erlebt: Neue Späth-Orgel in Linz, Pöstlingberg
Auf der anderen Seite der Donau thront die Wallfahrtskirche auf dem Pöstlingberg, hier der Blick aus dem Café auf die Stadt Linz:
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Die neue Späth-Orgel wurde hier schon erwähnt, Lothar Zickermann hat die verschiedenen Entwürfe vorgestellt, über die Optik will ich gar nichts sagen. Wenn die Orgel eingeschaltet wird, wird das Spruchband farbig beleuchtet; die Organistin soll die Farbe der jeweiligen liturgischen Zeit anpassen, was sie laut eigener Aussage manchmal vergisst zu ändern.
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Handwerklich ist die Orgel gut verarbeitet, fast perfekt (der Registerzug vom Prästant 16' ließ sich nicht ganz zurückschieben). Sie spielt sich angenehm, auch mit beiden Manualkoppeln. Naturgemäß hört man am Spielschrank nicht viel vom Rückpositiv; das 3. Manual ist vom Konzept her eher ein Echowerk.
Das Hauptwerk besitzt einen klaren Prinzipalchor mit einer einzigen Mixtur, die alles abdecken muss und kann. Sie funktioniert auch ohne 16'-Basis. Ich sehe es immer sehr kritisch, den Pedal-Principal 16' auch im HW spielbar zu machen, weil es im Bass dann zu kräftig wird; im Diskant bringt er aber viel Gravität. Die Orgel verfügt über zwei Einzelregister Terz 1 3/5', was bei der geringen Registerzahl ein ziemlicher Luxus ist. Im HW ist die Terz prinzipalisch und mischt sich wunderbar zur Mixtur. Es ergibt sich aber kein Sesquialter mit der Quint und schon gar nicht ein Cornett-Klang. Die Viola da Gamba 8' ist ein herrliches Register, solofähig, aber auch zur Begleitung der Oboe geeignet. Zusammen mit der 8'-Flöte bildet sie ein weiches Fundament. Die Flauto traverso durfte natürlich nicht zu solistisch werden, damit man mit ihr auch begleiten kann und damit sie sich mit der 4'-Flöte mischt.
Im RP steht die höhere Mixtur mit einem 1 1/3'-Vorabzug, der sehr praktisch ist. Mit ihm kann man ein Vorplenum zusammenstellen, auch kann man sich einen Terzian zusammenstellen. Leider ist die Doublette ziemlich prinzipalisch, so dass sich kein Cornet décomposé ergibt, obwohl die Terz hier flötig klingt. Aber ein schöner Sesquialter lässt sich mit dem Nasat erzeugen. Für einen Cornet-Klang gäbe es eine passende Flöte 2' im SW, aber leider keine Koppel III-I.
Der Dulcian ist ziemlich kräftig, könnte die Funktion eines Cromorne übernehmen.
Im SW findet sich eine sehr klare Rohrflöte als Basis. Dazu kommt ein weicher Salicional mit einer zarten Schwebung, das klingt sehr "katholisch". Anders als etwa bei Sauer ist die Fugara kein kräftiger Streicher, der Obertöne ins Werk bringt, sondern nur eine milde Verdopplung in der 4'-Lage. Sehr schön die beiden Flöten Querflöte 4' und Flageolett 2'; an das HW gekoppelt (mit Flauto traverso) ergibt sich ein intensiver Flötenklang 8', 4', 2'. Die Oboe ist relativ weich und soll nicht eine Trompete imitieren; hier fehlte mir der Tremulant, dann hätte man bei geschlossenem Schweller schon in Richtung Voix humaine gehen können.
Im Pedal ein zeichnendes Gedackt 8' und ein ausgebauter eigenständiger Principalchor; dazu eine fundamentale Posaune 16' (mit 8'-Auszug). Ich dachte erst, die Trompete sei eine Transmission aus dem HW, denn sie klingt ziemlich ähnlich. Im HW gibt es noch ein gutes Fagott 16', was einerseits dem Plenum eine entscheidende 16'-Gravität dazugibt, andererseits ein schönes Solo-Register darstellt. Eine Oktave höher gespielt, könnte man damit Duos mit dem Cornett spielen, wenn es denn ein solches gäbe.
Der Leser merkt schon: Irgendwie fuchst es mich, dass diese Orgel dem französischen Repertoire aus dem Weg geht. Nur ein paar Hundert Meter weiter baute Späth für die Bruckner-Universität ja eine Cavaillé-Coll-Imitation, insofern mag das verständlich sein. Andererseits hätte es der Orgel auf dem Pöstlingberg eine Menge zusätzlicher Möglichkeiten verschafft. Man hätte etwa im SW ein dreifaches Cornet mit einem 2' als Vorabzug (wie im RP) bauen können, das hätte das SW enorm aufgewertet. In seiner jetzigen Form ist es nur ein liturgisches Echowerk für piano-Effekte.
Wir haben in Wien viel über "Universalorgeln" gehört und diskutiert. Dies soll keine sein. Aber so ganz klar ist mir nicht, was es für eine Orgel sein soll. Zur deutsch-barocken Grundausrichtung passt die leicht ungleichmäßige Temperierung. Als Spielhilfen der rein mechanischen Orgel nur korrespondierende Koppeltritte.