Man könnte sich ja mal wieder...

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Sonntag, 31. März 2024, 23:02 (vor 897 Tagen)

...eine Disposition ausdenken!

So was gab's hier länger nicht mehr, vielleicht ist das Forum oder es sind seine Mitglieder aus dem entsprechenden Alter raus, es ist peinlich geworden oder was auch immer.

Hier war in letzter Zeit viel über Digital zu lesen, und auch das aktuelle "Organ - Journal für die Orgel" macht "Total digital?" zum Titelthema, dankenswerterweise mit Fragezeichen, obwohl ich das Heft sehr interessant finde.

Hier aber mal was Vollmechanisches: Für dieses bekannte Orgelgehäuse

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wird gemäß unserer Auslobung ein Kerninstrument gesucht in III/P, ca. 50 bis max. 55 Stimmen. Vollmechanisch, wenngleich sicher eine Setzeranlage dabei sein wird, also Doppeltraktur für Register. Ladensystem voraussichtlich Schleiflade, ein Werk schwellbar (oder vielleicht doch 2? 1,5?).
Ansatz: Das Kerninstrument soll unabhängig von Software und Co.* langfristig in der Lage sein, das, was wir für organistischen Mainstream halten, darstellen zu können. Nicht "authentisch", aber überzeugend. Also keine stilistischen Schwerpunkte (obwohl man sicher im SW ein paar Erwartungen für französische Eignung haben würde) sondern Farben, die in ihren Grundqualitäten hochwertig sind und sich deshalb für kreatives Registrieren von Kompositionen unterschiedlichen Ursprungs eignen.
Wie könnte die Dispo aussehen?

Es gibt, und das macht es ja immer interessant, Einschränkungen: Das Gehäuse ist ca. 16 Meter hoch und sehr tief - so scheint es. An den Stellen, wo die schwungvollen Linien die Tiefe reduzieren, sind aber innerhalb des Fachwerks nur mehr 1,5 Meter im Rastersystem nutzbar. "Mehr" geht dann nur mit Tricks, Laden auf Sturz oder Abgeführtes oder oder...

In diesen Bildern (ein paar mehr noch hier) kann man ein wenig davon ablesen bzw. erkennen.

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Auf die Besetzung könnte noch Einfluss haben:
Im Gehäuse sollte irgendwie noch Platz für etwas mehr elektrisch Angesteuertes sein, also nicht alles vollgestopft werden. Es ist auch nicht gesagt, dass das Instrument symmetrisches Layout haben muss. Die untere Mitte ist akustisch ganz schlecht, Wichtiges muss nach oben und nahe an die Front. Die untere Prospektetage enthält in den äußeren zwei Feldern Pr. 32' (Länge ab ca. A bis d') und im Mittelfeld Pr. 16' C-f°. Die obere Prospektetage ist stumm, bietet aber theoretisch die Möglichkeit, einige Pfeifen größerer Länge klingend zu nutzen. Aber man erkennt schon auf dem Bild, dass das mittlere Feld zu wenig Länge hat für Prinzipal (bzw. sehr weite Mensuren entstünden) und in den Außenfeldern zu viele Pfeifen ungefähr dieselbe Länge/Mensur haben würden.

Es ist ja tatsächlich so, dass sich Profis in den nächsten Monaten dieser Frage stellen, noch dazu mit der Problematik, in nicht näher vorgeschriebenem Maß altes Pfeifenmaterial mit zu nutzen.

Vielleicht steigt ja jemand ein und findet Spaß dran und hat auch den Mut, es hier kundzutun. Natürlich habe ich dazu Gedanken, aber die werde und dürfte ich hier (und auch anderswo) nicht veröffentlichen. Und weil viele weitere Zwänge hier nicht dargestellt sind, hat es auch mit dem Wettbewerb dann wieder nicht mehr viel zu tun, also wünsche ich ganz entspannten Spaß dabei!

*) Wie ja auch zu lesen ist, wird für das Gesamtprojekt durchaus eine deutliche Portion Elektronik angefragt sein. Aber es soll eine Zentrum geben, das auch ohne diese für eine sehr lange Zeit auskommmt und Musikerschaft wie auch Publikum anspricht. Dieses Zentrum, das die genannten Fähigkeiten auch ohne Auxiliares etc. haben muss, sei die Basis dieser Spielerei hier.

Man könnte sich ja mal wieder...

Orlos @, Sonntag, 31. März 2024, 23:33 (vor 897 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

I Grand-Chœur (C-c4, "romantisches" HW)
Grand Bourdon 32' (elektr. Einzeltonlade)
Praestant (Prospekt) 16'
Principal major 8'
Flûte harmonique 8'
Violoncello 8'
Gemshorn 8'
Großsesquialter 2fach 5 1/3'
Weitoctave 4'
Cornett 5fach 8'
Großmixtur 6fach 2 2/3'
Bombarde 16'
Trompette 8'
Clairon 4'

II Hauptwerk ("barock", zugleich Positiv für romantische Musik)
Bordun 16'
Praestant (Prospekt) 8'
Hohlpfeife 8'
Salicional 8'
Octave 4'
Blockflöte 4'
Quinte 2 2/3'
Superoctave 2'
Sesquialter 2fach 2 2/3'
Larigot 1 1/3'
Mixtur 5fach 1 1/3'
Dulcian 16'
Trompete 8'
Cromorne 8'

III Oberwerk (schwellbar)
Quintatön 16'
Geigenprincipal 8'
Viola da Gamba 8'
Rohrgedackt 8'
Aeoline 8'
Vox coelestis 8'
Principal 4'
Fugara 4'
Traversflöte 4'
Nasard 2 2/3'
Flageolet 2'
Terz 1 3/5'
Piccolo 1'
Fourniture 4fach 2'
Corona 3fach 1'
Fagott 16'
Horn 8'
Oboe 8'
Vox humana 8'
Klarine 4'

Pedal (C-g1) (mit Transmissionen aus I)
Kontrabass (Holz) 32'
- Untersatz 32' (I)
Open Wood 16' (aus 32')
- Praestant 16' (I)
Subbass 16'
Violonbass 16'
- Zartbass 16' (I, aus 32')
Octavbass 8'
- Holzflöte 8' (I)
- Violoncello 8' (I)
- Gemshorn 8' (I)
Choralbass 4'
- Großmixtur 6fach 2 2/3' (I)
Kontraposaune 32'
Posaune 16' (aus 32')
- Bombarde 16' (I)
- Trompette 8' (I)
- Clairon 4' (I)

Aufteilung:
I vorne rechts und links, damit auch gute Absprache als Pedalregister
II in der Mitte
III oben, evtl. Pedalregister davor im Prospekt
Großpedal hinten rechts und links (kann ruhig etwas "verschattet" sein)

Man könnte sich ja mal wieder...

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Montag, 01. April 2024, 09:51 (vor 897 Tagen) @ Orlos

Schlau!

Man würde normalerweise bei einer so starken Grand-Choeur/Pedal-Kombination die Nase rümpfen (auch wenn wir schöne Beispiele kennen), aber es ist ein kluger Weg, damit umzugehen, dass die Seitenflügel (zur Zeit Großpedal) gute Standorte sind, aber aufgrund des dort recht gut nutzbaren Volumens natürlich Werke mit großen Stimmen einladen.

Der Verantwortliche für die Trakturkonstruktion dürfte sich allerdings am Kopf kratzen, was eine immer noch brauchbare Lösung dank heutiger Mittel ja nicht ausschließt.

Persönlich schätze ich noch an diesem Vorschlag, dass wir bis zur Terz hin gute Möglichkeiten für Aliquot-Mischungen vorfinden. Das fehlt ja oft, wenn die Romantik überhand nimmt.

"II in der Mitte" - diese Mitte hat ja im Prinzip zwei Etagen (ich denke die oberste jetzt als dritte, hinter dem oberen Prospekt, zur Zeit III und SW IV). In der unteren wäre es eventuell etwas schade um die Helligkeit. Im der oberen steht etwas versenkt zur Zeit das I. Manual, ebenfalls Positiv. Hier ist es momentan spekulativ, wie viel eine gute Aufstellung und die Art eines geschlossenen Gehäuses dort etwas an Präsenz herauzsholen könnten. Das wäre ein Fall für Probetöne - und derartige Aktionen werden ohnehin stattfinden müssen, wenn es ernster wird.

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Orlos @, Montag, 01. April 2024, 11:24 (vor 897 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
bearbeitet von Orlos, Montag, 01. April 2024, 11:38

Das "barocke" HW würde ich direkt über den Spielschrank stellen, wo sich jetzt auch Prospektpfeifen befinden. Man braucht hier für differenzierte Artikulation kurze Wege und eine direkte Hörkontrolle. Ordentlicher Winddruck, größerer Abstand zwischen den Prospektpfeifen und ein eigenes Gehäuse (Dach!) könnten zu einer größeren klanglichen Präsenz als heute führen. Durch den Grand-Chœur ist das HW aber "entlastet", volle Power bringen zu müssen.
Auf Höhe der Balkone (über dem HW) wäre Platz für ein elektrisches Experimentalwerk, z. B. ein Aliquotwerk wie in Hamburg (Nicolai), ein englisches Solo (mit Tuba) oder etwas Gemischtes (mit den erhaltenen kurzbechrigen Zungen).

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Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Montag, 01. April 2024, 11:51 (vor 897 Tagen) @ Orlos

Das "barocke" HW würde ich direkt über den Spielschrank stellen, wo sich jetzt auch Prospektpfeifen befinden. Man braucht hier für differenzierte Artikulation kurze Wege und eine direkte Hörkontrolle.

Bin grad nicht vor Ort, aber ich muss mal ein Bild des barocken "Monitor-Lautsprechers" posten, den es da gibt bzw gab.

Ordentlicher Winddruck, größerer Abstand zwischen den Prospektpfeifen und ein eigenes Gehäuse (Dach!) könnten zu einer größeren klanglichen Präsenz als heute führen. Durch den Grand-Chœur ist das HW aber "entlastet", volle Power bringen zu müssen.

Könnte klappen. Den hohen Druck bräuchte es vermutlich nicht, aber genug Platz für die einzelne Pfeife wäre sicher eine Verbesserung.

Auf Höhe der Balkone (über dem HW) wäre Platz für ein elektrisches Experimentalwerk, z. B. ein Aliquotwerk wie in Hamburg (Nicolai), ein englisches Solo (mit Tuba) oder etwas Gemischtes (mit den erhaltenen kurzbechrigen Zungen).

Ja, irgendjemand hat da bei einer Besichtigung ebenfalls schon die Chamaden liegen sehen..!

Man könnte sich ja mal wieder...

Gast @, Montag, 01. April 2024, 14:17 (vor 897 Tagen) @ Orlos
bearbeitet von Gast, Montag, 01. April 2024, 14:26

Aufteilung:
I vorne rechts und links, damit auch gute Absprache als Pedalregister
II in der Mitte
III oben, evtl. Pedalregister davor im Prospekt
Großpedal hinten rechts und links (kann ruhig etwas "verschattet" sein)

Das Erinnert mich ein wenig an die Klaisine in Kristiansand:
Auch hier gibt es erstmal nur ein kleineres barocke Hauptwerk mit dem noetigsten, das Pedal ist hinterstaendig und sehr indirekt.
In den «Pedaltuermen» steht dann das Vierte Manual, welches aus dieser akkustischen «Poleposition» tatsaechlich mehrere Funktionen uebernimmt:
- Barockpedal (Zeichnung!)
- romantische Ergaenzung des HW
- Trompeteria
- Solo….
(Ansonsten waeren die aus Platzgruenden nur teilweise ausgebaute Suboktave im SW sowie die nicht durchkoppelnde Subkoppel im HW erwaehnenswert)
Ach ja: Bis auf die Oktavkoppeln ist die Orgel komplett mechanisch spielbar - macht halt nur keiner :-P


Du hast sehr viel Breite und Hoehe, aber eher wenig Tiefe (1,5m?) und akkustische Herausforderungen - bekommt du da z.B. Ueberhaupt ein ausgewachsenes Schwellwerk mit 17 Registern auf einer Lade unter?
Ich denke, dass man bei dir - selbst mit «nur» 55 Registern - im klassischen Werksprinzip nicht wirklich weiterkommt.
Unabhaengig wie man es jetzt nennt oder es umsetzt: selbst bei deiner ueberwiegend mechanischen «Kernorgel» wird man schon ein wenig querdenken muessen…

Ps: Ich finde es schwierig, aus Dogmatik auf eine reine Mechanik zu setzen - dafuer hat dein Projekt eigentlich zu viele Zielkonflikte!
Zumindest Loesungen wie Barker oder analog-elektrische (Oktav-)Koppeln sollten wohl auch im «Kern» moeglich sein?

Nb: Sorry! Der fehlerhafte Link ist jetzt korrigiert :-)

Man könnte sich ja mal wieder...

Kleinorgelspieler, Dienstag, 02. April 2024, 09:41 (vor 896 Tagen) @ Orlos

Also ich habe jetzt echt lange überlegt was man da - in guter Forentradition - kritisieren kann. Aber so wirklich will mir nix einfallen :-).
Vielleicht im Oberwerk noch optional ne Septime - aber ansonsten ist das schon eine sehr gelungene Dispo. Insbesondere das Ressonance-Prinzip ist hier wirklich super umgesetzt. Das könnte man für meinen Geschmack viel häufiger umsetzen. Ich meine es gab Mal einen Orgelbauer (ggf. Orgelbau Hehl?) der auf dieser Basis eine Serienkleinorgel gebaut hat.
Auch hier wurde das Konzept umgesetzt: https://organindex.de/index.php?title=Karlsruhe,_Stadtkirche_(Chororgel)

Claviers de Resonnance, war: Man könnte sich ja mal wieder...

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Dienstag, 02. April 2024, 15:51 (vor 896 Tagen) @ Kleinorgelspieler

Also ich habe jetzt echt lange überlegt was man da - in guter Forentradition - kritisieren kann. Aber so wirklich will mir nix einfallen :-).
Vielleicht im Oberwerk noch optional ne Septime - aber ansonsten ist das schon eine sehr gelungene Dispo. Insbesondere das Ressonance-Prinzip ist hier wirklich super umgesetzt. Das könnte man für meinen Geschmack viel häufiger umsetzen. Ich meine es gab Mal einen Orgelbauer (ggf. Orgelbau Hehl?) der auf dieser Basis eine Serienkleinorgel gebaut hat.

Ja, Orlos' Vorschlag ist sehr verlockend. Warum sieht man Grand-Choeur bzw. Resonnance nicht öfter? Am Papier ist es immer super, aber in der Praxis muss der Orgelbauer sehr gut sein, um Mensuration und Intonation der gemeinsam genutzten Stimmen so hinzubekommen, dass die Kompromisse gering sind.

Ein Octavbass 8' erhöht an seinem oberen Ende sozusagen den Kopfstimmen-Anteil und blendet sich schon fast wieder ein wenig aus. Doch als Principal 8' eines HW fängt da der Gesang erst an. Besonders auffällig - weshalb wir Transmissionen aus Manual in's Pedal hier öfter diskutieren - ist es bei den Zungen. Eine Trp. 16' eines HW wird als Posaune im Ped. nicht genügen und umgekehrt zu viel sein. Es sei denn, die Orgel ist so groß, dass es beides gibt. Ein interessantes Instrument mit solchen Möglichkeiten ist Fisk op. 100 in Dallas (credits go to Karsten for making me aware of it ;-).
Wir werden nicht auf's Lesen beschränkt, man kann sie auch samt Erklärungen hören/sehen.

Gerade die Sache mit den "Trommeten" 16' und 8' UND den alternativ bzw. zusätzlich nutzbaren Tuben samt der schönen Zungenbatterie im SW - das ist schon ein Instrument mit einigen Extras, das weite Teile der Literatur gut abdecken kann. Fisk-typisch gibt es für eine Saal-Orgel recht viel Anleihen an Norddeutschem Barock, aber das Resonnance-Werk und das schöne SW mit dem Allernötigsten öffnen das Instrument für das Französische und bringen die Power (sozusagen "Clavier de Resistance") für das Symphonie-Orchester.

Claviers de Resonnance, war: Man könnte sich ja mal wieder...

Orlos @, Dienstag, 02. April 2024, 16:45 (vor 896 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Gerade diese beiden Register (Oktavbass und Posaune) würde ich nie als Transmission/Wechselschleife vorsehen, weil sie in der Tat nicht gleichzeitig als Manual- und Pedalregister funktionieren. Ich habe schon Orgeln erlebt, bei denen die HW-Trompete die Verlängerung der Posaune war, das klingt auch nicht überzeugend. Schon mehrmals habe ich mich negativ geäußert über die Unsitte, den Praestant 16' des HW als Principalbass im Pedal zu verwenden, wenn es dort nicht noch etwas Mächtigeres gibt (Open Wood, kräftiger Kontrabass o.ä.).
Nach meiner Erfahrung funktionieren leise Register gut als Transmissionen. Oder solistische Farben (Violoncello 8', Soloflöte 4' oder 2'). Die Trompeten 8' und 4' eignen sich als Wechselschleifen (bei Transmissionen gibt es mitunter Probleme mit dem Rückschlagventil), auch ein Fagott oder Dulcian 16' ist im Pedal praktisch (neben einer "echten" Posaune oder Bombarde). Bei Klais findet sich mitunter auch die Pedalmixtur als Transmission, aber nicht aus der (relativ hohen) HW-Mixtur, sondern aus Rauschpfeifen oder Cornet-Bässen.
Für solche Lösungen fallen mir viele Beispiele ein (Rastatt, Stadtkirche; Aachen-Burtscheid; Coburg, kath. Kirche; Mannheim, Woehl-Orgel), die ich schon gespielt habe und die ich überzeugend fand, ob es nun Transmissionen sind oder ein 4. Manual zum Ankoppeln.
Für Rostock kam ich darauf, nicht um Register zu sparen, sondern die klangliche "hervorragende" Position der Seitenfelder auszunutzen für Manual- und Pedalregister.

Claviers de Resonnance, war: Man könnte sich ja mal wieder...

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Dienstag, 02. April 2024, 17:56 (vor 896 Tagen) @ Orlos

Für Rostock kam ich darauf, nicht um Register zu sparen, sondern die klangliche "hervorragende" Position der Seitenfelder auszunutzen für Manual- und Pedalregister.

Den Spareffekt würde man auch gerne mitnehmen, aber tatsächlich punktet der Gedanke mit der Ausnutzung dieser Position(en) im Gehäuse, die für ein (Groß)Pedal allein eine Verschwendung wären.

Übrigens hat mir Orlos vor Jahren schon prophezeit, dass ich im zweistelligen Bereich Entwürfe anfertigen würde. So ist es inzwischen auch gekommen!
Einen Entwurf mit Datei-Datum vom Dezember 2020 möchte ich hier veröffentlichen - dachte ich mir doch, dass ich selbst schon den Resonnance-Gedanken irgendwo formuliert hatte.

Es war eine eher konservative Variante, die eden gegenwärtigen Zustand weitgehend behält. Lediglich das IV. Manual (SW) sollte ausgegliedert und ergänzt zu einer einzeltongesteuerten Chororgel werden. Wie die Datei erzählt, gab der zunächst angedachte Standort Nordempore (incl. diverser Kammern darunter) nicht genügend Raum her (jedenfalls im Sinne einer weitgehend unsichtbaren Orgel), so dass ich ihn auch als B-Variante nicht mehr weiter verfolgte.
Das Besondere: Der Entwurf enthält ein Resonnance-Klavier aus sechs Reihen, davon haben fünf bereits vorhandene Register zur Grundlage, gerade auch die etwas ordinär-kräftige alte Posaune 16'. Genau genommen ist es aber ein Auxiliar, da mit Einzeltonsteuerung ausgerüstet, um für alle Werke "Auffettungen" bereit zu stellen. Über die Aufstellung habe ich mir sicher Gedanken gemacht, ich erinnere sie aber nicht mehr.
Hier das PDF>

@stein: Das Unwort Zentralspieltisch kommt vor :D

Man könnte sich ja mal wieder...

Friedrich @, Montag, 01. April 2024, 18:00 (vor 897 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
bearbeitet von Friedrich, Dienstag, 02. April 2024, 16:14

Ich hatte mich ja schon einmal grundsätzlich damit befasst, mit Einwänden von Dir samt Fotobeweis -- zugegebenermaßen war das alles eher voraussetzungsfrei an den akustischen Befunden entlang gedacht, weniger an Trakturfragen.

Ich finde Orlos' Vorschlag auch sehr bedenkenswert, denn die Türme sind akustisch prime real estate, die heutige Position des HW ist es nicht. Mit Hinblick auf die Trtaktur würde das einiges Ingenium erfordern, eher noch Trakturhilfen im Windkasten oder gar als amtliche Kowalyshin-Maschine hinterm Spielschrank, wo zumindest heute nicht viel Platz dafür wäre.

Das ist allerdings schon wieder ein höherer Komplikationsgrad, als man einer "Kernorgel" zugestehen möchte. Da stelle ich mir eher einen zentralen Orgelturm mit flankierenden Basstürmen vor. Dann darf das HW nicht dort bleiben, wo es heute ist, sondern muss an die Position über dem Scheinbalkon mit neuem klingendem Prospekt. Rechts und links könnte ein Schwellwerk stehen wie heute. Das gesamte Hauptgeschoss, besonders die Mitte, kann eigentlich nur den Bässen dienen, also solchen Frequenzen, bei denen es egal ist, woher sie kommen. Den Prospekt würden dann die Prinzipale 32' und 16' bilden. Ein Plenopedal könnte auf Sturz rechts und links stehen. Wenn man dann an eine elektrisch bediente Ausbaustufe denkt, könnten diese Laden zum Résonance werden.

Ein Kleinpedal -- im Sinne von 4' und kleiner -- könnte hinter den Scheinbalkon kommen (wie z. B. im Rudigierdom in Linz oder auch in Altenberg), ein drittes Manualwerk an die Position des heutigen Kronwerks, womit diese beiden Positionen akustisch sehr gut bedient wären. Kein Werk außer dem Pedal kann dabei übermäßig groß besetzt sein.

Alsdann.

I Hauptwerk
Prinzipal 16' teilw. Prospekt, C-Gis innen
Oktave 8' teilw. Prospekt
Rohrflöte 8'
Gemshorn 8'
Oktave 4'
Koppelflöte 4'
Quinte 2 2/3'
Oktave 2'
Cornet IV-V ab a°?, aufgebänkt
Mixtur IV 2'
Mixtur IV 1 1/3', Mixturen auf gemeinsamer Bank
Trompete 16'
Trompete 8'

II Oberwerk
Quintade 16'
Prinzipal 8'
Flûte harmonique 8'
Gedackt 8'
Salicional 8'
Oktave 4'
Rohrflöte 4'
Nasat 2 2/3'
Waldflöte 2'
Terz 1 3/5'
Sesquialtera 2 2/3' II
Scharf V-VI 1', mit Sesq. auf gemeinsamer Bank
Basson 16'
Cromorne 8'

III Schwellwerk
Bordun 16'
Flûte traversière 8'
Cor de nuit 8'
Gambe 8'
Voix céleste 8'
Flûte octaviante 4'
Fugara 4'
Octavin 2'
Cornet III 2 2/3'
Plein jeu VI 2'
Tuba magna 16'
Trompette harmonique 8'
Basson-Hautbois 8'
Vox humana 8'

Pedal 1, C-Cis-geteilt seitlich,
ggf. auch Résonance
Prinzipal 16' teilweise Prospekt Mitte
Oktave 8' evtl. als Auszug aus 16'
Rauschpfeife IV 5 1/3'
Mixtur VI 2' evtl. auch auf Lade 4
Posaune 16'
Trompete 8'
Trompete 4'

Pedal 2, C-Cis-geteilt seitlich
Praestant 32' C-Gis ged. oder 16 + Q in den Fensterlaibungen, teilweise Prospekt
Posaune 32'

Pedal 3, Hauptgeschoss Mitte
Subbass 16'
Quinte 10 2/3'
Bassflöte offen 8'
Terz 6 2/5'
Fagott 16'

Pedal 4, Scheinbalkon Mitte
Oktave 4'
Hohlflöte 4'
Nachthorn 2'
Cornet V 4' (weil!)

Mechanische Koppeln: II an I, III an I, I an P, III an P; eventuell III an II und II an P

Raum für zusätzliche, elektrisch angesteuerte Laden: "Schultern" über den Schwellkästen an der Westwand, Leerraum über der Pedallade 1

Macht 58 Register. Das HW enthält ein komplettes ungekoppeltes Tutti und braucht das SW nicht, das OW kann mit Schalmei und Scharf noch einen draufsetzen. Dort gehört bei diesen akustischen Bedingungen auch die Flûte hin und eigentlich auch der Cornet, aber der sollte als Duopartner zum Cromorne doch im HW bleiben. Ich denke nicht, dass mehr ins HW passt, denn die Mensuren dort müssen mächtig sein. Eher noch müssten Quinte und 2' mit auf die Bank zu den Mixturen, alles zusammen über den beiden 4'; der Cornet nach Möglichkeit klassisch hinterm Prospekt.
Wenn HW und SW auf einer gemeinsamen Ebene stehen könnten, wäre das Ensemble der Manualtrompeten in einem gemeinsamen Gang zu stimmen und bewohnte dieselbe Klimazone.

Das Pedal ist ebenfalls komplett mit den Laden 1, 3 und 4, Lade 2 könnte eventuell der Ausbaustufe vorbehalten sein. Die größte Trakturkomplikation wäre die zu Lade 1. Laden 1 und 2 denke ich mir auf Sturz mit Stimmgang dazwischen, sodass die vier Zungen in einem Gang gestimmt werden können. Die Trompete 4' hätte man vor 40 Jahren auch auf die Balkonlade gesetzt, plus ein Kornett 2' daneben, aber zum Stimmen und für die mögliche Rolle von Lade 1 als Résonance ist sie dort wohl besser aufgehoben.
Wieviel Platz neue C-Cis-geteilte Schwellkästen nach Höhe und Tiefe wirklich haben, wäre noch eine offene Frage; zurzeit sind es zwei unterschiedlich besetzte, oder? Orlos' Geigenprinzipal und ein Clairon wären natürlich eine feine Sache. Die obige Version rechnet mit knappem Platzangebot, die 16'-Register haben in dieser Akustik m. E. Vorrang.

Die Trakturanlage wäre recht einfach, das HW hätte die direkteste Manualtraktur. Eventuell wäre deswegen zu überlegen, ob die Flöten 3-2-Terz den Platz mit den Prinzipalen 3-2 tauschen sollten. Der Weg zum OW ist leider sehr weit für ein konzertierendes Manual mit spritzigeren Stimmen, aber ich wüsste nicht, wie das zu vermeiden wäre -- möglicherweise mit einem kleineren Positivwerk wie jetzt, das dann hinter dem Scheinbalkon stünde. Die obige Lade 4 müsste dann auf Laden 1 und 3 verteilt werden, oder man gibt sich mit einem einzigen 4'-Choralbass auf Lade 1 zufrieden. Aber die Zone unter dem Gewölbe darf nicht verschenkt werden.

Das alles ist -- die Kritik nehme ich mal vorweg -- sehr innerhalb der Linien von Kompromissorgeln der Achtziger- und vielleicht Neunzigerjahre gedacht, da gibt es bestimmt auch originellere Ideen oder geschlossene Stilkonzepte. Ich glaube allerdings, dass ein klassisch homogen mensuriertes HW mit dem norddeutschen Duo Trompete 16-8 in so einer Akustik, in dieser Position und bei diesem Platzangebot wirklich etwas reißen kann; dass ein französisch gedachtes SW die nötige Diskantbetonung leistet und dass ein konzertierendes Manual die Schärfe und Präsenz liefern muss, die den beiden anderen fehlt.

Man könnte sich ja mal wieder...

Friedrich @, Montag, 01. April 2024, 18:15 (vor 897 Tagen) @ Friedrich

Nachgedanke:

À propos prime real estate -- man könnte sich auch von Saint-Maximin inspirieren lassen und HW und Résonance einander gegenüber aufstellen (dort nebeneinander). Dann müsste zwar die HW-Traktur recht abenteuerlich umgelenkt (und wohl unterstützt) werden, aber alles stünde zusammen, ohne C-Cis-Sprünge. Verlauf wäre dann chromatisch von hinten nach vorn. Die Etage über dem Scheinbalkon stünde für ein breit aufgestelltes SW oder ein weniger breites plus ein Oberwerk zur Verfügung, der Scheinbalkon selber für ein 4'-Manualwerk, also ein in Richtung Barock gehendes Positiv. Das gesamte Gewölbegeschoss wäre frei für eventuelle elektrisch angesteuerte Zusätze, die mechanischen Trakturen deutlich kürzer, abgesehen von den Komplikationen der dreifachen Umlenkung zum HW (hoch -- Winkelbalken 1 45° -- Winkelbalken 2 45° -- Winkelbalken 3 waagerecht zum waagerechten Wellenbrett unter der Lade; für Pedal/Résonance dieselbe Umlenkung, aber Füße halten mehr aus).
32'- und Kleinpedal könnten wie oben vorgeschlagen stehen.

Viele Grüße
Friedrich

Man könnte sich ja mal wieder...

Orlos @, Montag, 01. April 2024, 19:24 (vor 897 Tagen) @ Friedrich

Am Ende kommst Du auch dazu, irgendein Manualwerk in die jetzigen Pedaltürme zu stellen, weil sie akustisch am nächsten an der Gemeinde sind und aus der Rundung des Hauptgehäuses hervorragen, das ist eben die "hervorragende" Position, die sich wirklich anbietet und nur für das Pedal eigentlich verschenkt ist. Man könnte dort auch ein großes 16'-HW unterbringen. Ich glaube, der Trakturweg wird gar nicht so abenteuerlich, wenn ich etwa an Weingarten oder Neresheim denke, da hat man im 18. Jahrhundert schon ambitionierte Trakturen bewältigt. Man könnte diese Laden auch auf Sturz stellen, dann ergeben sich noch einmal andere Möglichkeiten der Trakturführung.
Meine Idee, das "klassische" HW mit einer einfachen Traktur zu positionieren und für die vorderen Seiten eher den symphonischen Klang vorzusehen, erlaubt eine sinnvolle Differenzierung. Ich kann aber gut verstehen, dass man sich eine mechanische "Basis-Orgel" wünscht, die möglichst störungsfrei arbeiten kann. Das spricht gegen Baker-Maschinen und ähnliche Vorkehrungen, die viel Einstellungsarbeit und Wartung erfordern. Es gibt aber durchaus Orgelbauer, die so etwas hinbekommen, ich wäre da optimistisch.

Man könnte sich ja mal wieder...

Friedrich @, Montag, 01. April 2024, 19:33 (vor 897 Tagen) @ Orlos

Auf Sturz : Auf jeden Fall, so habe ich mir das auch gedacht – mit dem melodieführenden Diskant direkt über dem »Hallelujafelsen«.

Trakturhilfe: Inzwischen soll es ja brauchbare Lösongen auf Balancier-Basis geben. Wichtig wäre natürlich, dass eine solche Traktur leicht, straff und stabil gelingt bei so langen horizontalen Wegen.

Man könnte sich ja mal wieder...

Poupoulcorouse @, Elberfeld, Montag, 01. April 2024, 19:34 (vor 897 Tagen) @ Orlos

Mhm. Das Pedalgehäuse gewissermaßen als eingeschränkten Rückpositiversatz?

Man könnte sich ja mal wieder...

Orlos @, Montag, 01. April 2024, 19:43 (vor 896 Tagen) @ Poupoulcorouse

Mhm. Das Pedalgehäuse gewissermaßen als eingeschränkten Rückpositiversatz?

Ja, wobei das "Rückpositiv" hier klanglich das Hauptwerk (oder Grand-Orgue oder Grand-Chœur...) sein müsste, also die eigentliche Kraft liefert.

Man könnte sich ja mal wieder...

Orlos @, Montag, 01. April 2024, 19:53 (vor 896 Tagen) @ Orlos

Mhm. Das Pedalgehäuse gewissermaßen als eingeschränkten Rückpositiversatz?


Ja, wobei das "Rückpositiv" hier klanglich das Hauptwerk (oder Grand-Orgue oder Grand-Chœur...) sein müsste, also die eigentliche Kraft liefert.

Klanglich also ein Effekt etwa wie hier oder hier oder hier oder hier.

Man könnte sich ja mal wieder...

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Montag, 01. April 2024, 21:13 (vor 896 Tagen) @ Friedrich

Oh Mann, hier kommt ja langsam Musik rein!

Friedrich, ich meine, du hast mal in meiner Abwesenheit die Orgel gespielt, oder? Insofern kennst Du das jetzige Gerät schon ein wenig, warst aber zumindest in der Kirche?

Nun hast Du so oft das zutreffende Wort "Scheinbalkon" genannt, dass es mich doch auf eine schräge Idee gebracht hat, nämlich: Brüssel!
(ein bißchen auch: Köln fom, Langhausorgel)

Was, wenn man den mechanischen Spielschrank in die Mitte setzte?

Hier sind Position 1 der historische mechanische Spielschrank (die im Orthofoto beleuchtet festgehaltene Wand sind die originalen Türen, nur 1,5 m weiter hinten als zur Erbauungszeit), Position 2 der aktuelle elektrische Tisch (dort gelandet wegen Sorge, dass die Emporenmitte ihn nicht tragen könnte) und Position 3 - tadaaa - eine mittige Zentrale, die die Trakturwege doch relativieren würde. Zunächst als Übersicht,

[image]

hier höher auflösend:

[image]
+
Aber wie sähe das dort aus?

Die Technik müsste auf dem hier erkennbaren Balkenwerk aufliegen - zwischen den beiden Balken lief ja wohl auch die originale Traktur zum OW durch. (Orientierung ist klar, der Spieler säße rechts nicht sichtbar mit Blick nach links - die Füße würden etwa über den Stahlrostoen schweben müssen...)

[image]

Dieses Bild hatte ich noch auf der Platte und habe mal angedeutet, wie das wohl ungefähr zugehen müsste. NB: Mit meiner Größe wäre es schon nicht möglich, dort aufrecht gehend hinzukommen oder aufrecht stehend zu registrieren, wenn man nicht den nächsthöheren Boden irgendwie öffnen würde:

[image]

Hier ein Zufalls-Bildausschnitt, in dem der Bereich, in dem Spieler:in sitzen könnte, zu sehen ist, und auch die Gründe, warum man da in der Höhe begrenzt ist.

[image]

Dieses von einem anderen mutigen Menschen aufgenommene Bild illustriert die Situation nochmals: Da wo die imitierten Schalenglocken hängen, da ist ja der Scheinbalkon. Hörkontrolle wäre aus dieser Nische nicht unmöglich, aber schwierig, da Spieler:in immer nur innerhalb des Korpus zu sitzen käme. Die diffusen Seitenwände werfen aber durchaus Schall nach hinten zurück (leider).

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Von unten betrachtet (und aufgehellt):

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und noch ein altes Bild vor der Gewölberestaurierung - wie gesagt, es scheint gut zu passen, aber die Höhe...!

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Ein derart entlegener Spielschrank würde natürlich noch seltener in Anspruch genommen werden, als wenn er "nur" auf der Empore wäre. Das zu verleugnen, wäre unehrlich (auch wenn es für mich persönlich nicht zuträfe - zu einer guten Spielanlage würde ich auch weit wandern.). Aber für Trakturwege wäre das doch noch mal ein interessanter Ansatz.

Man könnte sich ja mal wieder...

Orlos @, Montag, 01. April 2024, 21:54 (vor 896 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Hm, Trakturwege nach oben sind eigentlich gar kein Problem (siehe Altenberger Dom). Ich glaube nicht, dass die Position Nr. 3 ein Gewinn wäre.
Unsere Idee, Manualwerke vorne in die jetzigen Pedaltürme zu stellen, ergibt ein Problem der Umlenkung. Dafür wäre aber Position Nr. 1 auf alle Fälle besser als Nr. 3.
Ich finde es auch gar nicht schlecht, wenn man als Organist ein wenig im Klangschatten sitzt. Die Orgel muss schon ziemlich laut werden, um aus dem "Hufeisen" herauszuklingen. Da möchte ich nicht mittendrin sitzen.

Man könnte sich ja mal wieder...

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Montag, 01. April 2024, 23:07 (vor 896 Tagen) @ Orlos

Hm, Trakturwege nach oben sind eigentlich gar kein Problem (siehe Altenberger Dom). Ich glaube nicht, dass die Position Nr. 3 ein Gewinn wäre.

Das stimmt oft - Altenberg habe ich zwar noch nicht mechanisch gespielt, aber es gäbe andere Beispiele. Selbst gespielt kommt mir da aber nur Haarlem (Müller) in den Sinn und Linz Neuer Dom, was ich aber nicht mehr gut erinnere.

Unsere Idee, Manualwerke vorne in die jetzigen Pedaltürme zu stellen, ergibt ein Problem der Umlenkung. Dafür wäre aber Position Nr. 1 auf alle Fälle besser als Nr. 3.

Die Frage ist, in welcher Höhe man mechanisch in die Seitenflügel (finde ich richtiger als "Türme") hineinspielt: Unten, so wie jetzt die Pedalladen und Man II liegen - dann bliebe aber viel Höhe in den flügeln ungenutzt, oder eben höher, dann könnte man am Spielschrank gleich mit seitlichen Wegen anfangen. (Naja, ganz so einfach ist es natürlich nicht.)
Zur Umlenkung von 1 aus: Das wird spannend, denn damit ist auch die Frage verbunden, ob die Emporen-Rückwand, die ehemalige Untergehäuse-Wand, wieder vorgezogen wird (1938 zurückversetzt).
Bleibt es beim Ziel mechanischer Registertraktur, wird sich das kaum vermeiden lassen, außer, man legt im neuen Geist diese Traktur offen einsehbar an.

Auf dieser Seite wird die Lage des historischen Spielschranks erläutert. Hier die aktuelle Situation - die dünnen Säulen markieren die historische Lage der Verkleidung. dahinter war sozusagen Trakturraum.

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Ich finde es auch gar nicht schlecht, wenn man als Organist ein wenig im Klangschatten sitzt. Die Orgel muss schon ziemlich laut werden, um aus dem "Hufeisen" herauszuklingen. Da möchte ich nicht mittendrin sitzen.

Das wäre nicht so das Ding bzw. auch nicht so viel anders als an Position Nr. 1. Das würde ja auch sehr davon abhängen, was in nächster Nähe herumstünde und ob es akustische Trennung gibt.

Extreme Lautstärke wäre auch kein Gewinn, das erlebte ich schon mal, als drei Trompeter der Norddeutschen Philharmonie mal auf der Empore waren. Schon aus der Mitte, die noch nicht so gut abspricht wie die vorderen Ecken (Halleluja-Felsen"), erzeugten die eine heftige Hallwolke. Also dB allein macht die Verbesserung nicht aus.

Ich halte übrigens auch eine asymmetrische Belegung des Gehäuses mit der Kern-Orgel für möglich - z. B. im Südflügel zwei oder drei Ebenen auf Sturz übereinander, ein Werk auch woanders, Spielschrank ebenfalls "auf Sturz", Trakturkanal da, wo jetzt der südliche Aufgang ist, als innerhalb des Balkensystems vorhandene Durchführung der jetzige Treppeneinstieg (Blickrichtung ist westlich, elektrischer Spieltisch Pos. 2 im Rücken):

[image]

hier von oben betrachtet - der Trakturschacht wäre als hochkant stehendes Rechteck zu denken, über dem oberen Ende der sichtbaren Treppe. Der Raum hinter dem südlichen Oberprospekt böte Platz für ein kleineres Werk, Aussprache nach oben und vorne (die Bildbasis ist die Westwand, der obere Bildrand wäre Richtung Altar). Das würde Trakturwege vor allem in die Vertikale legen.
Nachteil wäre eine chromatische Aufstellung der Pfeifen (nach hinten ansteigend), und aufgrund des Raumbedarfs könnte es sein, dass schon ein Teilwerk allein in zwei Etagen angelegt werden müsste. Technisch ärgerlich wäre auch der Bedarf eines (weiteren) Wellenbretts, da auf den Klaviaturen die hohen Töne rechts bzw. westlich, die Pfeifen aber genau andersrum stehen müssten. Aber diese Überlegungen verlassen bereits den Horizont des orgelbaulich Außenstehenden.

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Wir stellen schon bei diesen Spielereien fest, wie sehr man die Altvorderen, resp. Schmidt und Marx, denen man diese Ausgangssituation verdankt, mal durchschütteln möchte...

Man könnte sich ja mal wieder...

Friedrich @, Montag, 01. April 2024, 23:48 (vor 896 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Das klingt nach lohnend gegen die Gewohnheit gedacht -- in diesen mächtigen Seitenflügeln könnte man sicher mindestens zwei freistehende Manualwerke übereinander unterbringen, auch ein HW, das ja 8'-Ladenhöhe haben darf. Sogar ein Kron- oder Solowerk könnte hinter die oberen Seitenprospekte, das finde ich auch, und es hätte die Akustik auf seiner Seite. Den Prospektbezug unten müsste man sich dann überlegen. Ein SW wäre dann an der Westwand etwas schwieriger zu erreichen. Aber: Das gesamte Restvolumen stünde für ein üppiges Pedal und elektrische Zusatzladen zur Verfügung.

Nachteil wäre eine chromatische Aufstellung der Pfeifen (nach hinten ansteigend), und aufgrund des Raumbedarfs könnte es sein, dass schon ein Teilwerk allein in zwei Etagen angelegt werden müsste. Technisch ärgerlich wäre auch der Bedarf eines (weiteren) Wellenbretts, da auf den Klaviaturen die hohen Töne rechts bzw. westlich, die Pfeifen aber genau andersrum stehen müssten. Aber diese Überlegungen verlassen bereits den Horizont des orgelbaulich Außenstehenden.

Aaach, die Orgel ist doch symmetrisch! Stell den Spielschrank und den Kernorgelturm vor die Nordwand, fertig.

Viele Grüße!

Man könnte sich ja mal wieder...

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Dienstag, 02. April 2024, 00:03 (vor 896 Tagen) @ Friedrich

Aaach, die Orgel ist doch symmetrisch! Stell den Spielschrank und den Kernorgelturm vor die Nordwand, fertig.

Viele Grüße!

Im Norden endet da, wo der Spielschrank hinkommen müsste, ja der Aufgang auf die Empore. Das wäre kaum zu ändern, es sei denn, man geht über die Seitengewölbe und durch das Instrument auf die Empore. Aber es stimmt schon, würde man einen Spielschrank nördlich anlegen, könnte sogar eine Fächer/Strahlen-Straktur für die Manuale möglich sein.....

Man könnte sich ja mal wieder...

Friedrich @, Montag, 01. April 2024, 23:34 (vor 896 Tagen) @ Orlos

Ich habe mir damals auch den Scheinbalkon angesehen. Wie das gesamte Gehäuse ist auch er eine Theaterkulisse, ein optischer Trick, der das Gehäuse höher macht, indem er den Maßstab vortäuscht: Die Balustrade müsste ja ungefähr 3/5 Mannshöhe haben.

Tatsächlich ist der Raum dort aber höchstens 1,60 m hoch, die Balustrade vielleicht 60 oder 70 cm (Deine Skizze mit Männle zeigt also eher einen Grundschüler). Sie könnte höchstens Sichtblende über einem wirklichen Geländer sein. Unter ihrer Unterkante müsste man geschätzt mindesten 60 cm dafür ansetzen. Der Raum darunter wäre höchstens für Diskantpfeifen nutzbar. Selbst wenn man an dieser akustisch besten Stelle eine Lade für 4' hohe Besetzung einfügen wollte, müsste man sie unter der Balustrade einrücken.

Wenn alle Manualladen darüber eingefügt würden, wie in meinem ersten Vorschlag, wäre die HW-Traktur kurz und knackig, sogar aufgehängt möglich. Das zweite Manual ginge zweiarmig nach hinten und vor der Rückwand nach oben, die SW-Traktur müsste balanciert zu einem breiten, flachen (Eisen-) Wellenbrett geführt werden, das vielleicht in zwei Stufen umlenkt. Alle Pedalladen (fünf oder sechs) wären unterhalb des Spielschranks, ähnlich wie in der einstigen Berliner Hedwigsorgel, aber da macht die Traktur ja auch mehr mit.*

Der Organist säße wie an der Klais in der Paulskirche Frankfurt heute: in einer tiefen Nische in der Orgelwand.

Andere Überlegung: Wenn der Marx-Spielschrank 1,50 m weiter vorne war und man das wieder so macht, wäre da ja Platz für einen Koppelapparat. Die Hörposition stelle ich mir minimal besser vor: Die Manualwerke klängen weniger direkt, ihr Zusammenspiel wäre aber ähnlich schwierig einzuschätzen. Die heutige Spieltischposition kommt sicher nicht von ungefähr.

Für meinen dritten Vorschlag -- 16'-Pedal bzw. Résonance auf Sturz links, HW auf Sturz rechts chromatisch von hinten nach vorne, OW und SW über dem Scheinbalkon -- wäre ein Spielschrank an der alten Position sicher günstiger.


* Im Freiburger Münster sind die wichtigsten Manualwerke, HW und Positiv, unterhalb des Spielschranks, allerdings so knapp wie möglich. Der Spieler sitzt, wenn er denn dort sitzt, über dem HW-Diskant.

Man könnte sich ja mal wieder...

MCVL @, Montag, 01. April 2024, 20:26 (vor 896 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

I. Manual (Hauptwerk)
1) Principal 16'
2) Principaloctav 8'
3) Hohlflöte 8'
4) Gamba 8'
5) Salicional 8'
6) Octav 4'
7) Rohrflöte 4'
8) Quinte 2 2/3'
9) Superoctav
10) Waldflöte 2'
11) Mixtur major 2 2/3' 4-5fach
12) Nixtur minor 1 1/3' 4fach
13) Trompete 16'
14) Horn 8'

II. Manual (Oberwerk)
15) Bourdon 16'
16) Echoprincipal 8'
17) Rohrflöte 8'
18) Gemshorn 8'
19) Dulciana 8'
20) Vox angelika 8'
21) Octav 4'
22) Koppelflöte 4'
23) Flöte dolce 4'
24) Cornett 8' 5fach
25) Mixtur 2' 4fach
26) Fagott 16'
27) Clarinette 8'

III. Manual (Schwellwerk)
28) Gedeckt major 16'
29) Concertflöte 8'
30) Gedeckt minor 8'
31) Violine 8'
32) Aeoline 8'
33) Vox celest 8'
34) Fugara 4'
35) Flöte travers 4'
36) Spitzflöte 2'
37) Harmonia aetherea 3-4fach 2'
38) Tuba 16'
39) Trompete magna 8'
40) Bassetthorn 8'
41) Clarine 4'

Pedal
42) Principalbaß 16'
43) Violone 16'
44) Subbaß 16'
45) Quinte 10 2/3'
46) Octavbaß 8'
47) Violoncello 8'
48) Großterz 6 2/5'
49) Choralbaß 4'
50) Cornet 4' 4fach
51) Sopran 2'
52) Posaune 16'
53) Trpmpete 8'
54) Trompete 4'

Man könnte sich ja mal wieder...

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Montag, 01. April 2024, 23:15 (vor 896 Tagen) @ MCVL

Das ist eine sehr kalorienhaltige Dispo!

Sie wirkt schlüssig und ist so wohl auch gemeint, wenn man sich vorstellt, dass ab der Mitte des 19. Jahrhudnerts Wege gefunden worden wären, das problematische Gehäuse schllicht mit (edler) Kraft zu überwinden. Und es hätte dann jemand auch gemacht, so dass man etwas Ähnlöiches, abzüglich neobarocker Entstellungen, heute vorfinden würde.
Je nach Aufstellung und Trakturführung wird man auch hier an Hilfsmittel denken wollen - Balanciers o. ä. Beim Lesen der Dispo denke ich ehrlich gesagt gar nicht mehr so sehr an ein mechanisches Instrument oder nicht mehr an Schleiflade. Einzelne Aliquote würden mir auch zu sehr fehlen. Es wäre sozusagen eine größere Variante der Buchholz-Orgel von Stralsund. Von der Orgellandschaft her gedacht wäre es mir zu nahe an dieser Orgel und der Schweriner Ladegast dran.

Man könnte sich ja mal wieder...

perotin, Dienstag, 02. April 2024, 00:46 (vor 896 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Einzelne Aliquote würden mir auch zu sehr fehlen.

Mir auch. Bei >50 Registern möchte ich auf eine einzeln registrierbare Terz 1 3/5' ungern verzichten.

Im selben Manual sollte auch ein klanglich einigermaßen dazu passender 2 2/3' stehen. Den man dann auch als
1 1/3' verwenden kann, wenn ein gedeckter/flötiger 16' verfügbar ist...

Man könnte sich ja mal wieder...

musikinallerheiligen ⌂ @, Nürnberg, Dienstag, 02. April 2024, 11:23 (vor 896 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Hier eine (allround) Idee:

I Hauptwerk

Principal 16'
Principal 8 (evtl 2fach)
Flute harmonique 8
Gambe 8‘
Gedackt 8
Octave 4'
(Block)Flöte 4'
Quinte 2 2/3'
Oktave 2'
Cornet V aufgebänkt
Mixtur major IV 2'
Mixtur minor III-IV 1 1/3'
Tuba 16'
Trompete 8'

II Oberwerk
Bordun 16‘
Principal 8'
Rohrflöte 8'
Salicional 8'
Octave 4'
Flöte 4'
Nazard 2 2/3'
Waldflöte 2'
Terz 1 3/5'
Larigot 1 1/3
Mixtur 1‘
Voix humaine 8'
Clarinette 8'

III Schwellwerk
Salicional 16'
Diapason 8‘
Flûte traversière 8'
Viole de Gambe 8'
Voix céleste 8'
Flûte octaviante 4'
Prestant 4'
Nazard harm. 2 2/3
Octavin 2'
Tierce harm. 1 3/5
Plein Jeu 2' (2 2/3)
Bombarde 16'
Trompette harmonique 8'
Hautbois 8'
Clairon 4‘

Pedal
Untersatz 32 (Ext. Subbass)
Subbass 16
Principalbass 16 (TM HW)
Violon 16
(Quinte 10 2/3)
Octavbass 8
Cello 8
Gedacktbass 8
Choralbass 4
Hintersatz IV 2 2/3
Jubalflöte 2
Kontraposaune 32 (Ext Posaune)
Posaune 16
Trompete 8
Clairon 4

Vielleicht kann man das Pedal mit wenigen Transmissionen und Extensionen verkleinern...Nur so als Idee ;-) Oder man teilt das Pedal in Groß- und Kleinpedal auf...

Man könnte sich ja mal wieder...

JRorgel @, Dienstag, 02. April 2024, 18:36 (vor 896 Tagen) @ musikinallerheiligen

Ich würde gerade das Pedal eigenständig lassen - die ganzen Löcher durch Extensionen etc. sind mir schon öfter negativ aufgefallen…

--
"Orgelspielen heißt, einen mit dem Schauen der Ewigkeit erfüllten Willen offenbaren." (Charles-Marie Widor)

Man könnte sich ja mal wieder...

MCVL @, Dienstag, 02. April 2024, 22:56 (vor 895 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
bearbeitet von MCVL, Dienstag, 02. April 2024, 23:00

Das ist eine sehr kalorienhaltige Dispo!

Ja aber der Kirchenraum verträgt es sicherlich

Sie wirkt schlüssig und ist so wohl auch gemeint, wenn man sich vorstellt, dass ab der Mitte des 19. Jahrhudnerts Wege gefunden worden wären, das problematische Gehäuse schllicht mit (edler) Kraft zu überwinden. Und es hätte dann jemand auch gemacht, so dass man etwas Ähnlöiches, abzüglich neobarocker Entstellungen, heute vorfinden würde.

Es ist eine freie Interpretation von dreimanualigen Instrumenten bedeutender deutscher Orgelbauer des 19. Jahrhunderts unter Hinzufügen stilistisch neutraler Elemente, die mehr Abwechslung ermöglichen. Sie zielt schon auf eine - wie du es richtig erkannt und beschrieben hast - edle Kraft und Fülle ab, die aber niemals geschmacklos oder übertrieben wirkt, wie das so mancher frankophilen Stilkopie anhaftet.

Je nach Aufstellung und Trakturführung wird man auch hier an Hilfsmittel denken wollen - Balanciers o. ä. Beim Lesen der Dispo denke ich ehrlich gesagt gar nicht mehr so sehr an ein mechanisches Instrument oder nicht mehr an Schleiflade. Einzelne Aliquote würden mir auch zu sehr fehlen. Es wäre sozusagen eine größere Variante der Buchholz-Orgel von Stralsund. Von der Orgellandschaft her gedacht wäre es mir zu nahe an dieser Orgel und der Schweriner Ladegast dran.

Das war mir fast klar, daß Einzelaliquote vermisst werden. Aber die könnte man auch durch die Zerlegung des Cornett in Einzelstimmen erreichen können.
Grundsätzlich bin ich von Schleifladen, orientiert an den technischen Raffinessen, welche dem französischen und deutschen Orgelbau im 19. Jahrhundert zur Verfügung standen, ausgegangen.
Ich würde sie aber nicht in mittel- oder norddeutscher Tradition beheimatet und auch intoniert wissen, sondern eher an Anlehung der wenigen noch erhaltenen süddeutschen Instrumente dieser Art orientiert.
Warm, kräftig, edel, klar und trotzdem nicht von einer forcierten Schärfe. Und weitab von Weigles Seraphonstimmen.

Man könnte sich ja mal wieder...

Orlos @, Dienstag, 02. April 2024, 23:06 (vor 895 Tagen) @ MCVL

Wahrscheinlich wünscht man sich für die "Basic"-Orgel etwas mehr Vielseitigkeit. Auf einer mechanischen Orgel dieser Größe würde man etwa die "Dorische" spielen wollen, bräuchte also ein zweites Manual mit einer eher hellen Mixtur o.ä.
Der riesige Raum benötigt zudem echte 32'-Register.
Ich finde, französische Stilkopien sind nur dann deplaziert, wenn der Kirchenraum für diesen Orgeltyp zu klein ist. Große Räume sind damit ordentlich zu beschallen.

Man könnte sich ja mal wieder...

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Dienstag, 02. April 2024, 23:29 (vor 895 Tagen) @ Orlos

Wahrscheinlich wünscht man sich für die "Basic"-Orgel etwas mehr Vielseitigkeit. Auf einer mechanischen Orgel dieser Größe würde man etwa die "Dorische" spielen wollen, bräuchte also ein zweites Manual mit einer eher hellen Mixtur o.ä.

Wieder richtig.

Der riesige Raum benötigt zudem echte 32'-Register.

Ja. Den Pr. 32' in der Fassade, auch wenn nur bis A oder mit Verlängerung/Kröpfung vielleicht Fis/G umsetzbar, haben nicht alle Entwürfe hier genutzt.

Ich finde, französische Stilkopien sind nur dann deplaziert, wenn der Kirchenraum für diesen Orgeltyp zu klein ist. Große Räume sind damit ordentlich zu beschallen.

Das stimmt, allerdings ist es halt auch eine gewisse Mode seit einigen Jahrzehnten. Aber die Frage ist auch da: Wenn nicht französisch, wie dann?

Man könnte sich ja mal wieder...

Gast @, Mittwoch, 03. April 2024, 01:34 (vor 895 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Der riesige Raum benötigt zudem echte 32'-Register.


Ja. Den Pr. 32' in der Fassade, auch wenn nur bis A oder mit Verlängerung/Kröpfung vielleicht Fis/G umsetzbar, haben nicht alle Entwürfe hier genutzt.

Koennte man das Dingen nicht noch zu einem Manual-16ˋ ausbauen?
Das wuerde die 16-Basis des HW entlasten/differenzieren.
(quasi: Open Diapaison 16 1 und Open Diapaison 16 2?)

Ps: Schon mal ueber Haskell nachgedacht?

Man könnte sich ja mal wieder...

Orlos @, Mittwoch, 03. April 2024, 01:37 (vor 895 Tagen) @ Gast

Ps: Schon mal ueber Haskell nachgedacht?

Haskell ist toll, wenn man wenig Höhe, aber genug Breite hat. Ich habe letzthin eine Trompete 8' in Haskell-Bauweise gehört, klingt super, braucht aber viel Platz um sich herum. In Wiesbaden gibt es eine neue rekonstrierte Walcker-Orgel mit einer Posaune in Haskell-Bauweise, das ist absolut überzeugend.
In Rostock ist mangelnde Höhe eher nicht das Problem.

Man könnte sich ja mal wieder...

Gast @, Mittwoch, 03. April 2024, 01:50 (vor 895 Tagen) @ Orlos

Ps: Schon mal ueber Haskell nachgedacht?


Haskell ist toll, wenn man wenig Höhe, aber genug Breite hat. Ich habe letzthin eine Trompete 8' in Haskell-Bauweise gehört, klingt super, braucht aber viel Platz um sich herum. In Wiesbaden gibt es eine neue rekonstrierte Walcker-Orgel mit einer Posaune in Haskell-Bauweise, das ist absolut überzeugend.

So etwas gibt es bei Zungenpfeifen???
ok: man lernt nie aus :-)
Meine Dienstorgel hat ein paar davon bei den Labialen: absolut ueberzeugend, von der Ansprache aber natuerlich schwierig.

In Rostock ist mangelnde Höhe eher nicht das Problem.

Beim offenen 32ˋ anscheinend ja doch….. P

Man könnte sich ja mal wieder...

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Mittwoch, 03. April 2024, 08:37 (vor 895 Tagen) @ Gast

Beim offenen 32ˋ anscheinend ja doch….. P

Das stimmt. Die Probleme wären allerdings überwindbar: Anlängen, Kröpfen, und 4-6 Pfeifen müssen innen stehen. Jetzt sind es 4, Holz offen in 16', die sind ein Fall für's Museum, außer man deckt sie hilfsweise zum 32' ein.

Man könnte sich ja mal wieder...

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Mittwoch, 03. April 2024, 08:34 (vor 895 Tagen) @ Gast

Koennte man das Dingen nicht noch zu einem Manual-16ˋ ausbauen?
Das wuerde die 16-Basis des HW entlasten/differenzieren.
(quasi: Open Diapaison 16 1 und Open Diapaison 16 2?)

Ps: Schon mal ueber Haskell nachgedacht?

Ich habe ja eingangs die Prospekt-Situation beschrieben. Detail-Lösungen zur Prospektpfeifen-Nutzung oder Fortsetzung des 32' sind jetzt ja eigentlich noch nicht wirklich dran.

Man könnte sich ja mal wieder...

Große Pfeife @, Mittwoch, 03. April 2024, 08:28 (vor 895 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Englisch!!

Man könnte sich ja mal wieder...

Friedrich @, Mittwoch, 03. April 2024, 08:52 (vor 895 Tagen) @ Große Pfeife

Englisch!!

Ich weiß nicht, wie ernst das gemeint ist – aber ganz klar: Nein.

Der englisch-romantische Stil – die meisten heute meinen damit Willis oder H & H.– ist für Orgeln in einer so entrückten Position komplett ungeeignet. Die basslastige Grundtonpower, erst recht die schweren Zungenensembles, würden eine opake Lärmwolke erzeugen. Die zarten Zungen könnten sich nicht durchsetzen. Die Mixturen würden keine nennenswert klärende Rolle spielen.

Auch die musikalisch-liturgischen Voraussetzungen fehlen. Der Hauptzweck englischer Kathedralorgeln ist effiziente Chorbegleitung. Der entfällt in Rostock in dieser Position. Die vielbewunderte Crescendofähigkeit wäre ab Forte-Level nur noch drückend, siehe opake Klangwolke.

Und schließlich: Solche Orgeln haben einen unglaublichen Bedarf an Raum und Infrastruktur. All das ins historische Balkenwerk kneten? Vergiss es.

Ich glaube, in Rostock sind Kraft und Klarheit gefordert. Prinzipalchöre rund um kräftig singende 4‘-Oktaven, nicht schüchtern hinter einem adipösen First Open und unter der Schreckensherrschaft von Hochdrucktrombas auf Einzeltonautomaten.

Zürnt (beinahe)
Friedrich

Stil oder nicht? war: Man könnte sich ja mal wieder...

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Mittwoch, 03. April 2024, 14:31 (vor 895 Tagen) @ Friedrich

Englisch!!


Ich weiß nicht, wie ernst das gemeint ist – aber ganz klar: Nein.

Der englisch-romantische Stil – die meisten heute meinen damit Willis oder H & H.– ist für Orgeln in einer so entrückten Position komplett ungeeignet. Die basslastige Grundtonpower, erst recht die schweren Zungenensembles, würden eine opake Lärmwolke erzeugen. Die zarten Zungen könnten sich nicht durchsetzen. Die Mixturen würden keine nennenswert klärende Rolle spielen.

Das haben wir im Prinzip schon, nur etwas zu leise. :D


Auch die musikalisch-liturgischen Voraussetzungen fehlen. Der Hauptzweck englischer Kathedralorgeln ist effiziente Chorbegleitung. Der entfällt in Rostock in dieser Position. Die vielbewunderte Crescendofähigkeit wäre ab Forte-Level nur noch drückend, siehe opake Klangwolke.

Ganz aufgeben würdenich die Chorbegleitrolle noch nicht, aber asie dürfte in dem Moment entfallen, wo es eine wirklich gelungene Chororgel gibt, die ja eigentlich kommen soll.
Choral Evensong stellt eine wesentliche Marke unserer Kirchenmusik da. In Marien starteten wir 2011 einst so, dass wir "facing" in den Bankreihen nahe der Vierung standen, also noch ein Joch von der Orgel entfernt:

[image]

in Corona gingen wir in den Chorraum, begleiteten trotzdem mit großer Orgel - das funktionierte gut über Mikros, die den Chor aufnahmen und zum Kollegen an die Orgel beamten - für's Publikum war es aber ein etwas heftiger Stereo-Effekt...

[image]

Da wir zur Zeit GoDi in der Vierung feiern und einen Teil des Gestühls abgebaut haben, (für's Denkmalamt: Vorübergehend, versteht sich!), steht der Chor jetzt in einer Variante zur Ausgangsposition:

[image]

(NB: Eine Treble Line mit Kindern/Jugendlichen hatten wir im März mal wieder, allerdings andere Kirche)

Und schließlich: Solche Orgeln haben einen unglaublichen Bedarf an Raum und Infrastruktur. All das ins historische Balkenwerk kneten? Vergiss es.

Ich glaube, in Rostock sind Kraft und Klarheit gefordert. Prinzipalchöre rund um kräftig singende 4‘-Oktaven, nicht schüchtern hinter einem adipösen First Open und unter der Schreckensherrschaft von Hochdrucktrombas auf Einzeltonautomaten.

Quite drastic! Aber der klangliche Befund ist richtig.


Zürnt (beinahe)

As I said before....

Friedrich

Und hier die Lösung (war: Man könnte sich ja mal wieder ...)

Friedrich @, Mittwoch, 03. April 2024, 14:57 (vor 895 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

[image]

Dieses Bild macht doch eindeutig klar, wo die Orgel hin muss. In die Priechen (okay, Logen) rechts und links. Da darf's dann auch englisch sein, aus solcher Nähe ist der akustische Schaden weit über die Köpfe der Zuhörenden verbannt. Zwei fette Schwellkästen, Vorbilddispo gibt's nagelneu in Braunschweig. Fertig ist der Evensong.

Was dann zwei Stockwerke höher passiert, ist völlig unabhängig davon. Schön nach Barcelona oder Dresden oder an andere exotische Orte vergeben -- oh ja, Gloucester (Mass.)! --, denen fällt schon was ein.

God save the King!
Friedrich

Und hier die Lösung (war: Man könnte sich ja mal wieder ...)

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Mittwoch, 03. April 2024, 15:02 (vor 895 Tagen) @ Friedrich

[image]


Dieses Bild macht doch eindeutig klar, wo die Orgel hin muss. In die Priechen (okay, Logen) rechts und links. Da darf's dann auch englisch sein, aus solcher Nähe ist der akustische Schaden weit über die Köpfe der Zuhörenden verbannt. Zwei fette Schwellkästen, Vorbilddispo gibt's nagelneu in Braunschweig. Fertig ist der Evensong.

Was dann zwei Stockwerke höher passiert, ist völlig unabhängig davon. Schön nach Barcelona oder Dresden oder an andere exotische Orte vergeben -- oh ja, Gloucester (Mass.)! --, denen fällt schon was ein.

God save the King!
Friedrich

Oh, wir haben gleichzeitig rund um dasselbe Bild geschrieben :D

Man könnte sich ja mal wieder...

JRorgel @, Dienstag, 02. April 2024, 21:22 (vor 895 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Mal ein Vorschlag von mir - etwas über 55 Register, aber wie ich finde recht vielseitig. Ich mag es, wenn es ausreichend Aliquoten gibt, die der Orgel im Raum klanglich Schärfe geben, mehr als eine Hochdrucktuba oder sowas das kann. Alle Werke sollen dabei auch die anderen begleiten können, allzuoft fehlen schöne Begleitstimmen.

Hauptwerk - Manual I C-c4
01 Großpraestant 16
02 Prinzipal 8
03 Gedacktflöte 8
04 Flauto Major 8 (überblasend)
05 Octave 4
06 Spitzflöte 4
07 Quinte 2 2/3
08 Octave 2
09 Flöte 2
10 Terz 1 3/5
Gruppenzug Cornett 4fach (5,7,8,9)
11 Mixtur Major 5fach (16‘-basiert)
12 Mixtur Minor 4fach (8‘-basiert)
13 Bombard 16
14 Trompete 8

Oberwerk - Manual II
15 Quintadena 16
17 Gemshorn 8 (flötig)
18 Flöte traverse 8‘
19 Salicional 8 (kräftig-thüringisch)
20 Prinzipal 4
21 Hohlflöte 4
22 Quintatön 4
23 Nassat 3
24 Superoctav 2
25 Quinte 1 1/3
26 Sifflöte 1
27 Mixtur 3fach
28 Schalmei 8
29 Trompete 4

Schwellwerk - Manual III
30 Bourdon 16
31 Geigenprincipal 8
32 Rohrflöte 8
33 Liebl. Gedackt 8
34 Quintatön 8
35 Viola 8
36 Vox maris 8 (Schwebung)
37 Fugara 4
38 Flauto harm. 4‘
39 Zartquinte 2 2/3
40 Flautino 2
41 Terz 1 3/5
42 Septime 1 1/7
Gruppenzug Echocornett
43 Mixtur 4-5fach 2 2/3‘
44 Basson 16
45 Trompete 8
46 Hautbois 8
47 Vox Humaine 8
48 Clairon 4

Pedal C-g‘
49 Großprincipalbass 32
50 Principal 16
51 Violon 16
52 Subbass 16
53 Quinte 10 2/3
54 Oktavbass 8
55 Flötenbass 8
56 Cello 8
57 Quinte 5 1/3
58 Choralbass 4
59 Terz 3 1/5
60 Flauto 2
61 Mixturbass 4fach
62 Basscornett 3fach
63 Großposaune 32
64 Posaune 16
65 Trompete 8
66 Claironbass 4

Normalkoppeln.

Sind natürlich mehr als die geforderten 55 Register, aber müssten in das Gehäuse passen, denke ich. Nun steht es dem Forum frei, diesen Vorschlag zu zerlegen…

--
"Orgelspielen heißt, einen mit dem Schauen der Ewigkeit erfüllten Willen offenbaren." (Charles-Marie Widor)

Man könnte sich ja mal wieder...

Orlos @, Dienstag, 02. April 2024, 22:04 (vor 895 Tagen) @ JRorgel

Sind natürlich mehr als die geforderten 55 Register, aber müssten in das Gehäuse passen, denke ich. Nun steht es dem Forum frei, diesen Vorschlag zu zerlegen…

Natürlich passen die alle in das Gehäuse – und selbstverständlich sind 55 Register eigentlich zu wenig für diesen riesigen Raum. Ich hatte die "Aufgabe" so verstanden, dass es eine Art "Grundorgel" mit 55 Registern geben sollte, rein mechanisch, die mit zusätzlichen Spielereien aufgestockt werden kann. Deshalb fehlen in meinem Entwurf Chamaden, englische Solo-Register, Auxiliar-Register etc.
Aber es ist nicht einfach, mit "nur" 55 Registern eine "Basic"-Orgel zu planen, die alleine den Raum füllen kann und genug Klangfarben zur Verfügung stellt, um viel Literatur abzudecken.
Angesichts der Größe des Gehäuses würde ich dann eher vier Manualwerke vorsehen, wenn es mehr Register sein dürfen.

Man könnte sich ja mal wieder...

JRorgel @, Dienstag, 02. April 2024, 22:19 (vor 895 Tagen) @ Orlos

Richtig - hatte ich überlesen. Habe meinen Vorschlag nochmal bereinigt und etwas reduziert…

--
"Orgelspielen heißt, einen mit dem Schauen der Ewigkeit erfüllten Willen offenbaren." (Charles-Marie Widor)

Man könnte sich ja mal wieder...

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Dienstag, 02. April 2024, 22:50 (vor 895 Tagen) @ Orlos

Natürlich passen die alle in das Gehäuse – und selbstverständlich sind 55 Register eigentlich zu wenig für diesen riesigen Raum. Ich hatte die "Aufgabe" so verstanden, dass es eine Art "Grundorgel" mit 55 Registern geben sollte, rein mechanisch, die mit zusätzlichen Spielereien aufgestockt werden kann. Deshalb fehlen in meinem Entwurf Chamaden, englische Solo-Register, Auxiliar-Register etc.

Genau so.

Aber es ist nicht einfach, mit "nur" 55 Registern eine "Basic"-Orgel zu planen, die alleine den Raum füllen kann und genug Klangfarben zur Verfügung stellt, um viel Literatur abzudecken.

Angesichts der Größe des Gehäuses würde ich dann eher vier Manualwerke vorsehen, wenn es mehr Register sein dürfen.

Die Größe ist relativ - welche Größen und Ladenpositionen sind mechanisch noch gut erreichbar?
Das eigene Nachdenken reißt immer auch wieder Wunden auf, in gewisser Weise. Will man dem Denkmalamt folgen, das so sehr am Tragwerk hängt, müsste man eigentlich auf eine elektrische Orgel setzen. Dann könnte man, ganz britisch, in vielen Nischen dies und das hinstellen und den seltsam geformten Raum hinter dem Vorhang (Martin Dücker zieht diesen Begriff dem Wort "Gehäuse" vor) ausnutzen - ein Raum, dessen Einteilung durch Ständerwerk sich modernem Orgelbau weitgehend entzieht. Es ist schon auch anstrengend, und für mich seit 2007....
Nun hatten wir einmal einen Termin, an welchem einige Fremdpfeifen zur Verfügung stunden (Friese und Winzer). Da war schon erkennbar, dass andere Pfeifen deutlich besser aus dem Kasten herauskommen, zumindest vom Volumen her. (Leider klappte es nicht im Praktischen nicht so gut, die Pfeifen überbliesen bei den relativ hohen Drücken, wir mussten sie sozusagen mit Schlupf in die Bohrungen stellen.)
Etwas verschattet wird wohl auch künftig manches klingen.
Eines der uns demnächst besuchenden OB-Teams hat angedeutet, Pfeifen mitzubringen, was ich für sehr klug halte.

Man könnte sich ja mal wieder...

Orlos @, Dienstag, 02. April 2024, 23:00 (vor 895 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
bearbeitet von Orlos, Dienstag, 02. April 2024, 23:19

Dann könnte man, ganz britisch, in vielen Nischen dies und das hinstellen und den seltsam geformten Raum hinter dem Vorhang (Martin Dücker zieht diesen Begriff dem Wort "Gehäuse" vor) ausnutzen

Ich würde versuchen wollen, das Gehäuse gerade nicht als Vorhang zu interpretieren, sondern tatsächlich Laden dorthin zu stellen, wo auch Prospektpfeifen stehen. Ich finde, dieses Prinzip hat sich bewährt, weil dann die Pfeifen auf der Lade schön zwischen den Pfeifenfüßen der Prospektpfeifen durchklingen können und nur wenige (bzw. kurze) Kondukten gebraucht werden. Außerdem gehört es meines Erachtens zur Ästhetik dieses barocken Gehäuses, dass die äußere Ansicht mit dem inneren Aufbau korrespondiert.

Man könnte sich ja mal wieder...

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Dienstag, 02. April 2024, 23:30 (vor 895 Tagen) @ Orlos

Dann könnte man, ganz britisch, in vielen Nischen dies und das hinstellen und den seltsam geformten Raum hinter dem Vorhang (Martin Dücker zieht diesen Begriff dem Wort "Gehäuse" vor) ausnutzen


Ich würde versuchen wollen, das Gehäuse gerade nicht als Vorhang zu interpretieren, sondern tatsächlich Laden dorthin zu stellen, wo auch Prospektpfeifen stehen. Ich finde, dieses Prinzip hat sich bewährt, weil dann die Pfeifen auf der Lade schön zwischen den Pfeifenfüßen der Prospektpfeifen durchklingen können und nur wenige (bzw. kurze) Kondukten gebraucht werden. Außerdem gehört es meines Erachtens zur Ästhetik dieses barocken Gehäuses, dass die äußere Ansicht mit dem inneren Aufbau korrespondiert.

Diese Korrespondenz fehlte ihm allerdings schon in seiner Urgestalt, was die oberen Prospektfelder betrifft.

Man könnte sich ja mal wieder...

Orlos @, Dienstag, 02. April 2024, 23:37 (vor 895 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
bearbeitet von Orlos, Dienstag, 02. April 2024, 23:41

Diese Korrespondenz fehlte ihm allerdings schon in seiner Urgestalt, was die oberen Prospektfelder betrifft.

Hihi, das erinnert mich an Vorkommnisse der Nachkriegszeit, als eine echte Spieltraktur einer alten Orgel hinausgeworfen wurde und der Orgelbauer ernsthaft verkündete, die könne nicht original sein und er baue jetzt eine "echte barocke" Spielanlage ein. Oder die vielen Winddruck-Erniedrigungen, die meistens Blödsinn waren.
Man könnte jetzt in Rostock eine Orgel bauen, die in dieser Hinsicht (Prospekt und Werkaufbau) "echter" als das Original wird. (Allerdings könnte es sein, dass es dann nicht zum historischen Tragwerk passt!)

Man könnte sich ja mal wieder...

JRorgel @, Dienstag, 02. April 2024, 22:17 (vor 895 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Etwas bereinigt und nochmal überlegt sähe meine Grundorgel so aus:

Hauptwerk Manual I - C-c4
01 Praestant 16
02 Oktave 8
03 Flauto amabile 8
04 Doppelflöte 8
05 Octave 4
06 Hohlflöte 4
07 Quinte 3
08 Octav 2
09 Terz 1 3/5
Gruppenzug Cornett
10 Mixtur 5-6fach
11 Cymbel 4fach
12 Trompete 8

Oberwerk - Manual II
13 Quintadena 16
14 Gemshorn 8
15 Quintadena 8
16 Viola du Gamba 8
17 Prinzipal 4
18 Gedackt 4
19 Gemshorn 2
20 Quinte 1 1/3
21 Mixtur 4fach
22 Hautbois 8
23 Trompete 4

Schwellwerk - Manual III
24 Bourdon 16
25 Geigenprincipal 8
26 Flauto travers 8
27 Salicional 8
28 Vox maris 8
29 Fugara 4
30 Flauto harm. 4
31 Streichquinte 2 2/3
32 Violine 2
33 Terz 1 3/5
34 Septime 1 1/7
Gruppenzug Harmonia aeth. (31,32,33)
35 Mixtur 4fach
36 Fagott 16
37 Trompete 8
38 Oboe 8
39 Clairon 4

Pedal C-g‘
40 Grossprincipalbass 32
41 Principal 16
42 Violon 16
43 Subbass 16
44 Quinte 10 2/3
45 Oktave 8
46 Flöte 8
47 Cello 8
48 Nasard 5 1/3
49 Choralbass 4
50 Terz 3 1/5
51 Septime 2 2/7
Gruppenzug Basscornett
52 Mixtur 4fach
53 Posaune 32
54 Posaune 16
55 Trompete 8

Zu überlegen wäre noch eine 16‘-Zunge statt der Quintadena in Manual II und ob das HW dann auch noch sowas bekommen sollte.

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"Orgelspielen heißt, einen mit dem Schauen der Ewigkeit erfüllten Willen offenbaren." (Charles-Marie Widor)

Man könnte sich ja mal wieder...

Orlos @, Dienstag, 02. April 2024, 22:39 (vor 895 Tagen) @ JRorgel

Mir würde eine 16'-Trompete fehlen in diesem Raum.

Man könnte sich ja mal wieder...

JRorgel @, Mittwoch, 03. April 2024, 07:40 (vor 895 Tagen) @ Orlos

Wenn ich könnte, wie ich wollte, würde ich da noch ein Solomanual als viertes Manual einrichten, was m.E. wiederum den Vorteil hätte, dass man es frei koppeln kann, wohin man will:

Soloflöte 8
Bombard 16‘
Tromba 8‘
Klarinette (durchschlagend) 8

Dann könnte man beispielsweise im HW auch die Trompete kürzen, weil man die Zungen ja dort hat…

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"Orgelspielen heißt, einen mit dem Schauen der Ewigkeit erfüllten Willen offenbaren." (Charles-Marie Widor)

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