Schijven-Orgel Unit

hardy @, Mittwoch, 22. Oktober 2014, 21:28 (vor 4400 Tagen)

Guten Abend,
folgendes Instrument wird als "mechanisch unit" bezeichnet:
http://www.orgelsite.nl/kerken15/brussel2.htm
Ich denke, daß das heißt, das z. B. im Hauptwerk 16 und 8'-Register kombiniert sind und im SW auch und z. B. Oboe 16-8?
Vor ca 13 Jahren habe ich sie mal gehört, war nicht so weltbewegend, Mixtur eher ein Schimmern (wie bei Skinner vielleicht :))
Gruß Hardy

Schijven-Orgel Unit

fluteceleste @, Donnerstag, 23. Oktober 2014, 14:34 (vor 4399 Tagen) @ hardy
bearbeitet von fluteceleste, Donnerstag, 23. Oktober 2014, 15:46

hier eine genaue Übersicht. Da wird fast alles transmittiert ("dédoublement"):

Grand-Orgue
Particularités
Tous les tuyaux sont de facture similaire et sortent des ateliers de Merklin-Schyven.
Disposition des tuyaux : réunis par octaves.
Description
MONTRE 16' et MONTRE 8'. Entièrement à dédoublement.
PRESTANT 4'. Partiellement à dédoublement; indépendant à partir de c'.
Jeu provenant partiellement du Palais ducal (où se trouvait l’orgue du Conservatoire) comme en fait foi une inscription : C / Prestant / 4 p / (Positif) org/du Palais.
BOURDON 16'. A dédoublement.
BOURDON 8'. A partir de c'.
Jeu provenant partiellement du Palais ducal.
FLÛTE 8'. A dédoublement.
FLÛTE 4'. A partir de c'.
GAMBE 16' et GAMBE 8'. Entièrement à dédoublement.
La Gambe 16' commence à la deuxième octave.
FOURNITURE III. Jeu réel sans dédoublement.
BOMBARDE 16', TROMPETTE 8' et CLAIRON 4'. Entièrement à dédoublement.
Nom
Récit expressif
Description
BOURDON 16'. A dédoublement.
BOURDON 8'. A partir de c'.
FLÛTE 8'. A dédoublement.
FLÛTE 4'. A dédoublement.
FLAGEOLET 2'. A partir de c'.
SALICIONAL 8' et DOLCE 4'. Entièrement à dédoublement.
UNDA MARIS 16' et VOIX CELESTE 8'. Entièrement à dédoublement.
Unda maris commence à la deuxième octave.
BASSON 16' et HAUTBOIS 8'. Entièrement à dédoublement.
VOIX HUMAINE 8'. Jeu réel sans dédoublement.
Nom
Pédale
Description
CONTREBASSE 16', OCTAVE BASSE 8' et FLÛTE 4'. Entièrement à dédoublement.
BOMBARDE 16', TROMPETTE 8' et CLAIRON 4'. Entièrement à dédoublement.
* * *

Interessant wäre jetzt ob der Pedal- Unit aus dem GO transmittiert ist, was aber wohl hier stehen würde, wenns so wär.

IPS: Da hatte wohl jemand zu viele Löffeltritte übrig, die als Registergriffe endeten:-)
[image]

Schijven-Orgel Unit

Dorforganist, Donnerstag, 23. Oktober 2014, 16:15 (vor 4399 Tagen) @ fluteceleste

Die mechanische(!) Unit-Bauweise scheint eine Spezialität von Schyven gewesen zu sein. G.Walcker-Meyer jedenfalls hat sich 2009 bei der Restaurierung der Orgel von San Jose in Costa Rica ziemlich mit den eigenartigen Transmissionen abgemüht und eine "Gebrauchsanweisung" für den Umgang mit dem empfindlichen Instrument erstellt. Dort wird auch die Funktionsweise des "mechanischen Multiplexing" erklärt. (Ich habe es aber nicht kapiert.)

Schijven-Orgel Unit

friedemannw @, Gießen, Donnerstag, 23. Oktober 2014, 18:38 (vor 4399 Tagen) @ Dorforganist

Interessante Konstruktion. Aber stimmen möchte ich das nicht! Es ist ja schon manchmal schwierig, eine mechanische Extensionsreihe 16' + 8' zu stimmen. Das Pfeifenwerk reagiert manchmal recht unterschiedlich, je nachdem von welcher Seite der Wind kommt.
Da GWM die Bilder des Extensionsstockes nicht erklärt hat versuche ich's mal. Ich beziehe mich auf das obere Bild auf Seite 5.

- die Tonkanzellen F-f-f1-f2-f3 liegen nebeneinander
- darüber stehen die Pfeifen 16'F (im Bild als "FF" bezeichnet), 8' F-f-f1-f2-f3 und 4' f3
- wenn 16'+8'+4' gezogen sind und F gespielt wird, klingt 16'F (rot FF), über die blaue Verführung 8'F und über die graue Verführung 8'f (=4'F)
- wenn 16'+8'+4' gezogen sind und f3 gespielt wird, klingt über die türkise Verführung f2 (16'), über die gelbe Verführung f3 8' und das nicht bezeichnete f3 4'

Ich hoffe, das stimmt alles :)

Schijven-Orgel Unit

hardy @, Donnerstag, 23. Oktober 2014, 22:16 (vor 4399 Tagen) @ friedemannw

Vielen Dank, das ist ja sehr interessant. Wenn auch etwas unbehaglich, ist es doch quasi das Multiplexsystem mit auch den Nachteilen bes. klanglicher Art. Vielleicht klang deshalb die Orgel auch so dunkel-merkwürdig - nur 2 reale "straight" Register ist schon wenig. Warum mag Schijven das gemacht haben? Kosten- und Materialersparnis?

Schijven-Orgel Unit

hardy @, Donnerstag, 23. Oktober 2014, 22:30 (vor 4399 Tagen) @ hardy

Ergänzung: habe das bei Walcker gesehen und gelesen. Im Diskant sei immer mit leichten Verstimmungen zu rechnen, so schreibt er zu der Orgel in Costa Rica, die weniger Transmissionen als die in Brüssel hat. Hoffentlich hat Schyven derartigen Murks nicht in der Antwerpener Kathedralorgel eingebaut, die von Guido Schumacher nun restauriert wird. Sie war ja nun ein absolutes Referenzobjekt. Ich könnte da mal anfragen (bei Sch.)
VG

Schijven-Orgel Unit

friedemannw @, Gießen, Freitag, 24. Oktober 2014, 00:49 (vor 4399 Tagen) @ hardy
bearbeitet von friedemannw, Freitag, 24. Oktober 2014, 02:06

Naja, so richtig "Multiplex" ist das ja noch nicht. Es ist alles noch Werkintern (Extensionen) und nicht Werkübergreifend (Transmissionen). Und es gibt viele klangschöne Orgeln, wo das Multiplex-System überzeugend angewendet wurde. Die Firma Schoenstein aus San Francisco baut genial durchdachte Instrumente (auch kleine Orgeln), in denen Multiplex überschaubar und klangbereichernd eingesetzt wird. Demnächst soll eine neue Schoenstein-Orgel in London gebaut werden - ich bin sehr gespannt!
Ich denke, Multiplex-Instrumente sind auch hervorragende Übungsorgeln/Hausorgeln. Wie sonst bekommt man preiswert viele Register in ein kompaktes Gehäuse? Ich würde sofort die 7-Register-Bornefeld-Orgel gegen eine Multiplex-Orgel mit 4 Ranks tauschen! Hier gibt's nette Ideen und hier noch ein Beispiel. Auch die anderen namhaften amerikanischen Orgelbaufirmen haben in dieser Zeit ähnliche kompakte Instrumente gebaut.
Der Organist einer bedeutenden deutschen Barockorgel lässt sich zurzeit als Hausorgel ein Multiplex-Instrument mit 4 Ranks bauen. Ein großer Kleiderschrank mit vielen Möglichkeiten für die Gestaltung verschiedenster Orgelmusikepochen :)
Und nochmal zum Thema Klang: Ich kenne einen kinoorgelinteressierten Intonateur, der einem andern eher konservativen Intonateur eine Passage einer CD vorgespielt hat. Der konservative Intonateur hielt es für die Aufnahme einer Kirchenorgel - es war aber eine Kinoorgel (Tremulanten natürlich abgestellt)! Ganz so schlecht kann's also nicht sein :)

Schijven-Orgel Unit

elsenp @, Freitag, 24. Oktober 2014, 08:05 (vor 4399 Tagen) @ friedemannw

Hallo Friedemannw,

bei deinen Beispielen handelt es sich aber um elektrisch gesteuerte Einzeltonladen. Da ist die Intonation kein Problem, da es für den Windzufluß egal ist, ob das Magnetventil von Taste A oder Taste B geöffnet wird. Ich selbst habe in einer meiner "Dienstorte" eine elektrische Multiplexorgel von Leon Verschueren. Da werden aus 5 1/2 Pfeifenreihen mal eben 17 Register "gezaubert". Obschon es hier auch schwierig wird, wenn z.B. eine Flötenreihe das komplette Spektrum vom Pedal-16' bis zur Flöte 2' abdecken muss: Unten rum ist es zu dünn und in der Aliquotlage viel zu dick.

Schijven baute aber mechanische Extensionen, die mit relativ aufwendigen Rückschlagventilen arbeiten. Das ist im Baßbereich durchaus intonatorisch beherrschbar, wenn der Wind unterschiedliche Wege nimmt, aber in der Diskantlage sind die Pfeifen sehr viel anfälliger für kleinste Unterschiede im Windfluß.

Gruß
Peter

Multiplex, war Schijven-Orgel Unit

friedemannw @, Gießen, Freitag, 24. Oktober 2014, 09:55 (vor 4399 Tagen) @ elsenp

Mein Vorgänger schrieb über Multiplex, was ich dann auch tat. Das es die nur mit elektrischer Traktur gibt, ist mir klar. :)

Multiplex, war Schijven-Orgel Unit

hardy @, Samstag, 25. Oktober 2014, 15:22 (vor 4397 Tagen) @ friedemannw

Für den Vorgänger war Unit und Multiplex vom Prinzip her dasselbe - für den Fachmann dann wahrscheinlich doch nicht so :)

powered by my little forum