"Die unmoderne Orgel"
"…was tun mit 50 Jahre alten Orgeln?" war der Titel eines Symposiums des österreichischen Orgelforums, der österreichischen "kleinen Schwester" der GdO im Stift Reichersberg, nahe der Grenze zu Deutschland.
Schon beim ersten Blick ins Teilnehmerverzeichnis war man als Piefke geoutet, wenn die erste(!) Spalte keinen klangvollen Titel wie Mag./Dr./Prof./Ing... enthielt und der Teilnehmer männlich war. (Die restlichen Teilnehmer ohne Titel waren überwiegend das schmückende Beiwerk namens Ehegattinnen.)
Unter den Teilnehmern mit dem Titel OB/OBM fanden sich durchaus bekannte Namen wie Ahrend, Allgäuer, Pirchner, Eberle,... und auch ein gewisser P.Planyavsky trug zur Unterhaltung bei, so daß die Veranstaltung durchaus interessant zu werden versprach - zumal die Frage nach dem "Umgang mit 'halb'historischen Instrumenten" (ab Bj. 60) immer mehr Gemeinden und Organisten betreffen dürfte.
Der andere Schwerpunkt war die Orgellandschaft "Innviertel" - also die Gegend, in der das Symposium stattfand -, und Konzerte und Expeditionen zu Instrumenten in Kirchen der Region lockerten das Programm nachmittags und abends auf. Die beiden Programmteile standen aber eher nebeneinander: die Instrumente waren entweder barocke, gut restaurierte oder aber ziemlich neue und gepflegte Orgeln. Eine Demonstration von gelungen aufgearbeiteten, gut reorganisierten oder einfach behutsam restaurierten Klangdenkmälern der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wäre spannender gewesen - zumal sich die Klangdemonstrationen auf relativ kurze Registervorstellungen beschränkten, nach denen jeder, der sich berufen fühlte, auf eine Taste zu drücken, die Klaviaturen nach Herzenslust betatschen durfte - ein Phänomen, das schon bei GdO-Tagungen immer wieder zu Unmut geführt hatte und inzwischen ziemlich rigoros unterbunden wird.
Die abendlichen Konzerte hingegen waren öffentlich, wobei ich zwei von den dreien verpaßte - das erste wegen der Verkehrslage bei der Anreise, das letzte wegen familiärer Verpflichtungen. Hauptthema der Berichte der Zuhörer des ersten Konzerts waren aber die Intonationsmißverständnisse zwischen Barockvioline und Barockorgel, die mein Bedauern in Grenzen hielten. Vom letzten Konzert habe ich einen Teil der Probe mitbekommen, die sowohl vom Instrument als auch Interpreten sehr vielversprechend klang.
Das zweite Konzert hingegen fand vollständig seinen Weg auf mein Trommelfell, und davon hat sich das bis heute nicht erholt. Die Orgel wurde von Karl Nelson 2004 erbaut und donnert auf 75mm WS den relativ kleinen Kirchenraum derart voll, daß die Kommentare der anwesenden Tagungsteilnehmer von "Da hätten wir auch im Gasthaus sitzen bleiben können und nur die Fenster aufmachen müssen" über "Das ist wohl das Fernwerk der Pfarrkirchenorgel" bis "Die ist nur so laut, daß man die klappernde Traktur nicht hört" reichten. Und die gewissen Härten der mitteltönig modifizierten Stimmung (1/4 syntonisches Komma) milderten den brutalen Eindruck auch nicht gerade.
Der örtliche Herr Mag. ist aber ein Verfechter der Mitteltönigkeit, wie er in seinem Referat über "Historische Stimmungen an neuen Orgeln im Innviertel" auch deutlich machte, wobei er sich zu Behauptungen verstieg, daß die reinen Terzen doppelt so laut klingen, oder daß Gemeinden viel kräftiger singen, wenn sie zu einer mitteltönigen Stimmung singen dürfen, und daß die Organisten halt die Begleitsätze entsprechend ex tempore nach oben oder unten transponieren müßten, damit sie auf der Orgel darstellbar seien.
Die von den Tagungsteilnehmern durch die Bank angesprochene (Über-)Lautstärke erklärte er u.a. damit, daß der Organist ja alles gekoppelt gespielt habe (bei BWV 768!), die Frage nach überhaupt einem leisen Register wurde dahingehend beantwortet, daß es eines gäbe, der Organist es aber nicht benutzt habe, daß die Kirche nicht voll gewesen sei (es wurden sogar Stühle im Mittelgang aufgestellt!) - und so weiter.
Als ihm dann noch eine ihm geneigte junge Kunsthistorikerin (ich liebe diese Spezies Mensch, insbesondere in weiblicher Form!) zu Hilfe eilte und mir erklärte, daß die Orgel ja nicht jedem Dorforganisten gefallen müsse (was mich natürlich sehr gekränkt hätte, wenn nicht auch ein gewisser P.P. zum selben Auditorium gehört hätte), und doch nicht umsonst Gustav Leonhardt schon öfter auf dieser Orgel konzertiert hätte, gab ich es irgendwann auf. Letztendlich ist es ja auch egal: die Orgel steht, so wie sie ist, und das Publikum hält es entweder aus - oder geht in die Stadtpfarrkirche.
Dort steht nämlich das Gegenstück zu diesem Instrument, das der Mag. wiederum liebend gerne loswerden würde. Es ist eine orgelbewegte, mechanische dreimanualige Pirchner-Orgel von 1973, deren Nachteile er nicht müde wurde zu betonen, wobei ihn das Forum im Beisein des sichtlich irritierten Pfarrherren unterstützen hätte sollen.
Zu seinem erkennbaren Leidwesen ließen sich diese aber nicht instrumentalisieren und fanden die Disposition zwar zeittypisch, aber ausreichend (31 Register), die Einzelstimmen charaktervoll (insbesondere für Trio-Registrierungen), das Plenum nicht laut, aber durchaus als solches erkennbar (der Füllungsgrad österreichischer Kleinstadtkirchen unterscheidet sich nicht merklich von deutschen) und in der Überakustik des großen Kirchenraums eher angenehm. Die sicher nicht leichtgängige, aber durchaus beherrschbare Traktur hätten manche, die härtere Hobel zuhause haben, sofort mitgenommen, und die nach 40 Jahren wortwörtlich durchgespielten Tastenbeläge (hier wurde wohl ein zu weiches Holz gewählt) aufzuarbeiten fand man eher eine Fleißarbeit für einen Orgelbauergesellen als ein KO-Kriterium.
Das (sicher so nicht erhoffte) Ende vom Lied: Die Orgelbaufirma sieht sich ihr Frühwerk mal genau an und erstellt einen Kostenvoranschlag für eine Überholung, für einen Neubau hat sich niemand ausgesprochen. Im Gegenteil, manche genervte Tagungsteilnehmer warfen ihm unverblümt vor, die Orgel schlechtreden zu wollen, weil sie ihm nicht mehr gefällt. Dieser Teil der Tagung war der spannendste - nicht nur deshalb, weil man da plötzlich die Teilnehmer von ganz anderen Seiten kennenlernen konnte und die Emotionen zu interessanten Fraktionsbildungen trieben.
Die Vorträge hingegen waren knapp gefaßt, gut moderiert und größtenteils informativ und mit Anspruch. So stellte u.a. W.Eberle drei Projekte von Rieger in der Spannbreite von "Komplett-Reorganisation mit Zusatzwerk" über "behutsame Restaurierung" bis "Abgelehnt" vor, Günter Lade berichtete über Tonaufnahmen von Orgeln, P.P. stellte Konzertprogramme aus der Zeit der "unmodernen Orgel" mit all ihren Widersprüchlichkeiten vor, und G.Allmer präsentierte reichlich Beispiele großer Orgeln mit kurzer Lebensdauer.
Das Hauptthema an sich bleibt weiterhin aktuell und könnte noch durch die Beschreibung von Translozierungen etc. ergänzt werden. Insofern hat das Symposium die Thematik gerade erst mal angerissen. Eine vertiefende Auseinandersetzung - eingebettet in die Thematik "Moden im Orgelbau" - könnte durchaus noch einmal ein ganzes Symposium füllen.
"Die unmoderne Orgel"
Hallo,
das sind die Beiträge, die ich in diesem Forum schätze: nicht nur Informations- sondern auch Unterhaltungswert.
Viele Grüße aus Nordhessen
Klaus
"Die unmoderne Orgel"
Trug der Verfechter der Nelson-Orgel (und der anderen beschriebenen Orgeln) die Initialen J. D.?
Noch zum Piefke-Outing:
Gut gesprochen!
Am liebsten habe ich Titel wie MMag oder MMMAg, auf Bachelor umgemünzt müsste das dann BBB.A. oder BBB.A heißen...
Die Ehefrauen sind ja nicht wirklich ohne Titel, die Frau eines Professors ist ja immer "Frau Professor", einige Dienstgrade drunter klappt's vielleicht auch noch....
"Die unmoderne Orgel"
Vielen Dank für den ausführlichen Bericht! Sehr unterhaltsam zu lesen :)
Welche Projekte hat Herre Eberle denn vorgestellt? Bei "Komplett-Reorganisation mit Zusatzwerk" vermute ich St. Michael in München? Was waren die anderen beiden Projekte?
"Die unmoderne Orgel"
Trug der Verfechter der Nelson-Orgel (und der anderen beschriebenen Orgeln) die Initialen J. D.?
Ja.
Am liebsten habe ich Titel wie MMag oder MMMAg, auf Bachelor umgemünzt müsste das dann BBB.A. oder BBB.A heißen...
Ist bereits durchaus üblich, als BA BA BA.
Gruß, Florian
"Die unmoderne Orgel"
Eine Demonstration von gelungen aufgearbeiteten, gut reorganisierten oder einfach behutsam restaurierten Klangdenkmälern der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wäre spannender gewesen...
Solche Instrumente gibt es in Österreich generell (noch) kaum.
Auch von mir ein herzliches Danke für den ausführlichen Bericht.
Gruß, Florian
"Die unmoderne Orgel"
...
Das zweite Konzert hingegen fand vollständig seinen Weg auf mein Trommelfell, und davon hat sich das bis heute nicht erholt. Die Orgel wurde von Karl Nelson 2004 erbaut und donnert auf 75mm WS den relativ kleinen Kirchenraum derart voll, daß die Kommentare der anwesenden Tagungsteilnehmer von "Da hätten wir auch im Gasthaus sitzen bleiben können und nur die Fenster aufmachen müssen" über "Das ist wohl das Fernwerk der Pfarrkirchenorgel" bis "Die ist nur so laut, daß man die klappernde Traktur nicht hört" reichten. Und die gewissen Härten der mitteltönig modifizierten Stimmung (1/4 syntonisches Komma) milderten den brutalen Eindruck auch nicht gerade.
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Letztendlich ist es ja auch egal: die Orgel steht, so wie sie ist, und das Publikum hält es entweder aus - oder geht in die Stadtpfarrkirche.Dort steht nämlich das Gegenstück zu diesem Instrument, das der Mag. wiederum liebend gerne loswerden würde. Es ist eine orgelbewegte, mechanische dreimanualige Pirchner-Orgel von 1973, deren Nachteile er nicht müde wurde zu betonen, wobei ihn das Forum im Beisein des sichtlich irritierten Pfarrherren unterstützen hätte sollen.
Auch von mir ein Dank für deinen spannenden Bericht, zumal er aus einer Region kommt, in der ich orgelmäßig noch nie unterwegs war...
Hilfst du mir mal bei der Verortung des letztgenannten Instruments: in welcher "Stadtpfarrkirche" ist das? Zumal die Nelson-Orgel ja auch schon in einer Pfarrkirche steht... und die - so vermute ich - scheint ja die einzige Kirche in Neukirchen zu sein...
Du siehst, ich kenne mich in dieser Region gar nicht aus...
Danke!
LG
Jörg
"Die unmoderne Orgel"
Hilfst du mir mal bei der Verortung des letztgenannten Instruments: in welcher "Stadtpfarrkirche" ist das? Zumal die Nelson-Orgel ja auch schon in einer Pfarrkirche steht... und die - so vermute ich - scheint ja die einzige Kirche in Neukirchen zu sein...
Jörg, du bist auf dem falschen Dampfer. Schau nach den Orgeln in Schärding.
Grüße von tiratutti
"Die unmoderne Orgel"
Welche Projekte hat Herre Eberle denn vorgestellt? Bei "Komplett-Reorganisation mit Zusatzwerk" vermute ich St. Michael in München? Was waren die anderen beiden Projekte?
Korrekt geraten, das zweite war Tulln, das dritte eine Nenninger-Orgel in einer Ordenskirche, deren Standort ich nicht mehr weiß. Hier hat man sich auf eine Ausreinigung geeinigt, die Rieger laut Hr. Eberle nicht unbedingt machen wollte, aber den Eigentümerinnen nicht abschlagen konnte.
"Die unmoderne Orgel"
Du siehst, ich kenne mich in dieser Region gar nicht aus...
Ich auch nur ein bißchen, weil meine Frau aus der diesseitigen Grenzregion stammt und schon früher mal berichtet hatte, daß ein Besuch der Vorabendmesse in Schärding (Tiratutti hat recht) in besagter Kirche sowohl bei Frau als auch Schwiegermutter leichten Drehschwindel hinterlassen hatte. Insofern war ich natürlich auf den eigenen Höreindruck gespannt. (Obwohl meine Frau auch keinen Titel hat, fand ich aber ihre Aussage bestätigt.)
Es gibt auch auf der deutschen Seite - so strikt war damals die Trennung nicht, und das Bistum Salzburg hatte seine Finger weit in der Region diesseits der jetzigen Grenze drin - interessante Barock-Orgeln, die alle dem süddeutschen Typus mit kurzer Oktave, angehängtes 18-Tasten-/12-Töne-Pedal, nahezu ausschließlich einmanualig, etc. verpflichtet sind und z.T. sehr schön restauriert wurden, nachdem man in den letzten Jahren ihren Wert wieder erkannt hat.
Diese Bauweise hat sich weit ins 19.Jahrhundert hinein erhalten (war halt preiswert) und deshalb besteht das Problem, daß Organisten auch mit diesen Restriktionen umgehen können müssen, nach wie vor - und dazu müssen die Dinger gar nicht mal mitteltönig sein. Es ist halt nicht so, daß automatisch in jeder wunderschönen riesengroßen Klosterkirche, die jetzt Pfarrkirche eines kleinen Dorfes ist, ein A-Musiker seinen Lebensunterhalt verdient.
"Die unmoderne Orgel"
Ich frage mich grundsätzlich, was diese Geheimniskrämerei soll, nach dem Motto "Ist das der Herr x.x.?" Man nenne Roß und Reiter, oder lasse es ganz. Meine Meinung!
--
Gruß
MAT
"Die unmoderne Orgel"
Ah, merzi, das erklärt es... Ich hatte nachdem ich "mitteltönig" auch hier gefunden hatte, meine Suche "vorzeitig beendet"...
"Die unmoderne Orgel"
Ist alles unter dem angegeben Link zu finden - also keine Geheimniskrämerei.
"Die unmoderne Orgel"
OK, nachdem ich in Schärding nicht fündig wurde, hab ich´s jetzt auch. Danke! ;-)
--
Gruß
MAT
"Die unmoderne Orgel"
Trug der Verfechter der Nelson-Orgel (und der anderen beschriebenen Orgeln) die Initialen J. D.?
Noch zum Piefke-Outing:
Gut gesprochen!
Am liebsten habe ich Titel wie MMag oder MMMAg, auf Bachelor umgemünzt müsste das dann BBB.A. oder BBB.A heißen...Die Ehefrauen sind ja nicht wirklich ohne Titel, die Frau eines Professors ist ja immer "Frau Professor", einige Dienstgrade drunter klappt's vielleicht auch noch....
....bei der letzten Tagung vor zwei Jahren hatte auch ich mich angemeldet (leider scheiterte die Teilnahme dann aus familiären Gründen) und als Titel "Diplom-Jurist" und "Assessor jur." angegeben, woraus dann "Diplom-Assessor" wurde. Es bringen also nicht nur die Piefkes die österreichischen Titel durcheinander, sondern es werden in Österreich auch die deutschen Titel nicht immer sicher beherrscht...
Vielen Dank aber auch von mir für den plastischen und mit angenehmer Ironie geschriebenen Bericht. Besonders amüsiert hat mich die auch hierzulande von führenden Autoritäten vertretene originelle These von der Stützung des Gemeindegesangs durch die mitteltönige Stimmung......ein Schelm, wer sich dabei im Stillen denkt, daß da eine pseudoobjektive Begründung für die Rechtfertigung persönlicher Vorlieben konstruiert wird.....;--).....
Gruß,
Wolfgang
"Die unmoderne Orgel"
das sind die Beiträge, die ich in diesem Forum schätze: nicht nur Informations- sondern auch Unterhaltungswert.
Exakt, das macht richtig Freude. Dank auch von mir, Clemens Schäfer
--
Piano heißt nicht schwach sondern leise, Forte nicht laut sondern kräftig (Artur Rubinstein)
"Die unmoderne Orgel"
"…was tun mit 50 Jahre alten Orgeln?" war der Titel eines Symposiums des österreichischen Orgelforums, der österreichischen "kleinen Schwester" der GdO im Stift Reichersberg, nahe der Grenze zu Deutschland.
...und ich dachte immer, das ist die....
![[image]](images/uploaded/20141007204906543451c2268ab.jpg)
...GdÖ.....;--)....
Gruß,
Wolfgang....
"Die unmoderne Orgel"
Vielen Dank aber auch von mir für den plastischen und mit angenehmer Ironie geschriebenen Bericht. Besonders amüsiert hat mich die auch hierzulande von führenden Autoritäten vertretene originelle These von der Stützung des Gemeindegesangs durch die mitteltönige Stimmung......ein Schelm, wer sich dabei im Stillen denkt, daß da eine pseudoobjektive Begründung für die Rechtfertigung persönlicher Vorlieben konstruiert wird.....;--).....
Gruß,
Wolfgang
Lieber Wolfgang, ich möchte der These schon Wahrheitsgehalt zusprechen. Du wirst wissen, wer sie formuliert hat, und J.D. war möglicherweise in derselben Veranstaltung, wo ich es gehört habe. Den Jüngeren hier im Forum sei es erzählt, denn richtig eingeordnet, stimmt die These, und es ist richtig, sich darauf zu berufen - oder auch nicht!
Verfochten wurde sie von Harald Vogel. Und seine Erfahrungen beziehen sich auf den reformierten Kirchengesang in Friesland (Ost/D und West/NL). Und für den Genfer Psalter, der nie moduliert und mit einer Alteration höher oder tiefer auskommt, lasse ich das gerne gelten!
Für die im Innviertel gebräuchlichen Gesänge mag dies aber anders sein - wahrscheinlich sogar. Denn dort wird vor allem GL (alt) 801 und 802 eine Rolle spielen (Haydn/Schubert), wie stehts auf dem österreichischen Lande, und manch Marienlied.
Flottere Organisten werden dann auch mal um NGL oder anderes gebeten werden, und da wird die Mitteltönigkeit stellenweise ungünstig werden, was ja nicht ausschließt, dass die meisten Akkorde sehr schön klingen.
Die oberösterreichische Orgellandschaft ist ungewöhnlich für Österreich. Eine gute finanzielle Situation in den 70er- bis 90er-Jahren, der Mangel an regional verfügbaren bedeutenden Orgelbauern (also jetzt wirklich gute!), großer Bedarf an Neubauten und das Vorhandensein mehrerer qualifizierter Organisten neuen Geistes (Schüler von Heiller oder Radulescu etc.) ermöglichlichten, dass sowohl die regionalen Werkstätten mit "normaler" Arbeit ausgelastet werden konnten und andererseits aus dem Ausland Instrumente geliefert wurden, die für Österreich beispielhaft waren und sind. Sicherlich kam es da zu einer stilistischen Einseitigkeit. Interessant ja auch, wie die Firma Kögler/Oberösterreichische Orgelbauanstalt in der Zusammenarbeit mit Bernhard Edskes sich auch stark im historisierenden Orgelbau entwickelte.
Vielleicht wird man aber auch in Linz noch erleben, dass die ruhende, nicht kleine pneumatische Orgel im Neuen Dom fachgerecht restauriert wird, um das Gewicht wieder etwas zurechtzurücken.
Damals blickten wir Österreicher aus den anderen Bundesländern immer mit großem Neid nach Oberösterreich bzw. in's Innviertel. Aber inzwischen ist einiges Wasser den Inn und die Donau hinunter geflossen.... (für Passau ja immer wieder eindeutig zu viel Wasser...)
"Die unmoderne Orgel"
Ich frage mich grundsätzlich, was diese Geheimniskrämerei soll, nach dem Motto "Ist das der Herr x.x.?" Man nenne Roß und Reiter, oder lasse es ganz. Meine Meinung!
Na, ich war mal gut mit ihm befreundet und wollte jetzt hier nicht so sehr austeilen!
"Die unmoderne Orgel"
Vogels Theorie ist mir bekannt. Allerdings habe ich nicht verstanden, weshalb sich die mitteltönige Stimmung förderlich auf die Stützung des Gemeindegesanges auswirken sollte. Liegt es an der besonderen Reinheit der Klänge? Wird das überhaupt von der singenden Gemeinde wahrgenommen? Ich hege meine Zweifel, wenngleich ich die Mitteltönigkeit sehr schätze...für die Werke aus dieser Zeit!
--
Gruß
MAT
"Die unmoderne Orgel"
Vogels Theorie ist mir bekannt. Allerdings habe ich nicht verstanden, weshalb sich die mitteltönige Stimmung förderlich auf die Stützung des Gemeindegesanges auswirken sollte. Liegt es an der besonderen Reinheit der Klänge? Wird das überhaupt von der singenden Gemeinde wahrgenommen?
Ich kann da nur für mich sprechen: Bei Stimmungen mit reinen Intervallen gibt es, auch beim Singen, dieses Erlebnis des Einrastens in den Akkordklang. Da dreht man stimmlich gerne mal ein bisschen auf, weil’s so schön ist.
Viele Grüße
Friedrich
"Die unmoderne Orgel"
Vielen Dank aber auch von mir für den plastischen und mit angenehmer Ironie geschriebenen Bericht. Besonders amüsiert hat mich die auch hierzulande von führenden Autoritäten vertretene originelle These von der Stützung des Gemeindegesangs durch die mitteltönige Stimmung......ein Schelm, wer sich dabei im Stillen denkt, daß da eine pseudoobjektive Begründung für die Rechtfertigung persönlicher Vorlieben konstruiert wird.....;--).....
Gruß,
Wolfgang
Lieber Wolfgang, ich möchte der These schon Wahrheitsgehalt zusprechen. Du wirst wissen, wer sie formuliert hat, und J.D. war möglicherweise in derselben Veranstaltung, wo ich es gehört habe. Den Jüngeren hier im Forum sei es erzählt, denn richtig eingeordnet, stimmt die These, und es ist richtig, sich darauf zu berufen - oder auch nicht!Verfochten wurde sie von Harald Vogel. Und seine Erfahrungen beziehen sich auf den reformierten Kirchengesang in Friesland (Ost/D und West/NL). Und für den Genfer Psalter, der nie moduliert und mit einer Alteration höher oder tiefer auskommt, lasse ich das gerne gelten!
Für die im Innviertel gebräuchlichen Gesänge mag dies aber anders sein - wahrscheinlich sogar. Denn dort wird vor allem GL (alt) 801 und 802 eine Rolle spielen (Haydn/Schubert), wie stehts auf dem österreichischen Lande, und manch Marienlied.
Flottere Organisten werden dann auch mal um NGL oder anderes gebeten werden, und da wird die Mitteltönigkeit stellenweise ungünstig werden, was ja nicht ausschließt, dass die meisten Akkorde sehr schön klingen.Die oberösterreichische Orgellandschaft ist ungewöhnlich für Österreich. Eine gute finanzielle Situation in den 70er- bis 90er-Jahren, der Mangel an regional verfügbaren bedeutenden Orgelbauern (also jetzt wirklich gute!), großer Bedarf an Neubauten und das Vorhandensein mehrerer qualifizierter Organisten neuen Geistes (Schüler von Heiller oder Radulescu etc.) ermöglichlichten, dass sowohl die regionalen Werkstätten mit "normaler" Arbeit ausgelastet werden konnten und andererseits aus dem Ausland Instrumente geliefert wurden, die für Österreich beispielhaft waren und sind. Sicherlich kam es da zu einer stilistischen Einseitigkeit. Interessant ja auch, wie die Firma Kögler/Oberösterreichische Orgelbauanstalt in der Zusammenarbeit mit Bernhard Edskes sich auch stark im historisierenden Orgelbau entwickelte.
Vielleicht wird man aber auch in Linz noch erleben, dass die ruhende, nicht kleine pneumatische Orgel im Neuen Dom fachgerecht restauriert wird, um das Gewicht wieder etwas zurechtzurücken.
....oh, hoffentlich! Habe ich doch in den letzten Wochen die Erfahrung gemacht, wie schön die Autobahnfahrt von Regensburg Richtung Linz (und dann weiter nach Wien) ist (und, nebenbei: die 130 km/h-Beschränkung auf österreichischen Autobahnen als sehr sinnvoll erlebt habe, da der Verkehr viel ruhiger und "homogener" abläuft....), und die Linzer Dome sind ohnehin auf der Liste.....
Zur Mitteltönigkeit: hat man mal die Gegenprobe in Ostfriesland mit einer gleichstufigen Begleitung des Genfer Psalters gemacht? Solange es die nicht gibt, fehlt jeder Nachweis für diese These. Ich glaube nämlich eher etwas ganz anderes: daß die "Gesangstradition" und auch das "Gruppenbewußtsein" einer Konfession wesentlich stärker wirkt als ungleichstufige Temperierungen des begleitenden Instruments, zumal diese für das Gros der Kirchenbesucher/Sänger ohnehin eher sehr akademischen Charakter haben werden.
Denn seltsamerweise habe ich Gottesdienste mit ungleichstufigen Orgeln erlebt, in denen der Gesang ziemlich mau war (trotz gut gefüllter Kirche....) - und solche mit gleichstufigen, in denen der Gesang die Kirchenfenster nach außen bog. Dabei ging der "fensterbiegende" Gesang immer mit einer selbstbewußt-kraftvollen Orgel"begleitung" einher, während der "maue" Gesang immer mit einer unnötig spröde-zurückhaltenden Begleitung kombiniert war. Und daher rührt meine skeptische Vermutung, daß bei dieser These eher der Wunsch Vater des Gedankens ist - maW: die persönliche ästhetische Vorliebe wird auf einer bei kritischer Betrachtung nicht tragfähigen Tatsachengrundlage zu einer generellen Aussage verallgemeinert (was mir bei dem besagten Vertreter dieser Theorie - seinen Namen habe ich bewußt nicht erwähnt - eine allgemeine Tendenz zu sein scheint), durchaus vergleichbar mit dem jahrzehntelang verwurzelten Dogma vom angeblich niedrigen Winddruck barocker Orgeln. Es ist ja nicht so, daß die Mechanismen, die zu solchen "Lehrmeinungen" führen, nicht mehr wirksam sind.
Vor einiger Zeit hatte ich die Ehre, an einer norddeutschen Domkirche (Hildesheim war's nicht...;-)....) den verhinderten Organisten zu vertreten. Auf dem Programm u.a.: "Maria, breit den Mantel aus". Es war ein normaler Sonntagabendgottesdienst, durchaus ordentlicher Besuch, wenn auch nicht "voll". Bei der dritten Strophe stach mich der Hafer, und ich griff zur Bombarde 32' (Mixturen und 16'-Hauptwerkszunge waren natürlich schon lange draußen...)........und siehe da: die Gemeinde zog mit, die Steigerung war deutlich vernehmbar. Meine Frage danach in der Sakristei, ob ich nicht zu laut gewesen sei, wurde prompt verneint: "...nein, überhaupt nicht, ganz prima, Sie haben doch gehört, wie die Gemeinde gesungen hat!". Es sind solche Erfahrungen, aufgrund derer ich die "Mitteltönigkeitsthese" heiter-distanziert sehe - und natürlich auch solche Clips wie dieser hier....;-)......
Gruß,
Wolfgang
"Die unmoderne Orgel"
Und ich hatte jetzt fest mit diesem Clip gerechnet. ;-)
"Die unmoderne Orgel"
"DER" Klassiker!
"Die unmoderne Orgel"
"DER" Klassiker!
....wie konnte ich sie vergessen - *die* führende Autorität der Begleitung.....
Aber es ist ja wirklich so: auch da wird aus voller Kehle gesungen, und die Orgel ist offensichtlich *nicht* mitteltönig.
Man stelle sich mal irgendein Trachten- oder Schützenfest in Oberbayern vor, mit Bayernhymne. Ob die Mitteltönigkeit da wohl was ausrichten würde? Oder Ungleichstufigkeit, in welcher ihrer vielen Varianten auch immer?
Ich denke mal eher, daß Quintenwölfe in einer solchen Umgebung ganz andere Reaktionen....
![[image]](images/uploaded/201410082217555435b8134bbcf.jpg)
....als kräftigen Gesang auslösen....;--)....
;--),
Wolfgang
"Die unmoderne Orgel"
"DER" Klassiker!
....wie konnte ich sie vergessen - *die* führende Autorität der Begleitung.....Aber es ist ja wirklich so: auch da wird aus voller Kehle gesungen, und die Orgel ist offensichtlich *nicht* mitteltönig.
Man stelle sich mal irgendein Trachten- oder Schützenfest in Oberbayern vor, mit Bayernhymne. Ob die Mitteltönigkeit da wohl was ausrichten würde? Oder Ungleichstufigkeit, in welcher ihrer vielen Varianten auch immer?
Ich denke mal eher, daß Quintenwölfe in einer solchen Umgebung ganz andere Reaktionen....
....als kräftigen Gesang auslösen....;--)....
;--),
Wolfgang
Nicht vergessen, eine Blaskapelle kann rein intonieren! Muss aber nicht... LOL
Lieber Wolfgang, Himmerod (so schön's ist) hättste wegen mir nicht posten müssen, bin ich doch in Sachen fettes L.O. GANZ auf Deiner Linie, wenngleich die letzten Jahre eher à l'anglaise... (nicht aber Langlais)!
"Die unmoderne Orgel"
"…was tun mit 50 Jahre alten Orgeln?" war der Titel eines Symposiums des österreichischen Orgelforums, der österreichischen "kleinen Schwester" der GdO im Stift Reichersberg, nahe der Grenze zu Deutschland.
...das war bereits 2014, also ganz schön lange her, und ich hatte mich in der Zwischenzeit manchmal gefragt, was aus der damals besuchten Schärdinger Pfarrkirchenorgel geworden war, die der Herr Magister unbedingt loswerden wollte (aber seit der auf der anderen Innseite ansässige Teil meiner [angeheirateten] Verwandtschaft inzwischen vollständig ausgestorben ist, komme ich da nicht mehr hin).
Es ist eine orgelbewegte, mechanische dreimanualige Pirchner-Orgel von 1973, deren Nachteile er nicht müde wurde zu betonen, wobei ihn das Forum im Beisein des sichtlich irritierten Pfarrherren unterstützen hätte sollen.
Zu seinem erkennbaren Leidwesen ließen sich diese aber nicht instrumentalisieren und fanden die Disposition zwar zeittypisch, aber ausreichend (31 Register), die Einzelstimmen charaktervoll (insbesondere für Trio-Registrierungen), das Plenum nicht laut, aber durchaus als solches erkennbar (der Füllungsgrad österreichischer Kleinstadtkirchen unterscheidet sich nicht merklich von deutschen) und in der Überakustik des großen Kirchenraums eher angenehm. Die sicher nicht leichtgängige, aber durchaus beherrschbare Traktur hätten manche, die härtere Hobel zuhause haben, sofort mitgenommen, und die nach 40 Jahren wortwörtlich durchgespielten Tastenbeläge (hier wurde wohl ein zu weiches Holz gewählt) aufzuarbeiten fand man eher eine Fleißarbeit für einen Orgelbauergesellen als ein KO-Kriterium.
Das (sicher so nicht erhoffte) Ende vom Lied: Die Orgelbaufirma sieht sich ihr Frühwerk mal genau an und erstellt einen Kostenvoranschlag für eine Überholung, für einen Neubau hat sich niemand ausgesprochen. Im Gegenteil, manche genervte Tagungsteilnehmer warfen ihm unverblümt vor, die Orgel schlechtreden zu wollen, weil sie ihm nicht mehr gefällt.
Das war damals das Resüme - und gestern habe ich ein interessantes Update von einem Mitforisten erhalten: gegen den weiterhin sehr heftigen Widerstand besagten Magisters wurde die Orgel nicht zu Brennholz verarbeitet, sondern (von einer anderen Firma) überholt, leicht umdisponiert und tut jetzt wieder ihren Dienst als Klangdenkmal des Neobarock. Sogar die Aufnahme in organindex hat sie geschafft, und der Eintrag ist auf aktuellem Stand - ebenfalls die gute Tat eines Mitforisten. Vielleicht sollte ich jetzt doch mal wieder in die Gegend fahren...
"Die unmoderne Orgel"
Das war damals das Resüme - und gestern habe ich ein interessantes Update von einem Mitforisten erhalten: gegen den weiterhin sehr heftigen Widerstand besagten Magisters wurde die Orgel nicht zu Brennholz verarbeitet, sondern (von einer anderen Firma) überholt, leicht umdisponiert und tut jetzt wieder ihren Dienst als Klangdenkmal des Neobarock. Sogar die Aufnahme in organindex hat sie geschafft, und der Eintrag ist auf aktuellem Stand - ebenfalls die gute Tat eines Mitforisten. Vielleicht sollte ich jetzt doch mal wieder in die Gegend fahren...
Wenn der Magister Widerstand leistete, wer hat dann die Spoenden aufgetrieben? Der Pfarrer?
"Die unmoderne Orgel"
.....
Zur Mitteltönigkeit: hat man mal die Gegenprobe in Ostfriesland mit einer gleichstufigen Begleitung des Genfer Psalters gemacht? Solange es die nicht gibt, fehlt jeder Nachweis für diese These. Ich glaube nämlich eher etwas ganz anderes: daß die "Gesangstradition" und auch das "Gruppenbewußtsein" einer Konfession wesentlich stärker wirkt als ungleichstufige Temperierungen des begleitenden Instruments, zumal diese für das Gros der Kirchenbesucher/Sänger ohnehin eher sehr akademischen Charakter haben werden.
In der niederländisch-reformierten Kirchengemeinde meines Großvaters war der Gesang schon deshalb kräftiger als in den Nachbarkirchen anderer Denominationen, weil stehend gesungen wurde.
Dass dies sängerisch nicht nur lautstärkemäßig viel mehr hermacht, wissen nicht nur die Anglikaner, sondern jeder Chorsänger.
"Die unmoderne Orgel"
In der niederländisch-reformierten Kirchengemeinde meines Großvaters war der Gesang schon deshalb kräftiger als in den Nachbarkirchen anderer Denominationen, weil stehend gesungen wurde.
Dass dies sängerisch nicht nur lautstärkemäßig viel mehr hermacht, wissen nicht nur die Anglikaner, sondern jeder Chorsänger.
Das stimmt. Im Hamburger Michel hat sich Manuel Gera sehr für stehendes Singen eingesetzt, damals zunächst wohl mit gutem Erfolg. Neulich fragte ich den Pastor, wie es damit stünde (oh, Wortwitz), und er sagte, dass nur mehr einzelne Lieder im Stehen gesungen werden, nicht mehr grundsätzlich.
Das gibt ja auch gewisse Kollisionen mit den - evangelisch - uneinheitlichen Praktiken, wann überhaupt im Gottesdienst gestanden wird. Zu Gebeten, zu Lesungen? Am Ende käme raus, dass man gar nicht mehr sitzt. Das wäre dann ja ostkirchlich....
Im anglikanischen Evensong muss sich die Gemeinde zu den Doxologien, an denen sie nicht weiter ausführend beteiligt ist, erheben.
Mehr Singen im Stehen wäre auf jeden Fall zu begrüßen.
"Die unmoderne Orgel"
Mehr Singen im Stehen wäre auf jeden Fall zu begrüßen.
Dann sollte aber auch der Organist im Stehen spülen. :)
"Die unmoderne Orgel"
Mehr Singen im Stehen wäre auf jeden Fall zu begrüßen.
Dann sollte aber auch der Organist im Stehen spülen. :)
Mache ich jeden Sonntag - Truhenorgel.
"Die unmoderne Orgel"
Ich hab ja neuerdings auch so eine unmoderne Orgel, die wird allerdings nicht gespült.
--
Gruß
MAT
"Die unmoderne Orgel"
Die ist doch gerade erst frisch gespült worden.
"Die unmoderne Orgel"
Die niederländisch-reformierte Gemeinde "allhier" (also in Elberfeld) singt auch heute noch zumindest das Schlusslied im Stehen. Ich versuche immer mal wieder, andernorts dazu zu ermuntern, aber das klappt nicht immer.
Bringt aber halt auch nix, wenn man dann für den Schluss nach jedem zweiten Gottesdienst Lieder wie "Bewahre uns Gott, behüte uns Gott" aussucht. Das kann man auch im Sitzen singen.
"Die unmoderne Orgel"
Die niederländisch-reformierte Gemeinde "allhier" (also in Elberfeld) singt auch heute noch zumindest das Schlusslied im Stehen. ...
Von 1967 bis 1989 waren die "Niederländer" zu Gast in der Alten Ref. Kirche Elberfeld, wo schon wegen der damals halligen Akustik ein stehender Gesang besser klang.
Den erneuten Rückzug in die gemeindeeigene Friedhofskapelle an der Katernberger Strasse empfand ich als junger Kurrendaner besonders wegen des Wechsels von der neuen Alexander-Schuke-Orgel zu einem wimmernden Harmonium als fürchterlichen musikalischen Rückschritt, den auch die später erworbene Kleinorgel niemals ausgleichen konnte.
"Die unmoderne Orgel"
Mir ist die "nomadische" Geschichte der Gemeinde durchaus bekannt.
Das Hardt-Positiv im heutigen Kirchsaal ist wirklich nicht mal ansatzweise der Gemeinde angemessen. Da gäbe es bei Ladach Gebrauchtes aus derselben Zeit, das musikalisch schon einen Quantensprung bedeuten würde.
Der Kirchsaal ist vor kurzer Zeit renoviert worden und hat ästhetisch dadurch viel gewonnen. Die Orgel wirkt jetzt, zumindest auf mich, noch unpassender. Aber die Gemeinde hat durchaus andere Sorgen, die Pfarrstelle ist seit über zwei Jahren vakant, Corona hat Spuren hinterlassen und der Nimbus der Gemeinde zieht zwar immernoch treue Sympathisanten an (so wie mich ja auch, ich predige dort ab und zu), aber die Mitgliederzahl sinkt kontinuierlich.
"Die unmoderne Orgel"
Das Hardt-Positiv im heutigen Kirchsaal ...
spielte ich zuletzt bei der Beerdigung meiner Großmutter 1992.
Damals finanzierte sich m.W. die Gemeinde auch über großzügige Spenden von Mitgliedern im In- und Ausland, weitgehend unabhängig von der Präsenzgemeinde.
Ob die durch die Herkunft eines früheren Pastors beförderte Anbindung an die Evang. Altreformierte Kirche der Weisheit letzter Schluss war, darf etwas bezweifelt werden, wenn man allein die unterschiedlichen Mentalitäten zwischen Bergischen und Niedersachsen bedenkt.
Aber da brechen meine eigenen Erfahrungen zeitlich ab, ich gehöre zur Generation der Schüler von Pastor Hellmut Klingbeil, der viele Jahre mein Religionslehrer am benachbarten Staatl. Gymnasium Bayreutherstrasse war.
Vielleicht wäre eine Anbindung als selbständige Gemeinde innerhalb der Evang. Kirche im Rheinland den örtlichen Gegebenheiten und nicht zuletzt bei der Stellenbesetzung förderlicher gewesen.
Hoffentlich darf auf dem denkmalgeschützten Friedhof mit seiner mich schon als Kind beeindruckenden Schlichtheit durch Gleichheit der Gräber noch bestattet werden, falls ich meine sterblichen Überreste in der Nähe meiner Vorfahren wissen möchte.