Neue Orgel mit 36 Registern - ohne Pedalkoppeln
Ja, ja, ich weiß, man darf Orgeln nicht aus der Ferne analysieren. Und wahrscheinlich ist die neue Orgel von Bernhardt Edskes in Dübendorf (Schweiz) ein hervorragendes Instrument. Die Disposition umfasst 36 Register. Die Orgel ist im norddeutschen Barockstil erbaut, wie der Organist ein einem pdf-Dokument beschreibt (unten bei "Dokumente" anklicken). Trotzdem verfügt die Orgel auch über Streicher und drei 8'-Register im (vom Hand) schwellbaren Positiv. Die Temperierung nach Bach/Kellner erlaubt, auch spätbarocke und spätere Orgelmusik (Mendelssohn wird ausdrücklich genannt) aufzuführen.
Da kommt mir der Verzicht auf Pedalkoppeln schon puristisch vor. Das Argument, damit Verschließteile zu verhindern, ist mir nicht ganz plausibel, wir haben hier eine Orgel von 1863 mit der originalen Traktur inkl. Pedalkoppel, da ist überhaupt nichts verschlissen!
Und 150 Jahre muss die Edskes-Orgel erst einmal erreichen. Ketzerisch: Die beeindruckende Kirche stammt von 1952, da ist durchaus unsicher, ob sie noch 150 Jahre stehen wird, hier bei uns werden schon einige Kirchen aus dieser Zeit wegen Baumängeln abgerissen (nicht etwa wegen Gläubigenmangel).
Aufgrund seiner präsenten Position und der reichhaltigen Disposition kann ich mir schon vorstellen, dass das Pedal immer kräftig genug sein wird. Aber es geht ja auch um Klangfarben. Vielleicht wäre es reizvoll, das Fagott vom HW oder den Dulcian vom Positiv ins Pedal zu koppeln. Immerhin besitzt das Pedal einen eigenen Tremulanten.
Und bei einer nagelneuen Orgel dieser Größe (und mit dieser Disposition) hätte ich mir schon einen Manualumfang bis g3 gewünscht. Die beiden Töne hätte man doch noch untergebracht...
Neue Orgel mit 36 Registern - ohne Pedalkoppeln
ArnezN, Dienstag, 04. November 2014, 09:48 (vor 4388 Tagen) @ Orlos
Nunja, es kommt immer auf den Standpunkt, bzw. die eigenen Vorlieben an. Mir fällt bei dieser Disposition nur ein "Endlich mal wieder ein vernünftig besetztes Pedal." Mir fehlen bei fast allen aktuellen Neubauten die Pedalregister ab 4' aufwärts sowie alles, was transparente Farbe in den Ton bringt.
Eine "meiner" beiden Orgeln ist eine Janke von 1969, III/P/28. Hier gibt es ein soärlich besetztes Hauptwerk, ein zu vernachlässigendes "Bruswerk" (urspünglich ausschließlich Chamadewerk), und ein jeweils gut besetztes Hauptwerk und Pedal, letzteres natürlich mit Mixtur, 16' und 8'-Zunge. Ich benutze die Pedalkoppeln so gut wie nie, auch wenn ich gerne mal mit den Farben der Orgel spiele. Ganz anders bei meiner Furtwänglerin (1861, II/P/23): Hier muss ich ständig koppeln, das das Pedal mit 16', 16' (Posaune), 8', 4' eher schwach besetzt ist. Zudem gibt es nur eine Koppel HW/P. Da ist man doch recht schnell an Grenzen. Ich spreche übrigens nicht vom konzertanten Gebrauch, sondern von der sonntäglichen, meist improvisierenden Praxis.
Achja, bei beiden Orgeln gibt es übrigens wenig technische Probleme. Wenn, dann sind es die Koppeln, die Ärger machen :-)
Viele Grüße,
Arne
Neue Orgel mit 36 Registern - ohne Pedalkoppeln
Hilbrands
, Dienstag, 04. November 2014, 10:21 (vor 4388 Tagen) @ Orlos
Da kommt mir der Verzicht auf Pedalkoppeln schon puristisch vor.
Edskes lehnt sich halt an Schnitger und seine Schule an. Und die kamen ohne Pedalkoppeln aus. Bei elf Registern im Pedal bleiben kaum wohl Wünsche offen. Aus eigener Erfahrung mit norddeutschen Orgeln kann ich nur bestätigen, dass ich eine Pedalkoppel in solchen Fällen nicht vermisst habe.
Joachim Wagners Orgel in der Berliner Marienkirche hat ein ähnlich besetztes Pedal, das ursprünglich über keine Pedalkoppel verfügte. Bei dem Kern-Neubau wurden dann die üblichen Koppeln ergänzt und die Manualklaviaturen (auch nur) bis f3 ausgebaut. Von den anderen Eingriffen wie die Vertauschung der Manuale mal abgesehen. Wir haben uns darüber schon mal ausgelassen. Zu Dübendorf habe ich bisher nur ausdrückliches Lob gehört.
Einige der älteren Ahrend-Orgeln sind inzwischen umgesetzt, weil die Gebäude abgängig waren oder verkauft wurden. Irgendwo schreibt Ahrend stolz, dass seine Orgeln sich dann als solide Geldanlage erwiesen hätten ;-).
Ungekoppelte Grüße,
Walter
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Heuler, Dienstag, 04. November 2014, 10:52 (vor 4388 Tagen) @ Orlos
Bei der Disposition benötigt man auch keine Pedalkoppel!
Neue Orgel mit 36 Registern - ohne Pedalkoppeln
Solcena
, Dienstag, 04. November 2014, 12:08 (vor 4387 Tagen) @ Heuler
Bei der Disposition benötigt man auch keine Pedalkoppel!
Stimmt.
Wenn ich bei einer zeimanualigen Orgel ein Manual ins Pedal koppele, "blockiere" ich ja damit schon ein komplettes Manualwerk registriertechnisch...
Wenn die Orgel nicht à la Schnitger, sondern à la Trost konzipiert worden wäre, hätte man vielleicht auf ein paar der hochliegenden Stimmen im Pedalwerk verzichtet und statt dessen Transmissionen zu den HW-Registern Quintadena 16', Gambe 8' und Fagott 16' eingerichtet.
Wie sähe es im Fall einer solchen mechanischen Transmission bzgl. Haltbarkeit / Verschleiss aus, wenn das bzgl. Pedalkoppeln ein Argument ist?
Neue Orgel mit 36 Registern - ohne Pedalkoppeln
friedemannw
, Gießen, Dienstag, 04. November 2014, 17:10 (vor 4387 Tagen) @ Solcena
Wie sähe es im Fall einer solchen mechanischen Transmission bzgl. Haltbarkeit / Verschleiss aus, wenn das bzgl. Pedalkoppeln ein Argument ist?
Trost hat seine Spiel- und Registertraktur äußerst großzügig dimensioniert gebaut. Entsprechend robust sind auch die Transmissionen und Pedalkoppeln gebaut. In Waltershausen ist nachgewiesen, dass bei der Restaurierung 1994-1998 erstmalig die HW-Laden von ihrem Lager genommen wurden, somit war es nach knapp 270 Jahren erstmals möglich, Zugang zur HW-Pedalkoppel (Windkoppel) zu bekommen. Soweit ich weiß, gab und gibt es keine Probleme mit den Transmissionen und der Windkoppel.
Neue Orgel mit 36 Registern - ohne Pedalkoppeln
MichaelS
, Dülmen, Donnerstag, 06. November 2014, 12:58 (vor 4385 Tagen) @ friedemannw
Das kann ein Argument sein, muss aber nicht. Wenn ich die Wahl habe zwischen dieser Disposition und vielleicht nur fünf Pedalregister, dafür drei bis vier Manualregister mehr und die Transmissionen bzw. Wechselschleifen, dann nehme ich das - also ich persönlich.
Hier habe ich aber die Wahl nicht: einerseits sind die Manualdispositionen zu spezifisch, andererseits ergäbe sich durch die Links-Rechts-Teilung in Manual und Pedal die Notwendigkeit einer kompletten zweiten Pedaltraktur. Ein zweites Wellenbrett (oder ein wesentlich größeres, das den Zugang zum II. Manual noch mehr blockiert) unter die Zwillingslade, von der ich nicht einmal weiß, ob man sie dann noch mit ausreichen dimensionierten Kanzellen in dieses Gehäuse reinbekommen hätte.
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Wolfgang Gourgé
, Mittwoch, 05. November 2014, 17:18 (vor 4386 Tagen) @ Heuler
Bei der Disposition benötigt man auch keine Pedalkoppel!
.....das stimmt nur, wenn auch die Mensuren, Winddrücke und Intonation stimmen (davon wird man bei Edskes wohl ausgehen dürfen). Es gibt reihenweise Neobarockorgeln ohne Pedalkoppeln, bei denen diese Parameter leider überhaupt nicht stimmen und Pedalkoppeln dringend nötig wären, um dem asthmatischen Pedal wenigstens etwas Leben einzuhauchen (wobei der "Rest" dann auch nicht wesentlich lebendiger ist - man ergänzt sozusagen Todkrankes durch Schwerkrankes...) oder wo die Pedalkoppel dann im nachhinein mit einigem Aufwand eingebaut wurde, weil man den falsch verstandenen Purismus dann doch bereute.
Ich kann immer wieder nur auf diese Orgel hinweisen: schon optisch erkennt man die massigen Mensuren des Prospektprinzipals (16') in den Pedaltürmen gegenüber dem schlankeren (aber gleichwohl immer noch kräftigen) HW-Prinzipals; auch sonst ist das ein groß besetztes Pedal, nix schüchtern-spröde. Bei solchen Orgeln funktioniert das "pedalkoppellose" Konzept. Soll es sich aber nicht um eine barocke Stilkopie handeln, würde ich immer eine Pedalkoppel vorsehen.
Die von Orlos verlinkte Edskes-Orgel löst bei mir zwiespältige Gefühle aus. Mit den typischen Schnitger-Konzeptionen - insbesondere dem "Hamburger Prospekt" - hat sie nichts zu tun, und an freistehende Spieltische kann ich mich bei Schnitger auch nicht erinnern. Ob man mit solchen archaisch anmutenden Konzepten auf Dauer glücklich wird, scheint mir zunehmend fraglich.
Gruß,
Wolfgang
Neue Orgel mit 36 Registern - ohne Pedalkoppeln
3rd_astronaut, Dienstag, 04. November 2014, 12:28 (vor 4387 Tagen) @ Orlos
Ich stimme Orlos zu, dass in dieser Orgel offensichtlich eine Portion spleeniger Historismus verbaut ist...
Dass man mit diesem Schweller nicht dynamisch arbeiten wird, ist ja ok, aber einen Rundgang über die ganze Empore machen zur Handbedienung ist doch auch lästig. Und die 2 fehlenden Manualtöne nach oben sind doch dämlich. Wenn man eine CD-Aufnahme macht oder ein Konzert spielt, wird man vermutlich "passende" Literatur wählen, die kein hohes g verlangt, aber im Gottesdienst will die Gemeinde vielleicht auch das 17. Jahrhundert mal akustisch verlassen, und dann muss man ohne Not oft rumpfuschen...
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Dorforganist, Dienstag, 04. November 2014, 13:15 (vor 4387 Tagen) @ 3rd_astronaut
Ich stimme Orlos zu, dass in dieser Orgel offensichtlich eine Portion spleeniger Historismus verbaut ist...
Da finde ich z.B. Registerzüge an der Rückpositiv-Rückwand weitaus spleeniger. Und die derzeitige Tranmissionitis bis hin zum völlig uneigenständigen Pedal ein weitaus größeres Manko als dieses historisch reichlich dimensionierte Pedal ohne Koppeln.
Dass man mit diesem Schweller nicht dynamisch arbeiten wird, ist ja ok, aber einen Rundgang über die ganze Empore machen zur Handbedienung ist doch auch lästig.
Aus dem Beschreibungstext (PDF ganz unten): "Um die dynamischen Möglichkeiten der Orgel zu erweitern, verfügt das Positiv über eine mechanische Pianovorrichtung, die mittels eines Registerzuges betätigt wird." Ist also wohl kein Spaziergang zum Schweller nötig. Das wäre noch mehr als spleeniger Historismus, da selbst die frühesten Echowerke meist wenigstens per Fußtritt zu bedienen waren...
Neue Orgel mit 36 Registern - ohne Pedalkoppeln
3rd_astronaut, Dienstag, 04. November 2014, 13:23 (vor 4387 Tagen) @ Dorforganist
bearbeitet von 3rd_astronaut, Dienstag, 04. November 2014, 13:59
Registerzüge im Rücken des Organisten sind nicht spleenig, sondern gaga ;-)
Dass man mit diesem Schweller nicht dynamisch arbeiten wird, ist ja ok, aber einen Rundgang über die ganze Empore machen zur Handbedienung ist doch auch lästig.
Aus dem Beschreibungstext (PDF ganz unten): "Um die dynamischen Möglichkeiten der Orgel zu erweitern, verfügt das Positiv über eine mechanische Pianovorrichtung, die mittels eines Registerzuges betätigt wird." Ist also wohl kein Spaziergang zum Schweller nötig. Das wäre noch mehr als spleeniger Historismus, da selbst die frühesten Echowerke meist wenigstens per Fußtritt zu bedienen waren...
Ah, ok, das habe ich missverstanden. "Von Hand" bedeutet per Handzug, nicht händisch an den Jalousien.
An den (nicht vorhandenen) Pedalkoppeln habe ich gar nicht gemeckert ;-) Aber der verkleinerte Manualumfang bleibt!
Neue Orgel mit 36 Registern - ohne Pedalkoppeln
ArnezN, Samstag, 08. November 2014, 10:47 (vor 4384 Tagen) @ 3rd_astronaut
Ich stimme Orlos zu, dass in dieser Orgel offensichtlich eine Portion spleeniger Historismus verbaut ist...
Wieso ist diese Orgel mit spleenigem Historismus ausgestattet, eine romantisierende Hochdruckkiste der aktuellen Bauart jedoch nicht? Vielleicht ist es ein Fehler mancher Orgelbauer, dass sie sich auf Arp Schnitger oder sonstwen berufen. Vielleicht sollten sie so eine Orgel wie die hier besprochene lieber als eigenes alternatives Konzept zum Mainstream im Orgelbau verkaufen. Es ist doch grundsätzlich das Problem des aktuellen Orgelbaus, dass alles an irgendein Vorbild angelehnt ist und somit (fast) jeder Neubau allein schon von der Idee her im Historismus hängen geblieben ist. Ich glaube, dass ein guter Orgelbauer auch heute eine überzeugende Orgel komplett selbst konzipieren könnte, von der Disposition bis zu den Mensuren. Aber man lässt ihn ja in der Regel nicht...
aber im Gottesdienst will die Gemeinde vielleicht auch das 17. Jahrhundert mal akustisch verlassen, und dann muss man ohne Not oft rumpfuschen...
Im Gottesdienst will die Gemeinde nach meiner Erfahrung vor allem inspiriertes Orgelspiel, dass inhaltlich und stimmungsmäßig den Gottesdienst bereichert. Ob das mit Bach oder Reger passiert, ist den meisten egal. In der Regel sind es die Organisten, die über die Grenzen ihrer Orgel hinaus spielen wollen - und dabei oft übersehen, dass ihr Instrument vielseitiger ist, als sie denken.
Viele Grüße,
Arne
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Friedrich
, Samstag, 08. November 2014, 12:04 (vor 4383 Tagen) @ ArnezN
Ich stimme Orlos zu, dass in dieser Orgel offensichtlich eine Portion spleeniger Historismus verbaut ist...
Wieso ist diese Orgel mit spleenigem Historismus ausgestattet, eine romantisierende Hochdruckkiste der aktuellen Bauart jedoch nicht?
Gute Frage! Ich finde die Orgel, jedenfalls der Disposition nach zu urteilen, eigentlich bemerkenswert modern für Edskes. Die einzigen Unterschiede zu vielen neuen Orgeln sind in der Tat das komplett selbstständige Pedal und der fehlende Balanciertritt. Wenn das Pedal in Mensuren und Intonation mit dem Hauptwerk gleichzieht, braucht es – das glaube auch ich – wirklich keine Koppel, und die zum Nebenwerk fehlt ja auch nicht, denn ein Franck-Schwellwerk ist ganz offensichtlich nicht beabsichtigt. Das ist trotzdem eine große und wahrscheinlich sehr vielseitige Orgel – drei Plena mit insgesamt fünf Mixturen, sechs verschiedene Achtfüßer in den Manualen, Cornet in I, kompletter Flötenchor in II, sechs Zungen, wo sonst höchstens drei stünden … Das liest sich doch wie eine Traumorgel!
Mal ehrlich: Stellt euch vor, ihr bekommt den Kirchenschlüssel – wann ruft ihr zuhause an, um zu sagen, dass es leider später wird? Nach zwei oder drei Stunden? Und wann steht ihr dann wirklich von dieser Orgelbank auf?
Ich glaube, dass ein guter Orgelbauer auch heute eine überzeugende Orgel komplett selbst konzipieren könnte, von der Disposition bis zu den Mensuren. Aber man lässt ihn ja in der Regel nicht …
Genau das wäre mein Traum. Einen suchen, dem man vertraut, und ihm dann freie Hand geben. Komplettemang.
aber im Gottesdienst will die Gemeinde vielleicht auch das 17. Jahrhundert mal akustisch verlassen, und dann muss man ohne Not oft rumpfuschen…
Im Gottesdienst will die Gemeinde nach meiner Erfahrung vor allem inspiriertes Orgelspiel, dass inhaltlich und stimmungsmäßig den Gottesdienst bereichert.
Und mit zwei Streichern in den Manualen und 16-16-8-8 im Pedal = zwölf verschiedenen grundtönigen Bassklängen nur damit, also noch ohne die Quinte und alles übrige gerechnet, dürfte sich das Rumpfuschen zwischen Mendelssohn und Karg-Elert auch in Grenzen halten. Zur Regerzeit hatten auch die meisten Orgeln bloß zwei Manuale, und das zweite war nicht mal immer eingekastelt. Die wohltemperierte Stimmung dürfte auch einiges aushalten.
Ich bin der Meinung, dass ein ausgebautes Pedal auch ohne Koppeln weitaus nützlicher für ein Kircheninstrument ist als jede Tuba, Schwebung oder Schwellwand zusammen.
Viele Grüße
Friedrich
Neue Orgel mit 36 Registern - ohne Pedalkoppeln
untersatz32, Samstag, 08. November 2014, 15:12 (vor 4383 Tagen) @ Friedrich
bearbeitet von untersatz32, Samstag, 08. November 2014, 16:46
Ich bin der Meinung, dass ein ausgebautes Pedal auch ohne Koppeln weitaus nützlicher für ein Kircheninstrument ist als jede Tuba, Schwebung oder Schwellwand zusammen.Viele Grüße
Friedrich
Da bin ich zwar jetzt durchaus vollkommen anderer Meinung als du,
aber ich stimme dir völlig in DEM Punkt zu, dass Edskes da sicherlich ein ganz tolles Instrument hingebaut hat, welches begeistert und sehr wunderbare Arbeit leistet!
Es müssen nicht alle Orgeln eine Tuba, Schwebungen und Schwellwerk haben, natürlich...
- Ich bin jedenfalls froh, Genannte alle haben zu dürfen, und der Meinung, dass mein grosses Schwellwerk, meine 32'-Füsse und die Tuba enorm zum feierlichen Gottesdienst beitragen, vor allem, wenn die Tuba a la Angelikanismus massvoll als c.f. eingesetzt wird, und das Schwellwerk - full swell - den Gemeindegesang bereichern und anregen kann.
Edskes ist eine ganz, ganz andere Ästhetik, auf seine Weise sehr gut, und auf ihre Art berechtigt.
Ich bin froh, dass nicht überall die gleichen Orgeln stehen.
Grüsse
Thomas
Neue Orgel mit 36 Registern - ohne Pedalkoppeln
kjz1, Samstag, 08. November 2014, 17:52 (vor 4383 Tagen) @ untersatz32
Ich bin froh, dass nicht überall die gleichen Orgeln stehen.
Da würde ich auch sagen: Variatio delectat.
Neue Orgel mit 36 Registern - ohne Pedalkoppeln
Dorforganist, Sonntag, 09. November 2014, 00:04 (vor 4383 Tagen) @ Friedrich
Mal ehrlich: Stellt euch vor, ihr bekommt den Kirchenschlüssel – wann ruft ihr zuhause an, um zu sagen, dass es leider später wird? Nach zwei oder drei Stunden? Und wann steht ihr dann wirklich von dieser Orgelbank auf?
Diese zwei Fragen kann ich leicht beantworten:
a) rufe ich überhaupt nicht zuhause an, weil ich erstens in der Kirche kein Handy dabeihabe und zweitens meine Frau bei so einer Orgel eh weiß, daß sie lang nicht mit mir rechnen kann,
b) stehe ich nach vier Stunden auf, weil dann einfach das Kreuz nicht mehr mitmacht - aber das ist auch wirklich der einzige Grund...
Neue Orgel mit 36 Registern - ohne Pedalkoppeln
3rd_astronaut, Sonntag, 09. November 2014, 14:44 (vor 4382 Tagen) @ ArnezN
Im Gottesdienst will die Gemeinde nach meiner Erfahrung vor allem inspiriertes Orgelspiel, dass inhaltlich und stimmungsmäßig den Gottesdienst bereichert. Ob das mit Bach oder Reger passiert, ist den meisten egal. In der Regel sind es die Organisten, die über die Grenzen ihrer Orgel hinaus spielen wollen - und dabei oft übersehen, dass ihr Instrument vielseitiger ist, als sie denken.
Ja, die Instrumente sind vielseitiger, als man denkt. Aber warum wirft einem E. hier z.B. den Knüppel der fehlenden hohen Töne zwischen die Beine? Die eingesparten Kosten sind doch marginal?
Neue Orgel mit 36 Registern - ohne Pedalkoppeln
ArnezN, Sonntag, 09. November 2014, 19:37 (vor 4382 Tagen) @ 3rd_astronaut
Zugegeben, die Töne hätte man tatsächlich ohne Verletzung des Konzeptes bauen können. Andererseits kommen sie ja auch nicht in in jedem zweiten Stück vor. Mir hat übrigens noch keine Orgel einen Knüppel zwischen die Beine geworfen, sie hat mich höchstens herausgefordert (wobei das bei mir in der Regel nicht an Umfängen, sondern an pneumatischen und elektropneumatischen Trakturen scheitert. Aber sowas wird Gott sei dank ja nicht mehr neu gebaut, denn da hätte ich null Verständnis für.)
Mein Kollege hat gestern Abend im Konzert auf unserer Furtwänglerorgel mit dem beeindruckenden Pedalumfang von zwei Oktaven (C-c') den kompletten dritten Teil der Clavierübung gespielt. Natürlich musste er da was umlegen und Kompromisse eingehen, aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Dem Konzerterlebnis standen die beiden fehlenden Pedaltöne jedenfalls nicht im Weg!
Gruß,
Arne
Neue Orgel mit 36 Registern - ohne Pedalkoppeln
Florian-L
, Montag, 10. November 2014, 08:20 (vor 4382 Tagen) @ ArnezN
Zugegeben, die Töne hätte man tatsächlich ohne Verletzung des Konzeptes bauen können. Andererseits kommen sie ja auch nicht in in jedem zweiten Stück vor. Mir hat übrigens noch keine Orgel einen Knüppel zwischen die Beine geworfen, sie hat mich höchstens herausgefordert (wobei das bei mir in der Regel nicht an Umfängen, sondern an pneumatischen und elektropneumatischen Trakturen scheitert. Aber sowas wird Gott sei dank ja nicht mehr neu gebaut, denn da hätte ich null Verständnis für.)
Mancherorts wird so etwas noch gewünscht.
Gruß, Florian
Neue Orgel mit 36 Registern - ohne Pedalkoppeln
untersatz32, Montag, 10. November 2014, 10:46 (vor 4382 Tagen) @ Florian-L
bearbeitet von untersatz32, Montag, 10. November 2014, 11:33
"......Mir hat übrigens noch keine Orgel einen Knüppel zwischen die Beine geworfen, sie hat mich höchstens herausgefordert (wobei das bei mir in der Regel nicht an Umfängen, sondern an pneumatischen und elektropneumatischen Trakturen scheitert. Aber sowas wird Gott sei dank ja nicht mehr neu gebaut, denn da hätte ich null Verständnis für.)......"
Jaaaaa, und das (durch noch so oftes Wiederkauen auch nicht wahrer werdende) Märchen von den ach so langsamen und unbrauchbaren elektropneumatischen Kegelladen besteht immer noch bis in Ewigkeit, Amen...
Das stimmt sooo einfach nicht, und wenn elektropneumatische Kegelladen gut gebaut und reguliert sind, dann fluppts und funzt es einfach genial.
Da vermisse - zumindest ich - KEINE Schleifladen. Jedenfalls bei symphonischen Orgeln nicht.
Gruss
Thomas
Neue Orgel mit 36 Registern - ohne Pedalkoppeln
ArnezN, Montag, 10. November 2014, 12:04 (vor 4381 Tagen) @ untersatz32
bearbeitet von ArnezN, Montag, 10. November 2014, 12:08
Hier in Göttingen gibt es bekanntermaßen hauptsächlich mechanische Schleifladen. Mir sind im Stadtgebiet nur zwei elektropneumatische Instrumente Bekannt: Die Krell-Orgel in der Pauluskirche und die bekannte Mahrenholz/Furtwänglerin in der Marienkirche. Erstere ist eine Qual, ich habe tatsächlich jedes mal, wenn ich da ran muss (kommt nicht so oft vor) das Gefühl, dass ich gegen das Instrument spielen muss, es wirkt uninspiriert von der Disposition bis zum Tastenbelag, und die Traktur leistet einen großen Beitrag dazu. Die Orgel in der Marienkirche ist natürlich alleine von der Geschichte her interessant. Aber sie ist, trotz Elektropneumatik, ein Instrument, an das man sich ransetzt und spielt. Da funktioniert die Traktur also hervorragend. Trotzdem fehlt mir einfach der Kontakt zum Klang. Ich meine das nicht esotherisch, sondern schlicht motorisch: Ich möchte meine Artikulation spüren und dadurch steuern können. Sehr gut geht das übrigens auch in der Göttinger Nikolaikirche, wo eine (leider "verottete") Sauer-Orgel mit mechanischer Kegellade steht.
Natürlich, für manche Musik ist die Pneumatik/Elektropneumatik durchaus brauchbar, aber m.E. sind solche Instrumente genauso "einseitig" wie eine Schnitger-Kopie (das Themenstiftende Instrument zähle ich da nicht zu!)
Meine Meinung ist sicherlich darauf zurückzuführen, dass ich kein Orgelsymphoniker bin und das Cembalo dem Klavier deutlich bevorzuge. Deswegen würde ich mich auch, wenn ich die Wahl habe, nie auf eine Orgelstelle mit einer spätromantischen oder romantisierenden Orgel bewerben, weil ich weiß, dass mich das Instrument nicht zufriedenstellen würde. Aber ich denke eben, dass die Symphonik in der Geschichte der Orgelmusik auch nur eine Epoche ist und nicht als Maßstab für jede neue Orgel gelten kann.
Eine neue Orgel muss und kann nicht alles können, und das Edskes-Instrument kann Widor vmtl. genauso gut wie eine x-beliebige ACC-Kopie Weckmann. Für mich ist ein Univeralinstrument nicht eines, auf dem ich alles spielen kann, sondern eins, auf dem alles gut klingt.
Gruß,
Arne
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untersatz32, Montag, 10. November 2014, 12:44 (vor 4381 Tagen) @ ArnezN
Du, vollkommen d'accord. Der eine hat gerne Ahrend-Orgeln und Schnitger-Kopien, der andere gerne Sauer, Ladegast oder Vierne...
Ich denke, wenn eine elektropneumatische Orgel top reguliert und/oder restauriert ist, und auch das Klangliche im Falle stimmt und begeistert, ist ein solches Instrument genauso inspirierend und beflügelnd, wie eine schöne Ostfriesische Barockorgel.
(Bei Beiden gibt es auch genügend Negativbeispiele - ich weiss).
Natürlich kann und muss man nicht alles auf jeder Orgel spielen können, deswegen (und aus meinem eigenen Erleben von Edskes' Instrumenten) denke ich auch, dass die besprochene Dübendorfer Orgel auf ihre Art ein faszinierendes Instrument ist, auch, wenn ich selbst eher ein "Symphoniker" bin, und eine Stelle mit einer Metzler- oder Ahrend-Orgel (so sehr ich diese auch schätze) eher anderen Kollegen/Innen überliesse... :-)
Grüsse
Thomas
Neue Orgel mit 36 Registern - ohne Pedalkoppeln
3rd_astronaut, Montag, 10. November 2014, 11:16 (vor 4382 Tagen) @ ArnezN
Mein Kollege hat gestern Abend im Konzert auf unserer Furtwänglerorgel mit dem beeindruckenden Pedalumfang von zwei Oktaven (C-c') den kompletten dritten Teil der Clavierübung gespielt. Natürlich musste er da was umlegen und Kompromisse eingehen, aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Dem Konzerterlebnis standen die beiden fehlenden Pedaltöne jedenfalls nicht im Weg!
Keine Frage, dass das funktioniert.
Ich denke übrigens, dass die besprochene Orgel durchaus Spaß macht und klanglich viele Möglichkeiten bietet (der Papierform nach), das steht für mich hier gar nicht in Zweifel (aber nach Papierform sollte man ja eh nicht die klanglichen Möglichkeiten abschätzen ;-) ). Es geht mir darum, dass ich von einer neuen Orgel einfach die gängigen Standards erwarte, was Manual-/Pedalumfänge, Tastenmensuren/-haptik u.ä. angeht. Es ist gerade in kath. Kirchen eine typische Situation, dass man 10min vor Beginn als Vertretung eintrifft und dann beispielsweise eine Hochzeit "beorgeln" soll. Die Pfarrsekretärin kann noch sagen, dass die Orgel neu ist, und man sie dienstags und donnerstags von 10-12 ausprobieren könnte (wenn man einen Tag Urlaub spendiert).
In dem Augenblick fehlt mir dann einfach das Verständnis, wenn bei einem Stück der höchste Ton fehlt, nur weil Arp Schnitger das vor 300 Jahren ebenso gehalten hat.
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Dorforganist, Montag, 10. November 2014, 11:32 (vor 4381 Tagen) @ 3rd_astronaut
In dem Augenblick fehlt mir dann einfach das Verständnis, wenn bei einem Stück der höchste Ton fehlt, nur weil Arp Schnitger das vor 300 Jahren ebenso gehalten hat.
Wenn in solchen Situationen nur der höchste Ton fehlt, darfst Du Dich doch eh glücklich schätzen...
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MAT
, Montag, 10. November 2014, 13:09 (vor 4381 Tagen) @ Dorforganist
Ihr erlebt aber auch wirklich Geschichten! Ich örgele nun schon seit 34 Jahren und hatte noch nie solche Probleme, Gott sei Dank!
--
Gruß
MAT
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3rd_astronaut, Montag, 10. November 2014, 14:57 (vor 4381 Tagen) @ Dorforganist
In dem Augenblick fehlt mir dann einfach das Verständnis, wenn bei einem Stück der höchste Ton fehlt, nur weil Arp Schnitger das vor 300 Jahren ebenso gehalten hat.
Wenn in solchen Situationen nur der höchste Ton fehlt, darfst Du Dich doch eh glücklich schätzen...
Auch wahr ;-)