Frischer Wind...

Axel, Mittwoch, 04. August 2021, 09:04 (vor 1864 Tagen) @ elsenp
bearbeitet von Axel, Mittwoch, 04. August 2021, 10:20

Naja, falsch ist es irgendwie immer. Wenn man eine Stilorgel baut, heißt es, da geht nichts drauf. Wenn es eine Universalorgel ist, kann man eben alles spielen, aber nichts richtig.

Und hier ist es halt eine Universalorgel, in einem gewissen Sinn. Ob ich in diesem Kontext die Zungen im SW französisch benannt hätte, weiß ich nicht.

Bei dieser Disposition gehe ich davon aus, dass Andreas Saage erheblich beteiligt war. Im Gegensatz zu anderen Orgelbauern kann er selbst auch spielen. Das verändert sicher manche Ideen. So wie ich ihn kennne, gibt er eigentlich ungerne einen klassischen Kern mit Pricipalchor auf. Halte ich für eine gute Sache. Wie oft vermisst man bei neueren Instrumenten trotz erheblicher Größe ein vernünftiges Rückgrat für Bach, Walther, Buxtehude usw. Da gibt es dann ein HW mit unglaublich tiefer Mixtur, die zwingend den 16' braucht und auf dem SW kann man Stücke für Flöten- und Trompetenuhr spielen. Und nicht nur für Literatur, sondern auch zur Gemeindebegleitung hätte ich gerne mehr als nur eine Möglichkeit. Und da muss man schon die ganzen neueren Dispositionen hinterfragen. Was spiele ich denn als Nachspiel? Vielleicht doch eher mal die Dorische als ein Finale aus einer Vierne Sinfonie. Und was spielt der Nebenamtler? Widor? Franck? Vierne? Im Gottesdienst? Ja, da gibt es auch andere, aber für Boellmanns Harmoniumstücke brauche ich dann keine 30 Register.

Andreas Saage hat außerdem eine Vorliebe für schwäbische Frühromantik, früher Walcker z.B. Auch das merkt man bei den Dispositionen. Kann man mögen, muss man nicht, aber so unpraktisch ist es dann zum Teil nicht und bietet eine brauchbare Möglichkeit, das klassische Konzept behutsam in Richtung 19. Jh. zu erweitern, ohne dass es enorme Stilbrüche gibt. Ein zweimanualiges Instrument, das ich gut kenne, steht hier: https://de.wikipedia.org/wiki/St._Michael_(Gro%C3%9Fb%C3%BCllesheim)
Die Parallelen sieht man, da fehlt nur das 3. Manual. In den jetzt schon 10 Jahren, wo das Instrument steht, hat es sich gut bewährt, auch in Konzerten. Also, ich wäre in Erlangen gespannt, was die Orgel nachher so kann.


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