Rostock, Sankt Marien

Grundstimmenplenum, Sonntag, 06. Oktober 2024, 10:55 (vor 707 Tagen)

Guten Morgen in die Runde,

Am 31. August endete die zweite Stufe des Planungs-Wettbewerbs für das Konzept einer neuen Orgelanlage in Sankt Marien.
Weiß man denn schon näheres?
Einen schönen Sonntag!

Rostock, Sankt Marien

untersatz32, Sonntag, 06. Oktober 2024, 14:49 (vor 707 Tagen) @ Grundstimmenplenum

Ich denke, unser Mann in Sarajewo - KBK - wird sicher zu gegebener Zeit berichten und informieren.

Rostock, Sankt Marien

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Sonntag, 06. Oktober 2024, 16:00 (vor 707 Tagen) @ untersatz32

Am 31. August endete die zweite Stufe des Planungs-Wettbewerbs für das Konzept einer neuen Orgelanlage in Sankt Marien.

Hier konkret geantwortet: Die Abgabefrist wurde einvernehmlich auf 23.9. 18:00 Uhr verlängert. Die finale Preisgerichtssitzung fand am 26.9. statt.
Und: "Neue Orgelanlage" - das ist ein Begriff, der im Falle einer Realisierung nicht richtig, aber wohl auch nicht völlig falsch wäre... - dennoch: Bitte Vorsicht damit!

Ich denke, unser Mann in Sarajewo - KBK - wird sicher zu gegebener Zeit berichten und informieren.

Danke für das Vertrauen!

Die Teilnehmer kennen den Spruch der Jury bereits. Ich habe erste Videoaufnahmen gemacht, um eine Art öffentlichkeitstauglicher Reportage veröffentlichen zu können. Der Protokollentwurf der Preisgerichtssitzung ist nahezu fertig.* Dieses Protokoll muss nach RPW 2013 auch den Teilnehmern ausgehändigt werden und auch sonst späteren Nachfragen juristischer Art standhalten können, mithin gut gemacht sein.
Mit einer Fachzeitschrift gibt es eine lose Vereinbarung, über das Wesen Planungswettbewerb an und für sich und anhand dieser Geschichte auch konkret zu schreiben - was ich aufgrund der gemachten Erfahrungen für sinnvoll hielte, denn dieses im Orgelbau noch fremde Werkzeug des Verfahrensrechts erfordert auf allen Seiten etwas und noch weitere Einübung.

Also: Ich denke, die kommende Woche bringt die Veröffentlichung, die ja dann auch gerade für uns hier, also das fachlich interessierte Publikum, echte Einblicke bringen soll. Momentan scheint mir, dass es nicht klug ist, die teilweise umfangreichen Texte zuzüglich Konstruktionszeichnungen genau so zu veröffentlichen, wie sie uns erreicht haben. Es wird noch eine Aufbereitung erfordern, die aber die wesentlichen Eckdaten und Eigenschaften der in manch inhaltlicher Hinsicht sehr unterschiedlichen Ausarbeitungen wiedergeben muss, ähnlich, wie bei einem Architektur- oder Städtebauwettbewerb.

Was ich sagen kann: Dass die drei Teilnehmer zur Elite des internationalen Orgelbaus gehören, haben sie mit ihren Arbeiten bewiesen. Und ich bin dankbar, dass uns diese Kompetenz trotz lächerlicher Aufwandsentschädigung - auch das eine Erkenntnis dieser Aktion - zur Verfügung gestellt wurde.

So weit okay?

*) Es war auch noch einiges Tagesgeschäft nebenbei, z. B. ein Chor-Orchester-Konzert....

Rostock, Sankt Marien

Max Reger @, Wallfahrtsstadt Kevelaer, Sonntag, 06. Oktober 2024, 16:40 (vor 707 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Karl-Bernhardin Kropf:
Und ich bin dankbar, dass uns diese Kompetenz trotz lächerlicher Aufwandsentschädigung - auch das eine Erkenntnis dieser Aktion - zur Verfügung gestellt wurde.

Na, da sehe ich mich mit meinen seinerzeit gemachten Aussagen post festum doch sehr bestätigt....
"Lächerliche Aufwandsentschädigung" - ich habe es nüchterner und sachlich begründet, aber so deutlich kann man es natürlich auch ausdrücken.....

Rostock, Sankt Marien

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Sonntag, 06. Oktober 2024, 18:36 (vor 707 Tagen) @ Max Reger

Karl-Bernhardin Kropf:
Und ich bin dankbar, dass uns diese Kompetenz trotz lächerlicher Aufwandsentschädigung - auch das eine Erkenntnis dieser Aktion - zur Verfügung gestellt wurde.

Na, da sehe ich mich mit meinen seinerzeit gemachten Aussagen post festum doch sehr bestätigt....
"Lächerliche Aufwandsentschädigung" - ich habe es nüchterner und sachlich begründet, aber so deutlich kann man es natürlich auch ausdrücken.....

Ich werde diese Selbsteinschätzung auch weitertragen, also in der Hoffnung, dass sich da auch mehr tut.
Wraum sich meine Worte heute anders anhören als damals, ist leicht begründet: Es gab in der Ausarbeitung definitiv Überleistungen, oder anders gesagt, rein quantitativ war unsererseits so eine Tiefe nicht erwartet worden. Für das, was wir erwarteten, schien die Summe adäquat.
Wenn ich aber Zeichnungen bekomme, in denen bereits die Ladenbesetzung genau wiedergegeben ist incl. Pfeifenformen/-höhen, plotbar auf A1), betreffend Spielanlagen schon genaue Layouts der Staffeln bzw. Beispiele für mögliches Schalterdesign beigelegt werden, auch Zeichnungen für innovative technische Elemente, und das eingebunden im Falle eines Teilnehmers in 33 Seiten Text/Dispo-Tabellen (nur leicht bebildert) und noch dazu 10 Seiten Zeichnungen... das wäre der Aufwand, den man für ein eigentliches VERGABEverfahren triebe, aber nicht für einen Planungswettbewerb.
Deswegen meine ich ja: Das Werkzeug PW braucht die Einübung des Verständnisses dafür. Auch auf der Auslober-Seite. Mancher Preisrichterwunsch, entweder nachträglich geäußert oder schon in der Auslobung eingearbeitet, wäre eigentlich erst im eigentlichen Vergabe- bzw. Verhandlungsverfahren abzufragen gewesen.
Also, davon hoffentlich bald mehr.

Ein weiteres Instrument aus dem Vergaberecht ist übrigens das Kooperative Verfahren. Hier entwickelt der Auslober mit Bewerbern oder eingeladenen Teilnehmern jeweils deren Konzept im Diskurs. Ab einem gewissen Punkt wird die Entwicklung als abgeschlossen gesehen und es kommt zum Verhandlungsverfahren. Dieses Vorgehen ist in der Kathedrale von Bordeaux gewählt worden, wo eine Handvoll Orgelbauer (4-5 hieß es, glaube ich) eingeladen werden/wurden, Konzepte zu entwickeln, die sie dann in einer öffentlichen Veranstaltung präsentieren. Danach hat die Jury die Möglichkeit, in die eigentlichen Vergabeverhandlungen zu gehen - mit dreien oder vielleicht sogar noch weniger TN. Dieses Vorgehen wie auch der Planungswettbewerb sind dann richtige Mittel, wenn selbst der Auslober nicht ganz sicher ist, wie das Endprodukt eigentlich aussehen soll. Das war in Rostock der Fall.
Und ich hab es hier schon früher geschrieben: Auch wenn jetzt 5 Mio EUR bereit lägen: Keines der drei vorgelegten (und auch mit Preisen versehenen) Konzepte wäre 1:1 in die Umsetzung gekommen. Deshalb ist es gut, dass der Rostocker Wettbewerb als IDEENwettbewerb ausgelobt war, nicht als REALISIERUNGSwettbewerb, an dessen Abschluss tatsächlich üblicherweise mit dem 1. Preisträger Verhandlungen über den Bau aufgenommen werden müssen.
So gibt es dann auch die Möglichkeit zur inhaltlichen Einflussnahme. Und die werde ich innerhalb meiner in einigen Jahren endenden Regelarbeitszeit auch nutzen. Denn meine Zurückhaltung als Wettbewerbsorganisator und Nicht-Preisrichter konnte nun enden.

Rostock, Sankt Marien

Max Reger @, Wallfahrtsstadt Kevelaer, Montag, 07. Oktober 2024, 00:06 (vor 707 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Was man - sofern einen das überhaupt tangiert - immer "auf dem Schirm haben" sollte:
die Werkstätten, die solchen "Einladungen" folgen, stehen unter mehr oder minder handfestem wirtschaftlichen Druck und müssen für ihre Mitarbeiter Aufträge reinholen.
Da besteht also eine wirtschaftliche Notwendigkeit, fallweise sogar ein gewisser Druck, nach Möglichkeit nicht "für umme" sehr viel Arbeitszeit zu investieren.
Und mir wurde aus der Praxis auch bekannt, dass es vereinzelt noch nicht einmal zu einem angemessenen Dank gekommen ist ggü. dem ausgeschiedenen Bewerber.

Jeder Bewerber wird natürlich darauf achten, besonders hervorzustechen aus der Bewerberrunde. Was dann sicherlich zu einem Aufwand jenseits des Gewünschten und Erforderlichen führen wird, um als besonders engagiert zu erscheinen.
Große Werkstätten mit einem entsprechenden Planungsbereich können heutzutage sicherlich auf Daten und Dateien aus früheren Projekten zurückgreifen, die bereits vorliegen und die man relativ zeitgünstig anpassen kann an die Erfordernisse.
Gerald Woehl, für den ich lange Zeit gearbeitet habe und der zumindest früher alles individuell und von Hand gemacht hat, konnte so eine Methode natürlich nicht wählen - dafür warben seine und unsere opera einfach für sich und ein "Kunde in spe" wusste, was ihn erwartete.

Für die nicht zum Zuge kommenden Bewerber bedeutet die leere Hand am Ende eines Verfahrens also neben der (etwas überspitzt formuliert) seelischen Niederlage auch einen gewissen ökonomischen Verlust, der bei anderen Projekten wieder reingeholt werden muss, für den andere Gemeinden aufkommen müssen. Unter anderem deshalb habe ich es immer mit ungutem Gefühl gelesen, wenn Gemeinden eine gewisse Anzahl an Firmen haben antichambrieren lassen und es insbesondere Kirchenmusiker als sehr schmeichelhaft erleben, wie sie umworben werden.
Zeiten, in denen dann diskret (fallweise offensichtlich) auf besondere Weise zum eigenen Vorteil hin nachgeholfen wurde, gehören hoffentlich der Vergangenheit an.

Rostock, Sankt Marien

Orlos @, Montag, 07. Oktober 2024, 00:49 (vor 706 Tagen) @ Max Reger

Für die nicht zum Zuge kommenden Bewerber bedeutet die leere Hand am Ende eines Verfahrens also neben der (etwas überspitzt formuliert) seelischen Niederlage auch einen gewissen ökonomischen Verlust, der bei anderen Projekten wieder reingeholt werden muss, für den andere Gemeinden aufkommen müssen. Unter anderem deshalb habe ich es immer mit ungutem Gefühl gelesen, wenn Gemeinden eine gewisse Anzahl an Firmen haben antichambrieren lassen und es insbesondere Kirchenmusiker als sehr schmeichelhaft erleben, wie sie umworben werden.
Zeiten, in denen dann diskret (fallweise offensichtlich) auf besondere Weise zum eigenen Vorteil hin nachgeholfen wurde, gehören hoffentlich der Vergangenheit an.

Als Kirchenmusiker fand ich es eher unangenehm, wenn mich Orgelbauer umwarben. Manche waren da ziemlich offensiv. Andererseits gab es sehr interessante Telephonate und guten E-Mail-Austausch. Ich hatte ein extrem schlechtes Gewissen, am Ende einer einzigen Firma den Auftrag geben zu müssen und allen anderen abzusagen. Da sind viele Stunden vergeblicher Mühe in das Projekt geflossen. Insofern wäre es sinnvoll, wenn der Orgelsachverständige die Zahl der angefragten Werkstätten begrenzt, damit bei den am Ende erfolglosen Firmen nicht zu viel Zeit verpulvert wird.
Ich habe versucht, individuelle Begründungen zu formulieren, damit die Firmen wenigstens einen Anhaltspunkt bekommen, warum der Auftraggeber sich für eine andere Firma entschieden hat.

Rostock, Sankt Marien

elias.orgel, Montag, 07. Oktober 2024, 08:49 (vor 706 Tagen) @ Orlos

... Insofern wäre es sinnvoll, wenn der Orgelsachverständige die Zahl der angefragten Werkstätten begrenzt, damit bei den am Ende erfolglosen Firmen nicht zu viel Zeit verpulvert wird.

ich erinnere mich noch sehr gut an meine erste (feste) Orgelstelle in Dortmund, die ich kurz nach Beginn des Studiums (und zur Finanzierung desselben) antrat...

für die kleine "Dorfkirche" war ebenfalls ein Neubau geplant welcher ein eher unschönes Instrument von Kemper (II/P ca 10 Register?) ersetzen sollte und für den das Geld komplett bereit stand (ja, solche Gemeinden gibt oder gab es ;-)

natürlich fand ich das sehr aufregend, gleich am Beginn meiner "Karriere" bei einem Orgelneubau involviert zu sein und habe mir viele Gedanken und Pläne gemacht (die wahrscheinlich alle nicht wirklich zu gebrauchen waren...)

zur ersten Sitzung kam der damalige OSV dann mit (so glaube ich) quasi fertig ausgearbeiteten Angeboten von drei Firmen

ich war entsetzt, enttäuscht, ziemlich verärgert und kein Jahr später "weg"
(letzteres natürlich nicht nur aufgrund dieser Geschichte)

ca. 5 Jahre später, als die Orgel für Marten geplant wurde, gab es tatsächlich persönliche Angebote an mich zB eine Reise in die USA, mit Werksbesichtigung, so ich denn für einen entsprechenden Auftrag sorgen würde...

vielleicht hätte ich das annehmen sollen - es wäre mir sicher sehr viel Ärger, Nerven und fast ein Urheberrechtsstreit mit der Gemeinde erspart geblieben ;-)

ob ich in der 21.JhdtComputerCopy&PasteEpoche allerdings die investierte Mühe oder Zeit einer Firma daran messen würde wie viele Seiten Papier (Text oder wie auch immer detaillierte A1 Zeichnungen...) vorgelegt werden...

ich nehme mal an, dass die meisten Orgelbauer freiwillig daran teilgenommen haben und ihre Vorschläge einbringen konnten

noch einmal zur Erinnerung
HBofinger hat zweimal den Wettbewerb für die Messe (Turm) Frankfurt gewonnen

aber

HJahn hat gebaut...

klingt komisch? iss abba so ;-)

--
Orgelspielen heißt: im Sitzen tanzen ...

... für Gott

Orgelentwürfe - war: Rostock, Sankt Marien

Orlos @, Montag, 07. Oktober 2024, 13:44 (vor 706 Tagen) @ elias.orgel

zur ersten Sitzung kam der damalige OSV dann mit (so glaube ich) quasi fertig ausgearbeiteten Angeboten von drei Firmen

Als Jugendlicher habe ich als Hobby Hunderte von Orgeln entworfen. Ich las alle Bücher, die ich bekommen konnte, sammelte Orgelfestschriften und fuhr in den Ferien durch die ganze Republik, um Orgeln kennenzulernen.
Als ich in meiner Gemeinde dann als 19-Jähriger die Orgel planen durfte, meinte der Orgelsachverständige, mich komplett ignorieren zu können. Er entwarf eine ziemlich langweilige Disposition. Es gab eine Sitzung mit ihm, bei der er sich über mich lustig machte. Die Gemeinde stellte sich aber auf meine Seite und gab meine Disposition in Auftrag. Bei der Abnahme war der Sachverständige dann sehr begeistert. Wahrscheinlich dachte er nun, es sei sein Entwurf gewesen. Er galt auch sonst als wenig kompetent.
Die Gemeinde hat mit der Orgel viel Freude, sie wird heuer 30 Jahre alt. Es werden Konzerte darauf gespielt und CDs aufgenommen.
(Nebenbei: Im selben Jahr ist in Wiesbaden eine Klais-Orgel eingeweiht worden, die gerade für viel Geld renoviert wird. Vier Jahre früher (1990) stellte Späth/Ennetach ein Instrument mit altem Material fertig, welches zur Zeit unspielbar ist, die Zukunft ist fraglich. Die Wild-Orgel dagegen ist völlig in Ordnung. Den Wartungsvertrag haben wir vor 20 Jahren auslaufen lassen, weil der Orgelbauer nichts zu warten hatte. Die Zungen stimme ich selbst, ansonsten fällt nichts an, da die Labialpfeifen auf Länge geschnitten sind. Die Mechanik ist absolut solide.)

Orgelentwürfe - war: Rostock, Sankt Marien

elias.orgel, Montag, 07. Oktober 2024, 17:49 (vor 706 Tagen) @ Orlos

Als Jugendlicher habe ich als Hobby Hunderte von Orgeln entworfen. Ich las alle Bücher, die ich bekommen konnte, sammelte Orgelfestschriften und fuhr in den Ferien durch die ganze Republik, um Orgeln kennenzulernen.

abgesehen davon, dass ich (leider) nicht durch die ganze Republik reisen konnte...
kommt mir der Rest irgendwie bekannt vor ;-)

irgendwo muss ich noch ganze Aktenordner mit mehr oder weniger geglückten ProspektEntwürfen etc herumliegen haben

im Studium hatten wir einen Prof der immer großen Wert darauf gelegt hat, dass in einem "schönen" Wohnraum Platz für zwei Flügel sein sollte und ich habe ihm regelmäßig eine Orgel und ein Cembalo "verkaufen" können...

tatsächlich ist in dieser Zeit auch der Spieltisch für Marten entstanden, welcher von oben erwähntem OSV für sehr praktisch und "viel zu schade, da oben auf der Empore" (wo man ihn nicht sieht) befunden wurde...

meine erste Gemeinde hatte viel Pech mit dem OrgelNeubau und sei 2011 eine "kleine" von Klais
Orgel Do Brechten St Johann Baptist

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... für Gott

Orgelentwürfe - war: Rostock, Sankt Marien

Gast @, Montag, 07. Oktober 2024, 20:21 (vor 706 Tagen) @ Orlos

(Nebenbei: Im selben Jahr ist in Wiesbaden eine Klais-Orgel eingeweiht worden, die gerade für viel Geld renoviert wird. Vier Jahre früher (1990) stellte Späth/Ennetach ein Instrument mit altem Material fertig, welches zur Zeit unspielbar ist, die Zukunft ist fraglich. Die Wild-Orgel dagegen ist völlig in Ordnung. Den Wartungsvertrag haben wir vor 20 Jahren auslaufen lassen, weil der Orgelbauer nichts zu warten hatte. Die Zungen stimme ich selbst, ansonsten fällt nichts an, da die Labialpfeifen auf Länge geschnitten sind. Die Mechanik ist absolut solide.)

Koennte es nicht einfach so gewesen sein, dass die Gemeinden sich - entgegen des Emphelung vom OSV - fuer die «Billigste» Loesung entschieden haben?

Wiesbaden - war: Rostock, Sankt Marien

MCVL @, Montag, 07. Oktober 2024, 20:34 (vor 706 Tagen) @ Orlos
bearbeitet von MCVL, Montag, 07. Oktober 2024, 20:42

(Nebenbei: Im selben Jahr ist in Wiesbaden eine Klais-Orgel eingeweiht worden, die gerade für viel Geld renoviert wird. Vier Jahre früher (1990) stellte Späth/Ennetach ein Instrument mit altem Material fertig, welches zur Zeit unspielbar ist, die Zukunft ist fraglich.

Mal eine Frage: gab es da eigentlich eine Vorgängerkirche/Notkirche oder irgend etwas in der Art? Späth hat nämlich auf dem Werkverzeichnis 1914 ein kleines Instrument mit fünf Registern für Wiesbaden aufgelistet, an dem ich mir bisher die Zähne ausgebissen habe...

Wiesbaden - war: Rostock, Sankt Marien

fluteceleste @, Dienstag, 08. Oktober 2024, 20:11 (vor 705 Tagen) @ MCVL

Hier steht was von einer Notkirche, aber das war anno 1924..
https://www.bonifatius-wiesbaden.de/aktuelles/nachrichten/2021/11/13/die-elli-wird-hundert

Orgelentwürfe - war: Rostock, Sankt Marien

jori @, Montag, 07. Oktober 2024, 21:42 (vor 706 Tagen) @ Orlos
bearbeitet von jori, Montag, 07. Oktober 2024, 21:46

Als 24 jähriger habe ich unsere Eule, Baujahr 1986 mit planen dürfen. Nach 12jähriger Wartezeit stand sie da und begeistert heute noch. Eine Renovierung ist in den nächsten Jahren nicht nötig.

Orgelentwürfe - war: Rostock, Sankt Marien

hardy @, Dienstag, 08. Oktober 2024, 23:04 (vor 705 Tagen) @ Orlos

Gibt es die Firma Wild noch? Eine Homepage o. ä. finde ich dazu nicht.
(BTW: als ich vor 11 Jahren Angebote für die Reinigung unserer Karl Schuke (Baujahr 1970) einholte empfahl ein Orgelbauer vorab schonmal den Austausch einiger Teile, die in der damals nächsten Zeit wahrscheinlich kaputt gingen. Ventilbeläge usw. Das haben wir aber nicht gemacht und es ist auch immer noch nichts kaputt gegangen. Das Instrument ist außerordentlich solide)

Orgelentwürfe - war: Rostock, Sankt Marien

Orlos @, Mittwoch, 09. Oktober 2024, 08:04 (vor 704 Tagen) @ hardy

Gibt es die Firma Wild noch? Eine Homepage o. ä. finde ich dazu nicht.

Nein, Herr Wild hat seine Tätigkeit beendet. Leider. Er hat gute Orgeln gebaut.

Rostock, Sankt Marien

Gast @, Montag, 07. Oktober 2024, 15:10 (vor 706 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Und ich hab es hier schon früher geschrieben: Auch wenn jetzt 5 Mio EUR bereit lägen: Keines der drei vorgelegten (und auch mit Preisen versehenen) Konzepte wäre 1:1 in die Umsetzung gekommen. Deshalb ist es gut, dass der Rostocker Wettbewerb als IDEENwettbewerb ausgelobt war, nicht als REALISIERUNGSwettbewerb, an dessen Abschluss tatsächlich üblicherweise mit dem 1. Preisträger Verhandlungen über den Bau aufgenommen werden müssen.

Was ich ziemlich interessant finde und im Orgelbau doch eher neu ist, ist die Trennung zwischen dem kuenstlerischen Kreativprozess und der Handwerklichen Ausfuehrung.

Waere es ein Architekturwettbewerb, waere der weitere Weg vermutlich folgender:
Ihr wuerdet euch jetzt mit dem Sieger zusammensetzen, so dass der (natuerlich bezahlt!) die Idee so weit ueberarbeiet, so dass nicht nur eure spezifischere Wuensche, sondern auch Sachzwaenge (Bauverordnung, Statik…) beruecksichtigt sind.
Am Ende steht dann ein durchaus detaljierter Plan, der 1:1 umsetzbar waere.
Erst DANN wuerde der eigentliche Bau (Gesammelt oder in Einzelgewerken) zur Ausfuehrung ausgeschrieben.

Ist das undenkbar im Orgelbau?
Beim Bau schreibt man ja auch nicht «Wir haetten gerne 1St. Haus, kommt gerne mit Vorschlaegen auf eure Kosten…. :-))

Planungswettbewerbe, war: Rostock, Sankt Marien

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Montag, 07. Oktober 2024, 17:38 (vor 706 Tagen) @ Gast

Was ich ziemlich interessant finde und im Orgelbau doch eher neu ist, ist die Trennung zwischen dem kuenstlerischen Kreativprozess und der Handwerklichen Ausfuehrung.

Waere es ein Architekturwettbewerb, waere der weitere Weg vermutlich folgender:
Ihr wuerdet euch jetzt mit dem Sieger zusammensetzen, so dass der (natuerlich bezahlt!) die Idee so weit ueberarbeiet, so dass nicht nur eure spezifischere Wuensche, sondern auch Sachzwaenge (Bauverordnung, Statik…) beruecksichtigt sind.
Am Ende steht dann ein durchaus detaljierter Plan, der 1:1 umsetzbar waere.
Erst DANN wuerde der eigentliche Bau (Gesammelt oder in Einzelgewerken) zur Ausfuehrung ausgeschrieben.

Ist das undenkbar im Orgelbau?
Beim Bau schreibt man ja auch nicht «Wir haetten gerne 1St. Haus, kommt gerne mit Vorschlaegen auf eure Kosten…. :-))

Ja, im Prinzip ist das der Weg. Es kommt halt die Besonderheit dazu, dass der Orgelbau normalerweise nicht die Trennung von Planung und Bau kennt. Angelehnt an Architektur könnte ich jetzt mit Konstruktionszeichnungen von z. B. Rieger zu z. B. Skrabl gehen (und noch zwei anderen Firmen) und mir die Ausführung der Pläne anbieten lassen, dann den billigsten nehmen (oder den mit dem "wirtschaftlich besten" Angebot). Dadurch hebt sich der Planungswettbewerb vom Verhandlungsverfahren nicht so stark ab wie in der Bauwirtschaft, wo einer plant und ein anderer baut, und zwar grundsätzlich.

Die Sachzwänge sollten in einem seriösen Wettbewerb berücksichtigt sein. Rahmenordnungen und Vorschriften werden üblicherweise als begleitende Unterlagen benannt oder zur Verfügung gestellt. Wer möchte 30 Tonnen Orgel planen, wenn Wand oder Empore nur 20 tragen können...

Planungswettbewerbe, war: Rostock, Sankt Marien

elias.orgel, Montag, 07. Oktober 2024, 17:59 (vor 706 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
bearbeitet von elias.orgel, Montag, 07. Oktober 2024, 18:02

Ist das undenkbar im Orgelbau?
Beim Bau schreibt man ja auch nicht «Wir haetten gerne 1St. Haus, kommt gerne mit Vorschlaegen auf eure Kosten…. :-))


Ja, im Prinzip ist das der Weg. Es kommt halt die Besonderheit dazu, dass der Orgelbau normalerweise nicht die Trennung von Planung und Bau kennt.

.
.
in Amsterdam (Orgelpark) ist die Utopa barock Orgel mit der Vorgabe gebaut worden, dass sie nicht vom Orgelbauer selbst, sondern von einem "fremden" Spezialisten intoniert wird...

und soweit ich weiß, fertigen auch nicht alle Orgelbaufirmen alle Einzelteile
bis hin zu ganzen Pfeifen (siehe swr Video ;-)

und es gibt Menschen die entwerfen "nur" den Prospekt oder den Spieltisch...
.
.
und was mache ich, wenn Ahrend partout keine SetzerAnlage bauen will...

--
Orgelspielen heißt: im Sitzen tanzen ...

... für Gott

Planungswettbewerbe, war: Rostock, Sankt Marien

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Montag, 07. Oktober 2024, 23:43 (vor 706 Tagen) @ elias.orgel

in Amsterdam (Orgelpark) ist die Utopa barock Orgel mit der Vorgabe gebaut worden, dass sie nicht vom Orgelbauer selbst, sondern von einem "fremden" Spezialisten intoniert wird...

und soweit ich weiß, fertigen auch nicht alle Orgelbaufirmen alle Einzelteile
bis hin zu ganzen Pfeifen (siehe swr Video ;-)

und es gibt Menschen die entwerfen "nur" den Prospekt oder den Spieltisch...
.
.
und was mache ich, wenn Ahrend partout keine SetzerAnlage bauen will...

Die Utopa-Orgel wurde auf vier Unternehmen/Experten verteilt, wenn man Sinua mitzählt. Das hatte einerseits den Grund, maximale Kompetenz in Einzelbereichen zusammen zu führen, und andererseits war es von Hans Fidom ein ganz guter Trick, die Sache gestalterisch in der Hand zu behalten, weil kein einzelner OB Dominanz entwickeln konnte. Er hat mir Ähnliches empfohlen.

Selbstbau: Hat Vorteile, aber natürlich ist Zugekauftes nicht gleich schlechter, nur weil es zugekauft ist. Nehmen wir die Luftfahrt: Bei den meisten Airbus-Jets kann man sich aussuchen, ob die Triebwerke von General Electric oder Rolls Royce (bzw. den jeweiligen NAchfolge- oder auch anderen Unternehmen) sind.
Auch werden die Fahrwerkshersteller immer separat ausgewiesen, auch mit einem gewissen Stolz, das Unternehmen als Zulieferer gewonnen zu haben. Gleiches gilt für die Cockpit-Systeme.

Planungswettbewerbe, war: Rostock, Sankt Marien

Gast @, Montag, 07. Oktober 2024, 20:01 (vor 706 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Ja, im Prinzip ist das der Weg. Es kommt halt die Besonderheit dazu, dass der Orgelbau normalerweise nicht die Trennung von Planung und Bau kennt. Angelehnt an Architektur könnte ich jetzt mit Konstruktionszeichnungen von z. B. Rieger zu z. B. Skrabl gehen (und noch zwei anderen Firmen) und mir die Ausführung der Pläne anbieten lassen, dann den billigsten nehmen (oder den mit dem "wirtschaftlich besten" Angebot). Dadurch hebt sich der Planungswettbewerb vom Verhandlungsverfahren nicht so stark ab wie in der Bauwirtschaft, wo einer plant und ein anderer baut, und zwar grundsätzlich.

Es ist mir grade etwas peinlich :-}
Aber kannst du den letzten Satz bitte etwas praezisieren/umformulieren? (Dessverre forstår jeg ikke helt hva du egentlig mener? -P )

Ansonsten kennen wir alle die «Zubehoerteileaufsteller» der 60/70er Jahre, individualiserte Spieltische wurden bereits vor 100 Jahren gerne eingekauft. Nach dem EU-Transparenzgesetz ist mittlerweile auch klar und akzeptiert, dass selbst rennomierte Betriebe - aus verschiedensten Gruenden! - gerne mal hier oder dort individualisert Subunternehmen hinzuziehen.
Eine Trennung zwischen Konzeption/Planung und Ausfuehrung waere die logische Weiterentwicklung davon - allerdings auch eine regelrechte «Bombe» mit bisher unbekannten Auswirkungen auf die Orgelbauszene.

Das andere ist natuerlich die Frage, bis auf welches Detailniveau man eine derartige Planung herunterbricht?
Der Architekt meiner Kirche z.B. War sich auf jeden Fall nicht schade, z.B. Fuer Wasserhaehne Messings als Material einzufordern!
Resultat: Gesamtheitlich gut gedacht, da auch beim liturgischen Inventar konsequent angewendet. Problem ist nur: Das muss auf Toiletten und in der Kueche regelmessig geputzt werden … -O
(Da koennte ich noch einiges anderes erzaehlen - das waere aber eher ein eigenstaendiger Thread :-) )

Die Sachzwänge sollten in einem seriösen Wettbewerb berücksichtigt sein. Rahmenordnungen und Vorschriften werden üblicherweise als begleitende Unterlagen benannt oder zur Verfügung gestellt. Wer möchte 30 Tonnen Orgel planen, wenn Wand oder Empore nur 20 tragen können...

Das ist zu offensichtlich :-)
Die Firmen haben natuerlich Erfahrungswerte (wie auch Architekten oder die Bauwirtschaft) die Sie hier ansetzen koennen.
Fuer einen Planungswettbewerb denke ich nicht, dass die das dafuer genau berechnet haben?
Grade bei deinem historischen Material (Staenderwerk, Prospekt, Windladen, Mixturen) rechne ich damit, dass etliches erst in der «Nachwettbewerbsphase» im Detail erarbeitet und abgeklaert werden kann. (Das faellt dann doch noch unter «Saechzwaenge» :) )


NB: was sagt eigentlich der obligatorische OSV deiner Landeskirche zum Verfahren? .-?

Planungswettbewerbe, war: Rostock, Sankt Marien

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Montag, 07. Oktober 2024, 23:56 (vor 706 Tagen) @ Gast

Ja, im Prinzip ist das der Weg. Es kommt halt die Besonderheit dazu, dass der Orgelbau normalerweise nicht die Trennung von Planung und Bau kennt. Angelehnt an Architektur könnte ich jetzt mit Konstruktionszeichnungen von z. B. Rieger zu z. B. Skrabl gehen (und noch zwei anderen Firmen) und mir die Ausführung der Pläne anbieten lassen, dann den billigsten nehmen (oder den mit dem "wirtschaftlich besten" Angebot). Dadurch hebt sich der Planungswettbewerb vom Verhandlungsverfahren nicht so stark ab wie in der Bauwirtschaft, wo einer plant und ein anderer baut, und zwar grundsätzlich.


Es ist mir grade etwas peinlich :-}
Aber kannst du den letzten Satz bitte etwas praezisieren/umformulieren? (Dessverre forstår jeg ikke helt hva du egentlig mener? -P )

Jeg vill forsøge at hjelpe! (Förlåt/ondskyld, jeg snakker kun dansk och pratar svenska, men kan inget norsk :-)

Ich wollte sagen:
Beim Orgel-Planungswettbewerb MIT Realisierung wäre es ja eigentlich fast wie ein Verhandlungsverfahren, nur mit weniger Vorgaben vielleicht. Die Teilnehmer reichen ihre Konzepte ein, einer gewinnt und darf bauen.
Im Orgelbau ist der PW OHNE Realisierung interessant, weil die Teilnehmer sich trotzdem bemühen, obwohl möglicherweise gar nicht gebaut werden wird.

Ansonsten kennen wir alle die «Zubehoerteileaufsteller» der 60/70er Jahre, individualiserte Spieltische wurden bereits vor 100 Jahren gerne eingekauft. Nach dem EU-Transparenzgesetz ist mittlerweile auch klar und akzeptiert, dass selbst rennomierte Betriebe - aus verschiedensten Gruenden! - gerne mal hier oder dort individualisert Subunternehmen hinzuziehen.
Eine Trennung zwischen Konzeption/Planung und Ausfuehrung waere die logische Weiterentwicklung davon - allerdings auch eine regelrechte «Bombe» mit bisher unbekannten Auswirkungen auf die Orgelbauszene.

Die Sachzwänge sollten in einem seriösen Wettbewerb berücksichtigt sein. Rahmenordnungen und Vorschriften werden üblicherweise als begleitende Unterlagen benannt oder zur Verfügung gestellt. Wer möchte 30 Tonnen Orgel planen, wenn Wand oder Empore nur 20 tragen können...


Das ist zu offensichtlich :-)
Die Firmen haben natuerlich Erfahrungswerte (wie auch Architekten oder die Bauwirtschaft) die Sie hier ansetzen koennen.
Fuer einen Planungswettbewerb denke ich nicht, dass die das dafuer genau berechnet haben?
Grade bei deinem historischen Material (Staenderwerk, Prospekt, Windladen, Mixturen) rechne ich damit, dass etliches erst in der «Nachwettbewerbsphase» im Detail erarbeitet und abgeklaert werden kann. (Das faellt dann doch noch unter «Saechzwaenge» :) )

Nja: Eine Stadt plant auf einer großen Brachfläche am Rand ein Wohngebiet mit mehrgeschossiger Bebauung. Da darf man erwarten, dass die Probebohrungen zur Ermittlung der Bodeneigenschaften stattfanden, eventuell sogar eine Vorerschließung (Strom, Gas, Straße in die Nähe etc.). Fehlen entsprechende Nachweise, kann ein Wettbewerbsteilnehmer natürlich entsprechende Gebäude planen, die dann aber nicht errichtet werden könnten. Wäre aber peinlich für die Stadt.

Die Statik unserer Orgel bzw. Empore und der umbegebenden Zonen wurde für über 18.000 Euro berechnet und muss nach Stand März 2024 ca. 113.000 Euro aufgearbeitet werden (das bezieht auch Bereiche der Gebläseanlage im Turm ein). Grundsätzliche Tragfähigkeit ist aber reichlich gegeben. Hätten wir das zur Auslobung nicht gewusst, hätten wir eine Warnung ("vorbehaltlich statischer Unbedenklichkeit") ergänzt.


NB: was sagt eigentlich der obligatorische OSV deiner Landeskirche zum Verfahren? .-?

Der ist Angehöriger der ersten und der zweiten Orgelkommission und war einer der Fachpreisrichter im Wettbewerb.

Planungswettbewerbe

Gast @, Mittwoch, 09. Oktober 2024, 21:10 (vor 704 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
bearbeitet von Gast, Mittwoch, 09. Oktober 2024, 21:21

Jeg vill forsøge at hjelpe! (Förlåt/ondskyld, jeg snakker kun dansk och pratar svenska, men kan inget norsk :-)

Hehe, likevel takk, nå har jeg forstått :-)
(Ich habe nur Probleme, die Daenen zu verstehen - die reden immer so, als ob Sie eine heisse Kartoffel im Mund haetten :-) )

Beim Orgel-Planungswettbewerb MIT Realisierung wäre es ja eigentlich fast wie ein Verhandlungsverfahren, nur mit weniger Vorgaben vielleicht. Die Teilnehmer reichen ihre Konzepte ein, einer gewinnt und darf bauen.
Im Orgelbau ist der PW OHNE Realisierung interessant, weil die Teilnehmer sich trotzdem bemühen, obwohl möglicherweise gar nicht gebaut werden wird.

Ich bin grade mal die Ausschreibungen der letzen Jahre im norwegischen Ausschreibungsportal durchgegangen. Das meiste im ueblichen zweistufigen Verhandlungsverfahren (was im Grunde ja eigentlich nicht verkehrt ist); mir sind aber tatsaechlich zwei Projekte (Natuerlich in deutlich kleineren Dimensionen) aufgefallen, wo ein PW durchaus Sinn ergeben haette.

Beides waren Projekte, wo es eine sehr deutliche Diskrepanz zwischen Sachzwaengen und Nutzung/Erwartungen gab, die mit «konventionellen» Konzepten eigentlich nicht wirklich mehr zu loesen ist.
Nur: Diese Orgelgroesse ist fuer die Anbieter, die so etwas ueberzeugend leisten koennten, nicht interessant, weil die sehr individuelle Planung/Konzeption vermutlich die komplette Marge auffrisst/bzw. sie einfach preislich nicht mehr konkurrenzfaehig sein koennen, wenn Sie sich auf diese Vorgaben wirklich einlassen.

Auch bei kleineren Orgeln koennte es daher von Vorteil sein, Konzeption/«Grobplanung» vom eigentlichen Bau zu trennen um das «Know-How» zu bekommen?

NB: Die formale Qualitaet der Ausschreibungen ist sehr schwankend… Bei kleineren Projekten/Kommunen wird auch gerne mal vergessen, den Gewinner der Ausschreibung auch oeffentlich bekanntzugeben :-P

Nja: Eine Stadt plant auf einer großen Brachfläche am Rand ein Wohngebiet mit mehrgeschossiger Bebauung. Da darf man erwarten, dass die Probebohrungen zur Ermittlung der Bodeneigenschaften stattfanden, eventuell sogar eine Vorerschließung (Strom, Gas, Straße in die Nähe etc.). Fehlen entsprechende Nachweise, kann ein Wettbewerbsteilnehmer natürlich entsprechende Gebäude planen, die dann aber nicht errichtet werden könnten. Wäre aber peinlich für die Stadt.

Das Problem ist dabei, dass man technisch tatsaechlich einen Wolkenkratzer auf eine Wanderduene bauen koennte - dauert halt nur etwas laenger und wird extrem viel teurer als geplant :-)
(Und wahrscheinlich passiert so etwas deutlich oefters als man denkt - ich sage jetzt mal nur BER oder Stuttgart 21 :-O )

Ueber die Gruende kann man gut spekulieren - oft ist es aber politisch gewollt, Preise so niedrig wie nur moeglich zu Halten.
(Warum sollen wir fuer unser dreigeschossiges Altersheim eine Bodenanalyse machen, wenn 50m weiter ein Privater einen 6-Etagen-Wohnblock hochgezogen hat? Kostet ja nur Geld…)

Die Statik unserer Orgel bzw. Empore und der umbegebenden Zonen wurde für über 18.000 Euro berechnet und muss nach Stand März 2024 ca. 113.000 Euro aufgearbeitet werden (das bezieht auch Bereiche der Gebläseanlage im Turm ein). Grundsätzliche Tragfähigkeit ist aber reichlich gegeben. Hätten wir das zur Auslobung nicht gewusst, hätten wir eine Warnung ("vorbehaltlich statischer Unbedenklichkeit") ergänzt.

Sehr verstaendlich!
Haette es eigentlich Auswirkungen gehabt, wenn jemand vorgeschlagen haette, die Orgel selbsttragend an Wand oder Decke zu haengen und einfach um das «alte Zeugs» herumzubauen :-? B-}

NB: was sagt eigentlich der obligatorische OSV deiner Landeskirche zum Verfahren? .-?

Der ist Angehöriger der ersten und der zweiten Orgelkommission und war einer der Fachpreisrichter im Wettbewerb.

Die Frage ist tatsaechlich, inwieweit das eher «monopolistisch» gepraegte OSV-Wesen der Kirchen ueberhaupt noch zeitgemaess ist? (In Skandinavien ist es ueblich, dass sich die Gemeinden ihren/ihre Fachberater in solchen Projekten selbst aussuchen)

Planungswettbewerbe

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Donnerstag, 10. Oktober 2024, 01:19 (vor 703 Tagen) @ Gast

Die Frage ist tatsaechlich, inwieweit das eher «monopolistisch» gepraegte OSV-Wesen der Kirchen ueberhaupt noch zeitgemaess ist? (In Skandinavien ist es ueblich, dass sich die Gemeinden ihren/ihre Fachberater in solchen Projekten selbst aussuchen)

Unsrem Wettbewerb ging ja die Gründung einer Orgelkommission nach diesem (kirchlichen) Gesetz voraus. Schon dort heißt es, dass zusätzlich zum zuständigen OSV zwei (bisher) nicht mit dem Projekt befasste OSV hinzuzuziehen sind. Ob ich sie anfragte oder vom kirchlichen Baudezernat zur Mitwirkung aufgerufen wurde, weiß ich nicht mehr. Der Ansatz ist gut, inhaltliche Solo-Touren sind damit schon mal erschwert.
Der zuständige OSV war schon in der Vorgängerkommission sowie ein weiterer aus Süddeutschland. So enthält die zweite Kommission, da die erste in ihr aufging, vier OSV.
Inhaltlich war diese Pluralität bisher nicht das Problem, wohl aber organisatorisch (Terminfindung), da es sich durchweg um vielbeschäftigte Herren handelt.
Diese Kommissionen werden "zur Beratung" gebildet, nicht aber zur Beschlussfassung. Ich lese das so, dass nur der zuständige OSV einverstanden sein muss mit dem, was die Gemeinde (oder ihr spinnerter Kantor) vorhat.

Planungswettbewerbe, war: Rostock, Sankt Marien

Orgelfritze, Dienstag, 08. Oktober 2024, 14:55 (vor 705 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
bearbeitet von Orgelfritze, Dienstag, 08. Oktober 2024, 15:02

Wäre interessant, wenn jemand mal die Zeit (und Lust) hätte, solche Prozesse tiefgehend einer Analyse mit dem Fokus auf Ästhetik und Soziologie zu untersuchen. Dieses Vorgehen ordnet sich ja durchaus in Logiken der (eigentlich ausklingenden) organisierten Moderne und Spätmoderne ein und karikiert eigentlich den Letzterer anhaftenden Zug zum Singulären und Kreativen, bzw. tut es das natürlich eigentlich nicht, wenn man die Arbeitsteilung Kreations- und Herstellungsprozess für sich zum Ideal erhebt. Dieses ist bei Sitzmöbeln natürlich der Normalzustand, für den Orgelbau halte ich es zumindest für hinterfragenswürdig. In der sichtbaren Freude an Rationalisierung und Bürokratisierung geht zumindest zeitweise beim Mitlesen etwas der Aspekt verloren, bei einer Orgel könnte es sich eventuell doch um ein künstlerisches Objekt und nicht nur um einen Gebrauchsgegenstand handeln.

Das meine ich übrigens nicht despektierlich und weiß natürlich, dass es das Ziel ist, am Ende des Weges in St. Marien "tollen Klang" zu haben. Aber dieses Verfahren sagt mehr über die Branche aus, als dass es "eben nur mal etwas Anderes/Neues" ist. Wäre durchaus untersuchungswürdig, denn solche Such- und Selbstfindungsprozesse zwischen Logiken des Allgemeinen und Besonderen gab es im Orgelbau ja schon mehrfach, um es in den größeren Zusammenhang Technikgeschichte/-soziologie zu stellen. Mal über den Tellerrand des Orgelkosmos hinausgeblickend untersucht hat das bisher leider noch keiner.

Planungswettbewerbe, war: Rostock, Sankt Marien

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Dienstag, 08. Oktober 2024, 16:18 (vor 705 Tagen) @ Orgelfritze

Wäre interessant, wenn jemand mal die Zeit (und Lust) hätte, solche Prozesse tiefgehend einer Analyse mit dem Fokus auf Ästhetik und Soziologie zu untersuchen. Dieses Vorgehen ordnet sich ja durchaus in Logiken der (eigentlich ausklingenden) organisierten Moderne und Spätmoderne ein und karikiert eigentlich den Letzterer anhaftenden Zug zum Singulären und Kreativen, bzw. tut es das natürlich eigentlich nicht, wenn man die Arbeitsteilung Kreations- und Herstellungsprozess für sich zum Ideal erhebt. Dieses ist bei Sitzmöbeln natürlich der Normalzustand, für den Orgelbau halte ich es zumindest für hinterfragenswürdig. In der sichtbaren Freude an Rationalisierung und Bürokratisierung geht zumindest zeitweise beim Mitlesen etwas der Aspekt verloren, bei einer Orgel könnte es sich eventuell doch um ein künstlerisches Objekt und nicht nur um einen Gebrauchsgegenstand handeln.

Das meine ich übrigens nicht despektierlich und weiß natürlich, dass es das Ziel ist, am Ende des Weges in St. Marien "tollen Klang" zu haben. Aber dieses Verfahren sagt mehr über die Branche aus, als dass es "eben nur mal etwas Anderes/Neues" ist. Wäre durchaus untersuchungswürdig, denn solche Such- und Selbstfindungsprozesse zwischen Logiken des Allgemeinen und Besonderen gab es im Orgelbau ja schon mehrfach, um es in den größeren Zusammenhang Technikgeschichte/-soziologie zu stellen. Mal über den Tellerrand des Orgelkosmos hinausgeblickend untersucht hat das bisher leider noch keiner.

Danke! Da möchte ich gerne reagieren, weil es ein interessanter Blick auf die Sache ist:

Der gefühlte und tatsächliche Zwang zu einem Verfahren, welches dem staatlichen und damit auch dem EU-Vergaberecht entspricht, hat schlicht auch damit zu tun, dass eine Körperschaft öffentlichen Rechts (Kirche) Kunde ist und öffentliches Geld (Fördermittel aus Staats- oder EU-Mitteln, wobei dies manchmal zusammenfällt, wenn ein Landes- oder Bundes-Wirtschaftsministerium EU-Gelder durchreicht oder eben auch nicht) eine Rolle spielen könnte, wie auch hier. NB: Es gibt hier noch keinerlei Zusagen, aber wir kennen ja mehrere aus EU-Mitteln mitfinanzierte Orgelprojekte.
Viel schöner, und das tatsächlich, wäre, wenn ein Auftraggeber sich seinen Lieblingsmeister ausguckt und die beiden klabüsern das Projekt aus, so wie (zumindest scheinbar) früher.
In der VOB, der Vergabeordnung für Bauleistungen, gibt es sogar folgenden Passus unter § 3a.3:

(3) Das Verhandlungsverfahren ohne Teilnahmewettbewerb ist zulässig, wenn die Leistungen aus einem der folgenden Gründe nur von einem bestimmten Unternehmen erbracht werden können:
a)
Erschaffung oder Erwerb eines einzigartigen Kunstwerks oder einer einzigartigen künstlerischen Leistung als Ziel der Auftragsvergabe;

Das wäre der Fall, wenn man Orgelbau als Kunstwerkbeschaffung ansähe. Also, es wäre möglich!
Wenn aber ein Auftraggeber so handeln würde, passiert vermutlich der zweite, sehr "beliebte" Teil des Verfahrensrechts: Die Klage unterlegener Mitbewerber. In großer Angst vor diesem Mittel sichern sich Kommunen etc. so weit wie möglich ab und blühen die auf Vergaberecht spezialisierten Kanzleien. Kleiner Formfehler und schwupps - Neustart.

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