Markus Hinz in der Johanneskirche, D-Innenstadt

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Donnerstag, 23. Oktober 2014, 14:21 (vor 4399 Tagen)
bearbeitet von Clemens Schäfer, Donnerstag, 23. Oktober 2014, 14:43

Hallo Forum,

am 22.10.2014 spielte die Lunch-Time-Orgel in der Johanneskirche Markus Hinz (Kantor an St. Antonius, D-Oberkassel).

Von Frank Stanzl (*1970) gab es zu Beginn “Toccata minimal” (2008). Mit wenig musikalischem Material möglichst viel Abwechslung, ja Dramatik zu erzeugen, ist ja schon Ravel gelungen (Bolero; Ravel soll gesagt haben: Merkwürdigerweise ist mein bekanntestes Stück das mit der wenigsten Musik). Und Stanzl versteht sich auf diese Kunst offenbar auch. Das scheinbar gleichförmige Klopfstück verändert sich stets unter der Oberfläche. Dann läuft es wie ein abgeschaltetes Geläute aus, um danach mit gewaltigem Accelerando in die Schlußsteigerung zu münden. Schön gemacht und gekonnt gespielt.

Heftiger Gegensatz dazu Frescobaldi. Auch dieses Stück nennt sich Toccata (per l’Élevatione); hier klopft aber nichts. Es ist ein sehr spannend erzähltes Rezitativ (Alt/Tenor) mit kontrapunktisch geschickter Begleitung.

Wieder minimalistisch dann Ad Wammes (*1953). Der hat neben dieser Technik noch jazzige Rhythmen beizusteuern. “Toccata chromatica - Echoes of Sweelink” (2012) hieß der Titel.

Am Ende gab es noch eine Toccata, diesmal von 1917: Hendrik Andriessen (1892-1981) ist der Komponist. Zwar ist die Musik in der Spätromantik verwurzelt, die neue Sachlichkeit lugt aber an vielen Stellen bereits hervor. Gerade die harmonischen Durchgänge und manche Intervallsprünge wirken mitunter recht modern. Ein sehr interessantes Stück, das hier sehr zurecht ins Bewußtsein gehoben wurde.

Sehr freundlicher Beifall der rund 50 Hörer.

Gruß Clemens Schäfer

P.S. Hoffentlich habe ich diesmal alle Namen und Titel richtig abgeschrieben! Über Klärchen vom Mond habe ich selbst lachen müssen. Beim Französischen hapert es mir ganz gewaltig.

P.S. Johanneskirchen-Kantor Wolfgang Abendroth studiert zur Zeit die Abraham-Oper von Daniel Schnyder ein. Uraufführung 13.11.2014.

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Piano heißt nicht schwach sondern leise, Forte nicht laut sondern kräftig (Artur Rubinstein)


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