GdO-Tagung Wien: fulminanter Abschluss

Orlos @, Freitag, 02. August 2024, 23:59 (vor 771 Tagen)

Eine interessante Tagung ging eindrucksvoll mit einem besonderen "Event" zu Ende: Drei Werke für Orchester und Orgel erklangen unter der Leitung von Peter Planyavsky in der St.-Gertrudkirche. Zuerst das Konzert für Cembalo, Orgelpositiv (gespielt an der relativ großen Rieger-Orgel) und Kammerorchester (mit Holzbläsern). Von Heiller hörten wir am Dienstag in St. Elisabeth ein recht "schräges" Werk, aber dieses Konzert war gut anzuhören mit prägnanten Melodien und am Ende einem klaren Rückgriff auf den Anfang. Das Cembalo hatte viel Bewegung beizusteuern.
Nur mit Streichern war das "Kremser Konzert" von Planyavsky besetzt, das zu einer Orgelweihe entstand. Von allen Stücken, die ich von ihm kenne, ist dieses das beim ersten Hören "greifbarste", schöne Melodien und Motive, abwechslungsreiche Effekte, klare Rhythmen (beim letzten Satz mit einem Hang zum Wienerischen). Die Orgel ist gefordert, aber nicht ständig im Vordergrund (Solist: Martin Novak). Das Stück könnte häufiger aufgeführt werden.
Das dritte Werk war ein Orgelkonzert (op. 100) von Bossi, nun mit Pauken und Blechbläsern (Hörnern), was eine dunkle Grundfarbe erzeugte. Die Rieger-Orgel kam gut mit, nur einmal war das Krummhorn etwas zu "barock". Im letzten Satz gibt es ein anspruchsvolles Solo (Solist: Elmo Cosentini).
Interessant, dass auch ziemlich kräftige Orgeln im Zusammenspiel mit einem Orchester immer etwas defensiv klingen; wahrscheinlich werden die Musiker von der Orgel "angestachelt", noch etwas mehr zu geben.
Ein besonderes Lob an dieser Stelle für den jungen Registranten, der bei der rein mechanisch traktierten Orgel gut gefordert war und alles perfekt erledigte.
Das Konzert machte hörbar, dass "universale" Orgeln aus den "goldenen Jahren" (Symposium) vielseitig einsetzbar sind, auch wenn sie nicht immer für alle Situationen die perfekten Klangfarben bieten können.
Schön, dass noch so viele Tagungsteilnehmer am Freitagabend beim Konzert dabei waren, ein würdiger Abschluss.

GdO-Tagung Wien: fulminanter Abschluss

Friedrich @, Samstag, 03. August 2024, 00:20 (vor 771 Tagen) @ Orlos

Interessant, dass auch ziemlich kräftige Orgeln im Zusammenspiel mit einem Orchester immer etwas defensiv klingen; wahrscheinlich werden die Musiker von der Orgel "angestachelt", noch etwas mehr zu geben.

Nein, eher richtig ist, dass Orgeln als Solistinnen in Kirchenräumen nicht viel Kraft zu geben brauchen. Jedes Orchesterinstrument, auch die Streicher, können dagegen gut bestehen und müssen oft darauf achten, die Orgel nicht zuzudecken. Gegen Holz- und Blechblasensembles haben nur wenige Kirchenorgeln eine Chance. Konzertsaalorgeln sind im Vergleich zu Kirchenorgeln meist sehr laut angelegt, damit sie als Orchesterinstrumente mithalten können.

Deshalb finde ich es auch so schön, dass immer mehr Ensembles von der ewigen Truhe ("Der Herr gebe ihnen ...") wegkommen und kräftige Orgeln mit offenen 8'- und richtigen 16'-Registern einsetzen.

Viele Grüße
Friedrich

GdO-Tagung Wien: fulminanter Abschluss

Wolfgang Gourgé @, Samstag, 03. August 2024, 11:17 (vor 771 Tagen) @ Orlos

Interessant, dass auch ziemlich kräftige Orgeln im Zusammenspiel mit einem Orchester immer etwas defensiv klingen; wahrscheinlich werden die Musiker von der Orgel "angestachelt", noch etwas mehr zu geben.

....der Grund ist simpel: professionelle Bläser erreichen, so las ich mal (und es ist auch plausibel) einen Druck von über 500mm WS. Wo liegen die meisten Orgeln? Je nach Konzeption zwischen etwa 70 und 130, Hochdruckwerke (Osnabrücker Dom, Turmwerk) auch mal bei 240mm. Damit ist klar, wer die Oberhand gewinnt.

In den 1980ern sprach ich mal mit einem (unbeschreiblich inkompetenten...) Musiklehrer und organistischen Nebenamtler, es ging damals um eine angedachte Orgel für die Stader Stadthalle (aus der dann glücklicherweise nichts wurde, es wäre eine teure Totgeburt geworden: die Akustik der Stadthalle entspricht der eines mittleren Schuhkartons - mit Schuhen, versteht sich). Er: "....ach, ein paar aufgedrehte Mixturen, und dann geht das schon..." - genau falsch: mit den relativ kleinen Mixturpfeifen ist gegen Orchester-Blech schon gar nicht anzukommen, man vergiftet damit nur den Orgel-Soloklang.

GdO-Tagung Wien: fulminanter Abschluss

Contrebasson 32' @, Wien, Samstag, 03. August 2024, 11:43 (vor 771 Tagen) @ Orlos

Danke für den Bericht!

Mich hatte die Aussicht auf ein Konzert am anderen Ende von Wien mit Literatur, die mir womöglich nicht taugt, abgeschreckt. Jetzt bereue ich es doch fast...

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