Alles offen in Rostock
Liebes Forum, lieber KBK,
nach der fabelhaften Dokumentation, die hier steht, jetzt mal ins Freie gesponnen.
Die akustisch beste Position: der mittige Scheinbalkon unter der Oberwerk (Dokumentation: 15). Dort ist kein Platz für ein Hauptwerk. Gründe für den guten Klang sind wahrscheinlich die Zwischendecke und wenig Hemmung von den Seiten, und die wären vermutlich halb so wirksam, wenn man das HW von innen-unten dagegenstemmte und hinter dem unteren Mittelprospekt den Platz hinter den Pfeifenfüßen verschenkte. Der HW-Diskant, wichtigste Melodieführung für den Gesang, stünde dann im Loch.
Die akustisch zweitbeste Position: Der obere Seitenprospekt (Dokumentation: 19). Hier wird es interessant, meine ich. Hier könnte man ein Hauptwerk C-Cis-geteilt aufstellen, auf Sturz von hinten nach vorne. Der HW-Diskant wäre dann in Pole-Position. Der Bass mit 16'-Prospekt ließe sich hinter dem Mittelfeld platzieren. Technisch (und fürs Stimmen) leider kompliziert, weil drei (neue) Laden à 24/17/17 Kanzellen, aber räumlich großzügig machbar. Man stelle sich einen Dom-Bedos-Cornet aus dieser Seitenposition vor ...
Der Scheinbalkon (Dokumentation: 15) wäre der Platz für ein kleines Nebenwerk, eigentlich so wie jetzt; delikate Sachen, wie sie jetzt auf der Kronwerkslade stehen und hier zu noch besserer Geltung kämen. Vielleicht wäre hier sogar Gelegenheit für einen kleinen Schwellkasten, schon um das große Schwellwerk zu entlasten. Optisch müsste er aber dezent sein, außen mattschwarz, um die architektonische Wirkung nicht zu unterlaufen. Wäre auch ein gutes Begleitwerk für den Felsensänger.
Die heutige Kronwerksposition oben-Mitte wäre der Platz für das große konzertierende Werk, kräftiges, geschärftes 8'-Plenum, leichterer Trompetenchor, farbige 8- und 4-Füße, Aliquoten, das würde vom Gewölbe akustisch profitieren. Die Lade müsste tiefer liegen als die heutige Schmidt-Lade, auch damit sie nicht in die Wärmestau-Zone kommt und mit dem HW gekoppelt verwendbar ist.
Das Schwellwerk würde die Bauch-Position bekommen, dort wo heute das HW ist. Weil es nicht viel Tiefe gibt, müssten im Bass Seitenbänke und im Diskant aufgebänkte Reihen vorgesehen werden; die Höhe ist ja da, sodass es nicht klangbehindernd-eng würde. Sehr groß dürfte es nicht besetzt sein, der Platz fehlt, aber auf jeden Fall mit starken Trompeten und satten Grundstimmen 16-8-4.
In den Pedaltürmen vorne (Dokumentation: 07) hätte eine Mindestbesetzung fürs Forte Vorrang: Zungen 16-8-4, Prinzipale 8-4 und Mixtur. Das 16'-Prinzipal könnte platziert sein wie jetzt (Fensternischen) oder, besser, den Mittelprospekt bilden. Kleinpedalladen wie jetzt. Ein sinnvolles Zusammenspiel von großem Schwellwerk und Pedal müsste man sich auch ausdenken; eine untere Kleinpedallade könnte in den Schwellkasten einbezogen werden oder sogar -- Schmid ohne t lässt grüßen -- in beiden Werken zur Verfügung stehen.
Alles das wäre jetzt allein von der akustischen Dokumentation her gedacht: HW und Forte-Pedal in günstige Positionen, zweitbeste Position für Begleitwerk, drittbeste für Oberwerk, gedämpfteste für Schwellwerk, das schiere Power dagegensetzen müsste. Akustische (und klimatische) Partner wären Haupt- und Oberwerk sowie Schwellwerk und Pedal. Elektrische Traktur natürlich, neue Windladen mit 58/32 Tönen (op. 7/1!).
Mit dem alten Prospekt hätte das ganze nur noch wenig zu tun. Aber der gibt ja auch dem HW die schlechteste Position. Alle Prospektpfeifen gehörten zu HW und Pedal, das Oberwerk wäre prospektlos (bisschen wie Schwerin). Wie das für den Organisten in der jetzigen Position wäre, ist für mich schwer auszumalen -- jedenfalls würde das SW in größeren Kombinationen dominieren. Vielleicht ein bisschen wie beim Orgelturm in Altenberg.
Es ist spät.
Viele Grüße
Friedrich
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