgelbauers Markus Harder-Völkmann mit dem Münchner Organisten Stefan Moser, der offensichtlich eine Konzertreihe an der LMU etablieren möchte (wie das allerdings bei einer ganztägigen Benutzung der umliegenden Räume des Hauptgebäudes durch Vorlesungen, Seminare und andere Veranstaltungen (von früh morgens bis zur Schließung des Gebäudes um 22 Uhr) praktisch umgesetzt werden soll, ist eine andere Frage...)

Moser hatte seinerzeit den Bau eines neuen Spieltisches für die Orgel der Münchner Lukaskirche initiiert, den Harder-Völkmann baute. Wer weiss, was nun in der Münchner Universität zu erwarten ist: Ob sich die Formulierung "zeitgemäße Erweiterung um zusätzliche, spezifische Klangmöglichkeiten, die die Orgel zu einem echten Unikat machen" auf eine Erweiterung der Disposition, Erneuerung der elektrischen Traktur, eine neue Setzeranlage oder gar einen neuen Spieltisch bezieht?

Jedenfalls scheinen mir 50.000 Euro doch arg knapp kalkuliert zu sein für die geplanten Arbeiten an der Orgel im Lichthof, die wohl vor der Demontage nur noch teilweise spielbar gewesen war.

Kennt jemand zufällig die Disposition dieser Orgel? Im Internet ist sie nirgendwo zu finden. Hier sind aber einige Bilder:

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Orgel im Lichthof der Münchner Universität

Xrot, Samstag, 04. August 2012, 20:31 (vor 5137 Tagen) @ Cor de Basset

Kennt jemand zufällig die Disposition dieser Orgel?

Nein, leider nicht, aber man sieht auf dem Foto den soliden zeittypischen Steinmeyer'schen Rohrpommer 16' etc. Auf den ersten Blick verwunderlich ist die offene hölzerne Flöte zu 8 – aber: Ein weiteres klassisches Beispiel, wie Steinmeyer zu dieser Zeit noch "romantisch" dachte ;-)

Orgel im Lichthof der Münchner Universität

fluteceleste @, München, Montag, 06. August 2012, 05:20 (vor 5136 Tagen) @ Xrot

Kennt jemand zufällig die Disposition dieser Orgel?


Nein, leider nicht, aber man sieht auf dem Foto den soliden zeittypischen Steinmeyer'schen Rohrpommer 16' etc. Auf den ersten Blick verwunderlich ist die offene hölzerne Flöte zu 8 – aber: Ein weiteres klassisches Beispiel, wie Steinmeyer zu dieser Zeit noch "romantisch" dachte ;-)

ich würde bei dem Holzregister auf einen Holzprinzipal 8' tippen. Dieses Register hat Steinmeyer in den 60ern öfters gebaut (zB vorhanden im Schwellwerk in der Matthäuskirche in München, s. foto unten), es ist wunderbar "füllig" und kann durchaus auch als dicke Flöte eingesetzt werden.
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Ganz rechts Rohrgedackt 16, daneben der Holzprinzipal.
Somit wären als Puzzleteile für eine Dispo also der Pommer 16, ein Streicher (Weidenpfeife?)8, eine Trompete 8, ein Gedeckt 4' und der Holzprinzipal vorhanden..also das Hauptwerk?

In besagter Matthäuskirchen-Orgel wurde auch eine Holzflöte 4' gebaut, und das bei Baujahr 1955..
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Matthäuskirche München

Xrot, Montag, 06. August 2012, 06:15 (vor 5136 Tagen) @ fluteceleste

Weißt Du, wie es um den dortigen Woehl-Umbau steht? Die Website ist wohl seit längerem nicht mehr aktualisiert worden.

Matthäuskirche München

Cor de Basset, Montag, 06. August 2012, 06:28 (vor 5136 Tagen) @ Xrot

Weißt Du, wie es um den dortigen Woehl-Umbau steht? Die Website ist wohl seit längerem nicht mehr aktualisiert worden.

Offensichtlich doch: Gerald Woehl hat die Arbeiten inzwischen begonnen:
http://www.matthaeusorgel.de/home_de.html

Seit 2010 ist interimsweise eine Digitalorgel von Eminent in der Matthäuskirche aufgestellt.

Matthäuskirche München

fluteceleste @, München, Montag, 06. August 2012, 06:34 (vor 5136 Tagen) @ Cor de Basset

Weißt Du, wie es um den dortigen Woehl-Umbau steht? Die Website ist wohl seit längerem nicht mehr aktualisiert worden.


Offensichtlich doch: Gerald Woehl hat die Arbeiten inzwischen begonnen:
http://www.matthaeusorgel.de/home_de.html

Seit 2010 ist interimsweise eine Digitalorgel von Eminent in der Matthäuskirche aufgestellt.

Die fertigstellung eines ersten Bauabschnitts ist für Weihnachten 2012 vorgesehen.

Matthäuskirche München

Xrot, Montag, 06. August 2012, 07:50 (vor 5136 Tagen) @ fluteceleste

Aha: Wie man liest, so muss auch diese Orgel unbedingt "mechanifiziert" werden .. . . . . .

Matthäuskirche München

fluteceleste @, München, Dienstag, 07. August 2012, 04:58 (vor 5135 Tagen) @ Xrot

ja, das ist Teil des Konzepts von Woehl.ich bin auch sehr gespannt. Wie ich gehört habe, soll die Webseite demnächst aktualisiert werden und das gesamte Konzept mit genaueren Angaben samt Dispo enthalten. Die Restaurierung des alten Spieltisches wird auch erfolgen, aber das kann ja warten..

St. Matthäus, München

Cor de Basset, Donnerstag, 07. März 2013, 16:14 (vor 4922 Tagen) @ fluteceleste
bearbeitet von Cor de Basset, Donnerstag, 07. März 2013, 16:20

ja, das ist Teil des Konzepts von Woehl.ich bin auch sehr gespannt. Wie ich gehört habe, soll die Webseite demnächst aktualisiert werden und das gesamte Konzept mit genaueren Angaben samt Dispo enthalten. Die Restaurierung des alten Spieltisches wird auch erfolgen, aber das kann ja warten..

Seit dem letzten Forumsbeitrag zu diesem Thema sind mittlerweile sieben Monate vergangen, und noch immer sucht man vergeblich nach aktualisierten Informationen zum Konzept oder der erweiterten Disposition auf der Webseite des Orgelbauvereins St. Matthäus; auch auf der Webseite der Orgelbauwerkstatt Woehl gibt es keinerlei Hinweise.

Gut versteckt im Kirchenkalender von St. Matthäus sind aber für den 31. März dieses Jahres um 10:00 Uhr ein Festgottesdienst mit Abendmahl zum Ostersonntag (mit neuer Orgel) sowie um 20:00 Uhr das erste Konzert auf der neuen Orgel mit KMD Hayko Siemens angekündigt. Im April werden auch die monatlichen Orgelmatineen wiederaufgenommen.

Kennt jemand genauere Details zum tatsächlichen Stand der Arbeiten durch Gerald Woehl?

St. Matthäus, München

Thofi, Donnerstag, 07. März 2013, 17:53 (vor 4922 Tagen) @ Cor de Basset

Den Termin mit "neuer Orgel" habe ich heute auch erfahren. Nur: Was heisst das?
Ein Teil der Orgel (welcher?) wird spielbar sein. Der Rest? Das Gesamt-Projekt?
Weiss der Himmel (und Woehl!).

Gruß
Thomas

Matthäuskirche München

untersatz32 ⌂ @, Amriswil, Dienstag, 07. August 2012, 11:49 (vor 5134 Tagen) @ Xrot
bearbeitet von untersatz32, Dienstag, 07. August 2012, 13:50

Schade! Sowas geht doch heute auch prima elektrisch (wenn mans kann...), und das hätte das Steinmeyer-Konzept weitaus weniger angetastet, bzw. wäre weniger teuer als eine Mechanisierung einer elektrischen/elektropneumatischen Orgel.

Gruss

Thomas

--
Thomas Haubrich

Matthäuskirche München

fluteceleste @, München, Donnerstag, 09. August 2012, 19:19 (vor 5132 Tagen) @ untersatz32

Schade! Sowas geht doch heute auch prima elektrisch (wenn mans kann...), und das hätte das Steinmeyer-Konzept weitaus weniger angetastet, bzw. wäre weniger teuer als eine Mechanisierung einer elektrischen/elektropneumatischen Orgel.

Gruss

Thomas

Ja, ich bin auch Deiner Meinung- kommt einem irgendwie so vor, wie wenn da zwanghaft ein zusätzliches mechanisches "Spielgefühl" geschaffen werden soll. Aber schauen wir, was passiert. Ich denke, wenn es fertig ist, wird es was Schönes und wohlklingendes (und hoffentlich wohlspielbares) sein. Ich berichte dann ausführlich ;-)

St. Matthäus, München: aktuelle Disposition

Cor de Basset, Samstag, 29. Juni 2013, 06:39 (vor 4809 Tagen) @ fluteceleste
bearbeitet von Cor de Basset, Samstag, 29. Juni 2013, 19:54

Ich hatte kürzlich die Gelegenheit, einige Zeit an der Orgel in St. Matthäus zu verbringen. Hier ist die aktuelle Disposition mit den geplanten Erweiterungen. Die Schreibweise der Register entspricht der Beschriftung am neuen Spieltisch:

[image]


G. F. Steinmeyer, 1955-1963 & Gerald Woehl, 2009-2013.
Neuer Spieltisch von Gerald Woehl (2013).

Mechanische Spieltraktur für I. und II. Manual, elektrische Spieltraktur für III. und IV. Manual.
Elektrische Spieltraktur für Pedal.
Elektrische Registertraktur.
Im Spieltisch ist ein Manualumfang bis a''' (58 Töne) vorhanden, das Pfeifenwerk ist derzeit aber nur bis g''' (56 Töne) ausgebaut.
Mit (x) markierte Register und Spielhilfen sind im Spieltisch vorbereitet und werden in einem späteren Bauabschnitt eingebaut bzw. funktionsfähig sein.


I. Hauptwerk C-a'''
Prinzipal 16'
Bordun 16'
Metallprinzipal 8'
Rohrflöte 8'
Bordun 8' (x)
Flûte harmonique 8' (x)
Violoncello 8'
Silbermanngamba 8'
Oktave 4'
Kleingedeckt 4'
Quint Nasard 2 2/3'
Kornett 3-5 fach
Oktave 2'
Schwiegel 2'
Rauschflöte 4 fach
Groß Mixtur 6 fach (x)
Mixtur 4 fach
Cimbel 3 fach
Mixtur 5 fach (x)
1. Trompete 16'
1. Trompete 8'
2. Trompete 16' (x)
2. Trompete 8' (x)


II. Oberwerk C-a'''
Quintatön 16'
Harfenprinzipal 8'
Gemshorn 8'
Holzgedackt 8'
Quintade 8'
Unda maris 8'
Weitprinzipal 4'
Holzflöte 4'
Sesquialtera 2 fach
Prinzipal 2' (x)
Oktave 2'
Gemshörnlein 2' (x)
Quintlein 1 1/3' (x)
Mixtur 4 fach
Zymbel 3 fach (x)
Scharfmixtur 5 fach (x)
Fagott 16'
Fagott 8'
Trichterregal 8' (x)
Kopftrompete 4' (x)
Tremulant (x)


III. Récit C-a'''
Bourdon 16' (x)
Cor de nuit 8' (x)
Flûte traversière 8' (x)
Viole de gambe 8' (x)
Voix céleste 8' (x)
Flûte octaviante 4' (x)
Dulciane 4' (x)
Quinte 2 2/3' (x)
Octavin 2' (x)
Tierce 1 3/5' (x)
Plein jeu 4 fach (x)
Bombarde 16' (x)
Trompette harmonique 8' (x)
Basson-Hautbois 8' (x)
Voix humaine 8' (x)
Clairon harmonique 4' (x)
Tremblant fort (x)


IV. Schwellwerk C-a'''
Rohrgedackt 16'
Prinzipal 8'
Hohlflöte 8'
Lieblich Gedackt 8'
Weidenpfeife 8'
Schwebung 8' (x)
Oktave 4'
Koppelflöte 4'
Quinte 2 2/3'
Waldflöte 2'
Terz 1 3/5'
Flageolett 1'
Plein jeu 5-6 fach
Glockencymbel 3 fach
Englisch Horn 16'
Oboe 8'
Zink 4' (x)
Tremulant


Positiv C-a''' (ohne Manualzuordung, "floating division")
Singend Gedackt 8' (x)
Dulzflöte 8' (x)
Praestant 4' (x)
Nachthorn 4' (x)
Oktave 2' (x)
Oktävlein 1' (x)
Sesquialtera 2 fach (x)
Scharfcymbel 4 fach (x)
Rankett 16' (x)
Vox humana 8' (x)
Tremulant (x)
Pos-I (x)
Pos-II (x)
Pos-III (x)
Pos-IV (x)
Pos-P (x)


Pedal C-f'
Groß Bordun 32'
Prinzipal 16'
Kontrabaß 16' (x)
Violon 16' (x)
Subbaß 16'
Gedacktbaß 16'
Quintade 16'
Groß Quinte 10 2/3'
Oktavbaß 8'
Gedecktbaß 8'
Violoncello 8'
Hohlflöte 4'
Rohrpfeife 2'
Choralbaß * 2 fach
Hintersatz 4 fach
Oktavmixtur * 2 fach
Sordun 32' (x)
Bombarde 16' (x)
Posaune 16'
Fagott 16'
Sordun 16'
1. Trompete 8' (x)
2. Trompete * 8'
Fagott 8'
Clairon 4'
Clarine * 4' (x)
Cornetto 4'
Cantus 2'
Tremulant (für Register mit *) (x)


Fernwerk C-a''' (ohne Manualzuordnung, "floating division")
Bordun 16' (x)
Praestant 8' (x)
Gedackt 8' (x)
Gambe 8' (x)
Vox coelestis 8' (x)
Traversflöte 4' (x)
Piccolo 2' (x)
Mixtur 4 fach (x)
Trompete 8' (x)
Vox humana 8' (x)
Klarinette 8' (x)
Tremulant (x)
Glocken (x)
Fernwerk pp (Registerwippe auf der rechten Seite) (x)
FW-I (x)
FW-II (x)
FW-III (x)
FW-IV (x)


Pedal Fernwerk C-f'
Gedacktbaß 32' (x)
Gedackt 16' (x)
Gedackt 8' (x)
Trompete 8' (x)
Trompete 4' (x)
FW-P (x)


Normalkoppeln:
II-I, III-I, IV-I
III-II, IV-II
IV-III

Pedalkoppeln:
I-P, II-P, III-P, IV-P

Suboktavkoppeln:
I-I, II-I, III-I, IV-I
II-II, III-II, IV-II
III-III, IV-III
IV-IV

Walze, Balanciertritt für Récit (x), Balanciertritt für Schwellwerk.
Schweller Fernwerk an Schwelltritt Récit (x) und Schweller Fernwerk an Schwelltritt Schwellwerk (x) (zwei Registerwippen auf der rechten Seite).
Symphonischer Wind an (x) (Registerwippe auf der rechten Seite).
Crescendo an (Piston auf der rechten Seite), Tutti (Piston auf der rechten Seite).
Walze 1, 2, 3 (drei Registerwippen auf der rechten Seite).
Pleno 1, 2, 3 (drei Registerwippen auf der rechten Seite).
1.024 Setzerkombinationen. Sequenzer vor- und rückwärts.

St. Matthäus: was wohl so ein Sordun 32' für ein Tier sei...

untersatz32 ⌂ @, Amriswil, Samstag, 29. Juni 2013, 08:53 (vor 4809 Tagen) @ Cor de Basset

Hat jemand Erfahrung mit kurzbechrigen 32-Füssern?
Aubertin/Freytag/Tricoteaux haben solcherartiges sehr effektiv mit üppig mensurierten Dulcianen 32' erfolgreich exerziert. Die haben aber ziemliches Fundament. Sehr schön!

Regale 16' können sehr schön sein, wenn gut intoniert. Aber 32'-Geknatter???

Grüsse
Thomas

--
Thomas Haubrich

St. Matthäus: was wohl so ein Sordun 32' für ein Tier sei...

Cor de Basset, Samstag, 29. Juni 2013, 09:39 (vor 4809 Tagen) @ untersatz32
bearbeitet von Cor de Basset, Sonntag, 30. Juni 2013, 05:31

Hat jemand Erfahrung mit kurzbechrigen 32-Füssern?
Aubertin/Freytag/Tricoteaux haben solcherartiges sehr effektiv mit üppig mensurierten Dulcianen 32' erfolgreich exerziert. Die haben aber ziemliches Fundament. Sehr schön!

Regale 16' können sehr schön sein, wenn gut intoniert. Aber 32'-Geknatter???

Grüsse
Thomas

So ungewöhnlich ist ein solches Register nicht. So hatte Sauer Orgelbau in den 20er Jahren mehrere Orgeln mit Rankett 32'- bzw. Sordun 32'-Registern ausgestattet:

  • Halle, Moritzkirche, 1925-1927, Opus 1307 (Rankett 32')
  • Breslau, St. Matthias-Kirche, 1926, Opus 1317 (Rankett 32', zu hören in Heinz Bernhard Orlinskis Dokumentation "Orgellandschaft Schlesien" für MDG)
  • Bremen, Konzertsaal "Glocke", 1928 (Sordun 32')

Der Förderverein Sauer-Orgel Moritzkirche Halle (Saale) e. V. hatte seinerzeit auch Studienfahrten zu den beiden Sauer-Orgeln in Bremen und Breslau gemacht.

Was den Sordun 16' in St. Matthäus in München betrifft: Er ist ein recht schönes und dezent zeichnendes Register, das sich gut mit den Grundstimmen 16' und 8' im Pedal mischt. Der Sordun 32' war schon in der Steinmeyer-Orgel von 1955-1963 enthalten, deren Konzept Gerald Woehl im Wesentlichen in sein eigenes Konzept übernimmt. Zurzeit ist er aber noch nicht wieder eingebaut. Ob er sich im endgültigen Konzept der Orgel bewähren wird, kann ich nicht sagen. In Marienstatt wurde ja schon vor einigen Jahren der Sordun 32' durch eine Kontraposaune 32' ersetzt. St. Matthäus in München würde sicherlich eine größer dimensionierte 32'-Zunge vertragen, aber es dürfte dort sicherlich auch wieder eine Frage des vorhandenen Platzes im Gehäuse sein. Immerhin fehlt noch das Fernwerk über der Sakristei, das Positiv rechts über der hinteren Empore, und das Récit, das wohl im Hauptgehäuse aufgestellt werden dürfte.

St. Matthäus: was wohl so ein Sordun 32' für ein Tier sei...

kjz1, Samstag, 29. Juni 2013, 12:33 (vor 4808 Tagen) @ untersatz32

Regale 16' können sehr schön sein, wenn gut intoniert. Aber 32'-Geknatter???

Peter Bares hat in der Walcker-Orgel in Sinzig (1972) ja auch einen Dulcian 32' im Pedal disponiert. Das passte wohl zu seinem Konzept: 'Eine Orgel muss dissonanzfähig sein.'

St. Matthäus: was wohl so ein Sordun 32' für ein Tier sei...

stein @, Samstag, 29. Juni 2013, 12:38 (vor 4808 Tagen) @ untersatz32

Die kurzbecherigen 32'Zungen von Aubertin in Sarrealbe, Vertus und Vichy finde ich sehr gelungen. Diese geben selbst Instrumenten mit 30-40 Registern eine neue Dimension.
Der alte Sordun 32' von Marienstatt hatte hingegen seinerzeit keine Wirkung.

Sarrealbe, hier auch die spartanische Besetzung mit einem Prinzipal 16' und 10 2/3 plus 6 2/5 Terz
http://gaillard.orgues.free.fr/moselle_annees_1996_a_2002_164.htm

Vertus, der Dulcian 32' verdient fast den Namen Bombarde.
http://francois.collard.free.fr/lorgue.html

Vichy, der Napoleon 32' ist dem Dulcian in der Bauweise ähnlich, ist ebenfalls unüberhörbar.
http://www.orgue-vichy-st-louis.com/presentationorgue.html

Drei Orgeln die mich zutiefst beeindruckt haben.
Schade dass er in Deutschland weniger bekannt ist.

St. Matthäus: was wohl so ein Sordun 32' für ein Tier sei...

untersatz32 ⌂ @, Amriswil, Samstag, 29. Juni 2013, 12:49 (vor 4808 Tagen) @ stein

Ja, finde ich auch. Aubertin (& Gaillard) und auch Felsberg (Freytag & Tricoteaux) können das (32' Dulciane etc.)...

Mir geht es aber um den Effekt eines Rankett 32' oder Sordun 32?:
Was kommt da - ausser ungeradzahligem stillem (oder weniger Stillen) Knattern - für ein Effekt rüber?

Viele Grüsse

Thomas

--
Thomas Haubrich

St. Matthäus: was wohl so ein Sordun 32' für ein Tier sei...

stein @, Samstag, 29. Juni 2013, 12:58 (vor 4808 Tagen) @ untersatz32

Da kenne ich noch gut den Effekt von Marienstatt. Zog man zu der 16 Fuss Zunge den Sordun 32 konnte man wirklich keinen Transfer in eine andere Dimension erleben. Man hörte lediglich beim Solospiel das niederfrequente Knattern. Die 16 Fuss Posaune war auch keinesfalls zu laut, dass sie den Klang erschlagen hätte. Vermutlich taugt ein 32 Sordun eher etwas in einer kleinen Saal- oder Hausorgel.
In Marienstatt hatt man diesen dann auch gegen eine 32 Bombarde ausgetauscht.

St. Matthäus: was wohl so ein Sordun 32' für ein Tier sei...

Cor de Basset, Sonntag, 30. Juni 2013, 14:52 (vor 4807 Tagen) @ stein
bearbeitet von Cor de Basset, Sonntag, 30. Juni 2013, 15:20

Da kenne ich noch gut den Effekt von Marienstatt. Zog man zu der 16 Fuss Zunge den Sordun 32 konnte man wirklich keinen Transfer in eine andere Dimension erleben. Man hörte lediglich beim Solospiel das niederfrequente Knattern. Die 16 Fuss Posaune war auch keinesfalls zu laut, dass sie den Klang erschlagen hätte. Vermutlich taugt ein 32 Sordun eher etwas in einer kleinen Saal- oder Hausorgel.
In Marienstatt hatt man diesen dann auch gegen eine 32 Bombarde ausgetauscht.

Nicht ganz: Marienstatt erhielt 2006 eine Kontraposaune 32' (als Fortführung der im gleichen Jahr installierten Posaune 16', ebenso wie einen neuen Untersatz 32' und 16'); siehe auch hier zu allen Erweiterungen 2006 und 2012).

Zu St. Matthäus in München:
Gibt es wirklich nichts Interessanteres hinsichtlich der von Gerald Woehl geplanten Disposition als den Sordun 32' aus der bereits existierenden und weitgehend übernommenen Steinmeyer-Orgel aus den 50er-Jahren?

Immerhin wäre dieses Instrument in seiner geplanten Form (gemeinsam mit der Haupt- und Chororgel von Jann im Dom) mit 131 Registern die größte Orgel in München; derzeit sind in St. Matthäus 68 Register installiert und spielbar, aber leider noch nicht fertig intoniert. Das geplante Récit wird in der Tat im Hauptgehäuse aufgestellt; die dahinter befindliche Glaswand soll entfernt werden, so dass dieses Teilwerk auch in den Gemeindesaal hinter der Orgelempore hinein klingt. Wann genau nun aber der zweite Bauabschnitt (und somit die Fertigstellung der Orgel durch Woehl) in Angriff genommen wird, ist derzeit noch offen...

Nicht weit von St. Matthäus, in der Münchner Innenstadt, wird es übrigens in den kommenden Wochen und Monaten einige interessante Konzerte geben, u. a. in St. Michael und im Dom.

St. Matthäus: was wohl so ein Sordun 32' für ein Tier sei...

untersatz32 ⌂ @, Amriswil, Sonntag, 30. Juni 2013, 17:43 (vor 4807 Tagen) @ Cor de Basset


Zu St. Matthäus in München:
Gibt es wirklich nichts Interessanteres hinsichtlich der von Gerald Woehl geplanten Disposition als den Sordun 32' aus der bereits existierenden und weitgehend übernommenen Steinmeyer-Orgel aus den 50er-Jahren?

Nein, für mich momentan nicht. Erweiterte SW und zugebaute Fernwerke hat es allerorten; auch St Peter und St Michael wurden aufgemotzt und erweitert.

Da interessiert mich konkret der Effekt eines Sorduns 32', wie er klingt, warum man ihn lässt - und nicht zb infolge der Symphonisierung eine kräftigere 32' Zunge einbaut.

Grüsse

Thomas

--
Thomas Haubrich

St. Matthäus: was wohl so ein Sordun 32' für ein Tier sei...

kjz1, Sonntag, 30. Juni 2013, 19:17 (vor 4807 Tagen) @ untersatz32

Da interessiert mich konkret der Effekt eines Sorduns 32', wie er klingt, warum man ihn lässt - und nicht zb infolge der Symphonisierung eine kräftigere 32' Zunge einbaut.

Dafür müsste man natürlich zunächst einmal die Platzverhältnisse vor Ort kennen. Auch eine 32'-Zunge mit halber Becherlänge braucht ja so einiges an Platz und Wind.

St. Matthäus: was wohl so ein Sordun 32' für ein Tier sei...

untersatz32 ⌂ @, Amriswil, Sonntag, 30. Juni 2013, 22:36 (vor 4807 Tagen) @ kjz1

Klar, ich vermute, es liegt evtl auch am Geld.
Oder man braucht oder will dort keine.

Unsere halblängige Bombarde 32' ist enorm effektiv.
An Winddruck wird sie mit 140mm gefüttert, das reicht um volle Länge absolut nicht missen zu müssen.

Viele Grüsse
Thomas

--
Thomas Haubrich

St. Matthäus: was wohl so ein Sordun 32' für ein Tier sei...

Cantor, Montag, 01. Juli 2013, 09:19 (vor 4807 Tagen) @ stein

Hallo,

in der Jesuitenkirche Heidelberg hat ja nicht Aubertin, sondern Kuhn den Aufrag bekommen. Schade, wäre bestimmt für die Orgellandschaft eine Bereicherung gewesen....

St. Matthäus: was wohl so ein Sordun 32' für ein Tier sei...

stein @, Montag, 01. Juli 2013, 09:48 (vor 4807 Tagen) @ Cantor

Hallo,

in der Jesuitenkirche Heidelberg hat ja nicht Aubertin, sondern Kuhn den Aufrag bekommen. Schade, wäre bestimmt für die Orgellandschaft eine Bereicherung gewesen....

ausserdem würden anstelle der hässlichen Gefängnisgitter, Sterne, Sonnen und Monde funkeln

Was wohl so ein Sordun 32' für ein Tier sei...

SKB, Sonntag, 30. Juni 2013, 20:02 (vor 4807 Tagen) @ untersatz32

Regale 16' können sehr schön sein, wenn gut intoniert. Aber 32'-Geknatter???

Hallo Thomas,

in Freiburg steht in St. Martin (in der Innenstadt) eine Orgel von Willy Dold, meines Wissens 1956 erbaut. Sie ist leider in einem mitleid- bis grauenerregenden Zustand, was Technik, Qualität des verwendeten Materials und Zuverlässigkeit angeht, hat aber wirklich schöne Farben und ist ungemein inspirierend für die Improvisation.
Dieses Instrument nun verfügt über einen Sordun 32' - und das ist wirklich beeindruckend: es knattert nichts, es rülpst nichts, es ist nichts uncharmant, sondern es ist vielmehr eine fast schon zart streichende Farbe, die sich unter den Klang der übrigen Register legt; man kann sie sehr schön auch zu Grundstimmen 16'8' ziehen. Kein bisschen ist der Klang vergleichbar mit dem, was man von sagen wir einem Fagott 32' auf halber Becherlänge aus den 60ern gewohnt ist; mich erinnert es vielmehr an eine Art sehr zerbrechliche Violone (ohne aber diese Grundtönigkeit zu besitzen). Kurz: über Klänge zu sprechen ist schwer...
Im vollen Werk ist die Wirkung natürlich eine ganz andere als bei eine Contrebombarde - aber irgendwie: es hat wirklich etwas.
Und wer weiß: vielleicht ist das Ding ja mal zu verkaufen?


Viele Grüße

Was wohl so ein Sordun 32' für ein Tier sei...

untersatz32 ⌂ @, Amriswil, Sonntag, 30. Juni 2013, 22:22 (vor 4807 Tagen) @ SKB

Danke, das hört sich interessant an!

Vielen Dank für den Bericht

Thomas

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Thomas Haubrich

Unbekannte Saalorgeln in Bayern, war: Orgel im Lichthof

FranzS. @, Sonntag, 05. August 2012, 20:08 (vor 5136 Tagen) @ Cor de Basset
bearbeitet von FranzS., Sonntag, 05. August 2012, 20:19

Hallo,

die Orgel wurde im alten Forum schon mal kurz besprochen. Leider war es auch da mit den Informationen nicht weit her. Den Erbauer und die Registerzahl kann man im Brenninger nachschlagen, aber soviel ich weiß, blieb auch bei der damaligen Diskussion die Disposition ein Rätsel. Es gibt übrigens noch eine weitere unbekannte Steinmeyer-Orgel in München und zwar im Saal der Oberfinanzbehörde. Auf deren Homepage stehen die Gebühren für eine "Orgelbenützung". Wenn ich mir das so ausrechne, schlägt dort ein Konzert auf dieser mittelgroßen 60er Steinmeyerin mit 600€ zu Buche, die Heizung noch nicht inbegriffen. Weiß jemand über diese Orgel bescheid?
Eine weitere unbekannte Saalorgel stand im Stadtsaal von Burghausen. Dabei handelte es sich um eine Seifert-Orgel von 1938 (eine der wenigen Saalorgeln und die einzige Seifert-Orgel aus der Zeit in der Orgellandschaft; also höchster Denkmalwert); sie wurde jüngst abgerissen. Hier ist noch ein Foto von der Orgel, bevor sie entsorgt wurde.
Von allen genannten Saalorgeln ist mir keine Disposition bekannt.

Grüße
Franz

Oberfinanzdirektion, war: Orgel im Lichthof

Xrot, Montag, 06. August 2012, 17:01 (vor 5135 Tagen) @ FranzS.

Steinmeyer 1948, Opus 1760, 2 Manuale, 28 Register

Oberfinanzdirektion, war: Orgel im Lichthof

Phys, Montag, 06. August 2012, 17:31 (vor 5135 Tagen) @ Xrot

Daß die Oberfinanzdirektion 1948 das Geld für eine Orgel übrig hatte (und Steinmeyer die Baukapazität) ist schon ein bißchen makaber.

Oberfinanzdirektion, war: Orgel im Lichthof

FranzS. @, Dienstag, 07. August 2012, 06:31 (vor 5135 Tagen) @ Phys
bearbeitet von FranzS., Donnerstag, 09. August 2012, 19:29

Daß die Oberfinanzdirektion 1948 das Geld für eine Orgel übrig hatte (und Steinmeyer die Baukapazität) ist schon ein bißchen makaber.

Ach 1948 wurde noch eine viel größere Saalorgel von Steinmeyer gebaut und zwar hier. Bezahlt wurde die Orgel von der US-Army, weil die "alte" (war ja eigentlich noch nagelneu) in Flammen aufging. So viel ich weiß, wurde genau die gleiche Orgel (der gleiche Prospekt und die gleiche Disposition) wieder gebaut. Diese Orgel ist aber bei Sixtus Lampl eingelagert, da die Kongresshalle wahrscheinlich abgerissen wird (da soll der neue Konzertsaal hinkommen; den eigentlich noch neuen Gasteig kann man ja schlecht abreissen...)

Oberfinanzdirektion, war: Orgel im Lichthof

Abstrakte, Dienstag, 07. August 2012, 09:43 (vor 5135 Tagen) @ FranzS.

Um welchen Raum handelt es sich denn dabei? Aus dem Link geht leider nichts hervor.

Oberfinanzdirektion, war: Orgel im Lichthof

Xrot, Dienstag, 07. August 2012, 10:45 (vor 5134 Tagen) @ Abstrakte

Frau Steinmeyer stand im "Kongresssaal" des Deutschen Museums, der in den letzten Jahrzehnten zwischenzeitlich mal auch ein Kino war.

Oberfinanzdirektion, war: Orgel im Lichthof

FranzS. @, Dienstag, 07. August 2012, 19:20 (vor 5134 Tagen) @ Abstrakte
bearbeitet von FranzS., Dienstag, 07. August 2012, 19:24

Um welchen Raum handelt es sich denn dabei? Aus dem Link geht leider nichts hervor.

Es handelt sich dabei um den Kongressaal des deutschen Museums (einigen wohl bestens bekannt durch zahlreiche Schulausflüge ins "Imax-Kino"), 1928 von German Bestelmeyer entworfen und erst in den 50ern endgültig fertig geworden. Von Bestelmeyer stammt übrigens auch den Lichthof der Uni München und das berühmte Kroch-Hochhaus in Leipzig.

Oberfinanzdirektion, war: Orgel im Lichthof

Abstrakte, Dienstag, 07. August 2012, 19:26 (vor 5134 Tagen) @ FranzS.

Um welchen Raum handelt es sich denn dabei? Aus dem Link geht leider nichts hervor.


Es handelt sich dabei um den Kongressaal des deutschen Museums

Vielen Dank! So erkennt das auch ein Nicht-Münchener ;-) .

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