Steinmeyer-Orgel Christuskirche Mannheim

Karsten @, Dienstag, 28. Oktober 2014, 10:31 (vor 4394 Tagen)
bearbeitet von Karsten, Dienstag, 28. Oktober 2014, 10:55

Hallo!

Dem einen oder anderen Forumsmitglied wird die historische Steinmeyer-Orgel aus dem Jahre 1911 in der Christuskirche Mannheim durch Liturgie, Konzert oder Aufnahme bekannt sein.

Mit gutem Erfolg wurde am Wochenende mit einem Konzert von Bernhard Buttmann das diesjährige Orgelfestival beendet. Im Rahmen des Orgelfestivals fand auch eine Orgelführung statt, an derem Ende Johannes Michel die Interessierten auf dringend anstehende Sanierungsmaßnahmen aufmerksam machte.

Kleinere technische Aussetzer gab es in den letzten Jahren immer wieder an der Orgel. Bei einer Begehung der Orgel wurden nun von Fachleuten wesentliche Teile der Orgelelektrik beanstandet. Diese Elektrik entspricht nicht mehr den aktuellen Sicherheitsstandards. Extremster Fall ist dabei wohl die elektrische Ansteuerung des berühmten Fernwerks, die immer noch über den Kabelbaum aus dem Jahre 1911 (!) geschieht. Aber auch die übrigen, neueren Teile der Elektrik bedürfen einer dringenden Überarbeitung bzw. Erneuerung.

Der genaue Umfang der notwendigen Arbeiten ist noch nicht genauer bestimmt, jedoch wird es auch auf eine Erneuerung des Spieltischs von 1984 hinauslaufen, der trotz seiner ästhetischen Mängel wegen seines durchdachtes Bedienkonzepts und der praktische Anlage seine Freunde hat.

Für den Beginn des nächsten Jahres sind schon einige Benefizveranstaltungen terminiert, die auf die notwendigen Maßnahmen aufmerkssam machen und Spender gewinnen wollen. Vielleicht ist einer der Termine für den ein oder anderen Lesenden von Interesse.

Gruß
Karsten

Erhaltet die Steinmeyer-Orgel - Benefizveranstaltung 1
Samstag, 24. Januar, 17:00 Uhr

Das Mannheimer Wunderwerk
Orgelführung I
Johannes Michel und Anna Linß spielen und erklären
die große Steinmeyer-Orgel von 1911

Eintritt: 10.- €


Erhaltet die Steinmeyer-Orgel - Benefizveranstaltung 2
Sonntag, 25. Januar, 18:00 Uhr

ORGELKONZERT Johannes Michel
spielt Werke von Bach, Reger, Karg-Elert und Michel

Im Anschluß im Bachsaal: Orgelwein ausgeschenkt und getrunken zugunsten
der Renovierung der großen Steinmeyer-Orgel von 1911

Eintritt: 15.- €


Erhaltet die Steinmeyer-Orgel - Benefizveranstaltung 3
Samstag, 31. Januar, 17:00 Uhr

Das Mannheimer Wunderwerk
Orgelführung II
Johannes Michel und Anna Linß spielen und erklären
die große Steinmeyer-Orgel von 1911

Eintritt: 10.- €


Erhaltet die Steinmeyer-Orgel - Benefizveranstaltung 4
Sonntag, 01. Februar, 18:00 Uhr

ORGELKONZERT Anna Linß
spielt Werke von Bach, Liszt, Hindemith, Messiaen

Im Anschluß im Bachsaal: Orgelwein ausgeschenkt und getrunken zugunsten
der Renovierung der großen Steinmeyer-Orgel von 1911

Eintritt: 15.- €


Erhaltet die Steinmeyer-Orgel - Benefizveranstaltung 5
Samstag, 07. Februar, 17:00 Uhr

Das Mannheimer Wunderwerk
Orgelführung III
Johannes Michel und Anna Linß spielen und erklären
die große Steinmeyer-Orgel von 1911

Eintritt: € 10,-


Erhaltet die Steinmeyer-Orgel - Benefizveranstaltung 6
Sonntag, 08. Februar, 18:00 Uhr

ORGELKONZERT Ennio Cominetti (Varenna)
spielt Werke von Frescobaldi, Bach, Rinck, Bossi und Cominetti

Im Anschluß im Bachsaal: Orgelwein ausgeschenkt und getrunken zugunsten
der Renovierung der großen Steinmeyer-Orgel von 1911

Eintritt: 15.- €


"Junge Organisten" - Benefizveranstaltung 7
Sonntag, 26. April, 19:00 Uhr

ORGELKONZERT - Jihoon Song (Südkorea)

Eintritt: 6,- / 12,-


"Junge Organisten" - Benefizveranstaltung 8
Sonntag, 31. Mai, 19:00 Uhr

ORGELKONZERT - Nils-Ole Krafft (Frankfurt a. M.)

Eintritt: 6,- / 12,-


"Junge Organisten" - Benefizveranstaltung 9
Sonntag, 28. Juni, 19:00 Uhr

ORGELKONZERT - Ioanna Solomondiou (Stuttgart)

Eintritt: 6,- / 12,-


Quelle: http://www.christuskirche.org/programm/2015

Steinmeyer-Orgel Christuskirche Mannheim

hardy @, Dienstag, 28. Oktober 2014, 20:57 (vor 4394 Tagen) @ Karsten

Vielen Dank für die Hinweise!
Ich kenne die Orgel nur von einer LP (Brahms) und der CD, auf der J. M. Michel einen Teil seiner jazzinspirierten Kompositionen eingespielt hat.
Da ich noch nie in der Kirche war: stimmt mein Empfinden, daß es dort relativ wenig Akustik, sprich Nachhall, gibt? Vielleicht klingt dadurch alles ein wenig dumpf; auch sind die Mixturen der Orgel ja relativ tiefliegend und die Zungen wohl nicht so sehr französisch. Interessant auch in einem Ars Organi-Heft von vor sicher 25 Jahren die Beschreibung der Orgel. Das kann anläßlich der Restaurierung 1984 gewesen sein. Dort auch die Mixturenzusammensetzungen. Interessant der wiedergegebene Briefwechsel mit Emil Rupp, wollte man doch ein französisches Orgelreform-Instrument bauen lassen. Das alles aus der Erinnerung heraus, das Heft habe ich gerade nicht zur Hand.
Außerdem stellt sich für mich die Frage, wie so um die 70 Register in das vorhandene Gehäuse passen, da muß es ja doch recht eng zugehen.
Gruß, Hardy

Steinmeyer-Orgel Christuskirche Mannheim

Karsten @, Dienstag, 28. Oktober 2014, 21:27 (vor 4394 Tagen) @ hardy
bearbeitet von Karsten, Dienstag, 28. Oktober 2014, 21:51

Vielen Dank für die Hinweise!
Ich kenne die Orgel nur von einer LP (Brahms) und der CD, auf der J. M. Michel einen Teil seiner jazzinspirierten Kompositionen eingespielt hat.
Da ich noch nie in der Kirche war: stimmt mein Empfinden, daß es dort relativ wenig Akustik, sprich Nachhall, gibt? Vielleicht klingt dadurch alles ein wenig dumpf; auch sind die Mixturen der Orgel ja relativ tiefliegend und die Zungen wohl nicht so sehr französisch. Interessant auch in einem Ars Organi-Heft von vor sicher 25 Jahren die Beschreibung der Orgel. Das kann anläßlich der Restaurierung 1984 gewesen sein. Dort auch die Mixturenzusammensetzungen. Interessant der wiedergegebene Briefwechsel mit Emil Rupp, wollte man doch ein französisches Orgelreform-Instrument bauen lassen. Das alles aus der Erinnerung heraus, das Heft habe ich gerade nicht zur Hand.
Außerdem stellt sich für mich die Frage, wie so um die 70 Register in das vorhandene Gehäuse passen, da muß es ja doch recht eng zugehen.
Gruß, Hardy

Hallo!

In den letzten Jahren entstanden - neben der bereits erwähnten Jazz-Platte Michels - einige weitere sehr schöne Aufnahmen an der Orgel, die unter Johannes Michel so weit es eben ging dem klanglichen Originalzustand angenährt werden konnte:

Das Orgelportrait zum 100jährigen Jubiläum der Orgel, eingespielt von Johannes Michel

Folge 13 der Einspielung der Orgelwerke Max Regers bei Naxos (eingespielt von Christian Barthen)

Bernhard Buttmann hat für Folge 2 seiner Reger-Einspielung ebenfalls unter anderem die Steinmeyer-Orgel verwendet (Stücke op.69, Auswahl aus den Choralvorspielen op.67 auf CD 3)

Die Akustik der Christuskirche ist in der Tat die einer Predigerkirche, also eher trocken mit kurzem Nachhall. Dies bewog einige Tontechniker, die Aufnahmen dort mit künsttlichem Nachhall zu versehen.
Kann man machen, muss man aber nicht.
Auch wenn diese Akustik für die Interpreten eher undankbar ist (man hört eben alles!) ist der Hörer gerade aus dem Grund dankbar, alles klar hören zu können. Dies natürlich auf Kosten der Atmosphäre und eines "typischen" Orgelklangs mit viel Hall, den man vor allem mit dem französisichen Orgelrepertoire verbindet. Aber gerade Reger profitiert beispielsweise sehr von dieser Akustik.

Die Orgel ist im Kern deutsch-romantisch und klingt entsprechend "dumpf" und wuchtig. Sie kann aber auch "heller", alles eine Frage der Registrierung. Man hatte schon früh versucht sie aufzuhellen, indem man die Orgel höher stimmte und Pfeifen absägte. Noch heute liegen abgesägte Enden von Holzpfeifen auf dem Gehäusedach und der Empore herum. Ob die Orgel jemals wieder ihre normale tiefe Stimmung bekommen wird, ist fraglich, da das Zusammenspiel mit anderen Instrumenten eingeschränkt wird.

Die 70 Register der Hauptorgel sind in der Tat wie "Kreuz und Rüben" verteilt. Am übersichtlichsten noch die Pfeifen der Manuale II. und III. (in insgesamt 4 Schwellkästen ungefähr im Mittelfeld der Orgel. Die Register des Pedals und des Hauptwerks sind rechts und links und im Orgelfuß verteilt, wo eben Platz war... Der Stimmplan für die Zungenregister folgt dem Gang des Orgelstimmers durch das Gehäuse von oben nach unten: Mal drei Pfeifen des Pedalregisters hier, dann eine Oktave eines anderen Registers... Ganz am Schluss kommen die tiefsten Pfeifen der Bombarde 32' dran. Die stehen in voller Länge ganz hinten unten, man muss zum Stimmen unter die Empore krabbeln...

Ein weiteres Problem der Orgel ist neben dieser verschachtelten Aufstellung der wuchtige Bogen über der Kreuzigungsgruppe. Der Klang der Orgel hängt somit auf der Empore fest. Es kommt dennoch genug im Kirchenraum an.

Der Effekt des Fernwerks mit den zwei getrennt bedienbaren Schwelljalousien (bei einem kurzen Klangkanal) ist einzigartig.

Eine aktuelle Beschreibung der Geschichte der Orgel und ihrer selbst findet sich in Ars Organi 2011-IV.

Gruß
Karsten

Steinmeyer-Orgel Christuskirche Mannheim

hardy @, Dienstag, 28. Oktober 2014, 21:35 (vor 4394 Tagen) @ Karsten

Vielen Dank für Deine Erläuterungen! Vermutlich wollte man damals prestigeträchtig möglichst viele Register haben... dann doch erstaunlich, daß die Orgel noch relativ original ist, zumal man doch sagt, schlecht zugängliche Orgeln hätten keine so lange Lebenserwartung (habe ich, glaube ich, hier mal gelesen).
Da fällt mir ein, hier am Ort ist 1895 eine Walcker-Orgel in ein Barockgehäuse "gestopft" worden, auch hier ist besonders das Pedal abenteuerlich zu stimmen, und sie "lebt" noch immer (restauriert´).

Steinmeyer-Orgel Christuskirche Mannheim

Orlos @, Dienstag, 28. Oktober 2014, 23:42 (vor 4394 Tagen) @ hardy

Es kann die Lebenszeit einer Orgel auch VERLÄNGERN, wenn sie schlecht zugänglich ist, weil man sie so schwer umbauen kann. Ein Beispiel dazu in Wiesbaden: Eine große Walcker-Orgel steht in der Oranier-Gedächtnis-Kirche in Biebrich. Sie wurde 1905 zusammen mit der Kirche eingeweiht, also vor dem Endausbau des Altarraums bereits eingesetzt. Bei der "Aufnordung" 1955 konnte man die großen Bassregister aber nicht entfernen, so dass sich hohe Mixturen nun mit mächtigen Bässen (vier 16' nebst 10 2/3') kombinieren lassen. Skurril. In den letzten Jahren versucht man, nach und nach wieder das originale Klangbild zu rekonstruieren, der aparte Hornaliquot 4fach ist schon nicht mehr da.

Steinmeyer-Orgel Christuskirche Mannheim

Karsten @, Mittwoch, 29. Oktober 2014, 08:40 (vor 4394 Tagen) @ hardy

Vielen Dank für Deine Erläuterungen! Vermutlich wollte man damals prestigeträchtig möglichst viele Register haben... dann doch erstaunlich, daß die Orgel noch relativ original ist, zumal man doch sagt, schlecht zugängliche Orgeln hätten keine so lange Lebenserwartung (habe ich, glaube ich, hier mal gelesen).

Auf die Quantität wurde natürlich auch geachtet, aber Qualität war eben auch wichtig. Man bedenke die lange Planungsphase.

Ich würde die Orgel nicht viel mehr oder weniger zugänglich einschätzen als vergleichbare Instrumente der Epoche. Passau war bestimmt ähnlich "vollgestopft".

Je nach Zeitgeist war die Orgel auch alles andere als beliebt. Über die Umbauten und Eingriffe die stattfanden um die Orgel dem Zeitgeschmack anzunähern geben die Artikel ja Auskunft.
Schließlich wurde 1988 die Marcussen-Orgel erbaut um das Barock-Repertoire stilistisch besser abzudecken. Somit darf die Steinmeyer-Orgel endlich "nur" impressionistisch sein. Barock geht da natürlich auch...

Gruß
Karsten

Steinmeyer-Orgel Christuskirche Mannheim

stein @, Donnerstag, 30. Oktober 2014, 10:12 (vor 4393 Tagen) @ Karsten

Jedesmal wenn ich in Mannheim bin, versuche ich ein Konzert oder einen Gottesdienst zu besuchen. Das Instrument kommt wirklich wuchtig daher. Das ist eine Beschreibung die voll zutrifft. Die trockene Akustik bietet hier einen besonderen Reiz. Man hat den Eindruck, das muss so sein. Der Hausorganist tut seines dazu. Letztens meinte man Skinner Klänge zu hören.

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