Hans Uwe Hielscher im Münchner Dom - Bootleg
Wie zu erwarten, ist ein Bootleg vom vergangenen Mittwoch mittlerweile online.
Bin gespannt, ob dies auch bei den nächsten Domkonzerten mit Franz Raml, Hansjörg Albrecht und Hans Leitner der Fall sein wird.
Noch einmal zum Nachlesen Wolfgangs Beitrag.
Gruß,
Martin
Hans Uwe Hielscher im Münchner Dom - Bootleg
Wie zu erwarten, ist ein Bootleg vom vergangenen Mittwoch mittlerweile online.
Bin gespannt, ob dies auch bei den nächsten Domkonzerten mit Franz Raml, Hansjörg Albrecht und Hans Leitner der Fall sein wird.
Noch einmal zum Nachlesen Wolfgangs Beitrag.
Gruß,
Martin
....wie mir der Betreffende inzwischen mitgeteilt hat, hat er Hans Uwe Hielscher (den er schon länger kennt) gefragt; insofern gibt es hier kein Problem.
Gruß,
Wolfgang
PS und Edit: hier noch ein Bootleg eines bekannten Organisten in einer ebenso bekannten Kirche - und da hört man die ganze Palette von lyrisch-verträumt bis enorm kraftvoll. Nur kommt das Smartphone bei den lauten Passagen schmerzhaft an seine Grenzen. Und leider reichte die Aufnahmekapazität nicht bis zum Schluß....
Als ich ihm den Clip nach einem Gespräch nach seinem letzten Konzert in Altenwerder (Ende September 2013) mailte, bedankte er sich und antwortete: "was da alles so im Netz herumschwirrt....".
Hans Uwe Hielscher im Münchner Dom - Bootleg
....wie mir der Betreffende inzwischen mitgeteilt hat, hat er Hans Uwe Hielscher (den er schon länger kennt) gefragt; insofern gibt es hier kein Problem.
Gruß,
Wolfgang
Das wusste ich ebenfalls. Es handelt sich hier allerdings bereits um den dritten Video-Mitschnitt eines Konzertes aus dem Münchner Dom* und dessen Veröffentlichung innerhalb der letzten 1 1/2 Monate, ohne dass hierüber der Konzertveranstalter (der inzwischen sehr verärgert ist) in Kenntnis gesetzt wurde.
Gruß,
Martin
* Von den Video-Mitschnitten aus der Jesuitenkirche St. Michael einmal abgesehen.
Hans Uwe Hielscher im Münchner Dom - Bootleg
Trägt das nicht zur Werbung und zur Verbreitung der Orgelmusik bei? Sollten wir nicht irgendwo die Kirche im Dorf lassen? Ich käme zwar selbst nie auf die Idee, DIE Konzertmitschnitte, die ich selber als Veranstalter von unseren Konzerten mit Einverständnis der Interpreten mache, UNGEFRAGT zu veröffentlichen oder auch nur weiterzugeben.
Allerdings sind solche Handymitschnitte heutzutage fast gar nicht mehr zu umgehen oder verhinderbar.
Solange den Interpreten kein wirtschaftlicher Schaden zugefügt wird, sehe ich das mittlerweile als eine Art Publicity ...
Entspannte Grüsse
Thomas
Hans Uwe Hielscher im Münchner Dom - Bootleg
Trägt das nicht zur Werbung und zur Verbreitung der Orgelmusik bei? Sollten wir nicht irgendwo die Kirche im Dorf lassen? Ich käme zwar selbst nie auf die Idee, DIE Konzertmitschnitte, die ich selber als Veranstalter von unseren Konzerten mit Einverständnis der Interpreten mache, UNGEFRAGT zu veröffentlichen oder auch nur weiterzugeben.
Allerdings sind solche Handymitschnitte heutzutage fast gar nicht mehr zu umgehen oder verhinderbar.
Solange den Interpreten kein wirtschaftlicher Schaden zugefügt wird, sehe ich das mittlerweile als eine Art Publicity ...Entspannte Grüsse
Thomas
Aufgrund der Tonqualität und Positionierung wird ein Smartphone-Mitschnitt aus dem Publikumsbereich heraus keine gute Werbung sein, insbesondere nicht in einer Akustik wie im Münchner Dom. Als Veranstalter vor Ort hast Du bezüglich Aufnahme-Equipment und Mikrofonpositionierung ganz andere Optionen.
Wenn aber gilt, dass das Filmen oder zumindest die Verbreitung von Live-Mitschnitten in der Regel vom Veranstalter verboten ist, sollte man - nicht nur aus Höflichkeit gegenüber den anderen Konzertbesuchern, die vielleicht gar nicht mitgefilmt werden möchten - sein Smartphone stumm- oder ausgeschaltet in der Tasche lassen. Urheberrechtlich geschützte Musik, Persönlichkeitsrecht und Hausrecht des Veranstalters eröffnen in diesem Zusammenhang noch ganz andere Fragen.
Grüße,
Martin
Hans Uwe Hielscher im Münchner Dom - Bootleg
Das stimmt natürlich alles. Und dennoch sehe ich darin kein Riesenproblem. Denn die Aufnahmen sind in der Tonqualität logischerweise unbefriedigend, können also keine wirkliche Konkurrenz zu Profiaufnahmen sein.
Und das kann man dann ja auch positiv sehen. Nämlich als Werbung für "mehr" und vor allem "besser". Insofern wäre es vielleicht hilfreicher, das sowieso Unvermeidbare positiv aufzugreifen und zu nützen.
Hans Uwe Hielscher im Münchner Dom - Bootleg
Yapp: Think positive - anstatt euch zu ärgern - und macht das Beste daraus:
z.B. nicht alles, was aus Notre-Dame/Paris oder Eustache oder Sulpice so über Youtube herüberflunkert, ist von den "Jungs" dort bestimmt autorisiert:
trotzdem (meist) interessant.
Positive Grüsse
Thomas
Hans Uwe Hielscher im Münchner Dom - Bootleg
Yapp: Think positive - anstatt euch zu ärgern - und macht das Beste daraus:
z.B. nicht alles, was aus Notre-Dame/Paris oder Eustache oder Sulpice so über Youtube herüberflunkert, ist von den "Jungs" dort bestimmt autorisiert:
trotzdem (meist) interessant.Positive Grüsse
Thomas
....ich kann mich noch an eine Parisfahrt 1982 erinnern, von der Schule aus. Sonntags ging es auch in die "Audition" in Notre-Dame, ein Organist aus Leningrad, u.a. mit Viernes "Carillon de Westminster". Es war rappelvoll (April, Frühling, wohl schon nach Ostern); ich fand mit anderen nur auf den Altarstufen Platz, alle Plätze im Mittelschiff waren belegt, außen herum der Touristenstrom. Zu meinem Erstaunen hatten viele Besucher Kassettenrekorder mitgebracht - und nahmen auf.
Gruß,
Wolfgang
Hans Uwe Hielscher im Münchner Dom - Bootleg
Das stimmt natürlich alles. Und dennoch sehe ich darin kein Riesenproblem. Denn die Aufnahmen sind in der Tonqualität logischerweise unbefriedigend, können also keine wirkliche Konkurrenz zu Profiaufnahmen sein.
Und das kann man dann ja auch positiv sehen. Nämlich als Werbung für "mehr" und vor allem "besser". Insofern wäre es vielleicht hilfreicher, das sowieso Unvermeidbare positiv aufzugreifen und zu nützen.
Verhinderbar sind Handymitschnitte durchaus, spätestens wenn sie online (und damit öffentlich einsehbar) sind, und man den Uploader unter Verweis auf die Rechtslage darum bittet, die Beiträge umgehend vom Netz zu nehmen. Sie als Werbung für die Orgel oder zumindest "bessere" Aufnahmen zu interpretieren, macht sie nicht weniger rechtlich anfechtbar. Ebensowenig wie die Tatsache, dass es ja schon seit Jahrzehnten Live-Mitschnitte von Konzerten auf Revox-Bändern, mit Kassetten-, DAT- oder MiniDisc-Recordern und jetzt digitalen Recordern und Smartphones gibt. Oder geht man in Kinos, um die neuesten Blockbuster ganz oder teilweise mitzufilmen, um dafür PR zu machen? Oder der Klassikfan, der sich eine Trophäensammlung seiner privaten Videomitschnitte aus dem Opernhaus und der Philharmonie angelegt hat? Die Konsequenzen aus solchen Fällen sollten allgemein bekannt sein. Bei klassischen Konzerten mit Orgel ist die Rechtslage nicht anders. Ohne vorherige Rücksprache mit dem oder den Ausführenden UND dem Veranstalter sollte man sich davor hüten, irgendwelche Live-Mitschnitte öffentlich zugänglich zu machen, womöglich noch mit urheberrechtlich geschützter Musik.
Warum sollte ausgerechnet die Orgel eine Sonderbehandlung bei der Werbung in der heutigen Musikszene benötigen? Es gibt sinnvollere (und vor allem legale) Strategien, die man durchaus den Konzertveranstaltern überlassen kann und sollte.
Gruß,
Martin
Hans Uwe Hielscher im Münchner Dom - Bootleg
Meine Güte. Wenn man Sachen finden möchte, an denen man sich stundenlang auf- und hochzieht, kann man immer welche finden.
Es ist für mich teilweise kein Wunder mehr, dass der Orgel und den Organisten der Nimbus des Kleinlichen, Langweiligen und - sorry - Kleinkarierten - anhaftet!
Dass dann so Leute wie Cameron Carpenter - dessen Fan ich keinesfalls bin... - aus dem Rahmen fallen und teilweise das staubtrockene - zum grossen Teil selbstverschuldete - ("...elfenbeinturmene...") und überakademische Image der Orgel und der Organisten ankratzen, aufpolieren oder in Frage stellen, wundert mich dann nicht mehr.
Man kann sich auch anstellen.
Genervter Gruss
Thomas
Hans Uwe Hielscher im Münchner Dom - Bootleg
Meine Güte. Wenn man Sachen finden möchte, an denen man sich stundenlang auf- und hochzieht, kann man immer welche finden.
Es ist für mich teilweise kein Wunder mehr, dass der Orgel und den Organisten der Nimbus des Kleinlichen, Langweiligen und - sorry - Kleinkarierten - anhaftet!
Ich halte weniger die Frage für relevant, ob und wie für die Orgel Werbung gemacht werden muss und ob das kleinkariert ist oder nicht. Bei der Regelung zum Mitschneiden von Konzerten oder ähnlichem geht es m.E. darum, dem Ausführenden eine gewisse Kontrolle über sein tun zu lassen. Beispielsweise entspricht manches, was ich in Gottesdiensten oder auch bei Trauungen zu besten gegeben habe, nicht den Ansprüchen, die ich anlegen würde, wenn ich das gleiche Stück konzertant aufführen würde oder es sogar für die Ewigkeit auf Tonträger bannen würde. Daher würde ich es auch nicht begrüßen, wenn solch ein Beitrag durch Verbreitung über dritte quasi ein "öffentliches Eigenleben" entwickeln würde. Dazu gehört auch die Qualität der Aufnahme - wenn diese nicht den Ansprüchen des Künstlers genügt, sollte er die Möglichkeit haben, die Verbreitung von solchen Mitschnitten zu unterbinden.
Etwas abstrakter ausgedrückt: die Tätigkeit eines Künstlers (dazu zähle ich jetzt mal jeden, der in irgendeiner Form Musik oder anderes zum Besten gibt) besteht im wesentlichen ja darin, dass er mit einer von ihm geschaffenen Darbietung an die Öffentlichkeit tritt, um dieses "Werk" (das kann beispielsweise eine Interpretation eines Musikstückes, ein Musikstück selber, ein Bild, eine Statue, o. ä sein) zu präsentieren. Allerdings steht im m.E. auch das Recht zu, den Rahmen und die Gelegenheit dieser Präsentation selbst festzulegen. Und die Möglichkeit, die Aufzeichnung zu unterbinden, ist m.E. ein rechtliches Mittel, dem Künstler diese Wahl zu ermöglichen.
Diesen Aspekt habe ich in der Diskussion bislang etwas vermisst.
Hans Uwe Hielscher im Münchner Dom - Bootleg
Ich verstehe deinen Punkt und ich verstehe auch denjenigen Flute harmoniques.
Aber, mal im Ernst: was soll denn das offene oder heimliche Ärgern über gewisse Tatsachen? - Sagt man's dem Einen, kommt irgendwann der Nächste...
Sollte man die Zeit, die man in nervige Auseinandersetzungen mit "mitschneidenden" Personen (sei es Konzert, oder bei Hochzeiten/Taufen - wo es meines Erachtens quasi fast überhaupt nicht zu verhindern ist) investiert bzw. vergeudet, nicht besser ins Üben bzw. ins Orgelspielen, ins CD-Hören oder in ein gutes Glas Rotwein stecken???
Bringt es etwas, irgendwo Grabenkämpfe aufzubauen, um so höchstens noch potentielle Konzertbesucher der jüngeren - halt nun einmal technikfanatischen - Generation zu vergraulen??? (Die Alten bleiben von alleine irgendwann des demographischen Wandels wegen weg).
Solange diese - zugegeben - illegalen Mitschnitte nicht kommerziell oder anderweitig negativ verwendet werden?!
Ich für meinen Teil trinke jetzt 'nen leckeren Cappuccino, und lasse das Thema.
Relaxte Grüsse
Thomas
Hans Uwe Hielscher im Münchner Dom - Bootleg
Hallo,
Sollte man die Zeit, die man in nervige Auseinandersetzungen mit "mitschneidenden" Personen (sei es Konzert, oder bei Hochzeiten/Taufen - wo es meines Erachtens quasi fast überhaupt nicht zu verhindern ist) investiert bzw. vergeudet, nicht besser ins Üben bzw. ins Orgelspielen, ins CD-Hören oder in ein gutes Glas Rotwein stecken???
vielleicht schon,
Bringt es etwas, irgendwo Grabenkämpfe aufzubauen, um so höchstens noch potentielle Konzertbesucher der jüngeren - halt nun einmal technikfanatischen - Generation zu vergraulen??? (Die Alten bleiben von alleine irgendwann des demographischen Wandels wegen weg).
aber mich als Kirchen- oder Konzertbesucher, nicht als Hobbymusiker, nerven diese bisweilen permanent hochgehaltenene und vor sich hinleuchtenden und -blinkenden Smartphones und Tablets übrigens ganz gewaltig.
Besdt Grüße von der Waterkant
Christoph P.
Hans Uwe Hielscher im Münchner Dom - Bootleg
Bei der Regelung zum Mitschneiden von Konzerten oder ähnlichem geht es m.E. darum, dem Ausführenden eine gewisse Kontrolle über sein tun zu lassen. Beispielsweise entspricht manches, was ich in Gottesdiensten oder auch bei Trauungen zu besten gegeben habe, nicht den Ansprüchen, die ich anlegen würde, wenn ich das gleiche Stück konzertant aufführen würde oder es sogar für die Ewigkeit auf Tonträger bannen würde. Daher würde ich es auch nicht begrüßen, wenn solch ein Beitrag durch Verbreitung über dritte quasi ein "öffentliches Eigenleben" entwickeln würde. Dazu gehört auch die Qualität der Aufnahme - wenn diese nicht den Ansprüchen des Künstlers genügt, sollte er die Möglichkeit haben, die Verbreitung von solchen Mitschnitten zu unterbinden.
Etwas abstrakter ausgedrückt: die Tätigkeit eines Künstlers (dazu zähle ich jetzt mal jeden, der in irgendeiner Form Musik oder anderes zum Besten gibt) besteht im wesentlichen ja darin, dass er mit einer von ihm geschaffenen Darbietung an die Öffentlichkeit tritt, um dieses "Werk" (das kann beispielsweise eine Interpretation eines Musikstückes, ein Musikstück selber, ein Bild, eine Statue, o. ä sein) zu präsentieren. Allerdings steht im m.E. auch das Recht zu, den Rahmen und die Gelegenheit dieser Präsentation selbst festzulegen. Und die Möglichkeit, die Aufzeichnung zu unterbinden, ist m.E. ein rechtliches Mittel, dem Künstler diese Wahl zu ermöglichen.
Ich verstehe das Anliegen durchaus, will aber dennoch ein bißchen gegen den Strich bürsten: Das Stichwort "Statue" ist ein ganz hilfreiches.
Wenn ich eine Statue mache und sie bei einer Vernissage für eine begrenzte Zeit in die Öffentlichkeit stelle, regt sich nachher keiner auf, wenn Fotos meiner Statue, die anläßlich der Vernissage gemacht wurden, zirkulieren und im Netz noch in 100 Jahren zu finden sein werden. Auch dann nicht, wenn die Fotos grottenschlecht sind. Noch deutlicher wird es, wenn ich eine Statue auf einen öffentlichen Platz stelle. Dann habe ich als Künstler überhaupt keine Kontrolle mehr darüber, wie mein Werk rezipiert wird.
Die technische Möglichkeit, Musik billig aufzuzeichnen ist viel jünger als die Möglichkeit, Sichtbares billig aufzuzeichnen. Vielleicht ist man deshalb bei Fotos nicht mehr ganz so empfindlich? Oder sollte man sagen: "Man hat da eben schon resigniert" ?
Ein anderes Thema, das mich schon länger umtreibt ist hier auch angesprochen, nämlich die Frage der Perfektion. Es ist verständlich, daß ein Künstler am liebsten nur seine ganz perfekten Schöpfungen öffentlich präsentiert wissen will. Aber warum eigentlich? Lebt das Kunstwerk nicht gerade auch von seinen Macken? Wollen wir nur keimfreie Perfektion? In der bildenden Kunst, muß ich ein Gemälde, eine Statue irgendwann abliefern, wie sie bei bester Mühewaltung eben geworden ist.
Anders bei heutigen professionellen Tonaufnahmen: Ich kann so lange wiederholen, bis die Aufnahme perfekt ist oder ich kann Patzer rausschneiden und nur diese Stelle neu aufnehmen und in die Aufnahme einfügen. Im Konzert kann ein langes und schweres Stück gegen Ende dazu führen, daß die Kraft nicht mehr zu 100% reicht. Na und? Das ist das Leben. Und genau dieses Leben blenden wir bei den hyperperfekten Aufnahmen aus.
Ich habe als Schüler vor Jahrzehnten bei einer Messias-Aufführung mitgesungen. Es waren 2 vereinigte Kirchenchöre. Laien. Orchester und Dirigent auch keine Profis. Sicher konnte das Konzert mit keiner Aufnahme auch nur im Entferntesten gemessen werden. Aber: Es geschah in einer Kirchengemeinde, die niemals ein Profikonzert bekommen würde. Es gingen Leute hin, die sonst niemals so etwas hören würden und es sangen Menschen Dinge, die sie sonst kaum einmal sich anhören würden. Ich bin überzeugt, daß diese Chorsänger über diese Musik mehr gelernt haben als vom 100maligen Abhören der weltbesten Aufnahme. Ob das heute noch möglich wäre ohne ätzende Kritik weil jeder Feuilletonist sich bequem 20 Top-Aufnahmen reinziehen kann? Was ich damit sagen will: Diese massenhaft erreichbaren perfekten Aufnahmen entmutigen die Kleinen, die sich nur um der Freude willen damit beschäftigen.
Und um wieder zur Orgel zu kommen: warum soll ein kleiner Landorganist nicht auch mal hören, daß ein Großer gelegentlich patzt. Es würde ihn ermutigen.
Hans Uwe Hielscher im Münchner Dom - Bootleg
Bei der Regelung zum Mitschneiden von Konzerten oder ähnlichem geht es m.E. darum, dem Ausführenden eine gewisse Kontrolle über sein tun zu lassen. Beispielsweise entspricht manches, was ich in Gottesdiensten oder auch bei Trauungen zu besten gegeben habe, nicht den Ansprüchen, die ich anlegen würde, wenn ich das gleiche Stück konzertant aufführen würde oder es sogar für die Ewigkeit auf Tonträger bannen würde. Daher würde ich es auch nicht begrüßen, wenn solch ein Beitrag durch Verbreitung über dritte quasi ein "öffentliches Eigenleben" entwickeln würde. Dazu gehört auch die Qualität der Aufnahme - wenn diese nicht den Ansprüchen des Künstlers genügt, sollte er die Möglichkeit haben, die Verbreitung von solchen Mitschnitten zu unterbinden.
Etwas abstrakter ausgedrückt: die Tätigkeit eines Künstlers (dazu zähle ich jetzt mal jeden, der in irgendeiner Form Musik oder anderes zum Besten gibt) besteht im wesentlichen ja darin, dass er mit einer von ihm geschaffenen Darbietung an die Öffentlichkeit tritt, um dieses "Werk" (das kann beispielsweise eine Interpretation eines Musikstückes, ein Musikstück selber, ein Bild, eine Statue, o. ä sein) zu präsentieren. Allerdings steht im m.E. auch das Recht zu, den Rahmen und die Gelegenheit dieser Präsentation selbst festzulegen. Und die Möglichkeit, die Aufzeichnung zu unterbinden, ist m.E. ein rechtliches Mittel, dem Künstler diese Wahl zu ermöglichen.
Ich verstehe das Anliegen durchaus, will aber dennoch ein bißchen gegen den Strich bürsten: Das Stichwort "Statue" ist ein ganz hilfreiches.
Wenn ich eine Statue mache und sie bei einer Vernissage für eine begrenzte Zeit in die Öffentlichkeit stelle, regt sich nachher keiner auf, wenn Fotos meiner Statue, die anläßlich der Vernissage gemacht wurden, zirkulieren und im Netz noch in 100 Jahren zu finden sein werden. Auch dann nicht, wenn die Fotos grottenschlecht sind. Noch deutlicher wird es, wenn ich eine Statue auf einen öffentlichen Platz stelle. Dann habe ich als Künstler überhaupt keine Kontrolle mehr darüber, wie mein Werk rezipiert wird.
Die technische Möglichkeit, Musik billig aufzuzeichnen ist viel jünger als die Möglichkeit, Sichtbares billig aufzuzeichnen. Vielleicht ist man deshalb bei Fotos nicht mehr ganz so empfindlich? Oder sollte man sagen: "Man hat da eben schon resigniert" ?Ein anderes Thema, das mich schon länger umtreibt ist hier auch angesprochen, nämlich die Frage der Perfektion. Es ist verständlich, daß ein Künstler am liebsten nur seine ganz perfekten Schöpfungen öffentlich präsentiert wissen will. Aber warum eigentlich? Lebt das Kunstwerk nicht gerade auch von seinen Macken? Wollen wir nur keimfreie Perfektion? In der bildenden Kunst, muß ich ein Gemälde, eine Statue irgendwann abliefern, wie sie bei bester Mühewaltung eben geworden ist.
Anders bei heutigen professionellen Tonaufnahmen: Ich kann so lange wiederholen, bis die Aufnahme perfekt ist oder ich kann Patzer rausschneiden und nur diese Stelle neu aufnehmen und in die Aufnahme einfügen. Im Konzert kann ein langes und schweres Stück gegen Ende dazu führen, daß die Kraft nicht mehr zu 100% reicht. Na und? Das ist das Leben. Und genau dieses Leben blenden wir bei den hyperperfekten Aufnahmen aus.
Ich habe als Schüler vor Jahrzehnten bei einer Messias-Aufführung mitgesungen. Es waren 2 vereinigte Kirchenchöre. Laien. Orchester und Dirigent auch keine Profis. Sicher konnte das Konzert mit keiner Aufnahme auch nur im Entferntesten gemessen werden. Aber: Es geschah in einer Kirchengemeinde, die niemals ein Profikonzert bekommen würde. Es gingen Leute hin, die sonst niemals so etwas hören würden und es sangen Menschen Dinge, die sie sonst kaum einmal sich anhören würden. Ich bin überzeugt, daß diese Chorsänger über diese Musik mehr gelernt haben als vom 100maligen Abhören der weltbesten Aufnahme. Ob das heute noch möglich wäre ohne ätzende Kritik weil jeder Feuilletonist sich bequem 20 Top-Aufnahmen reinziehen kann? Was ich damit sagen will: Diese massenhaft erreichbaren perfekten Aufnahmen entmutigen die Kleinen, die sich nur um der Freude willen damit beschäftigen.
Und um wieder zur Orgel zu kommen: warum soll ein kleiner Landorganist nicht auch mal hören, daß ein Großer gelegentlich patzt. Es würde ihn ermutigen.
....allerdings - und ein durchaus aktuelles Beispiel: neulich unterhielt ich mich mit einem der bekanntesten Organisten Deutschlands; u.a. ging es um Aufnahmen in der Mannheimer Christuskirche mit ihrer Riesen-Steinmeyerin. Die Akustik dieser Kirche ist allerdings sehr trocken und deshalb alles andere als "symphonisch" - weshalb der Betreffende die Auffassung vertrat, da könne man dann schon etwas digitalen Hall hineinmischen.
Ich sehe das anders. Auch wenn mir klar ist, daß Aufnahmen - gleich, ob Fotos oder Ton oder beides zusammen als Film - immer auch Interpretationen sind, so empfinde ich das künstliche Hinzumischen von Hall, der tatsächlich nirgends in diesem Raum vorhanden ist, als nicht mehr legitim. Objektive Authentizität gibt es nicht (schon deshalb, weil jeder Mensch nur mit seinem Gehör die Authentizität prüfen kann) - subjektive aber schon. Und daß es auch subjektiv nicht mehr authentisch ist, etwas hineinzumischen, was unstreitig nicht da ist, ist für mich offensichtlich.
Darin spiegelt sich genau das Problem heutiger CD-Aufnahmen: sie sind ein zu synthetischer Perfektion überzüchtetes Kunstprodukt, daß sich live so gar nicht erleben läßt. Und natürlich wird ein neuer Takt hineingeschnitten, wenn dem Interpreten im letzten Takt der Bach-Fuge dann ein Patzer passiert (wer wiederholt dann schon das ganze Werk, wenn vorher alles "glattging"? Würde auch von den Anwesenden hier keiner tun.) Und natürlich wird alles störende rausgefiltert: seien es die kläffenden Hunde vor der Kirche oder der vorübertuckernde Traktor oder das Knarren der Orgelbank. Und da sind Bootlegs eben auch schon wieder ein kleines Korrektiv.....
Wladimir Horowitz soll mal bei einem Konzert mit Orchester grandios aus der Bahn geflogen sein. Das Bootleg davon soll Kultstatus haben - aber gefunden habe ich's leider noch nicht......;--)....
Gruß,
Wolfgang
OT: Horowitz unedited
Wladimir Horowitz soll mal bei einem Konzert mit Orchester grandios aus der Bahn geflogen sein. Das Bootleg davon soll Kultstatus haben - aber gefunden habe ich's leider noch nicht......;--)....Gruß,
Wolfgang
Das war kein Konzert mit Klavier und Orchester, sondern der erste Soloauftritt, den Vladimir Horowitz am 9. Mai 1965 nach seinem 12-jährigen Rückzug aus der Öffentlichkeit in der Carnegie Hall in New York absolvierte. Der berühmte "Ausstieg" unterlief Horowitz im zweiten Satz der Fantasie op. 17 von Robert Schumann.
Von diesem Konzert wurde zwar eine als Livemitschnitt betitelte Columbia-LP-Einspielung herausgebracht, die aber eine nachträglich editierte Fassung der Schumann-Fantasie enthielt. Harold C. Schonberg berichtet über diese Geschichte ausführlich in seiner sehr lesenswerten Horowitz-Biografie aus den Neunziger Jahren.
Erst 2006 wurde eine uneditierte Fassung des Horowitz-Konzerts von 1965 veröffentlicht. Meines Wissens ist dies aber kein Bootleg, sondern das originale Material von Columbia Records.
Viele Grüße von einem langjährigen Horowitz-Fan,
Martin
Perfektion(ismus)
Diese massenhaft erreichbaren perfekten Aufnahmen entmutigen die Kleinen, die sich nur um der Freude willen damit beschäftigen.
Ja und nein: Sie ermöglichen auch, sich relativ leicht verschiedene Interpretationen anzuhören, sich das Beste / Passende / Mögliche rauszuhören und umzusetzen zu versuchen. Kann durchaus in Frust enden, muß aber nicht: da ist der Stolz umso größer, wenn es tatsächlich gelingt...
warum soll ein kleiner Landorganist nicht auch mal hören, daß ein Großer gelegentlich patzt. Es würde ihn ermutigen.
Sehe ich ebenfalls gemischt: wenn ein Profi mal wirklich unbeabsichtigt "Gasttöne" bringt, kann ich das vielleicht mit Verwunderung (oder Stirnrunzeln) zur Kenntnis nehmen, wenn aber das Gefühl aufkommt, daß die bei ihm aus Wurstigkeit resultieren, weckt das bei mir Aggressionen.
(Ok, letzteres hat mich vor rund 10 Jahren motiviert, wieder Unterricht zu nehmen, weil ich mir dachte, so gut wie dieser "Profi" könnte ich das allemal. Konnte ich bald auch [wieder]...)
OT: Horowitz unedited
Das war kein Konzert mit Klavier und Orchester, sondern der erste Soloauftritt, den Vladimir Horowitz am 9. Mai 1965 nach seinem 12-jährigen Rückzug aus der Öffentlichkeit in der Carnegie Hall in New York absolvierte. Der berühmte "Ausstieg" unterlief Horowitz im zweiten Satz der Fantasie op. 17 von Robert Schumann.Von diesem Konzert wurde zwar eine als Livemitschnitt betitelte Columbia-LP-Einspielung herausgebracht, die aber eine nachträglich editierte Fassung der Schumann-Fantasie enthielt. Harold C. Schonberg berichtet über diese Geschichte ausführlich in seiner sehr lesenswerten Horowitz-Biografie aus den Neunziger Jahren.
Erst 2006 wurde eine uneditierte Fassung des Horowitz-Konzerts von 1965 veröffentlicht. Meines Wissens ist dies aber kein Bootleg, sondern das originale Material von Columbia Records.
Viele Grüße von einem langjährigen Horowitz-Fan,
Martin
Hier kann man es nachlesen - auch über die von Horowitz geforderten nachträglichen Korrekturen an Liveaufnahmen.
Gruß
Peter
OT: Horowitz unedited
Das war kein Konzert mit Klavier und Orchester, sondern der erste Soloauftritt, den Vladimir Horowitz am 9. Mai 1965 nach seinem 12-jährigen Rückzug aus der Öffentlichkeit in der Carnegie Hall in New York absolvierte. Der berühmte "Ausstieg" unterlief Horowitz im zweiten Satz der Fantasie op. 17 von Robert Schumann.Von diesem Konzert wurde zwar eine als Livemitschnitt betitelte Columbia-LP-Einspielung herausgebracht, die aber eine nachträglich editierte Fassung der Schumann-Fantasie enthielt. Harold C. Schonberg berichtet über diese Geschichte ausführlich in seiner sehr lesenswerten Horowitz-Biografie aus den Neunziger Jahren.
Erst 2006 wurde eine uneditierte Fassung des Horowitz-Konzerts von 1965 veröffentlicht. Meines Wissens ist dies aber kein Bootleg, sondern das originale Material von Columbia Records.
Viele Grüße von einem langjährigen Horowitz-Fan,
Martin
Hier kann man es nachlesen - auch über die von Horowitz geforderten nachträglichen Korrekturen an Liveaufnahmen.Gruß
Peter
...ah, dankesehr - dann habe ich mich falsch erinnert.
Gruß,
Wolfgang
OT: Horowitz unedited
Hier kann man es nachlesen - auch über die von Horowitz geforderten nachträglichen Korrekturen an Liveaufnahmen.Gruß
Peter
...ah, dankesehr - dann habe ich mich falsch erinnert.
Es war ja nicht so, dass Horowitz sich nur in diesem einenKonzert verspielt hat. Könnte mir durchaus vorstellen, dass es weitere solcher Szenen (mit Orchester) gab. Und es gibt neben Horowitz ja auch andere recht gute Pianisten auf die diese Anekdote passen kann.
Schön, wie solche "Blicke über den Tellerrand" das Forum bereichern :)
Gruß
Karsten
OT: Horowitz unedited
Es war ja nicht so, dass Horowitrz sich nur in diesem einenKonzert verspielt hat. Könnte mir durchaus vorstellen, dass es weitere solcher Szenen (mit Orchester) gab.
Ja, es gab immer wieder "Gasttöne", was aber dem musikalischen Genuss nicht den geringsten Abbruch tut. Hier ein bekanntes Beispiel aus dem legendären Konzert in Wien 1987. Eine Anschlagskultur hatte der, phänomenal!
Hier das Konzert in voller Länge.
Gruß, Florian
Gasttöne, Nervenversagen
Liebe Forenser,
das mit den Nerven kommt ja wohl in den besten Familien vor. Ich erinnere mich an ein Konzert in Süddeutschland, in dem ein von mir sehr geschätzter, konzerterfahrener und stilsicherer Organist mit makelloser Technik sich unter anderem an Regers op. 127 machte. Mitten in der Passacaglia ereignete sich ein Registrierfehler – ob seiner oder der seines Assistenten, weiß ich nicht. Kann auch der Fehler der damals nicht mehr ganz taufrischen Orgel gewesen sein. Jedenfalls haute das den Spieler so nachhaltig aus der Kurve, dass er für die Dauer der Passacaglia nicht mehr in die Bahn fand. Der Flow war unterbrochen, und kaum die einfachsten Abläufe klappten noch, geschweige denn das üppige Laufwerk, das nun einmal kaltblütiges Abschnurren braucht. Wenn meine Erinnerung mich nicht trügt, bekam er sich dann in der Fuge langsam wieder in den Griff. Aber das Konzert war natürlich hinüber.
In diesem Zusammenhang war das geradezu tragisch, weil ich eben wusste, dass es toll hätte werden können und höchstwahrscheinlich keineswegs an Unvermögen oder schlechter Vorbereitung lag (letztere Sorte hatte ich am selben Ort auch schon erlebt), sondern rein an den Nerven. Ich war als Kritiker dort und musste mir schwer überlegen, wie ich der Geschichte gerecht werden konnte. War nicht schön.
Viele Grüße
Friedrich
Gasttöne, Nervenversagen
Ich kenne ein sehr gutes Mittel gegen sog. "Gasttöne": Weg mit den menschlichen Individuen! Instrumente nur noch von Computern bespielen lassen. Möglicherweise ändert sich was am Ausdruck - aber jede Note stimmt!
--
Gruß
MAT
Gasttöne, Nervenversagen
Instrumente nur noch von Computern bespielen lassen.
oder den Orgamat mit z.B. sowas füttern. ;-)
Ok
Gasttöne, Nervenversagen
Ich kenne ein sehr gutes Mittel gegen sog. "Gasttöne": Weg mit den menschlichen Individuen! Instrumente nur noch von Computern bespielen lassen. Möglicherweise ändert sich was am Ausdruck - aber jede Note stimmt!
Ich finde es schade, dass die Diskussion (wieder mal?) in solche Extreme steuert.
Nur weil "Gasttöne" und "Patzer" überhaupt thematisiert werden, heißt das doch noch lange nicht, dass diese ein absolutes "no go" etc. sein dürfen oder dass sich musikalische Perfektion gerade oder nur darin auszeichnet.
Live ist eben live. Und leider ist nicht auf allen Aufnahmen wo "live" draufsteht auch "live" drin (siehe zahlreiche Opernaufnahmen oder das explizit erwähnte Beispiel des Horowitz-Konzerts). Produzierte Tonaufnahmen sind eben ein Kunstprodukt (Mikroaufstellung, Schneiden, Abmischung und und und...) auf einer virtuellen "Klangbühne".
Dieser Perfektionismus war dann eine Stolperfalle für viele Künstler, die sich nämlich im Opern- oder Konzerthaus mit ihren eigenen (und anderen) Aufnahmen messen lassen mussten. Dies steigert den Leistungsdruck natürlich extrem.
Mir zumindest sind viele "unperfekte", aber dafür spannungsreichere und "musikalischere" (und natürlich nur offizielle) Aufnahmen viel lieber als so manche sterile Produktionen unter Studiobedingungen.
Gruß
Karsten