Klangvolle Truhenorgel – wie?

Friedrich @, Mittwoch, 27. August 2014, 11:42 (vor 4453 Tagen)

Liebe Forenser,

aus Neugier gefragt: Wie ist das eigentlich mit dem Klang von Truhenorgeln?

Sie werden von Gemeinden, Orchestern und Heimorglern geschätzt. Da vermute ich aber sehr unterschiedliche Klangprofile. Zum Beispiel hat eigentlich immer nur ein einziger ausgebauter 8' Platz. In der 4’-Lage hat man auch keine luxurösen Möglichkeiten. Darüber ist zwar vieles möglich – aber dann wird es eine Entscheidungsfrage, wozu das Örgelchen dienen soll.

Zuhause brauche ich nicht mehr als einen 2’, möglichst wenig brillant. In einer Kapelle muss der aber schon mal die Mixtur vertreten und die Melodielinie klären. Und wenn das Örgelchen für ein Händel-Konzert, ein Bachkantaten-Solo oder eine Mozart-Kirchensonate herhalten soll – bei Alte-Musik-Ensembles beliebt –, dann macht ein kräftiger 2’ den Klang nicht nur laut, sondern auch klein. Anscheinend glaubt man in solchen Ensembles inzwischen, dass Orgeln bei Händel piepsen müssen. DDabei hatte Händels Theaterorgel wahrscheinlich zwei Manuale und einen Prinzipalchor 8-4-3-2 im Hauptwerk und war außerdem klassisch zweistöckig angelegt, sodass das Pfeifenwerk mindestens in Brusthöhe des Spielers sprach (siehe die berühmte Händel-Karikatur “The Charming Brute”). Das ist aber etwas ganz anderes als eine Truhe mit einer Windlade in Knöchelhöhe.

Außerdem scheinen manche Truhen immer noch Kinderkrankheiten zu haben. Ich habe von neuen Instrumenten gehört, die tunlichst nicht mehr als dreistimmig gespielt werden sollten, weil sonst der Wind nicht reiche. So eine Orgel sollte der Orgelbauer eigentlich zurücknehmen müssen, denn sie genügt nicht mal anspruchslosester Generalbasspraxis.

Zwei schöne Truhen, die ich gehört habe:
Peter Collins in Freiburg-Günterstal, ein erfolgreiches Serienmodell; Holzgedackt 8’ (Bass liegend als Wand unter der Tastatur), Rohrflöte und Prinzipal 4’ (C-H gemeinsam), Flageolet 2, changierender 1 1/3'.
Die Truhe von Gerhard Oppelt in der Berliner Luisenkirche mit zwei Keilbälgen auf dem Dach, von Hand aufzuziehen.
Beide Orgeln klingen ausgewogen, im Tutti kräftig und haben eine gewisse Fülle im Bass. Die Collins-Orgel hat sich – in einer gar nicht so kleinen Kirche – auch schon als Ersatz für die Hauptorgel bewährt, als die überholt wurde.

Fragen ins Forum, an Musiker, Hörer und sehr gerne auch Orgelbauer:

Was macht für euch eine schöne Truhenorgel aus?
Was für eine wünschen sich die Musiker?
Wo liegen für die Orgelbauer die Herausforderungen?

Viele Grüße
Friedrich


* Wahrscheinliche Disposition: I. 8-8-4-3-2, II. 8-4 oder 8-8-4 oder 8-4-2, kein Pedal, 8'-Stimmen im Bass eventuell teilweise zusammengeführt.

Klangvolle Truhenorgel – wie?

AGRitter, Mittwoch, 27. August 2014, 12:33 (vor 4453 Tagen) @ Friedrich

Ich habe hier auch von Peter Collins vor 15 Jahren ein Truhe bestellt. Sie wird von vielen sehr geschätzt, hauptsächlich wegen des sehr fülligen Klanges des 8' Gedacktes.
Ich bestand auch auf ein Prinzipal 4', das wollte mir zu der Zeit kein deutscher Orgelbauer so richtig anbieten. Die große Oktave ist gedackt, vielleicht ein wenig zu quintig aber gut brauchbar und naturlich als Continuo-Instrument auch nicht auffällig; nicht aber zusammengeführt. Dazu kommt eine 4' Rohrflöte und eine Sesquialtera ab c' (h' wäre besser gewesen wegen der Transposition!) aber auch so ist sie bei der Matthäus-Passion gut einsetzbar.

Die meisten Truhen kränken daran dass der 8' zu wenig tragfähig ist, der 4' (meist nur einer) aber zu hell um für Continuozwecke nutzbar zu sein. Die oft vorhandene 2'und Zimbelregister sind völlig nutzlos, sie mischen sich nirgends ein.

LG
Barry

Klangvolle Truhenorgel – wie?

elsenp @, Mittwoch, 27. August 2014, 12:43 (vor 4453 Tagen) @ Friedrich

Ich hatte während der Reinigung unserer großen Orgel eine Truhenorgel aus der Werkstatt von Friedrich Tzschöckel: Ged. 8', Prinz. 4', Rohrfl. 4', Quinte 2 2/3', Prinzipal 2' mit angehängtem Pedal. Zusätzlich hat der Orgelbauer noch einen Subbass 16' auf einer separaten (elektrisch gesteuerten) Zusatzlade aufgestellt. Damit konnte ich den doch recht großen Kirchenraum gut ausfüllen. Vor allem das 4'-Prinzipal und die Quinte bringen sehr viel Fülle. Natürlich ist der 8' auch nicht so dünn und quintig, wie er oft in Truhenorgeln zu finden ist. Die großen Gedackt-Pfeifen sind zu Blöcken verleimt und werden vorne an der Truhe aufgehängt. Die tiefen Töne von Prinzipal 4' liegen unter der oberen Abdeckung (die natürlich als Gitter gebaut ist) und sprechen nach oben. Keine einzige Pfeife ist gekröpft! Der Motor steht neben der Truhe in einem separaten schallgedämmten Kasten und selbst vollgriffiges Spiel mit allen Registern führt nicht zu einem Absacken des Winddrucks. Wirklich zu empfehlen!

Gruß
Peter

Klangvolle Truhenorgel – wie?

Kleinorgelspieler, Mittwoch, 27. August 2014, 20:56 (vor 4453 Tagen) @ Friedrich

Zwei interessante Varianten:

Truhenorgel als dauerhaftes Instrument für kleine Kirchenräume. Hersteller Fa. Offner, mit angehängtem Pedal und Plexiglasschweller: http://www.orgelbau-offner.de/neue_seite_63.htm
Dispo (alles B/D):
Gedackt 8'
Flöte 4'
Quinte 2 2/3'
Principal 2'
Oktävlein 1'

Etwas anderes:
Chororgel Sindelfingen von Fa. Trefz: http://www.tilmantrefz.de/projekte/sindelfingen/
Dispo: http://www.tilmantrefz.de/fileadmin/content/projekte/sindelfingen/docs/dispo_sindelfing...
Es gibt auch Klangbeispiele: http://www.tilmantrefz.de/lauschen/

Es sei noch das Buch "Martin Kares: Kleinorgeln – Geschichte, Typen, Technik." empfohlen...

Klangvolle Truhenorgel – wie?

Orlos @, Mittwoch, 27. August 2014, 21:58 (vor 4453 Tagen) @ Friedrich

Vor ein paar Jahren stand ich vor dem gleichen Problem, eine Truhenorgel zu brauchen, mit der man auch eine Gemeinde begleiten kann. Dem Orgelbauer Kreisz aus Schwäbisch-Gmünd und mir war schnell klar, dass das allein mit Labialpfeifen kaum möglich sein würde und so kam ich auf die Idee, ein sehr kräftiges Trompetenregal nach spanischer Bauweise ("Orlos") vorzusehen. Die Pfeifen stehen in einem Holzblock, der separat transportiert werden kann und einfach aufgesetzt wird. Der Klang ist sehr kräftig und durchaus mit spanischen Horizontalregistern vergleichbar. Damit habe ich schon Gottesdienste in der ehemaligen Basilika von Kloster Eberbach begleitet (am nächsten Sonntag wieder) mit über 700 Menschen.
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Der Orgelbauer baute mir einen Kasten mit Schiebeschweller für das Regal, welcher den Klangeindruck radikal ändert: Der Orlos wird weicher und voller. Mit dem Schweller haben wir die Orgel schon mehrmals als französische "Chororgel" bei der Vierne-Messe eingesetzt, es klingt wirklich sehr gut und angemessener als jede 8-4-2-Truhe.
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Auf dem Photo steht der Organist, es gibt aber auch eine Bank (links im Hintergrund).
Witzigerweise wird die Orgel auch gerne im Opernhaus ausgeliehen, wenn man ein Regal braucht, z. B. für Monteverdi. Dann lässt man den Schweller zu, zieht aber nicht die Labialregister dazu. So erhält man den näselnden, jedoch kernigen Regalklang.
Als 8' steht eine Holzrohrflöte zur Verfügung, die sehr tragfähig ist und im Diskant eine schöne Farbe besitzt. Zur Begleitung eines sehr schwachen Solisten ist sie fast schon zu laut. Aber das Gedackt 4' ist leiser und lässt sich dann eine Oktave tiefer verwenden. Das Orlos ist in Bass und Diskant geteilt. Über die Transponiereinrichtung verschiebt sich auch der Teilungspunkt, so dass sich auch spanische Musik gut spielen lässt.
Die Orgel ist für meinen normalen PKW-Kombi gebaut und lässt sich im Extremfall sogar auf die Seite legen, was ich aber noch nie getan habe.
Ein sehr kurzer Höreindruck (ohne Kasten für Regal) findet sich hier.
Übrigens lassen sich mit diesem Instrument auch gut Werke für zwei Orgeln realisieren. Wenn man die Truhe vor der Zuhörer stellt, kommt sie ihnen fast genauso laut vor wie die entferntere Hauptorgel. Wir haben das schon in verschiedenen Kirchen mit Erfolg praktiziert.
Wenn das Regal nicht gebraucht wird, steckt man es nicht auf, dann erhält man eine typische flache Truhe und man kann sitzend den Dirigenten sehen.

Klangvolle Truhenorgel – wie?

perotin, Mittwoch, 27. August 2014, 22:40 (vor 4453 Tagen) @ Orlos

Genial. Danke für den Bericht!

Klangvolle Truhenorgel – wie?

Wolfgang Gourgé @, Mittwoch, 27. August 2014, 22:59 (vor 4453 Tagen) @ Orlos
bearbeitet von Wolfgang Gourgé, Mittwoch, 27. August 2014, 23:09

Vor ein paar Jahren stand ich vor dem gleichen Problem, eine Truhenorgel zu brauchen, mit der man auch eine Gemeinde begleiten kann. Dem Orgelbauer Kreisz aus Schwäbisch-Gmünd und mir war schnell klar, dass das allein mit Labialpfeifen kaum möglich sein würde und so kam ich auf die Idee, ein sehr kräftiges Trompetenregal nach spanischer Bauweise ("Orlos") vorzusehen. Die Pfeifen stehen in einem Holzblock, der separat transportiert werden kann und einfach aufgesetzt wird. Der Klang ist sehr kräftig und durchaus mit spanischen Horizontalregistern vergleichbar. Damit habe ich schon Gottesdienste in der ehemaligen Basilika von Kloster Eberbach begleitet (am nächsten Sonntag wieder) mit über 700 Menschen.


...ahhhh,

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...Eberbach! Das ist wenigstens...

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....echte Romanik, nicht sowas aus Ziegeln und Beton nachgebautes wie anderswo.....

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Und schon ein gewisser William von Baskerville wußte es zu schätzen....

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Witzige Orgel! In der Tat wird oft unterschätzt, welchen "Krach" Zungenpfeifen machen können, selbst wenn sie kurzbechrig sind. Interessant auch die Beobachtungen zu dem aufgesetzten Schwellkasten (man bedenke, daß der Effekt bei "normalen" Schwellwerken derselbe sein wird). Wenn diese Orgel mit so einem enormen Raum wie in Eberbach klarkommt, dann ist das sehr beachtlich.

Gruß,
Wolfgang
(der schon öfters in Eberbach war und sich gefragt hat, was in so einem Raum wohl am besten klänge....)

Klangvolle Truhenorgel – Eberbach

Orlos @, Mittwoch, 27. August 2014, 23:10 (vor 4453 Tagen) @ Wolfgang Gourgé
bearbeitet von Orlos, Donnerstag, 28. August 2014, 00:50

In Eberbach saß ich schon oft und habe mir Orgeln darin vorgestellt. Immerhin gibt es im Langschiff noch die Tür zur ehemaligen Schwalbennestorgel, von der nichts mehr übrig ist. Sie ist aber ziemlich weit im Westen angeordnet, also weit von der Vierung entfernt. Im Gottesdienst würde sie mir dort wenig nutzen, weil die Chöre vorne stehen.
An der Ostwand des südlichen Querhauses gibt es auch noch Türen im "1. Stock" (ehemals Emporen), dort könnte man eine große Schwalbennestorgel hinhängen (wie im Trierer Dom). Dort wäre sie für Gottesdienste und Konzerte perfekt angeordnet.
Aber die "Kirche" ist nun völlig leergeräumt, da darf keine fest installierte Orgel hin. Also eher so etwas wie Alpirsbach.
Übrigens bin ich am liebsten dort, wenn gar nichts drinsteht, noch nicht einmal ein Stuhl. Dann ist die Weite des Raumes mit den vier Schiffen am grandiosesten zu erleben.
Im Jahr 2015 werden unsere zehn Gemeinden zur Großpfarrei fusioniert. Nur haben wir gar keine Kirche für große gemeinsame Gottesdienste. Wir weichen jetzt schon an Pfingsten ins ehemalige Kloster Eberbach aus, weil dort eben der größte Raum vorhanden ist. Nur muss man leider alles hinschleppen (Altar, liturgische Geräte und Gewänder, Orgel). Die Protestanten machen es übrigens an Ostern genauso. Es ist schon eine einmalige Atmosphäre.

Klangvolle Truhenorgel – Eberbach

Wolfgang Gourgé @, Donnerstag, 28. August 2014, 00:04 (vor 4453 Tagen) @ Orlos

In Eberbach saß ich schon oft und habe mir Orgeln darin vorgestellt. Immerhin gibt es im Langschiff noch die Tür zur ehemaligen Schwalbennestorgel, von der nichts mehr übrig ist. Sie ist aber ziemlich weit im Westen angeordnet, also weit von der Vierung entfernt. Im Gottesdienst würde sie mir dort wenig nutzen, weil die Chöre vorne stehen.
An der Ostwand des südlichen Querhauses gibt es auch noch Türen im "1. Stock" (ehemals Emporen), dort könnte man eine große Schwalbennestorgel hinhängen (wie im Trierer Dom). Dort wäre sie für Gottesdienste und Konzerte perfekt angeordnet.
Aber die "Kirche" ist nun völlig leergeräumt, da darf keine fest installierte Orgel hin. Also eher so etwas wie Alpirsbach.
Übrigens bin ich am liebsten dort, wenn gar nichts drinsteht, noch nicht einmal ein Stuhl. Dann ist die Weite des Raumes mit den vier Schiffen am grandiostesten zu erleben.
Im Jahr 2015 werden unsere zehn Gemeinden zur Großpfarrei fusioniert. Nur haben wir gar keine Kirche für große gemeinsame Gottesdienste. Wir weichen jetzt schon an Pfingsten ins ehemalige Kloster Eberbach aus, weil dort eben der größte Raum vorhanden ist. Nur muss man leider alles hinschleppen (Altar, liturgische Geräte und Gewänder, Orgel). Die Protestanten machen es übrigens an Ostern genauso. Es ist schon eine einmalige Atmosphäre.

....allerdings - der Raum beeindruckt gerade durch seine Askese (und sagt auch mir deshalb eher zu als viele Barockkirchen). Wenn diese Kirche liturgisch "reanimiert" würde, wäre das doch eigentlich im Sinne der Erbauer. Ich kann es nachvollziehen, daß man da nicht mal einen Nagel in die Wand schlagen darf - aber es gibt ja fahrbare Orgeln wie eben in Alpirsbach oder auch in der Wiener Augustinerkirche. Das wäre doch was: zwei fahrbare Orgeln, eine evangelische, eine katholische....;--).

Und einen IKEA-Altar wird man dort ja auch noch aufstellen dürfen.....

Aber ganz im Ernst: eine Orgel dort, nicht zu klein, das wär's. Allerdings kann die Kirche meines Wissens nicht geheizt werden, und feucht wird es wohl auch sein. Eine Herausforderung für jeden Orgelbauer. Als ich das letzte mal dort war - April 2012 -, steckte in der Kirche noch die Winterkälte. Die Türen hatte das Personal dafür weit geöffnet, so daß die warme Frühlingsluft herein- und das Kondenswasser an den Wänden herunterströmte. In der Klosterwirtschaft war der Wirtsgarten voll - aber drin ließ es sich auch ganz gut sitzen, und das Essen war prima.

Ist schon schön, der Rheingau. Wenn bloß die Großpfarreien nicht wären.

Gruß,
Wolfgang

Klangvolle Truhenorgel – Eberbach

MAT @, Donnerstag, 28. August 2014, 08:43 (vor 4452 Tagen) @ Wolfgang Gourgé
bearbeitet von MAT, Donnerstag, 28. August 2014, 08:51

Keine Kirchenheizung ist für eine Orgel doch besser als eine Kirchenheizung, denke ich.

In diesem Zusammenhang fällt mir die romanische Basilika auf dem Petersberg bei Halle ein - ebenso leergeräumt und ebenso beeindruckend. http://christusbruderschaft.de/de/zu-gast-sein/kloster-petersberg.php oder hier: http://www.fotocommunity.de/pc/pc/display/26951427

--
Gruß
MAT

Klangvolle Truhenorgel – Eberbach

Wolfgang Gourgé @, Donnerstag, 28. August 2014, 13:57 (vor 4452 Tagen) @ MAT

Keine Kirchenheizung ist für eine Orgel doch besser als eine Kirchenheizung, denke ich.

In diesem Zusammenhang fällt mir die romanische Basilika auf dem Petersberg bei Halle ein - ebenso leergeräumt und ebenso beeindruckend. http://christusbruderschaft.de/de/zu-gast-sein/kloster-petersberg.php oder hier: http://www.fotocommunity.de/pc/pc/display/26951427

....nicht unbedingt. Denn wenn es nicht nur kalt, sondern auch feucht wird, freut das den Schimmel und die Korrosion. Zuviel Heizen ist schlecht für Orgeln, gar zu wenig aber auch. Moderat-zurückhaltendes Heizen mit der richtigen Heizung bei gleichzeitiger automatisierter Luftfeuchtekontrolle ist das Beste. Allerdings wird man in Eberbach dabei sofort mit dem Denkmalschutz zusammenstoßen, denn für eine solche Heizung müßte sicher in größerem Umfang in die historische Bausubstanz eingegriffen werden, was dort ein no-go ist.

Gruß,
Wolfgang

Klangvolle Truhenorgel – Eberbach

ado ⌂ @, Donnerstag, 28. August 2014, 21:01 (vor 4452 Tagen) @ Wolfgang Gourgé

Keine Kirchenheizung ist für eine Orgel doch besser als eine Kirchenheizung, denke ich.

In diesem Zusammenhang fällt mir die romanische Basilika auf dem Petersberg bei Halle ein - ebenso leergeräumt und ebenso beeindruckend. http://christusbruderschaft.de/de/zu-gast-sein/kloster-petersberg.php oder hier: http://www.fotocommunity.de/pc/pc/display/26951427


....nicht unbedingt. Denn wenn es nicht nur kalt, sondern auch feucht wird, freut das den Schimmel und die Korrosion. Zuviel Heizen ist schlecht für Orgeln, gar zu wenig aber auch. Moderat-zurückhaltendes Heizen mit der richtigen Heizung bei gleichzeitiger automatisierter Luftfeuchtekontrolle ist das Beste. Allerdings wird man in Eberbach dabei sofort mit dem Denkmalschutz zusammenstoßen, denn für eine solche Heizung müßte sicher in größerem Umfang in die historische Bausubstanz eingegriffen werden, was dort ein no-go ist.

Gruß,
Wolfgang

das leuchtet mir jetzt ehrlich gesagt überhaupt nicht ein. kirchenheizungen sind doch wohl ein ziemlich neues phänomen, vor 1800 dürfte es soetwas überhaupt nicht gegeben haben. das hat aber offenbar niemanden abgehalten, orgeln aufzustellen! auch in eberbach gab es orgeln -- so wurde hier im faden ja schon eine schwalbennestorgel erwähnt. und laut wikipedia wurde 1706-8 eine neue orgel in der klosterkirche errichtet, die bei der säkularisation 100 jahre später offenbar immer noch funktionierte -- damals wurde sie nämlich in eine wiesbadener kirche umgesetzt, wo sie 1850 verbrannt ist. die wagnerorgel von 1725 im brandenburger dom war offenbar auch keine heizung gewöhnt. als 1850 vorgesehen war, den brandenburgischen provinziallandtag im dom tagen zu lassen, wurden vorsorglich große kohlebecken in den kirchenraum gestellt. der landtag trat dort am ende doch nicht zusammen, an der orgel waren aber hernach umfangreiche reparaturen fällig!

Klangvolle Truhenorgel – Eberbach

Wolfgang Gourgé @, Donnerstag, 28. August 2014, 23:04 (vor 4452 Tagen) @ ado
bearbeitet von Wolfgang Gourgé, Donnerstag, 28. August 2014, 23:08

Keine Kirchenheizung ist für eine Orgel doch besser als eine Kirchenheizung, denke ich.

In diesem Zusammenhang fällt mir die romanische Basilika auf dem Petersberg bei Halle ein - ebenso leergeräumt und ebenso beeindruckend. http://christusbruderschaft.de/de/zu-gast-sein/kloster-petersberg.php oder hier: http://www.fotocommunity.de/pc/pc/display/26951427


....nicht unbedingt. Denn wenn es nicht nur kalt, sondern auch feucht wird, freut das den Schimmel und die Korrosion. Zuviel Heizen ist schlecht für Orgeln, gar zu wenig aber auch. Moderat-zurückhaltendes Heizen mit der richtigen Heizung bei gleichzeitiger automatisierter Luftfeuchtekontrolle ist das Beste. Allerdings wird man in Eberbach dabei sofort mit dem Denkmalschutz zusammenstoßen, denn für eine solche Heizung müßte sicher in größerem Umfang in die historische Bausubstanz eingegriffen werden, was dort ein no-go ist.

Gruß,
Wolfgang


das leuchtet mir jetzt ehrlich gesagt überhaupt nicht ein. kirchenheizungen sind doch wohl ein ziemlich neues phänomen, vor 1800 dürfte es soetwas überhaupt nicht gegeben haben. das hat aber offenbar niemanden abgehalten, orgeln aufzustellen! auch in eberbach gab es orgeln -- so wurde hier im faden ja schon eine schwalbennestorgel erwähnt. und laut wikipedia wurde 1706-8 eine neue orgel in der klosterkirche errichtet, die bei der säkularisation 100 jahre später offenbar immer noch funktionierte -- damals wurde sie nämlich in eine wiesbadener kirche umgesetzt, wo sie 1850 verbrannt ist. die wagnerorgel von 1725 im brandenburger dom war offenbar auch keine heizung gewöhnt. als 1850 vorgesehen war, den brandenburgischen provinziallandtag im dom tagen zu lassen, wurden vorsorglich große kohlebecken in den kirchenraum gestellt. der landtag trat dort am ende doch nicht zusammen, an der orgel waren aber hernach umfangreiche reparaturen fällig!

....sicher hat es niemanden abgehalten, Orgeln aufzustellen - es fragt sich nur, in welchem Zustand sie waren: Mäuse und Ratten setzten den Lederteilen zu, Fledermäuse und sonstige Vögel den Metallpfeifen (Flecken von Vogelkot - und zwar ziemlich viele - waren bei der VOD-Tagung 2010 in Mecklenburg-Vorpommern selbst auf den Pfeifen vergleichsweise frisch restaurierter Instrumente zu sehen), der Holzwurm tat sein übriges dazu, und verschimmelt waren sie aller Wahrscheinlichkeit damals auch - nur wurde das wohl nicht mal gesondert erwähnt.

Wir haben uns heute an einen enorm hohen Erhaltungszustand gewöhnt, den es früher über Jahrhunderte kaum jemals so gegeben haben dürfte (auch deshalb ist unsere Vorstellung von historischen Zuständen vermutlich sehr zeitgenössisch eingetrübt...). In der Festschrift zur Wiedereinweihung der Stader Wilhadi-Orgel von 1990 - sehr interessant übrigens, weil man dort lesen kann, wie selbst Alfred Hoppe 1963 auf Distanz zu Paul Ott ging - kann man nachlesen, daß die Orgel in ihrer Geschichte mitunter jahrzehntelang in miserablem Zustand war. Z.B. für die Frankfurter Domorgel galt dasselbe, und ich bin sicher, ebenso für zahllose andere. Im damaligen Kerzenschein werden Schimmelflecken im Gewölbe gar nicht weiter aufgefallen sein, und über Schimmel in den Orgeln wird sich erst Recht kaum jemand aufgeregt haben - Bekämpfung ohnehin sinnlos, und ohne Not wird damals kaum jemand mit Kerzenlicht in einer engen, verwinkelten Orgel herumgeklettert sein (außer Charles Barker, aber das ging ja bekanntlich nicht gut aus...).

Von der bei niedrigen Temperaturen einsetzenden Zinnpest und allen möglichen Erscheinungen von Korrosion (etwa durch Eisenbestandteile im Pfeifenmetall, so z.B. in Grauhof oder "Zerbröseln" der Legierungen wie bei den Orgeln Philipp Furtwänglers) ganz zu schweigen. Welche Kirchengemeinde würde es bei einer neuen Orgel heutzutage noch hinnehmen, daß sie im Winter de facto nicht spielbar ist? Z.B. bei der Furtwängler & Hammer-Orgel von 1916 im Verdener Dom ist das meines Wissens so (Auskunft des dortigen Organisten vor einigen Jahren). Die Orgel hat pneumatische Taschenladen, die im Winter wohl den Dienst verweigern (schon im Sommer bringt deren Verzögerung nicht daran gewöhnte Spieler zur Verzweiflung.....).

Die Kirchenheizungen der 1960er ruinierten die Orgeln im Zeitraffer, weil sie viel zu schnell und aggressiv aufheizten mit den bekannten Effekten. Wird eine Kirche dagegen richtig temperiert/klimatisiert, ist das ein Segen für alle Einrichtungsgegenstände. In welchem Zustand die beiden großen Stader historischen Orgeln wären, würden seit deren letzten Wiederherstellungen Ende der 1980er bzw. Anfang der 1990er Jahre klimatische Zustände wie um 1750 in den Kirchen herrschen, will ich lieber nicht wissen. Ganz sicher dramatisch schlechter, als es jetzt tatsächlich der Fall ist.

Gruß,
Wolfgang

Klangvolle Truhenorgel – Eberbach

Hausorgler @, Feldkirch/Vorarlberg, Donnerstag, 28. August 2014, 15:05 (vor 4452 Tagen) @ Wolfgang Gourgé
bearbeitet von Hausorgler, Donnerstag, 28. August 2014, 15:46

....allerdings - der Raum beeindruckt gerade durch seine Askese (und sagt auch mir deshalb eher zu als viele Barockkirchen). Wenn diese Kirche liturgisch "reanimiert" würde, wäre das doch eigentlich im Sinne der Erbauer.

Ja. Aber ein bißchen müßte man schon was richten nach der ganzen Plünderei, damit es wenigstens wieder ein klein wenig schmucker aussieht:
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Für eine katholische Nutzung wären natürlich auch einigermaßen wohnliche Beichtstühle hilfreich:
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Und für die evangelischen Brüder sollte ja auch eine anständige Plattform zur Verfügung stehen:
[image]

Das wäre doch was: zwei fahrbare Orgeln, eine evangelische, eine katholische....;--).

In dieser Kirche gab es bis vor kurzem sogar zwei Stromkreise (einen evangelischen und einen katholischen), es gibt katholische Zeiten und evangelische Zeiten in denen z.B. die jeweils andere Konfession nicht einmal läuten darf. Vielleicht könnten sich die Verantwortlichen von Eberbach hier Rat holen für ein langfristiges (so im Rahmen von einem halben Jahrtausend) gedeihliches Nebeinander.

meint augenzwinkernd der Hausorgler

Klangvolle Truhenorgel – Eberbach

jrbecker @, Donnerstag, 28. August 2014, 16:18 (vor 4452 Tagen) @ Hausorgler

Das wäre doch was: zwei fahrbare Orgeln, eine evangelische, eine katholische....;--).

In dieser Kirche gab es bis vor kurzem sogar zwei Stromkreise (einen evangelischen und einen katholischen), es gibt katholische Zeiten und evangelische Zeiten in denen z.B. die jeweils andere Konfession nicht einmal läuten darf. Vielleicht könnten sich die Verantwortlichen von Eberbach hier Rat holen für ein langfristiges (so im Rahmen von einem halben Jahrtausend) gedeihliches Nebeinander.

meint augenzwinkernd der Hausorgler


Das gibt es auch hier, eine der ältesten Simultankirchen Deutschlands, nie Bischofssitz gewesen und trotzdem "Dom" genannt... Der Beweis ist am Ende des 1. Absatzes in dieses Artikels zu finden. Der ist zwar schon 7 Jahre alt, bei einer Führung im letzten Jahr wurde aber nach wie vor davon erzählt. In der Bildergalerie zu diesem Artikel gibt es sogar ein Foto des Schalters...

LG
Jörg

Klangvolle Truhenorgel – Eberbach

Wolfgang Gourgé @, Donnerstag, 28. August 2014, 23:38 (vor 4452 Tagen) @ Hausorgler

Das wäre doch was: zwei fahrbare Orgeln, eine evangelische, eine katholische....;--).

In dieser Kirche gab es bis vor kurzem sogar zwei Stromkreise (einen evangelischen und einen katholischen), es gibt katholische Zeiten und evangelische Zeiten in denen z.B. die jeweils andere Konfession nicht einmal läuten darf.

....getrennte Wasseranschlüsse schienen mir auch sinnvoll.....

feuchte Grüße,
Wolfgang....

Klangvolle Truhenorgel – wie?

untersatz32, Freitag, 29. August 2014, 20:20 (vor 4451 Tagen) @ Friedrich

Klasse Thema; fundierte Erfahrungsberichte hierzu (evtl. mit Klangbeispielen oder Links) würden mich auch sehr interessieren...

Gruss Thomas

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