Prof. Stefan Schmidt in St. Peter, D-Unterbilk, 21.03.2011

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Montag, 21. März 2011, 21:39 (vor 5643 Tagen)
bearbeitet von Clemens Schäfer, Montag, 21. März 2011, 21:59

Hallo Forum,

weiter ist das Interesse an Orgel und Kirche St. Peter groß: Auch beim zweiten Konzert der wieder ins Leben gerufenen Konzertreihe (immer 3. Montag im Monat, 19:30h, Eintritt frei) war das Mittelschiff nahezu vollständig besetzt. Erwartungsfroh sah man einem schönen Programm entgegen: Prof. Stefan Schmidt, Domorganist in Würzburg, hatte BWV 768 (Partita über “Sei gegrüßet, Jesu gütig”), Liszt (Präludium und Füge über B-A-C-H , Alain (Le Jardin suspendu, Litanies) und eine Improvisation über Psalm 130 vorgesehen.

Bei Bach ging es weniger um die Darstellung der Polyphonie - im halligen Raum ohnehin schwierig - als um die farbliche Abschattung und Differenzierung der einzelnen Variationen. Und da die Orgel da genug zu bieten hat, war das auch erfolgreich. Eine kleine Orgel-Demo also.

Ohne größere Pause stieg Schmidt dann in den Liszt ein. Im Tempo richtig, in der Lautstärke diesseits der Grenze zum Klangbrei. Die Fuge begann fast brüchig, tastend und steigerte sich dann ungemein. Am Schluß gelang der Piano-Einschub nicht richtig: Entweder war hier der Setzer nicht richtig programmiert oder die Technik verweigerte einen Befehl, jedenfalls brauchte Schmidt drei Anläufe, um das Piano spielen zu können. Damit war der Schlußeffekt natürlich dahin. Schade.

Sehr zart und filigran dann Alains hängender Garten. Die Litanies kamen mit großem, eckigem Einstieg - kathedralmäßig. Wunderbar angetönt der Schlußakkord.

Die Improvisation begann mit hohlen, bedrückenden Klangfarben, eine Kostprobe brutaler Kraft war danach kurz, eine choralartige Erzählung folgte. So ging das fort. Einmal legte Schmidt es toccatenhaft heftig an, so daß der Schluß erwartet wurde. Aber hier wurde nur kurz (die folgenden zwei Worte sind für Jugendliche unter 16 Jahren ungeeignet) orgiastisch gefurzt, dann säuselten wieder Streicher, blusen zarte Flöten - bis zum nächsten heftigen Ausbruch. Immerhin: Das Ende war ruhig.
Was hat man gehört? Harmonik und Rhythmik des 19.Jahrhunderts (Striche man Wagner heraus, bliebe wenig übrig), Klangfarben des 19. und beginnenden 20.Jahrhunderts. Nur ein paar Anleihen an geringfügig Moderneres. Ein Uralt-Aufguß also. Wir leben im 21. Jahrhundert, erleben gerade schlimmste Naturkatastrophen und Katastrophen von Menschenhand (Atomunfall, Kriege an vielen Ecken der Erde etc...), haben ein 20.Jahrhundert hinter uns, das nicht weniger schlimm war. Wie kann man da musikalisch so weit rückwärts agieren? Ich habe leider nicht auf die Uhr gesehen: Gefühlt war die Impro das längste Stück des Konzerts, das um 20:45h endete.

Einen Augenblick lang erwarteten die Hörer einen erneuten Anlauf, merkten dann aber, daß Schluß war und spendeten reichlich Beifall. Möglicherweise gab es noch eine Zugabe?

Gruß Clemens Schäfer

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Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)


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