Frage nach Raum und Orgel
Max Reger
, Wallfahrtsstadt Kevelaer, Sonntag, 13. Oktober 2024, 20:55 (vor 699 Tagen)
bearbeitet von Max Reger, Sonntag, 13. Oktober 2024, 21:16
![[image]](images/uploaded/20241013190916670c1adce76b4.png)
Guten Abend, Foristi,
aus Anlass der DBG- Gründung vor 75 Jahren wurde heute berichtet.
Zu sehen war im Bericht das Innere des Veranstaltungsraumes in München.Samt Orgel.
Weiß jemand in diesem kundigen Kreis, um welches Gebäude und was für eine Orgel es sich dabei handelt?
By the way: "meine" Gewerkschaft, die GHK (Gewerkschaft Holz und Kunststoff), älteste deutsche Gewerkschaft, würde leider in der IG Metall versenkt und ich empfinde sie so etwas wie das wenig beachtete Kind des übermächtigen Metallsektors.....
Frage nach Raum und Orgel
Uli Skriwan
, Zwischen Inn und Salzach, Sonntag, 13. Oktober 2024, 21:14 (vor 699 Tagen) @ Max Reger
Das muss der Kongresssaal im Deutschen Museum sein. Zur Orgel hab ich auf die Schnelle leider nichts gefunden, aber es scheint sie noch zu geben.
Vielleicht finden unsere Lokalreporter mehr dazu...
Viele Grüße, Uli
Frage nach Raum und Orgel
MCVL
, Sonntag, 13. Oktober 2024, 21:48 (vor 699 Tagen) @ Uli Skriwan
bearbeitet von MCVL, Sonntag, 13. Oktober 2024, 22:02
Das ist ein großer Steinmeyer-Schinken aus den Jahren um 1930, bin aber gerade nicht zu Hause zum genauer Nachschauen, vielleicht steht in der Monographie von Hermann Fischer etwas dazu.
Die München-Connection kann dazu aber sicherlich mehr sagen.
Frage nach Raum und Orgel
Evacuant, Sonntag, 13. Oktober 2024, 22:09 (vor 699 Tagen) @ MCVL
Das ist ein großer Steinmeyer-Schinken aus den Jahren um 1930
1938: München, Festsaal des Deutschen Museums, IV 75, op. 1660
Frage nach Raum und Orgel
MCVL
, Sonntag, 13. Oktober 2024, 22:13 (vor 699 Tagen) @ Evacuant
bearbeitet von MCVL, Sonntag, 13. Oktober 2024, 22:18
Jetzt wäre mal die Frage und die Antwort dazu interessant, ob die Orgel jemand von den hier versammelten einmal gespielt oder gehört hat.
Irgendwie führt die ein Schattendasein. Und eine Orgel aus dieser Zeit von dieser Größe steht ja nicht mehr an jeder Hausecke.
Frage nach Raum und Orgel
fluteceleste
, Sonntag, 13. Oktober 2024, 22:37 (vor 699 Tagen) @ Evacuant
Das ist ein großer Steinmeyer-Schinken aus den Jahren um 1930
1938: München, Festsaal des Deutschen Museums, IV 75, op. 1660
Das war die erste. 1944 zerstört; 1947 ersetzt durch op. 1755 (quasi identisch)
Frage nach Raum und Orgel
Max Reger
, Wallfahrtsstadt Kevelaer, Sonntag, 13. Oktober 2024, 22:25 (vor 699 Tagen) @ Uli Skriwan
Wenn ich den Beitrag der Münchner Abendzeitung richtig lese, sitzt der Chef des Deutschen Museums wohl wie das Huhn auf dem Ei und will verhindern (mit fragwürdigen Behauptungen?), dass der Saal als Interimslösung für die Münchner Philharmoniker genutzt wird.
Was sicherlich der Idealfall für Saal, Gebäude und Orgel wäre.
Ein Jammer, dass solche "Gesamtkunstwerke" so vor sich hingammeln.
Das Orgelwerk düfte noch weitgehend im Originalzustand sein.....
Ich hoffe, dass sch Denkmalpflege und Magistrat der Landeshauptstadt da erfolgreich durchsetzen.
Der Saal selbst erinnert ja sehr an den Herkulessaal dortselbst.
Frage nach Raum und Orgel
fluteceleste
, Sonntag, 13. Oktober 2024, 22:34 (vor 699 Tagen) @ Max Reger
Der Saal ist mW. längst umgebaut, die Orgel bei Sixtus Lampl eingelagert:
https://de.wikipedia.org/wiki/Orgelzentrum_Valley#Vollst%C3%A4ndig_eingelagerte_Orgeln
Frage nach Raum und Orgel
MCVL
, Sonntag, 13. Oktober 2024, 22:36 (vor 699 Tagen) @ fluteceleste
Wurde die Orgel vor dem Abbau eigentlich einmal umfassend klanglich dokumentiert?
Frage nach Raum und Orgel
Poupoulcorouse
, Elberfeld, Sonntag, 13. Oktober 2024, 22:35 (vor 699 Tagen) @ Max Reger
Originalzustand? Da muss ich dich enttäuschen:
![[image]](https://blog.deutsches-museum.de/assets/Blog/2020/2_Apr_Jun/Kriegsende/Abb2_L_0448a_31.jpg)
Frage nach Raum und Orgel
fluteceleste
, Sonntag, 13. Oktober 2024, 22:38 (vor 699 Tagen) @ Poupoulcorouse
bearbeitet von fluteceleste, Sonntag, 13. Oktober 2024, 22:51
Frage nach Raum und Orgel
Karsten
, Sonntag, 13. Oktober 2024, 22:06 (vor 699 Tagen) @ Max Reger
Hallo!
Die Disposition findet sich online hier:
http://www.orgbase.nl/scripts/ogb.exe?database=ob2&%250=2000993&LGE=EN&LIJS...
Gruß
Karsten
Frage nach Raum und Orgel
Friedrich
, Montag, 14. Oktober 2024, 10:22 (vor 698 Tagen) @ Karsten
Hallo!
Die Disposition findet sich online hier:
http://www.orgbase.nl/scripts/ogb.exe?database=ob2&%250=2000993&LGE=EN&LIJS...
Immer wieder schön, wenn es hinter dem Wort "Brustwerk" weitergeht mit "Quintade 16'".
Viele Grüße
Friedrich
Kongreßsaal Dt. Museum Steinmeyer-Orgel, war. Frage nach Raum und Orgel
fluteceleste
, Montag, 14. Oktober 2024, 10:55 (vor 698 Tagen) @ Friedrich
bearbeitet von fluteceleste, Montag, 14. Oktober 2024, 11:13
;-) ein stattliches Brustwerk.
Es bleibt natürlich die Frage, wie sie geklungen hat, Hinweise auf eine Schallplatte o.ä. konnte ich nicht finden. Wissen müsste es Edgar Krapp: Er wurde bei der Probe zum "Gala-Opernkonzert des Münchner Rundfunkorchester im Rahmen des Kulturprogramms der 20. Olympischen Sommerspiele" im September 1972 abgelichtet, sodass wir hier dank des in der Bayerischen Staatsbibliothek verfügbaren Nachlasses der Fotografin Felicitas Timpe Bilder vom Spieltisch haben:
![[image]](https://bildarchiv.bsb-muenchen.de/bildarchivimg/timp-021559.jpg)
![[image]](https://bildarchiv.bsb-muenchen.de/bildarchivimg/timp-022088.jpg)
![[image]](https://bildarchiv.bsb-muenchen.de/bildarchivimg/timp-022092.jpg)
Wenn der Intonateur bei Steinmeyer Hans Röttger war, und dafür spricht vieles, dann hatte sie definitiv noch einen romantischen Einschlag. Es fragt sich natürlich auch, ob es Unterschiede zwischen der ersten und zweiten Orgel gab, die Mensuren werden wohl gleich gewesen sein.
Ich habe ihr nun einen Organindex-Eintrag gewidmet, nach den Angaben von Michael Kauffmann in seinem Buch "Orgel und NS Zeit" (Danke an Karsten für die Infos) wurde sie 1991 abgebaut und ausgelagert, und es sind in den Archiven kaum Unterlagen zu dieser Orgel vorhanden.
Aus Herrmann Fischers Steinmeyer-Buch kennen wir das Abnahmegutachten der ersten Orgel 1938 von Prof. Hermann Sagerer, von dem auch die Disposition stammt:
![[image]](images/uploaded/20241014085946670cdd824163f.jpg)
Das Gebäude hatte danach eine sehr wechselhafte Geschichte, zunächst privatisiert u.a. als Kino und Nachtclub, später wieder vom Museum zurückgekauft - heute ist es das "Forum der Zukunft".
Kongreßsaal Dt. Museum Steinmeyer-Orgel, war. Frage nach Raum und Orgel
Karl-Bernhardin Kropf
, Rostock, Montag, 14. Oktober 2024, 13:10 (vor 698 Tagen) @ fluteceleste
Vielen Dank! Mit Baujahr '38 habe ich ja täglich zu tun.... und bin fast froh, dass die einzige zeitgenössische Rezension unseres Instruments weniger "deutsch" ausgefallen ist.
"Strenge des Ausdrucks", hier auch noch "Zucht" - das Wort hat natürlich seine Bedeutung immer mal gewandelt, der Kern bleibt in diesem Zusammenhang unappetitlich.
Lässt man das braune Gedöns beiseite, wäre es wohl tatsächlich reizvoll, wenn das Instrument noch bestünde.
Auffallend ist ja, dass die typische 16-8-4-Kurzbecherbatterie in München auf zwei Werke (Pos und BW) verteilt ist. Das OW würde heutzutage eine zweite, schwächere 8'Zunge haben, da wirkt das Krummhorn im BW wie die Auslagerung derselben. Jedes Manual enthält 2 2/3' oder zumindest 1 1/3', leider nur eine selbständige Terz.
14 Schwellerstufen sind auch super, ich hab hier nur 8.
"...und erlaubt ihnen nicht, das zuchtvolle Maß an Schönheit zu überschreiten." Eine Mischung aus NS-Gruppenideologie und Klanggestaltungsregelen von Ernst Karl Rößler.
Diesen Satz könnte man auch über Rostock schreiben, nur dass es da nicht die "formende Kraft des Raumes" ist, welche züchtigt, sondern intonatorische Maßnahmen und vor allem das Altmaterial an Windladen.
Wir müssen in's Ausland schauen (Skandinavien, Frankreich, Niederlande) um diesen Stil ohne bräunliche Färbung besprochen zu finden, idealerweise aber lässt man die in Einzelfällen ja noch vorhandenen Orgeln selbst sprechen, das dann auch gerne wieder in Deutschland.
Kongreßsaal Dt. Museum Steinmeyer-Orgel, war. Frage nach Raum und Orgel
Wolfgang Gourgé
, Freitag, 18. Oktober 2024, 15:36 (vor 694 Tagen) @ fluteceleste
Das Gebäude hatte danach eine sehr wechselhafte Geschichte, zunächst privatisiert u.a. als Kino und Nachtclub, später wieder vom Museum zurückgekauft - heute ist es das "Forum der Zukunft".
"Bei dieser außerordentlichen Wirkung zarter Töne müsste man sich unwillkürlich vor dem Hereinbrechen des gesamten Orgelklanges, den Orgeltuttis (sic) fürchten, und doch - je stärker das Instrument ertönt, je mehr klingende Pfeifen hinzutreten, desto kräftiger erfasst die formende Kraft des Raumes die Klangmassen und erlaubt ihnen nicht, das zuchtvolle Maß der Schönheit zu überschreiten..."
Vor meinem geistigen Auge erscheint gerade die formende Kraft des Raumes, wie sie furchtlos den heranstürmenden Klangmassen zuchtvolle Einhalt gebietet - ungefähr so, wie der Erzengel am Schluss von Murnaus "Faust" Mephisto entgegentritt....
Es bräuchte mal eine germanistisch-stilistische Untersuchung: "Das Pathos als stereotype Sprachform in deutschen Orgel-Abnahmegutachten von 1850 bis 1950". Könnte eine nette Dissertation werden. Man kann sich schon unschwer die dortigen Zitate vorstellen: ".....auch ohne dem sprachlichen Schwulste anheimzufallen, sieht der Verfasser sich genötigt zuzugestehen, dass sich das Werk sowohl in Güte und Schönheit der Einzelstimmen als auch im tiefste Seelenabgründe erschütternden vollen Spiele der Schöpfungen der barocken wie gegenwärtigen Orgelkunst als zur Gänze in geradezu hervorragender Weise geeignet erweist, dem deutschen Orgelbau zu unerschütterlichem Weltruhme zu gereichen", oder so ähnlich...
Tucholsky spottete in "Die Essayisten" über Autoren aus "Wichtigstein an der Phrase", deren Sätze kalte Umschläge bräuchten, um abzuschwellen. Der Mann hat nie Orgelgutachten gelesen. Da wären selbst ihm schnell die Umschläge ausgegangen.....
Kongreßsaal Dt. Museum Steinmeyer-Orgel, war. Frage nach Raum und Orgel
Orlos
, Freitag, 18. Oktober 2024, 16:12 (vor 694 Tagen) @ Wolfgang Gourgé
Mit der Feststellung, DASS so formuliert wurde (und heute noch wird), muss man sich nicht lange aufhalten. Viel interessanter ist doch die Frage, WARUM so formuliert wird/wurde.
Waren das wirklich ernsthafte, am Ergebnis interessierte Untersuchungen der Orgeln?
Wollte man den Auftraggeber (oder die Firma) nicht bloßstellen?
Selbst heutzutage ist es üblich, dass die Abnahme einer neuen Orgel von derselben Person (Orgelsachverständiger) geschieht, die die Ausschreibung vorgenommen oder zumindest abgesegnet hat. Niemals würde so eine Person zugeben, dass das verwirklichte Konzept nicht ganz überzeugen kann, denn es stammt ja von der Person selbst!
Zur Zeit haben wir Probleme mit einer Orgel, in der minderwertiges Material eingebaut worden ist, die Garantie ist leider längst abgelaufen. Hat man damals nicht wissen können? Hätte das bei der Abnahme auffallen können?
Kongreßsaal Dt. Museum Steinmeyer-Orgel, war. Frage nach Raum und Orgel
Poupoulcorouse
, Elberfeld, Freitag, 18. Oktober 2024, 18:11 (vor 694 Tagen) @ Orlos
Ich würde die Frage nach dem "Warum" sehr viel allgemeiner beantworten:
Das 19. Jahrhundert war das Jahrhundert des Nationalismus. Daraus entwickelte sich ein comme-il-faut, das alle öffentlichen Lebensvollzüge besonderen Kriterien unterwarf. Was öffentlicher Akt war, musste patriotischer Akt sein, musste "dem Vaterlande dienlich" sein. Das galt insbesondere für alles, das ideell grundiert ist, wie zum Beispiel für die Kunst im öffentlichen Raum, wozu Orgelbauten zweifellos gehörten. Dieser Anspruch war auch nach der formalen Trennung von Kirche und Staat noch präsent und hat insbesondere in der NS-Zeit noch einmal einen neuen, letzten Höhepunkt erfahren, wenn auch mit einem etwas veränderten Wortschatz.
Ohne diese Voraussetzung wäre der NS-Jargon im deutschnationalen Mainstream nie so anschlussfähig gewesen. Auch heutige rechte Rhetorik in der Tradition des Nationalsozialismus knüpft, wenn auch eher auf dem Niveau der Farce, stilistisch teilweise daran an, siehe die Sprache von Björn Höcke.
In einer sprachlich so geprägten Welt müssen eben auch Orgeln "züchtig" sein und an ihrer Stelle dem nationalen Projekt dienen, bzw. seine Ordnung wiederspiegeln.
Daß das mit der Renaissance eines zumindest nominell barock inspirierten Orgelbaus eigentlich überhaupt nicht zusammenpassen wollte, war kein Hindernis, denn eine solche Sprache braucht letztlich keine inhaltliche Konsistenz mehr, sie konstruiert sich ihre Glaubwürdigkeit selbst. Kein Wunder, daß der Weg hin zum Dekonstruktivismus die letztlich logische, wenn auch teilweise nicht minder frustrierende Reaktion war.
Das Problem an der spezifisch deutschen Ideologie ist dabei übrigens nicht das Pathos selbst, sondern die Selbstviktimisierung und Selbstpräkarisierung, der es letztlich dienen muss.
Denn "Zucht", Ordnung und Gestaltungswillen dienen ja nicht etwas Positivem, Glücklichem, sondern sind einzig dazu da, um die Stärkung des Volkskörpers im Abwehrkampf gegen die bösen inneren und äußeren Mächte sicherzustellen. Die pathologische Furcht vor dem "Hereinbrechen" des Monströsen, das durch Zucht und Ordnung in der "Kraft des Raumes" aber gebändigt und gemässigt wurde, reflektiert diese Selbstviktimisierung in beeindruckender Weise.
Es lohnt sich fast, daneben mal Himmlers Posener Reden zu lesen, um zu sehen, wie vergleichbare Motive im Politischen durchdekliniert werden und in welche Abgründe sie führen können.
Kongreßsaal Dt. Museum Steinmeyer-Orgel, war. Frage nach Raum und Orgel
Karl-Bernhardin Kropf
, Rostock, Freitag, 18. Oktober 2024, 18:48 (vor 694 Tagen) @ Poupoulcorouse
Wieder mal gut. Bei dieser Gelegenheit auch Dank an Wolfgang - ich würde die Dissertation kaufen!
Kongreßsaal Dt. Museum Steinmeyer-Orgel, war. Frage nach Raum und Orgel
Karl-Bernhardin Kropf
, Rostock, Freitag, 18. Oktober 2024, 18:49 (vor 694 Tagen) @ Orlos
Selbst heutzutage ist es üblich, dass die Abnahme einer neuen Orgel von derselben Person (Orgelsachverständiger) geschieht, die die Ausschreibung vorgenommen oder zumindest abgesegnet hat. Niemals würde so eine Person zugeben, dass das verwirklichte Konzept nicht ganz überzeugen kann, denn es stammt ja von der Person selbst!
Was spricht man denn an VOD-Tischrunden oder gar in den Mitgliederversammlungen zu dieser Problematik?
Frage nach Raum und Orgel
Karl-Bernhardin Kropf
, Rostock, Montag, 14. Oktober 2024, 12:57 (vor 698 Tagen) @ Friedrich
Hallo!
Die Disposition findet sich online hier:
http://www.orgbase.nl/scripts/ogb.exe?database=ob2&%250=2000993&LGE=EN&LIJS...
Immer wieder schön, wenn es hinter dem Wort "Brustwerk" weitergeht mit "Quintade 16'".Viele Grüße
Friedrich
Naja, der Principal maior 16' fehlt ja noch!
Frage nach Raum und Orgel
Florian-L
, Montag, 14. Oktober 2024, 14:05 (vor 698 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
Hallo!
Die Disposition findet sich online hier:
http://www.orgbase.nl/scripts/ogb.exe?database=ob2&%250=2000993&LGE=EN&LIJS...
Immer wieder schön, wenn es hinter dem Wort "Brustwerk" weitergeht mit "Quintade 16'".Viele Grüße
Friedrich
Naja, der Principal maior 16' fehlt ja noch!
Und der Untersatz 32'.
Libau - Frage nach Raum und Orgel
Orlos
, Montag, 14. Oktober 2024, 14:50 (vor 698 Tagen) @ Florian-L
Und der Untersatz 32'.
Huch, das ist ja ein interessantes Instrument. Hat sie von "uns" 'mal jemand gehört oder gespielt?
Libau - Frage nach Raum und Orgel
Karl-Bernhardin Kropf
, Rostock, Dienstag, 15. Oktober 2024, 00:15 (vor 698 Tagen) @ Orlos
Und der Untersatz 32'.
Huch, das ist ja ein interessantes Instrument. Hat sie von "uns" 'mal jemand gehört oder gespielt?
Ich ging vor einigen Jahren um die Kirche herum (es war schon Abend, nach Fähr-Ankunft aus Travemünde) und wunderte ich - ähnlich wie in Dortmund Reinoldi - dass dieses "Kirchlein" (sorry) derartig Großes beherbergen soll.
Diese Orgel wurde von Ersnt-Erich Stender & Co in Lübeck Marien immer ignoriert, wenn es darum ging, die Große Orgel von Marien zur größten mechanischen Orgel der Welt zu machen.
Libau - Frage nach Raum und Orgel
Friedrich
, Dienstag, 15. Oktober 2024, 11:47 (vor 697 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
Und der Untersatz 32'.
Huch, das ist ja ein interessantes Instrument. Hat sie von "uns" 'mal jemand gehört oder gespielt?
Ich ging vor einigen Jahren um die Kirche herum (es war schon Abend, nach Fähr-Ankunft aus Travemünde) und wunderte ich - ähnlich wie in Dortmund Reinoldi - dass dieses "Kirchlein" (sorry) derartig Großes beherbergen soll.Diese Orgel wurde von Ersnt-Erich Stender & Co in Lübeck Marien immer ignoriert, wenn es darum ging, die Große Orgel von Marien zur größten mechanischen Orgel der Welt zu machen.
Wenn man bedenkt, dass die Kemperorgel elektrische Zusatzladen hat, dass also Hilfstechnik im Einsatz ist, dann war Saint-Sulpice schon immer gleichauf und Riga schon lange drüber. Die eine mehr als hundert Jahre älter, die andere gute achtzig.
Libau - Frage nach Raum und Orgel
JSBach
, Dienstag, 15. Oktober 2024, 12:08 (vor 697 Tagen) @ Friedrich
Wobei in allen drei Fällen Barker zur Unterstützung verbaut sind.
Ein weiterer Kandidat: https://en.wikipedia.org/wiki/Sydney_Opera_House_Grand_Organ
Libau - Frage nach Raum und Orgel
Max Reger
, Wallfahrtsstadt Kevelaer, Dienstag, 15. Oktober 2024, 21:48 (vor 697 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
[quote]Diese Orgel wurde von Ersnt-Erich Stender & Co in Lübeck Marien immer ignoriert, wenn es darum ging, die Große Orgel von Marien zur größten mechanischen Orgel der Welt zu machen.[/quote]
Die Aussage mit der "größten mechanischen Orgel der Welt" findet sich bereits auf LP´s, bei denen Prof. Walter Kraft, der Spiritus rector dieses Werkes, das Instrument spielt.
Wenn man sich vor Augen führt, dass Liebau sich jahrzehntelang im sowjetischen Nirwana befunden hat, darf diese "Ausblendung" nicht verwundern.
Des weiteren ist ein Opus wie die Große Orgel in St. Marien natürlich etwas sehr auffälliges: in dieser Größenordnung mit mechanischen Trakturen - in einer Zeit, in der bei u.a. Seifert oder Klais die pneumatischen Orgeln quasi vom Band liefen.....
In einer Epoche, wo viele Werkstätten Mechanik mehr oder minder "verlernt" hatten - das war schon etwas herausragendes. In diesem historischen Kontext kann ich die Ungenauigkeit schon wieder gut einordnen.
Libau - Frage nach Raum und Orgel
Karl-Bernhardin Kropf
, Rostock, Dienstag, 15. Oktober 2024, 22:34 (vor 697 Tagen) @ Max Reger
Diese Orgel wurde von Ersnt-Erich Stender & Co in Lübeck Marien immer ignoriert, wenn es darum ging, die Große Orgel von Marien zur größten mechanischen Orgel der Welt zu machen.[/i]
Die Aussage mit der "größten mechanischen Orgel der Welt" findet sich bereits auf LP´s, bei denen Prof. Walter Kraft, der Spiritus rector dieses Werkes, das Instrument spielt.
Eine wichtige Information.
Wenn man sich vor Augen führt, dass Liebau sich jahrzehntelang im sowjetischen Nirwana befunden hat, darf diese "Ausblendung" nicht verwundern.
Man sagte allerdings nicht "der westlichen Welt" (was immer das auch wäre). Ich hatte, glaube ich, bereits als Student von der Grüneberg-Orgel erfahren, also zu auftauenden Kaltkriegszeiten. Ganz aus der Welt war sie nicht, aber für Adenauer, beispielsweise, gab es ja auch lange keine DDR, sondern nur eine SBZ.
Und die Ausblendung dieser sowjetischen Stadt dürfte gar nicht so gründlich gewesen sein, betrachteten sie doch einige damals noch lebende vermutlich als eine einst deutsch geprägte Stadt, auch wenn sie schon 1795 mit Kurland an Russland fiel.
Des weiteren ist ein Opus wie die Große Orgel in St. Marien natürlich etwas sehr auffälliges: in dieser Größenordnung mit mechanischen Trakturen - in einer Zeit, in der bei u.a. Seifert oder Klais die pneumatischen Orgeln quasi vom Band liefen.....
In einer Epoche, wo viele Werkstätten Mechanik mehr oder minder "verlernt" hatten - das war schon etwas herausragendes. In diesem historischen Kontext kann ich die Ungenauigkeit schon wieder gut einordnen.
Das stimmt ntaürlich, dennoch setzte Stender die Mythisierung mit seinem überlangen Dienstweg (zur Orgel) fort. Aber auch hier lasse ich mich gerne korrigieren. Und wer wäre schon frei von Marketing? (unter denen, die überhaupt was zu verkaufen haben)
Libau - Frage nach Raum und Orgel
Max Reger
, Wallfahrtsstadt Kevelaer, Dienstag, 15. Oktober 2024, 22:58 (vor 697 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
"Das stimmt ntaürlich, dennoch setzte Stender die Mythisierung mit seinem überlangen Dienstweg (zur Orgel) fort. Aber auch hier lasse ich mich gerne korrigieren. Und wer wäre schon frei von Marketing? (unter denen, die überhaupt was zu verkaufen haben)"
Ernst-Erich Stender, dieser Raum und seine Orgeln sind und waren ein Mythos!
Wer hatte sonst einen solchen "Dienstweg", wie er zwischen den jeweiligen "Totentanz-Orgeln" und der Großen Orgel besteht?
Was war/ ist das für ein Aufeinandertreffen an Instrumenten?
Sein (Stenders) Jahresprogramm an den Orgeln - absolut legendär und in diesem Umfang und seiner Dichte wohl (fast) ohne gleichen in der Republik.
"Orgel satt" - dafür stand St. Marien über Jahrzehnte.
Und Ernst-Erich Stender füllte die Marienkirche in einer Weise, die sein Nachfolger beileibe nicht erreicht hat (und erreichen wird).
Heutzutage finden sich im Sonntagsgottesdienst mal gerade noch zwei Dutzend Gäste ein.
Libau - Frage nach Raum und Orgel
Karl-Bernhardin Kropf
, Rostock, Mittwoch, 16. Oktober 2024, 00:15 (vor 697 Tagen) @ Max Reger
"Das stimmt ntaürlich, dennoch setzte Stender die Mythisierung mit seinem überlangen Dienstweg (zur Orgel) fort. Aber auch hier lasse ich mich gerne korrigieren. Und wer wäre schon frei von Marketing? (unter denen, die überhaupt was zu verkaufen haben)"
Ernst-Erich Stender, dieser Raum und seine Orgeln sind und waren ein Mythos!
Wer hatte sonst einen solchen "Dienstweg", wie er zwischen den jeweiligen "Totentanz-Orgeln" und der Großen Orgel besteht?
Es geht daraum, dass es ein Leichtes gewesen wäre, den historischen Aufstieg über die Turmtreppe an die Kemper-Orgel anzuschließen. Aber das hätte den Mythos zerstört.
Was war/ ist das für ein Aufeinandertreffen an Instrumenten?
Naja.
Sein (Stenders) Jahresprogramm an den Orgeln - absolut legendär und in diesem Umfang und seiner Dichte wohl (fast) ohne gleichen in der Republik.
Okay, quantitativ sehe ich das auch so.
"Orgel satt" - dafür stand St. Marien über Jahrzehnte.
Kann man von mir aus ebenfalls so stehen lassen.
Und Ernst-Erich Stender füllte die Marienkirche in einer Weise, die sein Nachfolger beileibe nicht erreicht hat (und erreichen wird).
Heutzutage finden sich im Sonntagsgottesdienst mal gerade noch zwei Dutzend Gäste ein.
Der letzte Satz ist eine Frechheit. Sowohl J. Unger wie auch N. Abryutina (Assistentin) verfügen über ein weitaus ausdrucksvolleres und bedarfsweise auch virtuoseres Spiel als EES es je hatte. Die GD-Besucherzahlen an Stenders Musik festzumachen (wer sagt, dass sie ohne Unger und Abryutina nicht noch deutlich niedriger wären?) ist angesichts der allgemeinen Entwicklungen wirklich in einer Argumentationsästhetik anzusiedlen, die sonst den sogenannten Klimaleugnern zu eigen ist.
Libau - Frage nach Raum und Orgel
link1907
, Mittwoch, 16. Oktober 2024, 12:04 (vor 696 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
Sowohl J. Unger wie auch N. Abryutina (Assistentin) verfügen über ein weitaus ausdrucksvolleres und bedarfsweise auch virtuoseres Spiel als EES es je hatte.<
Du glaubst also das die beiden das Repertoire das EES ständig abrufbereit hatte
auch so abrufen können?
Kannst Du es?
Nichts gegen J.Unger, er war aber nur zweite Wahl als Nachfolger von EES,
gewählt wurde Holger Gehring, der dann aber in Dresden blieb.
es war einmal: Libau - Frage nach Raum und Orgel
Karl-Bernhardin Kropf
, Rostock, Mittwoch, 16. Oktober 2024, 14:23 (vor 696 Tagen) @ link1907
bearbeitet von Karl-Bernhardin Kropf, Mittwoch, 16. Oktober 2024, 14:31
Sowohl J. Unger wie auch N. Abryutina (Assistentin) verfügen über ein weitaus ausdrucksvolleres und bedarfsweise auch virtuoseres Spiel als EES es je hatte.<
Du glaubst also das die beiden das Repertoire das EES ständig abrufbereit hatte
auch so abrufen können?
Kannst Du es?
Nichts gegen J.Unger, er war aber nur zweite Wahl als Nachfolger von EES,
gewählt wurde Holger Gehring, der dann aber in Dresden blieb.
Ein MIDI-Player hat auch viel abrufbereit....
Es geht ja auch nicht um die erste oder zweite Wahl Unger, sondern um den one and only Ernst-Erich Stender und "Orgel satt".
Sorry, aber ich habe aus Lübeck einige Stender-Live-Eindrücke und eine Impro-CD. Gut, von Impro war jetzt hier nicht die Rede, allerdings habe ich das bei den beiden amtierenden Personen mit reingenommen, denn das war wahrlich nicht Stenders Ding. Und da kann ich locker mitreden.
Die MIDI-Files habe ich allerdings nicht abrufbar, das gebe ich gerne zu.
Ich habe Max Regers Bezugnahme auf GD-Zahlen als Frechheit bezeichnet, demnach stünde mir jetzt nicht zu, EES als MIDI-Player zu bezeichnen. Das nehme ich damit auch sozusagen zurück, meine aber: Viele schwere Stücke abrufbereit zu haben ist eine große Leistung. Aber wahrlich nicht alles.
es war einmal: Libau - Frage nach Raum und Orgel
MartinH, Mittwoch, 16. Oktober 2024, 15:36 (vor 696 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
Nun ja, irgendwie könnte man das schon länger etwas als Stender-Bashing empfinden. Er hat ja Unmengen CDs (wohl im Eigenverlag) herausgebracht, da kann man das sicher beurteilen - nicht ganz live, ok, oder sind das (auch) Mitschnitte. Ich habe es noch nicht, mir aber vorgenommen. Und das an der weithin verpönten Kemperin. Selbst als "Nur-Organist" hätte man es sich wohl einfacher machen können, denke ich. Das sollte dann auch gewürdigt werden. Auch großen Publikumszuspruch hatte er ja. Ansprüche hin oder her, bald wird es sowas nur noch ausnahmsweise geben, wenn man mal Interesse und Rezeption allgemein betrachtet. Wenn die Improvisationen wenig einfallsreich gewesen sein sollten - vielleicht hat er das ja auch eher als liturgisches Orgelspiel verstanden.
es war einmal: Libau - Frage nach Raum und Orgel
Karl-Bernhardin Kropf
, Rostock, Mittwoch, 16. Oktober 2024, 16:22 (vor 696 Tagen) @ MartinH
Nun ja, irgendwie könnte man das schon länger etwas als Stender-Bashing empfinden.
Sicher, Stender hat mir nichts getan und es müsste eher um Lüdke-Bashing gehen. Natprliuch ist jedes Bashing entbehrlich, aber diese "Früher war alles besser"-Einstellung ist selten so unangebracht wie in Marien Lübeck, vor allem, wenn Musiker:innen für gesamtgesellschaftliche Entwicklungen verantwortlich gemacht werden.
Der Niedergang hochkirchlicher Kultur in der Lübecer Innenstadt ist zweifellos bewegend und bedrückend, aber in manch anderen deutschen Gegenden wäre die Hälfte der Kirchen bereits völlig geschlossen oder an andere Religionsgemeinschaften abgegeben worden.
EDIT: Und ich bin edstra noch einmal durch einige Stender-Aufnahmen auf YT, um festzustellen, ob ich irgendetwas lieber nicht hätte sagen oder schreiben sollen. Wie man sieht, es steht noch da.
es war einmal: Libau - Frage nach Raum und Orgel
MartinH, Mittwoch, 16. Oktober 2024, 18:50 (vor 696 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
Nun ja, irgendwie könnte man das schon länger etwas als Stender-Bashing empfinden.
Sicher, Stender hat mir nichts getan und es müsste eher um Lüdke-Bashing gehen. Natprliuch ist jedes Bashing entbehrlich, aber diese "Früher war alles besser"-Einstellung ist selten so unangebracht wie in Marien Lübeck, vor allem, wenn Musiker:innen für gesamtgesellschaftliche Entwicklungen verantwortlich gemacht werden.
Kritik muss erlaubt sein, keine Frage. Was wäre sonst Kunst? Und da man auch Kritiker kritisieren darf und kann... Eigentlich hätte ich gar nichts dazu schreiben sollen, mangels (akustischer) Ahnung. Und ich würde auch nie die heutigen Kimus einer schon ziemlich anderen Zeit für Besucherschwund verantwortlich machen. Da kommen 1000 Gründe vorher.
es war einmal: Libau - Frage nach Raum und Orgel
Poupoulcorouse
, Elberfeld, Mittwoch, 16. Oktober 2024, 18:44 (vor 696 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
In mir gärt das gerade alles hier ziemlich.
Ich weiß nicht, wie sich die zwei Dutzend Leute in den Sonntagsgottesdiensten zum übrigen Gemeindeleben verhalten, aber ich schätze, daß es auch da nicht besonders rosig aussieht.
Und ja, auch wenn das nicht sehr schön ist: Selbst mir stellt sich dann die Frage, ob es unter den gegebenen Umständen wirklich angezeigt ist, die Kemperin überhaupt zu ersetzen.
Die Frage hätte ich vor 5 Jahren vielleicht auch noch mit einem entschiedenen Ja! beantwortet. Aber jetzt ... wie gesagt ... gärt da was in mir.
Ägidien und Jakobi liegen in der Altstadt günstig verteilt.
Ja, ich weiß, Jakobi feiert jetzt Samstags Abends Gottesdienst, das wurde auch schon als Tabubruch gewertet. Aber grundsätzlich habe ich mit Vorabendgottesdiensten, die eine felsenfeste Tradition haben, überhaupt kein Problem, solange sie nicht unseriös gemacht werden.
Und rechtfertigt das, in Marien für teures Geld, das woanders fehlt, eine kirchliche Normalität vorzugaukeln, die längst nicht mehr existiert?
Wär's da nicht unterm Strich sinnvoller, stattdessen der "Großen" in Jakobi doch noch mal die wirklich sachgerechte Rekonstruktion zu gönnen, die ihr eigentlich zukommt? Siehe Lüneburg ...
Ein modernes Instrument im alten Gewand gibt's doch schon in Ägidien.
Und richtig gutes Modernes gibts auch im Dom.
Zweimal (bzw. dreimal, wenn man den Dom - ohne Gemeinde - dazuzählt) solide, anstatt einer teuren Illusion von Größe.
es war einmal: Libau - Frage nach Raum und Orgel
Orlos
, Mittwoch, 16. Oktober 2024, 18:49 (vor 696 Tagen) @ Poupoulcorouse
Naja, Ägidien fehlt das große Schwellwerk, die würde ich nicht als Universalorgel sehen. Jacobi hat diesbezüglich wesentlich mehr zu bieten.
es war einmal: Libau - Frage nach Raum und Orgel
Poupoulcorouse
, Elberfeld, Mittwoch, 16. Oktober 2024, 18:54 (vor 696 Tagen) @ Orlos
Eine Orgel mit solchem Altbestand zur "Universalorgel" zu machen, halte ich trotzdem für das falsche Konzept.
Daran ändert auch ihre kleine Schwester nichts.
Aber darüber kann man gewiss streiten.
Trotzdem:
Sofern sich nicht grundsätzlich die Dinge irgendwann wieder in eine andere Richtung entwickeln, sehe selbst ich keinen Nutzen darin, so viele Ressourcen in St. Marien zu bündeln.
Marien Lübeck, es war einmal: Libau - Frage nach Raum und Orgel
MartinH, Mittwoch, 16. Oktober 2024, 20:03 (vor 696 Tagen) @ Poupoulcorouse
Das finde ich jetzt sehr mutig, da gilt man schnell als Spielverderber. Und es wäre niemandem zu verdenken, sich nur mit einer noch vor der eigenen Rente eintretenden Änderung der Orgelsituation dorthin beworben zu haben. Aber nach soviel Renovierungsstau könnte ich mir auch vorstellen, dass das evtl. gar nicht mehr "wirtschatlich" zu retten ist. Von diesen "neuen Zeiten" (nicht nur) dort zu lesen, tut schon weh. Da war Stenders Zeit wohl wirklich eine andere.
Marien Lübeck, es war einmal: Libau - Frage nach Raum und Orgel
Poupoulcorouse
, Elberfeld, Mittwoch, 16. Oktober 2024, 20:16 (vor 696 Tagen) @ MartinH
"Mutig" ist absolut gar nichts daran. Und ein "Spiel" ist das alles auch nicht.
Ich halte es auch für verfehlt, aus einer solchen Diagnose gleich Schuldzuweisungen abzuleiten. Wenn uns die gegenwärtigen kirchlichen Umstände eines in aller Deutlichkeit zeigen, dann, daß es auch da den Bach runter gehen kann, wo man eigentlich niemandem etwas vorzuwerfen hat.
Daß Murks Folgen hat, ist weder neu noch überraschend. Daß Murks in Krisenzeiten größere Folgen hat als in fetten Jahren, ist auch weder neu noch überraschend.
Aber daß auch da das Interesse wegbricht, wo man keiner Seite Murks vorwerfen kann, weder in Musik, noch in Predigt und Seelsorge, das ist zumindest für unsere Epoche eine eher neue Erfahrung. Und mit dieser Erfahrung muss umgegangen werden, wenn nicht aus einer nüchternen Diagnose neuer Murks werden soll.
Marien Lübeck - es war einmal...
Karl-Bernhardin Kropf
, Rostock, Mittwoch, 16. Oktober 2024, 21:30 (vor 696 Tagen) @ Poupoulcorouse
Aber daß auch da das Interesse wegbricht, wo man keiner Seite Murks vorwerfen kann, weder in Musik, noch in Predigt und Seelsorge, das ist zumindest für unsere Epoche eine eher neue Erfahrung. Und mit dieser Erfahrung muss umgegangen werden, wenn nicht aus einer nüchternen Diagnose neuer Murks werden soll.
Sehr richtig.
Aber wenn man aus Vernunft entscheidet, die große Kemper-Orgel zu bewahren, macht sie das weiterhin nicht zu einem hochwertigen Isntrument. Es ist halt vernünftig.
Die Aegidien-Orgel ist eine Universal-Übeorgel. Akustisch ist das fast schon ein Unterrichtsraum. Orlos hat recht, für das universale Musizieren ist Jakobi, die große, dran. Die Marcussen im Dom hat hohe Qualität, das wissen alle, und der Raum ergänzt das, was fehlt, und da ist schon ein bißchen was, wenn man sagt, dass für eine solche Großkirchenstadt eine Orgel groß symphonisch können sollte. Aber anderswo wird mit viel weniger agiert.
Lübeck ist noch immer deutsche Stiftungs-Hauptstadt, Gemeinsinn und Geld sind noch immer da, aber alles wird weniger (Buchtitel Thomas Mann: "Lübeck als geistige Lebensform"). Nicht vergessen, das war ja nicht irgendeine Hansestadt. Geld war massiv konzentriert, lediglich HAmburg war vergleichbar. Und nachdem schon der Dom heftig groß war, bauten die Bürger einen Kontrapunkt zur ungebliebten Bischofsburg, die Marienkirche. Dazu noch weitere Pfarrkirchen, die man halt so braucht.
Und im Nachglühen dieser Zeit, dem westdeutschen Wirtschaftswunder (Lübeck genoß ja außerdem noch den Charme das Zonenrandgebiets, weshalb bewusst oder unbewusst auch eine solide "Marke" bürgerlichen Kapitalismus in dieser Region zu setzen war), konnte man so fortetzen, als wäre nichts gewesen - keine Übertragung der Bau- und Unterhaltspflicht für die Kirhen vom Staat bzw. der Stadt an eine wie auch immer geartete "Volkskirche", die aber noch so viel Geld hatte oder zu haben glaubte wie einst die ganze Stadt als Eignerin der Kirchen. So konnte man auch im Wiederaufbau hinten vier/fünf und vorne drei Manuale errichten oder restaurieren.
Ja, genau: Das alles war einmal. Die Gegenwart ist auch hier fürchterlich.
Aber (wiederholen macht's nicht wahrer, ich weiß) die große Kemper ist nicht gut! :D
Dennoch wäre ich auch überrascht, wenn dort ein Orgelprojekt wirklich Realität würde. Begonnen hat ja die sehr teure Kirchensanierung - so was kommt ja alle paar Jahrzehnte einmal. Liegt auch über 20 Mio Euro.
Die früher allgegenwärtige Possehl-Stiftung hat auch schon gesagt: Wir schaffen Lübeck nicht mehr allein. Das war vor kurzem der Anlass zur Gründung der Sieben-Türme-Stiftung. Aber die muss ihr Stiftungskapital erst einwerben. Gemessen an den Aufgaben liegen da bislang nur Peanuts, wie sollte es auch anders sein, wenn nicht ein Unternehmer oder Großmäzen, wie einst Emil Possehl. einspringt und mächtig vorlegt.
Vielleicht ist es ja wirklich Zeit, sich zu erinnern:
Damals, als wir noch mit Verbrennungsmotoren reisten
Damals, als wir große Orgeln bauten
Damals, als in Mitteleuropa kein Krieg war
Damals, als es noch Kirchensteuer gab
Damals, als alles überhaupt viel besser war
Marien Lübeck - es war einmal...
Poupoulcorouse
, Elberfeld, Donnerstag, 17. Oktober 2024, 00:05 (vor 696 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
Vorweg, bevor das falsch rüberkommt: Das war absolut kein Plädoyer für die Erhaltung der Kemperin.
Und über die Verhältnisse in Jakobi weißt du bestimmt sehr viel mehr als ich. Mir ging es jetzt auch nicht in erster Linie um Jakobi, das war ein, zugegeben, eher leichtfüßiges Gedankenspiel am Rande.
Aber die Frage nach der Zukunft von Marien wiegt halt sehr viel schwerer.
Vielleicht wäre es, zumindest aus kirchlicher Sicht (die da ohnehin nicht - mehr - einzige Akteurin ist/sein sollte), am ehrlichsten, die Lücken auch sichtbar zuzulassen, die nunmal gerade da sind. Und also es konsequenterweise künftig einer ausschließlich kulturell interessierten Öffentlichkeit selbst zu überlassen, wie es damit weitergehen soll.
Mir ist durchaus bewußt, daß das eine Entwicklung meint, wie sie sich bspw. in den Niederlanden schon seit mehreren Jahrzehnten vollzieht. Aber wie gesagt, solange sich der gesamtgesellschaftliche Kurs nicht ändert, hier wie dort, wird sich daran auch nichts ändern. Allen kurzlebigen kirchlichen Projekten zum Trotz. Ich hab' schon an anderer Stelle öfter gesagt: Wir müssen überwintern lernen. Das ist m. E. auch die größere Aufgabe für Seelsorge und Verkündigung als eine krampfhafte Aufrechterhaltung einer Illusion von lebendiger Kirchlichkeit. Und das meine ich alles andere als "defätistisch" oder deprimiert: Wenn man überwintert, denkt und lebt man auf den Frühling hin. Wenn man etwas Vergangenes künstlich am Leben erhält, wird man von der Zukunft überrollt.
Das heißt nicht, daß man jedem Schwätzer glauben muss, der einem erzählen will, was alles zu diesem "Vergangenen" gehört, mitnichten. Aber zu leugnen, daß gerade Winter ist, richtet nur mehr Schaden an.
Marien Lübeck - es war einmal...
hintersatz
, Donnerstag, 17. Oktober 2024, 00:19 (vor 696 Tagen) @ Poupoulcorouse
bearbeitet von hintersatz, Donnerstag, 17. Oktober 2024, 00:59
Ich find's ja voll süß, dass ihr euch hier so schön in der Hirnakrobatik übt. So ne neurologische beobachtet das freilich interessiert und akkreditiert schon mal das ein oder andere Säftchen für die Akrobatinnen.
Nur, sorry folks, Hirnakrobatik macht noch keine singende Gemeinde. Ich setze da auf street-Credibility und würde mir den guten Effekte auch nicht als mein Wirken verbuchen, sondern bin halt wo eingestiegen, wo Glaube Alltag ist und man sich jemanden Gefallen lässt, der diesen (musikalisch) ausgestaltet.
Und morgen früh geht's dann weiter mit der Diskussion der Texte in Psalm und Hallelujavers, mit der Einübung der Rahmensätze und des 'An Wasserflüssen Babylon zur Kommunion.Zum Auszug dann ein Präludiumund Fuge, dass dann in 2Wochen in Königschaffhausen die Rahmensätze bilden wird.
Klar wird es mit der Credibity besser, wenn du im Krankenhaus in der Pflege schuften gehst, mit dem Orgelspiel leider nicht, und ich habe allerdings keine noch zu verbessernde Bedingungen, die sind allesamt optimal.
--
Organiste titulaire de l'Opus diaboli
Marien Lübeck - es war einmal...
Karl-Bernhardin Kropf
, Rostock, Donnerstag, 17. Oktober 2024, 20:32 (vor 695 Tagen) @ Poupoulcorouse
Mir ist durchaus bewußt, daß das eine Entwicklung meint, wie sie sich bspw. in den Niederlanden schon seit mehreren Jahrzehnten vollzieht. Aber wie gesagt, solange sich der gesamtgesellschaftliche Kurs nicht ändert, hier wie dort, wird sich daran auch nichts ändern.
Ich war in Zwolle im Sommer: Katholische Kirche noch mit dem meisten liturgischen Betrieb, etwas muffig, Grote Kerk durchrenoviert im städtischen Besitz und von einer rührigen Stiftung mit engagierten Ehrenamtlichen zu einem säkularen Begegnungszentrum umgestaltet, eine dritte Kirche bei stehengebliebener ORgelfassade ein asiatisches Nobelrestaurant.
Allen kurzlebigen kirchlichen Projekten zum Trotz. Ich hab' schon an anderer Stelle öfter gesagt: Wir müssen überwintern lernen. Das ist m. E. auch die größere Aufgabe für Seelsorge und Verkündigung als eine krampfhafte Aufrechterhaltung einer Illusion von lebendiger Kirchlichkeit. Und das meine ich alles andere als "defätistisch" oder deprimiert: Wenn man überwintert, denkt und lebt man auf den Frühling hin. Wenn man etwas Vergangenes künstlich am Leben erhält, wird man von der Zukunft überrollt.
Das heißt nicht, daß man jedem Schwätzer glauben muss, der einem erzählen will, was alles zu diesem "Vergangenen" gehört, mitnichten. Aber zu leugnen, daß gerade Winter ist, richtet nur mehr Schaden an.
Ob das Bild mit dem Überwintern von Dir ist oder nicht - ich finde es sehr schön und in all der Trübsal irgendwie tröstend.
...Lübeck und seine Zukunft...war: es war einmal: Libau - Frage nach Raum und Orgel
Wolfgang Gourgé
, Samstag, 19. Oktober 2024, 20:57 (vor 693 Tagen) @ Poupoulcorouse
bearbeitet von Wolfgang Gourgé, Samstag, 19. Oktober 2024, 21:07
In mir gärt das gerade alles hier ziemlich.
Ich weiß nicht, wie sich die zwei Dutzend Leute in den Sonntagsgottesdiensten zum übrigen Gemeindeleben verhalten, aber ich schätze, daß es auch da nicht besonders rosig aussieht.Und ja, auch wenn das nicht sehr schön ist: Selbst mir stellt sich dann die Frage, ob es unter den gegebenen Umständen wirklich angezeigt ist, die Kemperin überhaupt zu ersetzen.
Die Frage hätte ich vor 5 Jahren vielleicht auch noch mit einem entschiedenen Ja! beantwortet. Aber jetzt ... wie gesagt ... gärt da was in mir.
.....unter rein kirchlichen/gemeindlichen Gesichtspunkten lässt sich diese Frage relativ schnell beantworten....
Ägidien und Jakobi liegen in der Altstadt günstig verteilt.
Ja, ich weiß, Jakobi feiert jetzt Samstags Abends Gottesdienst, das wurde auch schon als Tabubruch gewertet. Aber grundsätzlich habe ich mit Vorabendgottesdiensten, die eine felsenfeste Tradition haben, überhaupt kein Problem, solange sie nicht unseriös gemacht werden.Und rechtfertigt das, in Marien für teures Geld, das woanders fehlt, eine kirchliche Normalität vorzugaukeln, die längst nicht mehr existiert?
.....um das Vorgaukeln kirchlicher Normalität geht es da eher nicht, auch nicht mehr wesentlich um kirchliche Mittel. St. Marien ist ja nicht irgendein Raum. Und ich bin mir ziemlich sicher: Spendenaufrufe würden erhört werden, und zweckgebunden gespendetes Geld ist von dem Einwand "aber damit hätte man doch auch was anderes machen können!" immer ausgenommen.
Wär's da nicht unterm Strich sinnvoller, stattdessen der "Großen" in Jakobi doch noch mal die wirklich sachgerechte Rekonstruktion zu gönnen, die ihr eigentlich zukommt? Siehe Lüneburg ...
...in St. Jakobi steht mit der Stellwagen ein Original. Und die große Orgel wird - wenn ich es richtig sehe (Karl-Bernhardin?) - wohl auch als Unterrichts- und Konzertinstrument der MHS benutzt.Da sehe ich keine zwingenden Gründe, die qualitativ vermutlich sehr akzeptable Schukin auszutauschen.
Ein modernes Instrument im alten Gewand gibt's doch schon in Ägidien.
Und richtig gutes Modernes gibts auch im Dom.
...in Ägidien ist das stilistische Auseinanderfallen von Gehäuse und Instrument allerdings besonders schmerzlich. Dort eine Rekonstruktion: ok. Allerdings müsste man dafür wohl die Schnitger-Rekonstruktion im Dom begraben....(imo eher verschmerzlich, denn sie würde unvermeidlich die gelungene Nachkriegs-Gestaltung mit der Marcussen relativieren und das Quinte-Fenster verstellen.)
Zweimal (bzw. dreimal, wenn man den Dom - ohne Gemeinde - dazuzählt) solide, anstatt einer teuren Illusion von Größe.
....es müssen ja nicht wieder 100 Register und fünf Manuale werden. Vier Manuale, gut 80 - Cavaillé-Coll hat's in Rouen ja bekanntlich mit 64 geschafft. Man muss es halt richtig angehen und, wie ich denke, die Idee von der "Doppelorgel" besser ad acta legen, weniger kann wirklich manchmal mehr sein.
Wir haben ja hier schon oft darüber diskutiert, aber ich denke mal: Rekonstruktion der Totentanzorgel (da hallt in meinen Ohren bis heute die überraschend plastische Simulation von 2014 nach), "Neuorganisation" der jetzigen Führer-Orgel (Reduktion auf drei Manuale) und stilistische Umgestaltung in eine überzeugend-barocke Orgel für Buxtehude und Bach unter weitestmöglicher Verwendung des vorhandenen Materials als stilistische "Fortsetzung" der rekonstruierten Totentanzorgel (beide Orgeln also im 90-Grad-Winkel zueinander), und eine raumfüllend-sinfonisch ausgerichtete große Orgel ohne "mechanischste-Orgel-der-Welt"-Anspruch, die die Marien-Tradition konzertant "nachhallen" lässt (sowas kann ich mir übrigens auch gut ebenerdig vorstellen - Ratzeburg, oder Rothenburg o.d.T. in einer Kirchenschiff-Version....).
Wenn man in der Touristen-Saison durch Lübeck und St. Marien streift, erlebt man dort, dass die Kirche bei den Touristen durchaus "ankommt" - und das Buxtehude-Grab "zieht" natürlich auch. Darauf sollte und kann man schon aufbauen: Wegweiser mit "Zum Buxtehude-Grab", eine Devotionalien-Meile mit Amuletten, Ansteckern ("Buxtehude wird viel gespielt!" / "Buxtehude ist immer gegenwärtig!"), Schals, Mützen ("Macht Buxtehude wieder groß!"), Buxtehude-Aufnähern, einem Buxtehudes-Tochter-Roman ("Die Jungfer von St. Marien"), die Memoiren von EES ("Frei und improvisatorisch - mein Leben als Marienorganist"), dazu natürlich ein hergerichtetes Buxtehude Grab mit Absperrung, Kerzenständern mit Buxtehude-Kerzen (2 Euro das Stück, auch zum Mitnehmen im Zehner-Pack), Kaffee-Bechern mit Buxtehude-Noten ("Ich hör' Buxtehude - und Du?"), effektvoller Beleuchtung, gegenüber bei Niederegger eine Buxtehude-Torte und Buxtehude-Marzipanquader, im Ratskeller die Buxtehude-Platte, inklusive Buxtehude-Pils.....
Also, der Möglichkeiten sind schon einige. Nicht nur mitteltönige. Und was Salzburg und...
![[image]](images/uploaded/202410191903436714028f9be48.jpg)
...Wien können, kann Lübeck schon lange! - Meint:
Wolfgang...
...Lübeck und seine Zukunft...war: es war einmal: Libau - Frage nach Raum und Orgel
Karl-Bernhardin Kropf
, Rostock, Sonntag, 20. Oktober 2024, 00:44 (vor 693 Tagen) @ Wolfgang Gourgé
Bestätigung: Die Große Orgel in Jakobi wird sehr intensiv auch von der Musikhochschule genutzt, für Unterricht und Konzerte. Studierende sind auch in den Gottesdienstbetrieb eingebunden. Da die Stellwagen-Orgel natürlich bezaubernd ist, dürfte nach meiner Schätzung die Sehnsucht nach einem weiteren Instrument dieser Richtung im selben Raum nicht so groß sein. (Und inzwischen gibt es ja noch das "Richborn-Positiv" von Kjersgaard...)
Wolfgang hat schon mal sozusagen konstruktiv weitergedacht. Meine Meinung:
Wenn eine Totentanzorgel rekonstruiert werden soll (dann müsste wohl auch die Astronomische Uhr woanders hin, die ja aus Rostocker Sicht - wir haben ein Original von 1473 - eh nicht so dolle ist...), muss nicht auch noch die Führer-Orgel des "Alte" bedienen.
*Noch* gibt es die Lübecker Knabenkantorei, und der Chorraum von St. Marien ist ideal für Choral Evensong (den auch andere Lübecker und auch durchreisende Chöre gerne singen würden). Als bekennender Fan dieser Gottesdienst-Form, die sich übrigens durch ihren geringen klerikalen Anteil auszeichnet und damit durchaus noch zukunftsfähig ist, muss ich bei jedem Besuch in Marien HL daran denken. Die Führer-Orgel könnte daher eher in eine solche Richtung beräumt (innerlich etwas entschlackt) werden.
Und zu einer Großen Orgel im Westen - ja, warum nicht irgendwie aufgeständert? (Kein Wortspiel!) Man schätzt die Möglichkeit der Nutzung des Westportals sehr (auch wenn es wohl seltenst genutzt wird), also so wie in Ratzeburg als Westabschluss des Langhauses würde es wohl nicht goutiert werden)
Und ja, sie könnte eine etwas kleinere Groß-Orgel sein.
In Rostock (tschuldigung) sage ich den BEsuchern auf der ORgelempore schon lange, dass das Orgeldings keine kirchliche Aufgabe mehr ist, denn für den Sonntag und seine normalerweise <40 Besucher reichen auch die recht gelungene Truhe und mein E-Piano dazu für mehr Bass und Abwechslung. Die Basilika und die 80-Register-Orgel braucht die Kirchengemeinde nicht. Aber unseren Vorfahren war sie wichtig, und die Transzendenz des Gebäudes kann mit guter Orgelmusik noch einmal stark zunehmen. Wissen wir ja. Deshalb ist die Orgel die Musik zum Film, der meistens kein liturgischer mehr sein wird.
Es geht darum, den Menschen davon zu erzählen, dass es Größeres gibt als sie und ihre Alltagswelt, und dass es schön und von Güte ist. Man muss ja nicht konkret werden. Das wird immer funktionieren, auch wenn Volkskirche schon Generationen zurückliegt.
...Lübeck und seine Zukunft...war: es war einmal: Libau - Frage nach Raum und Orgel
Poupoulcorouse
, Elberfeld, Sonntag, 20. Oktober 2024, 01:40 (vor 693 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
Die Jakobi-Sache war wie gesagt auch eher meine etwas leichtfüßig geäußerte Privatperspektive und ich danke sehr für die Ergänzungen!
Tja. Es wird kommen wie es kommen wird.
Für mich beruflich potentiell interessant ist ja ohnehin nur die orgelbewegt nachfrisierte Walckerin in der reformierten Kirche. Bescheiden und schön, wie das Gebäude.
es war einmal: Libau - Frage nach Raum und Orgel
hintersatz
, Mittwoch, 16. Oktober 2024, 23:52 (vor 696 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
Zwischenfrage: geht es darum, sie im Kopf abrufbereit zu haben, oder reicht es, sie auf dem Pult abrufbereit zu haben?
--
Organiste titulaire de l'Opus diaboli
Libau - Frage nach Raum und Orgel
MAT
, Donnerstag, 17. Oktober 2024, 08:08 (vor 696 Tagen) @ link1907
War einstmals ein gewisser Herr J. S. Bach in Leipzig nicht sogar nur 3. Wahl?
--
Gruß
MAT
Libau - Frage nach Raum und Orgel
link1907
, Donnerstag, 17. Oktober 2024, 10:04 (vor 695 Tagen) @ MAT
War einstmals ein gewisser Herr J. S. Bach in Leipzig nicht sogar nur 3. Wahl?<
Ich wollte keineswegs die Fähigkeiten von J.Unger anzweifeln.
Mir ging es um die Aussagen von KBK.
Zu behaupten das Spiel von Unger und seiner Assistentin wär virtuoser als das von Stender
finde ich fast schon absurd.
KBK kam in seiner Zeit ab 2000 in Lübeck mit Sicherheit auch mit EES in Berührung.
Daher die Animositäten? Meinungsverschiedenheiten?
Ich habe EES und J.Unger schon live erlebt, und hatte nicht den Eindruck Ungers
Spiel wäre virtuoser, auch nicht beim Vergleich von Aufnahmen.
Und wie gesagt, haben Unger und seine Assistentin das riesige Repertoire grosser Orgelwerke
sofort so abrufbereit wie EES?
KBK wohl eher nicht.
Libau - Frage nach Raum und Orgel
Friedrich
, Donnerstag, 17. Oktober 2024, 10:55 (vor 695 Tagen) @ link1907
Und wie gesagt, haben Unger und seine Assistentin das riesige Repertoire grosser Orgelwerke
sofort so abrufbereit wie EES?
KBK wohl eher nicht.
Bitte jetzt stopp. Das geht über die Grenze.
Ich bin befreundet mit einigen Studienkolleg:innen von Unger, darunter sind erstklassige Leute, die heute in besten Positionen orgeln. Und auch die sprechen von ihm nur mit größter Hochachtung, er war für sie immer der, der mit Abstand vorneweg musizierte. Nach dem, was ich von ihm gehört habe, kommen da Musikalität und Spielvermögen auf eine Weise zusammen, die auch unter Spitzenmusikern nicht alltäglich ist.
Stender hat bestimmt viel für die Orgelkultur in Lübeck getan, und er hat als Erbe von Kraft die Marienorgel unermüdlich im Bewusstsein gehalten. Ich habe eine DVD von ihm, da spielt er eine Transkription von Dvoráks Neunter. Das ist in meinen Ohren schon sehr funkelfrei für so ein Bombenstück. Das Filmen ist auch eher unergiebig. Meist spielt er auf II und IV, möglicherweise geben die übrigen Werke einfach die Power nicht her.
Dass Unger als Musiker ein ganz anderes Format hat, ist nicht einfach eine Geschmacksfrage, finde ich. Ungefragt andere Kollegen in den Vergleich hineinzuziehen ist allerdings kein gutes Benehmen.
Libau - Frage nach Raum und Orgel
link1907
, Donnerstag, 17. Oktober 2024, 11:14 (vor 695 Tagen) @ Friedrich
bearbeitet von link1907, Donnerstag, 17. Oktober 2024, 11:18
Den Vergleich hat ja KBK ins Spiel gebracht, nicht ich!
Da darf man dann wohl auch anderer Meinung sein wie er, was EES betrifft.
Und nochmals: Ich schätze die Fähigkeiten von J.Unger sehr, und stelle
sie in keinster Weise in Frage.
Libau - Frage nach Raum und Orgel
Karl-Bernhardin Kropf
, Rostock, Donnerstag, 17. Oktober 2024, 20:29 (vor 695 Tagen) @ link1907
Den Vergleich hat ja KBK ins Spiel gebracht, nicht ich!
Da darf man dann wohl auch anderer Meinung sein wie er, was EES betrifft.
Und nochmals: Ich schätze die Fähigkeiten von J.Unger sehr, und stelle
sie in keinster Weise in Frage.
Zweifellos. Ich habe auch kein Problem damit, die Werke nicht abrufbereit zu haben. Ich mache lieber Musik. HOPPLA, DAS WAR ABER FETT!
Jetzt aber im Ernst, und im Sinne des Mitforisten mal "abgerüstet":
Ich bin EES niemals persönlich begegnet, außer dass er oben spielte und ich unten hörte. Ich fand zwar nicht so toll, dass er seinen Pastor lange nicht zum Üben an die TT-Orgel ließ (und der hat es, trotz Vorgesetzten-Rolle, aanständiger Weise auch entsprechend akzeptiert), aber das regelte sich dann noch. (Der Pastor war damals einer der Lehrschüler für die Didaktik an der Hochschule, deshalb kenne ich die Geschichte). Also, er hat mir wirklich nichts getan, ich ihm hoffentlich auch nicht, ausgenommen all das, was jetzt in diesem Thread geschrieben steht. Dazu:
Wie gesagt, ich habe gestern noch erneut Stender-Videos angesehen - die mit Bild und die ohne Bild, um meine kritischen Äußerungen zum Orgelspiel zu prüfen. Ich bleibe dabei. Ich spiele einige der aufgenommenen Stücke sehr gerne auch selbst. Definitiv mit falschen Tönen hier und da. Aber anders, für mich ansprechender, aber das kann man auch als pure Arroganz sehen. Oder mit Geschmack (ggf. dessen Verirrung) entschuldigen.
Ehren wir denn die Firma bzw. den Namen Walcker dafür, dass die Firma 6.000 Orgeln gebaut? Nein. Menge allein macht's nicht. Ich ziehe alle Hüte vor der Arbeitsleistung Stenders. Aber ich kenne faszinierenderes Orgelspiel.
Langjährige Foristen werden bestätigen müssen, dass ich keineswegs an solch persönlichen Auseinandersetzungen interessiert bin. "Max Reger" hat erklärt, dass er nicht so sehr Unger herabwürdigen wollte, sondern den intensiven Orgelbetrieb rund um EES in HL Marien vermisst. Ich nahm die Bezugnahme auf GD-Besucherzahlen sehr übel, aber das hat er in seinem Abrüstungs-Posting alles erklärt. Für mich ist damit alles gut
Jetzt ist Link1907 am Zuge - finde ich. Aber eigentlich ist alles schon Schnee von gestern. Der Thread hat sich schon weiterentwickelt, und das ist gut so.
Libau - Frage nach Raum und Orgel
Max Reger
, Wallfahrtsstadt Kevelaer, Mittwoch, 16. Oktober 2024, 22:56 (vor 696 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
bearbeitet von Max Reger, Mittwoch, 16. Oktober 2024, 23:21
Max Reger:
[quote][quote]Und Ernst-Erich Stender füllte die Marienkirche in einer Weise, die sein Nachfolger beileibe nicht erreicht hat (und erreichen wird).
Heutzutage finden sich im Sonntagsgottesdienst mal gerade noch zwei Dutzend Gäste ein.[/quote][/quote]
K.-B.Kropf:
[quote]Der letzte Satz ist eine Frechheit. Sowohl J. Unger wie auch N. Abryutina (Assistentin) verfügen über ein weitaus ausdrucksvolleres und bedarfsweise auch virtuoseres Spiel als EES es je hatte. Die GD-Besucherzahlen an Stenders Musik festzumachen (wer sagt, dass sie ohne Unger und Abryutina nicht noch deutlich niedriger wären?) ist angesichts der allgemeinen Entwicklungen wirklich in einer Argumentationsästhetik anzusiedlen, die sonst den sogenannten Klimaleugnern zu eigen ist.[/quote]
So, jetzt rüsten wir verbal mal wieder etwas ab, bitte.
Meine Einlassung war zugegebenermaßen nicht gut angelegt: Ich habe den Eindruck erweckt, als stehe der mickrige Gottesdienstbesuch in Relation zum künstlerischen Vermögen der amtierenden Kirchenmusik. Das ist ganz gewiß nicht so! Im Gegenteil, fuhr und fährt die Gemeinde sogar wirklich viel auf, um von der musikalischen Seite her dem Gottesdienst Feierlichkeit und traditionsbewußtes Niveau zu geben. Und aus Orgelkonzerten von Unger bin ich stets beeindruckt gegangen.
Was ich eigentlich hatte zum Ausdruck bringen wollen: wie gleichermaßen das Ausmaß der Kirchenmusik (Orgelmusik) als auch der Gottesdenstbesuch an St. Marien sich vom "Mythos" entfernt haben. Das Empfinden KBK´s über die Spielweise Ungers kann ich durchaus teilen.
Libau - Frage nach Raum und Orgel
Max Reger
, Wallfahrtsstadt Kevelaer, Mittwoch, 16. Oktober 2024, 23:19 (vor 696 Tagen) @ Max Reger
Poupoulcorouse schrieb:
"Und rechtfertigt das, in Marien für teures Geld, das woanders fehlt, eine kirchliche Normalität vorzugaukeln, die längst nicht mehr existiert?"
K.-B.Kropf schrieb:
"Der Niedergang hochkirchlicher Kultur in der Lübecer Innenstadt ist zweifellos bewegend und bedrückend, aber in manch anderen deutschen Gegenden wäre die Hälfte der Kirchen bereits völlig geschlossen oder an andere Religionsgemeinschaften abgegeben worden."
Was sich in Lübeck, St.Marien ereignet, ist einzig dem Umstand zu verdanken, dass es sich eben um dieses Ausnahmebauwerk handelt. Soll heißen: Alleine so etwas wie Orgelneubaupläne zu schmieden, die sich im Bereich zwischen mindestens sechs und acht Millionen Euro bewegen, wäre an (fast) jeder anderen Kirche als vollkommen absurd qualifiziert worden. Und zwar wohlbegründet. Da würde jeder Kirchenvorstand mit Verstand den Organisten fragen, ob er sich in der Stelle vertan hat.
St. Marien ist aus sich heraus ein "Selbstläufer", wo das Geld niemals ausgehen wird. Lediglich der "Bestandsschutz" der mittelalterlichen Kirchen trägt noch (u.a.) in Lübeck. Bei Kirchen des 19. + 20. Jahrhunderts wird da um ein vielfaches leichter "der Stecker gezogen".
Aber auf dieser Gewissheit wird sich insbesondere die Nordkirche nicht mehr lange ausruhen...
Als in einer Essener Kirche (50er Jahre, Baudenkmal) vor zehn Jahren das Dach erneuert werden musste, hat das Bistum sich die Zahlen der Messbesuche und des Gemeindelebens zeigen lassen und nur wegen eindrucksvoller Werte steht diese Kirche noch in der Baulast des Bistums.
Solch eine Erwägung wird in der Nordkirche (schon aus Prestigegründen) sicherlich niemals angestellt werden bei St. Marien.
Libau - Frage nach Raum und Orgel
link1907
, Donnerstag, 17. Oktober 2024, 14:39 (vor 695 Tagen) @ Max Reger
Mal eine etwas provokante Frage an die Fachleute hier:
Was würde denn angesichts der immensen Kosten für einen Neubau schätzungsweise
die Sanierung der Kemper-Orgel kosten?
Mit Änderung der Dispo, Stilllegung des mechanischen Spieltisches, Spieltisch im
Kirchenschiff (wie im Wiener Dom) mit elektrischer Traktur.
Libau - Frage nach Raum und Orgel
Orlos
, Donnerstag, 17. Oktober 2024, 15:19 (vor 695 Tagen) @ link1907
Die Orgel im Wiener Stephansdom war im Grunde ein Neubau im alten Gehäuse mit Übernahme einiger Pfeifen. Das hätte man in Lübeck auch machen müssen, denn der Murks mit den elektrischen Zusatzladen ist nicht erhaltungswürdig. Es ist eine Geschmacksfrage, ob man das Kemper-Gehäuse hätte behalten müssen, ich fand es immer hässlich und falsch proportioniert, da gibt es viel bessere Beispiele aus dieser Zeit, die auf alle Fälle erhalten werden müssen. Also landet man meines Erachtens sowieso bei einem Neubau. Alte Pfeifen weiterverwenden? Die Mensuren waren arg eng, manches war nicht gerade hochwertig. Dann ist es doch besser, die Orgel komplett zu verkaufen und irgendwo wieder aufzustellen. Dafür gibt es doch viele gelungene Beispiele.
Warum die Mechanik aufgeben? An diesem Ort wird man auch Buxtehude spielen wollen. Das möchte man doch nicht rein elektrisch tun.
Libau - Frage nach Raum und Orgel
Max Reger
, Wallfahrtsstadt Kevelaer, Donnerstag, 17. Oktober 2024, 15:24 (vor 695 Tagen) @ link1907
bearbeitet von Max Reger, Donnerstag, 17. Oktober 2024, 15:29
Mal eine etwas provokante Frage an die Fachleute hier:
Was würde denn angesichts der immensen Kosten für einen Neubau schätzungsweise
die Sanierung der Kemper-Orgel kosten?
Mit Änderung der Dispo, Stilllegung des mechanischen Spieltisches, Spieltisch im
Kirchenschiff (wie im Wiener Dom) mit elektrischer Traktur.
Mit einem SOLCHEN Konzept ist von einem niedrigen siebenstelligen Betrag auszugehen nach meiner spontanen Schätzung.
Die Frage ist, ob man ein solches Zielszenario überhaupt anstreben sollte.
So sehe ich persönlich keinen Sinn in einem freistehenden mobilen Spieltisch in St. Marien.
Das alleine ist ein ziehmlich teurer Spaß und ich kann den Sinn dahinter nicht erkennen, erst recht nicht in Zeiten, in denen man das Geld wirklich sehr, sehr bedachtsam anlegen sollte.
Auch halte ich den bestehenden Spieltisch für renovierbar einschließlich der Mechaniken und würde die bestehende Technik allenfalls ergänzen durch heutzutage übliche Techniken (Setzer).
Die Renovierung/ Sanierung der Großen Orgel könnte man problemlos über einen Zeitraum mehrerer Jahre strecken und damit finanzierbar halten.
Kleine Anregung für Überlegungen: < http://st-marien-luebeck.org/gutachten/ >
(müßte mal überarbeitet werden...)
Ich persönlich sehe großes Potential in diesem Instrument als gegeben, das einfach geweckt werden sollte. Und ich betrachte das bestehende Instrument in jeder Hinsicht als bemerkenswerter und authentischer an als einen Neubau für schätzungsweise das vier- bis fünffache an Finanzmitteln durch Klais.
Und - by the way - ausgerechnet Johannes Unger (!) hat mir die Kemper-Orgel durch seine Konzerte noch einmal eindrucksvoll und eindringlich als erhaltenswert nähergebracht!
Libau - Frage nach Raum und Orgel
link1907
, Donnerstag, 17. Oktober 2024, 16:06 (vor 695 Tagen) @ Max Reger
Vielleicht sieht man ja Orgeln die heute gebaut werden in 50 Jahren ähnlich
wie heute Orgeln beurteilt werden die vor 50 Jahren gebaut wurden?
Diese Orgel wird Bad Nauheim viele 100 Jahre erhalten bleiben und überlebt uns alle<
Zitat von Frank Scheffler zur neuen Klais-Orgel der Dankeskirche Bad Nauheim!
Viele 100 Jahre?
Libau - Frage nach Raum und Orgel
Max Reger
, Wallfahrtsstadt Kevelaer, Donnerstag, 17. Oktober 2024, 16:24 (vor 695 Tagen) @ link1907
Vielleicht sieht man ja Orgeln die heute gebaut werden in 50 Jahren ähnlich
wie heute Orgeln beurteilt werden die vor 50 Jahren gebaut wurden?
Diese Orgel wird Bad Nauheim viele 100 Jahre erhalten bleiben und überlebt uns alle<
Zitat von Frank Scheffler zur neuen Klais-Orgel der Dankeskirche Bad Nauheim!
Viele 100 Jahre?
Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird es so kommen!
Eigentlich IMMER fallen die Verlautbarungen der Orgelbauer (siehe auch St. Martin in Kassel), der Kirchenmusiker und der sogenannten "Orgelsachverständigen" in dieser oder vergleichbarer Weise aus.
Und bei Lichte betrachtet ist es eine Mischung und Selbstvergewisserung, dass man alles richtig macht hat, dass es gut gewesen ist, den Bestand verändert oder sogar geschleift zu haben und wahlweise auch Hoffnung auf das Eintreten dieser Prognose.
Seit Jahrhunderten läuft der "Mechanismus" in dieser Weise ab.
Ab und an gibt es dann Fälle wie jenen in St.Ursula in München, wo wir von Albiez 1984 eine neue Orgelanlage realisiert haben, während die Steinmeyer-Orgel auf der Westempore einfach sich selbst überlassen worden ist.
Jetzt - Jahrzehnte später - wird die alte Dame im Westen wiederentdeckt und man schätzt sich überaus glücklich, dieses Werk, auf das man vor Jahrzehnten aus dem Zeitgeist heraus sicherlich keinen Pfifferling gegeben hat und hätte, jetzt restaurieren (!) zu können.
Opera wie die Seifert-Orgel in Kevelaer wären aus der vorherrschenden Meinung zu ihrer Zeit um Haaresbreite vernichtet worden. Für uns Heutige unfassbar!
Es sind die Überheblichkeit, der Egoismus, die Egozentrik, mangelnder Sachverstand, Feigheit und vieles mehr, was die eingübten Rituale stets aufs neue funktonieren lässt.
Libau - Frage nach Raum und Orgel
Orlos
, Donnerstag, 17. Oktober 2024, 16:39 (vor 695 Tagen) @ Max Reger
Es sind die Überheblichkeit, der Egoismus, die Egozentrik, mangelnder Sachverstand, Feigheit und vieles mehr, was die eingübten Rituale stets aufs neue funktonieren lässt.
Harte Worte. Ist es nicht eher der sich wandelnde Geschmack bzw. die Mode?
Libau - Frage nach Raum und Orgel
Max Reger
, Wallfahrtsstadt Kevelaer, Donnerstag, 17. Oktober 2024, 16:48 (vor 695 Tagen) @ Orlos
Es sind die Überheblichkeit, der Egoismus, die Egozentrik, mangelnder Sachverstand, Feigheit und vieles mehr, was die eingübten Rituale stets aufs neue funktonieren lässt.
Harte Worte. Ist es nicht eher der sich wandelnde Geschmack bzw. die Mode?
Harte Worte - ja. Aber einfach die Realität, wie ich sie seit mehr als 40 Jahren beobachte.
Und "ja": auch die Mode spielt eine Rolle. Und u.a. auch das sorgt immer wieder für Ab- und Aufbruch....
"Armut ist der beste Konservator" - bestens nachzuvollziehen im gesamten Norden Deutschlands.
Libau - Frage nach Raum und Orgel
link1907
, Donnerstag, 17. Oktober 2024, 17:13 (vor 695 Tagen) @ Max Reger
Die Walcker-Orgel der Dankeskirche Bad Nauheim wurde 1965 gebaut, damals hochgelobt.
59 Jahre ist das jetzt her!
Libau - Frage nach Raum und Orgel
link1907
, Freitag, 18. Oktober 2024, 16:48 (vor 694 Tagen) @ Max Reger
bearbeitet von link1907, Freitag, 18. Oktober 2024, 16:51
Große Walcker-Orgel im Ulmer Münster, eingeweiht 1969.
5 Manuale, 97 Register.
Orgelsachverständiger war damals Dr. Walter Supper, MCVL kann bestimmt näheres zu ihm sagen.
Weder der jetzige Amtsinhaber Friedemann Johannes Wieland noch sein Vorgänger
Friedrich Fröschle haben sich je negativ über die Orgel geäußert, im Gegenteil.
Beide spielten bzw. spielen auf dieser Orgel alles was die Orgelliteratur zu bieten hat.
Eine neue Orgel wünschte oder wünscht sich meines Wissens keiner von beiden.
Gut, Virgil Fox hätte wohl gesagt "Where are the 8-feet?"
Und natürlich der Erhalt dar Vorgängerorgel von Walcker wäre mir auch lieber gewesen.
Aber dieses Beispiel zeigt doch, das auch solche Orgeln durchaus erhaltenswert sind,
und das es machbar ist.
Klangbeispiele von beiden sind genug auf YouTube zuhören.
Libau - Frage nach Raum und Orgel
Orlos
, Freitag, 18. Oktober 2024, 16:52 (vor 694 Tagen) @ link1907
Ulmer Münster ist jetzt kein so gutes Beispiel, weil an der Orgel seit 1969 schon sehr viel verändert worden ist, das betrifft auch die Windladen und die Intonation. Auch ein neuer Spieltisch ist in Planung.
Das wäre eine schöne Sache, hier einmal eine genaue Auflistung zu bekommen, wie viel tatsächlich noch "Walcker 1969" ist.
Libau - Frage nach Raum und Orgel
link1907
, Freitag, 18. Oktober 2024, 17:15 (vor 694 Tagen) @ Orlos
Ulmer Münster ist jetzt kein so gutes Beispiel, weil an der Orgel seit 1969 schon sehr viel verändert worden ist, das betrifft auch die Windladen und die Intonation. Auch ein neuer Spieltisch ist in Planung.
Das wäre eine schöne Sache, hier einmal eine genaue Auflistung zu bekommen, wie viel tatsächlich noch "Walcker 1969" ist.<
https://organindex.de/index.php?title=Ulm,_M%C3%BCnster_(Hauptorgel)
Als sehr viel verändert würde ich das jetzt nicht unbedingt bezeichnen, angesichts
der Größe der Orgel, falls der Eintrag bei Organindex noch aktuell ist.
Libau - Frage nach Raum und Orgel
Orlos
, Freitag, 18. Oktober 2024, 17:26 (vor 694 Tagen) @ link1907
Da sind überhaupt keine Arbeiten dokumentiert. Der Orgelbauer, der die Orgel wartet, Herr Tzschöckel, erzählte mir von vielen Eingriffen, kleineren und größeren.
Libau - Frage nach Raum und Orgel
link1907
, Freitag, 18. Oktober 2024, 17:36 (vor 694 Tagen) @ Orlos
Da sind überhaupt keine Arbeiten dokumentiert. Der Orgelbauer, der die Orgel wartet, Herr Tzschöckel, erzählte mir von vielen Eingriffen, kleineren und größeren.<
1995/1996 Neuer Spieltisch mit Setzeranlage, Umdisponierung und Erweiterung um eine Tuba 8' durch Reinhart Tzschöckel<
Ist so auf Organindex dokumentiert, weiter unten dann auch was umdisponiert wurde.
Reinhart Tzschöckel war ja der Vater des jetzigen Firmeninhabers Friedrich Tzschöckel.
Die Werkstatt befindet sich einige Kilometer von meinem Wohnort entfernt.
Ulm Münster
Evacuant, Freitag, 18. Oktober 2024, 21:33 (vor 694 Tagen) @ link1907
1995/1996 Neuer Spieltisch mit Setzeranlage, Umdisponierung und Erweiterung um eine Tuba 8' durch Reinhart Tzschöckel<
Ist so auf Organindex dokumentiert, weiter unten dann auch was umdisponiert wurde.
Da ist nur ein Teil "dokumentiert". Auch die aktuelle Disposition ist nicht ganz richtig wiedergegeben; als ich vor einigen Jahren an der Orgel war, gab es im Rückpositiv jedenfalls keine Rohrschalmey 8', sondern eine Trompete 8'.
Hier gibt es einen Auszug aus der Festschrift 1969:
https://walcker.com/downloads/5000_dispo_supper.pdf
Wenn diese Dispositon den Originalzustand dokumentiert, haben seither folgende Änderungen stattgefunden (die reinen Namensänderungen nicht mitgezählt):
Rückpositiv:
- Nasat 2 2/3' statt Gemsquint 2 2/3'
- Terzsept 1 3/5'+ 1 1/7' statt Terzian 1 3/5'+ 1 1/3'
- Kornett 8' zusätzlich
- Trompete 8' statt Musette 8' (kann sein, dass zwischenzeitlich eine Rohrschalmey drin stand, die Musette flog schon sehr früh raus und soll angeblich in eine Hausorgel gekommen sein)
- Tuba triumphalis 8' zusätzlich
Hauptwerk:
- Sesquialter statt Großnasat 5 1/3'
- Blockwerk VIII zusätzlich
Brustwerk:
- Rohrgedeckt 8' statt Spitzgedackt 8'
- Oktave 2' zusätzlich
- Zimbel III 1/2' statt Zimbelpfeife 1/4'
- Cromorne 8' statt Regal 4' (kann sein, dass da zwischenzeitlich ein Krummhorn drin stand)
Oberwerk:
- Gambe 8' statt Harfpfeife 8'
- Gambe celeste 8' statt Schwebend Harf 4'
- Gemsquinte 2 2/3' statt Quintflöte 2 2/3'
- Basson 16' statt Fagott 16'
- Trompette 8' statt Trompete 8'
- Clairon 4' statt Clarine 4'
Mittelwerk:
- Traversflöte 4' statt Großterz 3 1/5'
- Cornett V 8' statt Grand Bourdon 32'
(Ob weitere Register bei gleichbleibender bzw. ähnlicher Bezeichnung ausgetauscht wurden, entzieht sich meiner Kenntnis.)
Libau - Frage nach Raum und Orgel
Karl-Bernhardin Kropf
, Rostock, Freitag, 18. Oktober 2024, 18:51 (vor 694 Tagen) @ link1907
Ulmer Münster ist jetzt kein so gutes Beispiel, weil an der Orgel seit 1969 schon sehr viel verändert worden ist, das betrifft auch die Windladen und die Intonation. Auch ein neuer Spieltisch ist in Planung.
Das wäre eine schöne Sache, hier einmal eine genaue Auflistung zu bekommen, wie viel tatsächlich noch "Walcker 1969" ist.<
https://organindex.de/index.php?title=Ulm,_M%C3%BCnster_(Hauptorgel)Als sehr viel verändert würde ich das jetzt nicht unbedingt bezeichnen, angesichts
der Größe der Orgel, falls der Eintrag bei Organindex noch aktuell ist.
"Bewahrend" wirkt hier sicher auch der Umstand, dass ein Neubau, auch wenn kleiner, recht groß sein müsste und nicht finanzierbar wäre. Jetzt, wo die Autoindustrie so schwächelt...
Libau - Frage nach Raum und Orgel
Max Reger
, Wallfahrtsstadt Kevelaer, Freitag, 18. Oktober 2024, 17:57 (vor 694 Tagen) @ link1907
Große Walcker-Orgel im Ulmer Münster, eingeweiht 1969.
5 Manuale, 97 Register.
Orgelsachverständiger war damals Dr. Walter Supper, MCVL kann bestimmt näheres zu ihm sagen.
Weder der jetzige Amtsinhaber Friedemann Johannes Wieland noch sein Vorgänger
Friedrich Fröschle haben sich je negativ über die Orgel geäußert, im Gegenteil.
Beide spielten bzw. spielen auf dieser Orgel alles was die Orgelliteratur zu bieten hat.
Eine neue Orgel wünschte oder wünscht sich meines Wissens keiner von beiden.
Dann hoffe ich im Sinne von "ad multos annos!"
Wenn da der "richtige" ""Orgelsachverständige"" eingeschaltet wird (z.B.jener aus Travemünde), könnte sich das Blatt schnell wenden... ;-)))
Libau - Frage nach Raum und Orgel
MCVL
, Donnerstag, 17. Oktober 2024, 21:53 (vor 695 Tagen) @ Orlos
bearbeitet von MCVL, Donnerstag, 17. Oktober 2024, 22:39
Es sind die Überheblichkeit, der Egoismus, die Egozentrik, mangelnder Sachverstand, Feigheit und vieles mehr, was die eingübten Rituale stets aufs neue funktonieren lässt.
Harte Worte. Ist es nicht eher der sich wandelnde Geschmack bzw. die Mode?
Es ist u.a. der sich wandelnde Geschmack. Dadurch kommt es, einfach gesagt, zu unzeitgemäßen Orgeln. In der Nachbarschaft hat man vermeintlich schönere, modernere, größere, luxuriösere, einfach bessere Orgeln und so eine will man natürlich auch. In vielen Fällen ist es auch der persönliche Geschmack, den man seriöserweise erst einmal hintanstellen sollte in der Einschätzung und Beurteilung einer Orgel. Und dann die Bequemlichkeit.
Und im Umgang mit vermeintlich unzeitgemäßen Instrumenten kommt es oftmals zu einer gefährlichen Melange der von "Max Reger" aufgeführten Dingen. Beispiele fallen mir einige ein, vor allem im Umgang mit Orgeln der Jahre 1930-1970. Aber selbst im 21. Jahrhundert wurden noch original und tadellos erhaltene mechanische Kegelladenorgeln durch Neubauten ersetzt, nur weil man zu unbequem war, sich auf ihre Eigenheiten einzulassen. Dort, wo die Kassen halt entsprechend gefüllt waren oder sind...
Libau - Frage nach Raum und Orgel
Max Reger
, Wallfahrtsstadt Kevelaer, Donnerstag, 17. Oktober 2024, 23:23 (vor 695 Tagen) @ MCVL
bearbeitet von Max Reger, Donnerstag, 17. Oktober 2024, 23:31
Und im Umgang mit vermeintlich unzeitgemäßen Instrumenten kommt es oftmals zu einer gefährlichen Melange der von "Max Reger" aufgeführten Dingen. Beispiele fallen mir einige ein, vor allem im Umgang mit Orgeln der Jahre 1930-1970.
Es besteht eine gewisse Analogie zur Architektur und für mich verläuft die Trennlinie in etwa so wie oben zitiert, in meiner Einschätzung Vorkriegs vs. Nachkriegsepoche.
Auch in der Denkmalpflege im Bereich Hochbau sowie ingenieurtechnischer Bauwerke hat die Nachkriegarchitektur keinen leichten Stand, leider.
Immerhin: es gibt zahlreiche Orgelinstrumente, die es offenbar "geschafft" haben, wie bspw. die Beckerath-Orgel in St. Petri Hamburg oder jene aus der gleichen Werkstatt in Hildesheim, St. Andreas.
Andere denkmalwürdige Werke sind leider in böse Hände und damit in die Zerstörung geraten, wie die Walcker-Orgel in Dortmund, Reinoldi, wo (hoffentlich schreibe ich jetzt nichts falsches) Klaus Eldert Müller und OSV Schwartz einen Orgelabbruch bewirkt haben.
Übrigens zählen zu den geretteten Werken auch zahlreiche Opera aus Lübecker Herstellung, wie bspw. die Orgel in der Rhein-Mosel-Halle in Koblenz oder jene in St. Jakobi in Hamburg.
An diese Werke wird so schnell keiner mehr destruktiv rangehen.
Und wenn Prof. Stender noch Jahre vor seinem Ruhestand in St. Marien eine umfassende Renovierung veranlasst hätte, dann stünden wir auch dort heute vor ganz anderen Tatsachen. Was umso wichtiger gewesen wäre, weil er das Instrument stets (auch als sehr zuverlässig) geschätzt und immer in Schuss gehalten hat.
Libau - Frage nach Raum und Orgel
Evacuant, Freitag, 18. Oktober 2024, 01:06 (vor 695 Tagen) @ Max Reger
Immerhin: es gibt zahlreiche Orgelinstrumente, die es offenbar "geschafft" haben, wie bspw. die Beckerath-Orgel in St. Petri Hamburg oder jene aus der gleichen Werkstatt in Hildesheim, St. Andreas.
Die Orgel St. Petri Hamburg hat es nicht "geschafft", sie ist zwar dem Abriss bis auf weiteres entronnen, wurde aber umgebaut und erweitert und in jeder Hinsicht dem gewandelten Zeitgeschmack angepasst: Mixturen wurden reduziert und tiefergelegt, Register umgestellt, 32'-, 16'- und 8'-Register (darunter auch die unvermeidliche Schwebung) eingebaut, der originale Spieltisch wurde durch einen "modernen" ersetzt ("Elektrische Registertraktur mit unbegrenzter Speichermöglichkeit, MIDI-Schnittstelle")...
Und in Hildesheim, St. Andreas denkt man, wie ich gerüchtweise vernommen habe (hoffentlich stimmt das Gerücht nicht) auch über einen tiefgreifenden Erweiterungs-Umbau nach.
Warum kann man herausragende Instrumente der 1950er und 1960er Jahre, die original erhalten sind, nicht einfach in ihrem Originalzustand respektieren, sie in diesem Zustand belassen und pflegen und ggf. restaurieren, so wie es auch bei älteren historischen Instrumenten der Brauch ist?
Libau - Frage nach Raum und Orgel
Orlos
, Freitag, 18. Oktober 2024, 01:26 (vor 695 Tagen) @ Evacuant
Warum kann man herausragende Instrumente der 1950er und 1960er Jahre, die original erhalten sind, nicht einfach in ihrem Originalzustand respektieren, sie in diesem Zustand belassen und pflegen und ggf. restaurieren, so wie es auch bei älteren historischen Instrumenten der Brauch ist?
Wahrscheinlich liegt das daran, dass man bei historischen Orgeln akzeptiert, dass nicht jede Literatur darauf spielbar ist. Auf einer "modernen" Orgel soll aber ziemlich alles irgendwie darstellbar sein. Und in Hildesheim fehlt nun mal ein großes symphonisches Schwellwerk.
(Das ist nur Spekulation meinerseits. Ich würde die Orgel unter Denkmalschutz stellen.)
Libau - Frage nach Raum und Orgel
jrbecker
, Freitag, 18. Oktober 2024, 08:19 (vor 695 Tagen) @ Orlos
(...) Ich würde die Orgel unter Denkmalschutz stellen.
Da würde ich mitmachen!
Gefährdete Denkmäler, war: Libau - Frage nach Raum und Orgel
Karl-Bernhardin Kropf
, Rostock, Freitag, 18. Oktober 2024, 08:33 (vor 695 Tagen) @ jrbecker
(...) Ich würde die Orgel unter Denkmalschutz stellen.
Da würde ich mitmachen!
Orlos war ja in Linz. Die dortige Marcussen (Neuer Dom) ist bisher auch relativ unverändert durchgekommen. Es mag auch sein, dass dort auch personale Heiligenverehrung stattfindet, der Name Anton Heiller sei da genannt. Ein derartiger Promi ist für Hildesheim wohl nicht zu benennen?
(In Hamburg Petri gab es die Promis auch, aber der, der die Veränderungen veranlasst hat, ist ja irgendwie auch schon einer, auch wenn bei ihm die Hochschullehrer-Aura nicht so ausgeprägt ist.)
Gefährdete Denkmäler, war: Frage nach Raum und Orgel
Karl-Bernhardin Kropf
, Rostock, Freitag, 18. Oktober 2024, 08:42 (vor 695 Tagen) @ Evacuant
Warum kann man herausragende Instrumente der 1950er und 1960er Jahre, die original erhalten sind, nicht einfach in ihrem Originalzustand respektieren, sie in diesem Zustand belassen und pflegen und ggf. restaurieren, so wie es auch bei älteren historischen Instrumenten der Brauch ist?
Die Frage ist gut und der Aufruf dahinter auch - allerdings ist auch bei diesen herausragenden Instrumenten, ich denke da auch an manch große Schnitger-Orgel oder Mölln oder... der Zustand manchmal ein gewachsener, oder schon das Meisterwerk von 16XX ist durch Übernahme älteren Materials uneinheitlich, wenngleich meisterlich neu zusammengefasst.
Das relativ radikale Zurückrestaurieren auf ein fernes Datum ist zum Glück auch gelegentlich in Frage gestellt worden, denn auch da gibt es das Risiko von Verlusten. Diese Diskussion ist allerdings auch wieder ein Einfallstor für modische Einschätzungen (BEibehalten veränderte Tonumfänge, Stimmungen, "nützlicher" zusätzlicher Register). Hilfreich ist sicher eine breite Diskussion.
Insofern ist auch unsere Diskussion um Lübeck Marien hilfreich, weil die Befürworter des Abgangs der Kemper-Orgel sich permanent an den Bewahrern abarbeiten und die argumentativen Klingen jeweils scharf bleiben müssen, auch durch zeitlich sich wandelnde Ideale hindurch. (Also, vielleicht nicht so scharf wie zuletzt hier.)
Gefährdete Denkmäler, war: Frage nach Raum und Orgel
Max Reger
, Wallfahrtsstadt Kevelaer, Freitag, 18. Oktober 2024, 09:34 (vor 694 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
bearbeitet von Max Reger, Freitag, 18. Oktober 2024, 09:50
> Das relativ radikale Zurückrestaurieren auf ein fernes Datum ist zum Glück auch gelegentlich in Frage gestellt worden, denn auch da gibt es das Risiko von Verlusten. Diese Diskussion ist allerdings auch wieder ein Einfallstor für modische Einschätzungen (BEibehalten veränderte Tonumfänge, Stimmungen, "nützlicher" zusätzlicher Register). Hilfreich ist sicher eine breite Diskussion.
[quote]Insofern ist auch unsere Diskussion um Lübeck Marien hilfreich, weil die Befürworter des Abgangs der Kemper-Orgel sich permanent an den Bewahrern abarbeiten.[/quote]
Den noch einigermaßen original erhaltenen Großwerken kann man nur wünschen, dass ihnen mit mehr Sachverstand und Gewissenhaftigkeit begegnet wird als es in Lübeck geschieht und geschehen ist.
Dort hat sich die Denkmalpflege eigentlich komplett rausgehalten und alles dem ""Orgelsachverständigen"" überlassen.
Das dieser Mann (Hans-Martin Petersen) einen solchen fachlichen Nonsens verbreiten und damit Politik machen konnte und kann, dass seine Elaborate die Entscheidung eines Kirchenvorstandes begründen, ist geradezu skandalös. Wer (im Gegensatz zu ihm) wirklich etwas von der Materie versteht, und über lange Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte Berufserfahrung verfügt, kann da nur den Kopf schütteln, was sich da alles als "Orgelsachverständiger" ausgibt und enormer Reputation erfreut.
Ob soviel Dillentantismus in anderen Bereichen (Bausachverständiger, Statik, KFZ) überhaupt denkbar ist? Die Frage stelle ich mir regelmäßig.
Diese ""Sachverständigen"" (in Orgelbauerkreisen wird da eher von "Schwachverständigen" gesprochen, oftmals wohlbegründet) arbeiten - wir wissen es eigentlich wohl alle - weitgehend im "luftleeren Raum", soll heißen: in nahezu jeder Hinsicht ist dem Einfluss dieser Menschen kaum etwas entgegenzusetzen, weder dienstrechtlich noch anderweitig. Der Orgelbau ist für die aller-, allermeisten Menschen der Inbegriff des "Buches mit sieben Siegeln" und da wird regelmäßig und geradezu blindlings den Ausführungen des ""Orgelsachverständigen"" fast im Blindflug vertraut.
Als echten Glücksfall habe ich erlebt, wie ein Symposium zum weiteren Umgang mit der Orgel in Lüneburg, St.Johannis ausgegangen ist. Dieses Werk - verändert (und entstellt) über Jahrhunderte hinweg - ist für sich genommen (immer noch) so schön und zugleich kompliziert, dass die Empfehlung des Symposiums NICHT dahinging, eine Restaurierung auf irgendeinen zu definierenden Status quo ante zu betreiben. Es waren sich die Teilnehmer mehrheitlich aus Respekt vor diesem gewachsenen Zustand sicher, dass jedwede verändernde Maßnahme ganz erhebliche Konsequenzen aufwiese.
So viel Respekt im Umgang mit Bestandswerken wünschte ich mir öfter!
Gefährdete Denkmäler, war: Frage nach Raum und Orgel
Karl-Bernhardin Kropf
, Rostock, Freitag, 18. Oktober 2024, 10:37 (vor 694 Tagen) @ Max Reger
Dass die Denkmalpflege oft zurückhaltend agiert, ist doch nachvollziehbar. Woher sollte dort denn die Expertise für Orgeln kommen, wenn nicht "zufällig" vorhanden?
Wenn schon an die OSV so hohe Maßstäbe angelegt werden, und das begründet, wie sollte denn die Denmalpflege da mithalten können, zumal dort ein breites Spektrum an Fachdisziplinen dann gleichermaßen abgedeckt werden müsste. Die Denkmalpflege wendet sich halt ebenfalls an OSV. Wenn es in der Region genügend gibt, vielleicht an einen anderen als den regional zuständigen oder von der Gemeinde gewählten. Das kann schon mal eine neue Sicht bringen.
Zu Lübeck Marien könnte übrigens auch eine solche Kommission eingesetzt werden, wie sie in Rostock installiert wurde, gehört doch beides zur Nordkirche. Da sind nach dem Regelwerk zwei weitere OSV hinzuzuziehen, die nicht mit dem Projekt befasst, also nicht schon der gewählte OSV der Gemeinde sind.
Wenn die drei sich aber "bestens verstehen", wird das Meinungsbild vielleicht auch nicht breiter. Das wiederum könnte aber nicht nur an Freundschaften liegen, sondern schlichtweg auch daran, dass es doch eine Mehrheits-Sicht auf ein Thema gibt, zumindest zu einem bestimmten Zeitpunkt. Will sagen:
Gäbe es so eine Kommission für HL Marien, wären da außer Hans-Martin Petersen noch zwei weitere OSV zugange. Aber würde das die Kemper-Orgel schützen? Zur zuständigen Denkmalbehörde in Schleswig-Holstein kann ich nichts sagen.
Denn die Kemper-Orgel steht ohnehin insofern unter einem gewissen Denkmalschutz, dass sie fest mit einem Denkmal von nationalem Rang, nämlich der Marienkirche, verbunden ist. Die Orgel ist zwar nicht als Einzeldenkmal eingetragen, aber, wie gesagt. Insofern muss die Behörde eingebunden sein, kann aber trotzdem auf Abgängigkeit der Orgel entscheiden, wenn sie ein entsprechendes Votum von Sachverständigen erhalten hat, in dem begründet wird, warum das Ding zwar alt, aber nicht wertvoll sei.
Und was soll ein Denkmalpfleger gar sagen, wenn zwei Sachverständige völlig Verschiedenes ermitteln? (Kennt man ja auch von anderen Gutachten).
Wenn Herr Lüdke (stellen wir uns ihn bzw. Sie als zugegzogenen Gutachter vor) und Herr Petersen völlig gegensätzlich argumentieren, was wird der Denkmalpfleger machen? Weitere Sachverständige hinzuziehen. Oder einen, mit dem man sich gut versteht, wo man schon "stets gut zusammengearbeitet hat" oder so. Wie hoch ist aber die Wahrscheinlichkeit, dass die Kemper-Orgel gerettet würde?
Wir kommen auch in diesem Thema an die klassischen Fragen von Mehrheits- und Minderheitsmeinungen (ich will jetzt nicht Einzelmeinung sagen). Sicherlich ist es einfach besser, mehrere Stimmen zu sammeln. Aber die könnten dann auch gleichlautend sein.
Und Rostock lehrt:* Drei international anerkannte Orgelbauer erklären ihre Sicht zum Umgang mit dem vorhandenen Pfeifenwerk: Einer will fast alles übernehmen (und ggf. relativ schonend umarbeiten). Einer will nichts übernehmen außer Posaune 32/16, empfiehlt aber das "Zusammenbleiben" des Bestands an anderem Ort. Und einer sagt: Weiß noch nicht, muss man noch viel genauer anschauen und hängt von der letztlich gewünschten Stilrichtung ab, aber man würde schon wollen...
Alle drei argumentieren ausführlich und nachvollziehbar.
Was soll der Denkmalpfleger jetzt dazu sagen? Die vier beteilligten OSV sind ja eigentlich "raus", wenn man streng ist, weil nahezu keiner Praxis als Intonateur hat. Schon gar keine jahrelange. Man müsste also den Intonateuren/Werkstätten glauben.
Also, ich frage noch einmal: Wie soll der Denkmalschutz da zu einer Entscheidung kommen? Losen? Einfach nichts machen, alles verbieten, Zustand der Orgel einfrieren?
Es geht einfach nicht ohne Reibungs- oder Substanzverluste.
*) Ja, Infos kommen in Kürze, hab ich doch versprochen, bin intensiv dran neben dem Tagesgeschäft....
Gefährdete Denkmäler, war: Frage nach Raum und Orgel
Max Reger
, Wallfahrtsstadt Kevelaer, Freitag, 18. Oktober 2024, 11:12 (vor 694 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
bearbeitet von Max Reger, Freitag, 18. Oktober 2024, 12:02
Diese differenzierten und lebensnahen Fragestellungen kann ich allesamt sehr gut nachvollziehen.
Im Falle Lübecks muss ich allerdings anmerken, dass die zuständige Lübecker Denkmalpflege (Frau Dr. Hunecke) á priori kein Interesse an dieser Materie hatte und jede Einmischung versuchte zu blockieren. Erst mein Postulat unter Verweis auf das Informationsfreiheitsgesetz machte mir überhaupt möglich, Aktenensicht zu bekommen - bis dahin stand alles auf Abwehr. Keinerlei Interesse nach einer anderen Auffassung als der des "Orgelsachverständigen"", dessen hanebüchene Thesen damit unreflektiert geblieben sind.
Alles andere hätte ja evtl. auch Arbeit bedeutet.....
Die gleiche Ignoranz bei den Geistlichen an St. Marien bis hin zum aggressiven Verhalten des Küsters.
An einer ernsthaften Befassung mit einer seriös begründeten alternativen Auffassung bestand (und besteht) schlichtweg kein Interesse. "Und was ist mit dem Symposium, das dort abgehalten worden ist?", mag man einwenden. Dazu kann ich nur sagen, dass dieses in einer Weise präkonditioniert worden ist durch den "Orgelsachverständigen" (und Johannes Unger), dass das Resultat im wesentlichen vollkommen absehbar gewesen ist.
In Lübeck kenne ich manche Menschen, mehrere davon in ehemals einflussreicher Position an St. Marien, die sich allesamt wegducken, um ja keinen Ärger mit dem amtierenden Klerus zu riskieren.
Diese Haltung und die selbstgefällige Art der Geistlichen dort spielen Petersen und Unger mit ihrer Intention natürlich sehr in die Hände.
Gefährdete Denkmäler, war: Frage nach Raum und Orgel
Karl-Bernhardin Kropf
, Rostock, Freitag, 18. Oktober 2024, 13:53 (vor 694 Tagen) @ Max Reger
In dieser Tiefe kann ich an Orts- und Interna-Kenntnis tatsächlich nicht mehr mithalten. Wolfgang Gourgé war beim Symposium, vielleicht schreibt er noch mal kurz, wie sehr er eine Präkonditionierung wahrgenommen hat.
Beim Rostocker Kollquium 2009 würde ich eine solche bestreiten (siehe Bericht), aber bei der Zusammenstellung der Orgelkommission 2019/2021 müsste ich da schon zurückhaltender sein. Was den Wettbewerb betrifft, stelle ich fest, dass ich eine leicht abweichende Meinung von einigen OSV entwickelt habe. Der Diskurs geht ja weiter oder überhaupt erst richtig los, und war bisher auch schon sehr gesund. Meine Position habe ich darin auch mit den Jahren verändert, gewisse Aspekte sind mir aber weiterhin oder inzwischen noch mehr wichtig, und anderen halt andere.
In Lübeck Marien scheint auf jeden Fall die Anzahl der Beteiligten geringer zu sein, das könnte man wohl als Faktum festhalten, und zur Relevanz dieser Zahl schrieb ich ja schon.
Gefährdete Denkmäler, war: Frage nach Raum und Orgel
MCVL
, Freitag, 18. Oktober 2024, 16:39 (vor 694 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
bearbeitet von MCVL, Freitag, 18. Oktober 2024, 23:29
Dass die Denkmalpflege oft zurückhaltend agiert, ist doch nachvollziehbar. Woher sollte dort denn die Expertise für Orgeln kommen, wenn nicht "zufällig" vorhanden?
Wenn schon an die OSV so hohe Maßstäbe angelegt werden, und das begründet, wie sollte denn die Denmalpflege da mithalten können, zumal dort ein breites Spektrum an Fachdisziplinen dann gleichermaßen abgedeckt werden müsste. Die Denkmalpflege wendet sich halt ebenfalls an OSV. Wenn es in der Region genügend gibt, vielleicht an einen anderen als den regional zuständigen oder von der Gemeinde gewählten. Das kann schon mal eine neue Sicht bringen.
In Baden-Württemberg gab es viele Jahrzehnte hindurch Orgelsachverständige des Landesdenkmalamts. Der wohl prominenteste von ihnen war bekanntermaßen Walter Supper, der aber mehr Verderben als Segen für historische Orgeln in Württemberg brachte und der oftnals nicht der Sache, sondern seinen oftmals abstrusen Vorstellungen einer idealen historischen Wahrheit huldigte. Sein Nachfolger Klaus Könner war von einem ganz anderen Format. Für ihn stand immer die Orgel im Vordergrund, niemals Selbstverliebtheit und er legte sich dabei auch schon einmal mit manchen kirchlichen Orgelsachverständigen und anderen Verantwortlichen an. Unter den vielen Orgeln, für deren Zukunft er gesorgt hat, ist mein Lieblingsbeispiel diejenige von Johann Georg Schäfer sen. aus Göppingen für die katholische Kirche Ailringen an der Jagst. Das schöne Instrument von 1833 war durch Umbauten stillos und nichtssagend geworden. Am Anfang schien der Kampf um die Rettung dieser Orgel aussichtslos, aber Klaus Könner blieb hart und nunmehr befindet sich die Orgel wieder im weitgehenden Zustand ihrer Erbauungszeit.
In den Regierungsbezirken Karlsruhe und Freiburg war viele Jahre Bernd Sulzmann der zuständige Orgelsachverständige des Landesdenkmalamts. Heutzutage mit Sicherheit nicht unumstritten, gelang Sulzmann die Rettung mancher historischen Orgel, gerade des 19. Jahrhunderts, wobei auch er sich mehrfach mit den Kirchenbehörden anlegte. Sulzmanns erstes großes Manko waren aber seine Maßnahmenkataloge, die er seinen Gutachten beifügte. Aus heutiger Sicht verursachen etliche darin aufgeführte Punkte Kopfschütteln und zum Glück wurden viele seiner Vorschläge so auch nicht realisiert. Beispielsweise verlangte Sulzmann bei Kegelladen regelmäßig das Anbringen von Hülsen aus Kunststoff oder Gummi an Leitstiften der Kegel, um das "Geklirre" (eine bessere Beschreibung für dieses Geräusch fällt mir leider momentan nicht ein) bei Bewegungen der Ventile zu eliminieren. Dies hätte zur Folge gehabt, daß entweder die Schlitze der Führungsscheren aufgeweitet oder völlig neue passende Scheren eingesetzt worden wären. Über das Kosten-/Nutzen-Verhältnis und das der Vorschlag von einem Denkmalpfleger kam, brauchen wir wohl nicht wirklich zu diskutieren. Eine weitere Spezialität Sulzmanns war die Idee, an Orgeln, die einen freistehenden Spieltisch zum "Vorwärtsspielen" besitzen, diesen weiter in Richtung Kirchenschiff zu versetzen. Aus ergonomischer Sicht derjenigen, die an solchen Orgeln spielen, sicherlich verständlich, aber aus der Feder eines Denkmalpflegers? Man stelle sich mal die nicht unerheblichen Eingriffe in die Trakturen vor.
Sulzmanns zweites Manko war oft die Verdrehung historischer Fakten, sei es durch Aktenfunde, aus denen er bewußt oder unbewußt sich irgendwelche Halbwahrheiten zusammengebastelt hat, sei es durch seine Befunde an den Orgeln selbst und seine daraus gezogenen Schlüsse. Besonders ins Fettnäpfchen getappt ist Sulzmann an der Spiegel-Orgel in Reichenbach am Heuberg, an der Braun/Benz-Orgel in Horgen oder in Kippenhausen.
Wenn die drei sich aber "bestens verstehen", wird das Meinungsbild vielleicht auch nicht breiter. Das wiederum könnte aber nicht nur an Freundschaften liegen, sondern schlichtweg auch daran, dass es doch eine Mehrheits-Sicht auf ein Thema gibt, zumindest zu einem bestimmten Zeitpunkt. Will sagen:
Gäbe es so eine Kommission für HL Marien, wären da außer Hans-Martin Petersen noch zwei weitere OSV zugange. Aber würde das die Kemper-Orgel schützen? Zur zuständigen Denkmalbehörde in Schleswig-Holstein kann ich nichts sagen.
Wenn nun die drei gut bekannt oder gar befreundet sind und einer hat eine abweichende Meinung? Dann müsste er, wenn er seiner Arbeit pflichtgemäß nachkommt, den anderen seine Bedenken darlegen und begründen, was nichts mit brüskieren zu tun hat, sondern mit dem, was ich in einem anderen Post als seriös bezeichnet habe. Machen die anderen auch rein der Sache wegen ihren Job, wird man den Argumenten des Abweichlers zuhören und ernsthaft darüber diskutieren. Hat er aber Gewissensbisse, womöglich seine beiden Spezeln zu verärgern, dann muss er so charaterstark sein und sich aus dem Projekt zurückziehen und nicht des lieben Friedens willen den anderen das Wort reden. Das wäre meiner Meinung nach in jeder Hinsicht unseriös.
Libau - Frage nach Raum und Orgel
Wolfgang Gourgé
, Freitag, 18. Oktober 2024, 17:52 (vor 694 Tagen) @ link1907
Mal eine etwas provokante Frage an die Fachleute hier:
Was würde denn angesichts der immensen Kosten für einen Neubau schätzungsweise
die Sanierung der Kemper-Orgel kosten?
Mit Änderung der Dispo, Stilllegung des mechanischen Spieltisches, Spieltisch im
Kirchenschiff (wie im Wiener Dom) mit elektrischer Traktur.
...auf dem Symposion 2014 wurde das von Konrad Mühleisen angesprochen: Sanierung statt Neubau. Die Reaktion darauf kam schnell: die Kosten wären nicht niedriger als ein Neubau, aber die Probleme blieben alle erhalten - sofern die Sanierung nicht ihrerseits die Dimensionen eines Neubaus annehmen soll, was allerdings im technischen Bereich ohnehin unvermeidlich wäre; die Spanplatten-Windladen und sonstigen aus Spanplatten gebauten Teile sind nicht sanierbar, ebensowenig die Konstruktionsfehler (etwa im Rückpositiv) und die viel zu engen Mensuren und Dispositionsfehler.
Libau - Frage nach Raum und Orgel
Max Reger
, Wallfahrtsstadt Kevelaer, Freitag, 18. Oktober 2024, 18:13 (vor 694 Tagen) @ Wolfgang Gourgé
bearbeitet von Max Reger, Freitag, 18. Oktober 2024, 18:21
...auf dem Symposion 2014 in Lübeck wurde das von Konrad Mühleisen angesprochen: Sanierung statt Neubau.
Soweit ich mich erinnere, ist Mühleisen überhaupt der einzige dort gewesen, der es wagte (nach dem Praeludium u.a.Petersens in seinen Einlassungen), so einen Gedanken auszusprechen.
Die Reaktion darauf kam schnell: die Kosten wären nicht niedriger als ein Neubau, aber die Probleme blieben alle erhalten - sofern die Sanierung nicht ihrerseits die Dimensionen eines Neubaus annehmen soll, was allerdings im technischen Bereich ohnehin unvermeidlich wäre;
die Spanplatten-Windladen und sonstigen aus Spanplatten gebauten Teile sind nicht sanierbar, ebensowenig die Konstruktionsfehler (etwa im Rückpositiv) und die viel zu engen Mensuren und Dispositionsfehler.
Solche Thesen (siehe oben) werden natürlich insbesondere von jenen vertreten, die an einem Erhalt kein Interesse haben.
Wer behauptet eigentlich, dass die "Spanplatten-Windladen" ein Sanierungsfall sind?
Worin genau besteht der Mangel?
Welche "sonstigen Teile aus Spanplatte" sind denn noch betroffen?
Worin genau besteht denn der Mangel? Gibt es dazu detailliertere Angaben und vielleicht sogar Fotos?
Sind "zu enge Mensuren" und vermeintliche "Dispositionsfehler" ein Grund für die Beseitigung eines Orgelwerkes?
Libau - Frage nach Raum und Orgel
MCVL
, Freitag, 18. Oktober 2024, 19:01 (vor 694 Tagen) @ Max Reger
Wer behauptet eigentlich, dass die "Spanplatten-Windladen" ein Sanierungsfall sind?
Worin genau besteht der Mangel?
Welche "sonstigen Teile aus Spanplatte" sind denn noch betroffen?
Worin genau besteht denn der Mangel? Gibt es dazu detailliertere Angaben und vielleicht sogar Fotos?Sind "zu enge Mensuren" und vermeintliche "Dispositionsfehler" ein Grund für die Beseitigung eines Orgelwerkes?
Danke für diese interessante Fragestellung, der ich mich gerne anschließen und dahingehend erweitern möchte, welche Bestandteile der Windladen dort aus Spanplatte angefertigt sind (ich bin mit Kempers Bauweise kaum vertraut, weiß aber, daß er zum Beispiel auch Sperrholz mit Mahagoni-Furnieren zum Windladenbau verwendet hat).
Ich stelle die Frage nicht ohne Hintergründe, da mir nämlich selbst schon die Verwendung vom Spanplatten im Bereich Stöcke und Windladen untergekommen ist. Beispielsweise hat Walcker in den 1960er Jahren für die Stöcke seiner Serienpositive Spanplatte verwendet, ebenso die Firma Hindelang für die Stöcke ihrer Schleifladenorgeln dieser Zeit und teilweise darüber hinaus noch für die Fundamentbretter der Schleifladen Spanplatte.
Libau - Frage nach Raum und Orgel
Max Reger
, Wallfahrtsstadt Kevelaer, Freitag, 18. Oktober 2024, 19:38 (vor 694 Tagen) @ MCVL
bearbeitet von Max Reger, Freitag, 18. Oktober 2024, 20:26
Wer behauptet eigentlich, dass die "Spanplatten-Windladen" ein Sanierungsfall sind?
Worin genau besteht der Mangel?
Welche "sonstigen Teile aus Spanplatte" sind denn noch betroffen?
Worin genau besteht denn der Mangel? Gibt es dazu detailliertere Angaben und vielleicht sogar Fotos?Sind "zu enge Mensuren" und vermeintliche "Dispositionsfehler" ein Grund für die Beseitigung eines Orgelwerkes?
Danke für diese interessante Fragestellung, der ich mich gerne anschließen und dahingehend erweitern möchte, welche Bestandteile der Windladen dort aus Spanplatte angefertigt sind (ich bin mit Kempers Bauweise kaum vertraut, weiß aber, daß er zum Beispiel auch Sperrholz mit Mahagoni-Furnieren zum Windladenbau verwendet hat).
Ich stelle die Frage nicht ohne Hintergründe, da mir nämlich selbst schon die Verwendung vom Spanplatten im Bereich Stöcke und Windladen untergekommen ist.
Zuverlässig weiß ich das im Falle Lübeck nur von den Stöcken. Solange diese, wovon ich ausgehe, intakt sind, kann ich kein Problem erkennen. Weder wird klanglich irgendein Unterschied verifizierbar sein,noch kann man statisch oder sonstwie ernsthaft Bedenken anmelden.
Wieviele Orgeln sind mir beruflich begegnet mit Spanplattenverwendung? Von Klais über Walcker bis sonstwo.....und technisch ist da niemals etwas problematisch gewesen.
Natürlich haben meine Kollegen und ich
die Orgeln renoviert - und alles ist gut geworden und geblieben.
Wer (wie OSV Petersen im Falle Lübeck) behauptet, dass die Kemper-Orgel ein gravierendes Problem darstelle, weil die Materialien Formaldehyd ausgasten und ein nicht zu vernachlässigendes Potential an Gefährdung darstellten, der sollte das mit einer Raumluftanalyse belegen. Solange das nicht passiert ist, bezeichne ich ihn als Panikmacher und Scharlatan.
Ich saniere gegenwärtig ein Walcker-Positiv der Gattung D5 (Stöcke aus Multiplex) mit allerhand Spanplattenmaterial. Der Werkstoff stellt sich als formstabil und in keiner Weise problembehaftet dar.
Aus dem "leisen Fön"(O-Ton der Kirchenmusiker) ohne jedes Spielgefühl wird jetzt etwas richtig klangpräsentes mit einer vorzeigbaren Spielsensorik - gut 70 Jahre nach seiner Erbauung.
In der heutigen Zeit wird kaum jemand noch mit Spanplatte arbeiten - ich ganz bestimmt nicht. Das bedeutet aber doch nicht, dass man ihren Einsatz grundsätzlich verdammen muss, wo er geschehen ist. Es sei denn, dass man mit Klischees Orgel-Abbruch-Politik verfolgt.
Zumal die heutzutage oft eingesetzte MDF-Platte doch auch nicht hochwertiger ist - eher im Gegenteil, denn das ist ja wirklich nur noch zusammengeklebter Faserbrei...
Libau - Frage nach Raum und Orgel
MCVL
, Freitag, 18. Oktober 2024, 21:02 (vor 694 Tagen) @ Max Reger
bearbeitet von MCVL, Freitag, 18. Oktober 2024, 21:05
Wer behauptet eigentlich, dass die "Spanplatten-Windladen" ein Sanierungsfall sind?
Worin genau besteht der Mangel?
Welche "sonstigen Teile aus Spanplatte" sind denn noch betroffen?
Worin genau besteht denn der Mangel? Gibt es dazu detailliertere Angaben und vielleicht sogar Fotos?Sind "zu enge Mensuren" und vermeintliche "Dispositionsfehler" ein Grund für die Beseitigung eines Orgelwerkes?
Danke für diese interessante Fragestellung, der ich mich gerne anschließen und dahingehend erweitern möchte, welche Bestandteile der Windladen dort aus Spanplatte angefertigt sind (ich bin mit Kempers Bauweise kaum vertraut, weiß aber, daß er zum Beispiel auch Sperrholz mit Mahagoni-Furnieren zum Windladenbau verwendet hat).
Ich stelle die Frage nicht ohne Hintergründe, da mir nämlich selbst schon die Verwendung vom Spanplatten im Bereich Stöcke und Windladen untergekommen ist.
Zuverlässig weiß ich das im Falle Lübeck nur von den Stöcken. Solange diese, wovon ich ausgehe, intakt sind, kann ich kein Problem erkennen. Weder wird klanglich irgendein Unterschied verifizierbar sein,noch kann man statisch oder sonstwie ernsthaft Bedenken anmelden.
Wir hatten bei zwei Orgeln von Walcker und einer von Hindelang Schwierigkeiten mit den Stöcken aus Spanplatte, es kam dort zu Durchstechern zwischen den Bohrungen. Wir bekamen das aber bei allfälligen Überholungen völlig in den Griff. Günstige, handwerklich saubere und dauerhafte Methode: die Stöcke wurden sorgfältig und nicht sparsam mit Leim ausgegossen und die Schwierigkeiten waren behoben. Man stelle sich einmal vor, es wäre jemand auf den Gedanken gekommen, die Stöcke deshalb in Massivbauweise neu anzufertigen... Unsere zielführende Methode erforderte einen Bruchteil der Kosten einer Neuanfertigung.
Wieviele Orgeln sind mir beruflich begegnet mit Spanplattenverwendung? Von Klais über Walcker bis sonstwo.....und technisch ist da niemals etwas problematisch gewesen.
Natürlich haben meine Kollegen und ich
die Orgeln renoviert - und alles ist gut geworden und geblieben.
Wir hatten Orgeln aus x verschiedenen Werkstätten in Pflege, im Windladenbereich ist mir dabei die Verwendung von Spanplatten nur bei Hindelang bekannt geworden. Auch von Steinmeyer, von dem wir über 60 Orgeln aller Art und Alters "in der Reis"n" hatte (wie das bei uns genannt wurde), ist mir keine bekannt, bei welcher für die windführende Teile Spanplatten verwendet wurden. Es kann auch regionale Unterschiede gegeben haben.
Wer (wie OSV Petersen im Falle Lübeck) behauptet, dass die Kemper-Orgel ein gravierendes Problem darstelle, weil die Materialien Formaldehyd ausgasten und ein nicht zu vernachlässigendes Potential an Gefährdung darstellten, der sollte das mit einer Raumluftanalyse belegen. Solange das nicht passiert ist, bezeichne ich ihn als Panikmacher und Scharlatan.
Und zuhause steht die praktische Einbauküche und liegt womöglich als Fußbodenmaterial das ach so beliebte Laminat mit MDF als Träger... Ich habe schon mehrmals Leute mit dieser Tatsache konfrontiert und eine Reaktion darauf blieb jedesmal aus. Anscheinend war es peinlich.
Vielleicht ist es in Lübeck auch eine Art Angst- oder Beißreflex: "Spanplatten in der Orgel? Na dann kann die ja nichts taugen".
Ich saniere gegenwärtig ein Walcker-Positiv der Gattung D5 (Stöcke aus Multiplex) mit allerhand Spanplattenmaterial. Der Werkstoff stellt sich als formstabil und in keiner Weise problembehaftet dar.
Aus dem "leisen Fön"(O-Ton der Kirchenmusiker) ohne jedes Spielgefühl wird jetzt etwas richtig klangpräsentes mit einer vorzeigbaren Spielsensorik - gut 70 Jahre nach seiner Erbauung.
Ja, aus diesen Kisten kann man mit etwas Arbeit wirklich etwas machen, wir haben auch einmal eines aufgemotzt.
In der heutigen Zeit wird kaum
Zumal die heutzutage oft eingesetzte MDF-Platte doch auch nicht hochwertiger ist - eher im Gegenteil, denn das ist ja wirklich nur noch zusammengeklebter Faserbrei...
Und auch dort steckt Formaldehyd drin.
Libau - Frage nach Raum und Orgel
Max Reger
, Wallfahrtsstadt Kevelaer, Freitag, 18. Oktober 2024, 21:26 (vor 694 Tagen) @ MCVL
Wir hatten bei zwei Orgeln von Walcker und einer von Hindelang Schwierigkeiten mit den Stöcken aus Spanplatte, es kam dort zu Durchstechern zwischen den Bohrungen. Wir bekamen das aber bei allfälligen Überholungen völlig in den Griff. Günstige, handwerklich saubere und dauerhafte Methode: die Stöcke wurden sorgfältig und nicht sparsam mit Leim ausgegossen und die Schwierigkeiten waren behoben. Man stelle sich einmal vor, es wäre jemand auf den Gedanken gekommen, die Stöcke deshalb in Massivbauweise neu anzufertigen... Unsere zielführende Methode erforderte einen Bruchteil der Kosten einer Neuanfertigung.
Vielleicht ist es in Lübeck auch eine Art Angst- oder Beißreflex: "Spanplatten in der Orgel? Na dann kann die ja nichts taugen".
Und auch dort steckt Formaldehyd drin.
Ach, das tut doch mal gut: ein geerdeter Kollege ohne Berührungsangst vor Bestandsinstrumneten, auch aus der verpönten Zeit des "industriellen" Orgelbaues.
Für mich ist es schlicht eine schöne und spannende Herausforderung, das Beste aus diesen Werken zu machen im Sinne der Kirchenmusik. Wegschmeißen kann jeder.... ;-)))
Libau - Frage nach Raum und Orgel
MCVL
, Freitag, 18. Oktober 2024, 22:51 (vor 694 Tagen) @ Max Reger
Für mich ist es schlicht eine schöne und spannende Herausforderung, das Beste aus diesen Werken zu machen im Sinne der Kirchenmusik. Wegschmeißen kann jeder.... ;-)))
Genau meine Ansicht. Welche mir von meinem Lehrmeister (und einem bei uns beschäftigen, vormals langjährigen Steinmeyer-Frontmann - welcher leider schon mehrere Jahre nicht mehr unter uns weilt) schon während der Ausbildung vermittelt wurde.
; -))
Libau - Frage nach Raum und Orgel
MCVL
, Freitag, 18. Oktober 2024, 23:52 (vor 694 Tagen) @ Max Reger
Wieviele Orgeln sind mir beruflich begegnet mit Spanplattenverwendung? Von Klais über Walcker bis sonstwo.....und technisch ist da niemals etwas problematisch gewesen.
Natürlich haben meine Kollegen und ich
die Orgeln renoviert - und alles ist gut geworden und geblieben.
Wer (wie OSV Petersen im Falle Lübeck) behauptet, dass die Kemper-Orgel ein gravierendes Problem darstelle, weil die Materialien Formaldehyd ausgasten und ein nicht zu vernachlässigendes Potential an Gefährdung darstellten, der sollte das mit einer Raumluftanalyse belegen. Solange das nicht passiert ist, bezeichne ich ihn als Panikmacher und Scharlatan.
Ich habe mir über die Angelegenheit gerade noch einmal Gedanken gemacht.
Über die Kenntnisse und das Fachwissen von Herrn Petersen ist mir nichts bekannt.
Wie aber verfährt er bei der Prüfung einer neuen Orgel, deren Windladen Fundamentbretter aus MDF-Platten besitzen? Er dürfte das Instrument in Stringenz zu seiner Aussage über das Lübecker Werk der Kirchengemeinde nicht zur Abnahme empfehlen.
Man kann es drehen, wie man will. Mögen die heutigen Holzwerkstoffe auch weniger Formaldehyd enthalten, als wie diese zu Kempers Zeiten, enthalten tun sie es. Da beißt keine Maus einen Faden ab. Formaldehydarm bedeutet noch lange nicht formaldehydfrei.
Libau - Frage nach Raum und Orgel
3rd_astronaut, Samstag, 19. Oktober 2024, 01:26 (vor 694 Tagen) @ MCVL
Gast das Formaldehyd denn nach über 50 Jahren immer noch aus?
MDF, war Lübeck, war Libau
Karl-Bernhardin Kropf
, Rostock, Samstag, 19. Oktober 2024, 01:32 (vor 694 Tagen) @ 3rd_astronaut
Gast das Formaldehyd denn nach über 50 Jahren immer noch aus?
Wohl kaum. Aber ich muss jetzt doch mal hart nachfragen:
Aus Max Regers POsting könnte man schließen: Die MDF-Platte nutzt Ihr doch auch alle! Ja, in der Küche vielleicht.... Aber kommt die denn im Orgelbau vor?
Außer massiv kenne ich Dreischicht und Multiplex (sieht man wieder öfter). Aber wer baut denn mit MDF???
Wenn es das gäbe, wäre es natürlich ebenso zu ächten wie die Spanplatten-Windladen.
MDF, war Lübeck, war Libau
MCVL
, Samstag, 19. Oktober 2024, 08:44 (vor 694 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
Gast das Formaldehyd denn nach über 50 Jahren immer noch aus?
Wohl kaum. Aber ich muss jetzt doch mal hart nachfragen:Aus Max Regers POsting könnte man schließen: Die MDF-Platte nutzt Ihr doch auch alle! Ja, in der Küche vielleicht.... Aber kommt die denn im Orgelbau vor?
Außer massiv kenne ich Dreischicht und Multiplex (sieht man wieder öfter). Aber wer baut denn mit MDF???Wenn es das gäbe, wäre es natürlich ebenso zu ächten wie die Spanplatten-Windladen.
Mir sind mehrere Firmen bekannt (auch aus der Eidgenossenschaft), welche MDF-Platten im Windladenbau als Fundamentbretter verwenden bzw. verwendet haben.
Ich erinnere mich noch gut an das Berufsgrundschuljahr Holztechnik (das 1. Ausbildungsjahr der Schreiner, rein aus Berufsschule bestehend), dessen Absolvierung von den meisten Firmen für angehende Orgelbauer vor Beginn der eigentlichen Ausbildung verlangt wird.
Wir hatten dort einen Fachlehrer, der MDF als DEN Holzwerkstoff der Zukunft bei jeder Gelegenheit anpries. Im Praxisunterricht mussten wir dann u.a. eine Hausapotheke anfertigen, die überwiegend aus MDF bestand. Als ich die mach Hause brachte, war die Begeisterung weit weniger groß als über ein ebenfalls im Praxisunterricht angefertigtes Wandschränkchen aus Lärche, welches heute noch in meiner Küche hängt.
MDF, war Lübeck, war Libau
Max Reger
, Wallfahrtsstadt Kevelaer, Samstag, 19. Oktober 2024, 09:20 (vor 693 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
Gast das Formaldehyd denn nach über 50 Jahren immer noch aus?
Wohl kaum. Aber ich muss jetzt doch mal hart nachfragen:Aus Max Regers POsting könnte man schließen: Die MDF-Platte nutzt Ihr doch auch alle! Ja, in der Küche vielleicht.... Aber kommt die denn im Orgelbau vor?
Außer massiv kenne ich Dreischicht und Multiplex (sieht man wieder öfter). Aber wer baut denn mit MDF???Wenn es das gäbe, wäre es natürlich ebenso zu ächten wie die Spanplatten-Windladen.
Die Frage, ob das verwendete Spanplattenmaterial nach 50 Jahren noch relevante Werte emittiert, hat der ""Orgelsachverständige"" Petersen ja bereits beantwortet in seinem an St. Marien beauftragten (und sicherlich gut bezahlen) "Gutachten" ausgeführt.
Dem entgegne ich:
Dass in einem Raum wie St.Marien heutzutage (wahrscheinlich sogar schon nach Fertigstellung des Werkes 1968) Werte von Relevanz nachweisbar gewesen wären, halte ich für vollkommen abwegig. Da sind die Raumluftkonzentrationen in der vearbeitenden Werkstatt (ich kann mich noch an den süßlichen Geruch erinnern, wenn frisches Plattenmaterial angeliefert worden ist) sicherlich eher eine Betrachtung wert.
MDF wird sicherlich bei einem Großteil der Werkstätten aktuell eingesetzt. So bspw. für den Bau von Motorkästen. Ich persönlich kann da auch keinen Anstoß dran nehmen in solch einem Kontext.
In statischer Hinsicht gäbe ich im Zweifel und in der Langfristprognose der Spanplatte den Vorzug. Wie sich MDF langfristig verhält, vermag ich nicht zu sagen. Dieses zusammengebackene Faserpulver ist mir nicht sympathisch: sehr schwer, staubt bei der Verarbeitung übermäßig und hat keinerlei Innenstatik: bei Nicht-Vorbohren platzt das Material sehr schnell auf. Der Harnstoff-Formaldehydharz-Anteil in diesem Werkstoff liegt immerhin bei knapp 10%.
Regelmäßig wird auch zur Herstellung von Tischlerplatten (bei Dreischichtplatten weiß ich es nicht) dieser Bindestoff verwandt.
Aber auch in jenem Kontext habe ich Zweifel, dass Emissionen vorliegen, die arbeitsmedizinisch von Bedeutung sind für den Einsatz in der Kirche oder im Konzertsaal.
So komme ich persönlich zum Fazit, dass mir "Ächten", um Herrn Kropf zu zitieren, keine verhältnismäßige Reaktion wäre. Zumindest nicht, was gasförmige Emissionen anbelangt.
MDF, war Lübeck, war Libau
MCVL
, Samstag, 19. Oktober 2024, 10:00 (vor 693 Tagen) @ Max Reger
bearbeitet von MCVL, Samstag, 19. Oktober 2024, 10:19
Regelmäßig wird auch zur Herstellung von Tischlerplatten (bei Dreischichtplatten weiß ich es nicht) dieser Bindestoff verwandt.
Für diejenigen, die in der Herstellung und den Bestandteilen von Holzwerkstoffen nicht ganz firm sind, möchte ich an dieser Stelle noch einmal kurz ein paar Worte dazu schreiben.
Ein Bekannter von mir war Verfahrenstechniker bei einem der größten Holzwerkstoffhersteller Europas (mittlerweile ist er im Ruhestand).
Die Herstellung gerade von Span- und Faserplatten hat mir mein Bekannter einmal aus Sicht des Holztechnikers genau nahegebracht. Die Verwendung von Formaldehydleim hat etwas mit den Prozessabläufen bei der Verpressung des Spänekuchens und mit den Ablüftzeiten des Lösungsmittels Formaldehyd zu tun, Leime auf Wasser- oder Epoxidharzbasis würden dort versagen. Es gab wohl in der DDR, in den Jahren vor dem Zusammenbruch recht vielversprechende Versuche bei einem Holzwerkstoffhersteller in Nordsachsen, Spanplatten mit wasserlöslichen Leimen herzustellen. Dies ist aber in den Wirren der Wende- und Nachwendezeit untergegangen.
Mit den Mehrschichtplatten bin ich mir auch nicht ganz sicher, ich würde es aber eher bejahen, daß dort auch Formaldehyleim verwendet wird. Dazu kann ich aber meinen Bekannten gerne einmal befragen.
Aber auch in jenem Kontext habe ich Zweifel, dass Emissionen vorliegen, die arbeitsmedizinisch von Bedeutung sind für den Einsatz in der Kirche oder im Konzertsaal.
Es müsste ja auch bei Beschäftigten in der Holzwerkstoffindustrie oder in Branchen wie dem industriellen Möbel- oder Innenausbau eine signifikant hohe Zahl an berufsbedingten Krankheitsbildern vorliegen, die sich aus dem Umgang mit formaldehydhaltigen Materialien ergeben. Darüber ist zumindest mir nichts bekannt.
MDF, war Lübeck, war Libau
Karl-Bernhardin Kropf
, Rostock, Samstag, 19. Oktober 2024, 12:21 (vor 693 Tagen) @ Max Reger
Die Frage, ob das verwendete Spanplattenmaterial nach 50 Jahren noch relevante Werte emittiert, hat der ""Orgelsachverständige"" Petersen ja bereits beantwortet in seinem an St. Marien beauftragten (und sicherlich gut bezahlen) "Gutachten" ausgeführt.
Aktuell bekommen OSV EUR 40,- brutto in der Nordkirche. Ich weiß natrülich nicht, wie lange er dran gesessen hat.
MDF wird sicherlich bei einem Großteil der Werkstätten aktuell eingesetzt. So bspw. für den Bau von Motorkästen. Ich persönlich kann da auch keinen Anstoß dran nehmen in solch einem Kontext.
Motorkästen? Und sonst? Was sagen die anderen OB hier dazu?
Ich fragte nach, weil der (unbeabsichtigte?) Eindruck entstand, die Spanplatte wäre óut und verteufelt, aber MDF nehmen (fast) alle. Daher: Was noch aus MDF und wie oft? Entweder hab ich nicht aufgepasst oder so, bei meinen vielen Website-Besuchen mit den Werkstattbildern sehe ich keine MDF (und auch keine Spanplatten, klar. OSB sieht man mal, aber eher als Kistenmaterial)
So komme ich persönlich zum Fazit, dass mir "Ächten", um Herrn Kropf zu zitieren, keine verhältnismäßige Reaktion wäre. Zumindest nicht, was gasförmige Emissionen anbelangt.
Genau, das mit dem Gas ist sicher nichts Belastbares, außer frisch aus der Fabrik. Aber darüberhinaus wie von Ihnen gesagt: Hohes Gewicht bei gleichzeitig schlechter Statik und ausreißenden Schnitt-/Bohrstellen - das kann doch nicht so viel billiger und nur deshalb zu bevorzugen sein als die Dreischicht- oder Multiplexplatte.
Libau - Frage nach Raum und Orgel
MCVL
, Samstag, 19. Oktober 2024, 08:23 (vor 694 Tagen) @ 3rd_astronaut
bearbeitet von MCVL, Samstag, 19. Oktober 2024, 09:14
Gast das Formaldehyd denn nach über 50 Jahren immer noch aus?
Ehrlich gesagt, dürfte das gegen Null streben.
Wie "Max Reger" es schon angesprochen hat, eine Raumluftanalyse dürfte endgültige Klarheit schaffen.
Und das was ich jetzt schreibe, sollte man sich auch durch den Kopf gehen lassen: jedem, der Bedenken hat, von einer 50 Jahre alten Orgel könnte so eine Gefahr ausgehen, dem würde ich dazu raten, falls er zuhause eine Einbauküche aus Spanplatte und Laminat-Fußböden besitzt, dort ebenfalls eine Raumluftanalyse durchzuführen. Sollte das Ergebnis entgegen allen Erwartungen tatsächlich bedenklich ausfallen, kann ich hier zu einem Parkettboden und einer Massivholz-Küche im "Zillertaler Jodlerstil" (Dieter Wieland) raten.
(So ganz ernst gemeint war es doch nicht, es soll aber zum Nachdenken anregen)
Ausgasung von formaldehydhaltigen Holzwerkstoffen
MCVL
, Samstag, 19. Oktober 2024, 13:23 (vor 693 Tagen) @ 3rd_astronaut
Die Sache hat mir keine Ruhe gelassen, also nochmals Fachbücher für Holztechnik in die Hand genommen und auch im Netz nochmals nach belastbaren Studien etc. gesucht.
Fazit: in der Regel gelten formaldehyhaltige Holzwerkstoffe nach 10 Jahren als ausgegast; bei besonderen Konstellationen kann es auch bis zu 15/20 Jahre andauern.
Alles in allem möchte ich persönlich aber nach diesen Erkenntnissen behaupten, daß eine Gefahr, die von der Kemper-Orgel hinsichtlich Formaldehydbelastung der Raumluft aktuell noch ausgehen soll, ad absurdum geführt ist.
Gute Nachrichten also an alle, deren Einbauküche älter als 10 Jahre ist: höchstwahrscheinlich könnt ihr auf die Anschaffung der Massivholz-Küche im Jodlerstil verzichten ;-)))
Marien-Lübeck- es war einmal
Karl-Bernhardin Kropf
, Rostock, Mittwoch, 16. Oktober 2024, 23:22 (vor 696 Tagen) @ Max Reger
So, jetzt rüsten wir vebal mal wieder etwas ab, bitte.
Da mache ich mit.
Meine Einlassung war zugegebenermaßen nicht gut angelegt: Ich habe den Eindruck erweckt, als stehe der mickrige Gottesdienstbesuch in Relation zum künstlerischen Vermögen der amtierenden Kirchenmusik. Das ist ganz gewiß nicht so! Im Gegenteil, fuhr und fährt die Gemeinde sogar wirklich viel auf, um von der musikalischen Seite her dem Gottesdienst Feierlichkeit und traditionsbewußtes Niveau zu geben. Und aus Orgelkonzerten von Unger bin ich stets beeindruckt gegangen.
Was ich eigentlich hatte zum Ausdruck bringen wollen: wie gleichermaßen das Ausmaß der Kirchenmusik (Orgelmusik) als auch der Gottesdenstbesuch an St. Marien sich vom "Mythos" entfernt haben. Das Empfinden KBK´s über die Spielweise Ungers kann ich durchaus teilen.
Wie andernorts gesagt: Tatsächlich ist die sturkturelle Entwicklung in der Lübecker Kirchenmusik eine Anfechtung für alle Freunde derselben, gerade jene, die noch mehr in der Vergangenheit verhaftet sind.
Die Überproportionalität von großen Kirchen und großen Orgeln auf kleinster Fläche muss in Zeiten wie diesen zu dramatischen Entwicklungen führen, es geht kaum anders.
Um auch mal was Positives zu berichten: Das Desinteresse an Volkskirche und an Sonntagsgottesdiensten entspricht nicht einem grundsätzlichen Desinteresse an spirituellen Räumen und, zumindest sehr dezenten, transzendenten Erfahrungen. Unter denen, die sich bei uns als Touristen in's Gebäude wagen (das sind ja immer noch viel mehr als am Sonntag), ist durchaus Offenheit und Neugier da. Man möchte nicht bepredigt und missioniert werden, lässt sich aber gerne erzählen, wofür die diversen Kultgegenstände einmal gedacht waren. Der Raumwirkung können sich auch moderne Menschen nicht entziehen, und die Orgel punktet immer noch, optisch wie akustisch.
Bei dieser Gelegenheit die 2024er-Statistik:
In unseren Mittagsgebeten, die von 2. 5. bis Mitte Oktober stattfinden, innerhalb der Eintrittsgeld-Zeit und unmittelbar nach dem touristisch nachgefragten Apostelumgang an der Astronomischen Uhr von 1473, wurden in diesem Jahr von 3.411 Personen besucht (das sind die, die diese 10 Minuten lang stehenbleiben oder sitzen, die "Wandler" oder zum Ausgang schlendernden zählen wir nicht). Zusätzlich, und das ist für uns hier wichtig, waren 279 Personen mit auf der Empore zur kompakten Führung, die neben historischen Fakten auch das Beobachten der Organisten - bei Interesse auch daneben-/dahinter stehend ermöglicht und vor allem den Gang in die Orgel, der bei uns mit bis zu sieben Personen gleichzeitig erfolgen kann. Dort Erläuterung diverser Hintergründe und der Schleiflade an sich. Diese Führungen dauern bis zu 60 Minuten, wenn das Interesse da ist. "This made our day/our trip!" hören wir mehrfach im Jahr von den Übersee-Touristen, die mit den Kreuzfahrtschiffen kommen. Allen gebe ich den Wunsch mit, in ihrer Heimat sich aufzumachen zum Entdekcen der lokalen Orgelkultur - sofern das nicht ohnehin schon passiert.
Also, das läuft noch, ebenso wie der Tourismus in Lübeck. Unsere Sonntags-Zahlen sind allerdings nicht ermunternd, ausgenommen für Sondergottesdienste. Das Gemeindeleben ist hingegen weiterhin intensiv - insofern lese ich alle Diskussionsbeiträge zur Infragestellung des (regelmäßigen) Sonntagsgottesdienstes mit Interesse. Aber diese Diskussion geht natürlich an die Grundfesten christlicher Praxis. Schwierig.
OT: Ich war heute mit dem Vorstand eines unserer Fördervereine bei der Bank - es ging darum, das auf die Orgelsanierung wartende Geld etwas inflationssicherer zu verwahren. Auch dort verbreitete die Kundenberaterin eine "Es war einmal"-Stimmung, sozusagen. Tagesgeld, Festgeld - vergiss es. Morgen ist wieder Zinssenkung. Es muss schon fettere Anlagetechnik her, aber passt das zu Fördervereinen? Also, wo man hin schaut: Zeitenwende.
Libau - Frage nach Raum und Orgel
Wolfgang Gourgé
, Freitag, 18. Oktober 2024, 16:09 (vor 694 Tagen) @ Max Reger
"Das stimmt ntaürlich, dennoch setzte Stender die Mythisierung mit seinem überlangen Dienstweg (zur Orgel) fort. Aber auch hier lasse ich mich gerne korrigieren. Und wer wäre schon frei von Marketing? (unter denen, die überhaupt was zu verkaufen haben)"
Ernst-Erich Stender, dieser Raum und seine Orgeln sind und waren ein Mythos!Wer hatte sonst einen solchen "Dienstweg", wie er zwischen den jeweiligen "Totentanz-Orgeln" und der Großen Orgel besteht?
Was war/ ist das für ein Aufeinandertreffen an Instrumenten?
Sein (Stenders) Jahresprogramm an den Orgeln - absolut legendär und in diesem Umfang und seiner Dichte wohl (fast) ohne gleichen in der Republik.
"Orgel satt" - dafür stand St. Marien über Jahrzehnte.Und Ernst-Erich Stender füllte die Marienkirche in einer Weise, die sein Nachfolger beileibe nicht erreicht hat (und erreichen wird).
Heutzutage finden sich im Sonntagsgottesdienst mal gerade noch zwei Dutzend Gäste ein.
....ich war seit den 1980er Jahren sehr oft in Lübeck. In der Tat waren die Konzerte von EES meist gut, zu den Spitzenzeiten sogar sehr gut besucht. Es gab immer im Frühjahr das neue Programmheft für das ganze Jahr, und er verfuhr recht geschickt damit, "Fixpunkte" (etwa die Abendmusiken in Juli und August), Konzerte mit freier Programmgestaltung und bestimmten Komponisten gewidmete Zyklen miteinander zu verbinden. Das gab dem Konzertbetrieb an St. Marien ein sehr hohes Maß an Verlässlichkeit, fast wie eine Art "Abonnement", und ich habe das durchaus geschätzt. Hatte man mal an einem Abend Langeweile, schaute man ins Programm - und setzte sich in den Zug nach Lübeck, von Hamburg aus ist das nicht weit.
EES ist als Spieler eine eigene Kategorie: große Gefühlsausbrüche oder spielerische Extreme durfte man bei ihm nicht erwarten, dafür war er nie der Typ. Er spielte sozusagen immer "unter Kontrolle", technisch sehr souverän, aber eben auch mit einer gewissen "Einheitlichkeit". Anders wäre das geradezu furchteinflößende Repertoire, das er spielte, vermutlich ebensowenig zu bewältigen gewesen wie die schiere Anzahl an Konzerten, und das an der sehr schwergängigen großen Orgel und den Totentanzorgeln, deren erste Nachkriegsversion (Kemper, wie die große Orgel) 1986 einem zwar optisch imo sehr gelungenen, aber klanglich wiederum nicht begeisternden Neubau durch Führer wich: um sie romantik-tauglich zu machen, bekam sie ein großes Schwellwerk, was aber zu sehr unglücklichen Platzverhältnissen und einer wenig schönen Klangabstrahlung geführt hat (und darüberhinaus zu sehr großer Anfälligkeit für Schimmel - wie immer bei zu eng gebauten Orgeln).
In der Rückschau würde ich sagen: die Zeit unter EES war für Marien eine gute, denn er versah seinen Dienst mit bewundernswerter Disziplin - und akzeptierte die große Orgel, wie sie war. Ein Neubau, der eigentlich schon vor Jahrzehnten nahegelegen hätte, wäre kaum durchsetzbar gewesen bei einer so großen Orgel, die erst Ende der 1960er Jahre fertig geworden ist (man denke nur an Planyavskys Ärger am Stephansdom) und deren Tragik es ist, dass ihr Bau der falschen Firma anvertraut wurde - die prompt alle Negativ-Klischees des Nachkriegs-Orgelbaus und speziell des kemperschen in ihrem Opus maximum konzentrierte. Wer mal auf der Spieltisch-Kanzel gestanden und von dort aus den Spanplatten (!!!)-Unterbau unter den großen Pedalpfeifen in ihren Balkonen gesehen hat, weiß, was ich meine. Ich hab's schon öfter gesagt, ich wiederhole es nochmal: in Rothenburg o.d.T./St. Jacob, Himmerod oder Hildesheim (St. Andreas) kann man sich Landmarken des Nachkriegs-Orgelbaus ansehen. Diese Chance wurde an St. Marien leider vertan (vermutlich aus einer damals provinziellen Engstirnigkeit heraus, die sich vom verblassenden Vorkriegs-Ruhm der Kempers täuschen ließ...), im Dom, wenige Meter entfernt, hat man sie genutzt, bis heute mit Erfolg.
Der Nachfolger von EES ist ein exzellenter Organist. Und man muss akzeptieren, dass Zeiten/Epochen auch mal zu Ende gehen, auch wenn es schwerfällt. Dass an St. Marien früher "mehr los war", ist sicher richtig, auch ich finde es schade, dass es nicht mehr so ist. Aber die Marien-Gemeinde ist nur noch sehr klein, genaugenommen würde die (inwzischen renovierte) Briefkapelle als Sakralraum völlig für sie genügen, und St. Marien hat eher eine Zukunft als weltlicher Kulturraum, nicht mehr als Kirche. Ebenso bin ich überzeugt, dass irgendwann das Modell des niederländischen "Stadtorganisten", der von der Kommune eingestellt und bezahlt wird, auch in Deutschland kommen muss.
Übrigens: im Mai diesen Jahres hat sich das Lübecker Orgelsymposion zum 10. mal gejährt. Tempus fugit - bloß nicht in der Orgelwelt. Die lässt sich viel Zeit.
Libau - Frage nach Raum und Orgel
Karl-Bernhardin Kropf
, Rostock, Freitag, 18. Oktober 2024, 18:55 (vor 694 Tagen) @ Wolfgang Gourgé
Eine gute Stender-Würdigung. Und dass das Symposium dort auch schon wieder 10 Jahre her ist... ja, Zeit vergeht und ändert auch Sichtweisen.
Vielleicht wird die Glockencymbel noch einmal voll durchstarten.
Libau - Frage nach Raum und Orgel
Poupoulcorouse
, Elberfeld, Freitag, 18. Oktober 2024, 21:29 (vor 694 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
Vielleicht wird die Glockencymbel noch einmal voll durchstarten.
Wenn sie gut gemacht ist ...
Oder um es mit Wiglaf Droste zu sagen: "Nix gegen langes Haar, nur gepflegt muss es sein!"
Libau - Frage nach Raum und Orgel
Cmcmcm1
, Ottobrunn, Dienstag, 15. Oktober 2024, 22:35 (vor 697 Tagen) @ Max Reger
Des weiteren ist ein Opus wie die Große Orgel in St. Marien natürlich etwas sehr auffälliges: in dieser Größenordnung mit mechanischen Trakturen - in einer Zeit, in der bei u.a. Seifert oder Klais die pneumatischen Orgeln quasi vom Band liefen.....
Naja, 1968 haben Klais und Seifert auch schon wieder mechanisch gebaut -nicht so groß- aber wieder mechanische Schleifladen. ;)
Libau - Frage nach Raum und Orgel
MCVL
, Dienstag, 15. Oktober 2024, 22:46 (vor 697 Tagen) @ Cmcmcm1
Des weiteren ist ein Opus wie die Große Orgel in St. Marien natürlich etwas sehr auffälliges: in dieser Größenordnung mit mechanischen Trakturen - in einer Zeit, in der bei u.a. Seifert oder Klais die pneumatischen Orgeln quasi vom Band liefen.....
Naja, 1968 haben Klais und Seifert auch schon wieder mechanisch gebaut -nicht so groß- aber wieder mechanische Schleifladen. ;)
Und die Dominikanerorgel in Landshut existierte zu dieser Zeit ebenfalls schon...
Libau - Frage nach Raum und Orgel
FranzS., Dienstag, 15. Oktober 2024, 23:22 (vor 697 Tagen) @ MCVL
bearbeitet von FranzS., Dienstag, 15. Oktober 2024, 23:34
Des weiteren ist ein Opus wie die Große Orgel in St. Marien natürlich etwas sehr auffälliges: in dieser Größenordnung mit mechanischen Trakturen - in einer Zeit, in der bei u.a. Seifert oder Klais die pneumatischen Orgeln quasi vom Band liefen.....
Naja, 1968 haben Klais und Seifert auch schon wieder mechanisch gebaut -nicht so groß- aber wieder mechanische Schleifladen. ;)
Und die Dominikanerorgel in Landshut existierte zu dieser Zeit ebenfalls schon...
...und müsste damals zumindest die weltweit einzige (neue) fünfmanualige Orgel mit vollmechanischer Spieltraktur gewesen sein. Hat aber "nur" 75 Register.
Libau - Frage nach Raum und Orgel
MCVL
, Mittwoch, 16. Oktober 2024, 23:09 (vor 696 Tagen) @ FranzS.
Des weiteren ist ein Opus wie die Große Orgel in St. Marien natürlich etwas sehr auffälliges: in dieser Größenordnung mit mechanischen Trakturen - in einer Zeit, in der bei u.a. Seifert oder Klais die pneumatischen Orgeln quasi vom Band liefen.....
Naja, 1968 haben Klais und Seifert auch schon wieder mechanisch gebaut -nicht so groß- aber wieder mechanische Schleifladen. ;)
Und die Dominikanerorgel in Landshut existierte zu dieser Zeit ebenfalls schon...
...und müsste damals zumindest die weltweit einzige (neue) fünfmanualige Orgel mit vollmechanischer Spieltraktur gewesen sein. Hat aber "nur" 75 Register.
Offenbar hat kaum noch jemand die Festschrift zur Orgelweihe im Regal stehen. Ich ziehe die die nächsten Tage mal über den Scanner...
Libau - Frage nach Raum und Orgel
FranzS., Donnerstag, 17. Oktober 2024, 00:48 (vor 696 Tagen) @ MCVL
bearbeitet von FranzS., Donnerstag, 17. Oktober 2024, 00:53
Offenbar hat kaum noch jemand die Festschrift zur Orgelweihe im Regal stehen. Ich ziehe die die nächsten Tage mal über den Scanner...
Das wäre natürlich fantastisch. Die Festschrift liegt nicht einmal in der Stadtbibliothek aus. Natürlich bin ich etwas befangen; es war die erste Großorgel die ich gehört und gespielt habe.
Die verlinkte Dupré Aufnahme ist schon interessant. Eigentlich ist es eine der ersten neusinfonischen Universalorgeln deren Typus die 70er-90er Jahre dominiert hat.
"Die Landshuter Dominikaner-Orgel"
MCVL
, Samstag, 19. Oktober 2024, 16:07 (vor 693 Tagen) @ FranzS.
"Die Landshuter Dominikaner-Orgel"
MartinH, Samstag, 19. Oktober 2024, 16:42 (vor 693 Tagen) @ MCVL
bearbeitet von MartinH, Samstag, 19. Oktober 2024, 16:53
Sehr schön, danke. Typisch, aber: Wenn wir das im Organ index verlinken dürfen? Bleiben die dort bestehen? Ansonsten könnte ich es auch gerne auf mein Google Drive laden.
Edit: habe es gleich geOCRt
"Die Landshuter Dominikaner-Orgel"
MCVL
, Samstag, 19. Oktober 2024, 18:17 (vor 693 Tagen) @ MartinH
Sehr schön, danke. Typisch, aber: Wenn wir das im Organ index verlinken dürfen? Bleiben die dort bestehen? Ansonsten könnte ich es auch gerne auf mein Google Drive laden.
Edit: habe es gleich geOCRt
Gerne geschehen. Lade sie doch herunter und stelle sie dann auf OI.
"Die Landshuter Dominikaner-Orgel"
Karl-Bernhardin Kropf
, Rostock, Samstag, 19. Oktober 2024, 18:46 (vor 693 Tagen) @ MCVL
Danke! Zwei Fragen, eine aktuell passend: Aus welchem Material ist das Dach des Gehäuses? Bei der Größe und auf diesem Scan scheinbar makellosen Oberfläche möchte man an eine ....platte denken ;-)
Und zweitens: Wie hat Schmid "damals" seine entlegeneren Obertöne gestimmt? Gab es schon die TLA Stroboskop-Geräte? Nach Gehör wird es ja schon ziemlich schwierig, selbst in der Großen Oktav.
"Die Landshuter Dominikaner-Orgel"
MCVL
, Samstag, 19. Oktober 2024, 19:31 (vor 693 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
Danke! Zwei Fragen, eine aktuell passend: Aus welchem Material ist das Dach des Gehäuses? Bei der Größe und auf diesem Scan scheinbar makellosen Oberfläche möchte man an eine ....platte denken ;-)
Hehehe, nein, das Dach besteht aus gewöhnlichen Sperrholzplatten, die Sichtseiten wurden gespachtelt, geschliffen und mit einem grauen Hochglanzlack gestrichen.
Und zweitens: Wie hat Schmid "damals" seine entlegeneren Obertöne gestimmt? Gab es schon die TLA Stroboskop-Geräte? Nach Gehör wird es ja schon ziemlich schwierig, selbst in der Großen Oktav.
Alles nach Gehör. Gerhard Schmid hat sich zwar die Temperatur des Stimmregisters per Stimmgerät gelegt, alles andere wurde rein nach Gehör gestimmt.
"Die Landshuter Dominikaner-Orgel"
FranzS., Samstag, 19. Oktober 2024, 21:40 (vor 693 Tagen) @ MCVL
Alles nach Gehör. Gerhard Schmid hat sich zwar die Temperatur des Stimmregisters per Stimmgerät gelegt, alles andere wurde rein nach Gehör gestimmt.
Gab es in den 60ern schon Stimmgeräte? bzw. wie lange gibt es sowas eigentlich.
"Die Landshuter Dominikaner-Orgel"
MCVL
, Samstag, 19. Oktober 2024, 21:49 (vor 693 Tagen) @ FranzS.
Alles nach Gehör. Gerhard Schmid hat sich zwar die Temperatur des Stimmregisters per Stimmgerät gelegt, alles andere wurde rein nach Gehör gestimmt.
Gab es in den 60ern schon Stimmgeräte? bzw. wie lange gibt es sowas eigentlich.
Genau kann ich es auch nicht sagen, wann die ersten auf den Markt kamen, aber wir hatten noch eines aus dieser Zeit ungenutzt in einer Ecke des Intonierzimmers stehen. Das war aber, was die Funktionen anbelangt, nicht annähernd mit heutigen Stimmgeräten vergleichbar. Es glich eher einem Messgerät und hatte mindestens die Größe eines Aktenkoffers. Ich wusste lange nicht, was das überhaupt ist, bis ich mal eines Tages nachgefragt habe.
"Die Landshuter Dominikaner-Orgel"
FranzS., Samstag, 19. Oktober 2024, 21:38 (vor 693 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
Und zweitens: Wie hat Schmid "damals" seine entlegeneren Obertöne gestimmt? Gab es schon die TLA Stroboskop-Geräte? Nach Gehör wird es ja schon ziemlich schwierig, selbst in der Großen Oktav.
Ich nehme mal an mit einer Zungenstimme, so tragisch ist das nicht. Ob die Undezime und die -Tredezime in den letzten Tönen noch so stimmt, ist auch nicht weiter relevant.
"Die Landshuter Dominikaner-Orgel"
perotin, Samstag, 19. Oktober 2024, 21:50 (vor 693 Tagen) @ FranzS.
bearbeitet von perotin, Samstag, 19. Oktober 2024, 23:18
Und zweitens: Wie hat Schmid "damals" seine entlegeneren Obertöne gestimmt? Gab es schon die TLA Stroboskop-Geräte? Nach Gehör wird es ja schon ziemlich schwierig, selbst in der Großen Oktav.
Ich nehme mal an mit einer Zungenstimme, so tragisch ist das nicht. Ob die Undezime und die -Tredezime in den letzten Tönen noch so stimmt, ist auch nicht weiter relevant.
Das ist das "unstimmbare Knäuspelzeug"
- so nannte, wenn ich mich recht erinnere, Marco Ellmer in der Vorgängerversion dieses Forums mal die besonders kleinen Pfeifen.
"Die Landshuter Dominikaner-Orgel"
MCVL
, Samstag, 19. Oktober 2024, 21:54 (vor 693 Tagen) @ FranzS.
bearbeitet von MCVL, Samstag, 19. Oktober 2024, 22:13
Und zweitens: Wie hat Schmid "damals" seine entlegeneren Obertöne gestimmt? Gab es schon die TLA Stroboskop-Geräte? Nach Gehör wird es ja schon ziemlich schwierig, selbst in der Großen Oktav.
Ich nehme mal an mit einer Zungenstimme, so tragisch ist das nicht. Ob die Undezime und die -Tredezime in den letzten Tönen noch so stimmt, ist auch nicht weiter relevant.
Genau diese Aussage kam von Geri übrigens selbst hinsichtlich der Reinstimmung dieser Register. : -)
In der Orgel der Kaufbeurer Dreifaltigkeitskirche, die ja ebenfalls mir diesen Registern ausgestattet war, benutzten wir immer den labialen 2' nachdem dieser genau nach dem Stimmregister hingezogen worden war.
Wenn was nicht wirklich zu "erhören" war, wurde auch mal das entsprechend transponiert gegriffene 2'-Register des Nachbarwerks zur Orientierung verwendet. Damit kam man da schon gut zurecht.
"Die Landshuter Dominikaner-Orgel"
FranzS., Samstag, 19. Oktober 2024, 22:02 (vor 693 Tagen) @ MCVL
bearbeitet von FranzS., Samstag, 19. Oktober 2024, 22:08
Ich nehme mal an mit einer Zungenstimme, so tragisch ist das nicht. Ob die Undezime und die -Tredezime in den letzten Tönen noch so stimmt, ist auch nicht weiter relevant.
Genau diese Aussage kam von Geri übrigens selbst hinsichtlich der Reinstimmung dieser Register. : -)
In der Orgel der Kaufbeurer Dreifaltigkeitskirche, die ja ebenfalls mir diesen Registern ausgestattet war, benutzen wir immer den labialen 2' nachdem dieser genau nach dem Stimmregister hingezogen worden war.
Der Kleinpommer ist ja relativ derb; kann mir gut vorstellen, dass das auch geht.
Die Farbwirkung dieser Stimmen entfaltet sich ja eh in der Mittellage. Synthetische Zungen kann man durchaus auch nebenan in St. Martin basteln, die auch Sept, None und Undezime hat. Dort hilf der Raum auch gut mit. In der schallschluckenden Dominikanerkirche ("Kleinpassau") geht das nicht so überzeugend.
"Die Landshuter Dominikaner-Orgel"
MCVL
, Montag, 21. Oktober 2024, 22:06 (vor 691 Tagen) @ FranzS.
Und zweitens: Wie hat Schmid "damals" seine entlegeneren Obertöne gestimmt? Gab es schon die TLA Stroboskop-Geräte? Nach Gehör wird es ja schon ziemlich schwierig, selbst in der Großen Oktav.
Ich nehme mal an mit einer Zungenstimme, so tragisch ist das nicht. Ob die Undezime und die -Tredezime in den letzten Tönen noch so stimmt, ist auch nicht weiter relevant.
Heute habe ich mal jemand gefragt, der es noch live erlebt hat, wie es eigentlich bei einer völligen Generalstimmung bei einem Neubau gehandhabt wurde.
Etwas anders als bei den Nachstimmungen: Stimmregister nach Stimmgerät, 2' nach Stimmregister und dann die kleine Oktave der Undecime/Tredecime etc pp nach dem 2'. Dann wurden die Register innerhalb sich gestimmt. Also beispielsweise c0 der Undecime gehalten und dann C dazugegriffen und gestimmt. Dann eben mit Oktavgriffen weiter. Cis nach cis0, D nach d0 usw., c1 nach c0 bis die ganze Chose dann durch war. Dann wurde nochmal mit dem Kleinpommer überprüft
"Die Landshuter Dominikaner-Orgel"
MartinH, Samstag, 19. Oktober 2024, 19:40 (vor 693 Tagen) @ MCVL
bearbeitet von MartinH, Samstag, 19. Oktober 2024, 19:47
Ist jetzt als Text drin, Bilder muss ich noch irgendwie verlinken. Direkt hochladen auf Commons geht leider nicht wg. Rechten (wäre aber einfach, gäbe es für solche Fälle den oft schon erbetenen Direktupload auf OI).
"Die Landshuter Dominikaner-Orgel"
MCVL
, Samstag, 19. Oktober 2024, 23:10 (vor 693 Tagen) @ MCVL
Ist eigentlich jemandem bei näherer Betrachtung des Bildes "Blick ins Rückpositv" an der typischen Bauweise der Schmid-Schleifladen etwas aufgefallen?
Zur Materialauswahl übrigens:
- Ladenrahmen: Massivholz
- Fundamentbretter: Multiplexplatten
- Schiede und Dämme: Sperrholz
- Ventile: Lärche oder Zeder
- Schleifen: Pertinax
- Stöcke: Massivholz
- Rasterbretter: Buchen- oder Limbasperrholz
- Rasterstützen: Massivholz
- Hochraster: Massivholz
Libau - Frage nach Raum und Orgel
Cmcmcm1
, Ottobrunn, Dienstag, 15. Oktober 2024, 18:14 (vor 697 Tagen) @ Orlos
Johnathan Scott hat eine ganz schöne kurze Orgelvorstellung auf Youtube, in der er auch das System hinter den bunten Registerzügen erklärt. Immerhin hat Grüneberg hier wenigstens mit Farben gearbeitet, wenn die Register sonst aber auch so durcheinander angeordnet sind (wie in Demmin) gehört schon etwas Ortskenntnis dazu, bis man das Gerät blind bedienen kann.
Kurz zusammengefasst: Jede Sektion innerhalb eines Werkes besitzt eine eigene Farbe. Dadurch erinnern die Registerzüge der Koppeln an Trivial Pursuit ;)
Eine weitere schöne Bilderserie und Klangaufnahme findet sich hier
![[image]](https://i.postimg.cc/t41Gtmhv/Scan-20241019.jpg)
![[image]](https://i.postimg.cc/zvd4Tn31/Scan-20241019-2.jpg)
![[image]](https://i.postimg.cc/HkMPLG0m/Scan-20241019-3.jpg)
![[image]](https://i.postimg.cc/kMVHHtVD/Scan-20241019-4.jpg)
![[image]](https://i.postimg.cc/J455Y1QG/Scan-20241019-5.jpg)
![[image]](https://i.postimg.cc/28kZ6n4S/Scan-20241019-6.jpg)
![[image]](https://i.postimg.cc/d3tVqmzM/Scan-20241019-7.jpg)
![[image]](https://i.postimg.cc/LsK4qMr3/Scan-20241019-8.jpg)
![[image]](https://i.postimg.cc/hjMK3Qh2/Scan-20241019-9.jpg)
![[image]](https://i.postimg.cc/FRF4cFG3/Scan-20241019-10.jpg)
![[image]](https://i.postimg.cc/g0s9YFdJ/Scan-20241019-11.jpg)