Dom-Bedos-Nachbau Rieti/Italien

Friedrich @, Dienstag, 21. Februar 2012, 09:18 (vor 5317 Tagen) @ stein
bearbeitet von Friedrich, Dienstag, 21. Februar 2012, 10:14

Schön sieht sie ja aus, wenn sie aber wie Albi oder Beaune klingt, dann gute Nacht.

Ich kenne Albi nur von Marie-Claire Alains Couperin-Aufnahme. Da ist mir sofort das deutliche Spucken der Bourdons aufgefallen. Insgesamt fand ich den Klang aber schön, wenn auch in den Zungen geschärfter als z. B. in Houdan (traumhafte Asselin-Aufnahme der Messe für die Klöster!). Eben sehr prägnant, sehr charakteristisch. Ein Wahnsinns-Grand-Jeu – die Dialogues klingen echt nach Krieg!

Albert Bolliger hat an der Moucherel-Orgel in Cintegabelle eine CD aufgenommen. Dort klingen die Plena ähnlich quintig und scharf, auch die Ansprache ist prägnant, aber nicht ganz so explosiv, wie man es in der Albi-Aufnahme hört. Auffällig ist die Ansprache des Cromorne – der klingt wie gezupft, so springt einen die Zunge da an. Der stationäre Klang ist sehr obertönig und nicht so voluminös wie bei Clicquot.

Wenn ich beide Aufnahmen mit denen z. B. von Robin aus Poitiers vergleiche, dann fällt mir der edlere, ausgewogenere Klang der Clicquot-Orgel auf. Alle klassischen Ensembles sind sehr sorgfältig ausbalanciert, ohne an Kraft einzubüßen (die Trompeten-Bässe donnern dermaßen, dass man das Befremden z. B. der Briten und Amerikaner vor solcher Urgewalt verstehen kann). Den Moucherel-Klang empfinde ich als dramatischer und sozusagen schärfer gewürzt – mit einem kräftigen Griff in den bäuerlichen Kräutergarten gewissermaßen. Hat ja auch was für sich.

Das sagt natürlich nichts über die neue Formentelli-Orgel.

Zu den Chamaden ist zu sagen, dass Formentelli sie nun mal in Prospektteilung an die Türme gebracht hat – da bekommen sie optisch etwas Aufschneiderisches. Er hätte sie höchstens weniger stark seitlich abwinkeln könne, sodass sie mehr nach vorne pusten. Dann hätte es – nehme ich an – aber Treppchen im schönen Rundprofil gegeben, oder sehr aufwendige abgeschrägte Ringkonstruktionen. In Saint-Maximin z. B., dem einzigen historischen Beispiel in Frankreich, das mir bekannt ist, sind die Chamaden weniger auffällig, weil es nur Diskantregister sind (im Sinn des Bass-Diskant-Ausgleichs im Zungenklang ist das ja auch sinnvoll) und die Türme deswegen gar keine Becher tragen müssen.

Gruß,
Friedrich


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