Hallo!
Vielleicht hat es der eine oder andere über facebook ja schon mitbekommen: Der US-amerikanische Organist Timothy Tikker, der sich seit Jahrzehnten intensiv für die Orgelmusik Tournemires einsetzt, hat bei Raven Records eine Neuaufnahme des Zyklus "Sept Chorals-Poèmes pour les Sept Paroles du Xrist" und des "Triple Choral" vorgelegt.
Aufgenommen wurde an einer 1936 / 1960 Michel-Merklin et Kuhn-Orgel, die 2023 von Michael Jurine restauriert wurde und sich in der Église Saint-Bonaventure, Lyon, befindet. Dank der Größe und auch zwei Schwellwerken bietet sie alles, was Tournemire in der Partitur verlangt.
Die umfangreichen und informativen Booklettexte von Tikker und die Disposition der Orgel sind über den Link zu bekommen. Tikker hat für die Einspielung intensive Quellenstudien gemacht und so den einen oder anderen Dreckfuhler korrigieren können.
Aufgenommen wurde durch nicht geringeren als Christoph Frommen, also auch in technischer Hinsicht ein Hörgenuss. Ein Mitforist sorgte für die richtigen Klangwechsel.
Die Aufnahme wird in Europa nicht ganz so einfach zu bekommen sein. Aber es lohnt sich.
Gruß
Karsten
Neuaufnahme Tournemires "Sept Paroles"
Orlos
, Mittwoch, 14. August 2024, 14:33 (vor 760 Tagen) @ Karsten
bearbeitet von Orlos, Mittwoch, 14. August 2024, 14:38
Die Aufnahme wird in Europa nicht ganz so einfach zu bekommen sein. Aber es lohnt sich.
Ich will gar nichts zur Qualität der Aufnahme sagen, aber ob sich Tournemire lohnt? Ich kenne ein paar Stücke von ihm, die meisten finde ich zwar irgendwie mystisch, aber nicht interessant anzuhören.
Zudem ist unsere heutige katholische Messe doch arg weit entfernt von dieser Liturgie, in der Tournemires Musik ihren Platz hatte. (Gleiches gilt natürlich auch für die beiden Orgelmessen von Vierne, die – im Konzert gespielt – auf die Zuhörer einen eher langweiligen Eindruck machen.)
Neuaufnahme Tournemires "Sept Paroles"
Karl-Bernhardin Kropf
, Rostock, Mittwoch, 14. August 2024, 15:02 (vor 760 Tagen) @ Orlos
Die Aufnahme wird in Europa nicht ganz so einfach zu bekommen sein. Aber es lohnt sich.
Ich will gar nichts zur Qualität der Aufnahme sagen, aber ob sich Tournemire lohnt? Ich kenne ein paar Stücke von ihm, die meisten finde ich zwar irgendwie mystisch, aber nicht interessant anzuhören.
Zudem ist unsere heutige katholische Messe doch arg weit entfernt von dieser Liturgie, in der Tournemires Musik ihren Platz hatte. (Gleiches gilt natürlich auch für die beiden Orgelmessen von Vierne, die – im Konzert gespielt – auf die Zuhörer einen eher langweiligen Eindruck machen.)
Ob es sich zumindest als Impro-Anregung lohnt? In dieser Hinsicht habe ich Tournemires L'Orgue mystique immer sehr geschätzt, obwohl ich nur an dessen Oberfläche gekratzt habe. Der treffende Vorwurf des Unzeitgemäßen gilt ja auch für die Tonnen von Versetten und Messen der (früh-)barocken Italiener und Süddeutschen....
Neuaufnahme Tournemires "Sept Paroles"
Orlos
, Mittwoch, 14. August 2024, 15:05 (vor 760 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
Der treffende Vorwurf des Unzeitgemäßen gilt ja auch für die Tonnen von Versetten und Messen der (früh-)barocken Italiener und Süddeutschen...
Das stimmt natürlich. Letzthin sollte ich einen Band mit Versetten von Lefébure-Wély besprechen. Ich glaube nicht, dass heutzutage jemand für diese Stücklein Verwendung hat.
Neuaufnahme Tournemires "Sept Paroles"
untersatz32, Donnerstag, 15. August 2024, 13:29 (vor 759 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
Vollste Zustimmung. Und allein im grossen Schatz der „Orgue mystique“ finden sich zahlreiche Perlen und Juwelen, die man ja nicht in Überdosis, aber dennoch gezielt und geschickt eingesetzt, geniessen oder servieren kann.
Neuaufnahme Tournemires "Sept Paroles"
stein
, Mittwoch, 14. August 2024, 19:24 (vor 760 Tagen) @ Orlos
Ich will gar nichts zur Qualität der Aufnahme sagen, aber ob sich Tournemire lohnt? Ich kenne ein paar Stücke von ihm, die meisten finde ich zwar irgendwie mystisch, aber nicht interessant anzuhören.
Zudem ist unsere heutige katholische Messe doch arg weit entfernt von dieser Liturgie, in der Tournemires Musik ihren Platz hatte. (Gleiches gilt natürlich auch für die beiden Orgelmessen von Vierne, die – im Konzert gespielt – auf die Zuhörer einen eher langweiligen Eindruck machen.)
Die 7 Choralpoèmes gefallen mir von Tournemire am besten, brauchen aber das richtige Instrument. Die Saint Bonaventure Orgel in Lyon hatte mir schon immer sehr gut gefallen, klang leider etwas verwahrlost. Das hat Michel Jurine erfolgreich geändert. Das Instrument hat herrlich schöne Grundstimmen. Die Mixturen neoklassisch und die Zungen im Hauptwerk machen die Chamaden auf dem Dach der Orgel überflüssig. Massive 32 Füsse habe ich so lange nicht mehr erlebt. Zum Glück passte der fast postromantische Triple Choral noch auf die CD.
Devallée hat die Poèmes in Saint-Sulpice eingespielt, auch toll. Die Lyonaufnahme hingegen klingt viel frischer und breiter in der Dynamik.
Neuaufnahme Tournemires "Sept Paroles"
Friedrich
, Mittwoch, 14. August 2024, 22:41 (vor 759 Tagen) @ Orlos
Ich will gar nichts zur Qualität der Aufnahme sagen, aber ob sich Tournemire lohnt? Ich kenne ein paar Stücke von ihm, die meisten finde ich zwar irgendwie mystisch, aber nicht interessant anzuhören.
Seine großen freien Kompositionen sind in der französischen Orgelsinfonik ohne Parallele. Symphonie-Choral op. 69, Symphonie sacrée op. 71 und die beiden Fresques (das zweite ein Tanz über « Veni creator ») hat Delvallée in Saint-Sernin eingespielt, und der bringt da eine Freiheit und absolute Formbeherrschung mit, das ist schon fabelhaft.
Die beiden großen Stücke (opp. 69 und 71) entwickeln sich über riesige Zeiträume auf ihren Höhepunkt hin, der sich immer folgerichtig anhört, auch wenn man auf dem Weg mal den Faden verlieren kann, weil Tournmire so unschematisch schreibt – oder das Gerüst gut zu verdecken weiß, wahrscheinlich spielt beides eine Rolle. Das genaue Gegenteil von Klassizismus, sei er im Sinne Widors und Franck-Viernes oder im modernen, post-1920-Sinn verstanden.
Ich finde Tournemire interessant, weil er seine Formen so scheinbar absolut frei und trotzdem schlüssig entwickelt. Wie genau, wäre einmal ein genaueres Hinsehen wert. Die Stücke aus L’Orgue mystique höre ich jedenfalls oft als prozessual am Choral entwickelte Einheiten – einfach zu hören finde ich sie unter dem Aspekt nicht, und seine Polyphonie ist sehr eigentümlich, oft karg und skizzenhaft, aber ganz konsequent und immer harmonisch spannend. In der Formbehandlung ist er in meinen Ohren einer der wenigen der Zeit, die an Debussy rankommen in puncto Originalität, Freiheit und Folgerichtigkeit.
Das « Consummatum est » aus den Sept Paroles war meine Einstiegsdroge (ein ganz junger Mechler in Wiesbaden, Motette). Seitdem habe ich T. auf der Karte.
Viele Grüße
Friedrich
Neuaufnahme Tournemires "Sept Paroles"
kjz1, Donnerstag, 15. August 2024, 09:44 (vor 759 Tagen) @ Karsten
Die Aufnahme wird in Europa nicht ganz so einfach zu bekommen sein. Aber es lohnt sich.
Raven hat einen Account bei ebay, darüber wäre ein direkter Bezug möglich. Ist nur nicht ganz billig.
Neuaufnahme Tournemires "Sept Paroles"
hintersatz
, Donnerstag, 15. August 2024, 11:35 (vor 759 Tagen) @ kjz1
bearbeitet von hintersatz, Donnerstag, 15. August 2024, 11:39
Die Aufnahme wird in Europa nicht ganz so einfach zu bekommen sein. Aber es lohnt sich.
Raven hat einen Account bei ebay, darüber wäre ein direkter Bezug möglich. Ist nur nicht ganz billig.
Gibt's für das Angebot einen Link auf eBay?
Hat eventuell jemand Interesse an einer Sammelbestellung, wird dann bestimmt günstiger.
--
Organiste titulaire de l'Opus diaboli
Neuaufnahme Tournemires "Sept Paroles"
Karsten
, Donnerstag, 15. August 2024, 11:49 (vor 759 Tagen) @ hintersatz
Die Aufnahme wird in Europa nicht ganz so einfach zu bekommen sein. Aber es lohnt sich.
Raven hat einen Account bei ebay, darüber wäre ein direkter Bezug möglich. Ist nur nicht ganz billig.
Die Firmenwebsite hat auch einen Online-Shop.
https://ravencd.com
Gibt's für das Angebot einen Link auf eBay?
Das dürfte dieser sein:
https://www.ebay.de/str/ravenpipeorgancatalog
Gruß
Karsten
Neuaufnahme Tournemires "Sept Paroles"
kjz1, Donnerstag, 15. August 2024, 16:51 (vor 759 Tagen) @ hintersatz
Als Direktlink:
Oder vielleicht bei Herrn Frommen nachfragen. Manchmal hat er auch ein paar Exemplare seiner Aufnahmen.
Neuaufnahme Tournemires "Sept Paroles"
SlowOrg
, Donnerstag, 15. August 2024, 13:30 (vor 759 Tagen) @ kjz1
Die Aufnahme wird in Europa nicht ganz so einfach zu bekommen sein. Aber es lohnt sich.
Raven hat einen Account bei ebay, darüber wäre ein direkter Bezug möglich. Ist nur nicht ganz billig.
… oder man hört sich das Album einfach auf Spotify an …
M
Neuaufnahme Tournemires "Sept Paroles"
Karsten
, Donnerstag, 15. August 2024, 15:48 (vor 759 Tagen) @ SlowOrg
Die Aufnahme wird in Europa nicht ganz so einfach zu bekommen sein. Aber es lohnt sich.
Raven hat einen Account bei ebay, darüber wäre ein direkter Bezug möglich. Ist nur nicht ganz billig.
… oder man hört sich das Album einfach auf Spotify an …M
Das geht natürlich auch. Ich habe vergessen zu erwähnen, dass die Aufnahme von Frommen als (Hybrid)-SACD aufgenommen wurde. Ich weiß nicht, ob da die üblichen Streaming-Dienste mithalten können.
Gruß
Karsten
Musik-Streaming; war: Neuaufnahme Tournemires "Sept Paroles"
Contrebasson 32'
, Wien, Donnerstag, 15. August 2024, 16:02 (vor 759 Tagen) @ Karsten
bearbeitet von Contrebasson 32', Donnerstag, 15. August 2024, 16:09
… oder man hört sich das Album einfach auf Spotify an …
M
Das geht natürlich auch. Ich habe vergessen zu erwähnen, dass die Aufnahme von Frommen als (Hybrid)-SACD aufgenommen wurde. Ich weiß nicht, ob da die üblichen Streaming-Dienste mithalten können.
Es gibt ja auch noch z.B. Qobuz für alle, die eine besser Audioqualität bevorzugen. So kam ich bspw. in den Genuss, obige Scheibe zu hören. Für schwer erhältliche CDs oder zur ungestuerten Erweiterung des eigenen Horizonts ist das sehr praktisch - nicht nur inneneinrichtungstechnisch. ;)
Nachtrag: So praktisch dies auch ist, so sehr fehlt mir doch ab und an ein Booklet.