Stefano Vasselli in St. Lambertus, D-Altstadt
Hallo Forum,
mit Stefano Vasselli (*1969 in Rom; Organist an St. Paul in den Mauern, Rom)) lernten wir am gestrigen 01.09.2013 in St. Lambertus, Düsseldorf-Altstadt, einen ernsthaften, versierten Spieler kennen, der mit anspruchsvollem Programm und bestem technischem Rüstzeug antrat, um die Hörer über 60 Minuten in seinen Bann zu ziehen.
Den Bach, es gab BWV 544, h-moll, registrierte er so, daß er unterwegs kaum nachjustieren mußte. So ergab sich ein gleichmäißges Klangbild. Ruhige Tempi trugen zur Durchhörbarkeit zusätzlich bei. Dennoch wirkte die Musik nie träge oder gar schleppend. Eine Bach-Interpretation aus einem Guß - sehr beachtlich!
Nach dieser positiven Vorstellung durfte man mit hohen Erwartungen dem ersten Choral (E-Dur) von Franck entgegensehen. Auch hier eher verhaltenes Tempo. Aber jede Phrase war wohlüberlegt, passend, ja begeisternd registriert. So ergab sich ein überaus stimmiges Gesamtbild. Eine große Erzählung!
Wer jetzt mit Samuel Barber leichtere Kost erwartet hatte, wurde überrascht. Die Variations on a Shape-note Hymn “Wondress Love” op. 34 spielten in der gleichen Liga. Sorgfältig ausgearbeitete Variationen über ein Volks- oder Kinderlied von erheblichem Gehalt. Unbedingt hörens- und spielenswert.
Klangschön und ruhig strömend danach “Chant du soir” op. 92 Nr. 1 von Bossi.
Nun folgte die Orgelsonate (1965) von Nino Rota (1911-1971). Die war durchaus kurzweilig. Das Allegro guisto machte seiner Bezeichnung Ehre, das Adagio schien wie in Watte gepackt, das Allegretto calmo con grazia hatte Anmut und nur das bschließende Allegro erinnerte mit seinen großen Gesten an Filmmusik. Alle Sätze waren freilich recht kurz, da hätte Rota noch mehr draus machen können. Dennoch: Ein Gewinn, das Stück gehört zu haben.
Am Ende spielte Vasselli die Konzertetüde über das gregorianische “Salve Regina” von Raffaele Manari (1887-1933). Ein, vor allem im Pedal, hochvirtuoses Stück, das aber dank des Sujets nicht in oberflächliches Geklingel abgleitet. Vasselli legte sich mit Verve ins Zeug. Der Beifall war groß und hielt an. Vasselli spielte als Zugabe offenbar eine eigene Komposition (die Ansage konnte ich leider nicht verstehen). Es waren Praeludium und Fuge über... (Volks- oder Kirchenlied). Pfiffig waren hier die modernen Einsprengsel, die den eher konventionellen Musikfluß immer wieder aktualisierten.
Um 110 Hörer. Ein sehr guter Konzertabend.
Gruß Clemens Schäfer
P.S. Montag, 06.10.2013, 19:30h, St. Lambertus, Düsseldorf-Altstadt: Prof. Daniel Zaretzky, St. Petersburg, mit Werken von Widor, Vierne, Dubois, Muschel und Gigout.
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Piano heißt nicht schwach sondern leise, Forte nicht laut sondern kräftig (Artur Rubinstein)