erlebt: "Bruckner-Orgel" in Sankt Florian
Die meisten Orgeln klingen unten in der Kirche besser als am Spieltisch. In St. Florian hatte ich den umgekehrten Eindruck. Die Akustik der großen Kirche hat mich etwas an den Passauer Dom erinnert: Wenig Nachhall, der Klang wird in gewisser Weise "aufgesogen". Auch in Passau war ich unten enttäuscht, wie wenig gewaltig die (bisherige) Orgel klang.
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In St. Florian gibt es grandiose Bässe (drei echte 32'-Register, ab Ton D im Prospekt, original) und große Mixturen, ansonsten wirkte das Instrument unten etwas "klebrig". Das HW kommt verschattet an (das Gehäuse ist sehr tief), während andere Werke präsenter sind, vor allem das Trompetenwerk, welches offen unter dem Gewölbe steht. Hier hat man aber den Effekt, dass einzelne Töne stärker klingen als andere. Wenn man Flötenregistrierungen hört, kommen diese sehr klar in der Kirche an.
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Das Instrument verfügt über eine elektrische Traktur und einen fahrbaren Spieltisch, der vor 30 Jahren erneuert und mit einer Setzeranlage ausgerüstet worden ist. (Leider sind meine Spieltischphotos alle unscharf geworden, ich habe unbewusst etwas an meiner Kamera verstellt.)
Wenn man oben am Spieltisch Klangfarben ausprobiert, kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus: Alles ist im Übermaß vorhanden, man kann herrlich differenzieren. Im HW gibt es zwei verschiedene Prinzipalchöre mit eigenen Mixturen, im (nicht schwellbaren) OW einen weiteren Prinzipalchor auf 16'-Basis. Überall verschiedene Flöten, Streicher (auch im 4'-Bereich), Aliquote. Das einzige schwellbare Werk (Labialwerk) wird an die Manuale frei angekoppelt (floating). Neben einem Bordun 16' finden sich dort drei Salicional-Register 16', 8' 4', die alle völlig eigenständig sind. In der ganzen Orgel gibt es keine Transmissionen oder Oktavauszüge, alles ist echt.
Einige Namen sind nicht selbsterklärend, so ist etwa die "Sirene" eine Schwebung. Insgesamt stehen drei Schwebungen zur Verfügung, dummerweise keine im Schwellwerk.
Das Regalwerk bietet fünf verschiedene Zungenstimmen verschiedener Klangfarben an, dazu kommt das Trompetenwerk. Hier findet sich eine Mixtur, die zur Verstärkung des Diskant gedacht war; ein Cornett wäre aber deutlich sinnvoller gewesen.
Die vielen 4'-Register lassen eine Oktavkoppel unnötig erscheinen.
Interessant ist das italienische Werk mit einem frei zusammenstellbaren Plenum. Natürlich wären hier eine mechanische Spieltraktur und eine ungleichschwebende Temperierung angebracht.
Im Labialwerk lassen sich mit den vielen Obertonregistern interessante Klänge erzeugen (vielleicht erinnert sich noch jemand an das Bombardewerk in der Schmid-Orgel in Landsberg am Lech, das aber 2003 wieder herausflog, damit ging so etwas auch).
Trotz allerfeinster Differenzierungsmöglichkeiten an der "Bruckner-Orgel" fehlen die romantischen Farben, die heutzutage an fast jeder größeren Orgel zu finden sind: Eine "echte" Soloflöte, eine Solo-Gambe, eine Solo-Trompete oder Tuba, eine Klarinette, eine wirklich zarte Äoline. Gegen französische Musik sperrt sich die Orgel, denn im Schwellwerk findet sich keine Zungenstimme. Im Konzertprogramm hörten wir die "Suite gothique" von Boëllmann; bei diesem Stück fehlt meines Erachtens eine entscheidende klangliche Komponente, wenn man die Schwebung und die Zungen nicht schwellen kann.
Trotzdem ist die Orgel für den Spieler ein herrliches Spielgerät, um Klänge zu kombinieren und Farben zusammenzustellen. Interessanterweise kam von dieser Opulenz unten nicht viel an. Ich kenne Orgeln mit 45 Registern, die eine größere dynamische Bandbreite besitzen als die hiesigen 103 Register. Dazu kommt, dass das Labialwerk keine gute Schwellwirkung aufweist.
Im Klosterladen kann man ein Lego-Modell, eine (teure) Stofftasche, Tassen und natürlich unzählige CDs erwerben, die an dieser Orgel eingespielt wurden. (Die CDs kosten zwischen 5 und 20 Euro, je nach Attraktivität des Programms?)
Noch eine kuriose Geschichte: Vorne stehen zwei Chororgeln, die ursprünglich jeweils eigenständig waren, dann aber elektrifiziert und mit insg. ca. 40 Registern ausgestattet wurden. Dieses Instrument ist heute noch rege im Gebrauch. Die Nationalsozialisten entschieden, dort eine neue Orgel einbauen zu lassen, Schuke wurde beauftragt und konnte auf ordentliches Material zurückgreifen. Die Orgel wurde auch fertig, kam aber 1944 nicht mehr in St. Florian an. Sie wurde stattdessen in Essen aufgebaut. Die dortige Kirche wurde nun aber geschlossen. Das Stift St. Florian hat die Orgel gekauft und will sie nun hier einbauen lassen, sie war ja damals genau für das historische Gehäuse gebaut worden und ist wohl auch von guter Qualität.
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- erlebt: "Bruckner-Orgel" in Sankt Florian -
Orlos,
07.08.2024, 17:08
- erlebt: "Bruckner-Orgel" in Sankt Florian -
Karl-Bernhardin Kropf,
07.08.2024, 22:17
- Schuke 1944; war: erlebt: "Bruckner-Orgel" in Sankt Florian -
Contrebasson 32',
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- Schuke 1944; war: erlebt: "Bruckner-Orgel" in Sankt Florian - bot, 08.08.2024, 08:33
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JRorgel,
09.08.2024, 10:05
- Schuke 1944; war: erlebt: "Bruckner-Orgel" in Sankt Florian -
jrbecker,
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JRorgel,
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JRorgel,
09.08.2024, 18:04
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jrbecker,
09.08.2024, 11:04
- Schuke 1944; war: erlebt: "Bruckner-Orgel" in Sankt Florian - ado, 09.08.2024, 19:22
- „Bruckner-Orgel" in Essen Frohnhausen -
Stephan Pollok,
08.08.2024, 12:13
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hardy,
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Contrebasson 32',
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- Schuke 1944; war: erlebt: "Bruckner-Orgel" in Sankt Florian -
Contrebasson 32',
08.08.2024, 08:10
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Karl-Bernhardin Kropf,
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