GDO-Tagung in Wien - ein Zwischenfazit

Contrebasson 32' @, Wien, Mittwoch, 31. Juli 2024, 14:02 (vor 775 Tagen)

Nachdem ich am Programm der nächsten Tage nicht mehr teilnehmen werde, wage ich es schon jetzt, ein Résumé zu ziehen.

Was war mein Highlight?
Ohne Zweifel tombecher, Große Pfeife sowie Orlos in personam kennenzulernen und sich über Orgeln, Musikstücke sowie Gott und die Welt auszutauschen.

Was war mein Lowlight
Das Konzert von Summereder in St. Elisabeth mit fast nur moderner und zeitgenössischer Literatur. Sauschwer für Spieler wie Zuhörer. Zwar brilliant gespielt, Summereders Können ist wirklich beeindruckend. Aber das Programm war einfach zu harter Tobak - vor allem nach einem so langen Tag. Dies ist jedoch wohl eher der künstlerischen Tagungsleitung als ihm anzulasten. Er wird das geliefert haben, was von ihm gefordert wurde. Und das sehr überzeugend. Schade.

Weitere Eindrücke
Die Ausbildungsmöglichkeiten an der mdw haben mit den diversen neuen Orgeln einen echten Sprung nach vorne gemacht. Es ist schon kurios, wenn man sich vor Augen führt, dass Generationen von Organisten ihr Studium samt Examina auf der berüchtigen B-Orgel sowie der Hradetzky-Orgel in St. Ursula bestreiten mussten. Vor diesem Hintergrund wird einem auch deutlich, welch Quantensprung die Späth-Orgel in der Jesuitenkirche war, die als Unterrichtsinstrument der "Konkurrenz" am städtischen "Kons" zur Verfügung steht und die mdw glücklicherweise unter Zugzwang gesetzt hat.

Wien ist Riegerland, vor allem im ersten Bezirk. Generell hätte ich mir gerade an den ersten Tagen mehr Varianz bei der Auswahl der Orgeln gewünscht. Rieger und Hradetzky sind im Tagungsprogramm so präsent, dass ein Tagungsteilnehmer unterwegs fragte, ob Rieger die Tagung eigentlich finanziell unterstützen würde. Gerade im ersten Wiener Bezirk hätte es sich gelohnt, gemeinsam einen Abstecher in die Dominikaner-, die Kapuzinerkirche und nach Maria am Gestade zu machen oder Kleinode wie die historische Orgel in St. Anna zu entdecken. Außerhalb der Innenstadt hätte man bspw. die Orgel der Lazaristenkirche besichtigen können, um auch mal eine Kauffmann-Orgel (senior) zu hören. Der Montag hätte hierzu als Altenrativprogramm zu mdw, Franziskaner- und Jesuitenkirche eine gute Gelegenheit geboten.

Als Instrument habe ich die Orgel der Votivkirche gerade im direkten Vergleich mit den anderen Instrumenten noch einmal neu zu schätzen gelernt. Ein traumhaftes Instrument und definitiv eine Reise wert. Direkt dahinter reiht sich die Sieber-Orgel ein, die ganz anders, aber so farbig und in sich stimmig ist. Auf Platz 3 dann die Riegerin in St. Augustin, deren Konzept ich zwar durchaus kurios finde, die aber unter den Fingern von Wolfgang Capek wirklich klanglich zu überzeugen wusste und in sich stimmig wirkte. Mit den hiesigen Konzertsaalorgeln werde ich hingegen einfach nicht warm. Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten und ich habe schon überlegt, ob es vllt. generell daran liegt, dass die Orgeln nicht in Kirchen samt zugehöriger Akustik stehen. Wenn ich dann aber bspw. an die Kuhn-Orgeln in Essen oder in Zürich denke, überzeugen mich die dortigen Konzepte inkl. Intonation mehr. Aber das ist ein Thema für einen eigenen Thread.

Das Niveau der Spieler war übrigens erfreulich hoch (Ausnahmen bestätigen die Regel). Hier waren überall Profis am Werk und nicht nur die Wiener Professoren konnten von ihrem Können überzeugen. Ich hätte mir bzgl. der Literaturauswahl mehr Variationswerke gewünscht, die zur Präsentation verschiedenster Klangfarben animieren statt eines teilweise sehr verkopften Programms, das mit viel Muffat (Froberger), Brahms, Schmidt, Schönberg, Heiller usw. bisweilen mehr einer österreichischen Leistungsschau glich. Auch wären grundsätzlich Orgelvorführungen oder Gesprächskonzerte anstelle von reinen Orgelkonzerten eine angenehme Abwechslung gewesen.

Ich werde mir jedenfalls vornehmen, zukünftig wieder mehr Orgelkonzerte, Klassenabende usw. in meine Freizeitplanung einzubeziehen und außerdem auf Tagungen, Ausflügen etc. öfters mal das Handy für Fotos zu zücken ;)

PS: Nächstes Jahr dann Magdeburg, 2026 Paris.


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