spezielle Frage zur BDO-Spieltischnorm

Dulzian @, Freitag, 22. August 2014, 20:29 (vor 4453 Tagen)

Hallo zusammen,

bzgl. Tastendruckpunkt und Haltekraft gibt die BDO-Spieltischnorm (Ausgabe 2000) folgende Empfehlung:
Tastendruckpunkt ungekoppelt zwischen 120-200 Gramm
Haltekraft ungekoppelt zwischen 80-150 Gramm
(alle Angaben für Taste c0, 1 Windladenregister, 80mm Winddruck)

Jetzt kommt ein Satz, den ich zitiere, und zu dem ich eine Frage habe:

"Pro angekoppeltes Manual soll sich bei günstigen Verhältnissen (harte Lagerungen, wenig Umlenkungen) der Tastendruckpunkt um nicht mehr als 50% erhöhen"

Meine Frage ist, ob es so gemeint ist, dass sich der Tastendruckpunkt erstmal verdoppelt (weil man mit der Manualkoppel die Taste des anderen Manuals mit betätigt und damit dessen Tastendruckpunkt mit bewältigen muß) und darüber hinaus noch weitere 50% dazukommen (wegen der Reibungsverluste z.B. bei den Wippen (falls Wippenkoppel)?
Ansonsten hätte ich erwartet, dass der resultierende Tastendruckpunkt wenigstens die Summe aus den Tastendruckpunkten beider Manualtasten ist, oder sehe ich da was falsch?

Vielen Dank im Voraus für hilfreiche Antworten!

spezielle Frage zur BDO-Spieltischnorm

JRorgel @, Freitag, 22. August 2014, 22:12 (vor 4453 Tagen) @ Dulzian

Hallo zusammen,

bzgl. Tastendruckpunkt und Haltekraft gibt die BDO-Spieltischnorm (Ausgabe 2000) folgende Empfehlung:
Tastendruckpunkt ungekoppelt zwischen 120-200 Gramm
Haltekraft ungekoppelt zwischen 80-150 Gramm
(alle Angaben für Taste c0, 1 Windladenregister, 80mm Winddruck)

Jetzt kommt ein Satz, den ich zitiere, und zu dem ich eine Frage habe:

"Pro angekoppeltes Manual soll sich bei günstigen Verhältnissen (harte Lagerungen, wenig Umlenkungen) der Tastendruckpunkt um nicht mehr als 50% erhöhen"

Meine Frage ist, ob es so gemeint ist, dass sich der Tastendruckpunkt erstmal verdoppelt (weil man mit der Manualkoppel die Taste des anderen Manuals mit betätigt und damit dessen Tastendruckpunkt mit bewältigen muß) und darüber hinaus noch weitere 50% dazukommen (wegen der Reibungsverluste z.B. bei den Wippen (falls Wippenkoppel)?
Ansonsten hätte ich erwartet, dass der resultierende Tastendruckpunkt wenigstens die Summe aus den Tastendruckpunkten beider Manualtasten ist, oder sehe ich da was falsch?

Vielen Dank im Voraus für hilfreiche Antworten!

Wäre eigentlich logisch, trotzdem verstehe ich das aus dem Text so, dass bei Koppeln dann von, angenommen 120g an tastendruck, nochmal 50% darauf kommen, also 60g. Damit hätte man dann schon 180g bei zwei Manualen. So verstehe ich zumindest die Rechnung, die im Text vom BDO angegeben wird.
Oder liege ich da auch falsch...?

--
"Orgelspielen heißt, einen mit dem Schauen der Ewigkeit erfüllten Willen offenbaren." (Charles-Marie Widor)

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Dulzian @, Samstag, 23. August 2014, 09:10 (vor 4453 Tagen) @ JRorgel

Naja, das ist ja gerade das, worüber ich mich wundere:
Wenn 2 Manuale je 120g Druckpunktgewicht haben, erwarte ich bei Kopplung mindestens 240g - und dazu kommen noch das (ggfs. nicht nennenswerte) Zusatzgewicht durch die Reibungsverluste der Koppelmechanik.

Also, entweder ich habe einen Fehler gemacht, dass obige Druckpunktgewichte nicht einfach addiert werden, sondern dass bei Kopplung weniger Zusatzgewicht entsteht (was ich aber bei ein paar ausgemessenen mechanischen Orgeln nicht bestätigt bekam), oder die BDO-Spieltischnorm ist da fehlerhaft oder zumindest missverständlich?

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Oktavkoppler @, Samstag, 23. August 2014, 10:24 (vor 4453 Tagen) @ Dulzian
bearbeitet von Oktavkoppler, Samstag, 23. August 2014, 12:46

Normalerweise wird die Koppeleinichtung, sei es eine einfache, oder eine Doppelwippenkoppel so eingerichtet/konstruiert, daß die am angekoppelten Manual angreifende Koppelwippe untersetzt ist.
D.h. die Reise, die die Koppelabstrakte mit meinetwegen 8mm macht wird auf 4,5mm o.ä. an der Koppelwippe untersetzt.
Daraus resultiert dann der geringere Kraftaufwand.
Ok

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orgelbaumeister @, Samstag, 23. August 2014, 12:00 (vor 4453 Tagen) @ Oktavkoppler

genau so ist es

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stein @, Samstag, 23. August 2014, 18:32 (vor 4452 Tagen) @ orgelbaumeister

Hebelgesetze!

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Dulzian @, Samstag, 23. August 2014, 13:44 (vor 4453 Tagen) @ Oktavkoppler

Vielen Dank für die Antwort, sie leuchtet mir ein.
Merkwürdigerweise habe zwar ich an den beiden mechanischen Orgeln, an denen ich nachgemessen hatte, eher eine Addition beider Manualdruckpunkte gemessen, aber das kann ja verschiedene Ursachen haben.
Und man sieht ja auch tatsächlich, dass bei vielen Orgeln sich die Tasten des angekoppelten Manuals nur sehr wenig bewegen, dass deckt sich auch mit der Erklärung.

Also vielen Dank nochmals für die Klarstellung!

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Oktavkoppler @, Samstag, 23. August 2014, 15:16 (vor 4453 Tagen) @ Dulzian

Merkwürdigerweise habe zwar ich an den beiden mechanischen Orgeln, an denen ich nachgemessen hatte, eher eine Addition beider Manualdruckpunkte gemessen, aber das kann ja verschiedene Ursachen haben.

Es hängt natürlich auch davon ab, ob das mit der Untersetzung funktioniert.
Manchmal sind der Aufgang und Winddurchlass der Spielventile so knapp berechnet, daß durch weniger Ventilreise Windproble auftreten würden.
(Untersuche mal bei allen C-Tasten im II. Manual wie sich der Wind verhält, wenn bei voller Registrierung langsam gedrückt wird, also ob sofort alle Pfeifen in der richtigen Art anspechen, oder ob die Tasten bis zum Tastenboden gedrückt werden müssen, damit alles richtig klingt.)
Ok

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Lowdee, Mittwoch, 03. September 2014, 16:25 (vor 4442 Tagen) @ Oktavkoppler

Auch wenn ich hier einen alten Thread herauskrame, eine kleine Ergänzung: Koppeln werden in der Regel so ausgelegt, dass die Druckpunkte nacheinander durchschritten werden. Man merkt, wenn man die Taste ganz langsam herunterdrückt, dass der Ton des Manuals, an welches angekoppelt wird, zuerst erklingt. Somit addieren sich im Maximalfall nicht beide Druckpunkte, sondern das normale Tastengewicht des ersten Manuals und der Druckpunkt des angekoppelten Manuals. Eine mögliche Hebelwirkung, wie hier bereits erwähnt, tut dann ihr Übriges.

Gruß

Lowdee

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