Marcel Andreas Ober, Tobias Liebezeit, St. Lambertus
Hallo Forum,
Internationale Orgelkonzerte in St. Lambertus, Düsseldorf-Altstadt, Sonderkonzert zum 9. ido: Marcel Andreas Ober (Orgel) und Tobias Liebezeit (Percussion).
Das Programm war ungewöhnlich und fuhr abseits ausgetretener Pfade. Es gab Escaich, Händel und Rachmaninoff.
Ground II für Orgel und Percussion (eine Originalkomposition für diese Besetzung) machte den Anfang. Sanftes Rühren des Metallbesens am Becken, angerissene Akkorde von der Orgel - so ging es los. Im ersten moderaten Teil enthielt sich das Schlagzeug aller Kraftmeierei, erst gegen Ende wurde es hoch virtuos und heftig. Was sich im einzelnen an Entwicklungen abgespielt hast, war beim ersten Hören nicht zu erkennen. Jedenfalls hatte ich den Eindruck Zusammenhängen, wiederkehrenden Passagen und Variationen.
Nun brachte Ober allein Händel: Concerto grosso h-moll op. 6 Nr. 12 in eigener Orgelbearbeitung. Das ging erfreulich gut. Das Eingangslargo hatte Charakter, das Allegro lief gut, die Aria erinnerte an “I know, that my redeemer liveth”, das folgende Largo war ein kurzes Rezitativo accompagnato und das Schlußallegro ein wirbelnder Tanz. Sehr geschmackvoll gemacht und mit Nachdruck vorgetragen.
Hauptwerk des Abends waren Rachmaninoffs Symphonische Tänze op. 45 in einer Bearbeitung für Orgel und Percussion von Marcel Andreas Ober. Ober konnte hierbei auf die Fassung für zwei Klaviere zurückgreifen, die Rachmaninoff selbst gefertigt hatte. Das Original für großes Orchester mit üppigem Schlagwerk wird selten aufgeführt. Umso verdienstvoller, daß sich Ober und Liebezeit nun die Mühe gemacht hatten, diesen hochromantisch-sehr mäßig modernen, hochvirtuosen Brocken von 25 Minuten einzustudieren. Vorweg: Es hat sich gelohnt.
Der erste Satz ist dreiteilig: Non Allegro (sic, was denn dann?) - Lento - Tempo primo (*lach*). Sind diese Bezeichnungen auch etwas merkwürdig, so einigten sich die Spieler auf ein Allegro ma non troppo. Der Mittelsatz war durchaus lyrisch und kam auf der Orgel gut heraus. Ansonsten waren die Rhythmen ein bestimmendes Element.
Das Andante con moto erwies sich als großer, gebrochener Walzer mit immer neuen Anläufen, schillernden Farben und irrlichternden Wendungen. Großartige Musik, auch wenn Ravel grüßen ließ. Ravel ist freilich lasziver und mitreißender, Rachmaninoffs Musik dagegen grüblerischer; Weltschmerz allerorten.
Im Schlußsatz (Lento assai - Allegro vivace - Lento assai - Allegro vivace) zitiert Rachmaninoff das Dies Irae der lateinischen Messe, die Glocken schlagen zwölf, eher er im Schlußabschnitt ein ostkirchliches Halleluja bringt und so ein versöhnliches Ende herbeiführt.
Dies war ein Abend, wo man von der ersten bis zur letzten Minute “dranblieb” - vielleicht das größte Kompliment. Denn es war ungemein spannend, lehrreich und erhebend. Das sahen auch die gut 100 Hörer so, die sofort heftig applaudierten. Danach war Ober ein gefragter Mann, viele wollten noch persönlich danken oder Erklärungen haben, darunter auch Kantoren wie O.G. Blarr.
Gruß Clemens Schäfer
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Piano heißt nicht schwach sondern leise, Forte nicht laut sondern kräftig (Artur Rubinstein)
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