GdO-Tagung Wien 2. Tag (Montag)

Orlos @, Montag, 29. Juli 2024, 23:16 (vor 776 Tagen)

Insgesamt neun Orgeln wurden heute vorgestellt.
Von (angeblich) insg. 15 Pfeifenorgeln der Hochschule für Musik wurden fünf mit Literaturspiel vorgestellt, wobei die Interpreten ihr Programm jeweils insgesamt viermal spielen mussten, denn die Räume sind zum Teil recht klein (es sind etwa 250 Tagungsteilnehmer).
Im kleinsten vorgestellten Raum steht eine fein intonierte Collon-Orgel, bei der auch ein langes Plenum-Stück mit Zungen gut erträglich war. Bach modulierte allerdings in Tonarten, die von der gelegten Temperatur nicht mehr schön abgebildet wurden.
In einem größeren Raum (mit Klimaanlage) steht eine große Rieger-Orgel mit zwei Schwellwerken und einem zusätzlichen Generalschweller, zum Teil aus Glas. Eine tolle Einrichtung, mit der man laut spielen kann und trotzdem nicht „erschlagen“ wird. Die Orgel ist romantisch ausgerichtet und wurde mit Bossi und Respighi gut vorgeführt.
In der angeschlossenen St.-Ursula-Kirche baute Hradetzky 1968 eine zweimanulige mechanische Orgel, die für lange Zeit die einzige „größere“ Unterrichtsorgel war. Planyavsky berichtet, was darauf alles gespielt wurde und wie man etwa Reger dafür einrichtete. Neben Bach wurde heute ein passendes Werk von Suppan interpretiert, welches den kräftigen, immer transparenten Klang gut vertrug. Zuvor erklang auf der kleinen italienischen Orgel Froberger sowie auf der ehemaligen Hausorgel von Schmidt ein Choralvorspiel desselben (und Rheinberger) - der streicherlastige Sound erzeugte dabei sphärische Klänge von der Empore herab.
In der Franziskanerkirche wurde die älteste Orgel Wiens von 1642 nicht nur mit passender Literatur, sondern einzelne Register auch mit kurzen Improvisationen vorgeführt, eine schöne Sache, die man sich häufiger wünscht. Auch die (wenigen) Subsemitonia (doppelten Obertasten) wurden erklärt.
In den 1980er-Jahren schwappte die Frankreichbegeisterung nach Deutschland über und es wurden neue Instrumente im „französischen Stil“ bzw. im „Stil von Cavaillé-Coll“ gebaut. Man denke an Oberlinger (Bonn-Beuel, Hanau), Heintz (Rastatt, Oberhausen), Paschen (Pori), Woehl (Viersen), auch Klais und Rieger lieferten entsprechende Orgeln. In Wien baute 2004 Späth (Freiburg) eine solche Orgel in die Jesuitenkirche. Naja. Wer schon einmal in Frankreich war, hat etwas andere Klänge im Ohr, was etwa die Mixturen, die Grundstimmen und die GO-Trompette betrifft. Roman Hauser spielte Alain, Vierne ("Westminster" in einer recht eigenen Fassung) und eine Improvisation über GL 409, bei der der neckische 5/4-Takt kaum herauskam. Hier wäre auch eine gute Gelegenheit gewesen, ein paar Soloregister vorzuführen.
Der „Goldene Saal“ im Musikverein ist ein besonderer Ort, quasi ein Heiligtum der klassischen Musik. Von der ursprünglichen Ladegast-Orgel ist leider erstaunlich wenig erhalten, nur Prospekt und zwei unbedeutende Register. Die neue Rieger-Orgel klingt erwartungsgemäß kraftvoll, aber völlig anders als die helle Augustiner-Orgel, eher dunkel-symphonisch, wobei die Mixturen dennoch eine gewissen Glanz einbringen. Rollende Bässe und Grundstimmen in allen Lautstärkegraden lassen die Orgel zu einem guten Partner für’s Orchester werden. Auch hier hätte man sich ein paar Soloregister-Vorführungen gewünscht, immerhin erklang die Klarinette. Bei den ganz leisen Stellen wunderte man sich über die lauten Trakturgeräusche. Da es auch einen mechanischen Spieltisch gibt, rattert wohl immer die ganze Mechanik mit, auch wenn man vom elektrischen Spieltisch (mit schwarzem Klavier-Lack gestaltet) aus spielt. BACH von Liszt und Karg-Elert kamen mustergültig herüber, die Toccata von Schmidt wirkte etwas einförmig und lang, endete immerhin im herrlichen C-Dur (drei 32‘-Register). Der Saal weist etwa zwei Sekunden Nachhall auf, wenn er nur zu einem Viertel mit Zuhörern besetzt ist.
Am Abend gab es an der Hradetzky-Orgel in St. Elisabeth einen für den Spieler und die Zuhörer (!) äußerst anstrengenden Ausflug in die Moderne: Schönberg, Heiller und Radulescu. Virtuos gespielt, aber doch arg schräg. Die Orgel präsent und für diese Musik genug klar im Klang.

GdO-Tagung Wien 2. Tag (Montag) - 1. Ergänzung

Große Pfeife @, Dienstag, 30. Juli 2024, 10:24 (vor 775 Tagen) @ Orlos

Ein sehr schöner Besuch in der Muho. Freundliche Menschen.
Leider nur 5 der vielen Orgeln. Wenn man schonmal da ist…
Die Wöhl in CO114 wollte ich ansehen - bin freundlich geführt worden, die Studentin wollte mich sogar spielen lassen… habe aber nur ein Foto gemacht:

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Zum Generalschweller der Rieger-Konzertorgel: Nett gemacht, hier zu (irgendwe war immer im Bild):

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(Die Collon war mir übrigens viel (!) zu laut. Mitte hinten vor der Wand sind das über 90dB gewesen.)
(Im Musikverein hätte die Rieger für meinen Geschmack ruhig mehr Druck haben können - Fülle und Kraft, aber nicht über Mixturen).
Habe mittig relativ hinten gesessen).

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Wolfgang Gourgé @, Dienstag, 30. Juli 2024, 22:13 (vor 775 Tagen) @ Große Pfeife


(Die Collon war mir übrigens viel (!) zu laut. Mitte hinten vor der Wand sind das über 90dB gewesen.)

....das war auch mein Eindruck bei einem Vortragsabend im Jahr 2017, zumal der Student Bachs P + F in Es (Clavierübung) durchgehend "historisierend" - und damit im Organo pleno - spielte, was in dem relativ kleinen Raum schnell zu einer Klangfolter wurde. Welchen Sinn es haben soll, eine Orgel für einen solchen Raum so laut zu machen und dann auch noch die ganze Zeit im Plenum zu spielen, erschließt sich mir nicht.

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Orlos @, Mittwoch, 31. Juli 2024, 01:07 (vor 775 Tagen) @ Wolfgang Gourgé

So unterschiedlich sind die Geschmäcker. Wir hörten ebenfalls dort das Es-Dur-Praeludium im Plenum - und mir gefiel es.

GdO-Tagung Wien 2. Tag (Montag) - 1. Ergänzung

Willscher, Mittwoch, 31. Juli 2024, 09:35 (vor 774 Tagen) @ Wolfgang Gourgé

Da lobe ich mir Horowitz, der sagte, die Partitur sein nicht die Bibel.Schlaue Abhandlungen, die meinen, man müsse alles historisch korrekt im Pleno spielen, sind es auch nicht. Man schaue sich einmal die Zeugnisse an, die über Bachs Spiel berichten, wenn er eine neue Orgel antestete.

GdO-Tagung Wien 2. Tag (Montag)

stein @, Dienstag, 30. Juli 2024, 11:17 (vor 775 Tagen) @ Orlos

In Wien baute 2004 Späth (Freiburg) eine solche Orgel in die Jesuitenkirche. Naja. Wer schon einmal in Frankreich war, hat etwas andere Klänge im Ohr, was etwa die Mixturen, die Grundstimmen und die GO-Trompette betrifft. Roman Hauser spielte Alain, Vierne ("Westminster" in einer recht eigenen Fassung) und eine Improvisation über GL 409, bei der der neckische 5/4-Takt kaum herauskam. Hier wäre auch eine gute Gelegenheit gewesen, ein paar Soloregister vorzuführen.

Das war noch der Vater Späth. Die Hartwig Generation mit dem sehr guten Intonateur, den Namen habe ich gerade nicht parat, baut da schon viel konsequenter.
Habe mal ein sehr sehr schönes Instrument im Atelier gespielt.

GdO-Tagung Wien 2. Tag (Montag)

perotin, Dienstag, 30. Juli 2024, 12:01 (vor 775 Tagen) @ stein

In Wien baute 2004 Späth (Freiburg) eine solche Orgel in die Jesuitenkirche. Naja. Wer schon einmal in Frankreich war, hat etwas andere Klänge im Ohr, was etwa die Mixturen, die Grundstimmen und die GO-Trompette betrifft. Roman Hauser spielte Alain, Vierne ("Westminster" in einer recht eigenen Fassung) und eine Improvisation über GL 409, bei der der neckische 5/4-Takt kaum herauskam. Hier wäre auch eine gute Gelegenheit gewesen, ein paar Soloregister vorzuführen.

Das war noch der Vater Späth. Die Hartwig Generation mit dem sehr guten Intonateur, den Namen habe ich gerade nicht parat, baut da schon viel konsequenter.

Reiner Janke. Laut Homepage schon seit 1986 bei Späth tätig.

GdO-Tagung Wien 2. Tag (Montag)

hintersatz ⌂ @, Mittwoch, 31. Juli 2024, 10:27 (vor 774 Tagen) @ perotin
bearbeitet von hintersatz, Mittwoch, 31. Juli 2024, 10:35

Späth ist auch super. Deshalb trainiert mein Merdinger Orgelprofessor jetzt auch an der Späth in Unterrimsingen, die ich ihm empfohlen habe. Kleines, aber präzises Instrument, nicht zu leise, nicht zu laut. Und man ist dort völlig ungestört. Ich selber spiele gerne in Dörlinbach, Sitzposition ähnlich wie in Merdingen, sie hat und braucht auch das Schwellwerk, ist aber nicht ganz so laut, und es gibt einen netten Laden mit Kaffee (habe extra einen Mehrweg-Kaffeebecher angeschafft), Weckle und kleinen, leckeren Teilchen. Wo mein Orgelprofessor trainiert, sieht man immer an den bis an die Prinzipallabien hochgeschraubten Sitzbank. Ist doch lustig, das Studentenleben. In Dörlinbach habe ich auch voll meine Ruhe, und als Vorbereitung für das historische Instrument in Königschaffhausen ist diese Traktur optimal, das ist zwar ein modernes Instrument, Winterhalter baute diese Traktur aber scheinbar in historischer Manier.

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Organiste titulaire de l'Opus diaboli

GdO-Tagung Wien 2. Tag (Montag)

MAT @, Dienstag, 30. Juli 2024, 20:56 (vor 775 Tagen) @ Orlos

9 Orgeln an einem Tag? Hilfe!

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Gruß
MAT

GdO-Tagung Wien 2. Tag (Montag) - 2. Ergänzung (Riegermania)

Große Pfeife @, Donnerstag, 01. August 2024, 15:01 (vor 773 Tagen) @ Orlos

Vor der mittäglichen Kalorieneskalation wollte ich mir noch eine weitere Rieger antun - nicht weil ich ein ausgemachter Riegerfan bin, sondern weil ich unbedingt unbehelligt durch das ganze Treppenhaus zur Kirchenmusik am Stock-im-Eisen-Platz wollte.

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Ok, war‘n Scherz. Bin aber trotzdem zu Fuß hoch, um sie mal live zu sehen:

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Die neue Rieger-Übungsorgel der Kirchenmusik. Nach Salzburg, Regensburg, Köln, Prag und Mainz (und anderen) hier wieder eine kleine, neue III/P. Ich kannte das Instrument nur von einem Videoausschnitt und Bildern, war daher verblüfft, wie klein es tatsächlich ist. Ich bin sehr freundlich empfangen worden und durfte Fotos machen. (Spielen auch, war mir aber zu peinlich ????).

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(Ich stehe beim zweiten Bild im Türdurchgang zum Nachbarraum). Noch ein paar Detailfotos:

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Neben den viele „großen“ Knallern mal was schnuckelg Kleines. Hätte auch auf dem Programm stehen sollen.

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