Steinmeyer-Orgel Christuskirche Mannheim

Karsten @, Dienstag, 28. Oktober 2014, 21:27 (vor 4394 Tagen) @ hardy
bearbeitet von Karsten, Dienstag, 28. Oktober 2014, 21:51

Vielen Dank für die Hinweise!
Ich kenne die Orgel nur von einer LP (Brahms) und der CD, auf der J. M. Michel einen Teil seiner jazzinspirierten Kompositionen eingespielt hat.
Da ich noch nie in der Kirche war: stimmt mein Empfinden, daß es dort relativ wenig Akustik, sprich Nachhall, gibt? Vielleicht klingt dadurch alles ein wenig dumpf; auch sind die Mixturen der Orgel ja relativ tiefliegend und die Zungen wohl nicht so sehr französisch. Interessant auch in einem Ars Organi-Heft von vor sicher 25 Jahren die Beschreibung der Orgel. Das kann anläßlich der Restaurierung 1984 gewesen sein. Dort auch die Mixturenzusammensetzungen. Interessant der wiedergegebene Briefwechsel mit Emil Rupp, wollte man doch ein französisches Orgelreform-Instrument bauen lassen. Das alles aus der Erinnerung heraus, das Heft habe ich gerade nicht zur Hand.
Außerdem stellt sich für mich die Frage, wie so um die 70 Register in das vorhandene Gehäuse passen, da muß es ja doch recht eng zugehen.
Gruß, Hardy

Hallo!

In den letzten Jahren entstanden - neben der bereits erwähnten Jazz-Platte Michels - einige weitere sehr schöne Aufnahmen an der Orgel, die unter Johannes Michel so weit es eben ging dem klanglichen Originalzustand angenährt werden konnte:

Das Orgelportrait zum 100jährigen Jubiläum der Orgel, eingespielt von Johannes Michel

Folge 13 der Einspielung der Orgelwerke Max Regers bei Naxos (eingespielt von Christian Barthen)

Bernhard Buttmann hat für Folge 2 seiner Reger-Einspielung ebenfalls unter anderem die Steinmeyer-Orgel verwendet (Stücke op.69, Auswahl aus den Choralvorspielen op.67 auf CD 3)

Die Akustik der Christuskirche ist in der Tat die einer Predigerkirche, also eher trocken mit kurzem Nachhall. Dies bewog einige Tontechniker, die Aufnahmen dort mit künsttlichem Nachhall zu versehen.
Kann man machen, muss man aber nicht.
Auch wenn diese Akustik für die Interpreten eher undankbar ist (man hört eben alles!) ist der Hörer gerade aus dem Grund dankbar, alles klar hören zu können. Dies natürlich auf Kosten der Atmosphäre und eines "typischen" Orgelklangs mit viel Hall, den man vor allem mit dem französisichen Orgelrepertoire verbindet. Aber gerade Reger profitiert beispielsweise sehr von dieser Akustik.

Die Orgel ist im Kern deutsch-romantisch und klingt entsprechend "dumpf" und wuchtig. Sie kann aber auch "heller", alles eine Frage der Registrierung. Man hatte schon früh versucht sie aufzuhellen, indem man die Orgel höher stimmte und Pfeifen absägte. Noch heute liegen abgesägte Enden von Holzpfeifen auf dem Gehäusedach und der Empore herum. Ob die Orgel jemals wieder ihre normale tiefe Stimmung bekommen wird, ist fraglich, da das Zusammenspiel mit anderen Instrumenten eingeschränkt wird.

Die 70 Register der Hauptorgel sind in der Tat wie "Kreuz und Rüben" verteilt. Am übersichtlichsten noch die Pfeifen der Manuale II. und III. (in insgesamt 4 Schwellkästen ungefähr im Mittelfeld der Orgel. Die Register des Pedals und des Hauptwerks sind rechts und links und im Orgelfuß verteilt, wo eben Platz war... Der Stimmplan für die Zungenregister folgt dem Gang des Orgelstimmers durch das Gehäuse von oben nach unten: Mal drei Pfeifen des Pedalregisters hier, dann eine Oktave eines anderen Registers... Ganz am Schluss kommen die tiefsten Pfeifen der Bombarde 32' dran. Die stehen in voller Länge ganz hinten unten, man muss zum Stimmen unter die Empore krabbeln...

Ein weiteres Problem der Orgel ist neben dieser verschachtelten Aufstellung der wuchtige Bogen über der Kreuzigungsgruppe. Der Klang der Orgel hängt somit auf der Empore fest. Es kommt dennoch genug im Kirchenraum an.

Der Effekt des Fernwerks mit den zwei getrennt bedienbaren Schwelljalousien (bei einem kurzen Klangkanal) ist einzigartig.

Eine aktuelle Beschreibung der Geschichte der Orgel und ihrer selbst findet sich in Ars Organi 2011-IV.

Gruß
Karsten


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