Wenn eine Orgel Fernweh bekommt…
Christoph
, Freitag, 12. Juli 2024, 21:18 (vor 793 Tagen)
bearbeitet von Christoph, Freitag, 12. Juli 2024, 22:19
Hi Forum,
auf der Crowdfounding-Plattform Startnext gibt es ein Projekt, bei dem zwei Orgelbauerkollegen in ihrer Freizeit ein Orgelpositiv überholen und einer Schule in Tansania schenken wollen. Vielleicht interessiert es hier ja die eine oder den anderen…
Viele Grüße von Christoph
Wenn eine Orgel Fernweh bekommt…
elias.orgel, Mittwoch, 28. August 2024, 07:15 (vor 747 Tagen) @ Christoph
bearbeitet von elias.orgel, Mittwoch, 28. August 2024, 07:29
Warum denn nicht gleich ein Instrument
"aus der Region" ? ... (Re dorische F Ra Ge)
ich wüsste jetzt aber wirklich mal gerne ganz genau was für einen Einfluß das Material auf den Klang hat...
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apropos Material und Klang
kennt jemand hier die
(weihnachtliche Kurz-) Geschichte von
Herrn Dis und Fräulein Es ?
Sie stammt aus der Feder eines gewissen Jules Verne
und handelt...
von einer Orgel*
genau genommen von zwei Kindern (Joseph und Betty) im Chor
mit den Spitznamen Ré-dièze (also Dis) und Mi-bémol (also Es) - weil ihre Stimmen so perfekt im Einklang sind ?
und
dem "neuen" Organisten (und Chorleiter)
der (teuflischer Kerl und Orgelbauer) die Kinder nachts in OrgelPfeifen verwandelt...
aber vielleicht ist auch alles ganz anderes ???
Hier ein paar Seiten online...
Jules Verne, Herr Dis und Fräulein Es
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oder vielleicht eine kleine Kostprobe gefällig?
Die Orgel spielte weiter. Es war, als würde ein Sturm von Tönen aus ihr aufsteigen. Die sechzehnfüßigen Pfeifen dröhnten unter vollem Winddruck; das mächtige Gemshorn stieß laute Wohlklänge aus; selbst das zweiunddreißigfüßige Register, das den tiefsten Ton erzeugt, beteiligte sich an diesem ohrenbetäubenden Konzert. Es war, als würde ein musikalischer Windstoß über den Platz fegen. Man hätte glauben können, die Kirche sei nur noch ein riesiges Orgelgehäuse mit dem Turm als Schnarrwerk, das phantastische Kontra-F von sich gab.
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Was steht denn da bitte für eine Orgel** in diesem Schweizer Kaff - Kalfermatt ???
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* wir erinnern uns, Kapitän Nemo spielt nicht nur, er hat sogar eine, 20.000 Meilen unter dem Meer...
** die Auflösung findet Ihr ... im Buch ...
(eine VoxHumana hat das Instrument schon ;-)
Wenn eine Orgel Fernweh bekommt…
Friedrich
, Mittwoch, 28. August 2024, 10:26 (vor 746 Tagen) @ elias.orgel
oder vielleicht eine kleine Kostprobe gefällig?
Die Orgel spielte weiter. Es war, als würde ein Sturm von Tönen aus ihr aufsteigen. Die sechzehnfüßigen Pfeifen dröhnten unter vollem Winddruck; das mächtige Gemshorn stieß laute Wohlklänge aus; selbst das zweiunddreißigfüßige Register, das den tiefsten Ton erzeugt, beteiligte sich an diesem ohrenbetäubenden Konzert. Es war, als würde ein musikalischer Windstoß über den Platz fegen. Man hätte glauben können, die Kirche sei nur noch ein riesiges Orgelgehäuse mit dem Turm als Schnarrwerk, das phantastische Kontra-F von sich gab.
Das mächtige Gemshorn musste ich kurz nerdschlagen.
L’orgue continuait à se faire entendre. C’était comme une tempête de sons qui en sortait. Les seize-pieds travaillaient à plein vent ; le gros nasard poussait des sonorités intenses ; même le trente-deux-pieds, celui qui possède la note la plus grave, se mêlait à cet assourdissant concert. (Von hier.)
Das ist erstmal nicht schlecht gedacht von Übersetzerin Lislott Paff (laut dieser Seite). Einen Gros Nazard versteht kein deutscher Leser, auch wenn er halbwegs orgelaffin ist. Dass ein Gemshorn freilich nichts Mächtiges hat, steht dann auf einem anderen Blatt. Mit dem Gros Nazard hat es vielleicht die konische Bauweise gemein, aber der dürfte in der Regel deutlich weiter gebaut sein.
Uns kann man's auch nicht recht machen.
Viele Grüße
Friedrich
P. S.
Danke, toller Fund! Ich hatte ja keine Ahnung!
Wenn eine Orgel Fernweh bekommt…
elias.orgel, Mittwoch, 28. August 2024, 13:27 (vor 746 Tagen) @ Friedrich
Uns kann man's auch nicht recht machen.
Ach was... (wäre allerdings auch nicht meine Absicht oder Anspruch)
Je ne regrette rien ;-)
da ich nicht das französische Original gelesen habe vermute ich mal nur, dass Jules Verne sich recht gut auskannte
aber ein paar kleine "Fehler" gemacht hat
zumindest erscheint mir die Bezeichnung "Falsett Stimme" für einen Knaben vor dem Stimmbruch etwas unstimmig
Wenn eine Orgel Fernweh bekommt…
daggies
, Mittwoch, 28. August 2024, 11:36 (vor 746 Tagen) @ elias.orgel
Sehr interessant, dass in Tansania Orgeln hergestellt werden.
Allerdings irrt sich Herr Kammleiter: Das war mitnichten "die erste Orgel, die je in Afrika hergestellt wurde." In meiner südafrikanischen Heimat gibt es eine Orgelbautradition, die über 150 Jahre alt ist. In meinem Heimatdorf Wartburg ist z.B. diese Orgel ca. 1870 wohl als erste Orgel komplett in Südafrika gebaut worden. Leider steht sie nun woanders. Man geht davon aus, dass die Gebrüder Lauterbach bei Walcker in Ludwigsburg gelernt haben - zumindest spricht einiges dafür.
Es sind - und darum geht es mir hier - im Laufe der letzten 150 Jahren unzählige Instrumente in Südafrika entstanden (mehr Informationen dazu kann man u.a. im Buch von Albert Troskie "The Pipe Organ Heritage of South Africa" nachlesen). Und hier in meinem Büro in Radevormwald steht eine Truhenorgel des südafrikanischen Orgelbauers Jan Elsenaar, 2021 gebaut... #justsaying
Ebenfalls wurden umgekehrt über die Jahre unzählige Instrumente aus Europa nach Südafrika importiert, viele davon auch aus Deutschland. Dieses Instrument z.B. hat mein Urgroßvater für die Missionskirche in Salem geschenkt bekommen. Eine herrliche Orgel, die immer noch gute Dienste leistet.
Weitere Infos sind auf Organindex zu finden (dort auf der Landkarte dann Südafrika anklicken). Ich habe leider bislang noch nicht mehr Eintragungen geschafft. Irgendwann bekomme ich mal wieder Zeit (hoffe ich)...