Etienne Walhain in St. Andreas, D-Altstadt
Hallo Forum,
Etienne Walhain (*1980, Guillou-Schüler, Organist an der Kathedrale zu Tournai) ist in Düsseldorf schon öfter erfolgreich aufgetreten. Jetzt spielte er am 12.10. 2014 erneut die Sonntagsorgel in St. Andreas. Das Programm war gehaltvoll und abwechslungsreich.
Walhain begann mit Toccata, Adagio und Fuge C-Dur BWV 564. Im großen Pedalsolo zu Beginn wechselte er die Registrierung mehrfach so, daß Echowirkungen entstanden. Dann lief die Toccata in frischem Tempo. Schön ausgespielt und fein registriert das moll-Adagio bis hin zum Abstieg in die Hölle; Wolfsschluchtathmosphäre war dorten und wurde lange ausgehalten. Hell und hurtig stürmte dann die bestens durchhörbare Fuge davon. Erst gegen Ende wurde der Klang etwas aufmontiert. - Das war gewiß keine historische Aufführungspraxis. Aber es war klanglich überzeugend, technisch sauber und in sich stimmig.
Ein barockes Streichorchester, gerne mit Gamben besetzt, hörte man - immer im Abstrich - als Begleitung zur dezenten Melodielinie im Choralvorspiel “Erbarm dich mein, o Herre Gotte BWV 721. Das war toll gemacht.
Es folgten Praeludium und Fuge a-moll BWV 543. Die große Figurenkette zu Beginn kam schön gleichmäßig, kaum merklich legte sich der Orgelpunkt darunter. Auch hier feines Pedalsolo. Sehr schnell ging Walhain die Fuge an. Ob er das durchhalten würde? Er tat es mit Bravour.
Viel Zeit hatte er dann mit “O Mensch, bewein dein Sünde groß” BWV 622. Herrlich tiefe Musik.
Zum Abschluß Pièce Héroique von Franck. Zügig im Tempo ließ Walhain erst gar keinen Bombasmus aufkommen. Vielleicht ging dabei etwas vom Franck-Parfüm verloren. Aber so war das Stück wohltuend unaufgeladen.
Ein schönes Konzert, ein voll besetztes Mittelschiff, dankbarer andauernder Beifall.
Gruß Clemens Schäfer
--
Piano heißt nicht schwach sondern leise, Forte nicht laut sondern kräftig (Artur Rubinstein)
gesamter Thread: