Thorsten Göbel in der Johanneskirche, Gulbins
Hallo Forum,
Dein Zion streut der Palmen und grüne Zweige hin
Und ich will dir mit Psalmen ermuntern deinen Sinn
Mein Herze soll dir grünen, in stetem Lob und Preis
und deinem Namen dienen, so gut es kann und weiß
(Paul Gerhardt)
Diese Zeilen hat Max Gulbins (1862-1832) seiner 3. Orgelsonate B-Dur op. 19 vorangestellt. Thorsten Göbel spielte das Werk am 08.10.2014 zur Lunchtimeorgel in der Johanneskirche. Er wußte zu berichten von insgesamt sechs Orgelsonaten, darunter eine zum Thema Paulus und eine Kriegssonate (mit Chor und Bläsern) über den Frankreichfeldzug 1870/71. Gulbins stand halt fest in preußisch-nationaler Tradition; in Ostpreußen geboren, in Berlin studiert und zuletzt Kantor und Professor in Breslau.
Die dritte Sonate war freilich frei vom allem Martialischem. Im Gegenteil: Eine - halbe - Choralzeile gab dem ganzen Form. Sie tauchte ganz zu Beginn zweimal auf (Maestoso - Allegro moderato) und beschloß das Stück leise kurz vor Ende: Das richtige Ende war dann die Vollendung des Chorals im Forte. Der Charakter der Musik erinnert stark an Mendelssohn und Schumann. Beide hat er zwar nicht gekannt, sie dürften ihm aber über seinen Lehrer Heinrich von Herzogenberg vermittelt worden sein.
Im recht kurzen Andante hatte Göbel für die Melodiestimme eine aparte Mischung von Koppelflöte und Regal gewählt. Mit Tremulant klang das ähnlich einer vox humana. Ein Stück, das sich gut als Elevationmusik etc. eignet. Das folgende Allegro (scherzando) perlte fröhlich. Und im Schlußsatz (Allegro moderato - Maestoso) gab es sogar eine Fuge. Musik, die aufzuführen sich lohnt.
Vor dem Gulbins hatte Göbel, ausgeglichen und ruhig “O Lamm Gottes unschuldig” aus den Leipziger Chorälen, BWV 656, gespielt.
Gruß Clemens Schäfer
P.S. Beim Bach blätterte die Noten ein Konfirmand (8. Klasse Gymnasium). Dieser hatte sich im Rahmen des Konfirmandenunterricht zu einem Praktikum beim Kirchenmusiker gemeldet und wurde von Göbel auch namentlich vorgestellt. Ich weiß nicht ob solche Praktika auch andernorts Bestandteil des Konfirmandenunterrichts sind, fand das hier aber bemerkenswert.
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Piano heißt nicht schwach sondern leise, Forte nicht laut sondern kräftig (Artur Rubinstein)
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