überwiegend OT: Festliches Präludium von R. Strauss u.a.

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Samstag, 25. Oktober 2014, 19:16 (vor 4397 Tagen)

Hallo Forum,

eine Orgelrarität gab es gestern im Symphoniekonzert. Die Düsseldorfer Symphoniker führten unter der Leitung von Karl-Heinz Steffens Richard Strauss’ Festliches Präludium op. 61 für großes Orchester und Orgel auf. 150 Musiker sind gefordert, darunter allein 6 “Bühnentrompeter”, die allerdings nur in den letzten Takten spielen dürfen. Den Auftakt des im Grunde inhaltsleeren Stückes - uraufgeführt zur Einweihung des Wiener Konzerthauses 1913 - macht die Orgel. Und auch im weiteren Verlauf wird sie als Bindeglied zwischen einzelnen Abschnitten gebraucht. Udo Flaskamp bediente ein schaurig klingendes Elektronium - die vorhandene Klauisine wäre viel zu kraftlos gewesen. Trotz an sich guter Lautsprecheranlage im Saal klang die Orgel von dort erbärmlich - höchste Zeit also, über ein neues Instrument in der Tonhalle nachzudenken. Das Festliche Präludium wurde in Düsseldorf übrigens zuletzt 1938 zur Eröffnung der Reichsmusiktage gespielt - unter Leitung des Komponisten.

Strauss' Schwiegertochter Alice war Jüdin. Ihre Großmutter war nach Theresienstadt deportiert worden. Strauss war so naiv und/oder voller Selbstüberschätzung, daß er sich mit dem Auto dorthin fahren ließ, um diese Frau dort abzuholen: “Grüß Gott, ich bin der berühmte Komponist R.S. und möchte Frau X mitnehmen”. Erfolglos mußte er abziehen. Zu dieser Zeit lebte in Theresienstadt auch der Komponist Viktor Ullmann, dessen Klavierkonzert im Programm des Symphoniekonzerts folgte; Solist Herbert Schuch. Man hörte, lange vor dessen Entstehung geschrieben, eine an das Konzert für Orchester von Bartok erinnernde Musik. Irgendwie kurios. Zugleich aber sehr überzeugend.

Nach der Pause Bruckners Sechste. Technisch brilliant, aber kühl und harsch. Etwas sentimento hätte Steffens schon wagen dürfen.

Gruß Clemens Schäfer

--
Piano heißt nicht schwach sondern leise, Forte nicht laut sondern kräftig (Artur Rubinstein)

überwiegend OT: Festliches Präludium von R. Strauss u.a.

Friedrich @, Samstag, 25. Oktober 2014, 22:15 (vor 4397 Tagen) @ Clemens Schäfer

… eine Orgelrarität gab es gestern im Symphoniekonzert. Die Düsseldorfer Symphoniker führten unter der Leitung von Karl-Heinz Steffens Richard Strauss’ Festliches Präludium op. 61 für großes Orchester und Orgel auf. 150 Musiker sind gefordert, darunter allein 6 “Bühnentrompeter”, die allerdings nur in den letzten Takten spielen dürfen. Den Auftakt des im Grunde inhaltsleeren Stückes - uraufgeführt zur Einweihung des Wiener Konzerthauses 1913 - macht die Orgel. Und auch im weiteren Verlauf wird sie als Bindeglied zwischen einzelnen Abschnitten gebraucht. Udo Flaskamp bediente ein schaurig klingendes Elektronium - die vorhandene Klauisine wäre viel zu kraftlos gewesen. Trotz an sich guter Lautsprecheranlage im Saal klang die Orgel von dort erbärmlich - höchste Zeit also, über ein neues Instrument in der Tonhalle nachzudenken …

Das erinnert mich an diese jämmerliche Aufnahme, die tatsächlich mal im Handel war. Der Organist lässt deutlich erkennen, dass ihn weder Stück noch Orgel der Mühe wert sind – nicht einmal offensichtliche Fehler lässt er korrigieren (was technisch ein Leichtes gewesen wäre).

Auf demselben Label erschien eine Aufnahme aus der Tonhalle Zürich – trotz Verstimmungen doch ein ganz anderer Schnack.

»Inhaltsleer« – naja. Der Inhalt ist eben Festlichkeit. Wenn man das Pathos nicht scheut, kann man das überzeugend spielen, glaube ich. Aber vielleicht ist das Stück so einfach nix mehr für unsere Gegenwart. Festlichkeit an sich als künstlerische Aussage findet einfach kein Verständnis mehr bei Musikern und Hörern. Woher sollten sie so etwas auch kennen?

Viele Grüße
Friedrich

überwiegend OT: Festliches Präludium von R. Strauss u.a.

Florian-L @, Sonntag, 26. Oktober 2014, 09:03 (vor 4397 Tagen) @ Friedrich

»Inhaltsleer« – naja. Der Inhalt ist eben Festlichkeit. Wenn man das Pathos nicht scheut, kann man das überzeugend spielen, glaube ich.

Wenn man denn ein Instrument vom Kaliber der Orgel im Wiener Konzerthaus zur Verfügung hat.

Gruß, Florian

powered by my little forum