Bach meets Electro - and Winterhalter?

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Sonntag, 13. Oktober 2024, 09:54 (vor 700 Tagen)
bearbeitet von Karl-Bernhardin Kropf, Sonntag, 13. Oktober 2024, 10:05

Guten Morgen,

bei meiner regelmäßigen kleinen Werkstattwebsitewanderung finde ich bei Winterhalter diesen Eintrag, in dem eine "winterhalter organ tour 2025" angekündigt wird, und zwar mit "Bach meets Electro" = Vera Klaiber an der Orgel, Fernando Lepe Arias und Christian Zimmermann an Klavier & Synthesizer (die letzten beiden wohl auch als "nandman" firmierend).

Bin ja bekanntlich offen für bis angetan von derartigen Dingen und folgte also dem Link auf die Website. Richtig vom Hocker haut mich der "Toccata"-Track nicht. Bei Emerson, Lake & Palmer (unter anderem) war seinerzeit mehr Power drin, dies hier kommt relativ glatt daher und eben perfekt aus der Workstation oder was auch immer. Live stelle ich mir vor, dass es einen ziemlichen akustischen Sprung von der Pfeifenorgel zum restlichen Setup gibt, und je nach Aufstellung und Raumakustik wird man dann das eine oder das andere als "richtig", das übrig bleibende Elemente als etwas überflüssig empfinden.
Im Track "The Dorian" kommt PFeifenorgel gar nicht vor oder ich hab's nicht gemerkt, in "Prelude II" gibt es allerdings Flügel bzw. den Klang akustischen Klaviers, und da ist auch Orgel zu vernehmen (vermutlich aber als Software PlugIn). Die latin-artigen Rhythmen am Anfang wirken interessant. Danach wird es wieder etwas glatter, und der Sequencer regiert. Allerdings bringt der Flügel das Leben rein, das bei "The Dorian" fehlt (und wer eine Zeit lang versucht hat, Digitale Klänge nicht-digital klingen zu lassen, weiß um die Notwendigkeit der Beimischung von "Bio"-Klangmaterial). Nach Temposteigerung bleibt die Klavier-Struktur interessant. Klar wird bei längerem Hören, dass diese Klänge eigentlich wirklich einen Club erfordern oder einen hallarmen Raum. Damit wäre das Projekt also ideal für Saal-Orgeln oder Räume wie z. B. die Kapelle der Potsdamer Garnisonkirche.

Was mich ein wenig irritiert:
Die Textphrasen der Website hat man so schon x-mal gelesen, ich habe selbst welche mal für jemand anderen geschrieben, und Bach hält ja alles aus. Die vorliegende Musik bzw. der Bearbeitungsstil ist gut. Aber nicht herausragend.
Claudius Winterhalter erlebte ich (in seinen Isntrumenten) bisher als berechtigt elitär, perfektionistisch, hoch gediegen. Und da wundert mich die Patenschaft für diese "ewinterhalter organ tour" etwas. Für mich keine Begegnung auf künstlerischer Augenhöhe. Weiß der Südwesten des Forums mnehr dazu?

NB: Ich bezog mich bei den "Tracks" auf die reinen Audio-Dateien, nicht auf die YT-Videos.
EDIT: .....die Videos unterstreichen für mich meine Aussagen. Die Orgel doppelt nur Klänge, die auch elektronisch kommen - nachvollziehbar, denn nur so ist die Synchronizität gewährleistet, der "Punch". Das Video zeigt Lautsprecher vorne bei den Elektrikern, die Orgel, wenn nicht auch noch abmikrophoniert und vorne mit reingemischt, wird zum Fernwerk, zur Farbe, nicht aber zum Gegenüber oder dominierenden Instrument. Falls sie das hätte sein sollen.


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