Orgelprojekt St. Johann Osnabrück

Contrebasson 32' @, Wien, Sonntag, 04. August 2024, 22:36 (vor 770 Tagen)
bearbeitet von Contrebasson 32', Sonntag, 04. August 2024, 23:45

Das hier erwähnte Projekt in St. Johann Osnabrück ist wohl auf der Zielgeraden.

Zur Erinnerung: In St. Johann stand bisher eine dreimanualige Kreienbrink-Orgel (Organindex), in der sich Pfeifen aus vier Vorgängerorgeln (u.a. Slegel, Eberhard Berner und Carl Haupt) fanden, die ältesten wohl aus dem Jahre 1592. Vieleicht kann sich so mancher noch an den Artikel in Ars Organi von 1999 erinnern.

Vor ein paar Jahren wurde jedoch Bleifraß attestiert und die Gelegenheit beim Schopf gepackt: Die Berner-Orgel von 1787 wird aktuell von Flentrop rekonstruiert(?), das historische Pfeifenwerk (ca. 800 Pfeifen) konserviert und wiederverwendet. Die Fertigstellung war/ist (?) für 2024 geplant. Die Projektsumme beträgt knapp 1,5 Mio Euro. Geschaffen werden soll hierfür ein dreimanualiges Werk mit folgender Disposition:

Hauptwerk
Principael 8'
Quintadena 16'
Hohlflöte 8'
Gedaeckt 8'
Quinte 3'
Octave 4'
Spitzflöte 4'
Super Oktave 2'
Nasal Quinta 1 1/3
Sexquialter 3 fach 3 fus
Mixtur 5 fach 2 fus
Schärffe 3 fach 1 fus
Fagott 16'
Trompete 8'

Oberwerk
Principael 4'
Rohrflöete 8'
Salicional 8'
Floete trawers 8'
Gemshorn 4'
Dux flöete 4
Oktave 2'
Waldflöt 2'
Rauschpfeiffe 2fach'
Vox humana 8'

Hinterwerk
Principael 8'
Gedackt 8'
Viola da Gamba 8'
Voce umana 8'
Flauto 4' (überblasen)
Nasard 3'
Flauto 2' (überblasen)
Terz 1 3/5'
Oboe 8'
Echotrompete 8‘

Pedal
Prinzipael 16'
Sub Bas 16'
Quinte 12'
Octave 8'
Octava 4'
Quinta 6'
Schärffe 3fach
Posaun 16'
Trompette 8'
Cornett 2'

Beim Hinterwerk bin ich u.a. angesichts der doppelten 8'-Zunge geneigt zu vermuten, dass dieses eine Erweiterung der ursprünglichen Disposition darstellt. Womöglich um Register von Carl Haupt weiterverwenden zu können. Dies ist aber nur eine Vermutung. Weitere Informationen findet man unter https://savethepipes.de/ sowie der jüngst neu gestalteten Webseite von Orgelbau Flentrop: https://www.flentrop.nl/

Die Kreienbrink-Orgel wurde übrigens bereits abgebaut und findet leicht verändert im größten Priesterseminar Brasiliens, in Caieiras, São Paulo, eine neue Heimat. Für die historischen Pfeifen wird wohl Ersatz gefertigt.

PS: Schon erstaunlich, was da in Osnabrück alles möglich ist. Das Orgelprojekt in Katharinen läuft ja auch noch und harrt der Vollendung der fehlenden Bauabschnitte (Schwellwerk und dynamisches Werk). Vielleicht gilt auch hier: Konkurrenz belebt das Geschäft!

Orgelprojekt St. Johann Osnabrück

jrbecker @, Montag, 05. August 2024, 15:40 (vor 769 Tagen) @ Contrebasson 32'
bearbeitet von jrbecker, Montag, 05. August 2024, 15:46

Das hier erwähnte Projekt in St. Johann Osnabrück ist wohl auf der Zielgeraden.

Zur Erinnerung: In St. Johann stand bisher eine dreimanualige Kreienbrink-Orgel (Organindex), in der sich Pfeifen aus vier Vorgängerorgeln (u.a. Slegel, Eberhard Berner und Carl Haupt) fanden, die ältesten wohl aus dem Jahre 1592. Vieleicht kann sich so mancher noch an den Artikel in Ars Organi von 1999 erinnern.

Vor ein paar Jahren wurde jedoch Bleifraß attestiert und die Gelegenheit beim Schopf gepackt: Die Berner-Orgel von 1787 wird aktuell von Flentrop rekonstruiert(?), das historische Pfeifenwerk (ca. 800 Pfeifen) konserviert und wiederverwendet. Die Fertigstellung war/ist (?) für 2024 geplant. Die Projektsumme beträgt knapp 1,5 Mio Euro. Geschaffen werden soll hierfür ein dreimanualiges Werk mit folgender Disposition:

Hauptwerk
Principael 8'
Quintadena 16'
Hohlflöte 8'
Gedaeckt 8'
Quinte 3'
Octave 4'
Spitzflöte 4'
Super Oktave 2'
Nasal Quinta 1 1/3
Sexquialter 3 fach 3 fus
Mixtur 5 fach 2 fus
Schärffe 3 fach 1 fus
Fagott 16'
Trompete 8'

Oberwerk
Principael 4'
Rohrflöete 8'
Salicional 8'
Floete trawers 8'
Gemshorn 4'
Dux flöete 4
Oktave 2'
Waldflöt 2'
Rauschpfeiffe 2fach'
Vox humana 8'

Hinterwerk
Principael 8'
Gedackt 8'
Viola da Gamba 8'
Voce umana 8'
Flauto 4' (überblasen)
Nasard 3'
Flauto 2' (überblasen)
Terz 1 3/5'
Oboe 8'
Echotrompete 8‘

Pedal
Prinzipael 16'
Sub Bas 16'
Quinte 12'
Octave 8'
Octava 4'
Quinta 6'
Schärffe 3fach
Posaun 16'
Trompette 8'
Cornett 2'

Beim Hinterwerk bin ich u.a. angesichts der doppelten 8'-Zunge geneigt zu vermuten, dass dieses eine Erweiterung der ursprünglichen Disposition darstellt. Womöglich um Register von Carl Haupt weiterverwenden zu können. Dies ist aber nur eine Vermutung. Weitere Informationen findet man unter https://savethepipes.de/ sowie der jüngst neu gestalteten Webseite von Orgelbau Flentrop: https://www.flentrop.nl/

Ja, das ganze Werk ist eine Erweiterung, die Berner-Orgel hatte "nur" 30 Register auf zwei Manualen und Pedal. Also ein weiteres Mal wieder keine echte "Rekonstruktion" der alten Orgel...

Bei Piet Bron findet sich die Berner-Dispo. Demnach sind auch in den tatsächlich damals vorhandenen Werken heute folgende Zusätze geplant:
- Trompete 8' im HW
- Salicional 8' im OW
- Quinte 12' im Pedal
- Cornett 2' im Pedal

Warum spricht man ein weiteres Mal von einer "Rekonstruktion", wenn dem Original doch offensichtlich sooo viiiel fehlte???
(*duckundweg*)

Die Kreienbrink-Orgel wurde übrigens bereits abgebaut und findet leicht verändert im größten Priesterseminar Brasiliens, in Caieiras, São Paulo, eine neue Heimat. Für die historischen Pfeifen wird wohl Ersatz gefertigt.

Was bleibt denn von der Kreienbrink-Orgel noch übrig, wenn das historische Pfeifenwerk (ca. 800) in OS bleibt? Bastelt man aus den Resten eine kleinere Dipsosition oder werden die fehlenden historischen durch neue Pfeifen ersetzt?

Orgelprojekt St. Johann Osnabrück

Contrebasson 32' @, Wien, Montag, 05. August 2024, 16:23 (vor 769 Tagen) @ jrbecker

Ja, das ganze Werk ist eine Erweiterung, die Berner-Orgel hatte "nur" 30 Register auf zwei Manualen und Pedal. Also ein weiteres Mal wieder keine echte "Rekonstruktion" der alten Orgel...

Auf der Homepage spricht man von: "möglichst original wiederher[zu]stellen", "Restaurierung" und "die historischen Pfeifen [...] neu arrangiert". Die fehlende sprachliche Präzision entspricht der Natur des Vorhabens. ;)

Leider findet sich bisher auch noch kein Prospektentwurf online. Lediglich ein Werkstattfoto gibt hier einen Vorgeschmack:

[image]
[image]

Einen Setzer wird es wohl nicht geben.^^

Bei Piet Bron findet sich die Berner-Dispo. Demnach sind auch in den tatsächlich damals vorhandenen Werken heute folgende Zusätze geplant:
- Trompete 8' im HW
- Salicional 8' im OW
- Quinte 12' im Pedal
- Cornett 2' im Pedal

Warum spricht man ein weiteres Mal von einer "Rekonstruktion", wenn dem Original doch offensichtlich sooo viiiel fehlte???
(*duckundweg*)

Ich empfinde ja - neben den sprachlichen Verwirrungen - besonders das Cornett 2' als kurios, da hätte ich lieber eine 4'-Flöte im Pedal disponiert. Grundsätzlich halte ich es für denkbar, dass man sich mit zwei Manualen - bei so viel historischen Pfeifen^^ - nicht zufrieden geben wollte. Auch im Hinblick auf die Situation bei den protestantischen Nachbarn.

Was bleibt denn von der Kreienbrink-Orgel noch übrig, wenn das historische Pfeifenwerk (ca. 800) in OS bleibt? Bastelt man aus den Resten eine kleinere Dipsosition oder werden die fehlenden historischen durch neue Pfeifen ersetzt?

Kreienbrink dokumentiert auf seiner Homepage recht genau den weiteren Werdegang der Orgel: von Abbau bis Wiederaufbau in Brasilien. Von der Herstellung neuer Pfeifen ist dort nur im Kontext des Ersatz von Holzpfeifen durch Mahagoni-Pfeifen (wegen der Termiten) die Rede. Nachdem in Brasilien aber wieder 48 Register erklingen sollen, wird man wohl Ersatz beschafft haben.

PS: Es ist übrigens kein gewöhnliches Priesterseminar, sondern ein Kloster der Herolde des Evangeliums. Allein schon der Ordenstracht wegen lohnt es sich, die Fotos und Videos von Kreienbrink anzuschauen.^^

Orgelprojekt St. Johann Osnabrück

GoswinHeilmann, Dienstag, 06. August 2024, 14:21 (vor 768 Tagen) @ Contrebasson 32'

Also hat man letztlich den Leuten einen an Berner orientierten, aber deutlich größeren Neubau als Rekonstruktion verkauft. Man wollte einen Neubau und bekommt ihn. Der ursprünglich geplante Ankauf einer zusätzlichen, romantischen Orgel ist offenbar vom Tisch.
Ohne Frage bekommt St. Johann sicher ein exzellentes Instrument. Kurios aber, dass in den Hauptkirchen der Innenstadt keine Orgel eines deutschen Orgelbauers mehr zu hören ist. Den Schrotthaufen in der Herz-Jesu-Kirche zähle ich dabei nicht mit und St. Joseph liegt auch schon zu weit draußen. Auch an die Orgelbautradition der Stadt, man denke an den Namen Kreienbrink, erinnert kein nennenswertes Instrument mehr.

Orgelprojekt St. Johann Osnabrück

Contrebasson 32' @, Wien, Dienstag, 06. August 2024, 15:17 (vor 768 Tagen) @ GoswinHeilmann

Also hat man letztlich den Leuten einen an Berner orientierten, aber deutlich größeren Neubau als Rekonstruktion verkauft. Man wollte einen Neubau und bekommt ihn. Der ursprünglich geplante Ankauf einer zusätzlichen, romantischen Orgel ist offenbar vom Tisch.
Ohne Frage bekommt St. Johann sicher ein exzellentes Instrument. Kurios aber, dass in den Hauptkirchen der Innenstadt keine Orgel eines deutschen Orgelbauers mehr zu hören ist. Den Schrotthaufen in der Herz-Jesu-Kirche zähle ich dabei nicht mit und St. Joseph liegt auch schon zu weit draußen. Auch an die Orgelbautradition der Stadt, man denke an den Namen Kreienbrink, erinnert kein nennenswertes Instrument mehr.

Diese Entwicklung ist - zumindest aus der Ferne betrachtet - zu bedauern.

Für die knapp 1,5 Mio Euro Baukosten hätte man wahrscheinlich auch die Kreienbrink technisch überholen und Ersatzpfeifen für das historische Pfeifenwerk anfertigen können, sowie einen (kleineren) wirklich sehr eng an Berner orientierten Neubau ins Qerhaus stellen können. Dann hätte man die luxuriöse Situation einer überzeugenden Universalorgel, die "symphonisch" sprechen kann, plus einer barocken Stilorgel inkl. Verwendung von historischem Pfeifenwerk unter einem Kirchendach. So freuen sich die Herolde des Evangeliums.

Orgelprojekt St. Johann Osnabrück

Wolfgang Gourgé @, Dienstag, 06. August 2024, 16:10 (vor 768 Tagen) @ Contrebasson 32'
bearbeitet von Wolfgang Gourgé, Dienstag, 06. August 2024, 16:45

Also hat man letztlich den Leuten einen an Berner orientierten, aber deutlich größeren Neubau als Rekonstruktion verkauft. Man wollte einen Neubau und bekommt ihn. Der ursprünglich geplante Ankauf einer zusätzlichen, romantischen Orgel ist offenbar vom Tisch.
Ohne Frage bekommt St. Johann sicher ein exzellentes Instrument. Kurios aber, dass in den Hauptkirchen der Innenstadt keine Orgel eines deutschen Orgelbauers mehr zu hören ist. Den Schrotthaufen in der Herz-Jesu-Kirche zähle ich dabei nicht mit

....der "Schrotthaufen" ist inzwischen nach Italien "ausgewandert", die Kirche umgebaut; nur noch der Chorraum wird liturgisch genutzt...diese Orgel, ein typisches Produkt einer unausgegorenen Kombination von pseudobarocken Registern mit träger Elektropneumatik und Kegelladen, hatte eine besondere Eigenschaft: ihr größter Vorteil war zugleich ihr größter Nachteil. Sie ging nämlich einfach nicht kaputt......

Diese Kirche ist zugleich für mich ein Beispiel dafür, was passiert, wenn ein künstlerisch absolut desinteressierter Organist (....katholischer Männergesangverein als musikalische Heimat....) das Organistenamt auch noch viel zu lange innehat. Die Vorgängerorgel von Kreienbrink aus den 1960ern, vorgesehen für drei Manuale, von denen jedoch das dritte nie gebaut wurde, hatte einen recht schlank-eleganten Prospekt, Schleifladen und elektrische Trakturen, den Klang habe ich als silbrig-hell in Erinnerung, nicht so schlecht. Anfang der 1980er Jahre existierte dort noch das Herz-Jesu-Kloster, was der Kirche eine gewisse Bedeutung innerhalb der Stadt gab.

Dann kam in den 1980ern heraus, dass beim Wiederaufbau der Kirche nach dem Krieg (es hatte sie ziemlich übel erwischt) - Asbest verwendet worden war. Also wurde untersucht, und auch in der Orgel fand sich Asbest. Statt aber die Pfeifen zu reinigen und ihre Wiederverwendung für einen technischen Neubau zu planen, verkaufte man sie "für'n Appel und n' Ei" (der Organist) an jene Firma, die den "Schrotthaufen" lieferte, der um die 130.000 DM kostete: "...die klingen heute bestimmt noch, in irgendeiner anderen Orgel". Ich war schon damals fassungslos über diese Gleichgültigkeit. Er hatte übrigens in Regensburg die B-Prüfung absolviert, nur hörte man davon schon lange nicht mehr viel.

Die "neue" Orgel, ein Produkt der Fa. Feith aus Paderborn, konnte nicht ansatzweise den Anspruch der Firma aus der Zwischenkriegszeit und der Zeit vor dem 1. WK einlösen. Sie war künstlerisch völlig niveaulos, wurde ohne Prospekt geliefert (das Gehäuse bestand aus einer Verbretterung um die Laden und die Technik herum) und lieblos aufgebaut, zudem auch noch falsch ganz hinten an der Westwand. Die Mensuren reichten nicht ansatzweise aus, die Kirche zu füllen, die Pedalposaune entsprach eher einem schwachen Manual-Fagott, die Pfeifen waren ein Sammelsurium aus Altbeständen, die Disposition ohne erkennbares Konzept, der Klang unambitioniert-langweilig. Barock scheiterte an der Elektropneumatik, Romantik an der Disposition. Trotz ihrer drei Manuale wäre sie nur in einer kleineren Kirche liturgisch brauchbar gewesen. Egal, dem damaligen Organisten (und dem ebenso desinteressierten und unmusikalischen Pfarrer) reichte sie. Ambitionierte Kirchenmusik? Null. Der Mann war völlig in der cäcilianisch-engen Welt seines Männergesangvereins gefangen (der, wen wundert's, wegen Überalterung auch vor seinem Ende steht), irgendwelche Diskussionen über Orgeln oder Aufführungspraxis: sinnlos. Dabei war er persönlich nicht mal unsympathisch. Aber es ist genau dieser Typ, der verbrannte Erde hinterlässt; mit der Anschaffung der konzertant nicht verwendbaren Feith-Orgel war alles mit Anspruch aus dieser Kirche de facto "verbannt", auch eine Kooperation mit der Universität Osnabrück, die dort zeitweise eine experimentale elektronische Orgel betrieb (ich erinnere mich da dunkel), wurde nicht fortgesetzt bzw. schlief wieder ein.

und St. Joseph liegt auch schon zu weit draußen. Auch an die Orgelbautradition der Stadt, man denke an den Namen Kreienbrink, erinnert kein nennenswertes Instrument mehr.

...auch St. Joseph wurde umgebaut und der liturgische Raum durch Abtrennung des Langschiffs drastisch verkleinert ("Gemeinsam Zukunft bauen" - *Augenroll*....); die Orgel wurde umgestellt - von der "12" auf die "9", wenn man es von oben in normaler Landkarten-Orientierung sieht, und klanglich an den jetzt viel kleineren Raum angepasst (Gebr. Hillebrand, Isernhagen). Kommentar von jemandem, der sie kennt bzw. vorher kannte: "....vergiss' es."

Es ist dort umso "schader", als St. Joseph eine große neoromanische Kirche der Gründerzeit ist, die erkennen lässt, dass ihr Bau der Gemeinde viel wert war. Die Akustik war sehr gut, die Orgel hatte dort ihren idealen Raum:

[image]
(Konzert mit Carsten Zündorf im Orgelsommer 08)

Vorbei.

Diese Entwicklung ist - zumindest aus der Ferne betrachtet - zu bedauern.

...ja.

Orgelprojekt St. Johann Osnabrück

Contrebasson 32' @, Wien, Dienstag, 06. August 2024, 18:07 (vor 768 Tagen) @ Wolfgang Gourgé

Es soll ja durchaus Kirchenmusiker geben, deren Herz sehr eindeutig für die Chorarbeit und weniger für die Orgel schlägt - und umgekehrt. Ich kenne andererseits viele Fälle, wo beide Herzen gar friedlich in einer Brust schlagen. Da sind gerade die Kirchenchormitglieder die größten Unterstützer beim Spendensammeln oder bei der Ausrichtung bzw. beim Besuch von Orgelkonzerten. Wenn hingegen das Herz nur für die Chorarbeit schlägt - und das auch noch auf niedrigem Niveau - ist das durchaus tragisch.

Laut Wikipedia-Artikel ist die Feith-Orgel schon damals ein gebrauchtes Werk gewesen, das ursprünglich aus einer anderen Kirche stammt und auch nicht von Feith eingebaut wurde. Das dürfte so einiges erklären.

Wie auch immer, manchmal bekommen Organisten genau die Orgel, die sie verdient haben. Das scheint mir auch hier der Fall gewesen zu sein. Tragisch nur für die Gemeinde - und seinen Nachfolger.

Doku über Flentrop - war: Orgelprojekt St. Johann Osnabrück

jrbecker @, Montag, 24. Februar 2025, 15:39 (vor 566 Tagen) @ Contrebasson 32'
bearbeitet von jrbecker, Montag, 24. Februar 2025, 15:48

Osnabrück St. Johann ist wohl fertig ... und keiner hat etwas gesagt/gepostet?!?

Ich hatte heute diese (niederländische) Doku über Flentrop auf meiner YT-Vorschlagsliste und fand es spannend anzuschauen, auch wenn ich nur mit der - zugegebenermaßen nicht immerzutreffenden - automatischen Übersetzung überhaupt etwas vom niederländischen Text verstanden habe...

Viel Spaß!

Jörg

Doku über Flentrop - war: Orgelprojekt St. Johann Osnabrück

Orlos @, Montag, 24. Februar 2025, 15:58 (vor 566 Tagen) @ jrbecker

Der Prospekt macht auf mich einen gedrungenen Eindruck, die Orgel duckt sich. Da gab es bestimmt Vorgaben des Denkmalamtes.
[image]

Ich weiß nicht, ob nicht der starke Nachhall der Intention des Instrumentes zuwiderläuft.
Die Orgel bildet sicher einen interessanten Kontrast zur Kuhn-Domorgel.

Doku über Flentrop - war: Orgelprojekt St. Johann Osnabrück

Orlos @, Montag, 24. Februar 2025, 16:23 (vor 566 Tagen) @ Orlos

Besseres Bild, Festschrift:

[image]

Geschickt gemacht, denn man sieht hier nicht die dünne Stahlempore, die meines Erachtens nicht zum Orgelgehäuse passt, weil sie keine optische Basis bildet.

Doku über Flentrop - war: Orgelprojekt St. Johann Osnabrück

Friedrich @, Montag, 24. Februar 2025, 16:48 (vor 566 Tagen) @ Orlos

Geschickt gemacht, denn man sieht hier nicht die dünne Stahlempore, die meines Erachtens nicht zum Orgelgehäuse passt, weil sie keine optische Basis bildet.

Das stimmt. Eigentlich müsste da ein ordentliches Sims mit Balustrade oder Bilderfries hin. Die Empore ist wohl ein Umbau der Kreienbrink-Empore, und man sieht auch gleich, wo der Hase im Pfeffer liegt: fehlende Höhe. Eine stilgerechte Brüstung wäre unweigerlich in den Aua-Bereich hinab vorgestoßen.

Elegant fand ich den vorigen Schleiflack-Prospekt schon nicht, aber er passte zur Empore. Das Flentrop-Gehäuse empfinde ich als unschön breit. Fünfzehn Fußminuten weiter kann man sich ansehen, wie es auch geht, freilich ohne Westrose.

Viele Grüße
Friedrich

Doku über Flentrop - war: Orgelprojekt St. Johann Osnabrück

GoswinHeilmann, Montag, 24. Februar 2025, 16:57 (vor 566 Tagen) @ Friedrich

Zustimmung. Dem Prospekt fehlt die Eleganz. Auch ich nehme ihn als sehr gedrungen war. Der Kreienbrink-Prospekt war stimmiger. Interessant ist auch, wie konsequent und beharrlich man im Vorfeld von der Restaurierung der Berner-Orgel sprach. Man kann sich halt alles schön reden. Das ist eindeutig ein an Berner orientierter Neubau, der die alten Pfeifen aufnimmt. Die alte Berner-Orgel hatte auch nur zwei Manuale, aber damit wollte man sich nicht zufrieden geben und hat demzufolge ein drittes Manualwerk gebaut. Irgendwie weder Fisch noch Fleisch.

Doku über Flentrop - war: Orgelprojekt St. Johann Osnabrück

MCVL @, Montag, 24. Februar 2025, 17:18 (vor 566 Tagen) @ GoswinHeilmann
bearbeitet von MCVL, Montag, 24. Februar 2025, 17:45

Interessant ist auch, wie konsequent und beharrlich man im Vorfeld von der Restaurierung der Berner-Orgel sprach. Man kann sich halt alles schön reden. Das ist eindeutig ein an Berner orientierter Neubau, der die alten Pfeifen aufnimmt. Die alte Berner-Orgel hatte auch nur zwei Manuale, aber damit wollte man sich nicht zufrieden geben und hat demzufolge ein drittes Manualwerk gebaut. Irgendwie weder Fisch noch Fleisch.

Danke, interessant, daß das jemand so ähnlich wahrnimmt wie ich. Man lügt sich damit doch nur selbst in die Tasche. Genauso wenig steht in Villingen eine Silbermann-Orgel, sondern allenfalls eine Stilkopie nach Vorbild Silbermann.

Doku über Flentrop - war: Orgelprojekt St. Johann Osnabrück

Friedrich @, Montag, 24. Februar 2025, 17:30 (vor 566 Tagen) @ MCVL

Interessant ist auch, wie konsequent und beharrlich man im Vorfeld von der Restaurierung der Berner-Orgel sprach. Man kann sich halt alles schön reden. Das ist eindeutig ein an Berner orientierter Neubau, der die alten Pfeifen aufnimmt. Die alte Berner-Orgel hatte auch nur zwei Manuale, aber damit wollte man sich nicht zufrieden geben und hat demzufolge ein drittes Manualwerk gebaut. Irgendwie weder Fisch noch Fleisch.

Klar, konzeptuell ist das so ähnlich wie z. B. Ansbach.

Danke, interessant, daß das jemand so ähnlich wahrnimmt wie ich. Man lügt sich damit doch nur selbst die Tasche. Genauso wenig steht in Villingen eine Silbermann-Orgel, sondern allenfalls eine Stilkopie nach Vorbild Silbermann.

... und sogar im falschen Gehäusetyp.

In beiden Fällen - Ansbach und Villingen -- sind andererseits schöne Orgeln dabei herausgekommen, wie so oft, wenn es zur Kombination guter Orgelbauer plus viel Geld kommt. Insofern sei der Gemeinde St. Johann gegönnt, was sie nun haben. Man darf bloß nicht hinsehen. Der Osnabrücker Bestand schöner Orgelgehäuse schrumpft zusehends.

Findet
Friedrich

Doku über Flentrop - war: Orgelprojekt St. Johann Osnabrück

Orlos @, Montag, 24. Februar 2025, 18:30 (vor 566 Tagen) @ Friedrich

Danke, interessant, daß das jemand so ähnlich wahrnimmt wie ich. Man lügt sich damit doch nur selbst die Tasche. Genauso wenig steht in Villingen eine Silbermann-Orgel, sondern allenfalls eine Stilkopie nach Vorbild Silbermann.


... und sogar im falschen Gehäusetyp.

Inwiefern? Das sieht doch recht typisch nach Silbermann (Elsaß) aus.

Doku über Flentrop - war: Orgelprojekt St. Johann Osnabrück

Friedrich @, Dienstag, 25. Februar 2025, 00:03 (vor 566 Tagen) @ Orlos

Danke, interessant, daß das jemand so ähnlich wahrnimmt wie ich. Man lügt sich damit doch nur selbst die Tasche. Genauso wenig steht in Villingen eine Silbermann-Orgel, sondern allenfalls eine Stilkopie nach Vorbild Silbermann.


... und sogar im falschen Gehäusetyp.


Inwiefern? Das sieht doch recht typisch nach Silbermann (Elsaß) aus.

Das stimmt zwar, aber in Villingen stand ursprünglich ein siebenachsiges Hauptgehäuse wie z. B. auch in Ettenheim.

Doku über Flentrop - war: Orgelprojekt St. Johann Osnabrück

jrbecker @, Montag, 24. Februar 2025, 17:43 (vor 566 Tagen) @ GoswinHeilmann

(...) Interessant ist auch, wie konsequent und beharrlich man im Vorfeld von der Restaurierung der Berner-Orgel sprach. Man kann sich halt alles schön reden. Das ist eindeutig ein an Berner orientierter Neubau, der die alten Pfeifen aufnimmt. Die alte Berner-Orgel hatte auch nur zwei Manuale, aber damit wollte man sich nicht zufrieden geben und hat demzufolge ein drittes Manualwerk gebaut. Irgendwie weder Fisch noch Fleisch.

Genau das schrieb ich eigentlich auch hier, oder? :-)

Doku über Flentrop - war: Orgelprojekt St. Johann Osnabrück

MAT @, Dienstag, 25. Februar 2025, 08:12 (vor 565 Tagen) @ Friedrich
bearbeitet von MAT, Dienstag, 25. Februar 2025, 08:15

Das Beispiel "wie es auch geht" finde ich unschön. Ein unruhiges Bild, wenn einzelne Prospektpfeifen in einem quasi eigenen Kasten stehen. Da ist mir Flentrop wesentlich lieber. Und für gedrungene und breite Prospekte gibt es in der Historie doch genügend Vorbilder, z. B. Basedow.

--
Gruß
MAT

Doku über Flentrop - war: Orgelprojekt St. Johann Osnabrück

Florian-L @, Dienstag, 25. Februar 2025, 08:38 (vor 565 Tagen) @ MAT

Das Beispiel "wie es auch geht" finde ich unschön. Ein unruhiges Bild, wenn einzelne Prospektpfeifen in einem quasi eigenen Kasten stehen. Da ist mir Flentrop wesentlich lieber.

Auch die Orgel in Osnabrück, St. Marien wurde von Flentrop erbaut.

Doku über Flentrop - war: Orgelprojekt St. Johann Osnabrück

MAT @, Dienstag, 25. Februar 2025, 20:39 (vor 565 Tagen) @ Florian-L

Ok, die Flentrop in St. Johann gefällt mir besser.

--
Gruß
MAT

Doku über Flentrop - war: Orgelprojekt St. Johann Osnabrück

elias.orgel, Dienstag, 25. Februar 2025, 10:23 (vor 565 Tagen) @ MAT

Abgesehen vom Bild und von der zugehörigen Geschmackssache...

Handelt es sich hier um (eine) einfache Zahlen Spielerei
Oben
21 11 12 13 3 31 21 11 12
Unten
........ 4 3 2 1 3 1 2 3 4

--
Orgelspielen heißt: im Sitzen tanzen ...

... für Gott

Doku über Flentrop - war: Orgelprojekt St. Johann Osnabrück

MAT @, Dienstag, 25. Februar 2025, 20:42 (vor 565 Tagen) @ elias.orgel

Und? Gefällt mir trotzdem nicht.

--
Gruß
MAT

Doku über Flentrop - war: Orgelprojekt St. Johann Osnabrück

Oberpfeife1882, Krefeld, Montag, 24. Februar 2025, 17:59 (vor 566 Tagen) @ Orlos

Der Prospekt scheint dem alten Berner-Prospekt nachempfunden zu sein. Zumindest vermute ich es im Hinblick auf die bei Orgelinformation zu sehenden Reste.

Die Formulierung "Restaurierung" finde ich im Hinblick auf den historischen Anteil auch schwierig, aber vermutlich wird das einen besseren Effekt auf die Spendengenerierung gehabt haben.

Dass die Ergänzungen das noch weiter unterhöhlen ist klar. Jedoch finde ich das im Hinblick auf Kirchenraum und Bedeutung, sowie die seit Berner fortgeschrittene musikalische Entwicklung als äußerst vernünftig. Ebenso wie die vollausgebaute Bassoktave. Bei obiger Quelle wird noch "C, D-..." angegeben. Das Aussparen des Cis wäre wenig konstruktiver Purismus gewesen.

Doku über Flentrop - war: Orgelprojekt St. Johann Osnabrück

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Dienstag, 25. Februar 2025, 01:05 (vor 566 Tagen) @ Oberpfeife1882

Dass die Ergänzungen das noch weiter unterhöhlen ist klar. Jedoch finde ich das im Hinblick auf Kirchenraum und Bedeutung, sowie die seit Berner fortgeschrittene musikalische Entwicklung als äußerst vernünftig. Ebenso wie die vollausgebaute Bassoktave. Bei obiger Quelle wird noch "C, D-..." angegeben. Das Aussparen des Cis wäre wenig konstruktiver Purismus gewesen.

...und spielt bei "Hamburger Prospekten" doch auch in die Proportionen hinein - die Türme werden doch meist etwas breiter, um das dann unterzubringen, oder umgekehrt gesagt: Die Abwesenheit von C# und D# im Pedal oder C#, D#, F#, G# im Manual erlaubt schlankere Türme.

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