Orgelkonzertprogramme

Willscher, Montag, 22. Juli 2024, 14:51 (vor 785 Tagen)

Moin,
wie vielfältig die Orgelkonzertlandschaft ist, sieht man an den zahlreichen Orgelfrühlingen, Orgelsommern, Orgelherbsten und Orgelwintern. In fast jedem Kaff scheint es große Orgelfestivals zu geben.
Da wundert man sich, dass die meisten Programme eher lieblos gestaltet sind nach dem Motto: höher, schneller , weiter. Je mehr Noten, je mehr Staccato umso besser. Und immer die ollen Kamellen. Als ob es keine Alternativen göbe. Aber die machen natürlich mehr Arbeit.
Da ist es erbaulich, frane-orgue durchzugehen.
Aus dem Repertoire GROSSER INTERPRETEN kleinere Sachen, die man heutzutage nicht hört. Ist das vielleicht unter der Würde der Domorgelhengste?
Von Vierne über Duruflé bis zun Schirlè oder Vaubourgin (die hier sicher kaum jemand auf der Rechnung hat) spielten diese Sachen wie
Tournemire Varia preces
Alain Choral dorien, Postlude pour....Berceuse
Langlais Hommage an Landino
Koechlin Preludes und kleine Choräle
Vierne Arabesque und Anderes aus den 24 Stücken
Grieg 5 lyrische Stücke (sic!)Schroeder Intermezzi
Dupré Elevation
Zipoli Canzona

Alles nichts wert, diese Literatur?
Wir haben hier sehr fähige Leute, die es sich immer um solche Sachen verdient machen, indem sie kramen oder kleine Marktmusiken spielen etc.
Also nur Mut.
Gerade kommt die Post und bringt wundervolle französ. Sachen wie Märsche von Charles Wattinne oder Marcel Laurent. Schonmal gehört diese Komponisten?
Gruss
A.

Orgelkonzertprogramme

Jerry, Montag, 22. Juli 2024, 15:00 (vor 785 Tagen) @ Willscher

Das liegt häufig auch daran, dass solcher "Kleinkram" nicht zieht beim Publikum. Es muss halt was Bekanntes sein. Also zB. Sämtliche Bach Werke an einem Abend, wird sicher voll. *Ironie aus*.

Orgelkonzertprogramme

Willscher, Montag, 22. Juli 2024, 15:13 (vor 785 Tagen) @ Jerry

Es muss nichts Bekanntes sein. Das Publikum ist zumindest teilweise intelligent und aufgeschlossen. Sonst könnten Komponisten es gleich sein lassen, Neues zu komponieren.Ich jedenfalls höre am liebsten Orgelmusik, die nicht kenne bzw. noch nie gehört habe. Und Leute wie James Hicks haben volle Hütten, weil sie eben nur Unbekanntes Spielen. Und die Leute sind anschließend begeistert.
Wie war das ( allgemein!) so mit Scheuklappen?

Orgelkonzertprogramme

Jerry, Montag, 22. Juli 2024, 19:26 (vor 784 Tagen) @ Willscher

Hier schon. Wenn nicht Bach oder großes Franz. Symphonik auf dem Programm steht, gibt das nix.

Orgelkonzertprogramme

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Montag, 22. Juli 2024, 20:43 (vor 784 Tagen) @ Willscher

Es muss nichts Bekanntes sein. Das Publikum ist zumindest teilweise intelligent und aufgeschlossen. Sonst könnten Komponisten es gleich sein lassen, Neues zu komponieren.Ich jedenfalls höre am liebsten Orgelmusik, die nicht kenne bzw. noch nie gehört habe. Und Leute wie James Hicks haben volle Hütten, weil sie eben nur Unbekanntes Spielen. Und die Leute sind anschließend begeistert.
Wie war das ( allgemein!) so mit Scheuklappen?

Ich kann nicht bestätigen, dass ich am liebsten Unbekanntes höre - wobei mein "Bekanntes" eben auch nicht Sekundär- oder Tertiärliteratur ist.
Zur Eingangsfrage: Schon mal gehört von diesen Komponisten?
Nein. Und das kann folgende Gründe haben:
1) Die Komponisten waren demütige Persönlichkeiten und kümmerten sich nicht darum, dass sie verlegt und/oder gespielt werden.
2) Ihre Musik war anachronistisch, was im Allgemeinen heißt: veraltet, retrospektiv. In die Zukunft weisend war eher unwahrscheinlich...
3) Ein oder mehrere Zeitgenossen haben sich aktiv gegen die Verbreitung der Werke eingesetzt.
4) Die Musik ist einfach nur solala.

Ein Kollege wollte bei unserem gemeinsamen Prof. Vierne's "Carillon de Westminster" studieren. Der lehnte ab: "Das können Sie sich selbst beibringen." Ich wollte mal ablehnen, die "Suite gothique" zu unterrichten, allerdings hatte die Studentin beim Vorgänger schon damit begonnen... Beides heißt ja nicht, dass man die Stücke nicht spielen sollte. Aber es gibt Dinge, die lohnenswerter sind.
Klar, nicht jeder Bach ist bei fernstehendem Publikum wirklich geeignet. Manches ist zu lang, auch wenn es toll gespielt wird. Aber bevor ein Publikum Bruckner-Transskriptionen bekommt, sollte es die wesentlichen Stücke von C. Franck gehört haben. Zugegeben, der Bruckner wäre anschlussfähiger an jene Publikumsteile, die grundsätzlich schon Liebhaber der sogenannten klassischen Musik sind.
Denn bei diesem Publikum - das zeigt immer sehr schön das samstägliche NDR-Wunschkonzert - bleibt es wirklich bei den ollen Kamellen, zu denen dann auch Galanterie- und Effektstücke gehören, Hauptsache: nicht "modern"...

Orgelkonzertprogramme

Stephan Pollok @, Montag, 22. Juli 2024, 22:00 (vor 784 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

begonnen... Beides heißt ja nicht, dass man die Stücke nicht spielen sollte. Aber es gibt Dinge, die lohnenswerter sind.

Klar, nicht jeder Bach ist bei fernstehendem Publikum wirklich geeignet. Manches ist zu lang, auch wenn es toll gespielt wird. Aber bevor ein Publikum Bruckner-Transskriptionen bekommt, sollte es die wesentlichen Stücke von C. Franck gehört haben. Zugegeben, der Bruckner wäre anschlussfähiger an jene Publikumsteile, die grundsätzlich schon Liebhaber der sogenannten klassischen Musik sind.
Denn bei diesem Publikum - das zeigt immer sehr schön das samstägliche NDR-Wunschkonzert - bleibt es wirklich bei den ollen Kamellen, zu denen dann auch Galanterie- und Effektstücke gehören, Hauptsache: nicht "modern"...

Wer sich für Orgel zusammengeschrumpfte Bruckner-Symphonien anhört, der hat meiner Meinung nach den Intellekt eines Liebhabers von Spielzeugeisenbahnen.
Mir ist auch völlig egal, ob solche Transkriptionen "gut gemacht" sind.

Transkriptionen, war: Orgelkonzertprogramme

VoxCoelestis, Montag, 22. Juli 2024, 23:56 (vor 784 Tagen) @ Stephan Pollok

Transkriptionen von Bach und Händel bis Schumann und Wagner ….. von niemand Geringerem als Sigfrid Karg-Elert. Eher eine Spielzeugeisenbahn oder doch ernstzunehmendes Konzert-Repertoire? (Und ja, es gibt noch viele andere Beispiele.)

Jede Transkription eines Orchesterwerks für die Orgel muss sich vermutlich den Vorwurf gefallen lassen, eine Kopie zu sein und im direkten Vergleich mit den Original nicht auf Augenhöhe kommen zu können. Dementsprechend undankbar könnte es sein, sich solchen Versuchungen hingeben zu wollen. Und nichtsdestotrotz haben sich große Namen daran gewagt.

Wie kommt es und welche Transkriptionen haben vielleicht nicht doch einen Platz im Reigen der Orgelkonzerte verdient?

Koechlin [Orgelkonzertprogramme]

3rd_astronaut, Dienstag, 23. Juli 2024, 02:02 (vor 784 Tagen) @ Willscher

Koechlin Preludes und kleine Choräle

Ich hatte mal günstig einen Band von Koechlin-Werken erstanden, habe aber nur der Form halber einen kleinen ruhigen Satz draus gespielt, damit ich das Heft nicht komplett unbespielt weglege.
Koechlin erzeugt Dynamiksteigerungen (zusätzlich zu Registercrescendi?) mit einer Stimmenzunahme, was den Satz stellenweise komplex und spieltechnisch schwer macht. Zudem notiert er penibel in Stimmführung, was bei den oft vorkommenden Stimmkreuzungen verwirrende Umlegungen der Stimmen zwischen den Händen nötig macht -- mich nervt das, ich bevorzuge spielbare Notation mit ggf Hinweisen auf Stimmführung durch strichlierte Linien. Das Wandern von Linien zwischen Manualen und Pedal erschwert sinnvolle Registrierungen. Und, last but not least, für mich rechtfertigt das Klangergebnis nicht den Übeaufwand.

Von mir erhält Koechlin daher leider k̵e̵i̵n̵ ̵F̵o̵t̵o̵ keine Weiterempfehlung.

Orgelkonzertprogramme

Axel, Dienstag, 23. Juli 2024, 02:32 (vor 784 Tagen) @ Willscher

Ich sage mal "jein"....Vermutlich gehöre ich auch zu denjenigen, die gerne mal eher entlegene Sachen auf's Programm setzen. Trotzdem bleibt manches aus der zweiten Reihe dann eher blass und mehr liturgische Gebrauchsmusik, selbst bei bekannten Namen wie Gigout oder Boellmann. Das trägt dann nicht wirklich über eine Stunde Konzert. Ich habe doch meistens Standardrepertoire von unzweifelhafter Qualität dabei.

Orgelkonzertprogramme

Residual, Dienstag, 23. Juli 2024, 05:51 (vor 784 Tagen) @ Axel

Mein Orgel-Prof. empfahl für Konzertprogramme zwischen den "Hämmern" sowohl fürs Publikum als auch für Spieler samt Registranten entspannende, ruhigere Stücke, durchaus auch anspruchsvolle Choralvorspiele.
Die "Kracher" kämen so umrahmt wesentlich eindrucksvoller, als wenn sie in direkter Folge hintereinander gespielt würden.
Orgelkonzerte seien schließlich keine Wiederholung des A- oder Konzertexamens.

Orgelkonzertprogramme

link1907 @, Dienstag, 23. Juli 2024, 09:46 (vor 784 Tagen) @ Stephan Pollok

Wer sich für Orgel zusammengeschrumpfte Bruckner-Symphonien anhört, der hat meiner Meinung nach den Intellekt eines Liebhabers von Spielzeugeisenbahnen.

Mir ist auch völlig egal, ob solche Transkriptionen "gut gemacht" sind.<

Das ist schon starker Tobak!
Gilt das dann auch für all die Toporganisten die das spielen?
Ich nenne hier nur mal Hansjörg Albrecht.
An der Pfarrkirche St. Martin zu Dudelange (Lux) vom 31.08.2024 bis zum
02.11.2024 an 10 Samstagen in Folge die 11 Sinfonien von Bruckner in den
Orgelbearbeitungen von Eberhard Klotz.
Interpreten, Zuhörer alle intellektuell Liebhaber von Spielzeugeisenbahnen??

Orgelkonzertprogramme

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Dienstag, 23. Juli 2024, 10:14 (vor 784 Tagen) @ Willscher

Moin,
wie vielfältig die Orgelkonzertlandschaft ist, sieht man an den zahlreichen Orgelfrühlingen, Orgelsommern, Orgelherbsten und Orgelwintern. In fast jedem Kaff scheint es große Orgelfestivals zu geben.
Da wundert man sich, dass die meisten Programme eher lieblos gestaltet sind nach dem Motto: höher, schneller , weiter. Je mehr Noten, je mehr Staccato umso besser. Und immer die ollen Kamellen. Als ob es keine Alternativen göbe. Aber die machen natürlich mehr Arbeit.
Da ist es erbaulich, frane-orgue durchzugehen.
Aus dem Repertoire GROSSER INTERPRETEN kleinere Sachen, die man heutzutage nicht hört. Ist das vielleicht unter der Würde der Domorgelhengste?
Von Vierne über Duruflé bis zun Schirlè oder Vaubourgin (die hier sicher kaum jemand auf der Rechnung hat) spielten diese Sachen wie
Tournemire Varia preces
Alain Choral dorien, Postlude pour....Berceuse
Langlais Hommage an Landino
Koechlin Preludes und kleine Choräle
Vierne Arabesque und Anderes aus den 24 Stücken
Grieg 5 lyrische Stücke (sic!)Schroeder Intermezzi
Dupré Elevation
Zipoli Canzona

Alles nichts wert, diese Literatur?
Wir haben hier sehr fähige Leute, die es sich immer um solche Sachen verdient machen, indem sie kramen oder kleine Marktmusiken spielen etc.
Also nur Mut.
Gerade kommt die Post und bringt wundervolle französ. Sachen wie Märsche von Charles Wattinne oder Marcel Laurent. Schonmal gehört diese Komponisten?
Gruss
A.

Schön, dass Du neben dem typischen MAterial, dass Dir die Post eben brachte, auch zwei drei nicht so typische Namen oben listest, die von den Genannten gespielt wurden.
Ich unterstelle mal, dass wir in diesen Diskussionen doch zu sehr die Wolfram-Adolph-Brille (RIP!) aufhaben.
Ist es nicht so, dass es besser klingt, etwas vom Titulaire der Kirche Notre-Dame-du-l'apres-midi in Marne-dans-la-vallée zu spielen, der dort eine 15stimmige Dalstein & Haerpffer hatte, in der aus der Vorgängerkiste 3 Mutin-Register ("Symphonisch!" hätte W.A. ergänzt) enthalten sind, als wenn ich was auflege vom Lehrerkantor an der Kreuzkirche von Pritzwitz, der an einer 12-Register Schlag & Söhne, an der Emmanuel Kemper das Absägen von Streichern übte, gewirkt hat... Frischen wir nicht auch Urlaubserinnerungen auf, weil wir lieber nach Italien oder Frankreich fahren als nach Schlesien oder nach Ostpreußen?

Was ist denn mit den B- und C-Meistern der Vergangenheit? Zipoli hast Du eben erwähnt. Was ist den mit Buttstedt und dem anderen Früh-Bach-Umfeld, im Norden mit nicht nur Druckenmüller, sondern dem Rest aus dem Husumer Orgelbuch, was ist mit den Tonnen italienischer Canzonen oder Versetten (und wenn man antworten muss: Wir haben die Orgeln nicht dafür, dann würde es mich beunruhigen, dass wir anscheinend für die Franzosen die Orgeln haben), oder süddeutsch: Gottlieb Muffat, Murschhauser, gab's nicht auch Telemann-Orgelwerke, und massenweise Rinck, Kuhnau, was ist mit der Breslauer Schule - nun gut, die Entdeckung der Deutschromantiker neben oder hjinter Max Reger schreitet seit Jahren voran, wer spielt aber Franz Schütz?
Über unsere Lehrerslehrer (Schroeder, Stockmeier, Heiller, Ahrens u. v. a.) wird hier ja immer wieder gesprochen, das ist auch gut so.
"Marktmusik" hast Du geschrieben - in der Tat, im niedrigschwelligen Bereich löässt sich gut mal was Kleines einrühren, was nicht der Kontrapunkt-Klausur standhalten muss. Da ist Kürze und Buntheit gefragt, Derartiges betreibe ich ja selbst. Aber im "richtigen" Orgelkonzert darf es für mich schon gehaltvoll sein. Zunächst als Hörer gesprochen, als Spieler sitze ich ohnehin im Glashaus.

Und dann kommt's ja noch darauf an...., war: Orgelkonzertprogramme

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Dienstag, 23. Juli 2024, 10:23 (vor 784 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

....WER spielt:

Vor drei Wochen traf ich kurz Christian Drengk (DO-Reinoldi) und sprach ihn auf Anna Lapwood an, die am Plakat stand. Er war etwas skeptisch, ob es denn auch "gut" werden würde, wollte aber auch mal die Popularität austesten.

Guido Krawinkel (auch im Forum vertreten) war da und berichtet hier:
https://www.facebook.com/share/p/frh83Q9J3pPYxXqx/

(müsste öffentlich einsehbar sein)

Also Beginn 15 Minuten später, weil noch 100 Leute Schlange standen... Anschließend volle Kirche. Ich leihe mir mal das Foto aus (darf ich?) mit Vergleich von angekündigtem und tatsächlichem Programm:

[image]

Es war wohl als Veranstaltung fulminant, lebte aber auch sehr vom Charisma der Dame. Wie auch immer, jemand wie sie könnte vermutlich alles spielen, das breite Publikum wäre angetan. Man hofft, dass sie sich nicht zu sehr darauf verlässt und auch künftig noch etwas Kontakt zum Schwarzbrot-Repertoire hält...

Und dann kommt's ja noch darauf an...., war: Orgelkonzertprogramme

gk @, Dienstag, 23. Juli 2024, 12:37 (vor 784 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Hey, datt Fotto kenne ich! ;-)

Als jemand, der da war, kann ich den Eindruck bestätigen. Man kann sich über Details streiten, aber Lapwood ist eine exzellente Spielerin, die die Stücke musikalisch perfekt auf den Punkt bringt. Nur einmal (beim zweiten Britten) schien das Pedal ohne Registrierung zu sein (saß direkt neben dem Spieltisch), aber das scheint wohl ein gelegentliches Problemchen der Orgel zu sein, wie mir Dietmar Korthals verriet.

Die stilistische Fallhöhe zwischen der ersten Bearbeitung (irgendwas mit "Glocken von Notre-Dame") und dem deshalb nicht gespielten Alain ist natürlich hoch, zumal der perfekt zu dem Duruflé gepasst hätte. Bei dem hat Lapwood dann eine rührselige Geschichte erzählt, den originalen Hintergrund aber gar nicht beleuchtet. Das war schon ein Manko, das ich bekritteln würde.

ABER: musikalisch war (nicht nur) besagte Notre-Dame-Bearbeitung wirklich schön und sehr, sehr gut gespielt. Und die Präsenz und Ausstrahlung der Dame ist wirklich bemerkenswert. Nicht umsonst standen die Leute Schlange, die Bude war gerammelt voll. Und die Orgel: auch sehr, sehr schön. Farbenreich, schon kraftvoll aber nicht zu laut. Hat mir auch gefallen.

Orgelkonzertprogramme

Florian-L @, Dienstag, 23. Juli 2024, 14:45 (vor 784 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

[...] wer spielt aber Franz Schütz?

Er hat tatsächlich auch komponiert?
Ich nehme an, du meinst diesen Franz Schütz:

https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Sch%C3%BCtz_(Organist)

Orgelkonzertprogramme

Axel, Dienstag, 23. Juli 2024, 16:47 (vor 784 Tagen) @ Florian-L

Vielleicht ist F. Schmidt gemeint?

Orgelkonzertprogramme

Stephan Kreutz, Dienstag, 23. Juli 2024, 16:52 (vor 784 Tagen) @ link1907

Ich habe weder eine Spielzeugeisenbahn, noch würde ich mir anmaßen, aufgrund eines Hobbies (und mag es noch so abwegig erscheinen) über den Intellekt derjenigen Person urteilen zu können, aber zumindest ich höre Transkriptionen jeglicher Art sehr gerne. Und ziehe den Hut vor Hansjörg Albrechts Leistung.
Wahrscheinlich muss ich dringend zum Intelligenztest. Manche hier wissen gar nicht, wie daneben solche Äußerungen sind.

Orgelkonzertprogramme

Orlos @, Dienstag, 23. Juli 2024, 17:09 (vor 784 Tagen) @ Stephan Kreutz

Manche hier wissen gar nicht, wie daneben solche Äußerungen sind.

Es ist wohl eher die Freude an der Provokation. Je mehr sich darüber aufregen...

Orgelkonzertprogramme

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Dienstag, 23. Juli 2024, 17:43 (vor 783 Tagen) @ Axel

Vielleicht ist F. Schmidt gemeint?

Nein, ich meinte tatsächlich Franz Schütz, (Schmidt kommt ja doch auch in den Programmen vor), muss allerdings zugeben, dass meine Erinnerung an ein Hochformat mit seinem Komponistennamen - und ja, es ging um jenen Wiener Organisten - scheinbar nicht zutreffend ist. Für eine eventuelle mentale Verwechslung konnte ich bisher das "Original" auch nicht herausfinden, sorry.

Orgelkonzertprogramme

Stephan Kreutz, Dienstag, 23. Juli 2024, 18:41 (vor 783 Tagen) @ Orlos

Tatsächlich verstehe ich nicht, warum man sich so äußern muss. Mit Aufregung hat das nichts zu tun.

Orgelkonzertprogramme

Drachenlaeufer, Dienstag, 23. Juli 2024, 19:53 (vor 783 Tagen) @ Stephan Kreutz

Solche Aussagen sind ein Spiegel und lassen auch tief blicken. Traurig. Man kann sich drüber ärgern, man könnte aber auch Mitleid haben.

Wenn Menschen Freude daran haben, Musik zu machen und viele Menschen Freude daran haben, diese zu hören, dann ist mir dieses Ergebnis wichtiger, als irgendwelche Vorstellungen und Vorgaben, ob das Stück ursprünglich für Flöte, Akkordeon oder Dampflockpfeife komponiert wurde.
Immer locker bleiben :-)

Alex

Orgelkonzertprogramme

SpanischeTrompete @, Mittwoch, 24. Juli 2024, 10:35 (vor 783 Tagen) @ Stephan Pollok

Wer sich für Orgel zusammengeschrumpfte Bruckner-Symphonien anhört, der hat meiner Meinung nach den Intellekt eines Liebhabers von Spielzeugeisenbahnen.

Also irgendwo bei 130 IQ-Punkten und höher.

Orgelkonzertprogramme

JRorgel @, Mittwoch, 24. Juli 2024, 11:23 (vor 783 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Ich habe in den letzten Jahren viel Unbekanntes mit auf die Programme genommen und kann einige Komponisten hier sehr empfehlen, die auch beim Publikum gut ankamen:

Moritz Brosig (ganz, ganz herrliche Melodien, Stimmführungen, auch kontrapunktisch gut - leider oft nur aus den landauf, landab benutzten "Orgelalben" bekannt)
Paul Blumenthal (die großen Sonaten und die drei Fantasien sind wirklich gut, die kleineren Werke eben Gebrauchsmusik, aber auch nicht schlecht!)
Paul Friedrich Ernst Gerhardt (schwer, aber wahnsinnig wirkungsvoll - ich habe letztes Jahr die monumentale "Totenfeier" gespielt als Abschluss eines Konzertes, danach war fast 2 Minuten Ruhe im Raum...)

Das sind nur einige Namen, deren Stücke ich einerseits gut machbar fand, die aber andererseits auch auf die in Mitteldeutschland meist verbreiteten, romantischen Orgeln passen. Brosig zum Beispiel geht auf (romantischen!) Instrumenten aller Art ziemlich gut, wenn man ihn nicht zu dick registriert. Blumenthal braucht dagegen schon größere Instrumente...

Ich finde es schade, dass das so wenig gespielt wird.

--
"Orgelspielen heißt, einen mit dem Schauen der Ewigkeit erfüllten Willen offenbaren." (Charles-Marie Widor)

Transkriptionen, war: Orgelkonzertprogramme

Willscher, Donnerstag, 25. Juli 2024, 09:41 (vor 782 Tagen) @ VoxCoelestis

Witzigerweise wird immer vergessen (aber ich glaube, das war schon mal Thema), dass zahlreiche Organisten transkribiert haben, auch eigene Sachen (Bach, Dupré, Messiaen und viele mehr; es ergäbe ein eigenes Buch). Ich bin zu alt, aber das wäre ein lohnendes Thema für eine Diplom- oder Doktorarbeit.
A.

Transkriptionen, war: Orgelkonzertprogramme

link1907 @, Donnerstag, 25. Juli 2024, 09:53 (vor 782 Tagen) @ Willscher

Witzigerweise wird immer vergessen (aber ich glaube, das war schon mal Thema), dass zahlreiche Organisten transkribiert haben, auch eigene Sachen (Bach, Dupré, Messiaen und viele mehr; es ergäbe ein eigenes Buch). Ich bin zu alt, aber das wäre ein lohnendes Thema für eine Diplom- oder Doktorarbeit.
A.

Ist in Arbeit, Ulrich Walther zählt für mich zu den bedeutendsten Organisten der Gegenwart:
https://www.transcript-verlag.de/978-3-8376-7198-8/zur-behandlung-der-orgel-in-interpre...

Transkriptionen, war: Orgelkonzertprogramme

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Donnerstag, 25. Juli 2024, 10:00 (vor 782 Tagen) @ Willscher

Witzigerweise wird immer vergessen (aber ich glaube, das war schon mal Thema), dass zahlreiche Organisten transkribiert haben, auch eigene Sachen (Bach, Dupré, Messiaen und viele mehr; es ergäbe ein eigenes Buch). Ich bin zu alt, aber das wäre ein lohnendes Thema für eine Diplom- oder Doktorarbeit.
A.

Trotz meiner steten Plädoyers für Original- und Meisterwerke möchte ich auch etwas Positives zur Transskriptions-Energie äußern:
Im Idealfall ist es einfach die Sehnsucht, das Werk hörbar zu machen, in diesem Moment und dieser Situation, und ohne die heute möglichen Ersatzprodukte (Aufnahmen). Diese energie trieb die Town Hall-Orgeln an, ihre Errichtung und Nutzung.
Natürlich gibt es auch den Fall, wo sich ein kleines Interpreten-Licht in der Sonne des Meisterwerks badet - wenn ein langsamer Satz einer Beethoven-Klaviersonate einfach notengetreu gespielt wird, gar noch ohne Pedal - aber das ist die Ausnahme, und der Vorwurf könnte auch beim Spielen (zu) anspruchsvoller Original-Literatur gemacht werden.
Ein in der Nähe liegender Punkt ist die Chorarbeit, wie wir sie im kirchenmusikalischen Umfeld erleben - viele Oratorienaufführungen, selbst wenn noch mit Originalbesetzuhg (auch hier gibt es ja schon viele Spar-Orchester-Versionen), sind doch oft vor allem "liebenswert", vom Niveau her betrachtet, und im Guten gemeint. Aber:
Christfried Brödel sagte mir nach einer Aufführung von Bachs Motette "Jesu meine Freude" mit meinem "Normal"-Chor, der dann leider auch an einigen Stellen, verglichen mit üblichen Kammerchören, Überforderung erkennen ließ (es sollte abere eine Nachstellung eines Konzerts des ersten Bachfestes überhaupt sein, also à la 1900 mit "Laien"):
"Warum lieben wir diese Musik? Doch vor allem, weil wir sie singen!" Er meinte also, dass die Liebe zum Repertoire unter den Chorsängern weniger durch Anhören, sondern durch Ausführen entfacht wird.
Nun, wie gesagt, um die Meistersinger-Ouverture zu hören, muss ich sie nicht wirklich auf der Orgel spielen. Oder doch? Wir sind uns darin einig, dass der originale Pfeifenklang noch ein paar wenige vorteilhafte Mysterien gegenüber dem digitalen Imitatat aufweist - und die Musik wird - in, gemessen am Original (was ist das?) sicherlich veränderter Form - im Moment eines Orgelkonzerts lebendig und als lebendige Musik fassbar. Nur wenige große Städte erlauben, das Werk in einigen Tagen oder Wochen Abstand live zu erleben. Da ist es dann ja doch besser, das Stück erklingt transskribiert, als gar nicht, oder nur im Radio oder CD-Spieler.
Wenn also gut spielende Leute gute Transskriptionen von an sich guter Musik spielen (siehe Jonathan Scott u. a.), dann: Nur zu! Schön fände ich, wenn im Programm trotzdem noch Originales (und ja, gerne auch mal Originelles) vertreten ist.

Transkriptionen, war: Orgelkonzertprogramme

Johannes Maria, Donnerstag, 25. Juli 2024, 10:33 (vor 782 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Petr Eben erzählte mal, wie sie sich in seiner Kinder-und Jugendzeit vermittels der Bearbeitungen für Klavier - zwei- oder vierhändig - auf das Live-Hören von Sinfonien etc. vorbereitet hatten und das Hörerlebnis hernach durch das häusliche Musizieren konservierten.

Gute Bearbeitungen für Klavier oder Orgel zeigen jaauch ein Befähigung fürs Umdenken - wenn Helmut Bornefeld z. B. in seiner "Suite für Orgel" nach Stücken aus Bartóks Mikrokosmos das Klangpedal mit Öiegetönen im Pedal nachzeichnet. Wenn es gut ist, ist das alles mehr als nur ein Töne auf Manuale und Pedal verteilen. Und nicht nur deswegen bisweilen recht anspruchsvolle Musik - und qualitätvolle Arbeit.

Transkriptionen, war: Orgelkonzertprogramme

3rd_astronaut, Donnerstag, 25. Juli 2024, 11:11 (vor 782 Tagen) @ Johannes Maria

Gute Bearbeitungen für Klavier oder Orgel zeigen jaauch ein Befähigung fürs Umdenken - wenn Helmut Bornefeld z. B. in seiner "Suite für Orgel" nach Stücken aus Bartóks Mikrokosmos das Klangpedal mit Öiegetönen im Pedal nachzeichnet. Wenn es gut ist, ist das alles mehr als nur ein Töne auf Manuale und Pedal verteilen. Und nicht nur deswegen bisweilen recht anspruchsvolle Musik - und qualitätvolle Arbeit.

Es gibt doch auch die Geschichte von Busonis Fantasia contrappuntistica: die Orgelbearbeitung von Wilhelm Middelschulte fand er so gut, dass er sie quasi zum Original erhoben hat. Es lassen sich sicher noch andere Beispiele finden, wo eine Bearbeitung zumindest bekannter als das Original (geworden) ist …

Transkriptionen, war: Orgelkonzertprogramme

Johannes Maria, Donnerstag, 25. Juli 2024, 13:42 (vor 782 Tagen) @ 3rd_astronaut

Bilder einer Ausstellung ...

Transkriptionen, war: Orgelkonzertprogramme

jens79, Donnerstag, 25. Juli 2024, 14:05 (vor 782 Tagen) @ Johannes Maria

Bilder einer Ausstellung ...

Nur hier gerade andersrum - vom Klavier zum Orchester.

Transkriptionen, war: Orgelkonzertprogramme

Stephan Kreutz, Donnerstag, 25. Juli 2024, 14:34 (vor 782 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Ich erinnere mich sehr gut an ein aus meiner Sicht phänomenales Konzert von Susanne Rohn und Jörg Endebrock im Freiburger Münster. Hauptprogrammpunkt waren Holsts Planeten in ihrer Fassung für zwei Organisten an zwei Spieltischen - so war zumindest die Freiburger Realisation. Ich habe weder davor noch danach die Orgelanlage in diesem Farbreichtum hören dürfen, obwohl die neue Chororgel samt Auxiliar noch gar nicht da war. Natürlich hielt es den Zeitungskritiker nicht davon ab, sich über die Auswahl des Programms sprich Transkriptionen im Allgemeinen auszulassen. - Solche großen Anlagen zeigen bei so einem Programm erst ihre ganze Stärke, für mich bezogen auf das oben erwähnte Konzert noch weit mehr als bei Originalliteratur. Es braucht also schon ein wirklich farbenreiches Instrument mit vielfältigen Schattierungen, dann machen mir Transkriptionen sehr große Freude, auch wenn ich selbst kaum welche spiele.

Jetter mit Rott, war: Transkriptionen, war: Orgelkonzertprogramme

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Donnerstag, 25. Juli 2024, 16:26 (vor 782 Tagen) @ Stephan Kreutz
bearbeitet von Karl-Bernhardin Kropf, Donnerstag, 25. Juli 2024, 16:30

- Solche großen Anlagen zeigen bei so einem Programm erst ihre ganze Stärke, für mich bezogen auf das oben erwähnte Konzert noch weit mehr als bei Originalliteratur. Es braucht also schon ein wirklich farbenreiches Instrument mit vielfältigen Schattierungen, dann machen mir Transkriptionen sehr große Freude, auch wenn ich selbst kaum welche spiele.

Spätestens jetzt muss ich meinen Besuch in Düsseldorf St. Antonius vor wenigen Wochen erwähnen - Andreas Jetter, Domorganist von Chur, aber auch diplomierter Pianist und Kapellmeister, spielte die ("erste") Symphonie von Hans Rott (1858-1884), Bruckner-Schüler und Mahler-Studienkollege. Mahler hat sich auch sehr positiv über ihn geäußert, vielleicht, um zu kompensieren, dass er die mit Bitte um Aufführung überlassene Partitur der Symphonie in der Schublade verbleiben ließ... Ich müsste die Symphonie öfter hören, um ßüber ihre Qualität wirklich etwas sagen zu können, aber was ich sagen kann, ist, dass Jetter seine Bearbeitung derselben souverän beherrscht und ein eindrucksvolles symphonisches Klangfest feiert.
Mir ging es benso, wie von Stephan Kreutz beschrieben: Dieses Konzert auf meiner Orgelfahrt mitzunehmen, war als Orgelvorführung deutlich besser als es ein Konzert mit normalem Programm gewesen wäre. Jetter hatte ein mal fünf und ein mal drei Stunden vorab an der Orgel verbracht und das Instrument mit seinen speziellen Möglichkeiten sehr gut erfasst. So spielte er im langsamen Satz einmal auf zwei Manualen im Fernwerk, einerseits die Begleitung, aber auch ein ausgezogenes Soloregister. Auch schien er, so weit mir das als Ortsfremdem zu erkennen möglich war, die Zuteilung der Klänge und Register sehr souverän auch im Sinne guter Erreichbarkeit auf die Manuale zu verteilen. Sein Stil ist unaufdringlich, auf Show-Effekte wird trotz Konzertspieltisches verzichtet. Ich vermutete, dass man als Spieler des eigenen Arrangements schon mal ad hoc Anpassungen vornimmt, und das bejahte Jetter auf spätere Nachfrage.

Hier muss man also wirklich sagen: Rotts Musik wird es nur selten auf das symphonische Podium schaffen (Rott endete ja in der Psychiatrie, ohne es aber zuvor ähnlich weit wie Hugo Wolf gebracht zu haben, so dass die erste auch die letzte Symphonie ist), die Transskription gibt - unter der Voraussetzung, dass ein:e erstklassige Organist:in zur Verfügung steht - schon mal eher die Möglichkeit dazu, das Werk live zu erleben. .

Hier das Uni-Orchester Regensburg mit dem Original: https://www.youtube.com/watch?v=8khBnPiXGak
Das Düsseldorfer Konzert wurde von Markus Hinz online gestellt, hier die Kanal-Adresse:
https://www.youtube.com/@orgelinst.antonius

Die beiden Aufnahmen lassen sich gut nebeneinander stellen. Für einen populären Einstieg sei der dritte Satz empfohlen.

PS: Das Video ist wirklich Konzertvideo, auch wenn kein Publikum zu sehen ist - es war, glaube ich, Fußball, und ein wirklich heißer, schöner Freitagabend mit - tja - unbekanntem Musikprogramm, so waren nur etwa 25 Personen da.

Jetter mit Rott, war: Transkriptionen, war: Orgelkonzertprogramme

Stephan Kreutz, Donnerstag, 25. Juli 2024, 17:22 (vor 782 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Danke für den Video-Link!
Ich kenne Andreas persönlich, er ist ein toller Spieler und arbeitet gerade an einer Gesamtaufnahme der Orgelwerke von Franz Schmidt - widmet also auch (zum Teil sehr) anspruchsvoller Literatur.

Jetter mit Rott, war: Transkriptionen, war: Orgelkonzertprogramme

zehnzweidrittel @, Donnerstag, 25. Juli 2024, 18:47 (vor 781 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Hier muss man also wirklich sagen: Rotts Musik wird es nur selten auf das symphonische Podium schaffen

Nicht oft, aber es gibt es (die CD finde ich absolut mitreissend):

Bamberger Symphoniker am 31.07.2024

Die CD dazu

VG zehnzweidrittel

Jetter mit Rott, war: Transkriptionen, war: Orgelkonzertprogramme

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Donnerstag, 25. Juli 2024, 22:55 (vor 781 Tagen) @ zehnzweidrittel

Hier muss man also wirklich sagen: Rotts Musik wird es nur selten auf das symphonische Podium schaffen


Nicht oft, aber es gibt es (die CD finde ich absolut mitreissend):

Bamberger Symphoniker am 31.07.2024

Die CD dazu

VG zehnzweidrittel

Danke!

Jetter mit Rott, war: Transkriptionen, war: Orgelkonzertprogramme

kjz1, Freitag, 26. Juli 2024, 11:51 (vor 781 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Auch die Orgelversion hat es auf eine Scheibe geschafft.

Jetter mit Rott, war: Transkriptionen, war: Orgelkonzertprogramme

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Freitag, 26. Juli 2024, 13:43 (vor 781 Tagen) @ kjz1

Auch die Orgelversion hat es auf eine Scheibe geschafft.

Ja, das ist ja der Transskribent himself, aber auf's Live-Podium schafft Rott es halt eher selten. Allerdings öfter, als mir bisher bekannt war, immerhin.

Noch was zu Transskriptionen: Ein Aspekt für Beliebtheit könnte auch sein, dass der Transskribent prominenter ist als der Erst-Autor.
Bach-Vivaldi und Ravel-Mussorgsky (also, ich halte MR für etwas prominenter und kompetener als MM) wären solche Fälle.

Konsequenterweise spricht man beim gewissen Ave Maria von "Bach-Gounod" und nicht andersrum.

Jetter mit Rott, war: Transkriptionen, war: Orgelkonzertprogramme

ThomasMP @, Samstag, 27. Juli 2024, 13:26 (vor 780 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Habe mir gestern die komplette Jetter-Aufnahme aus Düsseldorf angehört. Wollte erst nur kurz reinhören, bin dann aber hängen geblieben und habe komplett und mit wachsender Begeisterung zugehört. Es klang wie für Orgel komponiert und ich glaube, da kaum ein Zuhörer Rott kannte, kein Orchesterwerk vermutete.
Jetter hat bestimmt an die 500 Setzerspeicherplätze gebraucht...

Orgelkonzertprogramme

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Montag, 29. Juli 2024, 20:18 (vor 777 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Hier och ein spezieller Beitrag zum Thema Marketing - Sayer hätte es nicht nötig und hat damit wohl nichts zu tun.[image]

Orgelkonzertprogramme

3rd_astronaut, Montag, 29. Juli 2024, 20:35 (vor 777 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Haha -- aber mir tät's gefallen (klar bei dem Nick, oder?) :-)

Lapwood Berlin, war: Orgelkonzertprogramme

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Freitag, 23. August 2024, 11:39 (vor 753 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

....WER spielt:

Vor drei Wochen traf ich kurz Christian Drengk (DO-Reinoldi) und sprach ihn auf Anna Lapwood an, die am Plakat stand. Er war etwas skeptisch, ob es denn auch "gut" werden würde, wollte aber auch mal die Popularität austesten.


Also Beginn 15 Minuten später, weil noch 100 Leute Schlange standen... Anschließend volle Kirche. Ich leihe mir mal das Foto aus (darf ich?) mit Vergleich von angekündigtem und tatsächlichem Programm:

Es war wohl als Veranstaltung fulminant, lebte aber auch sehr vom Charisma der Dame. Wie auch immer, jemand wie sie könnte vermutlich alles spielen, das breite Publikum wäre angetan. Man hofft, dass sie sich nicht zu sehr darauf verlässt und auch künftig noch etwas Kontakt zum Schwarzbrot-Repertoire hält...


Und heute der Hype in Berlin - tja, was soll man sagen? Man kann nur wünschen, dass maximale Begeisterung entsteht und wir auch an anderen Orgel-Orten etwas davon haben. Viel Freude allen!

[image]

Lapwood Berlin, war: Orgelkonzertprogramme

Friedrich @, Freitag, 23. August 2024, 13:22 (vor 753 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Ich glaube, das schwarzbrotigste Stück ist Duruflés ALAIN-Diptychon. Das ist ja schon was Vollwertiges.

Ich wollte hin, habe aber keinen Babysitter. Und nachdem ich letztes Jahr bei Maître Latry war, kann ich mir auch vorstellen, dass das Kirchlein zweimal gestopft voll sein wird. Was kein Vergnügen ist, zumal es heute auch recht warm werden soll.

Ich finde es aber toll, dass Frau Lapwood so viele Leute in die Hinterhofkirche in Gesundbrunnen ziehen wird. Die Orgel und ihr Märchenprospekt haben das allein schon verdient.

Viele Grüße
Friedrich

Hype und Schwarzbrot, war: Orgelkonzertprogramme

Contrebasson 32' @, Wien, Freitag, 23. August 2024, 14:02 (vor 753 Tagen) @ Friedrich

Ich glaube, das schwarzbrotigste Stück ist Duruflés ALAIN-Diptychon. Das ist ja schon was Vollwertiges.

Ich wollte hin, habe aber keinen Babysitter. Und nachdem ich letztes Jahr bei Maître Latry war, kann ich mir auch vorstellen, dass das Kirchlein zweimal gestopft voll sein wird. Was kein Vergnügen ist, zumal es heute auch recht warm werden soll.

Ich finde es aber toll, dass Frau Lapwood so viele Leute in die Hinterhofkirche in Gesundbrunnen ziehen wird. Die Orgel und ihr Märchenprospekt haben das allein schon verdient.

Viele Grüße
Friedrich

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich mich schon sehr auf ihr Konzert in Wien freue, habe die Karten schon hier liegen, werde also auf jeden Fall einen Sitzplatz finden ;)

Dem Instrument Orgel schadet das mehr an Aufmerksamkeit nicht. Gerade höre ich das wunderbare Ad nos von Scott aus Münster. So unaufgeregt virtuos, tolle Farben (obwohl die Schukin hier im Forum ja erst kürzlich verrissen wurde): Ganz großes Kino!

Neben Namen wie Lapwood und Scott (der ja auch nicht ausschließlich Schwarzbrot spielt) gibt es aber auch viele andere, die man auf dem Schirm haben sollte. Ich denke hier vor allem an sehr vielversprechenden jungen Nachwuchs. Da fallen mir neben Jan Liebermann, der gestern in St. Afra vor vollem Haus aufspielte, z.B. Schüler von Schmeding wie Jonas Schauer und Johannes Krahl oder mit Blick nach NRW Silvan Meschke ein. Aber es gibt noch viele, viele andere, die man wahrscheinlich ebenso auf dem Schirm haben sollte. Das macht Spaß, das macht Hoffnung.

Hype und Schwarzbrot, war: Orgelkonzertprogramme

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Freitag, 23. August 2024, 14:29 (vor 753 Tagen) @ Contrebasson 32'

Neben Namen wie Lapwood und Scott (der ja auch nicht ausschließlich Schwarzbrot spielt) gibt es aber auch viele andere, die man auf dem Schirm haben sollte. Ich denke hier vor allem an sehr vielversprechenden jungen Nachwuchs. Da fallen mir neben Jan Liebermann, der gestern in St. Afra vor vollem Haus aufspielte, z.B. Schüler von Schmeding wie Jonas Schauer und Johannes Krahl oder mit Blick nach NRW Silvan Meschke ein. Aber es gibt noch viele, viele andere, die man wahrscheinlich ebenso auf dem Schirm haben sollte. Das macht Spaß, das macht Hoffnung.

Yes! Und noch näher am Auslöser-Thema dran: die OrganistINNEN!

Hype und Schwarzbrot, war: Orgelkonzertprogramme

Axel, Freitag, 23. August 2024, 17:03 (vor 753 Tagen) @ Contrebasson 32'

Ich finde - bei allem Respekt- den Liszt zu schnell....aber ich werde alt...

Hype und Schwarzbrot, war: Orgelkonzertprogramme

Contrebasson 32' @, Wien, Freitag, 23. August 2024, 18:35 (vor 752 Tagen) @ Axel
bearbeitet von Contrebasson 32', Freitag, 23. August 2024, 18:39

Ich finde - bei allem Respekt- den Liszt zu schnell....aber ich werde alt...

Wenn ich das ganze ehrlich reflektiere, gefällt mir womöglich gerade das Tempo, das im Großen und Ganzen zu weniger kleben und zu weniger Weihrauch führt - auch wenn es bisweilen arg an der Grenze ist. Und das schnellere Tempo macht es natürlich leichter, große Linien zu zeichnen bzw. zu verfolgen.

Hype und Schwarzbrot, war: Orgelkonzertprogramme

Orlos @, Freitag, 23. August 2024, 20:15 (vor 752 Tagen) @ Contrebasson 32'

Und er entlockt der Schuke-Orgel schöne Farben, die man ihr gar nicht zugetraut hätte.
Ich habe vor 25 Jahren 'mal darauf gespielt, da gab's die Vox humana noch nicht. Bei der Erweiterung ist wahrscheinlich auch die Intonation ein wenig verändert worden.

Hype und Schwarzbrot, war: Orgelkonzertprogramme

Florian-L @, Sonntag, 20. Oktober 2024, 19:03 (vor 694 Tagen) @ Contrebasson 32'

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich mich schon sehr auf ihr Konzert in Wien freue, habe die Karten schon hier liegen, werde also auf jeden Fall einen Sitzplatz finden ;)

Und, wie war es?
Ich war nicht dort, habe mir aber den Mitschnitt in der Ö1-Radiothek angehört:

https://oe1.orf.at/player/20241017/772765

Rein vom Hören kann ich den Hype nicht nachvollziehen...

Gruß, Florian

Hype und Schwarzbrot, war: Orgelkonzertprogramme

Karsten @, Sonntag, 20. Oktober 2024, 20:14 (vor 694 Tagen) @ Florian-L

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich mich schon sehr auf ihr Konzert in Wien freue, habe die Karten schon hier liegen, werde also auf jeden Fall einen Sitzplatz finden ;)

Und, wie war es?
Ich war nicht dort, habe mir aber den Mitschnitt in der Ö1-Radiothek angehört:

https://oe1.orf.at/player/20241017/772765

Rein vom Hören kann ich den Hype nicht nachvollziehen...

Gruß, Florian

Hallo!

Folgende These: Ich befürchte, dass "hier" keiner diesen "Hype" um Anna Lapwood und vergleichbar populäre Interpreten "nachvollziehen" kann, schlicht weil die meisten hier bereits dermaßen mit "Orgel", "Orgelmusik" und "ernster Musik" etc. sozialisiert sind, dass sie sich nicht vorstellen können, wo "unbedarfte" Hörer in Sachen Orgel bzw. Musik generell stehen und wie man sie erreicht, geschweige denn, dass man sie mit "solcher" Musik erreichen kann...

Gruß
Karsten

Hype und Schwarzbrot, war: Orgelkonzertprogramme

Contrebasson 32' @, Wien, Sonntag, 20. Oktober 2024, 21:08 (vor 694 Tagen) @ Florian-L
bearbeitet von Contrebasson 32', Sonntag, 20. Oktober 2024, 21:28

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich mich schon sehr auf ihr Konzert in Wien freue, habe die Karten schon hier liegen, werde also auf jeden Fall einen Sitzplatz finden ;)

Und, wie war es?

Ehrliche Antwort: ich weiß es nicht. Leider hatte ich zwei Tage später eine sehr wichtige Prüfung und daher den Abend zur Vorbereitung gebraucht. Stattdessen war meine - nicht besonders orgelaffine - bessere Hälfte im Konzert. Und war begeistert. Insofern mag Karsten mit seiner These richtig liegen.

Kurz darauf hörte eine gemeinsame Freundin (Köchin aus DE), dass Anna Lapwood ein Konzert in Wien gegeben hatte und war sehr traurig, dass sie nicht dabei war. Sie hätte Anna Lapwood einmal zufällig in einer Kirche beim Einregistrieren gehört. Sie sei mit ihr kurz ins Gespräch gekommen und nachhaltig beeindruckt gewesen. Also ja, sie erreicht ihre Zielgruppe. Eine Zielgruppe, die man bspw. beim nächsten Abokonzert von Martin Haselböck so nicht vorfinden wird. Da wird dann nur Musik des 20. Jahrhunderts gespielt, u.a. Schönberg und Ligeti. Schwarzbrot pur.

PS: Vielleicht hilft es, Anna Lapwood als Pop-Phänomen (bzw. Cross-over) zu betrachten. Da gelten andere Maßstäbe bzw. sind die Prioritäten anders gelegt. Da ist z.B. nicht unwichtig, wie offen und leutselig sie ist. Und spielen (und registrieren) kann sie trotzdem ;)

PPS: Zufällig hörte ich heute Mittag die Filmmusik von Max Richter zur zweiten Staffel von My brilliant friend. Darunter auch sein Stück "Organum". Sehr minimal. Hat mir gefallen. Nicht weit weg von Glass. Nur moderner in der Tonsprache. Durchaus anschlussfähig. Hier in der extended version von 2004: Max Richter "Organum" (yt)

Hype und Schwarzbrot, war: Orgelkonzertprogramme

Florian-L @, Sonntag, 20. Oktober 2024, 21:28 (vor 694 Tagen) @ Karsten

Folgende These: Ich befürchte, dass "hier" keiner diesen "Hype" um Anna Lapwood und vergleichbar populäre Interpreten "nachvollziehen" kann, schlicht weil die meisten hier bereits dermaßen mit "Orgel", "Orgelmusik" und "ernster Musik" etc. sozialisiert sind, dass sie sich nicht vorstellen können, wo "unbedarfte" Hörer in Sachen Orgel bzw. Musik generell stehen und wie man sie erreicht, geschweige denn, dass man sie mit "solcher" Musik erreichen kann...

Das kann ich nachvollziehen. Ich hätte aber nicht erwartet, dass mich das dargebotene "Schwarzbrot-Repertoire" (Alain und Duruflé) derart kalt lässt.

Gruß, Florian

Hype und Schwarzbrot, war: Orgelkonzertprogramme

Florian-L @, Sonntag, 20. Oktober 2024, 21:32 (vor 694 Tagen) @ Contrebasson 32'

Und spielen (und registrieren) kann sie trotzdem ;)

Auch hinsichtlich Registrierung hätte ich mir an der zweitgrößten Orgel Österreichs deutlich mehr erwartet; immer wieder die gefühlt gleichen dumpfen Flötenmischungen...

Hype und Schwarzbrot, war: Orgelkonzertprogramme

Contrebasson 32' @, Wien, Sonntag, 20. Oktober 2024, 22:28 (vor 694 Tagen) @ Florian-L
bearbeitet von Contrebasson 32', Sonntag, 20. Oktober 2024, 22:38

Und spielen (und registrieren) kann sie trotzdem ;)

Auch hinsichtlich Registrierung hätte ich mir an der zweitgrößten Orgel Österreichs deutlich mehr erwartet; immer wieder die gefühlt gleichen dumpfen Flötenmischungen...

Am Abend gab es wohl mit einigen Registern bzw. dem Setzer Probleme.

Ansonsten ist es manchmal in der Tat etwas eintönig. Aber das würde ich auch den Stücken zuschreiben. Und der Orgel. Die ist zwar groß und in der Umsetzung der Grundsätze der Orgelreform in ihrer erhaltenen Form einmalig, hat aber in Sachen Intonation noch immer nicht ihren Meister gefunden. Entsprechend beschränkt sind trotz ihrer Größe die Möglichkeiten, wenn einem wichtig ist, dass eine Registrierung "funktioniert". Ansonsten klingt sie schnell hart und laut. Ermüdend. So war es auch auch bei der GDO-Tagung zu erleben. Leider.

Nachtrag: Der Durufle gefällt mir eigentlich doch. Sowohl ihr Spiel, als auch die Registrierungen. Da war ich vorschnell.

Hype und Schwarzbrot, war: Orgelkonzertprogramme

MartinH, Sonntag, 20. Oktober 2024, 22:36 (vor 694 Tagen) @ Contrebasson 32'
bearbeitet von MartinH, Sonntag, 20. Oktober 2024, 22:47

Kommt auch auf die Aufnahmetechnik an (und unbesetzter Raum ist meist besser, außer für Konzerte ;)), diese zeigt eigentlich schöne Abwechslung und Farben und auch große Dynamik sowie gutes Panorama (wichtig!, was bringt mir 5.schlagmichtot bei einer Stereo-Abhörmöglichkeit?) Bis auf einen recht groben Schweller, was Haas im Booklet auch bemängelt, iirc:
https://www.youtube.com/watch?v=K7tsk0XDfU4&list=OLAK5uy_kKo78MWMCLEaV3GfOt4wVrQ4pI...

Konzerthaus Wien, B. Haas, Hype und Schwarzbrot, war: Orgelkonzertprogramme

MartinH, Sonntag, 20. Oktober 2024, 22:57 (vor 694 Tagen) @ MartinH
bearbeitet von MartinH, Sonntag, 20. Oktober 2024, 23:04

PS Und mehr noch: Das ist gerade auch technisch/klanglich eine der besten Aufnahmen, die ich kenne. Die "elsässischen Feinheiten" kommen super rüber.

Konzerthaus Wien, B. Haas, Hype und Schwarzbrot, war: Orgelkonzertprogramme

Contrebasson 32' @, Wien, Sonntag, 20. Oktober 2024, 23:12 (vor 694 Tagen) @ MartinH

Ich habe reingehört und muss sagen:
Das klingt auch mit Kopfhörern besser als das Original :D

Konzerthaus Wien, B. Haas, Hype und Schwarzbrot, war: Orgelkonzertprogramme

MartinH, Sonntag, 20. Oktober 2024, 23:31 (vor 694 Tagen) @ Contrebasson 32'
bearbeitet von MartinH, Sonntag, 20. Oktober 2024, 23:56

Durchaus das Ziel guter Aufnahmen...
Bei Lapwood sind die Flöten tatsächlich viel zu dick und dumpf (edit: und die Dynamikverhältnisse stimmen nicht), da würde ich doch die Aufnahmetechnik (mit-)verantwortlich machen. Schrieb Böckenhoff nicht sogar was zur Mikrofonierung? Ich meine mich an 4 Sennheiser MKH 20 zu erinnern...

Konzerthaus Wien, B. Haas, Hype und Schwarzbrot, war: Orgelkonzertprogramme

perotin, Sonntag, 20. Oktober 2024, 23:50 (vor 694 Tagen) @ MartinH

Bei Lapwood sind die Flöten tatsächlich viel zu dick und dumpf, da würde ich doch die Aufnahmetechnik (mit-)verantwortlich machen. Schrieb Böckenhoff nicht sogar was zur Mikrofonierung? Ich meine mich an 4 Sennheiser MKH 20 zu erinnern...

Das kann gut sein. Ich kannte ihn und weiß, daß er dieses Mikrofonmodell nutzte. Und die Dinger haben auch wirklich hohe Qualitäten, gerade auch für Orgelaufnahmen.

Konzerthaus Wien, B. Haas, Hype und Schwarzbrot, war: Orgelkonzertprogramme

Florian-L @, Sonntag, 20. Oktober 2024, 23:56 (vor 694 Tagen) @ MartinH

PS Und mehr noch: Das ist gerade auch technisch/klanglich eine der besten Aufnahmen, die ich kenne. Die "elsässischen Feinheiten" kommen super rüber.

Diese Aufnahme wurde hier im Forum immer wieder angesprochen. Ich habe nun erstmals reingehört und bin wirklich begeistert!
Danke für den Hinweis!

Gruß, Florian

Konzerthaus Wien, B. Haas, Hype und Schwarzbrot, war: Orgelkonzertprogramme

MartinH, Montag, 21. Oktober 2024, 16:24 (vor 694 Tagen) @ Florian-L

Diese Aufnahme wurde hier im Forum immer wieder angesprochen. Ich habe nun erstmals reingehört und bin wirklich begeistert!
Danke für den Hinweis!

Manchmal hadere ich ja mit den sehr "geraden" Reger-Interpretationen von Haas, aber hier gefällt es mir sehr gut, wenn man sich erst mal ein bisschen reingehört hat. Nur vorsichtshalber: Ein toller (und bekannter) (Reger-) Spieler ist er natürlich zweifellos.
Und aufnahmetechnisch wie gesagt spitze.
Dürfte auch tolle Rezensionen eingefahren haben, hoffentlich.

Konzerthaus Wien, B. Haas, Hype und Schwarzbrot, war: Orgelkonzertprogramme

Karsten @, Montag, 21. Oktober 2024, 17:07 (vor 694 Tagen) @ MartinH

Diese Aufnahme wurde hier im Forum immer wieder angesprochen. Ich habe nun erstmals reingehört und bin wirklich begeistert!
Danke für den Hinweis!


Manchmal hadere ich ja mit den sehr "geraden" Reger-Interpretationen von Haas, aber hier gefällt es mir sehr gut, wenn man sich erst mal ein bisschen reingehört hat. Nur vorsichtshalber: Ein toller (und bekannter) (Reger-) Spieler ist er natürlich zweifellos.
Und aufnahmetechnisch wie gesagt spitze.
Dürfte auch tolle Rezensionen eingefahren haben, hoffentlich.

Hallo!

Einige Besprechungen bzw -quellen finden sich auf der Produkt-Seite des Labels:
https://audite.de/de/product/CD/20020-m_reger_organ_works.html
Im Großen und Ganzen waren die schon positiv.

Schade, dass die Orgel wohl immer noch, trotz Restaurierungen und Reinigung nicht optimal in Schuss ist, was bei der Größe natürlich zum Teil verständlich ist. Ob vielleicht sogar mal die fehlenden Schwellkästen wieder eingebaut werden?

Bernhard Haas' Qualitäten als Reger-Spieler kamen auch in dem umfangreichen DVD-Set von Fugue-State-Films zur Geltung. Dort hat er die Produzenten mit einem nicht eingeplanten Track überrascht. Die Choral-Fantasie über "Straf mich nicht" sei so wichtig, er habe die zusätzlich einregistriert und würde die gerne für die DVD auch einspielen...

Gruß
Karsten

Konzerthaus Wien, B. Haas, Hype und Schwarzbrot, war: Orgelkonzertprogramme

MartinH, Montag, 21. Oktober 2024, 17:32 (vor 693 Tagen) @ Karsten

Oh, das meiste gekürzt auf einen Satz aus Urheberrechtsgründen. Die Aufnahme ist nun auch schon knapp 30 Jahre alt! Wie steht es heute genau um die Orgel? Und vielleicht muss man auch aufpassen, einen OB zu finden, der mit dieser speziellen Klanglichkeit was anfangen kann. Die passt schon hervorragend auch zu Reger und erst recht in eine trockene Akustik. Zufällig hatte ich heute einen beeindruckenden Konzertmitschnitt aus Haselhorst vor mir, alles natürlich ein paar Stufen kleiner und der Mitschnitt auch eben nur ein solcher - aber prinzipiell tatsächlich vergleichbar imho. Jetzt hoffe ich, dass der Spieler (ein hiesiger Forumier..) noch was davon hochlädt, nach so ca. 3 Jahren... :)

Konzerthaus Wien, B. Haas, Hype und Schwarzbrot, war: Orgelkonzertprogramme

Florian-L @, Montag, 21. Oktober 2024, 20:48 (vor 693 Tagen) @ Karsten

Ob vielleicht sogar mal die fehlenden Schwellkästen wieder eingebaut werden?

Fehlende Schwellkästen?

Konzerthaus Wien, B. Haas, Hype und Schwarzbrot, war: Orgelkonzertprogramme

Karsten @, Montag, 21. Oktober 2024, 21:00 (vor 693 Tagen) @ Florian-L

Ob vielleicht sogar mal die fehlenden Schwellkästen wieder eingebaut werden?

Fehlende Schwellkästen?

Manual IV war ursprünglich auch in einem Schwellkasten.

Gruß
Karsten

Konzerthaus Wien, B. Haas, Hype und Schwarzbrot, war: Orgelkonzertprogramme

Florian-L @, Montag, 21. Oktober 2024, 21:28 (vor 693 Tagen) @ Karsten
bearbeitet von Florian-L, Montag, 21. Oktober 2024, 22:15

Manual IV war ursprünglich auch in einem Schwellkasten.

Interessant, das wird in der Festschrift von 1982 nicht erwähnt.

Gruß, Florian

Edit: In Günter Lades "Orgeln in Wien" ist bei der Disposition der Konzerthaus-Orgel zu lesen:

"IV. Solowerk / C - a''' (58) [nicht mehr schwellbar]"

Konzerthaus Wien, B. Haas, Hype und Schwarzbrot, war: Orgelkonzertprogramme

MartinH, Montag, 21. Oktober 2024, 21:31 (vor 693 Tagen) @ Florian-L

Interessant, das wird in der Festschrift von 1982 nicht erwähnt.

Könntest Du die mal scannen/abfotografieren und mir schicken? Interessiert mich jetzt irgendwie, obwohl ich ja noch nie vor Ort war...

Konzerthaus Wien, B. Haas, Hype und Schwarzbrot, war: Orgelkonzertprogramme

Florian-L @, Montag, 21. Oktober 2024, 21:33 (vor 693 Tagen) @ MartinH

Könntest Du die mal scannen/abfotografieren und mir schicken? Interessiert mich jetzt irgendwie, obwohl ich ja noch nie vor Ort war...

Ich habe sie selbst nicht, hatte sie nur ausgeliehen.

Reger op. 46 aus B-Haselhorst, war: Konzerthaus Wien, B. Haas, Hype und Schwarzbrot

MartinH, Dienstag, 22. Oktober 2024, 13:52 (vor 693 Tagen) @ MartinH
bearbeitet von MartinH, Dienstag, 22. Oktober 2024, 14:03

Zufällig hatte ich heute einen beeindruckenden Konzertmitschnitt aus Haselhorst vor mir, alles natürlich ein paar Stufen kleiner und der Mitschnitt auch eben nur ein solcher - aber prinzipiell tatsächlich vergleichbar imho. Jetzt hoffe ich, dass der Spieler (ein hiesiger Forumier..) noch was davon hochlädt, nach so ca. 3 Jahren... :)

Ich war erfolgreich - tolle, "seelisch bewegte" Interpretation von Christoph Preiß von op. 46.
(Ich hoffe, meine extensiven Audiobearbeitungsversuche waren nicht zu viel, aber die Ursprungsversion (ungleich erstem Upload) hätte man unmöglich so lassen können.)

Reger op. 46 aus B-Haselhorst, war: Konzerthaus Wien, B. Haas, Hype und Schwarzbrot

link1907 @, Dienstag, 22. Oktober 2024, 19:16 (vor 692 Tagen) @ MartinH

Sehr flottes Tempo!
Die übliche Spieldauer liegt ja eher so bei 19-20 Min.
Interessant ist das Reger die Orgel für seine großen Orgelwerke
für zu klein hielt.
Es handelt sich ja um die ehemalige Orgel des Meininger Schützenhauses bei
deren Erbauung Reger beteiligt war, auch was die Disposition anbetrifft.
Straube spielte das Einweihungskonzert und Reger gab ihm den oben
angeführten Ratschlag bezüglich seiner großen Orgelwerke.

Konzerthaus Wien, B. Haas, Hype und Schwarzbrot, war: Orgelkonzertprogramme

Karsten @, Dienstag, 22. Oktober 2024, 19:27 (vor 692 Tagen) @ Florian-L

Könntest Du die mal scannen/abfotografieren und mir schicken? Interessiert mich jetzt irgendwie, obwohl ich ja noch nie vor Ort war...


Ich habe sie selbst nicht, hatte sie nur ausgeliehen.

Wen es interessiert: neben der im Organindex angegebenen Fundstelle der "Zeitschrift für Instrumentenbau" (ist online) gibt es noch folgende Artikel:

Haselböck, Hans:
Des Kaisers größte Orgel. Zur Erneuerung der Orgel im Wiener Konzerthaus. Österreichische Musikzeitschrift 37, 1982, 14-21. · Fa. Rieger, 1913, V/116

Haselböck, Hans:
Ein Klangdokument der Elsässischen Reform. Zur Wiederherstellung der Orgel im Großen Saal des Wiener Konzerthauses. Ars Organi 31, 1983, 43-50, 2 Abb.

Kutil, Karl:
Die "Große Rieger-Orgel" im Wiener Konzerthaus. Wien (Selbstverlag) 1975, 80 S.

Gruß
Karsten

Reger op. 46 aus B-Haselhorst, war: Konzerthaus Wien, B. Haas, Hype und Schwarzbrot

MartinH, Dienstag, 22. Oktober 2024, 19:43 (vor 692 Tagen) @ link1907
bearbeitet von MartinH, Dienstag, 22. Oktober 2024, 20:22

Ist dort aber offensichtlich auch eine sehr trockene Akustik, die sich nach Verschwinden der Orgel hinter das Holzgitter laut Wikipedia nochmal verschlechtert hat. Und diese Aufnahme war ursprünglich dermaßen trocken, dass ich tatsächlich leicht verhallt habe, was man bei der Raumantwort nach lauteren Klängen durchaus auch deutlich hört, aber nun ja. Und ich musste auch die Stereobasisbreite künstlich deutlich vergrößern, was auch nicht ohne Artefakte geht. Auch jetzt bleiben immer noch genug techn. Wünsche offen (Frequenzgang Mikros etc.). Naja, sollte ja wohl nur ein Privatmitschnitt sein. Artikulationsmäßig hat er sich dieser Akustik schön angepasst, finde ich. Zwischendrin ist es himmlisch leise und die Direktheit stört dann keineswegs... Die kleine Arbeit war es mir auf jeden Fall wert. (In die Produktionen von dort (Buttmann, Bossert, s. Organ index) muss ich erst noch intensiver reinhören.)

Nachtrag: Apropos zu klein für große Werke: Straube spielte in Meiningen zur Einweihung auch op. 46, nur am Anfang statt wie hier am Schluss, wie Christoph in der Einführung erzählte. Durch diese bestenfalls mittelmäßige Aufnahme dürfte alles auch "kleiner" und eintöniger klingen als tatsächlich. So klein ist die Orgel ja auch wahrlich nicht.
Vielleicht schreibt Christoph ja selbst was "aus erster Hand' dazu.

Reger op. 46 aus B-Haselhorst, war: Konzerthaus Wien, B. Haas, Hype und Schwarzbrot

MartinH, Mittwoch, 23. Oktober 2024, 07:39 (vor 692 Tagen) @ link1907
bearbeitet von MartinH, Mittwoch, 23. Oktober 2024, 07:46

Sehr flottes Tempo!
Die übliche Spieldauer liegt ja eher so bei 19-20 Min.

Wiki schreibt von 17-21 Min.
https://de.wikipedia.org/wiki/Phantasie_und_Fuge_%C3%BCber_B-A-C-H

Dass die Akustik darauf (hoffentlich!) enormen Einfluss hat, ist ja klar. Gerade hat der LP-Uploader Germani hochgeladen - 18:30 in einem Konzertsaal:
https://youtu.be/fp45C7jZ4K0?si=OTxttXEoOU_lYS95

Konzerthaus Wien, B. Haas, Hype und Schwarzbrot, war: Orgelkonzertprogramme

MartinH, Mittwoch, 23. Oktober 2024, 18:57 (vor 691 Tagen) @ Florian-L

Ok, dann muss ich mich vorerst mit dem tollen Sampleset begnügen - kleiner Witz, aber mir fiel gerade ein, dass (natürlich) auch die gesampelt wurde - auf dass jeder E-Organist (lustige Bezeichung in den Biestums-Entschädigungstabellen) mal viele Schweller hat und ordentlich Krach machen kann. Nicht zur Hauptwerk-Verwendung, sondern der VSL. Und auch wenn die ja riesig und bekannt ist, fand ich dieses Orgel-Sampleset mal ganz schlimm und synthetisch...

Reger op. 46 aus B-Haselhorst, war: Konzerthaus Wien, B. Haas, Hype und Schwarzbrot

MartinH, Mittwoch, 23. Oktober 2024, 19:03 (vor 691 Tagen) @ MartinH

Jetzt habe ich mich wieder ein bisschen umgehört auf YouTube - und sehe mich in der Ansicht bestätigt, dass man gerade in trockener Akustik leichter flexibel und "beseelter" spielen kann (wenn man's kann) - die gleiche Spielart kann durchaus in größerer Akustik zu Chaos führen. So wirken folgerichtig gerade letztere Aufnahmen auf mich oft langweiliger. Also da ist das Haselhorst hier m.E. wirklich gut gelungen.

Reger op. 46 aus B-Haselhorst, war: Konzerthaus Wien, B. Haas, Hype und Schwarzbrot

link1907 @, Mittwoch, 23. Oktober 2024, 20:10 (vor 691 Tagen) @ MartinH

Jetzt habe ich mich wieder ein bisschen umgehört auf YouTube - und sehe mich in der Ansicht bestätigt, dass man gerade in trockener Akustik leichter flexibel und "beseelter" spielen kann (wenn man's kann) - die gleiche Spielart kann durchaus in größerer Akustik zu Chaos führen. So wirken folgerichtig gerade letztere Aufnahmen auf mich oft langweiliger. Also da ist das Haselhorst hier m.E. wirklich gut gelungen.<

Was "beseeltes Spiel" mit der Akustik zu tun haben soll erschließt sich mir nicht!

Reger op. 46 aus B-Haselhorst, war: Konzerthaus Wien, B. Haas, Hype und Schwarzbrot

MartinH, Mittwoch, 23. Oktober 2024, 20:24 (vor 691 Tagen) @ link1907

In großer Akustik (je nach Aufnahmeposition) wirkt viel Agogik m.E. schnell störend und verwirrend, weil eben auch viel "verwischt". Im Konzerthaus Wien oder Haselhorst kann man quasi alles machen und man bekommt es mit und kann es nachvollziehen. Abgesehen davon gab es natürlich Schulen, die eben das "Geradeausspiel" propagierten.

Reger op. 46 aus B-Haselhorst, war: Konzerthaus Wien, B. Haas, Hype und Schwarzbrot

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Mittwoch, 23. Oktober 2024, 21:30 (vor 691 Tagen) @ MartinH

In großer Akustik (je nach Aufnahmeposition) wirkt viel Agogik m.E. schnell störend und verwirrend, weil eben auch viel "verwischt". Im Konzerthaus Wien oder Haselhorst kann man quasi alles machen und man bekommt es mit und kann es nachvollziehen. Abgesehen davon gab es natürlich Schulen, die eben das "Geradeausspiel" propagierten.

Auch ich frage kritisch diese These an. In großer Akustik wird alles eben vergrößert, Tempo gesenkt, Artikulationen (hingegen) gekürzt - das würde ich mir nicht anziehen wollen, in großer Akustik weniger beseelt spielen zu können/wollen/sollen.

Reger op. 46 aus B-Haselhorst, war: Konzerthaus Wien, B. Haas, Hype und Schwarzbrot

link1907 @, Mittwoch, 23. Oktober 2024, 22:02 (vor 691 Tagen) @ MartinH

In großer Akustik (je nach Aufnahmeposition) wirkt viel Agogik m.E. schnell störend und verwirrend, weil eben auch viel "verwischt". Im Konzerthaus Wien oder Haselhorst kann man quasi alles machen und man bekommt es mit und kann es nachvollziehen. Abgesehen davon gab es natürlich Schulen, die eben das "Geradeausspiel" propagierten.<

Versteh ich immer noch nicht!
Und was hat das mit "Geradeausspiel" zu tun?

Reger op. 46 aus B-Haselhorst, war: Konzerthaus Wien, B. Haas, Hype und Schwarzbrot

MartinH, Mittwoch, 23. Oktober 2024, 23:06 (vor 691 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

In großer Akustik (je nach Aufnahmeposition) wirkt viel Agogik m.E. schnell störend und verwirrend, weil eben auch viel "verwischt". Im Konzerthaus Wien oder Haselhorst kann man quasi alles machen und man bekommt es mit und kann es nachvollziehen. Abgesehen davon gab es natürlich Schulen, die eben das "Geradeausspiel" propagierten.


Auch ich frage kritisch diese These an. In großer Akustik wird alles eben vergrößert, Tempo gesenkt,

Klar, das habe ich mal vorausgesetzt. Vergleichbar bleibt's trotzdem.

Artikulationen (hingegen) gekürzt

Auch selbstverständlich (aber oft wenig beachtet bei Organisten, die "für sich" spielen).

- das würde ich mir nicht anziehen wollen, in großer Akustik weniger beseelt spielen zu können/wollen/sollen.

Ich denke schon, dass man da es nicht nur teils anders angehen muss, sondern es sich schwieriger gestaltet.
Aber um nochmal auf op. 46 zurückzukommen. Schön finde ich z.B., wenn gleich am Anfang in Bezug auf die drei "BACH-Figuren" eine durch Agogik verursachte leichte(!) Steigerung/Intensivierung stattfindet. Das ist mir wichtiger als ein "großer Klang", der aber nur "buchstabiert" wird (ob gewollt/situationsbedingt oder nicht). Man vergleiche nicht nur diesbezüglich mal Preiß mit z.B. Bernhard Schneider auf YT. Ich weiß, recht unfair, da das eine live, das andere eine Produktion mit theoretisch unendlich vielen Stückelungen ist. Schneider wirkt auf mich durch das ganze Stück hindurch eher "buchstabierend". (Abgesehen davon ist da schon sehr viel hohes Mixturengeklingel durchweg dabei, was dann doch nervt, auch wenn ich wahrlich nicht der Ansicht bin, dass alles nur auf Originalinstrumenten gespielt werden müsse.)

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Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Mittwoch, 23. Oktober 2024, 23:20 (vor 691 Tagen) @ MartinH

Aber um nochmal auf op. 46 zurückzukommen. Schön finde ich z.B., wenn gleich am Anfang in Bezug auf die drei "BACH-Figuren" eine durch Agogik verursachte leichte(!) Steigerung/Intensivierung stattfindet. Das ist mir wichtiger als ein "großer Klang", der aber nur "buchstabiert" wird (ob gewollt/situationsbedingt oder nicht). Man vergleiche nicht nur diesbezüglich mal Preiß mit z.B. Bernhard Schneider auf YT. Ich weiß, recht unfair, da das eine live, das andere eine Produktion mit theoretisch unendlich vielen Stückelungen ist. Schneider wirkt auf mich durch das ganze Stück hindurch eher "buchstabierend". (Abgesehen davon ist da schon sehr viel hohes Mixturengeklingel durchweg dabei, was dann doch nervt, auch wenn ich wahrlich nicht der Ansicht bin, dass alles nur auf Originalinstrumenten gespielt werden müsse.)

Jetzt müsste man Bernhard Schneider in Haselhorst hören - vielleicht macht er deswegen am Anfang kein Stringendo, weil er einfach keines macht....

Dem Eindruck des "Buchstabierens" kann ich mich vorsichtig anschließen, aber ob das der Akustik in Braunschweig geschuldet ist?
Ich höre da eher die Sorge um möglichst fehlerfreies Spiel für die Aufnahme heraus - oder es ist halt wirklich sein Stil.

Reger op. 46 aus B-Haselhorst, war: Konzerthaus Wien, B. Haas, Hype und Schwarzbrot

MartinH, Donnerstag, 24. Oktober 2024, 12:12 (vor 691 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Ist halt auch immer so eine Sache... Leider sind falsche Töne heute in Produktionen nicht mehr gelitten. Und durch zu viele Schneiderei (kein Wortspiel beabsichtigt) kann man auch viel kaputtmachen. Deswegen gefallen mir Live-Mitschnitte auch besser. Schneider hat ja wirklich Unmengen auf seinem Kanal, auch pädagogisch wertvoll durch die Noten. Intensiv reingehört habe ich trotzdem noch nicht, weiß nicht warum.
PS Genau, "Stringendo" ist der Fachausdruck.

Reger op. 46 aus B-Haselhorst, war: Konzerthaus Wien, B. Haas, Hype und Schwarzbrot

Friedrich @, Donnerstag, 24. Oktober 2024, 12:31 (vor 691 Tagen) @ MartinH

Ist halt auch immer so eine Sache... Leider sind falsche Töne heute in Produktionen nicht mehr gelitten.

Sei Dir da mal nicht zu sicher. Prominentes Label, prominenter Spieler spielt an prominenter Orgel auf neuer Platte bekannte Sonate und ändert gleich im zweiten Takt mal den Bassverlauf. Da haben gleich zwei Leute nicht aufgepasst.

Es kommt sehr auf Label und auf den Tonmeister an, und vielleicht auf die Zeit, die man am Aufnahmeort hat. Wenn es da z. B. stark hallt oder im Verlauf der Aufnahme wärmer oder kälter wird, kann es mit dem Schneiden schwierig werden. Digitaltechnik kann da zwar vieles ausbügeln, aber das kostet auch Zeit und Geld.

Viele Grüße
Friedrich

Reger op. 46 aus B-Haselhorst, war: Konzerthaus Wien, B. Haas, Hype und Schwarzbrot

c_preiss @, Tegernheim, Freitag, 25. Oktober 2024, 23:46 (vor 689 Tagen) @ MartinH
bearbeitet von c_preiss, Freitag, 25. Oktober 2024, 23:50

Gut, der Mitschnitt ist schon drei Jahre her und soll auch eher die Orgel als mein Spiel dokumentieren. Manches würde ich heute anders machen - gerade in der Phantasie würden die Tiefpunkte noch mehr Zeit und Langsamkeit bekommen.

Die Fuge ist insofern spannend, als Reger hier ja insbesondere ab dem 2. Thema eine extreme Steigerung des Tempos ausgehend von 80 Halben bis hin zu 144 Halben vorschreibt. Insbesondere die letzten Zahlen sind quasi unmöglich. Die These, bei Reger ein paar Prozente von den Metronomzahlen abziehen zu müssen, kenne ich natürlich und ist auch praxisnah. Auch wenn ich wohl nicht ganz so schnell war, wie Reger schrieb, ist es natürlich doch so, dass in einem sehr trockenen Raum wie der Weihnachtskirche Berlin-Haselhorst zumindest eine Annäherung an die geschriebenen Zahlen möglich ist, die ich mit der Interpretation auch versucht habe. In den allermeisten anderen Kirchen wäre das allein aus akustischen Gründen unmöglich.
Das könnte erklären, warum meine Haselhorst-Version in der Spielzeit ein gutes Stück unter quasi allen YouTube- und CD-Versionen liegt.

Und jetzt Feuer frei... :)

Reger op. 46 aus B-Haselhorst, war: Konzerthaus Wien, B. Haas, Hype und Schwarzbrot

MartinH, Samstag, 26. Oktober 2024, 03:24 (vor 689 Tagen) @ c_preiss
bearbeitet von MartinH, Samstag, 26. Oktober 2024, 03:27

Danke für die persönlichen Einblicke! Mit dem Feuer müssen andere ran, da bin ich "überfordert", mir gefällt es allgemein einfach sehr. Die Metronomzahlen sind ja dann schon krass. Aber da hat eine trockene Akustik einfach auch große Vorteile. Und eine Traktur (nebst Fingern und einem "Geist", der so schöne große Linien ziehen kann), die das mitmacht. Ich meine, im Booklet zum Konzerthaus "verteidigte" Haas auch die Traktur und schrieb, "man" (hüstel) könne so schnell spielen, wie man wolle.

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