Rückpositiv als III. Manual
Beim Lesen dieser sehr interessanten Veröffentlichung zu Robert M. Helmschrott stieß ich auf eine bemerkenswerte Disposition, bei der das Rückpositiv dem III. Manual zugeordnet ist (ein ähnliches Beispiel - eine Klais-Orgel von 1938 in St. Peter, Duisburg-Marxloh - hatten wir im Vorgängerforum).
Es handelt sich um die 1966 eingeweihte Guido-Nenninger-Orgel der Pfarrkirche St. Johann in Erding, nach Entwürfen von Robert M. Helmschrott, Guido Nenninger, München, Monsignore Prof. Wismeyer, München, Dr. Josef Haushofer, Eggenfelden, Dr. Erich Mendl, Mühldorf, Chordirektor Wolfram Menschick, Regensburg und Karl Erhard, Diessen/Augsburg. Helmschrott war von 1961-1967 Kirchenmusiker an St. Johann in Erding.
Die Nenninger-Orgel ersetzte eine zweimanualige pneumatische Maerz-Orgel mit 35 Registern, die 1924/25 vom Münchner Orgelbauer Schuster umgebaut worden war. 1991 wurde die Nenninger-Orgel durch ein neues Instrument von Rieger/Schwarzach ersetzt, wobei die Chororgel von 1966 übernommen und wie schon zuvor von der Hauptorgel aus elektrisch spielbar gemacht wurde. Hier ist die Disposition der Guido-Nenninger-Orgel von 1966:
I. Hauptwerk (C-g'''):
Quintade 16'
Prinzipal 8'
Rohrflöte 8'
Oktav 4'
Gemshorn 4'
Oktav 2'
Mixtur major 6-fach (2')
Mixtur minor 3-fach (2/3')
Trompete 8'
II. Schwellwerk (C-g'''):
Holzflöte 8'
Spitzgedackt 8'
Weidenpfeife 8'
Prinzipal 4'
Blockflöte 4'
Nazard 2 2/3'
Waldflöte 2'
Terz 1 3/5'
Scharff 4-fach (1')
Dulcian 16'
Trompetenregal 8'
Rohrschalmey 8'
III. Rückpositiv (C-g'''):
Gedackt 8'
Prästant 4'
Rohrflöte 4'
Prinzipal 2'
Spitzquinte 1 1/3'
Oktävlein 1'
Cimbel 3-4-fach (2/3')
Krummhorn 8'
Pedal (C-f'):
Prinzipalbass 16'
Subbass 16'
Oktavbass 8'
Rohrpommer 8'
Choralbass 4'
Bauernpfeife 2'
Cornet 2-fach (5 1/3' + 3 1/5')
Mixtur 5-fach (2 2/3')
Posaune 16'
Bombarde 8'
Clarine 4'
I. Chororgel (C-g'''):
Holzgedackt 8'
Prinzipal 4'
Kleingedackt 4'
Schwiegel 2'
Mixtur 3-fach (1 1/3')
Gruß,
Martin
Rückpositiv als III. Manual
Ich weiß jetzt nicht genau, ob es mit einer (unausgesprochenen ;-)) Frage verbunden war, aber ich antworte einfach mal ... Es gibt einige weitere Orgeln, bei denen das RPos vom III. Manual angespielt wird oder wurde. Hier einige Beispiele:
Balingen Stadtkirche, Hauptorgel, und zwar sowohl bei dem 1973 erfolgten Neubau durch Weigle (zwei Rückpositive, "Nord" und "Süd" auf dem III. Manual) sowie auch bei der vorhergehenden Link-Orgel von 1914, bei der 1948 zwei RPos auf dem III. Manual ergänzt wurden (ganz nach unten scrollen!)
Krefeld, Alte Kirche, Peter-Orgel von 1955, nach der Wiedergabe in Musik und Kirche 1/1956, S. 48 ist die Manualverteilung hier: HW (I), SW (II), RPos (III), Druckfehler oder nachträgliche Änderung will ich hier nicht ausschließen
Peine, Martin-Luther-Kirche, Hammer, 1955, hier gibt es 2 Rückpositive und nach Musik und Kirche 4/1956, S. 207 wird das erste von (I) und das zweite von (III) angespielt.
Vallendar/Rhein, Theol. Hochschule Schönstatt Pallotiner, Kemper-Orgel von 1955, hier nach Musik und Kirche 5/1956, S. 256 HW (I), SW (II), RPos (III)
Kassel, alte Brüderkirche, Bosch-Orgel von 1957, diese Orgel ist nicht mehr existent.
Leonberg, ev. Stadtkirche, Walcker, 1964, Manualverteilung nach Musik und Kirche 3/1966, S. 151: HW (I), SW (II), RPos (III)
St. Georgen im Schwarzwald, Lorenzkirche, Weigle, 1968
Erfurt, Predigerkirche, Alexander Schuke, 1977 - hier nur als Positiv bezeichnet, müsste dieses das Rückpositiv sein.
Bonn-Bad Godesberg, St. Marien, Klais, 1941, Manualverteilung nach Jurgilewitsch/Pütz-Liebenow, Die Geschichte der Orgeln in Bonn […], S. 140: HW (I), SW (II), RPos (III)
Bonn-Bad Godesberg, Herz Jesu, Walcker, 1964, auch hier nach Jurgilewitsch/Pütz-Liebenow, Die Geschichte der Orgeln in Bonn […], S. 151: HW (I), SW (II), RPos (III)
Hamburg-Wellingsbüttel, Lutherkirche, Walcker, 1962, hier wieder zwei Rückpositive, Ars Organi 3/2004, S. 166 sagt: Rückpositiv II auf Manual I und Rückpositiv I auf Manual III (!)
Kisslegg, St. Gallus, Karl, 1965
Was Ungewöhnliches:
Horb, Pfarrkirche Heilig Kreuz, Walcker, 1852, nach Umbauten 1913 und 1958, Werkverteilung nach Völkl, Orgeln in Württemberg, S. 82 offensichtlich: HW und SW (I), BW (II), RPos (III).
St. Augustin-Menden, St. Augustinus, Klais, ca. 1937, eine ungewöhnliche Dispo, vielleicht mit einem Druckfehler: Garkein 8' im RPos, das nach Jurgilewitsch/Pütz-Liebenow, Die Geschichte der Orgeln in Bonn […], S. 249 auf dem III. Manual liegt (HW=I und SW= II)
Trier-Euren, St. Helena, Späth, 1966, Anordnung nach Organ 3/2012, S. 13: HW (I), SW (II), RPos (III)
Hamburg-Ottensen, St. Marienkirche, Führer, 1964, ursprünglich mit II/18 erbaut, wanderte das RPos mit der Erweiterung um das SW (auf II) auf das III. Manual (Ars Organi 4/2011, S. A 14)
Was (eigentlich) Großes:
Wein-Alt-Ottakring, kath. Pfarrkirche, Zika 1937 - Diese Orgel wurde allerdings nicht vollendet. Wolfgang hatte sie im Rahmen der VOD-Tagung 2013 im Bild vorgestellt, der Bericht ist noch im Archiv einsehbar.
Was recht Neues:
Altaussee, Pfarrkirche, Eisenbarth, 2002, handelt sich um eine Anzeige in Ars Organi 4/2002, S. A19, hier HW (I), SW (II), RPos (III)
Zählt das auch?:
Hannover, Nicolaikirche, Rensch, 1977, dreimanualige Anlage: I = Koppelmanual, II= HW, III = RPos (nach Musik und Kirche 6/1979, S. 322)
Vergleichbares gibt es auch in
Halle (Westfalen), Herz-Jesu-Kirche, Jäger & Brommer, 2006, auch hier die Anordnung I = Koppelmanual, II= HW, III = RPos (nach Ars Organi 1/2007, S. 40)
Reicht für heute...
LG
Jörg
Rückpositiv als III. Manual
Ich weiß jetzt nicht genau, ob es mit einer (unausgesprochenen ;-)) Frage verbunden war, aber ich antworte einfach mal ... Es gibt einige weitere Orgeln, bei denen das RPos vom III. Manual angespielt wird oder wurde.
Ich nehme an, diese Anordnung wird besonders bei freistehenden mechanischen Spieltischen mit Blick zum Altar bevorzugt.
Etwas ungünstiger wird es, wenn das Hauptwerk vom III. Manual angespielt wird, wie etwa in der Basilika Seckau.
Gruß, Florian
Rückpositiv als III. Manual
(...) (ein ähnliches Beispiel - eine Klais-Orgel von 1938 in St. Peter, Duisburg-Marxloh - hatten wir im Vorgängerforum).
Diese Orgel ist offensichtlich unter Denkmalschutz gestellt worden (bene!), siehe dazu die Pfarr-HP, wo die detaillierte Beschreibung des Spieltischs die damals im alten Forum von Karsten aufgeworfene Frage zur Koppelanlage beantwortet.
Leider gibt es dazu wohl keine Bestandsgarantie zum langfristigen Erhalt des Kirchengebäudes an sich... in Dorstfeld ist man ja dagegen schon etwas weiter :-))
Erfurt - Rückpositiv als III. Manual
Erfurt, Predigerkirche, Alexander Schuke, 1977 - hier nur als Positiv bezeichnet, müsste dieses das Rückpositiv sein.
Naja, in Erfurt ist's eher ein "Hoch"positiv - der Spieltisch steht ja unter dem historischen Gehäuse. Zwischen Schwellwerk und ehemaligen Rückpositiv hätte kein Spieltisch mehr hingepasst :)
![[image]](images/uploaded/20140909155104540f21e8df4c3.jpg)
Interessanterweise steht im Spieltisch auch "Rückpositiv" am Schild:
![[image]](images/uploaded/20140909160029540f241d85827.jpg)
Blick in die erste Etage (Prospekt links): Im Vordergrund vorderes und hinteres Großpedal (Cs-Seite) mit Leiter zum Stimmen von Groß- und darüberliegenden Kleinpedal, dahinter links "Rück"positiv (man sieht den Griff der Füllung) und rechts SW (mit Stufe zum Einstieg), dahinter wieder Großpedal C-Seite.
![[image]](images/uploaded/20140909155833540f23a90a1de.jpg)
Sehr schöner Prospekt - dahinter geht es in 70er-Jahre-Art mit Tischlerplattengehäuse weiter. Noch ein paar Bilder vom Prospekt:
![[image]](images/uploaded/20140909160855540f26179a407.jpg)
![[image]](images/uploaded/20140909160951540f264fee53e.jpg)
![[image]](images/uploaded/20140909161041540f268156cd0.jpg)
Rückpositiv als III. Manual
So 'n Käse... Hoffentlich gibt's wenigstens 'ne Koppel III/I !
Rückpositiv als III. Manual
In Ochsenhausen ist das "Brustpositiv" (gemeint ist Brüstungspositiv) von III spielbar, in Weingarten sogar von IV.
Erfurt - Rückpositiv als III. Manual
Interessanterweise steht im Spieltisch auch "Rückpositiv" am Schild:
Oh, eine leise Pedalzunge (Dulcian 8'). Sehr delikat und nicht alltäglich!
Rückpositiv als III. Manual
in Weingarten sogar von IV.
Was von der technischen Anlage (Trakturführung) her Sinn macht.
Es gibt in den Spieltraktur genug verzwickte Stellen.
Der Spieltisch steht mit Blick zum Kirchenschiff.
Ok
Rückpositiv als III. Manual
In Aachen und im Aachener Raum gibt es diese Anordnung mehrfach an "katholischen" Orgeln: Hauptwerk auf I, Schwellwerk auf II, Rückpositiv (oder ähnliches) auf III - das ganze auch bei elektrischen Traktoren. Mir erscheint da wohl ein Gestaltungswille bei zu sein - vermutlich wurde das Schwellwerk als "großes Positiv" aufgefasst und das RP eher in die Kategorie "kleines Positiv" (ähnlich wie ein Brustwerk) einsortiert. Zum Spielen ist das aber mitunter etwas ungewohnt - vor allem, wenn man Trio auf Hauptwerk und Rückpositiv spielen und nicht unbedingt koppeln will bzw. das Schwellwerk fürs Pedal gebraucht wird.
Grüße,
Abstrakte
Erfurt - Rückpositiv als III. Manual
(...tolle bilder!)