Frage zu Späth-Orgel

JRorgel @, Samstag, 18. Juli 2020, 18:12 (vor 2243 Tagen)

Liebe Mit-Foristen,
eine etwas ungewöhnliche Frage - ein Bekannter von mir stieß auf eine Späth-Orgel von
1937, welche einen "schwarzen Knopf" besitzt, auf welchem
"Dys. Erreg." steht, es weiß aber keiner, wozu dieser Knopf oder der Schriftzug stehen könnte. Diese Frage würde ich gerne hier einmal hineingeben - was bedeutet
dieser Schriftzug, wozu dient dieser Zug?

Viele Grüße und einen schönen Sommer aus Halle,
JRorgel

--
"Orgelspielen heißt, einen mit dem Schauen der Ewigkeit erfüllten Willen offenbaren." (Charles-Marie Widor)

Frage zu Späth-Orgel

Jerry, Samstag, 18. Juli 2020, 18:31 (vor 2243 Tagen) @ JRorgel

Das steht für
"Dynamos Erreger"
gibt es mehrfach und heißt einfach "Motor an"

Frage zu Späth-Orgel

JRorgel @, Samstag, 18. Juli 2020, 18:33 (vor 2243 Tagen) @ Jerry

Also ein ehemaliger Motorschalter?

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"Orgelspielen heißt, einen mit dem Schauen der Ewigkeit erfüllten Willen offenbaren." (Charles-Marie Widor)

Frage zu Späth-Orgel

Jerry, Samstag, 18. Juli 2020, 18:33 (vor 2243 Tagen) @ JRorgel

So ist es. Hab ich irgendwo im Ruhrgebiet auch schon mal gesehen.

Frage zu Späth-Orgel

elsenp @, Sonntag, 19. Juli 2020, 08:21 (vor 2242 Tagen) @ Jerry
bearbeitet von elsenp, Sonntag, 19. Juli 2020, 08:59

Das ist so nicht richtig. Bei vielen frühen elektrisch gesteuerten Orgeln erzeugte man die notwendige Gleichspannung nicht über Trafos und Gleichrichter, sondern über einen Dynamo, der an der freien Achse des Gebläsemotors angedockt wurde. Diese Dynamomaschine besaß aber keinen Permanentmagneten, um die Spannung aufzubauen, sondern eine eigene, sogenannte Erreger-Wicklung. Diese Erregerspule musste also zum Aufbau eines Magnetfeldes selbst mit Gleichstrom versorgt werden. Meist reichte ein vorhandener Restmagnetismus, um die Spannung am Dynamo "hochzuschaukeln".
War allerdings der Dynamo beim Start schon unter Last, so floss der notwendige Strom statt zunächst in die Erregerwicklung in den Stromkreislauf der Orgel, so dass sich zu wenig magnetische Kraft entwickelte, um die volle Leistung zu entwickeln. Durch den "Dyn.Erreg."-Knopf wurde i.d.R. die Stromverbindung zur Orgel unterbrochen, so dass alle elektrische Energie zunächst in die Spule des Dynamos gelangen konnte, um hier ein entsprechend starkes Magnetfeld aufzubauen. Zusätzlich konnte auch ein Akku kurzzeitig zur Speisung der Erregerspule zugeschaltet werden, der sich später wieder über den Dynamo aufgeladen hat.

Gruß
Peter

Frage zu Späth-Orgel

Jerry, Sonntag, 19. Juli 2020, 10:04 (vor 2242 Tagen) @ elsenp

Danke, Peter,

dann war der Knopf an der Orgel im Ruhrgebiet nachträglich umgenutzt worden. Da war es einfach der Motorschalter.

Gruß
Jerry

Frage zu Späth-Orgel

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Sonntag, 19. Juli 2020, 12:01 (vor 2242 Tagen) @ elsenp

Das ist so nicht richtig. Bei vielen frühen elektrisch gesteuerten Orgeln erzeugte man die notwendige Gleichspannung nicht über Trafos und Gleichrichter, sondern über einen Dynamo, der an der freien Achse des Gebläsemotors angedockt wurde. Diese Dynamomaschine besaß aber keinen Permanentmagneten, um die Spannung aufzubauen, sondern eine eigene, sogenannte Erreger-Wicklung. Diese Erregerspule musste also zum Aufbau eines Magnetfeldes selbst mit Gleichstrom versorgt werden. Meist reichte ein vorhandener Restmagnetismus, um die Spannung am Dynamo "hochzuschaukeln".
War allerdings der Dynamo beim Start schon unter Last, so floss der notwendige Strom statt zunächst in die Erregerwicklung in den Stromkreislauf der Orgel, so dass sich zu wenig magnetische Kraft entwickelte, um die volle Leistung zu entwickeln. Durch den "Dyn.Erreg."-Knopf wurde i.d.R. die Stromverbindung zur Orgel unterbrochen, so dass alle elektrische Energie zunächst in die Spule des Dynamos gelangen konnte, um hier ein entsprechend starkes Magnetfeld aufzubauen. Zusätzlich konnte auch ein Akku kurzzeitig zur Speisung der Erregerspule zugeschaltet werden, der sich später wieder über den Dynamo aufgeladen hat.

Gruß
Peter

Ja. Der einfache Grund: Es gab oft keinen Wechselstrom!

In Rostock wurde die Innenstadt bis in die 60er-Jahre noch mit Gleichstrom versorgt, daher gab es bei uns ebenfalls die komplizierte Steuerung der Motoren. Es sei eine gewisse Geschicklichkeit erforderlich gewesen, so Zeitzeugen.
Bei uns wurde - eventuell aus ähnlichen Gründen - auch kein Dynamo am Gebläse angebracht, sondern eine eigene Lichtmaschine, bis heute aktiv! Nur der Antriebsmotor wurde von Gleich- auf Drehstrom gewechselt.

Hier die Maschinen Stand 1938:
[image]

Heutige Situation hier.

Ein Foto der alten Schalttafel gibt es auch noch, muss noch suchen.

Frage zu Späth-Orgel

elsenp @, Sonntag, 19. Juli 2020, 16:54 (vor 2242 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf


Ja. Der einfache Grund: Es gab oft keinen Wechselstrom!

Fehlender Wechselstrom war nicht immer der Grund: Gleichrichter für relativ hohe Ströme (so eine Orgel mit 14 V oder 16 V benötigt schon mal 40 bis 80 Ampere!) waren zu dieser Zeit noch relativ teuer herzustellen. Erst nach dem WK II kamen leistungsstarke Plattengleichrichter bzw. Dioden auf den Markt, die in der sogenannten Graetz-Schaltung die notwendige (natürlich etwas "wellige") Gleichspannung lieferten. Die Netzspannung von damals 110V oder 220V wurde durch einen Transformator auf die notwendige Betriebsspannung der Orgel(-magnete) herabgesetzt. Dadurch erhält man gleichzeitig eine elektrische Entkopplung vom Elektronetz.
Beim Gleichspannungsnetz, wie es in der DDR zum Teil existierte, hätte man auch einen Spannungsteiler einsetzen können, wobei die Gefahr des elektrischen Schlages bei dieser Schaltungstechnik hoch ist.

Gruß
Peter

Frage zu Späth-Orgel

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Sonntag, 19. Juli 2020, 18:35 (vor 2242 Tagen) @ elsenp


Ja. Der einfache Grund: Es gab oft keinen Wechselstrom!

Fehlender Wechselstrom war nicht immer der Grund: Gleichrichter für relativ hohe Ströme (so eine Orgel mit 14 V oder 16 V benötigt schon mal 40 bis 80 Ampere!) waren zu dieser Zeit noch relativ teuer herzustellen. Erst nach dem WK II kamen leistungsstarke Plattengleichrichter bzw. Dioden auf den Markt, die in der sogenannten Graetz-Schaltung die notwendige (natürlich etwas "wellige") Gleichspannung lieferten. Die Netzspannung von damals 110V oder 220V wurde durch einen Transformator auf die notwendige Betriebsspannung der Orgel(-magnete) herabgesetzt. Dadurch erhält man gleichzeitig eine elektrische Entkopplung vom Elektronetz.
Beim Gleichspannungsnetz, wie es in der DDR zum Teil existierte, hätte man auch einen Spannungsteiler einsetzen können, wobei die Gefahr des elektrischen Schlages bei dieser Schaltungstechnik hoch ist.

Gruß
Peter

Interessant, danke.

Frage zu Späth-Orgel

perotin, Samstag, 18. Juli 2020, 18:34 (vor 2243 Tagen) @ JRorgel

Liebe Mit-Foristen,
eine etwas ungewöhnliche Frage - ein Bekannter von mir stieß auf eine Späth-Orgel von
1937, welche einen "schwarzen Knopf" besitzt, auf welchem
"Dys. Erreg." steht, es weiß aber keiner, wozu dieser Knopf oder der Schriftzug stehen könnte. Diese Frage würde ich gerne hier einmal hineingeben - was bedeutet
dieser Schriftzug, wozu dient dieser Zug?

Ich sah auch mal an einer Orgel, ungefähr aus dieser Zeit, einen Knopf mit der Aufschrift "Erregung". Möglicherweise auch eine Späth, die waren/sind hier in der Gegend nicht allzu selten. Eine Funktion des Knopfes konnte ich damals nicht feststellen, war vielleicht stillgelegt...

Edit: Jerry war schneller. Danke für die Erläuterung!

Frage zu Späth-Orgel

fluteceleste @, Samstag, 18. Juli 2020, 18:54 (vor 2243 Tagen) @ perotin

Genau, hier noch ein Beispiel einer musealen Beschriftung:
[image]

Frage zu Späth-Orgel

perotin, Samstag, 18. Juli 2020, 18:58 (vor 2243 Tagen) @ fluteceleste

Genau, hier noch ein Beispiel einer musealen Beschriftung:
[image]


Herrlich!

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