Thierry Escaich in St. Lambertus, D-Altstadt
Hallo Forum,
internationale Orgelkonzerte an St. Lambertus, 03.11.2014, Düsseldorf-Altstadt; zugleich letztes Konzert des 9. ido: Thierry Escaich, Paris. Der kam jetzt bereits zum dritten Mal und kennt sich inzwischen mit den Möglichkeiten der Rieger-Orgeln (Turm und Chor) offenbar bestens aus.
Zu Beginn meißelte Escaich Tournemires Te Deum in Granit. Die Rhythmik des Anfangs wurde mit immer neuen Anläufen bis zum Letzten ausgereizt. Das Lob Gottes sollte offenbar mit Gewalt erzwungen werden. Tournemire soll ja zumindest im Alter ein strenger, toleranzfreier Katholik gewesen sein. Das glaubt man hier zu hören.
Nun folgte über das gleiche Thema eine Improvisation. Marcel Andreas Ober hatte in seiner Begrüßung beiläufig erwähnt, es handele sich dabei wohl um Präludium und Fuge und dann schnell hinzugefügt, man müsse sich aber überraschen lassen. Offenbar hatte Escaich die Impro bereits vorher ausprobiert, lieferte also eine halbfertige Komposition. Vom gregorianischen Te Deum habe ich kaum etwas ausmachen können. Improvisiert wurde “en style romantique”, also unter Verzicht auf moderne Harmonien, Cluster usw.
Dann reihte sich Escaich in die illustre Reihe derer ein, die Häppchen aus Symphonien bieten: Es gab aus Viernes Vierter die beiden letzten Sätze. Die Romance begann überaus klangschön. Überhaupt wußte Escaich den Klangfundus der Orgeln bestens zu nutzen. Das Final war dann sehr kräftig.
Der zweite Teil des Konzerts bestand dann aus einer Suite improvisée sur des thèmes grégoriens du Requiem. Hier, wie auch schon beim Te Deum zu Beginn, wurde die gregorianische Weise von einem Sopran vorab vorgetragen - danach setzte die Impro ein. Es gab Introit, Kyrie, Offertoire, Sanctus, Agnus Dei, Libera me und In Paradisum. Die Sequenz der Totenmesse blieb ausgespart. Ein Seelenamt dient der Fürbitte für den Verstorbenen und dem Trost der Hinterbliebenen. Davon war in diesen Improvisationen nicht viel zu spüren. Meist begann es klanglich interessant unter Aufgreifen der gesungenen Melodie, dann wechselte Escaich in den Modus eines toccatenhaften Laufwerks um sich darin regelmäßig heftig zu steigern. Im Schlußstück fand er zum Glück zu seinem ruhigen Beginn zurück. Im Libera me gab es dagegen heftige Schläge - Verdis Dies irae steckt halt im Kopf. Einzig das Sanctus war mehrgliedrig und feiner. Alles tonal und harmonisch nicht aufregend. In seinen Kompositionen ist Escaich mutiger.
Es war ein lauter Abend. Schon der Tournemire brachte fff. Und Vortagsbezeichnungen mit f scheinen Escaichs Lieblinge zu sein. So verließen sogar einzelne Hörer die Kirche während des improvisierten Requiems. Immerhin war der Besuch sehr gut: Das Mittelschiff dicht besetzt und auch in den Seitenblöcken blieb kaum ein Platz frei. Großer Beifall, Escaich spielte als Zugabe ein galantes Konzert - mit Raffinesse und Klangsinn.
Gruß Clemens Schäfer
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Piano heißt nicht schwach sondern leise, Forte nicht laut sondern kräftig (Artur Rubinstein)